Eurojust: Ermittlungserfolg bei von Russland geplanten Paketbomben-Anschlägen

Die in Den Haag ansässige Behörde hat die Hintermänner mehrerer Paketbomben-Anschläge in Europa ermittelt. 22 Verdächtige in Litauen und Polen sollen im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes tätig gewesen sein.

09. März 2026
Wegen der „Gefahr künftiger Vorfälle“ stuft Eurojust die Zusammenarbeit als besonders weitreichend ein. (picture alliance / ANP | Koen van Weel)
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Die EU-Agentur für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) hat einen wichtigen Ermittlungserfolg mit Blick auf Russlands hybride Kriegsführung in Europa erzielt. Ein von Eurojust koordiniertes Ermittlungsteam hatte die Hintermänner mehrerer Anschläge in Europa aufgedeckt, bei denen selbstentzündliche Pakete zum Einsatz kamen. „Die Zusammenarbeit führte zur Identifizierung von 22 Verdächtigen in Litauen und Polen, die im Verdacht stehen, im Auftrag des Militärgeheimdienstes der Russischen Föderation tätig gewesen zu sein“, heißt es von der Behörde mit Sitz in Den Haag. Zwei Fälle seien an Gerichte in Litauen und Polen weitergeleitet worden, die Verfahren sollten dieses Jahr beginnen. Die Verdächtigen hätten aus „sozioökonomischen“ Gründen gehandelt.

Der Generalbundesanwalt war von deutscher Seite aus an den Ermittlungen beteiligt, neben Behörden aus Litauen, Polen, Großbritannien und den Niederlanden. Wegen der „Gefahr künftiger Vorfälle“ stuft Eurojust die Zusammenarbeit als besonders weitreichend ein.

Experten bewerten diesen transnationalen Ermittlungserfolg als „hochwichtig“. So sagt Sönke Marahrens, der als Senior Non Residential Fellow am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel zu hybriden Bedrohungen forscht, zu Table.Briefings: „Das hat zur Folge, dass ermittelnde Beamte, wenn sie zukünftig im Kleinen etwas sehen, sich fragen werden, ob dahinter auch mehr stecken kann. Also zum Beispiel nachrichtendienstliche Aktivitäten.“ Die Paketbomben-Anschläge wären ein Musterbeispiel für die hybride Kriegsführung Russlands, nach einer Testphase gab es zeitgleich an mehreren Orten in Europa Vorfälle. „Die Ermittlungen sind ein klares Signal an Russland: Wir sehen, was du tust. Und Europa ist mit den Mitteln des Rechtsstaats in der Lage, das in den Griff zu bekommen“, so Marahrens.

Im Juli 2024 waren vier Pakete von Litauen nach Großbritannien und Polen verschickt worden. Eins der Pakete, das über ein Sortierzentrum in Deutschland verschickt wurde, fing am Flughafen Leipzig kurz vor dem Verladen in ein Flugzeug Feuer. Weitere Pakete gerieten in einem DHL-Lagerhaus in Birmingham und in einem DPD-Lkw auf der Fahrt durch Polen in Brand. Das vierte Paket wurde rechtzeitig entdeckt und konnte von den Ermittlern analysiert werden. Katharina Horban

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026