Wenn KI Entscheidungen verschlechtert

CB
06. Mai 2026
KI kann laut Christoph Burger bei Entscheidungen helfen - aber nur mit der richtigen Vorbereitung. (David Ausserhofer)

Viele Führungskräfte erwarten, dass KI die Qualität von Entscheidungen verbessert. Je schneller Analysen vorliegen und je klarer Empfehlungen formuliert sind, desto größer erscheint die Sicherheit.

Tatsächlich verstärkt sich dadurch ein bestehender Fehler. Entscheidungen werden weiterhin primär an ihren Ergebnissen gemessen, nicht an der Qualität des Prozesses. KI verschärft dieses Muster, weil ihre Antworten früh Orientierung geben und Diskussionen darauf ausrichten. Teams beginnen nicht mehr mit der Struktur der Entscheidung, sondern mit der Rechtfertigung eines bereits gesetzten Ausgangspunkts.

Daraus entsteht ein Risiko für die Art und Weise, wie Entscheidungen zustande kommen. Unsicherheit wird ausgeblendet statt sichtbar gemacht, Annahmen bleiben implizit, Alternativen werden zu früh verworfen. Die Organisation lernt langsamer, weil Ergebnisse im Nachhinein plausibilisiert werden, statt den Entscheidungsprozess zu hinterfragen. Die wahrgenommene Klarheit der KI ersetzt dabei oft die notwendige Auseinandersetzung mit Zielkonflikten, Risiken und den Bandbreiten möglicher Alternativen.

Verändern Sie in der nächsten Strategie-Runde den Einsatz von KI im Entscheidungsprozess. Halten Sie vor jeder Nutzung fest, welche Entscheidung getroffen werden soll, welche Alternativen tatsächlich bestehen und welches Ziel verfolgt wird. Nutzen Sie KI erst danach, um Annahmen offenzulegen, Alternativen zu erweitern und Risiken systematisch zu prüfen.

Christoph Burger ist Senior Lecturer an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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Letzte Aktualisierung: 06. Mai 2026