Internationaler Frauentag: Sicherheitsexpertinnen werben für verpflichtende Musterung für Frauen

Mehr Frauen in Sicherheitspolitik, Armee, Industrie, und Katastrophenschutz für mehr gesamtgesellschaftliche Resilienz – das forderten Speakerinnen einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Netzwerk-Initiative Women in Defense Tech.

08. März 2026
Um das Ziel von 260.000 aktiven Soldaten bis 2035 zu erreichen, dürfe nicht auf die Hälfte der Gesellschaft verzichtet werden, so Speakerinnen des Events. (picture alliance / Arno Burgi/dpa-Zentralbild/ZB | Arno Burgi)
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Weniger als eine Woche nach Vorstellung des Jahresberichts des Wehrbeauftragten des Bundestags wurde am internationalen Frauentag die Forderung laut, dass auch Frauen unter dem neuen Wehrdienst-Modell verpflichtend gemustert werden müssen. Um das im Bericht definierte Ziel von 260.000 aktiven Soldaten bis 2035 zwingend zu erreichen, dürfe nicht auf die Hälfte der Gesellschaft verzichtet werden.

„Auch wenn man kein Feminist ist, muss man anerkennen, wir brauchen dieses menschliche Potenzial“, sagte Reserveoffizierin Kerry Aileen Hoppe (Jahrgang 2001) bei einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Netzwerk-Initiative Women in Defense Tech am gestrigen Sonntag. Ende 2025, so der Jahresbericht, hatte sich die Zahl der aktiven Soldaten mit 184.194 um rund 3.000 gegenüber dem Vorjahr erhöht. „Es ist eine realpolitische Notwendigkeit, dass wir der Bedrohungslage mit allem, was wir irgendwie haben, entgegentreten“, so Hoppe.

Für diese Forderung gibt es generationenübergreifende Zustimmung mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament betont: „Ich habe kein Verständnis dafür, aus völlig falscher politischer Sichtweise darauf zu verzichten.“ Das verkenne, zu was Frauen in der Lage seien. Bei der Musterung von Frauen ginge es nicht darum, dass jede sofort in einen Kampfverband müsse. Im zivilen Bereich der Bundeswehr gebe es ebenfalls diverse, hochrelevante Tätigkeiten: „Auf einen kämpfenden Soldaten kommen acht bis neun Soldaten, die den Einsatz überhaupt erst möglich machen.“

Nur wenig besser aufgestellt als die Bundeswehr mit ihrem Frauenanteil von 13,71 Prozent ist das Technische Hilfswerk (THW) mit 17 Prozent. Mehr Frauen für die gesamtgesellschaftliche Resilienz zu gewinnen ist Aufgabe von Christiane Stieber, Leiterin des Aus- und Fortbildungszentrums des THW. Sie erklärt: „Den Umgang mit technischem Gerät können Frauen bei uns vorab in verschiedenen virtuellen Realitäten üben.“ Eventuelle Fehler in diesem Rahmen würden in einem nicht exponierten, beziehungsweise männerdominierten, Umfeld passieren. „Wir sehen zunehmend: Das hilft maßgeblich, die weibliche Perspektive zu stärken und die Frauen ans THW zu binden.“ Beim Umgang mit schwerem Gerät komme es erstmal nicht auf physische Kraft an, sondern auf das entsprechende technische Knowhow. Und das sei erlernbar.

Solche Formate wie beim THW könnten Beispiele „besonderer Anstrengungen“ darstellen, die der Wehrbeauftragte in seinem Jahresbericht auch von der Bundeswehr fordert – jenseits von Überlegungen zu einer Wehrpflicht für Frauen. Dafür gelte es, „Frauen in der Bundeswehr sichtbarer zu machen und zu zeigen, dass sie dort selbstverständlich Karrierechancen haben“. Einen ersten, wenn auch kleinen Schritt für mehr Sichtbarkeit tat die Bundeswehr im September 2025 mit der Umbenennung einer Kaserne in Munster in die „Unteroffizier Friederike Krüger Kaserne“: die somit erste Kaserne, die den Namen einer Soldatin trägt.

Doch bei allen aktuellen Bemühungen des Verteidigungsministeriums für mehr Frauen in der Truppe muss die Bundesregierung noch Lücken aus der Vorgängerregierung schließen. Die Merz-Regierung müsse dringend die „Erstellung und Verabschiedung“ des vierten Nationalen Aktionsplans zu Frauen, Frieden und Sicherheit angehen, „um die Agenda der UN-Resolution 1325 zur Women, Peace and Security-Agenda voranzutreiben“. Das erklärt Aylin Matlé von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, die zudem Mitglied im Civil Society Advisory Panel on Women, Peace, and Security (WPS) der Nato ist. Bisher gibt es drei Nationale Aktionspläne zu dem Thema, der letzte deckt den Zeitraum 2021-2024 ab. „Ich fand es schon interessant zu beobachten, dass die Vorgängerregierung, die eine feministische Außenpolitik verfolgen wollte, den Aktionsplan nicht erneuert hat“, sagt Matlé.

Auch die Nato hätte vergangenes Jahr ihren Aktionsplan zu Frauen, Frieden und Sicherheit erneuern müssen. Der letzte wurde im Oktober 2021 beschlossen. Die WPS-Agenda hat jedoch zurzeit im Nato-Hauptquartier in Brüssel wegen der Position der USA kein allzu hohes Standing. Es bleibt abzuwarten, ob zumindest die Bundesregierung das Thema auf nationaler Ebene vorantreiben wird. Eine Plattform dafür könnte der Nationale Sicherheitsrat sein.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026