Straße von Hormus: Was die Blockade wirtschaftlich bedeutet

Die Straße von Hormus ist dicht. Als einziger Seeweg für ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion führt die Sperrung zu steigenden Energiepreisen und Frachtkosten.

04. März 2026
Screenshot der Schiffsdatenplattform MarineTraffic am Dienstagnachmittag zeigt: Vor dem Eingang zur Straße von Hormus drängen sich vor Anker liegende Tankschiffe.

Nur fünf Prozent der Rohölexporte aus den Ländern um den Persischen Golf gehen nach Europa. Damit ist Europa von der Blockade der Straße von Hormus nicht unmittelbar betroffen, ein Ölversorgungsengpass droht nicht. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche rief diesbezüglich bereits am Sonntag zur Gelassenheit auf. Auch die USA, die mittlerweile selbst der weltweit größte Öl- und Erdgasproduzent sind, importieren weniger als 0,9 Millionen Barrel pro Tag aus der Region. Das zeigt eine Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters. Ganz anders hingegen die Lage in Asien: China muss aktuell Öllieferausfälle verzeichnen. Als größter Rohölimporteur der Welt bezieht das Land rund die Hälfte aus dem Nahen Osten und ist der größte Abnehmer des Iran. Auch Japan bezieht 95 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten, Südkorea 75 Prozent.

180 bis 200 Tanker stehen still: Die Daten der Plattform MarineTraffic zeigen, wie sich Tankschiffe zu beiden Seiten der Meerenge zwischen Oman und dem Iran stauen, etwa vor dem Hafen von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Iran hat die Straße von Hormus für geschlossen erklärt. Am Montagabend drohte der Kommandeur der Revolutionsgarden, jedes durchfahrende Schiff zu beschießen. Internationale Reedereien, Handelshäuser und Ölkonzerne haben ihre Fahrten bereits zuvor weitgehend eingestellt. Auch deutsche Schiffe liegen nun vor Anker.

Die Straße von Hormus ist ein Bottleneck. Sie ist 167 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle nur 33 Kilometer breit, wobei die Fahrrinne für große Frachtschiffe noch enger, stellenweise nur drei Kilometer breit ist. Zugleich ist der Seeweg die einzige Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer (Golf von Oman, Arabisches Meer, Indischer Ozean). Die Ölhäfen und damit der Ölexport von Kuwait, Irak, Katar, Bahrain, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind damit blockiert. Nur Saudi-Arabien und die VAE verfügen über eine Alternative zur Tankschifffahrt: Pipelines – die allerdings deutlich weniger Masse transportieren können: fünf (SA) bzw. 1,5 (VAE) Barrel pro Tag, laut eines Reports des Energieministeriums der Vereinigten Arabischen Emirate.

Ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion steckt fest. Die Schiffe, die täglich durch die Meerenge fahren, transportieren in erster Linie Rohöl, Treibstoff und Flüssigerdgas (LNG). In weitaus weniger bedeutendem Umfang werden auch Düngemittel und Lebensmittel durch die Straße von Hormus gefahren. Das am stärksten betroffene Segment aber ist der Ölhandel: 2024 passierten laut GTAI, der Außenwirtschaftsagentur des Bundes, täglich 20 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge (siehe Grafik). Das entspricht einem Fünftel des globalen Ölangebots. Dazu kommen rund 80 Millionen Tonnen Flüssiggas jährlich, in erster Linie aus Katar – ebenfalls in etwa ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels.

In der unmittelbaren Folge auf den Stopp der Öltransporte sind die Preise für Rohöl aus anderen Gegenden der Welt schlagartig gestiegen. Öl aus der Nordsee und den USA legte bereits in den ersten Handelsminuten der Börse am Montagmorgen enorm zu, Brent-Öl lag seit dem in der Spitze bei 83,84 US-Dollar je Barrel (159 Liter) – dem höchsten Stand seit Juli 2024. Und Experten meinen, er könnte sogar bis auf 100 US-Dollar steigen. Das wiederum könnte gravierende Folgen für die Wirtschaft auch hierzulande haben.

Auch die Frachtpreise steigen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet am Dienstag unter Berufung auf Branchenkenner und aktuelle Schiffsdaten, dass die Kosten für einen VLCC (Very Large Crude Carrier, also besonders große Rohöltanker etwa) auf 420.000 US-Dollar pro Tag angestiegen sind – kommend von 120.000 US-Dollar. Preise für die Verschiffung von LNG stiegen demnach um 40 Prozent. Grund ist, dass durch das Festsitzen der Frachtschiffe vor der Straße von Hormus die Kapazitäten schlagartig verknappt wurden.

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Letzte Aktualisierung: 04. März 2026