Die menschliche Seite von Innovation – wie kommen wir an die Mint-Fachkräfte? 

Mint-Fachkräfte werden dringend gesucht. Doch die Studienanfängerzahlen insbesondere in den Ingenieurwissenschaften sinken weiter. Alle Bemühungen in der Mint-Bildung scheinen nicht zu wirken. Vier Vorschläge, wie sich das ändern könnte.

30. November 2023
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Trotz einer zunehmenden Debatte über die große Bedeutung von sozialen Innovationen für den gesellschaftlichen Wandel zeigt sich in den Zahlen: In Deutschland kommen rund zwei Drittel aller Ausgaben für Forschung und Entwicklung aus der Wirtschaft. Im Jahre 2022 waren das rund 82 Milliarden Euro. Das heißt, Forschung und Innovation findet überwiegend in Unternehmen statt. Diese brauchen dafür gut ausgebildetes Personal mit technischem und naturwissenschaftlichem Wissen und den richtigen Kompetenzen. So hat der überwiegende Teil der Menschen, die in den Unternehmen forschen und entwickeln, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (Mint) beziehungsweise Ingenieurwissenschaften studiert.

Zahl der Mint-Studienanfänger sinkt

Die Frage nach der Innovationsfähigkeit in Deutschland ist also auch eine Frage der Mint-Ausbildung. Aber wie gut gelingt es uns, Jugendliche für Mint zu begeistern, sie für ein Studium zu gewinnen und erfolgreich zum Abschluss zu bringen? Rein quantitativ sieht es hier schlecht aus: Die Zahl der Studienanfänger in Mint geht immer weiter zurück und liegt aktuell 15 Prozent unter dem Wert von vor zehn Jahren. Das ist nicht nur demografisch bedingt. Denn der Rückgang ist doppelt so groß wie bei denen, die insgesamt ein Studium begonnen haben. In manchen ingenieurwissenschaftlichen Fächern wie Maschinenbau oder Elektrotechnik liegt der Rückgang sogar bei mehr als 30 Prozent.

Der Rückgang der Studienanfänger in den Mint-Fächern ist ein Trend, der sich über Jahre abzeichnet. Es ist ein Trend, der die Hochschulen unter Druck setzt, und vor allem mit Blick auf unsere Innovationsfähigkeit schmerzt. Obwohl in den vergangenen Jahren viel Geld und Engagement in die Mint-Bildung investiert wurde, fehlen aktuell fast 300.000 Fachkräfte in diesen Bereichen. Wir brauchen eine Trendwende, um den Innovationsstandort Deutschland zu sichern. Was ist zu tun?

Vier Impulse für die Diskussion

  1. Das Mint-Gender-Gap schließen: In der Schule liegen Jungen und Mädchen noch fast gleichauf, beide wählen ähnlich häufig ein Mint-Fach als Leistungskurs. Im Studium liegt der Frauenanteil dann nur noch bei einem Drittel, im Beruf sinkt er weiter auf weniger als ein Fünftel. Diese Lücke ist nicht zwangsläufig. Andere Länder, auch in Europa (Deutschland liegt hier auf dem drittletzten Platz), zeigen, dass es anders geht. Für wirkungsvolle Maßnahmen müssen die Erkenntnisse aus der (Mint)-Bildungsforschung besser in die Bildungspraxis transferiert werden. Die Bildungsforschung zeigt: Wir brauchen Vorbilder, Mentorinnen und Zugänge zu den Themen, die nah an der Lebenswelt der Mädchen sind. Punktuell für Mint zu werben, wie beim Girlsday oder anderen Techniktagen, reicht nicht aus. Es gibt Initiativen, die die Erkenntnisse der Bildungsforschung ernst nehmen – zwei Beispiele: Cyber-Mentor begleitet seit vielen Jahren sehr zielgerichtet und erfolgreich Mädchen auf ihrem Weg zu mehr Mint. Und die aktuelle Praktikumsoffensive #empowerGirl vermittelt nicht nur Praktikumsplätze in Unternehmen, sondern begleitet die Unternehmen im Umgang mit weiblichen Mint-Interessierten. Organisiert wird die Initiative von MINTvernetzt, der zentralen Service und Anlaufstelle für Mint-Akteurinnen, an der auch der Stifterverband beteiligt ist.

  1. Die Auseinandersetzung mit Mint in der Schule stärken: Kostet das mehr? Ich denke nein. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl außerschulischer Mint-Angebote, die schulisches Lernen gezielt ergänzen und sinnvoll erweitern. Eine systematische Kooperation von schulischem und außerschulischem Lernen bietet großes Potenzial für eine intensivere Auseinandersetzung mit Mint in der Schule – in der Breite, in der Leistungsspitze oder auch bei der Berufsorientierung: Die Kultusministerinnen und Kultusminister haben in ihren aktuellen Empfehlungen zum Ganztag deutlich gemacht, dass sie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren stärken wollen. Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.

  1. Mint vom gesellschaftlichen Impact nicht von der Technik denken: Eine neue Studie legt nahe, dass Studienanfänger tendenziell weniger Mint-Fächer wählen, je reicher ein Land ist. Das gilt insbesondere bei Frauen. Je häufiger junge Menschen es sich leisten können, Mint nach Interesse und nicht nach Einkommenserwartungen zu wählen, desto weniger ist Mint die erste Wahl. Mint hat also ein Interessenproblem. Das müssen wir ändern. Ein Weg wäre, dass wir den Kontext von Technik in die Ausbildung einbeziehen. Schon jetzt zeigen viele Beispiele, dass Studiengänge die interdisziplinär angelegt sind, wie Umwelt und Technik oder Medizin und Informatik, stabile oder steigende Einschreibungszahlen haben.

  1. Das internationale Potenzial nutzen: Deutschland hat jüngst den Erfolg gemeldet, bei der Zahl internationaler Studierender im internationalen Vergleich die Bronzemedaille ergattert zu haben. Eine starke Vorlage. Aber bringen wir den Ball auch über die Linie und wandeln Studieninteresse für Mint in Deutschland um in mehr Mint-Fachkräfte? Bisher liegt der Fokus auf mehr internationale Studierende – egal wie. Hochschulen versuchen, sinkenden Studierendenzahlen mit mehr internationalen Studierenden zu begegnen. Aber: Wenn mehr internationale Mint-Studierende zu mehr Mint-Fachkräften führen sollen, dann müssen erstens jene kommen, die auch auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden und zweitens brauchen wir neue und kluge Wege, die Studierenden an der Schnittstelle zum Arbeitsmarkt zu begleiten. Hier müssen die Hochschulen neue Wege gehen: frühe Kontakte zu regionalen Unternehmen, Arbeitsmarktorientierung und soziale Integration, Abbau von kulturellen und sprachlichen Hürden. Dafür braucht es starke regionale Verbünde, die zeigen, dass nicht nur ein Studium, sondern auch das Leben und Arbeiten in Deutschland lohnt.

  1. Das Mint-Gender-Gap schließen: In der Schule liegen Jungen und Mädchen noch fast gleichauf, beide wählen ähnlich häufig ein Mint-Fach als Leistungskurs. Im Studium liegt der Frauenanteil dann nur noch bei einem Drittel, im Beruf sinkt er weiter auf weniger als ein Fünftel. Diese Lücke ist nicht zwangsläufig. Andere Länder, auch in Europa (Deutschland liegt hier auf dem drittletzten Platz), zeigen, dass es anders geht. Für wirkungsvolle Maßnahmen müssen die Erkenntnisse aus der (Mint)-Bildungsforschung besser in die Bildungspraxis transferiert werden. Die Bildungsforschung zeigt: Wir brauchen Vorbilder, Mentorinnen und Zugänge zu den Themen, die nah an der Lebenswelt der Mädchen sind. Punktuell für Mint zu werben, wie beim Girlsday oder anderen Techniktagen, reicht nicht aus. Es gibt Initiativen, die die Erkenntnisse der Bildungsforschung ernst nehmen – zwei Beispiele: Cyber-Mentor begleitet seit vielen Jahren sehr zielgerichtet und erfolgreich Mädchen auf ihrem Weg zu mehr Mint. Und die aktuelle Praktikumsoffensive #empowerGirl vermittelt nicht nur Praktikumsplätze in Unternehmen, sondern begleitet die Unternehmen im Umgang mit weiblichen Mint-Interessierten. Organisiert wird die Initiative von MINTvernetzt, der zentralen Service und Anlaufstelle für Mint-Akteurinnen, an der auch der Stifterverband beteiligt ist.

  2. Die Auseinandersetzung mit Mint in der Schule stärken: Kostet das mehr? Ich denke nein. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl außerschulischer Mint-Angebote, die schulisches Lernen gezielt ergänzen und sinnvoll erweitern. Eine systematische Kooperation von schulischem und außerschulischem Lernen bietet großes Potenzial für eine intensivere Auseinandersetzung mit Mint in der Schule – in der Breite, in der Leistungsspitze oder auch bei der Berufsorientierung: Die Kultusministerinnen und Kultusminister haben in ihren aktuellen Empfehlungen zum Ganztag deutlich gemacht, dass sie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren stärken wollen. Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.

  3. Mint vom gesellschaftlichen Impact nicht von der Technik denken: Eine neue Studie legt nahe, dass Studienanfänger tendenziell weniger Mint-Fächer wählen, je reicher ein Land ist. Das gilt insbesondere bei Frauen. Je häufiger junge Menschen es sich leisten können, Mint nach Interesse und nicht nach Einkommenserwartungen zu wählen, desto weniger ist Mint die erste Wahl. Mint hat also ein Interessenproblem. Das müssen wir ändern. Ein Weg wäre, dass wir den Kontext von Technik in die Ausbildung einbeziehen. Schon jetzt zeigen viele Beispiele, dass Studiengänge die interdisziplinär angelegt sind, wie Umwelt und Technik oder Medizin und Informatik, stabile oder steigende Einschreibungszahlen haben.

  4. Das internationale Potenzial nutzen: Deutschland hat jüngst den Erfolg gemeldet, bei der Zahl internationaler Studierender im internationalen Vergleich die Bronzemedaille ergattert zu haben. Eine starke Vorlage. Aber bringen wir den Ball auch über die Linie und wandeln Studieninteresse für Mint in Deutschland um in mehr Mint-Fachkräfte? Bisher liegt der Fokus auf mehr internationale Studierende – egal wie. Hochschulen versuchen, sinkenden Studierendenzahlen mit mehr internationalen Studierenden zu begegnen. Aber: Wenn mehr internationale Mint-Studierende zu mehr Mint-Fachkräften führen sollen, dann müssen erstens jene kommen, die auch auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden und zweitens brauchen wir neue und kluge Wege, die Studierenden an der Schnittstelle zum Arbeitsmarkt zu begleiten. Hier müssen die Hochschulen neue Wege gehen: frühe Kontakte zu regionalen Unternehmen, Arbeitsmarktorientierung und soziale Integration, Abbau von kulturellen und sprachlichen Hürden. Dafür braucht es starke regionale Verbünde, die zeigen, dass nicht nur ein Studium, sondern auch das Leben und Arbeiten in Deutschland lohnt.

Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2025