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So groß ist der Einfluss US-amerikanischer Investoren auf die deutsche Wirtschaft

US‑Investoren halten über 40 Prozent des institutionellen Streubesitzes im DAX. Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen den USA und Deutschland summiert sich auf mehr als zehn Billionen Euro. Wird das zum Risiko?

21. Februar 2026
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US‑Investoren greifen mit ihren Dollars zunehmend auch nach deutschen Unternehmen. (Imago Images)

Wenn in Deutschland über „De-Risking“ gesprochen wird, richtet sich der Blick meist nach China. Die Angst vor einseitigen Abhängigkeiten in geopolitischen und wirtschaftlichen Fragen ist in den Unternehmenszentralen und in der Politk groß. Doch auch gegenüber den USA besteht eine enge wirtschaftliche und finanzielle Verflechtung – über Portfolio-Beteiligungen am Aktienmarkt, über Direktinvestitionen und in einzelnen Fällen auch über operative Kontrolle von Unternehmen. Nach Angaben von Eurostat standen 2023 rund 4.799 Unternehmen in Deutschland unter US-Mehrheitskontrolle (siehe Grafik).

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Wie stark US-Investoren am deutschen Kapitalmarkt präsent sind, zeigen konkrete Zahlen. „US-Investoren halten mehr als 40 Prozent des institutionellen Streubesitzes im DAX, heimische Investoren hingegen nur etwas über zehn Prozent“, sagt Felix Schmidt, leitender Volkswirt der Berenberg-Bank, Table.Briefings. Als Streubesitz gilt der Anteil der ausstehenden Aktien, der sich nicht in festen Händen von Großaktionären oder dem Unternehmen selbst befindet und frei am Markt gehandelt werden kann.

Zwei US-Namen dominieren die deutschen Aktionärslisten. „Die beiden größten institutionellen Investoren im DAX sind die amerikanischen Unternehmen Vanguard und BlackRock mit einem Anteil von jeweils mehr als fünf Prozent des Streubesitzes“, so Schmidt.

Ein Blick auf einzelne Unternehmen verdeutlicht die Dimension:

  • Bei Rheinmetall lag der Anteil nordamerikanischer institutioneller Investoren 2022 noch bei 40 Prozent, 2024 waren es 28 Prozent.

  • Bei SAP befinden sich rund 25 Prozent der ausstehenden Aktien im Besitz institutioneller Investoren aus den USA.

  • Bei der Deutschen Telekom entfallen im Streubesitz nach Regionen 28,9 Prozent auf die USA und Kanada.

Auch als Investitionsstandort gewinnt Deutschland für US-Investoren wieder an Attraktivität. „In unsicheren Zeiten werden das stabile politische System und die Rechtssicherheit in Deutschland als Standortvorteil wahrgenommen“, so Schmidt. US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaften zielten hierzulande häufig auf kleine und mittelständische Unternehmen. Bei Fusionen und Übernahmen waren die USA 2025 erneut die wichtigste ausländische Investorengruppe in Deutschland. US-Unternehmen standen für rund ein Fünftel der Transaktionen und etwa ein Drittel des Dealvolumens ausländischer Investoren.

Eine international geprägte Eigentümerstruktur hat aus ökonomischer Sicht nicht nur Risiken, sondern auch Vorteile. „Langfristig ist es grundsätzlich positiv, wenn Unternehmen international diversifizierte Investoren haben. Das spricht für offene Kapitalmärkte und eine funktionierende Unternehmenskultur. Sensibel kann es jedoch werden, wenn Stimmrechte stark bei einem einzelnen Investor gebündelt sind“, erklärt Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung, im Gespräch mit Table.Briefings. „Entscheidend ist dabei weniger die bloße Anzahl der Stimmen als die Frage, wie aktivistisch ein Investor auftritt.“

Das größere Risiko für Deutschland liegt nicht in einzelnen US‑Investoren, sondern in der tiefen transatlantischen wirtschaftlichen Verflechtung: Nach Angaben der Deutschen Bundesbank beliefen sich die US-Investitionen in Deutschland im dritten Quartal 2025 auf insgesamt 10,59 Billionen Euro. Rund elf Prozent der weltweiten US-Auslandspositionen entfallen damit auf Deutschland (siehe Grafik). „Wenn die US-Wirtschaft ins Stocken gerät oder es Turbulenzen am amerikanischen Kapitalmarkt gibt, spüren wir das unmittelbar. Insofern ist die transatlantische Verflechtung das größere Thema als einzelne Beteiligungen amerikanischer Investoren“, so Heider.

Das Dilemma: Kapital ist in Europa durchaus vorhanden, es wird jedoch zu einem erheblichen Teil in den USA angelegt und zu wenig auf dem eigenen Kontinent investiert. „Jedes Jahr verlassen rund 300 Milliarden Euro an Spareinlagen Europa und fließen in die USA“, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Podcast Table.Today. Hinzu kommen Dividenden in Milliardenhöhe. Den Anlegern könne man das kaum vorwerfen, denn der europäische Kapitalmarkt sei nicht tief genug und biete zu wenige geeignete Anlageoptionen. Mit einer funktionierenden, mehrstufigen Kapitalmarktarchitektur ließe sich dieses Kapital besser mobilisieren und für Wachstum in Europa einsetzen.

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Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2026