Berlin.Table – Ausgabe 813

Erste große Reform + Elektro-LKWs + Energiegesetze

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Talk of the Town

Reformen: Warum es der Koalition schwerfällt, in den Arbeitsmodus zu wechseln

Die Koalition steht vor ihrer wohl wichtigsten Woche seit Beginn der Legislatur. Am Mittwoch sollen nicht nur die Eckwerte für den Haushalt im Kabinett beschlossen werden, sondern mit dem Spargesetz für die gesetzlichen Krankenversicherungen auch die erste große Reform dieser Regierung. Nach Wochen, in denen mehr Streitereien innerhalb der Koalition als wirkliche Lösungen für akute Probleme im Vordergrund standen, macht das Regierungsbündnis einen wichtigen Schritt nach vorne. Allerdings kann das nur der Anfang sein – und bislang ist fraglich, ob die Koalition noch die Kraft hat, über diese Woche hinaus die notwendigen Kompromisse zu schließen.

Statt sich unterzuhaken, ziehen sich CDU, CSU und SPD derzeit immer weiter in ihr jeweiliges Schneckenhaus zurück. Das beklagt am Wochenende auch CDA-Chef Dennis Radtke, als der Parteivorsitzende Friedrich Merz den Sozialflügel beim Bundeskongress in Marburg besucht. Es habe sich leider eine unglaubliche Sehnsucht breitgemacht „nach allem, was pur ist“, sagt Radtke. „CDU pur, SPD pur – es sind immer die gleichen Reflexe.“ Während es die Christdemokraten ins Konservative ziehe, blinke die SPD nach links. „So kann es nicht funktionieren“, mahnt der CDA-Vorsitzende. „Bei dem Begriff CDU pur stellen sich mir die Nackenhaare auf.“

Zwar wünschen sich viele ein harmonischeres Miteinander, doch scheint die Kompromissbereitschaft ausgerechnet bei den entscheidenden Personen in Berlin lediglich in der Theorie vorhanden zu sein. So betont Jens Spahn in einem Interview mit der FAZ, die Koalition müsse aus dem aktuellen Modus herausfinden, wenn sie noch einmal Erfolg haben will. „Die notwendigen strukturellen Entscheidungen sind noch nicht getroffen. Da nützt es auch nichts, große Reden bei der Bertelsmann-Stiftung zu halten oder Gastbeiträge zu schreiben“, so der Unions-Fraktionsvorsitzende in Richtung SPD, aber auch an die Adresse der eigenen Leute. Es funktioniere in einer Koalition nur, „wenn beide Seiten den Erfolg wollen“. Der SPD empfiehlt Spahn, wieder mehr Franz Müntefering und Ulla Schmidt zu wagen. Die hätten vor 20 Jahren mit harten Reformen maßgeblich dazu beigetragen, „dass ein ganzes Jahrzehnt des Wachstums möglich wurde“.

In den Fraktionen ist die Stimmung ähnlich angespannt. Fragt man Abgeordnete nach der jeweils anderen Partei, kommen selten positive Kommentare. Merz’ Aussage zur Basisrente dürfte auch in den kommenden Wochen noch für großen Unmut bei der SPD sorgen – trotz aller Klarstellung am Wochenende, dass keine Rentenkürzungen geplant seien. Zudem kritisieren die Sozialdemokraten den Alleingang von Nina Warken bei der Reform der GKV. Bei einem so heiklen Thema wäre es doch besser gewesen, sie hätte sich vorher mit den Fraktionen abgestimmt, heißt es aus der SPD. Es ist das gute Recht der Ministerin, ohne Abstimmung mit dem Parlament einen Gesetzentwurf auszuarbeiten. Doch ein nicht abgestimmter Gesetzentwurf provoziert Gegenreaktionen.

Trotz der Kritik an Warkens Vorgehen, plant Finanzminister Lars Klingbeil nun genau dasselbe. Obwohl Union und SPD sich bei der Einkommenssteuerreform bislang noch nicht einig sind, soll das BMF gerade an einem Gesetzentwurf arbeiten, der schnellstmöglich vorgestellt werden soll. Dabei arbeitete die Union im Bundestag noch vergangene Woche ebenfalls an einem Vorschlag zur Einkommensteuer. Allerdings bewerten die Sozialdemokraten diesen als „unseriös“, er sei nicht gegenfinanziert. Die Regierungsparteien wollten eigentlich in den Arbeitsmodus wechseln, stattdessen regen sich bei Union und SPD immer noch die alten Abwehrreflexe.

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News

Elektro-LKWs: Infrastruktur und günstigere Strompreise dringend gefragt. Der Bundesverkehrsminister drängt auf ein höheres Tempo beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrisch betriebene Lastwagen. „Ich weiß, dass es ehrgeizig ist, aber wir müssen vorankommen“, sagte Patrick Schnieder Table.Briefings bei einem Termin mit großen europäischen LKW-Herstellern in Berlin. Der Minister räumte Vollzugsdefizite ein: „Wir müssen bei den Genehmigungsbehörden besser werden.“ Wohl wissend, dass das Verkehrsministerium auf Netzbetreiber, die die Netzanschlüsse herstellen müssen, und lokale Genehmigungsbehörden wenig Einfluss nehmen kann.

Dass Handlungsbedarf besteht, hat Schnieder durchaus erkannt. Denn insbesondere der Straßengüterverkehr hinkt bei der Mobilitätswende deutlich hinterher. Nur knapp drei Prozent der neu zugelassenen schweren LKWs waren im vergangenen Jahr elektrisch angetriebene Trucks. Es fehlt bisher an einer eng gestrickten Ladeinfrastruktur, es fehlt an Flächen und an attraktiven Strompreisen. Im vergangenen Herbst legte Schnieder deshalb einen Masterplan 2030 für die LKW-Infrastruktur vor. Demnach will allein der Bund entlang der Autobahnen 350 Ladestationen mit mehr als 4.000 Ladepunkten einrichten. Ein erhöhtes Tempo könnte sich lohnen. Die hohen Spritpreise und die Mautbefreiung für Elektro-Trucks – immerhin 32 Cent pro Kilometer – animieren immer mehr Spediteure zum Rechnen.

Doch ganz leicht zu lösen sind die Probleme nicht: Die Netzbetreiber, in Deutschland sind es 862, tun sich vielfach schwer, Strommengen und die dazu gehörige Infrastruktur bereitzustellen. In Frankreich zum Vergleich stellt ein einziger Stromanbieter Energie und Technik bereit. Die zweite hohe Hürde sind die lokalen Genehmigungsbehörden, für die ein Antrag auf eine größere LKW-Ladestation zumeist völliges Neuland darstellt. Für die Branche ist die Anschlussdichte der spielentscheidende Faktor. „Es steht und fällt mit der Infrastruktur“, sagt Michael Dommermuth, Geschäftsführer der Duisburger Spedition Pape, die 426 Trucks auf den Straßen hat. 47 Trucks rollen bereits elektrisch, Ende des Jahres sollen es 70 sein.

Die Branche will Tempo – und sie will Klarheit. Sie will für ihre Investitionsentscheidungen einen klar definierten Pfad. „Wir setzen auf die batterieelektrische Technik“, sagt eine Branchenvertreterin. „Aber für den schnellen Hochlauf ist die Infrastruktur noch nicht da.“ Schon gar nichts hält sie von der Debatte über eine angebliche Technologieoffenheit. „Das ganze Gerede führt in die Irre“, sagt sie. Die Debatte bremse viele potenzielle Investoren aus, „in der Hoffnung, dass noch was Besseres kommt“. Wie die Kalkulation von Spediteuren und Logistikern aussieht, lesen Sie in der Analyse des Berlin.Table. Horand Knaup

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E-Mobilität: Wie ein chinesischer Autobauer die Batterie-Effizienz erhöht. Der chinesische Autobauer Chery hat gemeinsam mit dem österreichischen Zulieferer AVL ein Elektroauto entwickelt, das deutlich sparsamer fährt als alles, was bisher auf dem Markt ist. Während ein VW ID.3 mindestens 14 Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer verbraucht, kommt das neue Fahrzeug mit weniger als zehn kWh aus.

Der Konzern hat bereits die Serienfertigung angekündigt. Der Wagen dürfte aufgrund der komplexen Technik und des Forschungsaufwands nicht günstig werden. Jedoch seien chinesische Kunden bereit, mehr Geld auszugeben, um die modernste Technik zu fahren und langfristig beim Verbrauch zu sparen, glauben Experten. Wie Chery den Meilenstein erreicht hat, lesen Sie im China.Table. Christian Domke Seidel

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Hätten Sie’s gedacht? Über 76 Prozent der Bundesbürger sprechen sich dafür aus, private Pflegezusatzversicherungen stärker zu fördern - etwa durch eine steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge. Die Politik sucht derzeit nach Wegen, die Eigenanteile an den Pflegekosten zu begrenzen. Da wäre die Förderung der privaten Vorsorge doch eine gute Idee. (mehr auf pkv.de)

Energiegesetze: Uneinigkeit verhindert Start der Verbändeanhörung. Wenige Tage nachdem die Ressortabstimmung offiziell eingeleitet wurde, hängen die EEG-Novelle, das Netzpaket und das Versorgungssicherheitsgesetz erneut fest. Entgegen der Planung des von Katherina Reiche geführten BMWE wurde die Länder- und Verbändeanhörung in der vergangenen Woche noch nicht eingeleitet. Nach Informationen aus Regierungskreisen ist von Seiten der SPD Widerspruch eingelegt worden. Zum einen gibt es inhaltliche Kritik, etwa am sogenannten Redispatch-Vorbehalt und der kompletten Streichung der Einspeisevergütung für neue Aufdach-Solaranlagen. „Die Energiewende muss beschleunigt werden“, sagte Umweltminister Carsten Schneider am Abend in der ARD. „Daran haben sich alle Gesetze, die wir machen, zu halten.“

Zum anderen spielt aber offenbar auch das sogenannte Naturflächenbedarfsgesetz eine Rolle. Gegen dieses Vorhaben, mit dem das Umweltministerium die Möglichkeit schaffen will, größere zusammenhängende Schutzgebiete einzurichten, hat der Bauernverband protestiert. Nach Informationen von Table.Briefings hat die Union darum die Einleitung der Länder und Verbändeanhörung für dieses Gesetz blockiert, was bei der SPD für Ärger sorgt. Doch auch innerhalb der Union gibt es noch Uneinigkeit: Auch das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium hat einen Leitungsvorbehalt gegen die EEG-Novelle eingelegt; Grund soll in diesem Fall eine nach Ansicht des BMLEH zu geringe Ausschreibungsmenge für Biogasanlagen sein. Malte Kreutzfeldt

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Rüstungskooperation mit Kyjiw: Klingbeil bei Ukraine-Roundtable im BMVg. Die Bundesregierung weitet ihre Rüstungspartnerschaft mit der Ukraine aus. Ziel eines Roundtables im Bendlerblock am Dienstag sei es, „gezielte Investitionen“ in die ukrainische Verteidigungsindustrie voranzutreiben, hieß es am Wochenende aus dem Verteidigungsministerium. Digital zugeschaltet zu dem Treffen von Verteidigungsminister Boris Pistorius, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Finanzminister Lars Klingbeil ist Mykhailo Fedorow, der ukrainische Verteidigungsminister. Auch Vertreter aus der Finanzbranche sowie von Rüstungsunternehmen und Start-ups werden im BMVg erwartet.

Erst vor zwei Wochen hatte der deutsche Drohnensoftwarespezialist Auterion angekündigt, in einem Joint Venture gemeinsam mit dem ukrainischen Rüstungshersteller Airlogix Angriffsdrohnen zu bauen. Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall schloss schon 2023 ein Joint Venture mit dem ukrainischen Staatskonzern Ukrainian Defense Industry JSC. EU-Rüstungskommissar Andrius Kubilius hatte zuletzt im Interview mit Table.Briefings ein stärkeres europäische Engagement für die ukrainische Rüstungsindustrie verlangt. Was sich die Bundesregierung vom Ukraine-Roundtable am Dienstag von Wagniskapitalgebern erhofft, lesen Sie im Security.Table. Markus Bickel, Robert Wallenhauer

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Arbeitslosenversicherung: DGB schlägt regionale Kompetenzzentren vor. Solche Einrichtungen könnten als „Knotenpunkte für Beratung, Qualifizierung und Vernetzung“ agieren, heißt es in einem Positionspapier des DGB zur Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung. Es wird am Montag veröffentlicht. Aus Sicht der Gewerkschaften braucht es ein bundesweites Weiterbildungsangebot, um Interessierte zu „Transformationslotsen“ zu machen. Damit könnten Veränderungsprozesse im Unternehmen unterstützt und systemische Angebote wie die von der Bundesagentur für Arbeit unterstützten „Arbeitsmarktdrehscheiben“ koordiniert werden. Letztere haben zum Ziel, von Entlassung bedrohte Beschäftigte weiterzuvermitteln. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es, alle Instrumente und Strukturen der Bundesagentur für Arbeit würden auf ihre Wirksamkeit geprüft und angepasst. Okan Bellikli

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Finanzkriminalität: Brorhilker fordert Nachschärfungen bei Zollgesetz. Das vom BMF geplante „Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz“ geht aus Sicht der früheren Cum-Ex-Chefermittlerin Anne Brorhilker nicht weit genug. Mit dem Gesetz will die Regierung den Kampf gegen organisierte Kriminalität verstärken. Neben Geldwäsche müsse die Regierung international organisierte Steuerhinterziehung stärker mitdenken, sagte die Geschäftsführerin der NGO Finanzwende Table.Briefings. Cum-Ex, Cum-Cum und Fälle von Umsatzsteuerbetrug hätten gezeigt, wie systematisch vorgegangen wird, um „den Staat und damit uns alle auszuplündern“. Aus Brorhilkers Sicht braucht es eine interdisziplinär besetzte Ermittlungseinheit auf Bundesebene.

Nur so lasse sich das bestehende Drei-Säulen-Modell aus Polizei, Finanzverwaltung und Zoll überwinden. Auch die Zoll- und Finanzgewerkschaft fordere eine solche Ermittlungseinheit, heißt es von Finanzwende. Anders würden sich die komplexen Strukturen von hochprofessionell agierenden Tätergruppen nicht durchdringen und verfolgen lassen. Es sei sinnvoll, die Einheit beim Zoll anzusiedeln, da es hier anders als bei Polizei und Steuerbehörden nicht noch 16 Landesableger gebe. Okan Bellikli

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Indopazifik: Wie die EU ihre strategischen Allianzen ausbaut. Angesichts globaler handels- und sicherheitspolitischer Spannungen versucht die EU, ihren Einfluss im Indopazifik auszubauen. Um sich gegenüber China und den USA besser zu behaupten, unterzeichnet sie Freihandelsabkommen und Sicherheitspartnerschaften mit mittelgroßen Partnerstaaten. Im Januar schloss die EU-Kommission Verhandlungen mit Indien über ein Freihandels- sowie ein Sicherheitsabkommen ab, zwei Monate später folgte ein Handelsabkommen mit Australien, das ebenfalls mit einer Sicherheitspartnerschaft ergänzt wurde. Viele Staaten in der Region teilen die Besorgnis der EU über die chinesische Wirtschaftspolitik und über die unberechenbare Außenpolitik der USA. Mit wem Brüssel als nächstes ein Abkommen schließen möchte und welche weiteren Instrumente die EU einsetzt, lesen Sie im Europe.Table. Antonia Zimmermann

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Table.Today Podcast

Table.Today. "Wie lebendig ist das Völkerrecht? Mit Prof. Claus Kreß."

Gilt das Völkerrecht nur in Schönwetterzeiten? Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine drängt sich dieser Eindruck auf. Die regelbasierte Weltordnung steht erheblich unter Druck. Was können Deutschland und Europa tun, um das Völkerrecht zu schützen? Darüber diskutiert Helene Bubrowski mit dem Kölner Rechtsprofessor Claus Kreß. Außerdem bei Table.Today: die Schüsse beim White House Correspondents’ Dinner und die Reaktion von Donald Trump. Den Podcast hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Table.Documents

Bericht des Landesrechnungshofs zur CDU-Fördermittelaffäre in Berlin

Positionspapier des DGB zur Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung

Stellungnahme von Finanzwende zum Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz

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Heads

Elke Büdenbender betont als Unicef-Schirmherrin die Bedeutung von Deutschlands Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit. Mit Blick auf den Haushalt für 2027 sei es ihr „dringender Appell, dass die Verantwortlichen Prioritäten richtig setzen und sehen, dass Deutschland in einer globalen Welt vernetzt ist“. Dazu gehöre auch die Zusammenarbeit mit UN-Organisationen wie Unicef, sagte die ehemalige Richterin, die noch bis Frühjahr 2027 First Lady der Bundesrepublik ist. Welchen Zusammenhang Büdenbender zwischen Sicherheitspolitik und Entwicklungshilfe sieht, lesen Sie im Security.Table. Katharina Horban

Olaf Scholz soll am Dienstag in New York mit der Leo-Baeck-Medaille ausgezeichnet werden. Der frühere Bundeskanzler werde für seine Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland geehrt, sagte der Präsident des Leo-Baeck-Instituts, David Marwell, dem Tagesspiegel. Die Laudatio auf den SPD-Politiker soll der frühere US-Außenminister Antony Blinken halten. Die Medaille erinnert an den Rabbiner Leo Baeck (1873- 1956), zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Vertreter des liberalen deutschen Judentums. Vor Scholz wurden aus Deutschland unter anderem Frank-Walter Steinmeier, Joachim Gauck, Angela Merkel und Joschka Fischer ausgezeichnet. Damir Fras

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Best of Table

Europe.Table: Wie Frankreich beim Beistandsartikel vorprescht. Emmanuel Macron will die innereuropäische Verteidigungsallianz stärken, trifft mit seinem Anliegen aber auf eine uneinige EU. Was die europäischen Staats- und Regierungschefs beim Gipfeltreffen in Zypern sonst noch besprochen haben, lesen Sie hier.

China.Table: Wo sich deutsche von chinesischen Autobauern unterscheiden. Deutsche Autobauer setzen auf Marke und Geschichte, chinesische Hersteller auf Tempo, Preis und Software. Das sagt der Gründer der amerikanischen Beratungsfirma Sino Auto Insights, Tu Le. Weshalb Komplexität eines der deutschen Kernprobleme ist, lesen Sie hier.

Security.Table: Wie der Libanon stabilisiert werden könnte. Israels Militär konnte die Hisbollah bislang nicht entwaffnen, auch der libanesischen Regierung ist das mangels Ressourcen und aus Sorge vor einem Bürgerkrieg nicht gelungen. Wie internationale Unterstützung aussehen könnte, lesen Sie hier.

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Time.Table

Highlights der Woche

Am Montag beginnt eine zweitägige Klausur des Vorstands der Unionsfraktion. Zum Auftakt ist Ursula von der Leyen zu Gast, am Abend ist eine Aussprache mit Friedrich Merz geplant. Auftakt-Pressekonferenz mit Jens Spahn, Alexander Hoffmann und Ursula von der Leyen, 11 Uhr. Statements von Merz, Spahn und Hoffmann, 18 Uhr

Am Montag kommen die SPD-Landesgruppen NRW und Niedersachsen zu einer gemeinsamen Klausur in Bielefeld zusammen. Bis Dienstag geht es unter anderem um die Themen „sichere Arbeitsplätze und moderner Staat“.

Am Dienstag trifft sich die Grünen-Bundestagsfraktion zu einer dreitägigen Klausurtagung in Leipzig, bei der sie ein eigenes Konzept für eine Krankenkassenreform beschließen möchte. Zudem ist eine Debatte zum Thema „Jung. Ostdeutsch. Engagiert.“ geplant.

Am Mittwoch stellt Lars Klingbeil den Regierungsentwurf zu den Haushaltseckwerten 2027 und dem Finanzplan 2028-2030 in der BPK vor. Darüber hinaus befasst sich am Mittwoch das Bundeskabinett mit dem Reformpaket von Nina Warken, das Einsparungen im Gesundheitsbereich von rund 20 Milliarden Euro vorsieht.

Am Mittwoch wird Winfried Kretschmann mit einem Festakt im Neuen Schloss in Stuttgart verabschiedet. Nach der Begrüßung durch Thomas Strobl hält Joachim Gauck eine Rede. Das Heeresmusikkorps Ulm spielt von Kretschmann ausgewählte Stücke.

Am Sonntag öffnet der Bundestag seine Türen zum „Tag der Ein- und Ausblicke“. Besucher haben die Möglichkeit, auf einem Rundgang die Gebäude des Bundestags kennenzulernen, sich im Plenarsaal mit Julia Klöckner auszutauschen oder den Kurzvorträgen der Bundestagsvizepräsidenten zu lauschen.

27. April 2026

Sozialpolitik: Eine Delegation des Sozialausschusses ist bis Donnerstag in Italien. Thema ist die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Südtirol gelte hier europaweit als Vorzeigeregion, heißt es vom Ausschuss. Außerdem sind die Abgeordneten zu Gesprächen in Rom, wo es um die Zukunft des Sozialstaats allgemein geht. Beide Staaten kämpfen mit einer Überalterung der Gesellschaft und sinkenden Geburtenraten.

Außenpolitik: Vor dem Hintergrund des Irankriegs und der Lage in der Straße von Hormus reist Johann Wadephul nach New York, um an einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur maritimen Sicherheit und einer Debatte der Überprüfungskonferenz zum Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag teilzunehmen.

Parteien: Gremiensitzungen und Statements der Bundesparteien: Ines Schwerdtner, Linke, 13 Uhr. Felix Banaszak, Grüne, 14 Uhr

Wirtschaft: Deutsch-britisches Wirtschaftsforum mit Katherina Reiche und ihrem britischen Amtskollegen Peter Kyle sowie den Spitzen von BDI und DIHK. Haus der Deutschen Wirtschaft, Berlin, 14:30 Uhr. Programm

Bildung: Friedrich Merz besucht anlässlich des EU-Projekttags das Carolus-Magnus-Gymnasium in Marsberg. Dort nimmt er an einer Podiumsdiskussion mit den Schülern zu Europa-Themen teil.

Fernsehen: In der ARD-Arena stellt sich Markus Söder den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. 21 Uhr

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Must-Reads

SZ: Privatkassen-Chef fordert Rückbesinnung der GKV auf Kernaufgaben. Thomas Brahm, Debeka-Chef und PKV-Verbandsvorsitzender, plädiert dafür, die gesetzliche Krankenversicherung auf ihr ursprüngliches Leistungsspektrum zu beschränken und Zusatzleistungen dem privaten Markt zu überlassen. Außerdem beklagt er, dass ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts die Debeka daran hindere, Versicherten auf Basis ihrer Abrechnungsdaten gezielt Präventionsprogramme anzubieten. Datenschutz stehe hier der Gesundheitsversorgung im Weg. („‚Das ist nicht unser Problem‘“)

Taz: Hannovers OB protestiert gegen geheime Streichliste. Rund 100 Leistungen sollen Kommunen künftig nicht mehr erbringen müssen, sagt eine Arbeitsgruppe aus Bund, Länder und kommunalen Spitzenverbänden. Dass der Deutsche Städtetag über die Vorschläge nicht informiert worden sei, findet dessen Vorsitzender Belit Onay „grundlegend falsch“. Zum Inhalt des Papieres sagt er: „Mir bringt es nichts, wenn ich wieder eine gute Finanzlage habe, aber keine funktionierende Stadt mehr, die Teilhabechancen garantiert.“ („‚In sechseinhalb Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt‘“)

Handelsblatt: VW-Vorstand legt Sanierungsvorschlag vor. Der Druck auf VW-Chef Oliver Blume wächst: Ein internes Papier zeichnet das Bild eines Konzerns, der strukturell zu groß, zu teuer und zu komplex geworden ist. Erstmals gelten auch mehrere deutsche Werke offiziell als Problemfälle. Überkapazitäten von bis zu einer Million Fahrzeugen entsprechen dem Output von vier Fabriken. Eigentümerfamilien und Aufsichtsrat fordern nun härtere Schritte, von Produktionsverlagerungen bis hin zu neuen Nutzungskonzepten für Standorte. Das Papier wird bei der Vorstandssitzung am Montag diskutiert. („Aufsichtsrat berät über nächste Eskalationsstufe der Sanierung“)

Nicht überlesen!

Münchner Merkur: Söder will kein Foodblogger mehr sein. Die wirtschaftliche und außenpolitische Lage verschärfe sich von Woche zu Woche; die Kommunikation müsse sich dieser Lage anpassen, sagt Markus Söder. Zudem wisse inzwischen jeder, dass er gerne esse, deswegen gebe es andere Themen. Nach dem schlechten Kommunalwahlergebnis habe es Kritik aus Fraktion und von der Basis gegeben. („‚Die Menschen verlieren langsam die Geduld‘“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Caren Miosga, 21:45 Uhr: Hubertus Heil, Claudia Major, Daniel Gerlach, Bojan Pancevski

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Reem Alabali Radovan, Entwicklungsministerin (SPD): WHO-Summit

7:15 Uhr: Omid Nouripour, Bundestagsvizepräsident (Grüne): aktuelle Lage im Irankrieg

8:10 Uhr: Emmi Zeulner, Obfrau Gesundheitsausschuss (CSU): Reform der GKV

ZDF

6:35 Uhr: Fabian Ritter, Meeresbiologe: gestrandeter Wal

7:05 Uhr: Jörg Rocholl, Wirtschaftswissenschaftler: Lage der Wirtschaft und Reformdebatte

8:05 Uhr: Steffen Bilger, Erster PGF der Unionsfraktion (CDU): Klausur der Unionsfraktion

phoenix

9:05 Uhr: Reiner Holznagel, Bund der Steuerzahler: Reformdebatte

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Geburtstage

Bertram von Moltke, Botschafter in Jordanien, 65

Michael Kindsgrab, Botschafter in Saudi-Arabien, 62

Serdar Yüksel, MdB (SPD), 53

Konrad Körner, MdB (CSU), 34

Petra Grimm-Benne, Arbeitsministerin von Sachsen-Anhalt (SPD), 64

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu Johann Wolfgang von Goethe. Er war nicht nur Dichter, sondern auch Politiker und Forscher. Aus all seinen Texten hat der Literaturkritiker Gustav Seibt eine Auswahl zusammengestellt. Von Briefen über Dramen und Romanen bis zu seinen naturwissenschaftlichen Schriften bietet sie eine gute Übersicht über das Schaffen Goethes. Es geht um die Begegnung von Kulturen in der Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“, Goethes Treffen mit Napoleon Bonaparte und seinen Blick auf die Französische Revolution. Sie brach aus, als er rund 40 Jahre alt war. Okan Bellikli

Gustav Seibt: Ein Sommer mit Goethe | C.H. Beck

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Markus Bickel, Laura Block, Helene Bubrowski, Christian Domke Seidel, Damir Fras, Daniel Friesen, Katharina Horban, Horand Knaup, Malte Kreutzfeldt, Vincent Mikoteit, Leonard Schulz, Sara Sievert, Robert Wallenhauer und Antonia Zimmermann mitgewirkt.

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