Ukraine-Front-Update: Unbemannte Systeme lähmen die Front

Der Technologiewettbewerb ist zu einem dominanten Faktor des russischen Krieges geworden. Er reduziert einerseits die Bewegung an der Front, andererseits erzeugt er neue Dynamik. In Kooperation mit Reaktion Group Consulting analysiert Table.Briefings die Lage in der Ukraine.

13. März 2026
Ukrainische Drohnen-Einheit im Donbass bereiten eine Glasfaser-gesteuerte Drohne für den Einsatz. (picture alliance/Anadolu/Jose Colon)
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Entlang der gesamten Frontlinie in der Ostukraine setzen russische Kräfte überwiegend auf kleine Infanterieangriffsgruppen, unterstützt durch Drohnen, Artillerie und elektronische Kriegsführung. Diese Gruppen sondieren ukrainische Verteidigungspositionen, identifizieren Schwachstellen und weiten die sogenannte „Grauzonen“ aus – ein Gebiet, in dem Mobilität kaum möglich ist.

Ukrainische Streitkräfte setzen auf eine intensive Drohnennutzung und dezentrale Verteidigungsstrukturen und greifen russische Logistik- und Kommunikationsknotenpunkte an.

Technologische Konkurrenz steht inzwischen so sehr im Zentrum der Entwicklungen dieses Kriegs wie zu keinem Zeitpunkt bisher. Autonome Systeme in der Luft und am Boden schränken die menschlichen Bewegungsfähigkeiten beider Seiten stark ein. UAV-Systeme, elektronische Kriegsführung, Kommunikationsnetze und Präzisionsschläge bestimmen das Gefechtsfeld. Keine Seite kann deshalb die Frontsituation nachhaltig ändern.

Wichtige Entwicklungen:

  • Drohnen bestimmten die Gefechtsführung. UAVs werden nicht nur für Aufklärung und Angriffe eingesetzt, sondern zunehmend auch für Logistik und Kommunikation.

  • Die technologische Anpassung schreitet weiter voran. Russland experimentiert mit neuen Angriffsdrohnen und FPV-Systemen, während die Ukraine ihre Fähigkeiten für Langstreckenangriffe ausbaut. In einem Fall wurde eine Marschflugkörperattacke über 1.400 Kilometer tief in Russland gemeldet.

  • Beide Armeen haben erheblichen Personalmangel. In der Ukraine haben rund zwei Millionen Männer die Mobilisierung vermieden, während etwa 200.000 Soldaten als unerlaubt abwesend registriert sind. Auch Russland verzeichnet Rekrutierungsprobleme, viele Einheiten erhalten nur 30 bis 40 Prozent der nötigen Verstärkung.

  • Darüber hinaus erweitern beide Seiten ihre Angriffe auf strategische Infrastruktur. Russland richtet diese gegen Eisenbahnen, Wasserversorgung und Heizsysteme, während die Ukraine Logistik- und Rüstungsziele tief im russischen Hinterland angreift.

Entwicklungen in den Regionen:

Cherson:

Russische Kräfte führen entlang des Dnipro Drohnen- und Artillerieschläge gegen ukrainische Positionen am rechten Ufer durch. Sie konzentrieren sich vor allem auf Beobachtungsposten, Drohnenstartplätze, Kommunikationsantennen und logistische Infrastruktur.

Auf russischer Seite bestätigen Militärquellen eine Verlagerung von Artillerie auf Drohnen. Aufklärungsdrohnen wie Orlan-10 identifizieren Ziele, während FPV-Drohnen oder Lancet-Loitering-Munition angreifen. Artillerie wird deutlich selektiver als früher eingesetzt.

Saporischschja: Die Front in der Region – besonders entlang der Achsen Huljapole sowie Orichkiw–Stepnohirsk – bleibt eine der weniger stabilen Abschnitte. Das Gefechtsfeld ist ein fragmentiertes Netzwerk aus Verteidigungspositionen, Grauzonen und Infiltrationsräumen.

Ein bedeutender technologischer Aspekt ist die Einführung eines ukrainischen Kommunikationssystems namens „Bakhmuttelecom“. Dabei handelt es sich um ein Netz aus Wi-Fi-Relaisstationen, die alle 300 bis 400 Meter entlang der Frontlinie installiert werden. Dieses System ersetzt teilweise Starlink-Terminals, die die russische elektronische Aufklärung lokalisieren kann.

Donezk und Luhansk: Der Donbas bleibt das aktivste Operationsgebiet des Kriegs. Russische Kräfte üben entlang mehrerer Achsen konstanten Druck aus, insbesondere im Raum Pokrowsk, der für beide Seiten wichtig ist. In Hryschne haben russische Einheiten Positionen im Zentrum des Dorfs etabliert.

Weiter nördlich konzentrieren russische Kräfte zusätzliche Truppen in Rodynske, offenbar um neue Angriffe vorzubereiten. Ein ukrainischer Offizier erklärt, dass Russland versucht, Bedingungen für einen Vorstoß in Richtung Dobropillia zu schaffen, was Druck auf Kramatorsk-Slowjansk-Agglomeration erzeugen würde.

Insgesamt zeigt sich im Donbas eine klare operative Logik: Russland versucht, durch kontinuierliche Infanterieinfiltration, Minenfelder und Drohnen- sowie Artillerieunterstützung die ukrainische Verteidigung zu destabilisieren und neue Ausgangspositionen für Offensiven zu schaffen.

Charkiw: Die Front im Gebiet Charkiw bleibt eher statisch, mit intensiven Drohnen- und Aufklärungsoperationen auf beiden Seiten. Besonders bei Kupjansk und Woltschansk dominieren kleine Gefechte, Infiltrationen und Drohnenangriffe. In Kupjansk nutzen russische Einheiten häufig schlechte Sichtbedingungen oder Nebel, um nachts kleine Gruppen hinter ukrainische Linien zu schleusen. Tagsüber verhindert die hohe Drohnendichte größere Bewegungen.

Logistik stellt für beide Seiten ein großes Problem dar. Drohnen überwachen die Straßen permanent. Russische Einheiten haben deshalb begonnen, schwere Transportdrohnen einzusetzen, die Nahrung, Wasser und Munition zu isolierten Positionen liefern.

Sumy: Die Front im Gebiet Sumy bleibt relativ begrenzt. Ukrainische Quellen berichten, dass mehrere russische Angriffe gescheitert sind, auch weil ukrainische Signalaufklärung veraltete russische Funkgeräte überwachen kann.

Russische Quellen berichten von der Einnahme des Dorfes Bobyliwka nahe der Staatsgrenze. Ein Problem für russische Einheiten ist die ungleiche Versorgung mit Drohnen, da viele UAV-Systeme nicht vom Staat, sondern von Freiwilligenorganisationen kommen.

Die Informationen stammen von verschiedenen menschlichen Quellen beiderseits der Front. Sie wurden so umfassend wie möglich überprüft. Ausführlichere Analysen und zusätzliche Informationen bietet Reaktion Group Consulting auf Anfrage.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026