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Realismus statt Rhetorik: Wie die Effizienzwende im Bestand operativ gelingt

Von Iris Schöberl

Wir haben bereits alle Werkzeuge für eine kosteneffiziente Sanierung vorliegen.

Effizienzwende, Gebäudewende, Energiewende, Mobilitätswende. Werden das nicht langsam zu viele Wendebegriffe? Zumal: Veränderung im Sinne einer wirtschaftlichen Modernisierung anhand eines klaren Fahrplans ist gut, schnelle, abrupte Richtungswechsel hingegen – wenig überraschend - schaden einer Sache eher als ihr zu nutzen. Insbesondere in der Immobilienwirtschaft, wo in Lebenszyklen von 30 bis 50 Jahren gedacht wird. Was wir als Effizienzwende in der Immobilienwirtschaft benötigen, ist deshalb kein Zick-Zack-Kurs, sondern die Kraft und das Durchhaltevermögen, einen sinnvollen Fahrplan konsequent zu verfolgen.

Wirtschaftlichkeit als Investitionsmotor: Kosteneffizienz vor Ideologie

Unsere zentrale Hürde ist derzeit nicht ein Mangel an Technologie, sondern die Komplexität der ordnungspolitischen Anforderungen. Für Immobilienunternehmen ist die Richtung klar: Wir wollen Bestände dekarbonisieren und damit ihren Wert strategisch steigern. Denn jede Bank fragt bei der Finanzierung heute nach ESG-Konformität.

Der Ansatz kann jedoch nur ein wirtschaftlicher sein: Investitionen dort priorisieren, wo jeder eingesetzte Euro die größtmögliche CO₂‑Minderung erzielt.

Das bedeutet auch den Mut, deutlich zu sagen: Wenn wir viele Gebäude auf ein gutes Effizienzniveau heben, erreichen wir mehr fürs Klima als wenn vergleichsweise wenige Einheiten auf ein Spitzenniveau getrieben werden. Eine umfassende Tiefensanierung wird nicht möglich sein. Denn Klimaschutz ist dann tragfähig, wenn er finanzierbar bleibt – Anschubfinanzierung statt Dauersubvention muss hier die Leitlinie sein, um marktfähige Lösungen zu skalieren.

Die Stromseite als Flaschenhals: PV-Potenziale und das Kundenanlagen-Dilemma

Ein entscheidender, aber bisher blockierter Hebel ist die Elektrifizierung der Bestände. Der PV-Ausbau auf Bestandsdächern bietet ein gigantisches, ungenutztes Potenzial, scheitert jedoch systematisch an bürokratischem Mikromanagement – und an steuerlichen Regeln. Wir müssen das Problem der Kundenanlage endlich rechtssicher und praktikabel lösen. Es ist nicht vermittelbar, warum die interne Stromweiterleitung innerhalb eines Gebäudes technisch und administrativ so hürdenreich gestaltet ist, dass die Chance auf Realisierung gegen Null geht.

Zudem muss die Mieterstromregulierung radikal vereinfacht werden. Ziel muss es sein, den Strom dort zu nutzen, wo er erzeugt wird, ohne die Immobilieneigentümer in die komplexe Rolle eines Voll-Energieversorgers zu zwingen. „Der Weg ist das Ziel“ bedeutet hier: Schlanke, standardisierte Prozesse für dezentrale Energiekonzepte am Objekt statt regulatorischer Überfrachtung, die jedes Projekt unwirtschaftlich macht.

Operative Machbarkeit: Netzanschluss beschleunigen, Realität prüfen

Die gesamte Effizienzwende steht und fällt mit der Verfügbarkeit des Netzanschlusses. Es ist niemandem zu vermitteln, dass ambitionierte Sanierungsprojekte und die Installation von Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur monatelang durch langsame Prozesse und fehlende Kapazitäten seitens der Netzbetreiber blockiert werden. Wenn im Keller alles bereitsteht, sich aber über Monate hinweg buchstäblich Staub ansammelt, weil der Anschluss an das Netz fehlt, sind wir nicht nur in punkto Effizienz schlecht, sondern verlieren nebenbei auch die Akzeptanz. Hier brauchen wir klare Fristen und die Beschleunigung der Anschlussverfahren.

Pragmatismus und soziale Balance: Akzeptanz durch Bezahlbarkeit

Schließlich entscheidet die soziale Akzeptanz über den Erfolg einer jeglichen Wende. Wohnen und Mobilität sind existenzielle Grundbedürfnisse. Die aktuelle Debatte um die ETS2-Verschiebung ist ein Warnsignal: Hohe Energiepreise gefährden die Zustimmung zum Klimaschutz massiv. Wir müssen weg vom kleinteiligen Dirigismus bei Dämmstärken hin zu technologischen Freiheitsgraden.

Über die smarte oder vorausschauende Steuerung der Gebäudetechnik (auch mittels KI) ließen sich Effizienzgewinne von rund 20 Prozent erreichen – bei überschaubaren Installationskosten. Solche „Low-Hanging Fruits“ müssen priorisiert werden, um die Nebenkosten stabil zu halten und die soziale Schieflage zu vermeiden. Nur wenn die Maßnahmen für die breite Masse bezahlbar bleiben, bleibt der Klimapfad politisch gangbar.

Fazit: Verlässlichkeit als Standortvorteil

Die Modernisierung unserer Infrastruktur ist ein Prozess mit jahrzehntelanger Wirkung. Wenn wir den Fokus auf wirtschaftlich wirksame Hebel wie die Stromseite, den PV-Ausbau und die Netzertüchtigung legen, wird die Immobilienwirtschaft zum Motor der Effizienzwende. Wir haben die Expertise – was wir brauchen, ist ein Bekenntnis zum Kurs halten mit wirtschaftlichem Augenmaß und der Mut zur Vereinfachung.

Autorin: Iris Schöberl ist Präsidentin des ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss und Managing Director Germany bei der CT Real Estate Partners.

Wie gelingt eine Effizienzwende, die Energie und Strom gezielt einspart und industrielle Prozesse deutlich effizienter macht? Dieses Table.Forum zeigt, warum Effizienz zu einem entscheidenden Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und die Modernisierung zentraler Infrastrukturen wird – und welche digitalen und strukturellen Ansätze den Wandel beschleunigen können.

Unser Partner: Schneider Electric

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