Berlin.Table – Ausgabe 798

Klingbeil plant staatlichen Wohnungsbau + Familienministerin Prien für Ehegattensplitting + Merz’ Berater trifft US-Außenminister

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Talk of the Town

Wohnungsmangel: Warum die jüngsten Pläne von Lars Klingbeil scheitern könnten

Ginge es nach Lars Klingbeil, baut der Bund bald Wohnungen im „großen Stil“ – so hat es der SPD-Chef zumindest in seiner Bertelsmann-Rede angekündigt. Eine Idee, mit der die Sozialdemokraten schon lange liebäugeln. Dass es in Teilen der Regierung inzwischen ernsthafte Überlegungen dazu gibt, haben die allermeisten Mitarbeiter von Verena Hubertz erst durch Klingbeils Rede erfahren. Denn das Konzept wird seit vergangenem Jahr im Finanzministerium ausgearbeitet.

Fakt ist: In Deutschland fehlen hunderttausende Wohnungen. Das Pestel-Institut geht sogar von 1,4 Millionen fehlenden Einheiten aus. Eigentlich will die Bundesregierung dagegen seit Jahren etwas unternehmen. Aber bislang kommt sie nur in Minischritten voran. Um das zu ändern, soll der Bund nun als Bauherr auftreten. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet der Staatssekretär im Finanzministerium, Rolf Bösinger, an einem Plan für eine sogenannte Bundeswohnungsbaugesellschaft. Kein fachfremdes Thema für Bösinger: Er war zuvor Staatssekretär unter Klara Geywitz im Bauministerium.

Wie Table.Briefings erfuhr, könnte die Idee wie folgt aussehen: Es könnte eine Public-Private-Partnership-Gesellschaft gegründet werden – 49 Prozent gehören heimischen Unternehmen, 51 Prozent dem Bund. Der Bund beauftragt dann private Unternehmen sowohl mit dem Bau als auch mit der Bewirtschaftung der Wohnobjekte. Er übernimmt zudem Bürgschaften, wodurch der Eigenkapitalbedarf geringer ausfallen könnte als üblich. Heißt: Der Bund kann sich zu günstigeren Konditionen verschulden. Zudem lassen sich größere Auftragsvolumina bündeln, was gegenüber kleineren Einzelvergaben Kostenvorteile ermöglicht. Der Bund würde also nicht selbst bauen und verwalten, könnte aber die Mietenpolitik mitbestimmen. Durch die Beteiligung privaten Kapitals wäre die Gesellschaft keine klassische Behörde, sondern könnte wie ein reguläres Unternehmen agieren. Darin – ebenso wie in den vergünstigten Zinsen – sehen Experten einen Vorteil.

Eigentlich gibt es schon eine Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Bima. Das Portfolio ist allerdings überschaubar: Rund 38.000 Wohnungen verwaltet die Bima, davon stehen knapp 4.000 leer – aus unterschiedlichen Gründen. Statt mehr zu bauen, hat die Bima in den vergangenen Jahren regelmäßig Eigentum veräußert. Jemand, der mit dem neuen Konzept der Bundeswohnungsbaugesellschaft vertraut ist, sagt: Die Bima solle dabei keine Rolle spielen – anders als Ministerin Hubertz in einem Interview mit der SZ andeutete.

Generell habe man sich über die Kommunikation der Ministerin geärgert. Ein so sensibles Thema hätte man inhaltlich besser abstimmen sollen, bevor es breit kommuniziert wird. Denn egal, wie das Modell am Ende aussieht: es braucht eine Grundgesetzänderung. Wohlwissend, dass die CDU gegen eine staatliche Wohnbaugesellschaft ist, hätte man hier mit mehr Fingerspitzengefühl arbeiten müssen, heißt es. Nun versuche man hinter den Kulissen die Christdemokraten doch noch von dem Projekt zu überzeugen.

Ein weiteres Problem könnte die KfW-Bank darstellen. Über sie werden zentrale Fördermittel des Bundes abgewickelt, sie ist damit ein entscheidender Knotenpunkt für das Projekt. Ohne ihre Zustimmung lässt sich das Vorhaben nicht umsetzen. Allerdings hat sich die KfW in der Vergangenheit wiederholt zurückhaltend gezeigt – zuletzt bei Teilen des Deutschlandfonds, wie Table.Briefings erfuhr. Da verweigerte die KfW-Bank ihre Zustimmung, sodass nun nach alternativen Wegen gesucht werden müsse, um die betreffenden Bereiche des Deutschlandfonds umzusetzen. Es gibt also viele Baustellen für das Vorhaben. Meint die SPD es ernst mit der neuen Bundeswohnungsbaugesellschaft, muss das Thema zur Chefsache erklärt werden.

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News

Ehegattensplitting und Social-Media-Kodex: Karin Prien mahnt Reformen an. Die CDU-Familienministerin hält eine Reform des Ehegattensplittings für sinnvoll und schlägt einen neuen Social-Media-Kodex für Eltern vor. „Dass das bestehende Steuerrecht Auswirkungen hat auf die Attraktivität des zusätzlichen Arbeitens des Zweitverdienenden, das steht ja vollkommen außer Frage. Diese Zweitverdiener sind ja fast immer die Frauen“, sagte Prien im Podcast Table.Today. Es gehe bei den anstehenden Reformen daher um Steuerfragen mit Blick auf das Splitting-Verfahren, aber auch um die Steuerklassen, so Prien. Die Politik müsse Anreize setzen für mehr Vollzeitarbeit von Frauen. „Dazu gehören steuerliche Anreize, aber natürlich auch eine verbesserte Betreuungsstruktur und zwar sowohl, was die Betreuungszeiten angeht, als auch, was die Qualität der Betreuung angeht.“

Prien forderte zudem Eltern auf, ihre Kinder besser vor den Gefahren in Sozialen Medien zu schützen und kündigte eine umfassende Gesetzgebung an. Die Instrumente der EU gegen die Tech-Plattformen seien oft unwirksam. „Deshalb müssen wir zusätzliche Maßnahmen zum Kinder- und Jugendschutz einführen, möglichst gemeinsam auf europäischer Ebene, aber wenn das nicht funktioniert, auch auf nationaler Ebene“, so Prien.

Eine reine Altersbeschränkung werde für die Plattformen nicht ausreichen. Die Ministerin schlug einen Social-Media-Kodex für Eltern vor. „Kinder lernen vor allem vom Zuschauen und Zuhören. Und deshalb wird es auch Disziplin der Eltern erfordern. Wir brauchen eine Art Kodex, den auch Eltern für sich annehmen müssen.“ Ohne Eltern, die bereit seien, sich in Konflikte mit ihren Kindern zu begeben über diese Fragen, werde es nicht funktionieren. Den Podcast hören Sie ab 5 Uhr hier. Michael Bröcker

Table.Today. "Wie wird das Internet ein sicherer Ort? Mit Karin Prien."

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Martin Kussler über die widersprüchliche Lage der Leitmedien. Table Forum

Trump kritisiert Europäer: Merz’ Sicherheitspolitischer Berater trifft Rubio. Nachdem der US-Präsident scharfe Kritik an der Nato und den europäischen Bündnispartnern äußerte, ist der sicherheitspolitische Berater des Kanzlers, Günther Sauter, in die USA gereist, um dort US-Außenminister Marco Rubio zu Gesprächen zu treffen. Wie Table.Briefings aus Regierungskreisen erfuhr, fand das Treffen auf deutsche Initiative hin am Mittwoch in Washington statt. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mit einem möglichen Nato-Austritt gedroht, weil die europäischen Partner ihn seiner Meinung nach nicht ausreichend im Krieg gegen den Iran unterstützen. Die Kritik galt mitunter Spanien, Großbritannien, Frankreich und auch Deutschland.

Für die europäischen Partner bleibt klar, dass sie sich militärisch nicht an dem Krieg im Iran beteiligen werden. Sowohl der britische Premier Keir Starmer als auch Emmanuel Macron hatten das am Mittwoch erneut betont. Zwar stellte Bundeskanzler Friedrich Merz am Montag einen Beitrag Deutschlands für die Sicherung der Straße von Hormus in Aussicht. Dies könne etwa im Rahmen einer internationalen Kontaktgruppe passieren. Allerdings bleibt ein völkerrechtlich abgesichertes Mandat und damit ein Ende des Krieges Voraussetzung für die Europäer. Während seiner Rede zur Nation wurde Trump mit Blick auf den Iran und ein mögliches Ende des Krieges jedoch wenig konkret. Sara Sievert

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Wir sind die Weitblick-für-die-Pflege-Versicherung. In der Privaten Pflegeversicherung fließt der größte Teil der Beiträge in eine stabile Nachhaltigkeitsreserve. Dieses Geld legen wir am Kapitalmarkt an. Mit den Rücklagen und ihren Zinserträgen können wir die gesetzlichen Pflegeleistungen für unsere Versicherten komplett selbst tragen – ganz ohne Steuerzuschüsse. (mehr auf pkv.de)

Gewalt gegen Frauen: Ökonomin fordert mehr Einsatz für wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen sei wichtig, um gewalttätige Beziehungen verlassen zu können, sagt Christina Boll vom Deutschen Jugendinstitut Table.Briefings. Die Professorin ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Familienministeriums. Im Februar veröffentlichte das Haus mit BMI und BKA eine sogenannte Dunkelfeldstudie zu Gewalt innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften. Demnach erleben Frauen mit 676 Fällen pro 1.000 Personen mehr als doppelt so häufig „ökonomische Gewalt“ wie Männer. Hierbei enthält ein Partner dem anderen beispielsweise Geld vor oder nimmt in dessen Namen einen Kredit auf. Nur 0,9 Prozent der Fälle werden angezeigt. Mögliche Maßnahmen zeigt der 2025 veröffentlichte Familienbericht der Regierung, an dem Boll mitwirkte. Dazu gehören mehr Betreuungsplätze und weniger Fehlanreize wie das Ehegattensplitting. Okan Bellikli

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Einladung: Von Daten zu Taten: Umsetzung von Schüler-ID und evidenzbasierter Bildungspolitik. 15. April 17-18 Uhr im Livestream des Bitkom. Kostenlos anmelden

Sexualisierte Gewalt: Was Schulen tun können und sollen. Auch in Schulen wird die aktuelle Debatte um Deepfakes und Frauenfeindlichkeit im digitalen Raum geführt. Dabei sind Schulen selbst Orte, an denen es wiederkehrend zu Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kommt. Das zeigt eine Fallstudie der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch. Die Täter sind überwiegend männlich, die Opfer meist weiblich.

Mittlerweile haben die meisten Bildungsministerien ihre Schulen dazu verpflichtet, Schutzkonzepte auszuarbeiten. Entscheidend ist aber, wie ernst es die Schulen mit der Umsetzung meinen, sagt Julia Gebrande, die Vorsitzende der Aufarbeitungskommission, im Interview mit Table.Briefings. Schulen könnten noch viel mehr dafür tun, Kinder und Jugendliche aufzuklären und zu schützen, ist sich Gebrande sicher. Mehr lesen Sie hier. Malte Neumann

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Innere Sicherheit: Was aus Dobrindts Plänen geworden ist. Der „Herbst der Sicherheit“, den Alexander Dobrindt im Oktober angekündigt hat, könnte sich noch über Monate ziehen. Dafür sollen zahlreiche Behörden mehr Befugnisse erhalten und so leistungsfähiger werden. Wie Table.Briefings aus den Regierungsfraktionen erfuhr, steht vor allem die BND-Novelle oben auf der Agenda. Auch BKA, Bundespolizei und BSI sollen künftig mehr dürfen. Manche Innenpolitiker kritisieren allerdings, die geplanten Gesetze seien zu zerstückelt. Man verteile zusätzliche Befugnisse an einzelne Behörden, statt eine Gesamtstrategie zu entwickeln.

Viele der geplanten Gesetze sind bislang noch in erster Lesung im Bundestag. Am derzeitigen Entwurf des BMI für das „Gesetz zur Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse“ etwa gibt es noch viel Kritik. Von der Datenschutzkonferenz (DKS) hieß es am Donnerstag, in der vorgesehenen Form seien die Befugnisse „nicht mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben vereinbar“; sie gefährdeten die Rechte Unbeteiligter erheblich. Kontroversen gibt es auch bei der Modernisierung des Bundespolizeigesetzes. Nach erster Lesung überwies man den Entwurf im Dezember an den Innenausschuss.

Die Umsetzungen von EU-Richtlinien und aktuelle Probleme wie den Iran-Krieg und Drohnen-Überflüge haben in den letzten Monaten viel Zeit beansprucht. Auf NIS-2 und GEAS hat sich die Koalition zwar einigen können, doch der Cyber-Resilience-Act (CRA) steckt noch in der Planung. Einige Innenpolitiker klagen über eine gewisse Erschöpfung. Man wolle zwar definitiv weiterhin liefern und wisse auch um die Notwendigkeit. Gleichzeitig wäre es schön, wenn etwa aus dem Wirtschaftsbereich mehr Input käme, sagen sie. Franziska Klemenz

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Rüstungsexporte an den Golf: Bundesamt stoppt Ausfuhrregelung. Nach Kritik an seiner Exportpolitik hat das Bundesamt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle (Bafa) eine erst vor zwei Wochen erlassene Allgemeine Ausfuhrgenehmigung (AGG) in die Golfstaaten für ungültig erklärt. Eine neue Regelung sieht vor, dass Rüstungsunternehmen Kriegswaffen nun doch explizit anzeigen müssen. Kritiker hatten die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche als „Zeichen der Solidarität“ gepriesene Genehmigung als „Paradigmenwechsel“ in der deutschen Rüstungsexportpolitik bezeichnet, weil damit die bislang notwendige Einzelfallgenehmigung für Kriegswaffen und andere Rüstungsgüter wegfalle.

Ersetzt wird die Genehmigung durch eine neue. Diese ist weiterhin bis Mitte September gültig, sieht aber vor, dass Kriegswaffen jetzt gesondert ausgewiesen werden müssen. Anders als bei der zum 30. März einkassierten AGG sind Waffenhersteller nun explizit verpflichtet, anzugeben, ob es sich bei den auszuführenden oder verbrachten Gütern um Kriegswaffen im Sinne der Kriegswaffenliste handelt – einschließlich der jeweiligen Listennummer. Was der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner von der überarbeiteten Regelung hält, lesen Sie im Security.Table. Markus Bickel

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CO2-Preis: Hausgeräteindustrie sieht sich von Brüssel ignoriert. Vor allem der europäische CO2-Grenzausgleichsmechanismus bereite der Branche Probleme, sagt Lars Schubert im Table.Briefings-Interview. Der COO des Hausgeräteherstellers BSH beklagt, dass europäische Produzenten den europäischen CO2-Preis zahlen müssen, aber ausländische Marktteilnehmer, die fertige Geräte in die EU importieren, vom Grenzzoll befreit sind. Abschaffen will Schubert den CBAM jedoch nicht. Stattdessen soll er auch auf nachgelagerte Produkte wie fertige Haushaltsgeräte ausgeweitet werden. Was er nun von der EU-Kommission für seine Branche fordert, lesen Sie im Europe.Table. Lukas Knigge

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Lieferketten-Kontrolle: Debatte um Arbeitsfähigkeit der zuständigen Bafa-Abteilung. Über die Lage der für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) zuständigen Abteilung 7 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gehen die Einschätzungen weit auseinander. Auf eine schlechte Stimmung unter den Beschäftigten und angeblich eingeschränkte Arbeitsmöglichkeiten am Bafa-Standort im sächsischen Borna verweisen Insider im Gespräch mit Table.Briefings. „Die Mitarbeiter mit hohem Sachverstand gehen.“ Ganz anders stellt das BMWE die Situation dar. „An der Arbeitsfähigkeit bestehen keine Zweifel“, teilte das Ministerium mit. Allerdings bestätigte es, dass die beiden Unterabteilungsleiterstellen „unbesetzt sind“, genauso wie zwei der fünf für die Aufgabenerledigung geschaffenen Referatsleiterstellen. 85 der 101 Stellen der Abteilung waren Ende Februar besetzt. Wie viele Verfahren das Bafa derzeit bearbeitet, lesen Sie im ESG.Table. Caspar Dohmen

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Table.Documents

Stellungnahme des Bundesrats und Gegenäußerung der Regierung zur Durchführung der KI-Verordnung

Übersicht des BBSR zum Stand der kommunalen Wärmeplanung und Glossar zu klimaangepasstem und ressourcenschonendem Bauen

Bekanntgabe der allgemeinen Genehmigung zur Ausfuhr von Rüstungsgütern

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Heads

Jacques Tilly, Karnevalist aus Düsseldorf, ist in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht sprach ihn der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig. Tilly hatte dem russischen Machthaber Wladimir Putin und dessen Krieg gegen die Ukraine mehrere Male Mottowagen bei Karnevalsumzügen gewidmet. Tilly sagte der SZ am Donnerstag, das Urteil sei sehr hart. Er habe aber damit gerechnet, verurteilt zu werden: „Russland ist ein Unrechtsstaat.“ (SZ)

Matthias Gastel sitzt für die Grünen im Bundestag und hat eine Initiative für eine Parlamentsgruppe zum Thema politische Bildung gestartet. Bei dem Gründungstreffen waren Abgeordnete aus allen Fraktionen außer der AfD vertreten. Die Treffen stünden allen Parlamentariern aus den demokratischen Fraktionen offen, sagte Gastel Table.Briefings. Okan Bellikli

Boualem Sansal, algerisch-französischer Schriftsteller, übernimmt die Schirmherrschaft des 26. Internationalen Literaturfestivals Berlin (ILB) im September. Sansal stehe „für Meinungsfreiheit und für eine Literatur, die gesellschaftliche und politische Verantwortung übernimmt“, begründete das ILB seine Wahl. Im November war Sansal nach einem Gnadengesuch von Frank-Walter Steinmeier vom algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune begnadigt worden. Warum Sansal in Haft saß, lesen Sie im Africa.Table. Elián Libera

Florence Brokowski-Shekete, 58, ist Schulaufsicht in Mannheim, Autorin mehrerer rassismuskritischer Bücher. Aufgezogen von einer Pflegemutter, zog Brokowski-Shekete im Grundschulalter mit ihren Eltern in deren Heimat Nigeria, ehe sie drei Jahre später nach Deutschland zurückkehren konnte. In ihrem Berufsleben stieg sie binnen zehn Jahren von einer Lehrkraft zur Schulaufsicht auf und schrieb einen Bestseller über ihre Kindheit und Jugend. Was sie an ihrer Arbeit in der Schulaufsicht schätzt und wie sie den Rassismus-Diskurs einordnet, lesen Sie im Bildung.Table. Malte Neumann

Ralph Makolla, bislang Sprecher der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag, wurde fristlos entlassen. Er soll mithilfe einer KI ein sexualisiertes Deepfake-Video einer Kollegin erstellt und in einer Chatgruppe mit dem Namen „MitGLIEDER“ geteilt haben, in der auch weitere Fraktionsmitglieder vertreten sind. Das Gruppenbild soll einen Elefanten mit erigiertem Penis darstellen. Der Fraktionsvorsitzende Sebastian Lechner brach seinen Osterurlaub ab und betonte gegenüber der Welt: „Bei frauenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen gibt es in der CDU null Toleranz.“ (Bild)

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Best of Table

Security.Table: Preisunterschiede bei Kampfdrohnen werden deutlich. Das BMVg will künftig Kampfdrohnen von drei Anbietern kaufen. Die Preisspanne liegt dabei zwischen 40.000 und rund 100.000 Euro pro Stück. Wie die Hersteller die Unterschiede erklären, lesen Sie hier.

Europe.Table: Klimafreihandelsabkommen statt mehr CBAM. Nach der COP30 zeigt sich eine scharfe Spaltung zwischen fossilen und dekarbonisierenden Ländern. Warum diese Blockbildung strategische Folgen für die europäische Klimapolitik hat, lesen Sie hier.

Africa.Table: Ölpreisanstieg trifft Südafrika deutlich. Zum 1. April verkündete die südafrikanische Regierung Rekordsteigerungen bei den Treibstoffpreisen. Wegen des Preissystems mit monatlicher Anpassung machte sich der Nahost-Konflikt erst mit Verspätung bemerkbar. Welche Folgen dies für die Wirtschaft des Landes hat, lesen Sie hier.

Africa.Table: Forderungen an die Sudan-Geberkonferenz. Die Kinderrechtsorganisation Plan International fordert, dass auf der Berliner Sudan-Konferenz die Hilfe für Überlebende sexualisierter Gewalt umfassend finanziert wird. Um wie viel Geld es dabei geht, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Koalition will Zuckersteuer prüfen. Der Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit sei unter Umständen sachgerecht, sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt. Welche Einnahmen und Kostenersparnisse die Abgabe mit sich führen könnte, lesen Sie hier.

CEO.Table: Wie die USA durch KI ihren Wachstumsvorsprung zementieren. Nur wenn Europa Künstliche Intelligenz stärker in den Arbeitsalltag integriert, lässt sich der Rückstand zu den USA eindämmen. Wie ein US-Thinktank den Vorsprung der USA einordnet, lesen Sie am Samstag hier.

China.Table: Robotaxis rollen in den Alltag. Fahrerlose Taxis werden in Chinas Metropolen Teil des Straßenbildes – nicht zuletzt wegen des politischen Rückenwinds aus Peking, das einen gigantischen Markt in Robotaxis sieht. Wie hoch die Wachstumsziele sind, lesen Sie hier.

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Time.Table

3. April

Osterfest: Zum ersten Mal leitet Papst Leo XIV. die Feierlichkeiten am Karfreitag. Am Sonntag spricht er den traditionellen Segen Urbi et Orbi.

Protest: An vielen Orten finden unter verschiedenen Mottos Ostermärsche statt, darunter Frieden und Energiewende statt atomares Wettrüsten und Uranmüll (Urananreicherungsanlage Gronau, NRW) und Jeder Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit (Fliegerhorst Jagel, Schleswig-Holstein). Am Samstag ist ein Marsch in Berlin geplant, am Montag folgen weitere Demonstrationen.

4. April

Gedenken: Veranstaltung zum 20. Jahrestag der Ermordung des NSU-Opfers Mehmet Kubaşık. Mit Familie Kubaşık und Hendrik Wüst. Dortmund

5. April

Protest: Demonstration Stoppt die US-Israelische Aggression! in Berlin.

6. April
Gedenken: Veranstaltung zum 20. Jahrestag der Ermordung des NSU-Opfers Halit Yozgat. Mit Familie Yozgat und dem türkischen Generalkonsul Erdinç Evirgen. Dabei sind auch Christian Wulff und Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Angehörigen der Opfer des NSU. Kassel

Wirtschaft: 100-jähriges Jubiläum der Erstflüge von Lufthansa. Mit CEO Jens Ritter und Kai Wegner. Berlin

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Must-Reads

Tagesschau: Debatte um EU-Beistandsklausel. Die EU-Kommission will eine Klausel aus dem EU-Vertrag wiederbeleben, die zu gegenseitiger Hilfe bei Angriffen verpflichtet. Bei Beratungen im März offenbarten sich zwei Lager. Manche Länder haben grundsätzliche Bedenken oder wollen sich auf die Nato fokussieren, da die EU kein militärischer Akteur sei. Andere, darunter auch Deutschland, machen Druck. („‚Noch nicht in geopolitischer Realität angekommen‘“)

Tagesspiegel: Immer weniger Jugendliche kiffen. Knapp zwei Jahre nach Inkrafttreten der Teillegalisierung hat eine von der Regierung beauftragte Forschungsgruppe herausgefunden, dass rund 70 Prozent der Jugendlichen Cannabis für schädlich hält. Seit 2019 sinkt der Anteil der 15- bis 17-jährigen, der Cannabis konsumiert. Bei den Erwachsenen hingegen steigt der Konsum seit 2021. Prominente Unionspolitiker wie Alexander Dobrindt kritisieren das Gesetz regelmäßig, unter anderem wegen des „boomenden Schwarzmarktes“ – laut der Studie schrumpfe dieser aber. („731 Tage Cannabis-Legalisierung“)

Nicht überlesen!

Zeit: Renommierter Historiker fordert ChatGPT-Boykott. Rutger Bregman glaubt an die transformative Kraft Künstlicher Intelligenz. Damit in den nächsten fünf Jahren nicht nur „ein paar verrückte Tech-Bosse“, sondern „wir alle“ die Verantwortung für diese Technologie tragen, hat er die viel beachtete Kampagne „QuitGPT“ gestartet. Europa rät er, Entwickler von Anthropic abzuwerben, um „eine gegenläufige Macht“ zu akkumulieren. („‚Wir könnten eine Welt schaffen, in der alle zu Vermögenden werden‘“)

Zeit: Warum sich die Wohnungsnot verschärft hat. Daten des Dezernats Zukunft zeigen, wie sich die Förderpolitik in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Statt Objektförderung (sozialer Wohnungsbau) dominierte die Subjektförderung (Wohngeld) – was nur die Symptome bekämpft, statt Wohnraum zu schaffen. Vermieter haben so einen Anreiz, Mieten zu erhöhen, wenn sie wissen, dass der Staat einspringt. In den sieben größten Städten stiegen die subventionierten Mieten von 2012 bis 2025 jährlich im Schnitt um 4,6 Prozent. („Wie die Wohnungskrise existenziell wurde“)

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Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Markus Lanz, 23 Uhr: Volker Wissing, Antje Höning, Andreas Fulda, Felix Lee

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Geburtstage

3. April

Marlon Bröhr, MdB (CDU), 52

Christin Willnat, MdB (Linke), 40

Katharina Günther-Wünsch, Bildungssenatorin in Berlin (CDU), 43

Ulrike Demmer, Intendantin des RBB, 53

4. April

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im BMUKN, 64

Maria-Lena Weiss, MdB (CDU), 45

Janina Böttger, MdB (Linke), 44

Daniel Caspary, Mitglied des Europäischen Rechnungshofs, 50

Stefan Mappus, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg (CDU), 60

5. April

Fabian Gramling, MdB (CDU), 39

Kathrin Gebel, MdB (Linke), 29

Frank Werneke, Verdi-Bundesvorsitzender, 59

6. April

Niels Annen, Staatssekretär im BMZ (SPD), 53

Oliver Pöpsel, MdB (CDU), 53

Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlands (SPD), 50

Wolfgang Ischinger, MSC-Vorsitzender, 80

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu Egon Erwin Kisch. Der gebürtige Prager erfand zwar viele Details in seinen Geschichten, gilt aber dennoch als Reporterlegende. Sabine Rückert von Zeit Verbrechen nennt ihn den „Wegbereiter der True-Crime-Reportage“: Für diesen Band hat sie eine Auswahl der für seinen Stil typischen literarischen Berichte zusammengestellt. „Wenn jemand jemanden ermordet hatte, dann war's ein schönes Leben, denn da hatte ich viel zu schreiben“, so Kisch. Dabei ist auch einer seiner berühmtesten Texte – der zur sogenannten Redl-Affäre: ein Skandal um einen österreichisch-ungarischen Generalstabschef, der für Russland spionierte. Okan Bellikli

Egon Erwin Kisch: Prager Verbrechen | Die Andere Bibliothek

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Markus Bickel, Laura Block, Michael Bröcker, Caspar Dohmen, Damir Fras, Franziska Klemenz, Lukas Knigge, Elián Libera, Vincent Mikoteit, Malte Neumann, Leonard Schulz und Sara Sievert mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

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