CEO.Table – Ausgabe 64

Bettina Orlopp über die Zukunft der Commerzbank + Auswirkungen des Iran-Kriegs + CEO.Index der KI-Vordenker

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

ab dieser Ausgabe erhalten Sie den CEO.Table zweimal wöchentlich. Damit informieren wir Sie noch aktueller über die jüngsten wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Entwicklungen – am Mittwoch mit aktuellen Nachrichten und operativen Themen wie Künstliche Intelligenz und Leadership, am Samstag wie bisher mit Einordnungen und einem strategischen Blick. Unser Redaktionsteam haben wir dafür aufgestockt, um Sie in gewohnter Tiefe und Gründlichkeit mit News, Analysen und Hintergründen aus der Wirtschaft zu versorgen.

Eine spannende Lektüre und eine gute Woche wünscht Ihnen

Ihr Alex Hofmann

Redaktionsleiter CEO.Table

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Executive.Summary

Wie sieht die Zukunft der Commerzbank aus, Frau Orlopp?

Das seit eineinhalb Jahren laufende Übernahmedrama um die Commerzbank hat eine neue Qualität: Unicredit kann seit Ende Februar Anteile am Frankfurter Institut auch mit eigenen Aktien bezahlen. Das macht eine feindliche Übernahme für die italienische Großbank deutlich günstiger. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zeigt sich im Gespräch mit Table.Briefings dennoch gelassen: „Wir haben gezeigt, dass wir eigenständig profitabel wachsen können.“ Der operative Gewinn von 4,5 Milliarden Euro (plus 18 Prozent) und der Nettogewinn von 2,63 Milliarden Euro spiegeln sich im Aktienkurs wider (siehe Grafik). Ein möglicher Deal wird damit deutlich teurer für Unicredit.

Unicredit hält derzeit rund 29 Prozent. Die Bank hat die 30-Prozent-Schwelle bisher bewusst nicht überschritten – dann müsste das Institut ein konkretes Übernahmeangebot aussprechen. Durch die Aktienrückkäufe rutscht die Unicredit-Beteiligung immer näher an die Grenze heran, da sich die Gesamtzahl der Aktien im freien Umlauf reduziert. „Wir sind bei diesem Thema nicht der Treiber. Das heißt, wir sind einfach nur vorbereitet“, sagt Orlopp.

Insgesamt schüttet die Bank 2,7 Milliarden Euro für Dividenden und über Rückkäufe aus, was den Kurs zusätzlich stützt. Das ist mehr als der gesamte Jahresgewinn 2025. „Beim derzeitigen Bewertungslevel ist eine Übernahme wirtschaftlich nicht attraktiv“, sagt Orlopp. Mit dem reinen Geldgewinn könne der italienische Investor aber zufrieden sein: „Unicredit hat zu einem günstigen Zeitpunkt Aktien der Commerzbank gekauft, was die bisherige Beteiligung angesichts der Kursentwicklung zu einem guten Investment gemacht hat.“

Orlopp sieht weiter politischen Rückhalt für eine Eigenständigkeit. Dabei hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zuletzt weniger deutliche Worte gegen eine mögliche Übernahme gefunden als noch im Sommer. „Der Bund hat sich erneut für eine starke und eigenständige Commerzbank und gegen ein feindliches Übernahmevorgehen ausgesprochen. Ich fand, das war dieselbe Linie wie seit Anbeginn“, hält Orlopp entgegen. Zuletzt hatte Klingbeil nur gesagt, ihm missfalle die Art des Vorgehens von Unicredit-Chef Andrea Orcel. Im Sommer 2025 hatte er ihn noch unmissverständlich aufgefordert, die Übernahme aufzugeben. Der Bund hält rund zwölf Prozent am Frankfurter Institut.

Synergien bei einem möglichen Zusammenschluss mit Unicredit stellt Orlopp infrage. „Auf der Ertragsseite wären die Synergieeffekte aufgrund von Überlappungen im Kundenstamm sicherlich negativ.“ Stattdessen sieht sie die eigene Strategie in den Geschäftsergebnissen bestätigt – und setzt sie bis 2028 fort. „Wir wollen dann eine Nettoeigenkapitalrendite von mindestens 15 Prozent, eine Cost-Income-Ratio von 50 Prozent, eine harte Kernkapitalquote von 13,5 Prozent sowie ein Nettoergebnis in Höhe von 4,2 Milliarden Euro erreichen.“

Auch mit Blick auf einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt sieht sie aktuell keine Vorteile einer Übernahme. „Eine solche Übernahme hätte vielleicht eine Signalwirkung“, sagt Orlopp. Aber wenn eine Transaktion in der aktuellen Situation keinen Wert schaffe, sei sie keine gute Transaktion. „Eine Bankenfusion allein wird keine politischen Blockaden bei der Bankenunion lösen. Umgekehrt ergibt es Sinn: erst Bankenunion, dann Bankenfusionen.“ Gerade im jetzigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld brauche es starke Banken. Generell spricht sich die Commerzbank-CEO für einen EU-Kapitalmarkt aus. „Die Kapitalmarktunion sollte es geben. Und idealerweise auch die Bankenunion – aber beides ist noch ein Stück weit entfernt.“

Bei allen Unicredit-Einflüssen sieht Orlopp ihren Hauptfokus in der langfristigen Entwicklung der Bank. „Die eigene Geschäftsstrategie ist das, was mich am meisten beschäftigt.“ Diese unter dem Druck einer feindlichen Übernahme zu entwickeln, sei zwar eine Herausforderung – Auseinandersetzung mit Unicredit, eigener Strategieplan, Tagesgeschäft. „Aber man ist ja nicht allein, sondern es gibt ein ganzes Team auf der Vorstandsebene und darunter.“ Kern dabei seien insbesondere klare Verantwortlichkeiten. „Wichtig ist zu wissen, was gerade Priorität hat – das kann mal die Bilanzpressekonferenz sein, ein anderes Mal ein Kundentermin oder eine Townhall mit den Mitarbeitenden.“

Aktuell werden weitere Wachstumsmöglichkeiten evaluiert. „Unser Fokus liegt weiterhin auf nachhaltigem Wachstum – insbesondere wollen wir den Provisionsüberschuss deutlich steigern.“ Zugleich bleibe Kostendisziplin und Effizienzsteigerungen entscheidend. Bei allem sei Künstliche Intelligenz sehr wichtig. „Hier werden wir eine führende Rolle spielen“, sagt Orlopp mit Blick auf die Kundenseite und interne Prozesse. Statt eines Top-down-Ansatzes setzt Orlopp auf die Mitarbeit der Angestellten. Der erste Schritt sei, möglichst vielen die Instrumente in die Hand zu geben und herauszufinden, wie sich KI effizient in den unterschiedlichen Bereichen einsetzen lasse. Bis 2028 sollen rund 3.900 Vollzeitstellen abgebaut werden, davon 3.300 in Deutschland – vor allem in der Zentrale und im Backoffice. Gleichzeitig entstehen neue Stellen bei der polnischen mBank und in Asien. Der Gesamtbestand soll bei 36.700 stabil bleiben.

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CEO.Talk

„KI ist in vielen Unternehmen ein Kostenblock und kein strategisches Thema“

Der zentrale KI-Engpass in deutschen Unternehmen liegt nicht in der Technologie, sondern in den Führungsetagen. Kaan Bludau, CEO der Personalberatung BludauPartners, beobachtet in seinen Gesprächen ein doppeltes Kompetenzdefizit: „Vielen Vorständen fehlt das technologische Grundverständnis, um Chancen, Risiken und wirtschaftlichen Nutzen realistisch einzuschätzen.“ Gleichzeitig können diejenigen, die KI im Unternehmen vorantreiben sollen, den strategischen Wert oft nicht überzeugend vermitteln. Das Ergebnis: Projekte werden verzögert, falsch priorisiert oder gar nicht erst angestoßen.

Ein wesentlicher Faktor liegt für Bludau in der organisatorischen Rolle des CIO, die in vielen Unternehmen zu weit von der Geschäftsstrategie entfernt ist. Er sagt: „In vielen deutschen Unternehmen berichtet der CIO immer noch an den CFO. Damit ist KI per definitionem ein Kostenblock und kein strategisches Thema.“ Für ihn gehört der CIO „eigentlich direkt an die Seite des CEOs oder ins Board“.

Hinzu kommt die kommunikative Lücke zwischen Technologie und Vorstandsebene. Bludau beschreibt CIOs als technisch hervorragend, aber in Kommunikation und Leadership oft nicht stark genug ausgebildet. „Sie können ihr Fachwissen nicht so vermitteln, dass ein Vorstand sie als strategischen Partner wahrnimmt“, sagt er.

Bludau beschreibt zudem ein kulturelles Muster, das die Skalierung von KI in Deutschland bremst. „Deutschland optimiert Prozesse, während andere Länder Geschäftsmodelle verändern. Wenn wir nicht endlich experimentierfreudiger werden, bleiben wir in der KI nur Zulieferer und verlieren unsere Rolle als Innovationsstandort“, erklärt er.

Aus seiner Sicht wurzeln diese Unterschiede in einer grundlegenden kulturellen Prägung vieler Organisationen. „Deutschland hat vor allem ein kulturelles KI‑Problem. Wir sind zu perfektionistisch, zu hierarchisch und zu risikoavers, und wir denken zu wenig aus Sicht des Kunden. Während amerikanische Unternehmen bei KI immer vom Kundennutzen ausgehen, diskutieren wir zuerst über Prozesse, Tools und Regulierung“, sagt Bludau.

Kaan Bludau verfügt über mehr als 25 Jahre aktive Beratungserfahrung. Er ist Gründer und Geschäftsführer von BludauPartners.

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CEO.Factcheck

Straße von Hormus: Was die Blockade wirtschaftlich bedeutet

Nur fünf Prozent der Rohölexporte aus den Ländern um den Persischen Golf gehen nach Europa. Damit ist Europa von der Blockade der Straße von Hormus nicht unmittelbar betroffen, ein Ölversorgungsengpass droht nicht. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche rief diesbezüglich bereits am Sonntag zur Gelassenheit auf. Auch die USA, die mittlerweile selbst der weltweit größte Öl- und Erdgasproduzent sind, importieren weniger als 0,9 Millionen Barrel pro Tag aus der Region. Das zeigt eine Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters. Ganz anders hingegen die Lage in Asien: China muss aktuell Öllieferausfälle verzeichnen. Als größter Rohölimporteur der Welt bezieht das Land rund die Hälfte aus dem Nahen Osten und ist der größte Abnehmer des Iran. Auch Japan bezieht 95 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten, Südkorea 75 Prozent.

180 bis 200 Tanker stehen still: Die Daten der Plattform MarineTraffic zeigen, wie sich Tankschiffe zu beiden Seiten der Meerenge zwischen Oman und dem Iran stauen, etwa vor dem Hafen von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Iran hat die Straße von Hormus für geschlossen erklärt. Am Montagabend drohte der Kommandeur der Revolutionsgarden, jedes durchfahrende Schiff zu beschießen. Internationale Reedereien, Handelshäuser und Ölkonzerne haben ihre Fahrten bereits zuvor weitgehend eingestellt. Auch deutsche Schiffe liegen nun vor Anker.

Die Straße von Hormus ist ein Bottleneck. Sie ist 167 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle nur 33 Kilometer breit, wobei die Fahrrinne für große Frachtschiffe noch enger, stellenweise nur drei Kilometer breit ist. Zugleich ist der Seeweg die einzige Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer (Golf von Oman, Arabisches Meer, Indischer Ozean). Die Ölhäfen und damit der Ölexport von Kuwait, Irak, Katar, Bahrain, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind damit blockiert. Nur Saudi-Arabien und die VAE verfügen über eine Alternative zur Tankschifffahrt: Pipelines – die allerdings deutlich weniger Masse transportieren können: fünf (SA) bzw. 1,5 (VAE) Barrel pro Tag, laut eines Reports des Energieministeriums der Vereinigten Arabischen Emirate.

Ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion steckt fest. Die Schiffe, die täglich durch die Meerenge fahren, transportieren in erster Linie Rohöl, Treibstoff und Flüssigerdgas (LNG). In weitaus weniger bedeutendem Umfang werden auch Düngemittel und Lebensmittel durch die Straße von Hormus gefahren. Das am stärksten betroffene Segment aber ist der Ölhandel: 2024 passierten laut GTAI, der Außenwirtschaftsagentur des Bundes, täglich 20 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge (siehe Grafik). Das entspricht einem Fünftel des globalen Ölangebots. Dazu kommen rund 80 Millionen Tonnen Flüssiggas jährlich, in erster Linie aus Katar – ebenfalls in etwa ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels.

In der unmittelbaren Folge auf den Stopp der Öltransporte sind die Preise für Rohöl aus anderen Gegenden der Welt schlagartig gestiegen. Öl aus der Nordsee und den USA legte bereits in den ersten Handelsminuten der Börse am Montagmorgen enorm zu, Brent-Öl lag seit dem in der Spitze bei 83,84 US-Dollar je Barrel (159 Liter) – dem höchsten Stand seit Juli 2024. Und Experten meinen, er könnte sogar bis auf 100 US-Dollar steigen. Das wiederum könnte gravierende Folgen für die Wirtschaft auch hierzulande haben.

Auch die Frachtpreise steigen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet am Dienstag unter Berufung auf Branchenkenner und aktuelle Schiffsdaten, dass die Kosten für einen VLCC (Very Large Crude Carrier, also besonders große Rohöltanker etwa) auf 420.000 US-Dollar pro Tag angestiegen sind – kommend von 120.000 US-Dollar. Preise für die Verschiffung von LNG stiegen demnach um 40 Prozent. Grund ist, dass durch das Festsitzen der Frachtschiffe vor der Straße von Hormus die Kapazitäten schlagartig verknappt wurden.

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CEO.News

Ölpreise steigen, wirtschaftliche Auswirkungen für Deutschland begrenzt

Der Konflikt im Golfraum treibt vor allem die Energiepreise nach oben, während die realwirtschaftlichen Folgen für Deutschland bislang überschaubar bleiben. Die Rohölpreise der Sorte Brent zogen am Dienstag erneut an und notierten zwischenzeitlich bei 83 US-Dollar. Experten von Goldman Sachs und Deutsche Bank warnen vor Preisen bis 120 US-Dollar, was die Weltwirtschaft belasten würde. Laut der Privatbank Berenberg haben „die Märkte den Konflikt zumindest teilweise vorweggenommen“. Bereits vor der Eskalation war der Rohölpreis der Sorte Brent seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gestiegen.

Der Anstieg der Energiekosten wirkt sich auch auf die Inflation im Euroraum aus. Die Teuerungsrate stieg bereits im Februar, vor allem wegen höherer Energiekosten, um 0,2 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent. „Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig“, sagte EZB‑Chefvolkswirt Philip Lane der Financial Times. Die Commerzbank hält im Sommer Inflationsraten von bis zu 2,4 Prozent für möglich.

Für die deutsche Industrie sind die Risiken dennoch begrenzt: Der Anteil von Rohöl am industriellen Endenergieverbrauch ist laut einer aktuellen Analyse von Deutsche Bank Research über die Jahre kontinuierlich gesunken und liegt inzwischen bei weniger als vier Prozent. Weitaus wichtiger sind die Gaspreise, die zuletzt ebenfalls gestiegen sind. Allerdings hat sich die frühere enge Kopplung von Öl- und Gaspreisen deutlich gelockert – aufgrund der stark ausgeweiteten US‑Gasproduktion, des wachsenden LNG‑Handels und der Abkehr von langfristigen ölpreis-gebundenen Lieferverträgen zugunsten flexibler Spotmärkte. Wie die Preissprünge an den Energiemärkten die Befüllung der europäischen Gasspeicher für den kommenden Winter bedrohen, lesen Sie hier.

Auch der deutsche Warenhandel ist nur geringfügig betroffen. Die wichtigsten Absatzmärkte in der Golfregion – Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – stehen zwar zusammen für rund 20 Milliarden Euro an Exporten, machen aber lediglich etwa zwei Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren aus. Für die europäischen Lieferketten bleibt der Einfluss ebenfalls überschaubar. Zwar befinden sich derzeit rund 25 Schiffe deutscher Reedereien in den Gewässern des Golfs und können die Region aus Sicherheitsgründen nicht verlassen, wie der Verband der deutschen Reedereien berichtet. Die entscheidende Handelsroute zwischen Europa und Ostasien bleibt aber weitgehend stabil, da der Großteil des Containerverkehrs weiterhin um Afrika herumgeführt wird. Damit bleibt die für die Industrie wichtigste Verbindung weitgehend unberührt. Alexander Wiedmann

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Seetransporte: Deutsche Konzerne spüren Auswirkungen des Angriffs auf den Iran.

Angriff auf den Iran: Deutsche Konzerne passen Lieferkette vorsichtig an

Deutsche Konzerne spüren nach dem Angriff auf den Iran noch keine gravierenden Auswirkungen. Unternehmen mit globalen Lieferketten prüfen jedoch ihre Abhängigkeiten. Einige Konzerne reagieren bereits operativ mit umgeleiteten Transporten, um Risiken für Kunden zu minimieren.

Der Gaskonzern Uniper hat keine akuten Probleme beim Bezug von Flüssiggas (LNG). „Es sind keine LNG-Lieferungen aus der betroffenen Region geplant, die die Straße von Hormus passieren müssen“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage von Table.Briefings mit. Zu einzelnen Lieferbeziehungen äußere sich Uniper zwar nicht. Trotzdem beobachtet das Unternehmen, wie der Konflikt in Nahost Spannungen auf die globalen LNG-Ströme ausübt. Akuten Preisschwankungen entgegne der Konzern mit einem diversifizierten Beschaffungsportfolio, langfristigen Verträgen und flexiblen Marktoptionen, heißt es von Uniper. Die Versorgung des deutschen Gasmarkts sei für den verbleibenden Winter gesichert, sagt die Unternehmenssprecherin.

Covestro kann noch keine langfristigen Folgen absehen. Es sei noch zu früh, um langfristige Auswirkungen der Volatilität in Energie- und Rohstoffmärkten einzuschätzen, teilt ein Covestro-Sprecher mit. Generell beziehe der Kunststoffkonzern weder Rohstoffe noch Energie über die Straße von Hormus. Operativ mache die aktuell betroffene Region nur einen „begrenzten Teil“ des Geschäfts des Kunststoffkonzerns aus. Allerdings hat der Konflikt bereits Auswirkungen „auf Lieferungen an Kunden im Nahen Osten und in Teilen Ostafrikas“. Transporte würden umgeleitet, man sei mit Kunden in Kontakt, um individuelle Lösungen zu erarbeiten, heißt es von Covestro. Aus Sicherheitsgründen arbeiten die Beschäftigten des Covestro-Büros in Dubai im Homeoffice.

BASF nimmt keine unmittelbaren Risiken für die eigene Rohstoffversorgung war. Der Chemiekonzern beobachte die Entwicklungen an der Straße von Hormus jedoch sehr genau, sagt eine Unternehmenssprecherin Table.Briefings. Bei Bedarf würden die Logistikabläufe angepasst, die möglichen Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit werden laufend bewertet. Die Mitarbeitenden in der Region wurden über die aktuelle Sicherheitslage informiert „und angewiesen, die internen Sicherheits- und Reisehinweise strikt zu befolgen“, so die Sprecherin weiter.

DHL reagiert auf geschlossene Lufträume im Nahen Osten. „Wir haben Erfahrungen mit dynamischen und sich schnell verändernden Szenarien“, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Der Logistikkonzern reagiere mit Routenanpassungen und alternativen Transportlösungen. So können auch kurzfristige Alternativen für die Kundschaft angeboten werden, heißt es vom Unternehmen. Robert Wallenhauer

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Reisewirtschaft meldet Rekord: 88 Milliarden Euro Ausgaben in 2025

Trotz zunehmender geopolitischer Spannungen ist die Nachfrage nach Urlaub in Deutschland ungebrochen. Zur Eröffnung der ITB Berlin 2026 legte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Albin Loidl, am Montag eine positive Bilanz für das Reisejahr 2025 vor und zeigte sich auch für 2026 optimistisch.

Laut Loidl gaben die Deutschen im vergangenen Jahr 88 Milliarden Euro für Reisen aus – ein Rekordwert und fünf Prozent mehr als 2024. Der Pauschalreisemarkt wuchs um über neun Prozent auf 43,4 Milliarden Euro. Gründe seien ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis, transparente Kostenstrukturen und der Wunsch nach professioneller Unterstützung in Krisen.

Mit Blick auf die Lage im Iran sagte Loidl, man verfolge die Entwicklungen „mit großer Sorge“. Die Sicherheit von Reisenden und Beschäftigten habe oberste Priorität. „Die Unruhen aus dem Nahen Osten haben Auswirkungen, die noch nicht absehbar sind“, sagt Loidl. Zugleich hoffe man auf Deeskalation.

Für die Sommersaison 2026 liegen die Buchungen bereits über Vorjahresniveau: Die Umsätze seien sieben Prozent höher, die Zahl der Reisenden vier Prozent. Kreuzfahrten und Pauschalflugreisen bezeichnete Loidl als „starke Pfeiler“. Der Umsatz im Flugsegment sei um 14 Prozent, die Gästezahl um zwölf Prozent gestiegen. Er erneuerte die Forderung nach attraktiven Inlandsflugverbindungen, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit als Reiseland zu sichern. Alexander Wiedmann

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CEO-Aktivismus für die Demokratie: Nachholbedarf beim politischen Engagement von Unternehmen

„Manager sollten ihre Verantwortung für den Schutz der liberalen Demokratie ernst nehmen“, rät Markus Scholz, Forscher für Fragen der Unternehmensverantwortung von der TU Dresden und Mitverfasser der Studie „CEO-Aktivismus zum Schutz der liberalen Demokratie. Gleichzeitig rät er davon ab, „dass sich Manager und Unternehmer ausdrücklich für oder gegen einzelne politische Parteien positionieren“. Stattdessen sollten sie Verantwortung übernehmen und strategisches Engagement zur Stärkung der offenen Gesellschaft entwickeln.

Die Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Während eine Mehrheit politische Positionierungen von CEOs für legitim hält, vertraut nur jeder vierte Befragte darauf, dass Unternehmen im Interesse der Gesellschaft handeln. AfD-Anhänger vertrauen Unternehmen mehr als Anhänger linker Parteien. Linke und Grüne lehnen wirtschaftliche Positionierungen eher ab, sehen aber AfD-Kritik positiv. Welche konstruktive Handlungsoptionen Unternehmen für ihr politisches Engagement haben, lesen Sie im ESG.Table. Caspar Dohmen

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Das Executive Briefing Nr. 1 für die Top-Entscheider: ab März 2026 immer mittwochs und samstags! Mit Podcast: Table.Today CEO Edition. CEO.Table

Best of Table

ESG.Table: Deutschland baut Ladesäulen, doch die E-Auto-Nachfrage schwächelt. Trotz 145.000 öffentlichen Ladepunkten im Januar 2026 und geringer Auslastung bleiben Neuzulassungen hinter den Erwartungen zurück. Ob dies statt an fehlender Infrastruktur eher an strukturierten Hürden liegt, lesen Sie hier.

Climate.Table: Saudi-Arabien und Deutschland planen Wasserstoffbrücke. Am Sonntag unterzeichneten saudische und deutsche Unternehmen Absichtserklärungen für einen Export von grünem Wasserstoff. Wie realistisch und wirtschaftlich das Projekt ist, lesen Sie hier.

Europe.Table: Russische Zentralbank klagt gegen EU-Entscheidung. Am Dienstag reichte die Notenbank Klage ein. Welche Verfahrensverstöße sie anführt und ob sie vor EU-Gericht Erfolg haben kann, lesen Sie hier.

Lernen Sie alle Table.Briefings in voller Länge kostenlos kennen: Vier Wochen, ohne automatische Verlängerung, ohne Zahldaten – und informiert wie die Topentscheider.

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CEO.Presseschau

WirtschaftsWoche

Konsumgüter: Beiersdorf wächst kaum noch – Aktie stürzt ab

Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf schickte seine Aktie mit einem verhaltenen Ausblick auf Talfahrt. Nach einem deutlichen Tempoverlust 2025 erwarten die Hamburger für 2026 kaum noch Wachstum. Die Kernmarke Nivea schwächelt und soll neu ausgerichtet werden, was bis 2027 dauern soll. Besser lief es bei den Derma-Marken Eucerin und Aquaphor sowie bei Hansaplast, die zweistellig wuchsen.
Automobilwoche

Schaeffler richtet Strategie neu aus

Schaeffler positioniert sich als „Motion Technology Company“ neu, um die Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern. Das Unternehmen setzt künftig verstärkt auf Verteidigung, humanoide Robotik und Raumfahrt. Für den Verteidigungsbereich wird eine eigene Gesellschaft gegründet. Die Integration von Vitesco soll bis 2028 abgeschlossen sein, dann will man wieder schwarze Zahlen schreiben.
manager magazin

Kühne+Nagel erleidet Gewinneinbruch: Logistiker verdient ein Viertel weniger

Der Logistikkonzern Kühne+Nagel verbuchte im Geschäftsjahr 2025 einen Gewinneinbruch. Der Reingewinn fiel um 25 Prozent auf 925 Millionen Franken, das bereinigte operative Ergebnis sank um 17 Prozent. Trotz eines leichten Umsatzrückgangs konnte das Unternehmen seine Marktanteile in der Luftfracht ausbauen. Ein Kostensenkungsprogramm mit einem Volumen von über 200 Millionen Franken wurde gestartet.
Handelsblatt

SAP ordnet Vorstand neu – Klein fokussiert sich auf KI

SAP stellt sein Topmanagement neu auf. Ab April bündelt ein neues Vorstandsressort unter Thomas Saueressig alle kundenbezogenen Aktivitäten. Vorstandschef Christian Klein gibt die kommissarische Vertriebsleitung ab, um sich verstärkt auf Künstliche Intelligenz zu fokussieren. Zudem steht Produktentwicklungsvorstand Muhammad Alam vor dem Abschied.
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CEO.Picks

Wie KI Gewinnprognosen verbessert

Seit langem geht die Idee um, dass Künstliche Intelligenz Gewinnprognosen verbessern kann. In der Praxis blieb das oft ein Versprechen. Veränderungen in Gewinnen und Profitabilität lassen sie nur sehr ungenau vorhersagen, obwohl Kapitalmärkte darauf empfindlich reagieren.

In meiner gemeinsamen Forschung mit Katherine Schipper und Kevin Stanridge zeigen wir, dass dieses Prognoseproblem nicht naturgegeben ist. Der Engpass bei Vorhersagen lag nicht in fehlenden Daten, sondern in den Modellen. Klassische Prognosen behandeln Finanzzahlen so, als seien ihre Zusammenhänge einfach nur linear. Unternehmen funktionieren aber nicht so. Profitabilität entsteht aus nicht-linearen Wechselwirkungen zwischen operativer Leistung, Margen, Kapitaleinsatz und Sondereffekten.

Unsere Ergebnisse liefern nun belastbare Evidenz, dass und wie es funktioniert: Wenn man KI innerhalb eines strukturierten Rechnungslegungsrahmens einsetzt, sinkt der durchschnittliche Prognosefehler bei Profitabilitätsprognosen um rund sieben Prozent gegenüber dem Random-Walk-Benchmark. Der Nutzen kommt vor allem dort, wo die großen Überraschungen entstehen, also bei den schwierigsten Fällen. Zusätzlich zeigen wir, dass unsere KI-basierten Profitabilitätsprognosen dem Markt zeitlich voraus sind und Gewinn und Kursentwicklung antizipieren, bevor sie in Analysteneinschätzungen sichtbar werden.

Für CEOs heißt das konkret: Bei Gewinnprognosen nicht mehr nur klassische Modelle akzeptieren. KI-gestützte Prognosen sollten zusätzlich eingesetzt werden, weil sie nicht-lineare Profitabilitätseffekte erfassen und damit Gewinnüberraschungen und Kursreaktionen reduzieren.

Oliver Binz ist Assistant Professor of Accounting an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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CEO.Index

Wer ist der deutsche KI-CEO?

Während die SAP-Anleger und Investoren seine KI-Strategie mit 15 Prozent Kursverlust allein im letzten Monat deutlich abgestraft haben, hat sich CEO Christian Klein am stärksten beim Thema KI etabliert. Trotz Kursverlusten wolle er auch an der Strategie festhalten, hatte Klein bei der jüngsten Bilanz-Presekonferenz betont – im CEO.Index von Table.Briefings rangiert er gemessen an KI-Suchergebnissen mit 19,6 Prozent der Erwähnungen auf Platz 1.

Metrix.AI hat drei führende KI-Suchmaschinen über eine Woche mit täglich 23 Fragen zur KI-Kompetenz der DAX-40-CEOs konfrontiert. Das Ergebnis ist ein Spiegelbild der öffentlichen Kommunikationsstrategie: Wer das KI-Narrativ seines Unternehmens breit und kohärent in Interviews, Konferenzen und Fachmedien aufgebaut hat, dominiert die Ergebnisse. Knapp hinter Klein liegt Siemens-CEO Roland Busch (19,5 Prozent der Erwähnungen), auf Platz drei folgt Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius (11,5 Prozent der Erwähnungen).

Überraschend ist die andere Seite der Medaille: 14 der 40 DAX-Unternehmen erhalten null Erwähnungen. Firmen wie Zalando und Scout24 sollten dabei als reine Digital-Player eigentlich die Speerspitze der deutschen KI-Bewegung sein. Ihre CEOs existieren im KI-Diskurs der Suchmaschinen schlicht nicht.

Sachar Klein ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsberatung hypr.

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