Verdienen die Kassenchefs zu viel? Mit Nina Warken.
Gesundheitsministerin Nina Warken spricht mit Michael Bröcker über die nächsten Reformschritte. Sie zeigt sich offen dafür, die Zahl der Kassen von derzeit rund 100 deutlich zu verringern. Dabei ist Warken nicht überzeugt, dass weniger Kassen auch geringere Kosten bedeuten: „In Österreich hat man gesehen, dass die Zusammenlegung tatsächlich nicht die gewünschten Effekte gehabt hat". [12:42]
Finanzminister Lars Klingbeil hat die neuen Prognosen zur Steuerentwicklung vorgestellt. Es fehlen Milliarden. Klingbeil macht externe Faktoren verantwortlich und nennt dabei vor allem den Krieg gegen den Iran als Ursache. [01:43]
Michael Bröcker hat beim 55. St. Gallen Symposium das Geopolitik-Panel „The Power of Politics vs. Power Politics" moderiert. Kelly Craft, ehemalige UN-Botschafterin der USA, lieferte den prägnantesten Satz des Panels über Trumps Verhältnis zur Weltpolitik: „He is the UN. He doesn't need the United Nations. He has the Oval Office." [04:47]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Böse Überraschung beim Kassensturz von Lars Klingbeil. Die Steuereinnahmen fallen deutlich geringer aus als ursprünglich mal gedacht. Zu welchem Ergebnis die 35 Experten gekommen sind und was das für die Finanzplanung von Schwarz-Rot bedeutet, darüber sprechen wir gleich. Und wir geben Ihnen auch noch einen kleinen Spartrick an die Hand, mit dem Lars Klingbeil ohne irgendjemanden zu belasten ganze 2 Milliarden Euro sparen könnte.
Sprecher 3: Donald Trump sind internationale Organisationen weitgehend egal. Die UN hält er für obsolet, die NATO erträgt er so gerade noch. Power Politics oder The Power of Politics lautete daher auch eine spannende Frage bei dem Panel auf dem St. Gallen Symposium gestern, das ich moderieren durfte, unter anderem mit einer harten Trump-Versteherin, der früheren US-Botschafterin bei der UN, Kelly Craft. Einblicke in die Denkweise des Präsidenten gebe ich Ihnen gleich hier. Dann wechseln wir in die Innenpolitik zu uns nach Deutschland. Die Gesundheitsreform, sie ist bereits durchs Kabinett und wird nun im Parlament verhandelt. Doch sie steht massiv in der Kritik. Sind das alles Einsparmaßnahmen auf Kosten der Versicherten? Müssen wir Patienten unser eigenes Sparpaket jetzt zahlen oder werden auch andere belastet? Die Kritik an CDU-Ressort-Chefin Nina Wagen ist groß. Was entgegnet sie ihren Kritikern und was könnte bei einer zweiten Reform eigentlich noch kommen? Das wollten wir von der Gesundheit. Staatsministerin persönlich wissen.
Sprecher 2: Solaranlagen, die rund um die Uhr Strom produzieren. An diesem Traum arbeitet das Unternehmen Metergrade. Wie die größte Schwachstelle der Solarenergie ausgemerzt werden soll, darüber sprechen wir auch noch an diesem Freitag, den 8. Mai. Schön, dass Sie mit dabei sind.
Sprecher 3: Kassensturz bei Lars Klingbeil. 35 Expertinnen und Experten, unter anderem die Bundesbank, Wirtschaftsinstitute, das Statistische Bundesamt, haben tagelang gerechnet und haben die Steuerschätzung Lars Klingbeil überbracht und er sie der Öffentlichkeit mitgeteilt. Der Staat nimmt in den nächsten fünf Jahren deutlich weniger Steuern ein als gedacht.
Sprecher 2: Ja, man hätte darauf kommen können, denn der große Wirtschaftsaufschwung, den diese Koalition sich ja erhofft hatte, der ist ausgeblieben. Aber die Zahlen sind natürlich schon dramatisch. Allein in diesem Jahr fehlen dann 17,8 Milliarden Euro an Steuereinnahmen in der Staatskasse. Und bis 2030 summiert sich dieses Defizit dieser Steuerausfälle jetzt insgesamt auf 87,5 Milliarden Euro auf.
Sprecher 3: Ja, und das ist immer natürlich im Vergleich zu dem Plan, also das, womit die Regierung eigentlich gerechnet hat. Das heißt, diverse Statistiken werden darauf gebildet, was man sich erwartet. Also auch Einnahmen, die schon verplant wurden, kommen dann so gar nicht. Hintergrund ist laut Klingbeil natürlich nicht die Politik dieser Bundesregierung, sondern die geopolitischen Konflikte, der Iran-Krieg, der die Wirtschaft zusehends belastet.
Sprecher 4: Seit knapp zwei Monaten sehen wir allerdings, dass der Iran-Krieg, der durch... Donald Trump ausgelöst wurde, dass dieser verantwortungslose Krieg und die daraus resultierende Energiepreisschocksituation, dass das unsere wirtschaftliche positive Dynamik vorerst ausbremst. Der Rückgang der Steuereinnahmen betrifft alle drei Ebenen, Bund, Länder und Kommunen und den gesamten Schätzorizont.
Sprecher 2: Allein von diesem Statement ahnt man schon, worauf es hinauslaufen soll. Also keine Eigenkritik, keine Bestandsaufnahme der eigenen Entscheidungen. Nein, man wälzt die Verantwortung wieder ins Ausland ab und muss dann natürlich irgendwie diese Lücke wieder füllen. Und da kann man natürlich die Geopolitik jetzt ganz schön nach vorne schieben, um mögliche neue Schulden zu rechtfertigen.
Sprecher 3: Immer noch 24 Milliarden Euro, die diese Bundesregierung als globale Minderausgabe eingeplant hat, die sie irgendwo herholen muss. Bis 2030 summiert sich dieser Fehlbetrag auf 60 Milliarden Euro. Also der Konsolidierungsminister Klingbeil, auf den warten wir hier noch alle. Vielleicht hätte ich da eine kleine Idee anzubieten, denn es gibt durchaus Sparmaßnahmen, die wahrscheinlich wenig Aufsehen erregen würden, sogar als nachvollziehbar gelten könnten. Zum Beispiel der Briefversand, das Porto, das einige Bundesverwaltungen, Bundesbehörden immer noch pro Jahr ausgeben, wie mir gestern auf dem St. Gallen Symposium ein Kollege von Schwarz Digits, der Digitalsparte der Schwarzgruppe, mal erzählt hat, der hat sich das ausrechnen lassen von einer Agentur, was es da eigentlich an Ausgaben in den Bundesbehörden gibt. Und er kommt auf eine stolze Summe von zwei Milliarden Briefen und Kosten von rund 1,1. 8 Milliarden Euro für Anschreiben, Porto von diversen Bundesbehörden. Vielleicht könnte einfach diese Bundesregierung digitaler werden und auf das Briefeschreiben verzichten. Da ist schon ein Teil der Einsparsumme drin.
Sprecher 2: Victor, du warst die letzten Tage in St. Gallen in der Schweiz unterwegs, bist heute Morgen erst zurückgekommen und hast mir gesagt, gestern gab es ein ganz, ganz spannendes Panel, bei dem du mitmachen durftest und hattest eine ausgewiesene Trump-Versteherin neben dir sitzen.
Sprecher 3: Ja, es war ein tatsächlich interessantes Panel mit der kosovarischen Ministerin, dem litauischen Außenminister Budris, der namibischen Ministerin Theophilus und der ehemaligen US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, nämlich Kelly Craft. Und sie wurde auch deswegen eingeladen, weil am Ende es in einem solchen geopolitischen Forum, auch in St. Gallen, immer darum geht, zu verstehen, warum der andere so tickt, wie er tickt. Und bei Kelly Craft ist ganz klar die Enttäuschung der Trump-Administration. Sie war in seiner ersten Amtszeit die Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Die Enttäuschung über das, was bei der UN passiert, auch die Hau-Ruck-Aktionen, wie er jetzt im Iran attackiert und mit Israel einen Alleingang umgesetzt hat, ist am Ende darin begründet, dass Donald Trump den internationalen Organisationen schlicht nicht mehr vertraut. Sie erzählt von ihrer eigenen Zeit in New York und kommt da. Dann dazu, warum man entweder mit Trump ist oder eben aus Sicht dieses Präsidenten nicht relevant. Hören wir mal kurz rein, was sie gesagt hat.
Sprecher 5: Well, let's go back to talking about the UN and just my time there and looking at the budget, looking at waste and fraud and where money is well spent. The areas from which we have pulled from, we have pulled away from, have been areas and committees and institutions within the UN that are electing members like Iran as their committee chair. I think we had this discussion. I mean, just last week, they were elected with human rights on a committee to be a vice chair. The Chinese Communist Party infiltrating the UN, starting with their junior members. We want to be with countries that understand the importance, if you're going to have multilateralism, that everyone together is stronger. And we're all about democracy. He is the UN. He doesn't need the United Nations.
Sprecher 3: Diese Aussage zeigt wohl, wie kaum eine andere und das erstaunende Publikum war offensichtlich, wie die Trump-Administration tickt, wie auch der Präsident selbst denkt, die kommen schon alle zu mir, ich mache doch auch auf der internationalen Bühne einfach, was ich will. Es war wirklich schwierig zu sehen, wie die anderen Panelisten, die ja kleine Länder vertreten, versuchen, mit den USA klarzukommen. die regelbasierte Ordnung hochzuhalten und gleichzeitig natürlich die Amerikaner nicht als Partner zu verlieren. Zum Beispiel die kosovarische Ministerin Mimosa Kusari-Liladia in ihrem kleinen Land weiterhin eine außergewöhnlich hohe Zahl an amerikanischen Soldaten stationiert haben, die Schutztruppen der Amerikaner. Sie sind für die kosovarische Regierung sehr, sehr wichtig und sie gehörten auch zu den ersten Mitgründern des Board of Peace, des umstrittenen Friedensrats von Donald Trump. Und der litauische Außenminister Kustidis Budris, der versuchte die Amerikaner nicht vor den Kopf zu stoßen und trotzdem klar zu machen, dass am Ende nur eine europäische Souveränität gegenüber den wahren Aggressoren, wie er es gesagt hat, nämlich Russland und China, die Lösung sein kann. Man beschäftige sich doch ohnehin viel zu sehr mit den USA und Donald Trump. Hören wir kurz rein, was der litauische Außenminister Budris zu sagen hatte.
Sprecher 6: I'm surprised how come we end up with the conclusion that it's about the United States, about the new administration. No, it started long ago before that. And I can tell you the experience of China's economic coercion that goes absolutely against regulation of WTO, that they disrespect any commitments that they took. Or same Russia. Doing again and again the mother of all international crimes, crime of aggression against Georgia, against Ukraine 2012, 2014, now to 2022. These are the cases, hard cases, where we... about what we have to talk and how we reinforce back the rules. So my answer is to this new strategic reality with the open eyes and the clear vision where we are. It's the strength that you have to build in purpose to start talking about the norms and about the rules and how we will coexist. And the strength, the one that we are building at the very front line is through our own investment. You have to earn it and you have to do it yourself. And then through the allied commitments and through the collective defense. And when we talk about the collective defense, for us, this is NATO. Because this is the only way to deter the threats in the current world.
Sprecher 2: Ja, Mik, da sieht man wieder, es dreht sich zumindest jetzt erstmal in der großen Öffentlichkeit alles um Donald Trump, die USA und natürlich dann auch um Europa. Aber es gibt ja immer noch diesen einen Kontinent, der sehr wenig Aufmerksamkeit bekommt, aber trotzdem immer mehr an Relevanz gewinnt, das ist Afrika. Und da hattest du auch eine Panelistin mit auf der Bühne sitzen. Wie sieht die eigentlich die Rolle Afrikas jetzt und in Zukunft?
Sprecher 3: Ja, eine junge Frau aus Namibia war bei uns auf dem Panel, Ministerin für Kommunikation und Technologie Emma Theophilus heißt sie. Und sie hat uns, man muss wirklich sagen, ins Gewissen geredet. Dieser afrikanische Kontinent, der immer zwischen Russland, China und Europa auch nur Interessen geleitet, manchmal über deren Köpfe hinweg diskutiert wird, hat eigentlich viel mehr zu bieten, gerade als strategischer Partner auf Augenhöhe in den nächsten Jahren. Die technologischen Sprünge, die Energie. wo dort viele Länder für uns relevant sein können. All das brachte sie ins Panel. Und sie betonte nochmal, dass dieser sehr junge Kontinent, schon 2050 wird jeder vierte Erdenbürger in Afrika geboren sein, eine viel größere Rolle eigentlich auch bei unseren Diskussionen spielen sollte. Hier war ihr kleiner Wake-up-Call in Richtung Europa und Westen.
Sprecher 7: And so from an African perspective, we have turned the tide to say that in the next few years, the youngest person in the globe will come from the African continent. One in four human beings on earth by the year 2050 will be an African. This impacts dramatically labor chains, supply chains, dramatically impacts how countries relate to one another. But the African conversation is always about where do we stand in the middle. We do not want to be in the middle. We want to be a player. And I think the conversation has to shift.
Sprecher 2: Es ging ja in St. Gallen auch so ein bisschen um, wie gestalten wir die Zukunft, wie können wir die heutigen Probleme so lösen, dass wir generationenübergreifend damit alle leben können. Was ist so dein Fazit aus den letzten zwei Tagen?
Sprecher 3: Es ist kompliziert geworden. Es werden neue Bündnisse, Ad-Hoc-Allianzen gesucht. Wir brauchen die Resilienz, die Souveränität. Wir müssen viel mehr Tempo und Dynamik zeigen in Europa. Auch der Auftritt des VW-CEOs Oliver Blume gestern ließ mich etwas ratlos zurück, wenn man sich gleichzeitig anschaut, was in der Autoindustrie passiert. Industrie in China los ist, wie schnell dort die Innovationszyklen sind. Also es ist wirklich was at stake hier in Europa. Und in St. Gallen wurde klar, wir können inzwischen auch gar nicht mehr diese moralische Überlegenheit gegenüber diesen Ländern in Afrika, in China oder sonst wo an den Tag legen. Denn die Trägheit, die sorgt am Ende in Europa dafür, dass wir wirklich bei Wettbewerbsfähigkeit und damit bei den Wohlstandsfragen der nächsten Jahre und Jahrzehnte am Ende hinten liegen können, viel aufzuholen, aber natürlich immer auch die Amerikaner an der Seite behaltend, egal wer da gerade Präsident ist. Es war immer wieder klar, das transatlantische Verhältnis, es muss bleiben, so schwer es auch ist.
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Sprecher 3: 16 Milliarden Euro will Nina Wagen, die CDU-Gesundheitsministerin, nächstes Jahr bei den Gesundheitskosten einsparen, damit die Beiträge, die 14,6 Prozent allgemeiner Beitragssatz vom Bruttoeinkommen stabil bleiben. Ob das gelingt? Experten haben Zweifel. Die Zusatzpräge liegen jetzt schon 2026 im Schnitt bei 2,9 bis 3,1 Prozent. Diese legen die Krankenkassen ja individuell fest. Und ob das jetzt die große Reform ist, um das Gesundheitssystem fit zu machen, bezahlbar zu machen, Ja, es ist eine große, wuchtige Reform. Die Milliardenbeträge, die dort eingesammelt werden, das hat es so seit vielen Jahren nicht mehr gegeben. Aber die Kritik, sie ist auch wuchtig und enorm und sie kommt von allen Seiten. Vor allem auch, weil die Versicherten den größten Beitrag doch leisten müssen und die neuen Steuern auf Zucker, Alkohol und Tabak so gar nicht zu den Versprechungen dieser Bundesregierung passen. Was ist da also los? Was kommt noch, wenn jetzt diese Reform gar nicht zu der Beitragsstabilität in den nächsten Jahren führt, die versprochen wurde? Und warum wäre die Strukturreform nicht wirklich angegangen? Das wollten wir von Nina Wagen natürlich selber wissen. Schön, dass Sie da sind. Hallo Frau Wagen.
Sprecher 2: Guten Tag.
Sprecher 3: Sie werden in der Union gelobt dafür, dass endlich mal ein Kabinettsmitglied eine Reform vorlegt. Aber die Experten sind nicht ganz so einverstanden. Und bemängeln, dass am Ende die Versicherten dieses Sparpaket selber bezahlen müssen und die Strukturreform ausbleiben. Was sagen Sie denen?
Sprecher 9: Also wir haben meiner Meinung nach, und das sagen auch viele, ein sehr ausgewogenes Paket vorgelegt. Alle leisten ihren Beitrag, auch die Versicherten. Ich halte es für schwierig zu sagen, wir machen so eine umfangreiche Reform und die Versicherten... Sind nicht betroffen. Deswegen haben wir auch dort Änderungen vorgenommen, Zuzahlungen erhöht und andere Dinge. Aber am Ende des Tages sind es vor allem die Leistungserbringer, also Ärzte, Krankenhäuser, die 75 Prozent der Reform tragen, der Einsparmaßnahmen bringen müssen. Und jeder ist eben so beteiligt, wie sein Bereich auch Kosten verursacht.
Sprecher 3: Ist das wirklich so, dass Sie die Mehrheit tragen? Weil das IGES-Institut ja gerade ausgerechnet hat, dass alleine sieben Millionen Menschen von der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze betroffen sind. Und darunter sind natürlich vor allem viele Angestellte, Fachkräfte, Selbstständige, eigentlich doch die Leistungsträger und natürlich auch die Arbeitgeber durch die Beitragssatzerhöhung, die Sie doch eigentlich schonen wollten als CDU-geführte Bundesregierung.
Sprecher 9: Natürlich sind Bürger betroffen, nicht alle gleich, jeder vielleicht auch mit einer anderen Maßnahme. Aber wenn man dann die Summe der Einsparung sich anguckt und dann schaut, welcher Bereich, welchen Teil dieser Einsparung bringen muss, dann sind es doch weit überwiegend die Leistungs... Erbringer, die das tun.
Sprecher 3: Aber hatte nicht der Kanzler gesagt, dass diese Regierung vor allem die Wirtschaft stützt? den Wolle in diesen Monaten und alle Maßnahmen diesem Ziel dienen müssten und höhere Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber, nichts anderes ist das ja, stärkt ja nun nicht die Wirtschaft.
Sprecher 9: Wir schaffen ja, dass die Lohnnebenkosten nicht weiter steigen, indem wir jetzt die Lücke schließen und weitere Beitragssteigerungen vermeiden. Wir hätten im nächsten Jahr eine Steigerung von 0,8 Prozent und bis 2030 wäre dann der Zusatzbeitrag bei fast 5 Prozent. In den letzten drei Jahren hat er sich verdoppelt. Da machen wir jetzt was dagegen. Und das ist wirklich was, was dann hilft, nicht nur den Leuten, die dann nicht jeden... Januar erneut die Briefe bekommen mit den Beitragserhöhungen, sondern vor allem auch den Unternehmen, indem wir die Lohnnebenkosten stabil halten und auch Planbarkeit schaffen. Und wenn wir nichts machen würden, wäre es für alle viel teurer und eine größere Belastung.
Sprecher 3: Eine zweistellige Milliardensumme, das muss man Ihnen zugestehen, hat bisher im Kabinett noch kein Regierungsmitglied durch Reformen eingespart. Trotzdem sagen die Gesundheitsökonomen, die Beitragssätze, vielleicht kann man sie für dieses Jahr dann stabilisieren, 26, 27, aber danach sei das unrealistisch. Wie lange gilt Ihr Versprechen wirklich?
Sprecher 9: Wir haben jetzt ein Paket geschnürt bis... 2030 und wir haben vor allem jetzt eine Maßnahme ja vorgenommen, die klingt ganz schlicht, ist aber wirkungsvoll. Es ist die einnahmenorientierte Ausgabenpolitik, das heißt künftig nur noch das Ausgeben, was man auch tatsächlich einnimmt im Krankenversicherungssystem und das sorgt dafür, dass auch Kostensteigerungen der letzten Jahre gedämpft werden. können und das sorgt langfristig für Stabilität. Wir schließen auch die Lücke bis 2030 und können da von stabilen Beiträgen ausgehen, weil vor allem auch noch zusätzliche Maßnahmen ja kommen. Die Kommission macht noch weitere Vorschläge. Wir machen Auch noch weitere Gesetze, zum Beispiel Notfallreform, die Primärversorgung, mehr Digitalisierung und das alles führt dazu, dass wir eine Stabilisierung hinbekommen. Und vor allem aber der Gedanke, dass man nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt, der wird erheblich dazu beitragen, dass wir die Beiträge in den Griff bekommen.
Sprecher 3: Ein Gedanke, den sich die Bundesregierung insgesamt in ihrer Finanzplanung mal näher anschauen sollte. Aber lassen wir das, Frau Wagen, nochmal zu dem Thema Kommission. Sie sagten, da kommen weitere Vorschläge. Zunächst mal hat diese Kommission ja Maßnahmen vorgelegt, von denen sie immerhin zwei Drittel ungefähr umgesetzt haben. Aber warum eigentlich nicht alle?
Sprecher 9: Zum Beispiel waren da Vorschläge drin oder der Vorschlag, dass der Bund jetzt künftig 12 Milliarden Euro für die Bürgergeldempfänger übernimmt. Das ist etwas, was natürlich wünschenswert wäre, wo wir schlicht die Mittel im Haushalt nicht haben. Und dann haben wir uns ganz bewusst auch zusammen gedacht gehabt mit der Kommission, Vorschläge zu haben, die auch etwas mehr Einsparvolumen haben als nötig, um dann auch sagen zu können, welche Vorschläge setzt man um.
Sprecher 3: Aber gerade beim Thema Bürgergeldempfänger ist die Kritik doch aus meiner Sicht berechtigt. Ist es nicht eine schreiende Ungerechtigkeit, dass die gesetzlich vers... sicherten die Leistungsträger, die Arbeitgeber auch jetzt die Bürgergeldempfänger mitbezahlen müssen, obwohl das doch nun wirklich eine Aufgabe sein müsste für den Staat, für den Steuerzahler zu sagen, wir finanzieren die Gesundheit auch dieser Schwächsten in der Gesellschaft. Und jetzt geht es mit 250 Millionen Euro pro Jahr los, aber das ist doch ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts der Belastungen.
Sprecher 9: Ich finde, es ist jetzt mal ein guter erster Schritt, dort einen Einstieg gefunden zu haben, dass der Bund mehr bezahlt, dass es aus dem Steuertopf da jetzt mehr Geld gibt. Sobald wieder Spielräume da sind, bin ich auch dafür, dass wir da dann auch wieder mehr tun.
Sprecher 3: Also Sie würden das Thema auf Wiedervorlage mit den Sozialdemokraten nehmen in den nächsten Jahren?
Sprecher 9: Ja, das ist so und das vernehme ich ja auch aus den sozialdemokratischen Kreisen, dass da der Wunsch besteht, dass der Bund stärker einsteigt und deswegen müssen wir das gemeinsam auf Wiedervorlage nehmen.
Sprecher 3: Maßnahmen, bei denen Sie viel Applaus bei den Versicherten kriegen würden und auch wahrscheinlich bei gesunden Psychonomen wären ja Strukturreformen, zum Beispiel bei den Krankenkassen. Warum trauen Sie sich keine ernsthafte Zusammenlegung der Kassen zu?
Sprecher 9: Da geht es nicht um Trauen. Ich glaube, ich habe jetzt bei den Krankenkassen schon auch noch mehr Maßnahmen vorgenommen, als die Kommission sie vorgeschlagen hat, auch beim Thema Vorstandsvergütung zum Beispiel. Es ist aber einfach gesagt, weniger Krankenkassen, besseres System, mehr Geld im System. Es wird Spareffekte haben. Aber in anderen Ländern, zum Beispiel in Österreich, hat man auch gesehen, dass die die Zusammenlegung auch nicht die gewünschten Effekte dann tatsächlich gehabt hat. Deswegen muss man sich das genau anschauen. Es ist ein Thema bei den Bürgern, da werde ich immer danach gefragt. Aber es ist auch nichts, mit dem man dann ganz sicher und auf jeden Fall ganz viel Geld spart, sondern man muss eben gucken, wie man das klug machen kann und was genau was bringt.
Sprecher 3: Ja, die Nettoverwaltungskosten liegen bei 12 Milliarden Euro pro Jahr. Bei den Kassen ist jetzt auch nicht nichts, um in ihrem Sprachgebrauch zu bleiben. Und teilweise verdienen diese Kassenchefs mehr als der Bundeskanzler. Die Bundeskanzlerin 300.000 Euro pro Jahr, muss das eigentlich sein?
Sprecher 9: Bei den Vergütungen setzen wir jetzt ja auch an, dass auch da die Steigerungen... Gedeckelt werden. Da können wir auch nicht überall reinreden. Das wird ja da teilweise auch selbst entschieden verhandelt. Dort, wo wir regulieren können, machen wir es jetzt auch.
Sprecher 3: Sie reden über eine Abmilderung der Steigerung und nicht über Kürzungen dieser Gehälter, richtig?
Sprecher 9: So ist es.
Sprecher 3: Karl Linnemann, weiß der mehr als Sie, Frau Wagen? Er sagt, zehn Krankenkassen reichen in Deutschland.
Sprecher 9: Wir sind darüber auch im Austausch und er hat mich da auch gefragt, welche Maßnahmen man da machen könnte, was sinnvoll ist. Und ich bin da auch offen, habe ich ja auch gesagt, da zu einer Änderung zu kommen. Aber ich glaube ganz genau von vornherein sagen, wie viele Kassen nötig sind. Und wie viele nicht, ist vielleicht gar nicht ganz einfach. Deswegen soll die Kommission einfach dort jetzt nochmal genau hinschauen und wir setzen gerne vernünftige Vorschläge dann auch um.
Sprecher 3: Ihr Koalitionspartner wünscht sich natürlich, dass Sie nochmal an die Pharmaindustrie rangehen, höhere Herstellerrabatte, vielleicht auch jetzt im parlamentarischen Verfahren nochmal in die Reform kommen. Glauben Sie, dass da nochmal nachgeschärft wird oder hat die Industrierecht, die gerade natürlich das Thema Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit ganz nach oben stellt in Ihren Argumenten?
Sprecher 9: Da gibt es jetzt viele Stimmen. Den einen ist es zu viel, den anderen ist es zu wenig, was wir da machen. Und da bin ich jetzt gespannt auf die parlamentarischen Beratungen. Ich glaube aber schon, dass wir mit dem Vorschlag ganz gut liegen und dass man eben wie in anderen Bereichen eben auch, bei Ärzten schauen wir ja auch, welche Auswirkungen es auf Versorgung hat und bei Pharma muss man eben auch schauen, alles was man tut hat auch Auswirkungen und wir wollen natürlich auch Produktion im Land haben. Gleichwohl muss auch Pharmaindustrie einen Sparbeitrag leisten und das muss man irgendwie in Einklang bringen.
Sprecher 3: Haben Sie sich den Widerstand der Stakeholder in Ihrer Branche so hart vorgestellt?
Sprecher 9: Ich habe sie jetzt ein Jahr lang kennenlernen können und weiß schon, dass da natürlich auch jeder die Interessen seines Verbandes vertreten muss, auch laut sein muss. Es war mir durchaus bewusst und ich schätze diejenigen, die dennoch... Mit Argumenten überzeugen möchten, die da auch bereit sind zum Gespräch. Ich glaube, man kann immer über alle Dinge sprechen und auch Alternativen gemeinsam beleuchten. Und das ist das, was dann tatsächlich Sinn macht. Nur laut sein hilft jetzt an der Stelle dann auch nicht.
Sprecher 3: Jetzt sagen Sie nicht am Ende auch noch, dass... Das Amt macht Ihnen Spaß.
Sprecher 9: Das auch, ja. Also es ist natürlich herausfordernd und klar gibt es natürlich durchaus auch Kritik, gibt viele Stimmen und damit muss man umgehen, aber es ist auch eine schöne Aufgabe, dort tatsächlich was zu verändern und ich habe viele schöne Termine auch vor Ort in... Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen mit den Menschen, die arbeiten im Gesundheitssystem. Arztpraxen auch bei Pharmaherstellern, also ganz breit. Und das macht auch Freude zu sehen, wie gut wir da auch aufgestellt sind im Gesundheitsbereich. Das muss man, denke ich, auch mal sagen. Wir haben ein gutes System mit vielen hochmotivierten Menschen, können Spitzenmedizin auch bieten, sind innovativ, auch bei der Medizintechnik. Und da kann man auch stolz drauf sein.
Sprecher 3: Wir sind gespannt, was in Ihrem Ressort und von Ihnen in den nächsten Jahren noch kommt und danken für dieses Gespräch. Vielen Dank, Frau Ministerin.
Sprecher 9: Ich bedanke mich, Herr Brücker.
Sprecher 3: Flo, war noch was?
Sprecher 2: Mick, der Energiehunger von KI, der ist unfassbar gewaltig und wahrscheinlich gerade erst am Anfang. Und das wird tatsächlich zu einem immer größeren Problem für die Firmen, die viel mit KI arbeiten. Beispielsweise auch Meta, also die Facebook-Mutterfirma. Und die probiert jetzt irgendwie diesen Energiehunger kostengünstig zu decken und baut deswegen... Große Solaranlagen. Aber es gibt natürlich ein großes Problem bei Solaranlagen. Die funktionieren halt nur tagsüber, wenn die Sonne scheint. Aber die KI, die funktioniert halt rund um die Uhr.
Sprecher 3: Ja, selbst im Silicon Valley in Kalifornien scheint eben die Sonne auch nicht nachts. Selbst dort muss man irgendwie eine Speichertechnologie finden. Und was haben die Kolleginnen und Kollegen bei Meta sich jetzt ausgedacht?
Sprecher 2: Jetzt wird es ganz wild. Also sie haben sich überlegt, naja, wenn die Sonne nachts nicht scheint, dann sammeln wir die Sonnenenergie einfach im All. Also der Plan ist, sie schicken Satelliten ins All mit großen Sonnensegeln, die auch, wenn auf der Erde Nacht ist, weiterhin Sonnenenergie sammeln. Das Ganze dann in einen Infrarotlichtstrahl umwandeln und den auf den dunklen Teil der Erde schicken, wo dann die großen Solaranlagen von Meter stehen. Und dieser Infrarotlichtstrahl soll ausreichen, um dann hier durch die Solaranlagen wieder aus dem Licht Energie zu gewinnen. Und für die Menschen ist der auf jeden Fall erstmal ungefährlich. Also wenn man da reinguckt, wird man nicht blind oder so wie bei so einem Laserpointer.
Sprecher 3: Klingt kompliziert, aber so lösen die Tech-Gurus im Silicon Valley sogar die Frage, dass die Sonne auch immer verfügbar sein muss. Ich bin begeistert von diesen Visionären und denke mir wieder einmal, können wir auch mal ein bisschen innovativer hier werden. Wenn Sie am Wochenende Lust haben, nicht in der Sonne zu liegen, sondern sich vielleicht beim Joggen oder beim Fahrradfahren auch einen Podcast anzuhören, dann empfehle ich Ihnen unsere CEO-Edition. Der DHL-CEO ist im Gespräch mit den Kollegen aus dem CEO-Table ein spannender Unternehmer. Freuen Sie sich auf diese Sonderausgabe. Wir hören uns dann mit Helene und Flo und mir wieder am Montag zur gewohnten Stunde. Bis dahin. Ciao, ciao.
Sprecher 2: Ciao.
Sprecher 10: Wonder if she's gonna stay. Ain't no sunshine when she's gone. And this house just ain't no home. Anytime she goes away. Only darkness every day. Ain't no sunshine when she's gone. It's just how it just ain't no home. Anytime she goes away. Anytime she goes away. Anytime she goes away.
Sprecher 11: Es ist der berühmteste Fail der Geschichte, würde ich sagen. 9. November, früher Abend, Pressekonferenz in Ost-Berlin, Günther Schabowski. Viel Huddel? Viel Huddel im Stress? Ja, ist im Stress und er wird gefragt, wann denn die neue DDR-Reiseregelung gilt und er vertut sich und sagt, das gilt unverzüglich, sofort. Und ja, setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren Ende der Fall der Berliner Mauer steht. Etwas, was die Menschen sich vorher 28 Jahre lang überhaupt nicht vorstellen könnte, dass das zu ihren Lebzeiten noch passiert.
Sprecher 12: Und dann die Geschichte dieser Mauer von ihrer Errichtung bis zu ihrem Ende. Darüber reden wir in unserer neuen zweiteiligen Podcast-Folge von Was bisher geschah. Ich bin Nils Minkmar.
Sprecher 11: Ich bin Joachim Telgenbüscher und wir würden uns freuen, wenn ihr da mal reinhört.