Elektro-LKWs: Infrastruktur und günstigere Strompreise dringend gefragt

26. April 2026
Patrick Schnieder am Steuer eines elektrisch betriebenen Lastwagens (picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka)

Elektro-LKWs: Infrastruktur und günstigere Strompreise dringend gefragt. Der Bundesverkehrsminister drängt auf ein höheres Tempo beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrisch betriebene Lastwagen. „Ich weiß, dass es ehrgeizig ist, aber wir müssen vorankommen“, sagte Patrick Schnieder Table.Briefings bei einem Termin mit großen europäischen LKW-Herstellern in Berlin. Der Minister räumte Vollzugsdefizite ein: „Wir müssen bei den Genehmigungsbehörden besser werden.“ Wohl wissend, dass das Verkehrsministerium auf Netzbetreiber, die die Netzanschlüsse herstellen müssen, und lokale Genehmigungsbehörden wenig Einfluss nehmen kann.

Dass Handlungsbedarf besteht, hat Schnieder durchaus erkannt. Denn insbesondere der Straßengüterverkehr hinkt bei der Mobilitätswende deutlich hinterher. Nur knapp drei Prozent der neu zugelassenen schweren LKWs waren im vergangenen Jahr elektrisch angetriebene Trucks. Es fehlt bisher an einer eng gestrickten Ladeinfrastruktur, es fehlt an Flächen und an attraktiven Strompreisen. Im vergangenen Herbst legte Schnieder deshalb einen Masterplan 2030 für die LKW-Infrastruktur vor. Demnach will allein der Bund entlang der Autobahnen 350 Ladestationen mit mehr als 4.000 Ladepunkten einrichten. Ein erhöhtes Tempo könnte sich lohnen. Die hohen Spritpreise und die Mautbefreiung für Elektro-Trucks – immerhin 32 Cent pro Kilometer – animieren immer mehr Spediteure zum Rechnen.

Doch ganz leicht zu lösen sind die Probleme nicht: Die Netzbetreiber, in Deutschland sind es 862, tun sich vielfach schwer, Strommengen und die dazu gehörige Infrastruktur bereitzustellen. In Frankreich zum Vergleich stellt ein einziger Stromanbieter Energie und Technik bereit. Die zweite hohe Hürde sind die lokalen Genehmigungsbehörden, für die ein Antrag auf eine größere LKW-Ladestation zumeist völliges Neuland darstellt. Für die Branche ist die Anschlussdichte der spielentscheidende Faktor. „Es steht und fällt mit der Infrastruktur“, sagt Michael Dommermuth, Geschäftsführer der Duisburger Spedition Pape, die 426 Trucks auf den Straßen hat. 47 Trucks rollen bereits elektrisch, Ende des Jahres sollen es 70 sein.

Die Branche will Tempo – und sie will Klarheit. Sie will für ihre Investitionsentscheidungen einen klar definierten Pfad. „Wir setzen auf die batterieelektrische Technik“, sagt eine Branchenvertreterin. „Aber für den schnellen Hochlauf ist die Infrastruktur noch nicht da.“ Schon gar nichts hält sie von der Debatte über eine angebliche Technologieoffenheit. „Das ganze Gerede führt in die Irre“, sagt sie. Die Debatte bremse viele potenzielle Investoren aus, „in der Hoffnung, dass noch was Besseres kommt“. Wie die Kalkulation von Spediteuren und Logistikern aussieht, lesen Sie in der Analyse des Berlin.Table. Horand Knaup

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Letzte Aktualisierung: 26. April 2026