Berlin.Table – Ausgabe 794

Erwartungen in der SPD + Personal und Kurs der AfD + Digitale Brieftasche

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Talk of the Town

SPD in der Krise: Rückhalt für den Parteichef, aber auch klar formulierte Erwartungen

Vielleicht hatte er nicht damit gerechnet, aber es gab durchaus Rückhalt für Parteichef Lars Klingbeil beim Krisentreffen der SPD-Führung am Freitag im Willy-Brandt-Haus. Dass die Kommunalvertreter prominent eingeladen waren und auch umfassend zu Wort kamen, fand unisono Applaus. Auch Klingbeils Auftritt zwei Tage zuvor bei der Bertelsmann-Stiftung erfuhr zunächst einmal durchweg positive Bewertungen. Der Vizekanzler hatte dort erste sozialdemokratische Reformvorschläge präsentiert, darunter, die Einkommen- und Erbschaftssteuer zu reformieren, Steuerhinterziehungen schärfer zu verfolgen, das Ehegattensplitting abzuschaffen oder auch eine staatliche Wohnbaugesellschaft zu gründen, um den brachliegenden Wohnungsbau mit neuen Impulsen zu beleben.

Im Mittelpunkt des Freitag-Treffens stand jedoch erst einmal die Aktualität. Den hohen Spritpreisen, da war man sich einig, soll die Bundesregierung mit einer Übergewinnsteuer und dem Beispiel Luxemburgs begegnen, wo das Wirtschaftsministerium Höchstpreise festlegt. Wenig Zustimmung fand hingegen die Überlegung, dem weiter wachsenden Haushaltsdefizit mit einer höheren Mehrwertsteuer abzuhelfen. Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat aus Berlin, nennt diese Überlegung eine „ideenlose Belastung der Menschen“.

Auch Jochen Ott, Spitzenkandidat der SPD in NRW, sagt, solche Überlegungen müssten „schnell vom Tisch“. Im BMF – und auch bei der Union – ist der Gedanke noch nicht ganz abgehakt. Der Grund: Bereits eine Erhöhung um einen Prozentpunkt hätte 15 Milliarden Euro Mehreinnahmen zur Folge. Und doch: „Wer ernsthaft darüber diskutiert, hat komplett das Gespür für die Sorgen der Menschen verloren“, sagte Krach Table.Briefings.

Doch klar wurde am Freitag auch: Die Partei will mehr als eine weitere Ansammlung von Einzelmaßnahmen. Von einem „New Deal“, einer Art Konzertierten Aktion mit einem klaren Aufbruchssignal war die Rede, um dem Land zu neuer Dynamik zu verhelfen. Die Parteiführung, so der Appell, möge doch einen Plan, eine Strategie und dazu ein Narrativ entwickeln, aus dem heraus sich dann auch einzelne Maßnahmen begründen ließen.

Im Klartext: Reformen ja, auch Einschnitte, gegebenenfalls gerecht verteilt, aber vor allem Investitionen in Infrastruktur, in Forschung, in Bildung – und nicht länger zu Lasten der Kommunen. Eine wiederholt vorgetragene Forderung lautet jedoch: „Es braucht auch einen Plan dazu.“ Auch Boris Pistorius bemängelte: „Die Erzählung fehlt noch.“ Der Duisburger OB Sören Link mahnte zudem aus Sicht der Kommunalvertreter dringlich an, es nicht bei Absichtserklärungen zu belassen: „Ihr müsst auch liefern.“ Und: „Es muss jetzt richtig losgehen.“ Solange die Kommunen Schwimmbäder und Büchereien schließen müssten, werde es im Übrigen keine Reformakzeptanz geben. „Unsere Leute müssen sehen, dass was passiert“, assistierte ihm Jochen Ott.

Im Rahmen von Rückblick und Bestandsaufnahme sollen auch selbstkritische Töne gefallen sein. „Wir müssen bekennen, dass wir zu lange neoliberal unterwegs waren“, soll der Hamburger Erste Bürgermeister Peter Tschentscher formuliert haben. Um die nötigen Investitionen zu stemmen, müssten nun vermehrt hohe Vermögen, Gewinne und Einkommen herangezogen werden. Die stellvertretende Parteivorsitzende Anke Rehlinger ermahnte die beiden Parteivorsitzenden, sich frühzeitig mit Gewerkschaften und Sozialverbänden abzustimmen, um auch deren rote Linien frühzeitig berücksichtigen zu können.

Noch liegen von der Union wenig Reformvorschläge vor. Insbesondere Markus Söder bremst. Und doch zeichnet sich ab, dass bald nach der Osterpause ein Koalitionsausschuss erste gemeinsame Reformlinien beschreiben könnte.

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News

AfD: Welches mögliche Führungspersonal der Partei für welchen Kurs steht. Die Nervosität in der Spitzenriege steigt – Anfang Juli wählt die AfD ihren Bundesvorstand neu. Verhandlungen um Delegiertenstimmen laufen, viele legten ihre Worte merklich auf die Goldwaage, sagte ein Vorstand Table.Briefings. Die Wiederwahl von Alice Weidel und Tino Chrupalla gilt als relativ sicher, darunter aber dürfte sich einiges ändern. Die klarsten Ambitionen sagt man Beatrix von Storch und Stefan Möller nach. Von Storch ist eine klare Unterstützerin von Donald Trump, sie steht für die Solidarisierung mit USA, Israel, Nato, spricht fundamentalistische Christen an und sich selbst radikal gegen den Islam aus.

Mit Stefan Möller wäre Björn Höcke stärker denn je im Bundesvorstand vertreten. Möller ist seit 2014 dessen Co-Chef in Thüringen, zog 2025 mit einer Reihe anderer Vertrauter von Höcke in den Bundestag. Höcke hat eine eigene Kandidatur immer wieder öffentlich erwogen, den Sprung dann aber doch nie gewagt. Ein Höcke-Mann brächte Kontroversen innerhalb der AfD noch weiter nach oben. Höcke und seine Leute stehen für die Solidarität zum rechtsextremen Vorfeld von Identitärer Bewegung bis Götz Kubitschek, was andere kritisieren; sie stehen – anders die meisten der AfDler im Westen – für mehr Sozialismus als Neoliberalismus; und für mehr Kritik an Trump als die mächtigen Transatlantiker in der Partei.

Wer sich mit Radikalen angelegt hat, dürfte Unterstützung einbüßen. Viele verübeln es den Vorständen Hannes Gnauck und Dennis Hohloch bis heute, dass sie die Auflösung der Jungen Alternative vorangetrieben haben. Auch Kay Gottschalk geriet heftig in die Kritik, weil er zu den Befürwortern eines Ausschlussverfahrens gegen einen Vorstand der Jugendorganisation Generation Deutschland gehörte; er entschuldigte sich später dafür. Sie alle werden noch viel damit zu tun haben, sich Delegiertenstimmen zu sichern. Andere wie Marc Jongen und Roman Reusch wollen nicht mehr antreten. Ambitionen werden dafür dem NRW-Fraktionschef Sven Tritschler, MdB Martin Hess und MdB Marcel Queckemeyer nachgesagt. Für eine Deradikalisierung steht keiner von ihnen. Franziska Klemenz

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Digitale Brieftasche: Wildberger will Beinfreiheit. Das Digitale-Identitäten-Gesetz ist in die Ressortabstimmung gegangen. Laut dem Entwurf, der Table.Briefings vorliegt, soll für die Bereitstellung der „Europäischen Brieftasche für die Digitale Identität“ das BMDS selbst verantwortlich sein; Bundesverwaltungsamt, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Akkreditierungsstelle und Netzagentur sollen unterstützen. Auch ohne die Zustimmung des Bundesrates soll das Digitalministerium das Gesetz gestalten dürfen. Lediglich bei der geplanten Einbindung von Zahlungsanbietern in das digitale Identifikationssystem muss das Finanzministerium zu Rate gezogen werden. Tagesspiegel Background berichtete zuerst.

Wie Bürgerinnen und Bürger die Wallet erstmalig freischalten können sollen, lässt das BMDS noch offen. Möglich ist die Einbeziehung von Apotheken, Banken, Poststellen, Beförderungsunternehmen oder dem Post-Identverfahren. Das Haus von Karsten Wildberger ließ auch eine Klausel einfügen, mit der Unternehmen verpflichtet werden können, die EUDI-Wallet zu akzeptieren. Das Kabinett soll sich vor der Sommerpause mit dem Gesetz befassen. Laut EU-Verordnung muss die Wallet bis Anfang 2027 ausgerollt werden. Leonard Schulz

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Hätten Sie’s gedacht? 15,5 Milliarden Euro würden unserem Gesundheitswesen jedes Jahr fehlen, wenn es keine Privatversicherten gäbe. Denn diese Extra-Milliarden entstehen nur, weil es für die Behandlung von Privatpatienten meist höhere Honorare gibt. Wären sie stattdessen gesetzlich versichert, fiele dieses Geld ersatzlos weg – zum Schaden der medizinischen Versorgung. (mehr auf pkv.de)

Sozialstaatsreform: Rechtsvereinfachung, Vereinheitlichung des Sozialsystems, Digitalisierung. Mit diesen drei Arbeitspaketen sollen die Empfehlungen der Kommission umgesetzt werden. Das geht aus einer internen Übersicht hervor. Im ersten Paket geht es um Pauschalierungen bei Leistungen und Änderungen bei Themen wie Einkommensverrechnungen. Das Ziel ist, Behörden zu entlasten. Der Fokus des zweiten Pakets ist die Vereinheitlichung der Verwaltung und die Harmonisierung bisher unterschiedlich definierter Begriffe wie „Einkommen“ und „Kind“. Der dritte Bestandteil ist ein Expertengremium, das innerhalb von sechs Monaten eine Roadmap für die digitalen Fragen wie ein Sozialportal und die einheitliche Nutzung von IT-Verfahren vorlegen soll.

Bei den Vereinfachungen ist für Herbst ein Referentenentwurf angekündigt. Und für das einheitliche System soll innerhalb von sechs Monaten ein Konzept vorgelegt werden. Begleitet wird die Umsetzung von einer Staatssekretärsrunde, an der neben Kanzleramt, BMAS sowie BMDS sechs Ministerien beteiligt sind: BMF, BMWSB, BMBFSFJ, BMWE, BMI und BMJV. Dazu kommen Vertreter von Ländern und kommunalen Spitzenverbänden. Außerdem gibt es eine Geschäftsstelle zur Umsetzung der Reform, die Federführung hat hier das Arbeitsministerium. Okan Bellikli

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Einladung: Von Daten zu Taten: Umsetzung von Schüler-ID und evidenzbasierter Bildungspolitik. 15. April 17-18 Uhr im Livestream des Bitkom. Kostenlos anmelden

Rechtskreiswechsel für Ukrainer: Verzögerung wegen Widerstands der Länder. Aus der Ukraine Geflüchtete, die ab dem 1. April 2025 in Deutschland angekommen sind, sollen vom Bürgergeld-System ins Asylbewerberleistungsgesetz wechseln. Das Kabinett hat den Entwurf schon im November verabschiedet, aber Bund und Länder sind sich noch nicht einig über die Kompensation der Kosten, die bei Kommunen und Ländern dadurch entstehen. Im Koalitionsvertrag steht, dass der Bund hierfür aufkommt. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll dazu nun die Details klären. Ein Angebot, das das BMAS Mitte Februar unterbreitet hat, reicht der Gegenseite nicht. Eigentlich sollte das sogenannte Leistungsrechtsanpassungsgesetz parallel zur Reform der Grundsicherung kommen, die am Freitag den Bundesrat passierte.

Sowohl aus SPD- wie aus unionsregierten Ländern kommt Kritik. Der Bund biete bisher nur eine temporäre Ausgleichszahlung für wenige Jahre, bemängelte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte Table.Briefings. Man brauche aber eine dauerhafte Kompensation. Ulrike Scharf, bayerische Arbeitsministerin und Stellvertreterin von Markus Söder, fordert eine schnelle Umsetzung der Koalitionsvereinbarung. Berlin dürfe die Länder und Kommunen „nicht im Regen stehen lassen“. Das BMAS wollte die Verhandlungen nicht kommentieren, verteidigt die Pläne für das Gesetz aber in der Antwort auf eine Kleine Anfrage. Okan Bellikli

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Zollreform: Shein und Temu drohen Geldbußen. Künftig müssen Unternehmen, die gefährliche Waren in die EU einführen, mit Geldstrafen rechnen. Die Regel richtet sich gegen chinesische Online-Verkaufsplattformen wie Shein und Temu. Sie überschwemmen den EU-Markt mit billigen und teils gefährlichen Produkten. Die EU einigte sich am Freitag auf die Zollreform, die die Sanktionen jetzt vorsieht. Die Kommission geht davon aus, dass 91 Prozent der E-Commerce-Pakete im Jahr 2024 mit billigen Waren aus China kamen. Was die EU zudem tun will, um die Paket-Flut aus China einzudämmen, lesen Sie im Europe Table. Antonia Zimmermann

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Kriegsführung: Debatte um Schwarmfähigkeit von Drohnen. Unter Militärexperten wird derzeit die Frage diskutiert, wie Künstliche Intelligenz die Kriegsführung mit Drohnen verändert. Dabei geht es vor allem um die sogenannte Schwarmfähigkeit von Drohnen. Laut Definition müssen hierfür mehrere Fähigkeiten zusammenkommen: Die einzelnen Drohnen müssen sich untereinander verständigen und auch selbständig ihre Mission variieren können – ähnlich wie es Heringsschwärme tun.

Bisher ist das bei Drohnen außerhalb des Labors kein Thema. Dies könnte sich allerdings bald ändern, sagt Frank Sauer, Experte für KI an der Universität der Bundeswehr München. Viele Unternehmen arbeiten mithilfe von KI an der Schwarmfähigkeit von Drohnen. Warum deshalb auch die Frage von internationalen Regeln für KI-gesteuerte Angriffe in den Fokus rückt, lesen Sie im Security.Table. Nana Brink

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Welthandel: China-Experte warnt vor „astronomischen“ Folgekosten einer Taiwan-Annexion. Der Politologe Andreas Fulda hat vor den Folgen eines chinesischen Angriffs auf Taiwan für westliche Handelspartner gewarnt. „Globale Lieferketten würden unterbrochen und 85 Prozent hochentwickelter Halbleiter wären weg“, sagte der China-Experte der Universität Nottingham. Er geht von Folgekosten von mehr als zehn Billionen US-Dollar aus, was den kombinierten Kosten der Covid-Krise, der Finanzkrise 2008 und des Ukraine-Kriegs entsprechen würden. „Die Kosten des Nicht-Handelns wären also astronomisch.“

Ein Krieg zwischen Taiwan und China sei weiterhin abwendbar. „Es gibt Hoffnung, dass es nicht passiert“, sagte Fulda. „Aber Hoffnung ist keine Strategie.“ Stattdessen macht er sich für friedliche Lösungen stark, zu denen Deutschland und Europa „tatkräftig beitragen“ könnten. Dabei bringt er auch deutsche Waffenlieferungen an Taiwan ins Spiel, um die Volksrepublik abzuschrecken. Wie eine chinesische Annexion konkret ablaufen könnte, lesen Sie im China.Table. Marcel Grzanna

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Table.Today Podcast

Table.Today. "Bodentruppen im Iran? Mit Carlo Masala."

Das Pentagon hat angeblich einen Plan. Bodentruppen sollen dafür sorgen, dass die USA weiterkommen in diesem Krieg gegen den Iran. „Wir werden Feuer regnen lassen“, antwortet der iranische Parlamentspräsident. Und nun feuern auch noch die Huthi-Rebellen im Jemen auf Israel. Carlo Masala, Professor für internationale Politik an der Bundeswehr-Universität München, sieht keine Möglichkeit, dass die USA den Iran einnehmen, aber für Donald Trump hat er einen Tipp. Das Gespräch mit Masala hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Table.Documents

Heads

Carla Hinrichs, Klimaaktivistin und bekannt als eine Sprecherin der sogenannten „Letzten Generation“, würde sich heute nicht mehr auf der Straße festkleben. „Es wäre naiv zu glauben, dass wir mit der gleichen Taktik plötzlich andere Ergebnisse erzielen könnten“, sagt die 29-Jährige in einem Interview. Die Klimabewegung sei aber nicht tot, sondern suche nach neuen Formen des Protests. In ein paar Monaten oder Jahren würden „wieder massenhaft Menschen auf die Straße gehen“. Die Klimakrise sei schließlich „schlimmer als je zuvor“. (Taz)

Jörg Urban wurde von der AfD Sachsen als Chef wiedergewählt, allerdings nur noch von 76,5 Prozent der Parteitagsdelegierten; sein bisher schlechtestes Ergebnis. Er kündigte an, 2029 erneut für den Posten des Ministerpräsidenten zu kandidieren. Parteiintern ist bekannt, dass Tino Chrupalla Ambitionen hegt. Seine Chancen soll er bereits vor der Landtagswahl 2024 ausgelotet haben, damals konnte sich Urban aber durchsetzen. Das könnte sich allmählich ändern. Viele empfinden Urbans Führungsstil als autoritär und bräsig, es fehlten Visionen und Rebellentum. Chrupalla würdigte dessen Ergebnis zwar, gab als Ziel für 2029 aber eine vier statt einer drei vor dem Ergebnis heraus. Franziska Klemenz


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Best of Table

Security.Table: Schutz vor US-Sanktionen im Zahlungsverkehr. Über eine Gesetzesinitiative will NRW erreichen, dass deutsche Banken Konten nicht in vorauseilendem Gehorsam sperren. Welche zwei aktuellen Fälle Anlass für diese Initiative sind, lesen Sie hier.

Security.Table: Welche Rolle das Gesundheitssystem beim Bevölkerungsschutz spielt. In der aktuellen Kriegslogik werden Helfer oder Krankenhäuser angegriffen, um die Handlungsfähigkeit eines Staates beim Schutz seiner Bevölkerung in Frage zu stellen. Warum deshalb besonders die Krankenhäuser eine Vorreiterrolle spielen sollten, lesen Sie hier.

Europe.Table: Wie Meloni nach der Schlappe im Referendum agiert. Giorgia Meloni hat nach dem gescheiterten Justiz-Referendum die lange umstrittene Tourismusministerin zum Rücktritt gedrängt. Dadurch bietet ihre Regierung der Opposition weniger Angriffsfläche. Warum Melonis Niederlage eine Zäsur bedeutet, lesen Sie hier.

Europe.Table: Plädoyer für die Abschaffung des Vetorechts für EU-Mitgliedstaaten. Die Möglichkeit, dass ein einzelnes Land außenpolitische Entscheidungen blockiert, gehöre abgeschafft, fordert der Politikwissenschaftler Manuel Müller in einem Standpunkt. Die Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft werde sonst behindert. Wie es der EU gelingt, nationale Vetos zu umgehen, lesen Sie hier.

China.Table: IAA zwingt Chinas Autohersteller zum Strategiewechsel. Der europäische Industrial Accelerator Act (IAA) erhöht den Druck auf chinesische Autohersteller massiv. Das wäre ein Erfolg für Brüssel, das Marktanteilgewinne von E-Auto-Riesen wie BYD bisher nicht verhindern konnte. Wie sich Chinas Hersteller nun Förderungen unter dem IAA sichern können, lesen Sie hier.

China.Table: Seedance 2.0 erhöht Sicherheitsvorkehrungen vor Marktstart. Nach Vorwürfen wegen Urheberrechtsverstößen hat der chinesische Konzern ByteDance sein Video-Modell überarbeitet und setzt nun auf Schutzmechanismen, die etwa Identitätsdiebstahl mit Deepfakes unterbinden sollen. Ob das reicht, um Vertrauen und Märkte zu erobern, lesen Sie hier.

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Time.Table

Highlights der Woche

Am Montag besucht der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa Berlin. Geplant sind Gespräche mit Frank-Walter Steinmeier und Friedrich Merz sowie ein deutsch-syrischer Wirtschafts-Roundtable mit Johann Wadephul im Auswärtigen Amt. Den ursprünglich schon für Januar geplanten Besuch hatte die syrische Seite nach der Eskalation des Konflikts zwischen Regierungstruppen und kurdischen Milizen kurzfristig verschoben.

Am Montag übergeben die Vorsitzenden der Finanzkommission Gesundheit, Wolfgang Greiner, Leonie Sundmacher und Ferdinand M. Gerlach, ihre Empfehlungen zur Stabilisierung der Beitragssätze der GKV an Nina Warken. Bundespressekonferenz, 14 Uhr

Am Mittwoch präsentieren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre gemeinsame Konjunkturprognose in der Bundespressekonferenz. Mit Spannung wird erwartet, wie die Institute die Folgen des Iran-Kriegs für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr einschätzen.

Am Sonntag spricht Papst Leo XIV. nach einer feierlichen Ostermesse den Segen „Urbi et orbi“. Es ist das erste Osterfest für den im Mai 2025 gewählten Papst.

30. März

Außenpolitik I: Zivilgesellschaftliche Perspektiven zum Staatsbesuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Mit Sophie Bischoff von der deutsch-syrischen Initiative Adopt a Revolution und Farhad Ahma von der syrischen Nichtregierungsorganisation PEL-Civil Waves in Qamishli/Raqqa. BPK, 10 Uhr

Außenpolitik II: Markus Söder reist in die USA. In Houston besucht er das Nasa Space Center und die Universität Texas.

Wirtschaft: Das statistische Bundesamt gibt eine erste Schätzung der Inflationsrate für März 2026 bekannt.

Umwelt: Carsten Schneider setzt seine China-Reise fort, um sich über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Emissionshandel, saubere Technologien und Dekarbonisierung der Wirtschaft zu informieren.

Parteien: Pressekonferenzen der Bundesparteien: Janis Ehling, Linke, 13 Uhr. Franziska Brantner, Grüne, 14 Uhr

Innenpolitik: Hamburgs Innensenator Andy Grote empfängt Alexander Dobrindt vor der Innenministerkonferenz zum Gespräch über den Ausbau der zivilen Verteidigungsfähigkeit, die Sicherheit im Hamburger Hafen und die Abwehr hybrider Bedrohungen.

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Must-Reads

SZ: Kritik an Pistorius’ Oster-Urlaub in Australien. Weil der Verteidigungsminister aller Voraussicht nach einige seiner geplanten Projekte – darunter eine Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda und eine Reservisten-Strategie – nicht wie geplant im April umsetzen kann und trotzdem seine achttägige Dienstreise nach Asien mit einem privaten Urlaub in Australien verlängert hat, kritisiert ihn der Koalitionspartner als „Ankündigungsminister“. Zudem sei unklar, ob die Rückreise der Delegation rechtlich einwandfrei ablief, schreibt Georg Ismar. („Sonnenbrille, ein paar Termine – dann ein umstrittener Urlaub")

Handelsblatt: Streit um Bundeswehr-Kommunikationsprojekt. Das Milliardenvorhaben zur satellitengestützten Kommunikation, auch „Starlink der Bundeswehr“ genannt, wird von Konkurrenten kritisiert. Der Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB, Rheinmetall und Airbus haben für das Projekt ein Konsortium gebildet. Nun beklagen andere Anbieter fehlenden Wettbewerb. Der „Arbeitskreis Raumfahrt KMU“ fordert konkrete Vorgaben für die Ausschreibung. So sollen zehn Prozent des Auftragswerts an kleine oder mittlere Unternehmen gehen. („Streit um ‚Starlink der Bundeswehr‘“)

FT: OpenAI-Investor schlägt Wegfall der Einkommensteuer vor. Der Milliardär Vinod Khosla plädiert dafür, die Steuer für Amerikaner mit einem Einkommen von weniger als 100.000 Dollar abzuschaffen. Im Gegenzug sollten Kapitalerträge von Privatpersonen genauso hoch besteuert werden wie Einkommen. Dies sei nach seinen Berechnungen aufkommensneutral. Politiker müssten die Ängste der Wähler ausräumen, dass KI ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen könnte, sagt Khosla. Die KI beschleunige die Verlagerung von Wohlstand und Macht weg von den Arbeitnehmern. („OpenAI investor says AI requires an income tax overhaul“)

Nicht überlesen!

NYT: Wie sich der Iran-Krieg auf die Welt auswirkt. In Australien wird weniger Weizen angepflanzt, weil die Preise für Dünger gestiegen sind. In Südkorea fordert die Regierung die Menschen auf, kürzer zu duschen, um Energie zu sparen. Sportbekleidung könnte teurer werden, weil das darin enthaltene Polyester aus Petrochemikalien hergestellt wird. In Bangladesch stapeln sich Textilien an den Flughäfen, weil Flugverbindungen ausfallen. Diese und viele andere Auswirkungen des Iran-Kriegs auf das Leben hat die NYT in einer Artikelsammlung zusammengestellt. („How the Iran War Has Rippled Across the World“)

Nicht übersehen!

Daily Show: Jake Sullivan über den Krieg in Nahost. Im Gespräch mit Jon Stewart ordnet der frühere Sicherheitsberater von Joe Biden, der unter Barack Obama an den Atomverhandlungen mit dem Iran beteiligt war, die Lage ein. Es geht um den ersten Kontakt zwischen den Präsidenten beider Staaten seit der islamischen Revolution von 1979 und um Details zum Scheitern der Verhandlungen kurz vor dem aktuellen Angriff. Sullivan legt zudem dar, was die US-Kriege der Vergangenheit mit der Ausbreitung des globalen Einflusses von China zu tun haben. („The Iran War, Trump, and U.S. Foreign Policy“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Caren Miosga, 21:45 Uhr: Stefanie Hubig, Collien Fernandes, Ronen Steinke

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Christian Wagner, SWP: Pakistan als Vermittler im Iran-Krieg?

7:15 Uhr: Mathias Middelberg, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion: Reformdebatte

8:10 Uhr: Hakan Demir, MdB (SPD): Syriens Präsident Al-Sharaa in Berlin

ZDF

6:40 Uhr: Janine Wissler, wirtschaftspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion: Inflation

7:05 Uhr: Naseef Naeem, Nahostexperte: Syriens Präsident Al-Sharaa in Berlin

8:05 Uhr: Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion: Reformvorschlägen für die Krankenkassenbeiträge

8:50 Uhr: Franziska Saalmann, Greenpeace: Rettung des Buckelwals in der Ostsee

phoenix

9:05: Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion: Reformvorschlägen für die Krankenkassenbeiträge

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Geburtstage von morgen

Michael Frieser, MdB (CSU), 62

Wolfgang Niedecken, Rockmusiker, 75

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu den Hells Angels. Die moderne Riege des Clubs fährt weniger Motorrad denn je, hat aber nichts von ihrer Freude am Morden und Posieren eingebüßt. Auf Instagram würden massenweise junge Männer ständig um ihre Aufnahme bitten, erzählt ein Aussteiger. Luxusmarken, teure Autos und die Flucht vor Strafverfolgungsbehörden nach Dubai seien der neue Lifestyle, der viele Fans findet. Gleich geblieben sei dafür nicht nur die Verzahnung mit Menschenhandel, Gewalt und Prostitution, sondern auch mit einer Reihe von Prominenten. Unterstützer fänden sich von Marcus von Anhalt und Oliver Kahn bis hin zu Pink oder Shakira. Franziska Klemenz

„Brutal & digital – die neue Macht der Hells Angels“ | NDR

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Laura Block, Nana Brink, Helene Bubrowski, Damir Fras, Daniel Friesen, Marcel Grzanna, Franziska Klemenz, Horand Knaup, Vincent Mikoteit, Leonard Schulz, Sven Siebert und Antonia Zimmermann mitgewirkt.

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