Hubs, Screening, Ministerinnenpreis: Wie der Bund den Transfer beschleunigen will

Das BMFTR präsentiert Pläne für eine neue Transferinitiative. 50 Millionen Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung. Parallel wird klarer, wie die Deutsche Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG) aufgestellt werden soll.

23. Februar 2026
Forschungsministerin Dorothee Bär und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche
Ministerinnen mit Transfermission: BMFTR-Chefin Dorothee Bär (li.) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. (picture alliance / Metodi Popow | M. Popow)
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Das BMFTR hat ein Kurzkonzept für eine neue Transferinitiative vorgelegt und in mehreren Workshops mit Stakeholdern diskutiert. Es gehe darum „erfolgversprechende Forschungsergebnisse schnell in marktreife Innovationen“ zu überführen, heißt es in dem Papier, das Table.Briefings vorliegt. Im November hatte der Haushaltsausschuss dafür in seiner Bereinigungssitzung 50 Millionen Euro für das Jahr 2026 bewilligt. Diese Summe soll künftig jährlich zur Verfügung stehen, wie Table.Briefings aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Die Mittel sind jedoch noch gesperrt, eine Freigabe erfordert ein entsprechendes Konzept für den Haushaltsausschuss.

„Radikal bürokratiearm und unternehmerisch ausgerichtet“ soll die neue Transferinitiative werden, heißt es in dem Papier. Dieses wurde in der von Effrosyni Chelioti geleiteten BMFTR-Abteilung S entwickelt. Als zentrale Schnittstelle zwischen Forschung, Wirtschaft, Förderprogrammen und Kapitalgebern soll die Initiative „die technologische Souveränität und den Innovationsstandort Deutschland im globalen Wettbewerb“ stärken. Dafür will man bisher ungenutztes Potenzial von Projektergebnissen „der DFG, Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen“ heben.

Auf Anfrage von Table.Briefings teilte das BMFTR mit, dass sich die Transferinitiative in die zweite Säule der Initiative Forschung und Anwendung der Bundesregierung – namens „Transferbooster“ – eingliedern soll. Die anderen beiden Säulen bilden die DAFG und die Transfer- und Innovationsförderung des Wirtschaftsministeriums.

Die wichtigsten Punkte aus dem Konzept:

  • Proaktive Auswahl der besten Ideen statt klassischer Antragstellung. Ein „Fail-early-Trichter“ filtert in einem mehrstufigen Screening die vielversprechendsten Ideen.

  • Mentoring, Programmbetreuung und Zugang zu Wagniskapital führen die Projekte bis zur Marktreife.

  • Schnittstellen-Management: Übergabepunkte mit bestehenden Programmen (Zim, Exist, Sprind, KfW) sollen Synergien schaffen.

  • Anerkennung: Geplant sind eine nationale Transfer-Kampagne und ein Transferpreis der Ministerin, um die Reputation des Transferwesens zu erhöhen.

Fünf bis acht Transferhubs sollen Prozesse und Maßnahmen organisieren. Die Hubs werden über ein Wettbewerbsverfahren ausgewählt und bauen auf bestehenden Wissenschaft-Industrie-Netzwerken auf. Inhaltlich decken sie die Schlüsseltechnologien aus der Hightech-Agenda ab. „Sie filtern Ideen, bieten Mini-Grants, Fellowships, Transfersprints und Scale-Up-Finanzierung sowie Coaching durch Industrie- und Wagniskapital-Experten“, heißt es. Ziel sei die spätere Eigenfinanzierung über private Mittel.

Eine zentrale Geschäftsstelle koordiniert die Initiative. Diese würde nach dem Konzept die digitale Plattform für Projektskizzen betreiben sowie ein Transferfestival und einen Transferpreis organisieren. Das sogenannte Transferforum soll Übergänge zu Programmen wie Exist, Zim oder Sprind erleichtern. Jury-Formate prüfen regelmäßig, welche Projekte in weiterführende Förderlinien wechseln können.

Kritik: lineares Transferverständnis. Vertreter der Community äußern sich auf Anfrage von Table.Briefings teils kritisch über das vorliegende Konzept. Diesem liege ein veraltetes, lineares Transferverständnis zugrunde, bemängeln mehrere Gesprächspartner, die nicht namentlich genannt werden wollen. Transfer funktioniere durch bidirektionale und rekursive Interaktion von Unternehmen und gesellschaftlichen Akteuren mit Hochschulen sowie Forschungsrichtungen, wie dies auch bereits der Wissenschaftsrat festgehalten habe.

Man solle nicht gleich zu Beginn alles zerreden, findet dagegen Andreas Zaby von der Sprind, der ebenfalls an einem der Workshops teilgenommen hat. Es brauche innovative Konzepte für den Transfer und gerade mit KI-Tools gebe es neue Möglichkeiten, spannende Forschungsergebnisse zu identifizieren. Wenn es gelinge, die entsprechende Expertise in den Hubs zu bündeln, könnte das ein spannendes Modell sein.

Auch der ehemalige EFI-Vorsitzende Uwe Cantner sieht gute Ideen in dem Konzept. Proaktives Screening, der Fail-early-Trichter, unbürokratische Anbindung an weiterführende Förderprogramme, frühe Einbindung von Unternehmen und auch die Akteursoffenheit könnten einen Schub im Transfer geben, sagte Cantner Table.Briefings. Allerdings sei das angedachte Budget von 50 Millionen Euro deutlich zu niedrig, um das Konzept in der Form umzusetzen und Schubwirkung zu erzielen.

Auch aus der Opposition kommen kritische Stimmen. Vor allem die mangelnde Abstimmung mit dem BMWE könnte zum Problem werden. Dort ist die dritte Säule der Initiative „Forschung und Anwendung“ (Exist, Zim und weitere) verankert. Gerade für das Schnittstellenmanagement des Transferforums sei das „Commitment der verschiedenen Akteure (insbesondere BMWE) erforderlich“, schreiben die Autoren des BMFTR-Konzepts. Dieses wurde jedoch anscheinend nicht vorab mit dem Haus von Katherina Reiche abgestimmt. Immerhin: „BMWE und BMFTR sind derzeit in Gesprächen, um das Programm einer neuen Transferinitiative zielführend auszugestalten“, schreibt nun das Wirtschaftsministerium auf Anfrage von Table.Briefings. Skeptisch bleibt Claudia Müller (Grüne): „Die geteilten Zuständigkeiten werden zur Bremse. Die beiden Ministerinnen müssen endlich zusammenfinden, ansonsten wird es über das Konzept heißen: Als Tiger gestartet, als Bettvorleger geendet“, sagte die Grünen-Forschungspolitikerin im Gespräch mit Table.Briefings.

DAFG: keine eigenen Mittel vorgesehen. Mit Bekanntwerden des Konzepts zur Transferinitiative wird auch klar, dass die zusätzlich bereitgestellten 50 Millionen Euro nicht in den Aufbau der DAFG fließen werden. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen, die Table.Briefings vorliegt, macht das BMFTR recht deutlich, dass die DAFG lediglich als Dach über bestehende Förderlinien konzipiert ist und keine neue, eigenständige Agentur in Nachfolge der Dati bilden soll.

Innovative Hochschule soll zur DAFG. Bund-Länder-Programme wie „Forschung an HAW“ und „FH-Personal“ sollen „den Nukleus einer DAFG bilden“, schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort. Nach Informationen von Table.Briefings ist auch vorgesehen, das Programm „Innovative Hochschule“ in die DAFG zu überführen. Bei allen Programmen steht in Kürze die Verlängerung an. Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die DAFG „perspektivisch in den Pakt für Forschung und Innovation (PFI) aufgenommen“ werden soll. Damit würden die darin enthaltenen Programme von den derzeit geltenden dreiprozentigen Aufwüchsen des PFI profitieren. Aktuell wurde bekannt, dass die GWK eine Aufstockung des „Forschung an HAW“-Programms um 61 Millionen Euro beschlossen hat.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026