Iran-Krieg: Wie die Landwirtschaft weltweit auf steigende Kosten reagiert

Landwirte leiden unter hohen Kosten und stagnierenden Erlösen. In der Anbauplanung macht sich das bereits bemerkbar. Zugleich hat ein weltweiter Wettlauf um begehrte Düngemittel-Lieferungen begonnen.

13. Mai 2026
Sonnenblumen Feld
Kulturen wie Sonnenblumen werden angesichts der Marktlage beliebter. (picture alliance / imageBROKER | Cliff LeSergent)

Nach einem starken Anstieg der Energie- und Düngemittelpreise durch den militärischen Konflikt im Nahen Osten leiden Ackerbauern unter hohen Produktionskosten. Der Stickstoffdünger AHL hat sich in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent verteuert, die Phosphatpreise stiegen um rund 25 Prozent und Diesel kostet rund ein Drittel mehr als vor einem Jahr.

Die Erlöse im Ackerbau stagnieren dagegen. Die Preise für Brot- und Futterweizen liegen in Deutschland derzeit rund 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Mais wird auf einem ähnlichen Niveau gehandelt wie vor einem Jahr. Die Preise für Futtergerste sind im Jahresvergleich um sieben Prozent gestiegen, eine Folge der hohen Nachfrage auf dem Weltmarkt. Auch Raps bewegt sich auf einem höheren Niveau als vor einem Jahr. Mit einem Plus von rund sechs Prozent reicht der Anstieg aber ebenfalls nicht aus, um die gestiegenen Kosten zu decken.

Kurzfristig dürften die Preise für Energie und Düngemittel hoch bleiben. In den Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran zeichnet sich keine Annäherung ab. Selbst wenn es überraschend zu einer Lösung kommen sollte, wird es nach Ansicht von Experten Monate dauern, bis sich die Lage am Energie- und Düngemittelmarkt entspannt.

Vergleichbar mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind die Auswirkungen aber nicht. Zwar zogen in den vergangenen Wochen Preise für Getreide und Ölsaaten auf dem Weltmarkt an. Sie folgten dabei dem Rohölmarkt. Eine ähnliche Preisexplosion wie 2022 hat es aber nicht gegeben und ist auch in der näheren Zukunft unwahrscheinlich. Vom Krieg am Schwarzen Meer war die globale Getreideversorgung unmittelbar betroffen, denn Russland und die Ukraine lieferten etwa 30 Prozent des weltweit gehandelten Weizens und fast 20 Prozent der globalen Maisexporte.

Die Sperrung der Straße von Hormus am Persischen Golf wirkt sich nur mittelbar auf die Landwirtschaft aus. Höhere Dieselpreise verteuern die Feldbestellung, die gestiegenen Erdgaspreise treiben die Kosten für die Produktion von Stickstoffdünger in die Höhe. Saudi-Arabien ist mit einem Weltmarktanteil von knapp 20 Prozent zudem ein wichtiger Exporteur von Phosphat. Diese Lücke können andere Produzenten nicht schließen, sodass es in den kommenden Monaten zu echten Engpässen in der globalen Versorgung kommen könnte.

Auf dem Weltmarkt hat ein Wettlauf um die begehrten Düngemittel-Lieferungen begonnen. Im März kaufte Indien in einer internationalen Ausschreibung eine Rekordmenge von 2,5 Millionen Tonnen des Stickstoffdüngers Harnstoff. In dieser Woche meldete Reuters einen Kauf Indiens von 1,35 Millionen Tonnen Diammoniumphosphat (DAP). Der australische Premierminister Anthony Albanese reiste im April in mehrere südostasiatische Länder und sicherte sich für sein Land Harnstofflieferungen über mehrere Hunderttausend Tonnen. Auf der anderen Seite hat China den Export von Düngemitteln bis auf wenige Ausnahmen untersagt, um die heimische Versorgung zu sichern, was das Angebot auf dem Weltmarkt weiter einschränkt.

Weltweit reagieren die Landwirte auf die steigenden Düngemittelpreise und passen ihre Anbauplanungen an. Kulturen wie Weizen und Mais, die viel Stickstoffdünger benötigen, werden durch Sojabohnen, Sonnenblumen, Gerste, Hirse oder Raps ersetzt. Dies wirkt sich auch auf die Aussichten für die Ernten in der Saison 2026/27 aus.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) veröffentlichte am Dienstag einen ersten Ausblick. Die Produktion von Weizen und Mais soll nach den Rekordernten des Vorjahres zurückgehen, während die Produktion von Sojabohnen, Raps und Sonnenblumen neue Rekordstände erreichen könnte. Der Boom bei den Ölsaaten ist auch eine Folge der steigenden Nachfrage nach Biokraftstoffen. Die hohen Ölpreise und die Furcht vor Versorgungsengpässen haben viele Regierungen dazu veranlasst, Beimischungsquoten für Biodiesel anzuheben.

Der Bericht des USDA zeigt auch, dass in den USA beim Weizen eine Missernte droht. Eine kleinere Anbaufläche und Trockenheit in wichtigen Anbaugebieten könnten gegenüber dem Vorjahr zu einem Einbruch der Produktion um 22 Prozent auf 42,5 Millionen Tonnen führen. Das wäre die kleinste Ernte seit fast 70 Jahren. Da auch in fast allen großen Exportnationen mit einem Rückgang der Produktion gerechnet wird, fällt das globale Angebot kleiner aus. Die weitere Preisentwicklung beim Weizen wird davon abhängen, wie sich das Wetter in Nordamerika und Europa in den kommenden Wochen entwickelt.

Setzen sich aktuelle Trends fort, ist eine weitere Einschränkung der Weizenfläche wahrscheinlich. Sollten die Preise für Düngemittel und Kraftstoff hoch bleiben und die Preise für Getreide auf einem relativ niedrigen Niveau verharren, könnte sich das im Herbst auf die Aussaat für die Ernte 2027 auswirken.

Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2026