Iran: Erstmals Handelsschiff unter deutscher Charter beschädigt

Ein Containerschiff, das von der deutschen Reederei Hapag-Lloyd gechartert wurde, ist im Persischen Golf beschädigt worden. Die G7-Staaten planen eine gemeinsame Sicherung der Schifffahrtsrouten, während die Sicherheitslage ungewiss bleibt.

13. März 2026
Sechs Schiffe hat Hapag-Lloyd nach eigenen Angaben im Persischen Golf. (picture alliance / ROPI | Zhang Jingang/Utuku)
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Am Donnerstagmorgen ist erstmals ein Frachtschiff mit deutschem Bezug im Persischen Golf im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran beschädigt worden. Das Containerschiff „Source Blessing“, das von der deutschen Reederei Hapag-Lloyd und Moller-Maersk gechartert wurde, ist vor Jebel Ali in den Vereinigten Arabischen Emiraten von Raketen- oder Drohnensplittern getroffen worden. An Bord war ein Brand ausgebrochen, den die Crew löschen konnte. Um eine direkte Attacke auf das Schiff habe es sich nicht gehandelt, sagte Nils Haupt, Konzernsprecher von Hapag-LLoyd, im Gespräch mit Table.Briefings. „Aber es ist das erste Mal, dass wir massive Schäden an einem von uns betriebenen Schiff haben.“ Die Crew blieb unverletzt.

Sechs Schiffe hat Hapag-Lloyd nach eigenen Angaben im Persischen Golf. An eine Durchfahrt durch die Straße von Hormus sei nicht zu denken. Wenn es stimme, dass das Seegebiet jetzt vermint werde, könne auch das deutsche Militär nichts machen. „Aber natürlich wär es gut, es gäbe einen militärischen Begleitservice aus der Straße von Hormus, wenn die Situation als sicher erachtet wird“, sagt Haupt.

Von einem Befahren der Straße von Hormus rät die Marineschifffahrtsleitung dringend ab. Sie warnt in einem am Donnerstag veröffentlichten Lagebericht davor, dass der Iran noch ausreichend Raketen und Drohnen zu haben scheint. Außerdem habe die Revolutionsgarde Kleinkampfmittel, Drohnen und Flugkörper in der Fläche. GPS- und AIS-Signale sind strk gestört. Die Marineschiffahrtleitung dient als Bindeglied zwischen der zivilen Handelsschifffahrt und der Deutschen Marine und ist dem Marinekommando in Rostock unterstellt. Die Leitung erstellt über die Lage im Iran Lageberichte für Bundespolizei, Schiffahrt und Bundeswehr.

Die G7-Staaten hatten sich am Mittwoch auf ein gemeinsames Vorgehen zur Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Golfregion verständigt. Frankreich und Griechenland planen eine europäische Marineoperation im Persischen Golf. Auf Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macrons soll ein Verband aus dem Flugzeugträger Charle de Gaulle, mehreren Begleitschiffen sowie Hubschrauberträgern gebildet werden. Ziel ist es, Handelsschiffe aus dem Persischen Golf zu eskortieren. Allerdings ist unklar, ob der Verband tatsächlich in die Straße von Hormus einlaufen oder sich zunächst außerhalb des Golfs positionieren und die Lage beobachten wird.

Auch US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, aufgrund der hohen Minen- und Raketengefahr vorerst keine Schiffe zu eskortieren. Die Lage bezüglich Minen ist noch unklar. Es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob der Iran bereits Minen ausgelegt hat. Iran verfügt auch über Treibminen, die völkerrechtlich gebannt sind.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) begrüßt die Initiative der G7 in einer Mitteilung. „Wer freie Seewege will, muss sie gemeinsam sichern“, erklärt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des VDR. Deutsche Marineeinheiten sollen sich nach derzeitiger Abstimmung nicht direkt an dieser Operation beteiligen. Stattdessen bleibt Deutschland an der Nordflanke gebunden, um dort maritime Sicherheitsaufgaben zu übernehmen.

Auch die Lage im Roten Meer bleibt unsicher. Am Donnerstag war ein Ultimatum der Huthi-Rebellen ausgelaufen, die Humanitäre Hilfe für den Gaza-Streifen gefordert hatten. Seit Ablauf des Ultimatums sei aber noch kein Vorfall eines Angriffs der Huthi-Rebellen in Bab el-Mandeb im Roten Meer bekannt geworden. Dort ist die EU mit der Mission „Aspides“.

Inzwischen sind Stand Donnerstagmorgen 18 Schiffe unterschiedlicher Herkunft gezielt attackiert worden. Rund 3.000 Schiffe hängen in der Region fest, 128 Schiffe davon haben einen deutschem Bezug. Immer öfter geraten auch Hafenanlagen ins Visier: am Mittwoch wurde mit dem Hafen von Salalah im Oman einer der bedeutendsten Umschlaghäfen getroffen.

Eine baldige Lageverbesserung ist nicht in Sicht. Modschtaba Chamenei, der neue oberste Führer des Iran, hat bereits angekündigt, die Straße von Hormus weiter geschlossen zu halten.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026