Flugabwehr: Wie lange Israel den Krieg gegen den Iran durchhalten kann

Eines der bestgehüteten Geheimnisse Israels im Krieg gegen den Iran ist die Frage, wann seine Vorräte an Abfangraketen zur Neige gehen. Bis zu 300 Arrow-Raketen sollen in den ersten 18 Kriegstagen bereits verschossen worden sein.

YM
18. März 2026
Abwehrraketen des Iron Dome-Systems bei Sderot im Mai 2019. (picture alliance/AP Photo | Ariel Schalit)
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Die Deutung israelischer Verteidigungskreise war klar: Washington dränge darauf, den Krieg gegen den Iran rasch zu beenden, deshalb sei die Information über angeblich zur Neige gehende israelische Flugabwehrraketen gestreut worden. So hatte die US-amerikanische Nachrichtenplattform Semafor am Wochenende gemeldet, dass Israel „fast keine Abfangraketen für ballistische Raketen mehr hat“.

Außenminister Gideon Sa'ar dementierte den Bericht umgehend. Dies wird als Versuch interpretiert, der israelischen Öffentlichkeit zu versichern, dass die Israel Defense Forces (IDF) und Israels Rüstungsindustrie über ausreichende Vorräte verfügen, um den Krieg gegen den Iran weiterzuführen. Diplomatische und militärische Quellen lassen durchsickern, dass die Angriffe noch mehrere Wochen andauern werden, möglicherweise sogar über die Pessach-Feierlichkeiten Anfang April hinaus. Die Feier des Auszugs des jüdischen Volks aus Ägypten ist eines der wichtigsten jüdischen Familienfeste in Israel.

Eine Antwort auf die Frage, wie lange Israels Bestände noch reichen, lässt sich auch aus Daten zu iranischen Raketenangriffen ableiten. Laut Quellen des israelischen Militärgeheimdienstes (Aman) hat der Iran in den ersten 18 Kriegstagen etwa 700 Raketen abgefeuert, wobei die Abschussrate zurückgeht. Derselben Quelle zufolge verfügte der Iran vor dem Krieg über etwa 2.500 Raketen. Nach dieser Berechnung sind noch etwa 1.800 übrig, doch die meisten sind in unterirdischen Tunneln gelagert. Durch Luftangriffe der israelischen und US-amerikanischen Luftstreitkräfte sind die Ausgänge vieler dieser Tunnel – die als Abschussrampen dienen – blockiert. Wann immer der Iran versucht, sie wieder zu öffnen, werden sie erneut angegriffen.

Ein weiterer wichtiger Indikator für die Abschusskapazität des Iran sind seine Abschussrampen. Vor dem Krieg verfügte der Iran über etwa 400. Der Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Generalmajor Shlomi Binder, berichtete dem Kabinett vor einigen Tagen, dass der Iran nur noch über wenige Dutzend verfüge. Infolgedessen sei er gezwungen, eine „Abschussökonomie“ zu betreiben, indem er weiterhin täglich eine kleine Anzahl von Raketen abfeuert, um zu demonstrieren, dass er nicht kapituliert.

Die meisten der israelischen Abfangraketen sind Teil des Arrow-Systems. Dieses fängt iranische Shahab-Raketen auf große Entfernung über dem Irak und Jordanien ab. Ein erheblicher Teil der von Israel als „abgefangen“ klassifizierten Raketen stürzte tatsächlich während des Fluges ab – entweder aufgrund technischer Fehlfunktionen oder weil der Iran Abschüsse überstürzt durchführte, bevor die Abschussrampen aufgedeckt und von der Luftwaffe getroffen werden konnten.

Bereits nach dem Krieg im Juni erkannte der israelische Verteidigungsapparat, dass die Bestände an Abfangraketen eine zentrale Schwachstelle darstellten. Israel Aerospace Industries (IAI), der Hersteller des Arrow-Systems, arbeitet zusammen mit seinen Zulieferern in Israel und den USA rund um die Uhr. Unter der Annahme, dass Arrow-Abfangraketen nur gegen Raketen eingesetzt werden, die tatsächlich besiedelte Gebiete und Militärstützpunkte bedrohen, lässt sich schätzen, dass 300 Arrow-Abfangraketen abgefeuert wurden. Jede kostet etwa vier Millionen Dollar.

Israels Luftabwehrsystem setzt zudem David’s Sling-Abfangraketen ein. Diese haben eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern und dienen als zweite Verteidigungslinie. In kurzer Reichweite greift dann das „Iron Dome“-System als dritte Verteidigungslinie – in erster Linie gegen Trümmer von Abfangraketen oder gegen Shahab-Raketen, die zwischen zehn und 20 Streubomben-Submunitionen tragen, die sich über einen Radius von etwa zehn Kilometer verteilen. In israelischen Militärkreisen fühlt man sich angesichts der iranischen Abschussökonomie deshalb gut gerüstet, den Waffengang zu Ende zu führen, bevor Israel die Abfangraketen ausgehen.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026