Gipfeltreffen: China will Zeit gewinnen, Trump will glänzen

Der Gipfel zwischen Trump und Xi trifft auf eine Welt im Krisenmodus. Während beide Seiten nach außen Stärke zeigen, wird in Peking und Washington um wirtschaftliche Abhängigkeiten, Technologie und geopolitischen Einfluss gerungen.

12. Mai 2026
Klaus W. Larres (l.) ist Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen an der University of North Carolina und Tim Wenniges ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg e. V.

Der am Mittwoch beginnende Gipfel zwischen Donald Trump und Xi Jinping findet in einer Phase tiefer geopolitischer und wirtschaftlicher Verwerfungen statt. Ein Ende des Iran-Krieges und die Öffnung der Straße von Hormus sind nicht absehbar. Selbst bei sofortigem Waffenstillstand wären monatelange Lieferkettenstörungen zu erwarten.

Beide Seiten stehen innenpolitisch und wirtschaftlich unter erheblichem Druck. In den USA haben steigende Benzinpreise und eine wachsende Teuerungsrate Trumps Beliebtheitswerte auf rund 33 Prozent gedrückt. Der Ausgang der Zwischenwahlen im November 2026 ist für die Republikaner zunehmend ungewiss.

China kämpft nach wie vor mit den Auswirkungen des Immobilienkollapses der letzten Jahre. Das Exportvolumen stieg zwar im April 2026 unerwarteterweise um über 14 Prozent an. Doch die Wirtschaft ist zunehmend auf den Export angewiesen, denn der Binnenkonsum ging stark zurück. Das führt jedoch zu immer größeren Widerständen in vielen Ländern, die von chinesischen Produkten aller Art überschwemmt werden. Trotz großzügiger Ölreserven steigen in China die Preise und die Vorräte nehmen rasch ab.

Sowohl China als auch die USA wissen um die Bedeutung persönlicher Gipfeldiplomatie. Seit ihrem Treffen in Südkorea im Oktober 2025 haben sich die bilateralen Beziehungen etwas beruhigt. Doch die Konfliktfelder bleiben: Zollpolitik, Künstliche Intelligenz, Chips und Halbleiter, Robotics, Automobilindustrie – in all diesen Bereichen betrachten sich beide Seiten mit Argusaugen.

Das Wettrennen um die Technologie der Zukunft ist in vollem Gange. Dass China bei vielen Seltenen Erden und ihrer Verarbeitung deutlich die Nase vorn hat, verstärkt dies zusätzlich.

Belastet wird das Verhältnis auch durch die Kriege in der Ukraine und im Iran. Washington versucht, China von der immer stärkeren Unterstützung von Russlands Militärmaschine abzuhalten. Das State Department belegte vor wenigen Tagen drei große chinesische Firmen mit Sanktionen, die Satelliteninformationen über die Position amerikanischer Schiffe und Militärbasen im Nahen Osten an den Iran weitergegeben haben. Die Trump-Administration geht davon aus, dass letztlich der chinesische Staat hinter diesen Firmen steckt oder ihre Aktivitäten zumindest politisch duldet.

In China wird die erratische und widersprüchliche Außenpolitik Trumps mit Kopfschütteln und Unverständnis betrachtet. Gleiches gilt für die Kriegsführung im Iran, die die Führung in Peking überrumpelt hat. Mit chirurgischen Schlägen hatte man gerechnet, nicht mit einem Flächenbrand.

Europa könnte die historische Stunde nutzen, ein glaubwürdiges Angebot zu unterbreiten. Denn die Enttäuschung der Golfstaaten über die USA, die das lang eingeübte Petrodollarsystem zumindest untergräbt, wird in Peking sehr aufmerksam verfolgt. Angebote an die Staaten am Golf werden folgen.

Im Grunde ist Peking seit der Großen Rezession von 2008/09 davon überzeugt, dass die USA sich auf dem absteigenden Ast befinden. Angesichts der inkohärenten Politik Trumps scheint sich dieser Prozess aus chinesischer Sicht beschleunigt zu haben. Es ist daher davon auszugehen, dass Xi auf dem bevorstehenden Gipfel eine harte Verhandlungsführung an den Tag legen wird.

Trump ist sich der Schwäche seiner eigenen Politik und seines Führungsstils nicht bewusst. Er glaubt nach wie vor, in der globalpolitisch stärksten Position zu sein, nicht nur gegenüber dem Iran und anderen Ländern, sondern auch gegenüber China. Zudem ist Trump stark von Inszenierung, Komplimenten und oberflächlicher Ehrerbietung beeinflussbar. Auch weiß er, dass er sich vor dem Hintergrund der anstehenden Zwischenwahlen und der wirtschaftlichen Belastungen des Iran-Krieges kaum einen weiteren Handelskrieg mit China leisten kann.

Hinzu kommt die offene Frage, wie lange der US-Dollar als Leitwährung noch fungieren wird. Gerüchte, dass der Iran mögliche Mautgebühren für die Straße von Hormus in Renminbi erheben will, mögen symbolischer Natur sein. Das Modell des Petrodollars, in dem die Golfstaaten ihre Gewinne in US-Staatsanleihen investieren im Gegenzug zu militärischem Beistand, hat jedoch massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

All dies bedeutet, dass Trump sich letztlich in einer unterlegenen Verhandlungsposition gegenüber China befindet. Auch wenn die Wahrnehmung der US-Delegation, die am Mittwochabend in Peking eintreffen wird, eine andere ist. Doch wie in vielen anderen Bereichen ist auch die Politik Trumps gegenüber China von Wunschdenken und mangelndem Realitätsbezug geprägt.

Klaus W. Larres ist Richard M. Krasno Distinguished Professor und lehrt als Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen an der University of North Carolina at Chapel Hill. Er arbeitete unter anderem als leitender Politikberater an der deutschen Botschaft in Peking für Botschafter Michael Clauß. Tim Wenniges ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg e. V. Zuvor leitete er unter anderem die Konrad-Adenauer-Stiftung in China.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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Letzte Aktualisierung: 12. Mai 2026