Sicherheitsgipfel der Bahn: Gesamtbetriebsrat kritisiert „Geiz ist geil“-Haltung der Verkehrsverbünde

10. Februar 2026
Schweigeminute für Serkan C. (picture alliance / Anadolu | Halil Sagirkaya)

Sicherheitsgipfel der Bahn: Gesamtbetriebsrat kritisiert „Geiz ist geil“-Haltung. Vor dem Bahn-Sicherheitsgipfel am Freitag, zu dem Konzernchefin Evelyn Palla nach dem tödlichen Angriffeingeladen hat, hat der Gesamtbetriebsrat von DB Regio, Ralf Damde, ein Umdenken von den Verkehrsverbünden gefordert. Regelmäßig hätten Betriebsräte und Gewerkschaften aus Sicherheitsgründen um mehr Personal gebeten. Regelmäßig hätten die Zweckverbände entgegnet: „Das ist nicht unser Thema.“ Die Verkehrsträger hätten erklärt, sie seien nur für die Verkehrsleistungen zuständig. Dort gelte immer noch das Motto „Geiz ist geil“, sagte Damde im Podcast Table.Today: „Es ist nicht mehr zumutbar, dass die Kollegen alleine fahren.“

Jahrelang war die Zahl der körperlichen Übergriffe auf das Zugpersonal ständig gestiegen. Erstmals verzeichnete die Bahn im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang auf 1.642 gemeldete Fälle, wobei verbale Attacken, sexualisierte Anspielungen und Drohungen nicht mit eingerechnet sind. Den Rückgang führt Damde auf die Einführung von Bodycams für Zugbegleiter nach der tödlichen Messerattacke von Bad Brahmstedt im Januar 2023 mit zwei Toten zurück. Gut ein Viertel der Kundenbetreuer im Nahverkehr seien inzwischen mit solchen Kameras ausgestattet. Ein Streitpunkt sind immer noch Audioaufnahmen für die Kameras, die der Datenschutz bisher nicht erlaube. Auch die Notfallknöpfe, mit denen inzwischen die meisten Zugbegleiter der DB Regio ausgestattet sind, dürften zu dem leichten Rückgang der Fälle beigetragen haben.

Als konfliktbeladen hat sich nicht zuletzt das Deutschlandticket erwiesen. Weil das Ticket nicht fälschungssicher ist, sind die Kontrolleure gehalten, sich jeweils auch den Ausweis der Reisenden zeigen zu lassen. Eine Aufforderung, die immer wieder zu Eskalationen führt. Damde: „Wir fliegen auf den Mond, aber wir kriegen kein Deutschlandticket hin, das fälschungssicher ist.“

Bahn und Ministerien geben sich vor dem Freitag überaus zurückhaltend. Die Bahn will sich erst „zu gegebener Zeit” zu dem Sicherheitsgipfel äußern. Das BMI weist darauf hin, dass die Präsenz der Bundespolizei auf den Bahnhöfen schon vor Jahren erhöht worden sei. Derzeit werde die Kameraüberwachung an den Stationen erneuert und ausgebaut. Personalvertreter Damde hingegen hat für den Gipfel sehr klare Erwartungen. „Die Zeit des Redens oder der Erkenntnissammlung muss jetzt vorbei sein. Es ist jetzt die Zeit des Handelns.“ Warum auch die Fußballfans eine besondere Herausforderung für die Zugbegleiter sind, lesen Sie im Interview mit Damde im Berlin.Table. Das Podcast-Gespräch hören Sie ab 5 Uhr hier. Horand Knaup

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Letzte Aktualisierung: 10. Februar 2026