Der Schuh, der den Aktienkurs von Adidas springen lässt

Hinter dem Aktienanstieg steht ein jahrelanges Rennen zwischen Adidas und Nike. Es geht um den ersten offiziellen Marathon unter zwei Stunden – und das beste Material an den Füßen.

29. April 2026
Der Kenianer Sabastian Sawe, Gewinner des London Marathon und Weltrekordhalter
Der Kenianer Sabastian Sawe mit dem Schuh des Sieges: Darauf hat er die Zeit geschrieben, in der er den London Marathon lief, „WR“ für „World Record“ und „Sub2“ für „unter zwei Stunden“ (Adidas)

Kleine Zahlen, großer Erfolg: Eine Minute und fünf Sekunden schneller als der bisherige Rekordhalter war Sabastian Sawe beim London-Marathon am vergangenen Wochenende. Und: Zwei Prozent kletterte die Adidas-Aktie in den darauffolgenden Tagen nach oben. Denn zumindest ein Teil der erstaunlichen Leistung des Läufers wird seinen Schuhen zugeschrieben.

Sawe rannte die 42,2 Kilometer in einer Stunde, 59 Minuten und 30 Sekunden mit dem Adizero Adios Pro Evo 3 an den Füßen. Das ist nicht einfach nur ein guter Laufschuh, sondern ein „Superschuh“, wie Adidas selbst sagt. Er ist „state of the art“: er ist so schnell wie noch nie und so leicht wie noch nie mit einem Gewicht von nur 97 Gramm, dank Schaumstoff und Carbon-Sohle. Und er soll federn wie ein Trampolin, heißt es, und direkt Schwung geben für den nächsten Schritt. Ab Donnerstag dieser Woche ist das Modell online zu kaufen, für rund 500 Euro.

Hinter den Marathonläufen auf den Straßen gibt es seit zehn Jahren ein erbittertes Rennen zwischen den Sportartikelherstellern Nike und Adidas: Wer macht den Schuh, mit dem die Zwei-Stunden-Marke geknackt wird? Nike soll mehrere Millionen in ein Schuhmodell investiert haben, mit dem ein Läufer 2017 einen Marathon in zwei Stunden und 25 Sekunden lief. Allerdings war dieses Modell nicht mit den Regeln des Marathon-Weltverbands konform.

2019 ein neuer Anlauf, ein neuer Schuh – und ein neuer Rückschlag für Nike: Zwar gelang der Testlauf in Wien mit einer Stunde, 59 Minuten und 40 Sekunden, allerdings wurde das Rennen nicht offiziell gewertet – weshalb der Weltrekord nun an den Wettbewerber Adidas geht. Das dürfte dem Unternehmen aus Herzogenaurach recht sein: Seit Jahresbeginn war der Aktienkurs um 18 Prozent gesunken, der schnelle Schuh bringt nun womöglich die Trendwende.

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Letzte Aktualisierung: 29. April 2026