Die neue Unordnung des Welthandels: Wie einer der größten deutschen Logistikkonzerne damit umgeht

Der Logistikkonzern Rhenus nutzt alternative Routen und Beratung als Antwort auf Welthandelschaos. CEO Tobias Bartz über seinen Umgang mit geopolitischen Spannungen und gestiegenen Kosten.

25. März 2026
Tobias Bartz, CEO Rhenus
Tobias Bartz, CEO von Rhenus, einem global agierenden Logistikkonzern mit Hauptsitz in Holzwickede bei Dortmund. (Rhenus)

Ein Blick auf die aktuelle Weltlage muss sich für den Chef eines Logistikunternehmens anfühlen wie eine Liste all seiner Probleme. Doch trotz Kriegen, Routensperrungen und Treibstoffkostenexplosion verzeichnet der Logistikkonzern Rhenus, Deutschlands größtes Transportunternehmen ohne Staatsbeteiligung, Umsatzwachstum und Auftragszuwachs.

Wie kommt es, dass ein Transportunternehmen, dessen Erfolg von stabilen Handelswegen abhängt, scheinbar vom Chaos im Welthandel profitieren kann? Im Gespräch mit Table.Briefings berichtet Rhenus-Chef Tobias Barz über massiv gestiegene Frachtkosten, neue Geschäftsfelder und – wortwörtlich – neue Wege, also: alternative Transportrouten. Bartz, der einst als Trainee bei Rhenus anfing, ist seit 2022 an der Spitze des Unternehmens und der erste CEO, der nicht aus der Eigentümerfamilie stammt. Rhenus gehört zum westfälischen Familienkonzern Rethmann.

Die schwächelnde deutsche Wirtschaft ist für Transportunternehmen ein Problem: Werden weniger Güter produziert, sinkt der Bedarf an Transport und Lagerung. „Das macht den Wettbewerb aus unserer Sicht schwieriger“, so der CEO. „Seit 2021 wachsen wir im Schnitt in der Eurozone um ein Prozent. Das ist natürlich sehr, sehr wenig. Wenn man dann noch die Inflation bereinigt, stehen wir vor Herausforderungen.“

Zusätzlich steigen die Kosten für Transportunternehmen auf breiter Front. Energie und Treibstoff ebenso wie Personal, Finanzierung und Kapital – alles ist teurer geworden. „Und die regulatorischen Kosten sind auch nicht außer Acht zu lassen“, sagt Bartz. Als kleine „Lichtblicke“ nennt er ein Auftragswachstum von Dezember auf Januar um sieben bis acht Prozent sowie neue Freihandelsabkommen, etwa mit Indien, Australien und den Mercosur-Staaten. „Das stimmt uns als Logistiker optimistisch.“

Den Kunden hilft das aber nicht: Für sie ist es deutlich teurer geworden, Güter zu verschicken. Die Luftfrachtraten zwischen Asien und Europa hätten sich binnen zwei Wochen verdoppelt, berichtet Bartz. Durch geopolitische Spannungen – etwa rund um die Straße von Hormus – und Einschränkungen auf zentralen Routen verlängern sich Transportwege. Umleitungen um Afrika herum steigern nicht nur die Treibstoffkosten, sondern verknappen auch Frachtkapazitäten – was sich wiederum auf den Preis auswirkt.

Diese Entwicklungen brächten die Margen der Logistiker unter Druck, bekennt Bartz. Eine Strategie mit diesem Problem umzugehen ist es für ihn, neue Geschäftsfelder zu eröffnen und mehr anzubieten als nur den Transport. Immer wichtiger werde für Rhenus etwa der Bereich Beratung – zu Zöllen, neuen Handelsrouten oder Re-Routings. Damit war Rhenus schon letztes Jahr erfolgreich, als Trumps Zollpolitik Unternehmer verunsicherte. 2025 ist der Umsatz des Logistikunternehmens von 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf prognostiziert mehr als neun Milliarden gestiegen.

Aktuell bedarf es alternativer Routen für die Strecke Europa-Asien. Fahrten durch den Suezkanal seien nicht möglich. Rhenus biete seinen Kunden stattdessen Transporte durch den „Mittleren Korridor“ an – eine Route über Zentralasien als Alternative zu klassischen Seewegen. „Wir haben gerade in Usbekistan und Kasachstan zwei neue eigene Terminals eröffnet“, so Bartz.

„Ja, im Vergleich zur eigentlichen Route und zum Transport per Schiff ist es teurer, wenn Sie von China über den Mittleren Korridor nach Europa fahren“, bekennt Bartz. Tatsächlich koste die Route fast doppelt so viel. Dafür sei die Ware – „wenn es optimal läuft“ – in 15 bis 25 Tagen in Europa. „Sonst braucht man aktuell für den Seeweg um Afrika herum allein 30 bis 45 Tage.“

Die Debatte über Deglobalisierung, die in der angespannten Weltlage immer wieder aufkommt, schreckt Bartz nicht. Nearshoring und „Buy European“ könnten Transportvolumen verändern, aber nicht unbedingt verringern. Rhenus könne auch von kürzeren, regionalen Lieferketten profitieren, ist sich Bartz sicher. Auch auf der letzten Meile könnten sie liefern. Rhenus investiere bereits in Binnenhäfen und Zugplattformen in unterschiedlichen Ländern – da aber wünsche er sich mehr Unterstützung der betreffenden Staaten.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 25. März 2026