Berlin.Table – Ausgabe 774

Iran-Krieg: Berlin zwischen Solidarität und Sorgen + Djir-Sarai sieht „Chance für Neuanfang“

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Talk of the Town

Berlin und der Iran-Krieg: Warum die Regierung Solidarität zeigt – und trotzdem in der Klemme steckt

Beim Blick auf den Iran gibt es in der Regierung aktuell keine zwei Meinungen. So ziemlich alle in der Koalition haben das bisherige Regime seit langem als große Gefahr fürs eigene Volk und für viele Partner in der Region empfunden. Deshalb ist von Friedrich Merz, Johann Wadephul und anderen Kabinettsmitgliedern an der Stelle nur eines zu hören: Dass es gut wäre, wenn das Land endlich von seiner Führung befreit wäre. Und wenn die Menschen, ob im Iran oder in der Nachbarschaft, den Terror des Regimes nicht länger fürchten müssten. Entsprechend gilt die Losung: Es ist erstmal gut, wenn die USA und Israel dem ein Ende setzen.

Am Sonntagnachmittag spricht der Kanzler beiden Ländern Unterstützung aus. Dabei macht er noch einmal klar, wie Deutschland auf die Führung im Iran blickt: Das Mullah-Regime sei ein „Terrorregime“, verantwortlich für die jahrzehntelange Unterdrückung des iranischen Volkes. Merz spricht über die Angriffe des Iran auf Israel und Nachbarstaaten am Golf. Er spricht über die schwer durchschaubare innere Dynamik des Landes, nennt die Risiken und mögliche Folgen. Und er erklärt, dass völkerrechtliche Einordnungen wenig bewirken würden, umso mehr, wenn sie weitgehend folgenlos blieben. „Die Verurteilung iranischer Rechtsbrüche und selbst umfangreiche Sanktionspakete haben über Jahre und Jahrzehnte wenig ausgerichtet. Das hat auch daran gelegen, dass wir nicht bereit waren, grundlegende Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen“, sagt Merz.

Für Berlin ist das ein Balanceakt, der ein hohes Risiko birgt. Denn in einer Gesamtbewertung der Lage verbinden sich mit dem Krieg Gefahren, deren Konsequenzen unabsehbar sind. Zum einen ist der Krisenstab im AA seit Kriegsbeginn damit beschäftigt, die Deutschen in der Region zur Vorsicht und zur Ausreise aus gefährdeten Staaten zu bewegen – und sich um all jene zu kümmern, die durch die Flugverkehrsprobleme in den Golf-Staaten und anderswo festsitzen. Zum zweiten zwingt die Gefahr von Anschlägen in Deutschland zum Hochfahren der Sicherheitsmaßnahmen. Niemand kann sagen, wie gefährlich die Lage noch werden kann.

Zugleich weiß Merz, dass der Weg, den Israel und die Amerikaner nun gehen, womöglich der einzig erfolgsversprechende ist. Mit Diplomatie allein ist dem Regime im Iran noch kein Ende gesetzt worden. Deshalb, so betont Merz am Sonntag nochmal, sei jetzt nicht der Moment, Partner und Verbündete zu belehren. Bei allen Zweifeln teile Deutschland viele ihrer Ziele, ohne selbst imstande zu sein, sie tatsächlich zu erreichen.

Hinzu kommt, dass die Regierung sich um die Ukraine sorgt – und um die fragile wirtschaftliche Entwicklung. Angesichts des Aufwands, den das US-Militär jetzt am Golf betreiben muss, ist die Gefahr enorm, dass die bedrohte Ukraine in der Prioritätenliste Washingtons weiter absinkt. Merz und seine Minister müssen sich darauf einstellen, dort noch mehr Lasten zu tragen. Und das, obwohl sie zugleich um das kleine Pflänzchen wirtschaftliche Entwicklung fürchten müssen. Jede Schwächung wird bedrohlich. Doch genau das geschieht gerade durch die Sperrung der Straße von Hormuz und die iranischen Angriffe auf die Golfstaaten. Gerade sie sind in den letzten Jahren auch für Deutschlands Wirtschaft immer wichtiger geworden.

All das nimmt Merz mit, wenn er am Montag nach Washington aufbricht. Am Dienstag trifft der Kanzler dort den amerikanischen Präsidenten. Eigentlich sollte es um einen Weg aus dem Zollkonflikt und um weitere Unterstützung für die Ukraine gehen. Beides sind für die Europäer drängende Fragen. Beides droht nun überlagert zu werden. Immerhin kündigte Merz nun selbst an, er werde mit dem US-Präsidenten über den Iran reden. Tatsächlich dürfte das im Zentrum der Gespräche stehen. Trump hat damit die Agenda gekapert und einmal mehr gezeigt, wie schnell akute Krisen die Wünsche und Pläne der Europäer durchkreuzen.

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US-Angriff auf Iran: Die Europäer wollen Trump nicht verärgern. Europäische Staats- und Regierungschefs warnen vor einer Eskalation im Nahen Osten, schrecken aber mit wenigen Ausnahmen vor offener Kritik am Vorgehen der USA und Israels zurück. „Frankreich, Großbritannien und Deutschland haben wiederholt an das iranische Regime appelliert, das Nuklearprogramm einzustellen und das ballistische Raketenprogramm zu reduzieren“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs der drei Länder. Man sei nicht an den Militärschlägen beteiligt, stehe aber im engen Kontakt mit den internationalen Partnern.

Deutliche Kritik kommt einzig von Pedro Sánchez. „Wir lehnen die einseitige Militäraktion der Vereinigten Staaten und Israels ab, die eine Eskalation darstellt und zu einer unsicheren internationalen Ordnung beiträgt“, schrieb Spaniens Regierungschef auf X. Die Europäer versuchen in einer schwierigen Gratwanderung, Kritik zu üben, ohne die Trump-Regierung zu verärgern. „Wir rufen zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen auf und fordern die iranische Führung auf, eine Verhandlungslösung zu finden“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens weiter. Verurteilt werden auch Irans willkürliche Angriffe auf Staaten in der Region. Wie die Mitgliedstaaten und die EU-Spitze sich in Brüssel positionieren, lesen Sie im Europe Table. Stephan Israel

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Wirtschaftliche Folgen des Kriegs: Geschäftsmodell Deutschlands arabischer Verbündeter in Gefahr. Die iranischen Vergeltungsschläge auf US-Militäreinrichtungen und andere Ziele in der Region könnten langfristig das Erfolgsmodell des Golf-Kooperationsrats (GCC) ins Wanken bringen. Dem gehören mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zwei der wichtigsten deutschen Handelspartner in Nahost an. Das sagt Sebastian Sons, Golfexperte beim Center for Applied Research in Partnership with the Orient (Carpo) in Bonn, Table.Briefings: „Die Angriffe beschädigen die Reputation der Golfstaaten als sicherer Hafen für Investitionen, als attraktive Touristendestination, als Drehscheibe des internationalen Handels und des Flugverkehrs. Und das hat nicht nur symbolische Auswirkungen, sondern eben auch Auswirkungen auf die eigene Stabilität.“

Eine Rolle für die Bundesregierung, mäßigend in dem Konflikt einzuwirken, sehe man in den Herrschaftshäusern am Golf nicht. „Deutschland wird nicht als wichtiger Player wahrgenommen, hat weder militärisch noch diplomatisch hier in irgendeiner Art und Weise Einfluss“, so Sons. Weshalb die Golfstaaten eine deeskalierende Rolle einnehmen könnten, lesen Sie im Security.Table. Markus Bickel

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Reaktionen aus Deutschland: Djir-Sarai sieht Chance für Neuanfang, Amiri erwartet Straßenproteste. Der frühere FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai, geboren 1976 in Teheran, sieht die Chance für einen historischen Umbruch im Iran. „Freiheit ist jetzt das Motto. Die Mullahs sind Verbrecher, sie haben die freie Welt bedroht. Es ist jetzt nicht die Zeit für eine Völkerrechtsdebatte, sondern die Konzentration auf einen Neuanfang, der in Freiheit münden kann“, sagte Djir-Sarai im Podcast Table.Today. Die deutsch-iranische ARD-Journalistin Natalie Amiri sagte in Bezug auf die neuen Machthaber im Iran: „Die Frage ist: Wie viele Köpfe werden noch eliminiert? Und was hat das für Auswirkungen auf die innere Stabilität des Machtapparats?“ Wann das Volk auf die Straßen gehen werde und dazu vielleicht vom Oppositionsführer im Exil, Reza Pahlavi, oder US-Präsident Donald Trump aufgerufen werde, das sei die entscheidende Frage.

Badenerg hofft auf das Ende der Verfolgungen. „Für mich und meine Familie bedeutet der Tod des Mannes, der über Jahrzehnte das Gesicht der Islamischen Republik geprägt hat, ein erstes Aufatmen“, sagte die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg, ebenfalls mit iranischen Wurzeln. „Wir dürfen nun hoffen, dass Oppositionelle, Andersdenkende und Angehörige von Minderheiten nicht länger systematisch verfolgt, inhaftiert, gefoltert und hingerichtet werden.“ Ihre Gedanken zu den Entwicklungen im Iran lesen Sie im Gastbeitrag. Den Podcast hören Sie ab 5 Uhr hier. Michael Bröcker, Helene Bubrowski

Table.Today. "Wie wird der Iran die Mullahs los? Mit Natalie Amiri und Bijan Djir-Sarai."

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- Sponsor: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag
- Im Zusammenhang mit: Parlamentarische Initiativen zum GEG, u.a. Drucksache 21/2724 „Heizkostenfalle verhindern – Wärmewende weiterführen für ein warmes und bezahlbares Zuhause“; Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

News

Neues Wirtschaftsmodell: Klingbeil will sich mit Betriebsratsvorsitzenden beraten. Am Montag trifft sich Finanzminister Lars Klingbeil mit den Betriebsratsvorsitzenden der Dax40-Unternehmen; das erfuhr Table.Briefings aus Kreisen des Finanzministeriums. Im Mittelpunkt der Gespräche soll vor allem die Frage stehen, wie das Wirtschaftsmodell Deutschlands erneuert werden könne. „Deutschland muss in wichtigen Bereichen wieder Technologieführerschaft erreichen“, heißt es aus dem BMF. Um das zu erreichen, solle die Priorität auf Wettbewerbsfähigkeit und sichere Arbeitsplätze, Strukturreformen, verlässliche Rahmenbedingungen und einen europäischen Standortpatriotismus gesetzt werden.

Das Treffen schließt sich an einen Austausch mit dem Präsidium des BDI in der vergangenen Woche an. Erst im Dezember gab es einen Austausch zwischen Finanzminister Klingbeil und den Hauptgeschäftsführern der vier großen Wirtschaftsverbände DIHK, BDA, BDI und ZDH, das sich nach den Aussagen von Arbeitsministerin Bärbel Bas beim Arbeitgebertag zu einem Krisentreffen entwickelt hatte. Laura Block

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Mit Macht für die 8. Hände weg vom 8-Stunden-Tag! DGB.

- Sponsor: Deutscher Gewerkschaftsbund
- Im Zusammenhang mit: Angekündigte Änderung des Arbeitszeitgesetzes durch die deutsche Bundesregierung; Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

Rentenkommission: Was Deutschland von anderen Ländern übernehmen könnte. Wie im Vorfeld von Bärbel Bas angekündigt, schaut sich die Kommission die Systeme in unterschiedlichen Staaten an. Schon Thema war Schweden: Dort gibt es kein festes Renteneintrittsalter, sondern ein „Zielalter“ von derzeit 67, das regelmäßig an die Lebenserwartung angepasst wird. Von ihm hängt ab, wann welcher Jahrgang frühestens in den Ruhestand gehen darf. Auch die Höhe der Rente wird auf Grundlage der Lebenserwartung für jeden Jahrgang berechnet. Die Ansprüche verstorbener Personen werden jedes Jahr auf die Überlebenden derselben Kohorte verteilt. Diejenigen, die länger als der Durchschnitt leben, erhalten mehr, als sie selbst angespart haben, die übrigen weniger.

Auch in Dänemark ist der Renteneintritt an die Lebenserwartung gekoppelt. Eine Anpassung erfolgt alle fünf Jahre. Ab 2030 soll das reguläre Eintrittsalter 68 betragen, für die Jahrgänge ab 1971 liegt es dann bei 70. Der SVR Wirtschaft schlug zuletzt eine sogenannte 2:1-Regel vor, die jetzt auch Grünen-Chef Felix Banaszak aufgegriffen hat. Bei einer Verlängerung der Lebenserwartung um 12 Monate würde man acht Monate länger arbeiten und vier Monate länger Rente beziehen. Die Kommission will ihre Vorschläge Ende Juni präsentieren. Wie sich ihre Mitglieder bisher positioniert haben, lesen Sie in der Analyse des Berlin.Table. Okan Bellikli

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So stärken Privatversicherte die Arztpraxen auf dem Land. Die PKV-Regionalatlanten zeigen, dass Praxen in ländlichen Gegenden noch stärker von Privatpatienten profitieren als in der Stadt. Das liegt zum Beispiel daran, dass die ältere Bevölkerung auf dem Land öfter Behandlungen benötigt. Dieser PKV-Mehrumsatz wird durch aktuelle Daten aus Baden-Württemberg aufs Neue belegt. (mehr auf pkv.de)

EU-Mercosur-Abkommen: Provisorische Anwendung beginnt. Nachdem Argentinien und Uruguay es ratifiziert haben, wendet die EU das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten vorläufig an. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestätigte die Entscheidung am Freitag und betonte, das Abkommen sei vorläufig und könne erst nach einer parlamentarischen Zustimmung endgültig in Kraft treten. Während die Fraktionen von Sozialdemokraten, Chrisdemokraten und Liberalen die Entscheidung begrüßen, kritisierte die französische Regierung sie scharf. Warum die vorläufige Anwendung ein politisch heikles Kalkül ist, das die Widerstände im EU-Parlament verstärken könnte, lesen Sie im Europe.Table. Antonia Zimmermann

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Atomwaffen: Union erwartet von Macron Bekenntnis zu Europa. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Erndl, erwartet, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag die europäische Dimension der französischen Nuklearstreitkräfte betont. „Wir sind für Gespräche und Kooperationen offen, aber eine stärkere Einbindung französischer Nuklearfähigkeiten kann nur ergänzend und in enger Abstimmung mit der Nato erfolgen“, sagte Erndl Table.Briefings.

Macron hält am Montag am Stützpunkt Île Longue in der Bretagne eine lange erwartete Rede, in der er die französische Nukleardoktrin erneuert. Friedrich Merz hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt, er habe mit Macron erste Gespräche über europäische nukleare Abschreckung aufgenommen. Was von der Rede zu erwarten ist und wie Frankreich seine nukleare Abschreckung versteht, lesen Sie im Security.Table. Gabriel Bub

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Trump-Besuch: Was China vom US-Präsidenten erwartet. Der chinesische Sicherheitsexperte Zhou Bo hofft, dass Donald Trump bei seinem Besuch Ende März in China die offizielle Sprache der US-Regierung zu Taiwan ändert. Die US-Regierung sollte klar machen, dass sie eine Unabhängigkeit Taiwans ablehne. „Je stärker China wird, desto weniger werden die USA bereit sein, einen Krieg gegen China zu führen. Die Zeit ist auf unserer Seite“, erklärt Zhou. Zugang zur neuesten US-Technologie sei für China hingegen nicht mehr so wichtig, sagt der Sicherheitsexperte. Weshalb Chinesen Trump in seiner Haltung zu ihrem Land derzeit als „angenehm seltsam“ wahrnehmen und was das Verhältnis Großmächte derzeit sonst noch prägt, lesen Sie im China.Table. Angela Köckritz

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Table.Documents

Heads

Gabriel Felbermayr soll neuer Wirtschaftsweiser werden. Er rückt damit auf den Posten der ausgeschiedenen Ulrike Malmendier nach. In dem Personalpaket, auf das sich die Koalition geeinigt hat, ist zudem enthalten, dass Veronika Grimms Vertrag nicht verlängert wird. Er läuft im Frühjahr 2027 aus. Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, war der Wunschkandidat der CDU gewesen. Die SPD hatte Malmendier halten wollen und darf nun laut Informationen des Handelsblattes eine Nachfolge für die bei Sozialdemokraten wenig beliebt Grimm nominieren. (Handelsblatt)

Jovita Neliupšienė, EU-Botschafterin in Washington, mahnt zum Schulterschluss mit den USA. Ihre Botschaft: „Europa und die Vereinigten Staaten gehören zusammen.“ Gleichzeitig weist die 46-Jährige darauf hin, dass Europa eine Mitschuld an der Distanzierung der USA trage. Mit welchen Herausforderungen Neliupšienė im Amt, das sie seit 2023 ausübt, derzeit konfrontiert ist, lesen Sie im Security.Table.

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Best of Table

China.Table: Warum die Kanzler-Reise für strategische Uneinheitlichkeit sorgt. Bei seiner China-Reise hat Friedrich Merz eher auf die bilaterale Abstimmung mit Paris und London gesetzt statt auf eine größer gedachte europäische Geschlossenheit. Warum Peking davon profitiert, welche wirtschaftlichen Hoffnungen Berlin antreiben und was das über Europas strategische Zerrissenheit im Umgang mit China sagt, lesen Sie hier.

Europe.Table: EU und Schweiz verstärken Kooperation. Am Montag unterzeichnen der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin und Ursula von der Leyen ein neues Vertragspaket für die bilateralen Beziehungen. Es soll die Zusammenarbeit im Strombinnenmarkt, im Luft- und Landverkehr, bei der Freizügigkeit, der Konformitätsbewertung und im Agrarhandel verstärken. Vor welchen entscheidenden Hürden das Paket noch steht, lesen Sie hier.

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Time.Table

Highlights der Woche

Am Montag bricht Friedrich Merz nach Washington auf, wo er am Dienstag Donald Trump zum Gespräch im Oval Office sowie zu einem gemeinsamen Mittagessen trifft. Ursprünglich wollte der Kanzler über Zölle und die Ukraine reden, nun steht der Iran ganz oben auf der Agenda.

Am Mittwoch findet die Auftaktveranstaltung des von Table.Briefings-Chefredakteurin Helene Bubrowski und Theaterkritiker Simon Strauß initiierten Projektes „Volkes.Stimmen“ statt, das sich der Frage widmet, wie Journalismus in der Breite der Bevölkerung wahrgenommen wird. Podiumsdiskussion mit Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und NRW-Innenminister Herbert Reul. Publix Berlin, 18:30. Mehr Informationen hier.

Am Donnerstag will der Bundestag den ersten Teil der zwei Bürgergeld-Reformen verabschieden. Neben dem neuen Namen „Grundsicherungsgeld“ soll damit der Druck auf Leistungsempfänger erhöht werden – so sollen bei fehlendem Mitwirken sogar die Zahlungen vorübergehend komplett eingestellt werden können.

Am Freitag tritt Friedrich Merz gemeinsam mit Spitzenkandidat Manuel Hagel zum Abschluss des Landtagswahlkampfs der CDU Baden-Württemberg in Stockach und Ravensburg auf.

Am Sonntag wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. In den jüngsten Umfragen schlossen die lange hinten liegenden Grünen bis auf einen Prozentpunkt zur Union auf. In den persönlichen Beliebtheitswerten liegt der 60-jährige Cem Özdemir mit 49 Prozent deutlich vor dem 37-jährigen Manuel Hagel (23 Prozent).

2. März

Verteidigung: Grundsatzrede von Emmanuel Macron zur nuklearen Abschreckung. Île Longue, 15:30 Uhr

Parteien: Gremiensitzungen der Bundesparteien und Statements der Vorsitzenden: Jan van Aken, Linke, 13 Uhr. Felix Banaszak, Grüne, 14 Uhr

Bundestag I: Öffentliche Anhörung des Arbeitsausschusses zum PSA- und Gasgerätedurchführungsänderungsgesetz, 14 Uhr

Bundestag II: Der neu gegründete Wirtschaftsbeirat der Grünen-Fraktion trifft sich am Nachmittag zu seiner ersten Sitzung (15 Uhr); anschließend lädt die Fraktion zum Parlamentarischen Abend (18 Uhr) mit einer Keynote der Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer. Paul-Löbe-Haus

Konferenz: Demokratie Forum Kommunalpolitik 2026 der Körber-Stiftung. Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, 13:30 Uhr. Programm

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Must-Reads

Stern: Miersch will beim GEG strengen Mieterschutz durchsetzen. Der SPD-Fraktionvorsitzende Matthias Miersch hat die Einigung mit der Union zum Gebäudeenergiegesetz gegen die breite Kritik verteidigt. „Wir haben einen gesellschaftlichen Spaltpilz beseitigt“, sagte er dem Magazin. Zugleich macht er deutlich, dass seine Fraktion darauf besteht, die in den Eckpunkten angekündigten, aber nicht näher ausgeführten Schutz von Mietern vor hohen Kosten tatsächlich umzusetzen: „Mit mir wird es kein Gesetz geben, dass Mieterinnen und Mieter auf den Kosten sitzen lässt.“ Wie genau eine solche Regel aussehen soll, ist aber weiter offen. („‚Im Herzen bleibe ich ein Rot-Grüner‘“)

SZ: Vorerst kein Geld für AfD-Stiftung. Das Innenministerium will weiter prüfen, ob der Desiderius-Erasmus-Stiftung Geld aus Bundesmitteln zusteht. Eine Frist der AfD-nahen Stiftung, ihr bis Ende Februar 18 Millionen Euro zu zahlen, ließ das BMI verstreichen. Gegenstand der Untersuchung sei, ob die Stiftung sich „aktiv für die freiheitliche und demokratische Grundordnung und den Gedanken der Völkerverständigung“ einsetze. Eine Entscheidung soll im Laufe des Jahres fallen. („Innenministerium gibt Millionen für AfD-Stiftung vorerst nicht frei“)

FAZ: CDU Baden-Württemberg setzt auf Haustürwahlkampf. Nach den jüngsten Umfragen, laut denen die Grünen fast zur CDU aufgeschlossen haben, sind noch rund dreißig Prozent der Wähler unentschieden. Cem Özdemir habe mit seiner Aufholjagd das bessere Narrativ, um auf den letzten Metern die CDU noch zu überholen, sagt Wahlforscher Karl-Rudolf Korte. CDU-Generalsekretär Tobias Vogt habe per Whatsapp parteiintern dazu aufgerufen, den Haustürwahlkampf zu intensivieren. („Die CDU ruft einen Lagerwahlkampf aus“)

NYT: ChatGPT-Firma geht Kooperation mit dem Pentagon ein. Das US-Verteidigungsministerium hat sich mit OpenAI darauf geeinigt, dass die US-Administration künftig deren KI-Systeme für „rechtmäßige Zwecke“ nutzen darf. Auf X erklärte Sam Altman, dass man einen Weg gefunden habe, dass die KI sich den firmeneigenen Sicherheitsprinzipien entsprechend verhalten würde. Die Einigung wurde nur wenige Stunden nach dem Platzen der Verhandlungen zwischen dem Pentagon und OpenAI-Konkurrenten Anthropic bekannt. Experten befürchten, dass die US-Behörden die KI für Massenüberwachung und autonome Waffensysteme einsetzen wird. („OpenAI Reaches A.I. Agreement With Defense Dept. After Anthropic Clash“)

Nicht überlesen!

Rheinische Post: Weimer nimmt Berlinale-Chefin Tuttle aus der Schusslinie. „Die weiträumige Kritik an den Ereignissen sollte nicht auf sie persönlich zielen“, sagte der Kulturstaatsminister. Das Problem sei größer: Politische Aktivisten dürfen nicht zu viel Macht über das Filmfestival bekommen; man müsse Künstler, Mitarbeiter und Jurys besser vor deren Übergriffen schützen. Tuttle müsse erklären, ob sie angesichts der Geschehnisse weiterhin bereit sei, die Leitung des Festivals fortzuführen. („‚Die Stimmung auf der Berlinale wurde regelrecht vergiftet‘“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Caren Miosga, 21:45 Uhr: Omid Nouripour, Azadeh Zamirirad, Annett Meiritz, Peter Neumann

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Peter Wittig, ehemaliger Botschafter: Szenarien für den Iran

7:15 Uhr: Johann Wadephul, Bundesaußenminister (CDU): deutsche Reaktion auf die Eskalation in Nahost

8:10 Uhr: Shila Behjat, Autorin: Szenarien für den Iran

ZDF

7:10 Uhr: Hans-Udo Muzel, ehemaliger Botschafter: Situation in Iran und den Golfstaaten

8:05 Uhr: Manfred Weber, EVP-Vorsitzender im EU-Parlament (CSU): europäische Reaktion auf die Eskalation in Nahost

8:44 Uhr: Nico Lange, Sicherheitsexperte: europäische Nuklearstrategie

phoenix

9 Uhr: Thomas Röwekamp, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses (CDU): europäische Nuklearstrategie

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Geburtstage von morgen

David Gill, Botschafter in Irland, 60

Ingeborg Gräßle, MdB (CDU), 65

Lothar de Maizière, einziger demokratisch gewählter Ministerpräsident der DDR (CDU), 86

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu Benjamin Netanjahu. Der Autor Joseph Croitoru zeigt in seiner Biografie, warum sich der israelische Premierminister trotz Korruptionsaffären und Kriegsverbrechen schon so lange an der Macht halten kann. Eine zentrale Rolle für die Karriere des Politikers spielen aus Croitorus Sicht „Beinflussung und Manipulation der Medien“ in Israel sowie den USA, wo Netanjahu studierte und UN-Botschafter seines Landes war. Neben den Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte in Gaza und im Westjordanland geht es in dem Buch etwa um Netanjahus Umgang mit dem Iran und seine Zusammenarbeit mit Donald Trump. Okan Bellikli

Joseph Croitoru: Das System Netanjahu | Wagenbach

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Gabriel Bub, Daniel Friesen, Viktor Funk, Tim Gabel, Stephan Israel, Franziska Klemenz, Katharina Kort, Magdalena Latz, Amelie Richter, Leonard Schulz, Arne Schütte, Wilhelmine Stenglin und Robert Wallenhauer mitgewirkt.

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