SPD und DGB: Gefährliche Entfremdung – und wer davon profitieren könnte

Distanzierter Auftritt: Yasmin Fahimi, Bärbel Bas und Lars Klingbeil (picture alliance/SZ Photo/Mike Schmidt)

SPD und DGB: Gefährliche Entfremdung – und wer davon profitieren könnte. Nach einem Jahr schwarz-roter Regierung ist das Verhältnis zwischen SPD und Gewerkschaften massiv abgekühlt. Zwar wird Bärbel Bas beim am nächsten Sonntag beginnenden DGB-Kongress auftreten. Doch die Beziehung ist belastet, die Hinweise darauf häufen sich: Weil er nicht in die offizielle Rentenkommission einbezogen wurde, etablierte der Gewerkschaftsbund einen eigenen Expertenrat. Auch dass die Koalition es nicht für nötig hielt, die Gewerkschaften vor dem Beschluss zur „Entlastungsprämie“ zu konsultieren, sorgte für Ärger. Bei den Arbeitgebern, die die Prämie bezahlen sollen, sowieso.

Bei den letzten Treffen des SPD-Gewerkschaftsrats soll es kontrovers zugegangen sein. Parteispitze und sozialdemokratische Gewerkschaftschefs treffen sich regelmäßig, warfen sich zuletzt aber gegenseitig mangelnde Unterstützung vor. Auf Gegenkurs ist vor allem DGB-Chefin Yasmin Fahimi. Sie steht unter Druck, weil sowohl der Verlauf des Kongresses als auch ihr persönliches Ergebnis völlig offen sind. Im Interview mit der SZ äußerte sie sich zuletzt scharf gegen die geplante Arbeitszeit-Reform und mögliche Rentenkürzungen. Wer sowas plane, werde „unseren vollen Widerstand erfahren“. Die Gewerkschafter werfen der SPD vor, den Abbau des Sozialstaates mit zu betreiben und in der Steuerpolitik zu viele Zugeständnisse zu machen.

Umgekehrt hadert die SPD-Führung mit dem aus ihrer Sicht mangelnden politischen Verständnis der Arbeitnehmer. Mit 15 Prozent und als kleiner Partner in der Koalition lasse sich vieles nicht durchsetzen. Zudem sei die wirtschaftliche Lage nun mal extrem angespannt. Hinzu kommt, dass der persönliche Draht zwischen den beiden SPD-Führern und der DGB-Chefin erkaltet ist. In diskreten Zirkeln bemühen sich Spitzenleute aus Partei und Organisation, die Scherben wieder zu kitten. Wer zu den Brückenbauern gehört, lesen Sie in der Analyse des Berlin.Table. Währenddessen versucht die Linke, die neue Gewerkschaftskraft zu werden. Sie kann dabei anders als früher auch auf eigene Leute in prominenten Positionen setzen. Was die Partei plant, lesen Sie hier. Okan Bellikli, Horand Knaup

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Letzte Aktualisierung: 03. Mai 2026