Kann sich die EU Klimaschutz noch leisten? Mit Wopke Hoekstra
EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra wirbt im Gespräch mit Lukas Knigge vom Climate.Table dafür, Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit zusammenzudenken – die Antwort heiße Elektrifizierung, mehr Erneuerbare, mehr Netze, mehr Speicher, für „interessierte Mitgliedstaaten“ auch mehr Kernenergie. Den CO2-Preis verteidigt er als wirksamstes Instrument, kritisiert aber, dass die Einnahmen zu wenig in die Dekarbonisierung der Industrie fließen: „Energie ist kein bloßer Markt – sie ist eine nationale und europäische Sicherheitsfrage." [15:37]
Friedrich Merz hat klargemacht, dass die gesetzliche Rente künftig nur noch eine „Basisabsicherung" sein werde – SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf kündigt „erbitterten Widerstand" an. Hinter dem Rentenstreit liegt eine tiefere Erosion: Ein Jahr nach Amtsantritt zweifeln führende Politiker, ob die Koalition die Legislatur übersteht.[01:51]
Family-Influencerinnen machen aus Kinderalltag ein Geschäft – eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Medienforschung zeigt: In rund einem Drittel der untersuchten Postings sind Kinder klar erkennbar, Babys unter drei Jahren erzielen die meisten Likes und Interaktionen. Mareike Lotte Wulf, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, will das Thema auf die politische Agenda heben: Sie plädiert für klarere Regeln im Jugendarbeitsschutz und eine Selbstverpflichtung der Werbewirtschaft. [09:40]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Schafft diese Koalition vielleicht doch nicht die gesamte Legislatur, die Stimmungslage und die Tonart innerhalb dieser Koalition wird rauer. Friedrich Merz hat vor wenigen Tagen beim Bundesverband der deutschen Banken klar und deutlich gemacht, dass er von der SPD mehr Bewegung erwartet. Darüber müssen wir mal dringend reden, denn die Reaktionen vom Koalitionspartner sind ähnlich scharf.
Sprecher 3: Die perfekte Familie, so wie es jeder gerne hätte und am Ende die wenigsten vielleicht niemand wirklich hat, ist aber sichtbar und wird zur Schau gestellt auf TikTok, Instagram und Co. Das ist das Geschäftsmodell von Family-Influencern, aber es hat auch seine Schattenseiten. Das hat nämlich eine Studie des Leibniz-Instituts für Medienforschung ergeben, die zeigt, wie gefährlich dieses Modell ist, gerade für die Kinder. Wo das Problem liegt und was man dagegen tun kann, das fragen wir Mareike Lotte-Wulff, die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Sprecher 2: Bleibt es bei den europäischen Klimazielen? Was ist mit dem europäischen CO2-Preis? Dieses Thema ist gelegentlich in der öffentlichen Debatte unterrepräsentiert, bei uns hier im Podcast nicht. Wir haben den Niederländer Wobke Huxter zu Gast. Er ist der EU-Klimakommissar und sagt dem Kollegen Lukas Knigge, wie er die europäischen Klimaziele doch noch erreichen will.
Sprecher 3: Und dann schauen wir heute mal nach Bayern. Da treibt sich nämlich Michael heute rum. führt alle möglichen wichtigen Gespräche. Und das nehmen wir doch mal zum Anlass, Ihnen zu sagen, warum die Bayern viel besser sind als ihr Ruf. Heute an diesem 22. April, der wie jedes Jahr der Geburtstag meines Bruders ist, herzlichen Glückwunsch nicht nach Bayern, sondern ins schöne Hessen. Und damit beginnen wir gemeinsam diesen Tag. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 4: Bringe deinen Tag auf Touren und arbeite intelligenter. Mit Acrobat Studio. Kombiniert Acrobat Pro Tools, KI-gestützte Arbeitsbereiche, Assistenten und Inhaltserstellung. Alles an einem Ort. Deine Daten sind damit sicher und sie werden niemals für Trainingszwecke eingesetzt. Arbeite schneller, intelligenter, erledige mehr mit Acrobat Studio. Mach es einfach mit Acrobat. Probiere es jetzt auf adobe.com slash acrobat aus.
Sprecher 5: Wir wollen im Sommer den Empfehlungen der Rentenreformkommission folgen, die eine umfassende Reform unserer Alterssicherungssysteme vorschlagen wird. Meine Damen und Herren, die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter. Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern. Es müssen kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung hinzutreten. Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.
Sprecher 3: So deutlich hat man Friedrich Merz schon länger nicht erlebt. Zuletzt, als er sagte, wir können uns diesen Sozialstaat nicht mehr leisten, das Ganze aber schnell einrollte. Also mal sehen, was jetzt passiert. Diesen Satz hat er gesagt beim 75. Geburtstag des Bankenverbands. Und damit macht der Kanzler klar, die gesetzliche Rente wird nicht mehr ausreichen. Und dieser Satz ist wieder Anlass für einen manifesten Zoff innerhalb der Koalition.
Sprecher 2: Ja, die SPD, die fürchtet natürlich, dass Merz noch stärker an die gesetzliche Rente herangehen will, als ohnehin in der Kommission eventuell vorgedacht wird. Und er hat entsprechend reagiert. Zum Beispiel der Generalsekretär Tim Klüssendorf wird natürlich seinem Amt gerecht und wettert sofort zurück. Wenn der Bundeskanzler die gesetzliche Rente auf eine Basisrente herunterrasieren will, wird er auf den erbitterten Widerstand der Sozialdemokratie treffen. So zitiere ich den General der SPD. Und damit ist die Tonlage eigentlich schon gesetzt, Selina. Vielen Dank.
Sprecher 3: Ja, das ist wieder mal innerkoalitionäre Debattenkultur at its best. Einer schlägt was vor und der andere sagt reflexartig, auf gar keinen Fall, das geht auf gar keinen Fall. Rote Linien über rote Linien, sodass man am Ende überhaupt keinen Platz mehr hat für eine Diskussion, die doch so dringend nötig ist. Friedrich Merz hat im vergangenen Herbst, Winter versprochen, dass es ein Jahr später eine echte Rentenreform geben wird. Das war auch das Versprechen an die eigene Partei. Jetzt gibt es eine Rentenkommission, die arbeitet und deswegen ist es ja nur sinnvoll, dass man parallel dazu in der Koalition sich schon mal überlegt, was man tun könnte und am besten nicht mit roten Linien, sondern mit Räumen für Debatte und für Kompromiss.
Sprecher 2: Und hatte nicht gerade der SPD-Chef Lars Klingbeil noch gesagt, man möge doch bitte jetzt nicht jedes Wort eines Koalitionärs sofort auf die Goldwaage legen und zerreden, denn in Wahrheit hat er nichts anderes gesagt, als dass die gesetzliche Rente natürlich niemals den Lebensstandard, den man sich erarbeitet hat und den man gerne halten will, alleine finanzieren kann, sondern dass es selbstverständlich betriebliche oder private Vorsorge benötigt. Eigentlich eine Binse, was Merz da gesagt hat. Dahinter, Helene, steckt doch viel mehr als ein Rentenstreit. Diese beiden Parteien sind ein Jahr nach Amtsantritt intern doch so zerhakt, auch ideologisch von unterschiedlichen Richtungen kommend, dass erstmals führende Politiker in dieser Koalition vielleicht gar nicht mehr garantieren wollen, dass diese Koalition hält.
Sprecher 3: Tja, das ist ein bitterer Befund nach einem Jahr, das ja auch wirklich alles andere als Reibungs... los verlief, wo man sich offenbar schon so aufgerieben hat. Michael, und jetzt sind wir genau an der Frage, die sich immer in Koalition stellt. Der eine Weg ist, man verzwergt sich, jeder Teil verzwergt sich, man guckt auf die eigene DNA und man guckt darauf, wo man auf gar keinen Fall zusammenkommt und arbeitet am eigenen Profil, wie man es dann positiv versucht, rhetorisch zu wenden, was aber in Wahrheit eben Bedeutet, man entfernt sich voneinander. Oder man sucht Gemeinsamkeiten, man versucht Lösungen zu finden, dass es dann nicht unbedingt, hoffentlich nicht jedenfalls der kleinste gemeinsame Nenner, sondern Kompromisse, mal setzt sich der eine durch, mal setzt sich der andere durch und macht gute und konstruktive Politik für dieses Land. Lars Klingbeil, du hast ihn angesprochen, hat neulich bei der Bertelsmann Stiftung eigentlich einen Schritt auf die Union zugemacht, hat ein Angebot unterbreitet, mehr Arbeit, davon war die Rede, sinngemäß Gürtel enger schnallen. Das Problem war, es war nicht mit konkreten Maßnahmen hinterlegt. Insofern niemand wusste so ganz genau, was Lars Klingbeil jetzt konkret vorhat. Und man muss sagen, die Wirkung dieser Rede ist einfach verpufft.
Sprecher 2: In der SPD heißt es, Merz bereitet die Treffen nicht ordentlich vor. Es wird Kritik geübt an dem Kanzleramtschef. Also die kleinen Giftpfeile, die da jetzt von links nach rechts und umgekehrt fliegen, die sind offensichtlich und sie erreichen natürlich uns Journalisten. Friedrich Merz soll in einer kleinen Runde mit CDU-Politikern kürzlich gesagt haben, in diesen nächsten Tagen und Wochen werde man sehen, ob es einen gemeinsamen Nenner in dieser Koalition überhaupt noch gibt. Und Jens Spahn war am Montag in der Landesgruppe der NDR. W-Abgeordneten, die mächtigste Landesgruppe im Bundestag bei der Union und hat dort erneut gesagt, wir werden mit der SPD nicht zusammen in den Abgrund gehen. Das hat er ähnlich schon mal vor einem halben, dreiviertel Jahr konnotiert. Also die CDU will jetzt hart bleiben, will die Reformen durchziehen, will sich von der SPD aus ihrer Sicht nicht mehr auf der Nase rumtanzen lassen und die SPD wiederum sagt, wer seid ihr eigentlich, dass ihr uns diktiert, welche Reformen wir machen müssen. Keine wirklich gute Atmosphäre gerade.
Sprecher 3: Absolut nicht. Und dann gibt es eben durchaus unterschiedliche Sichtweisen, mit welcher Richtung man in den Abgrund geht. Und in der SPD gibt es eben auch noch einige, die sagen, wenn man zu kompromissbereit ist, zu reformbereit, zu viel Zumutung den Bürgern verkündet, dann marschiert man als Sozialdemokratie in den Abgrund. Ich glaube, es gibt auch gute Gründe, das Gegenteil zu vertreten. Aber wenn natürlich solche Meinungen, und dafür steht natürlich unter anderem Tim Klissendorf, weiterhin so lautstark sind, dann führt das auch nicht zu einer Befriedung innerhalb der Koalition. Ich glaube schon, dass man unterschiedliche Sichtweisen haben kann und die auch ausdiskutieren muss, aber nicht in Form dieser Giftpfeile. Das hat doch nun wirklich die Ampel gezeigt, dass es so auf jeden Fall für beide in den Abgrund oder ins Aus geht. Und wenn jetzt schon öffentlich oder halböffentlich darüber spekuliert wird, wie lange diese Koalition noch hält, dann frage ich mich manchmal ganz zynisch gesprochen, geht es uns vielleicht einfach noch zu gut, dass wir uns solche Spekulationen leisten.
Sprecher 2: Ja, und in der Union beginnt natürlich längst intern die Debatte auch um Friedrich Merz und seine Popularität. Das jüngste Ranking, was gestern öffentlich geworden ist, ist erschreckend. Friedrich Merz auf Platz 19, Jens Spahn übrigens auf Platz 20. Vor den beiden ist nur noch Tino Chrupalla auf Platz 18. Und alle anderen liegen oben. Boris Pistorius immer noch der populärste Politiker in diesem Land. Danach Markus Söder, Henrik Wüst, Bärbel Baas, Julia Klöckner und Lars Klingbeil auf 6 vor Alexander Dobrindt. Also da ist noch ganz viel Platz, bevor überhaupt der Kanzler auf Platz 19 kommt. Und das wird ihm natürlich auch zu denken geben. Das macht die Union unruhig. Ist er der Richtige? Kommt man mit ihm noch in dieser Koalition voran? Es heißt ja auch immer wieder, dass es beim Koalitionsausschuss nicht nur Ärger zwischen SPD und Union gab, sondern auch innerhalb der Union zwischen CDU und CSU durchaus Friktionen erkennbar waren. Auch zwischen Markus Söder und Friedrich Merz, die nicht immer mit der gleichen Tonalität und der gleichen Sprache gesprochen haben sollen.
Sprecher 3: Und unterdessen reibt sich die AfD die Hände, die dabei zuschaut, wie die sich untereinander behaken und in Umfragen, in zwei Umfragen mittlerweile, jetzt stärkste Kraft ist mit 26 bzw. 26,5 Prozent. Ich frage mich immer, was eigentlich noch passieren muss, wie oft wir noch von Weckruf schreiben und sprechen sollen, damit sich diese Koalition zusammenrauf.
Sprecher 2: Nächste Woche jedenfalls tagen die geschäftsführenden Vorstände der Fraktionen, also der beiden Einheiten, die am Ende des Gesetzespakets vor der Sommerpause umsetzen wollen, am 12. Am 15. Juli soll die Gesundheitsreform sogar schon in den Bundesrat gehen. Also noch hat diese Koalition sechs, acht Wochen bis zu den Sommerferien. Dann wird es ernst, wenn diese Koalition doch noch die Reform umsetzt. Helene, wer weiß, vielleicht ist im Sommer die Stimmung doch noch eine andere und vielleicht sogar eine bessere.
Sprecher 3: Wir jedenfalls wollen hier optimistisch bleiben. Wir wollen weder dieses Land noch diese Koalition schlecht reden, sondern beobachten, was sich da tut.
Sprecher 6: 22. 300.146 Milliarden. Was haben diese drei Zahlen miteinander zu tun? Sie stehen für den wirtschaftlichen Abstieg unseres Landes. Alle 22 Minuten geht eine deutsche Firma pleite. 300.000 verlorene Jobs, alleine in der Metall- und Elektroindustrie. Und 146 Milliarden, die wir jedes Jahr nur für sinnlose Bürokratie verschwenden. Zeit zu wenden. Warum jetzt nur noch große Reformen helfen. Auf insm.de
Sprecher 3: Auf dem Wickeltisch beim Wutanfall oder beim Spielen im Garten werden Kinder oft klar erkennbar von ihren Eltern im Internet gezeigt. Da gibt es Eltern, die sind einfach nur stolz auf ihren Nachwuchs und wollen die Öffentlichkeit daran teilhaben. Aber andere, die wollen richtig Geld damit verdienen. Das sind die sogenannten Family-Influencer. Und eine Studie des Leibniz-Instituts für Medienforschung hat nun im Auftrag mehrerer Landesmedienanstalten gezeigt, wo das Problem liegt. Denn das, was für die Influencer ein lukratives Geschäft ist, kann für die Kinder durchaus zum Problem werden. Denn die werden ja gar nicht gefragt, ob sie überhaupt gezeigt werden wollen. Es geht also um die Privatsphäre von Kindern im Netz. Wie wollen wir die schützen und wo muss die Werbewirtschaft auch zur Verantwortung gezogen werden? Das besprechen wir mit Mareike Lotte-Wolf. Sie ist parlamentarische Staatssekretärin bei Karin Prien im Familienministerium. Schön, dass Sie bei uns sind. Hallo, liebe Frau Wulff.
Sprecher 7: Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich aufs Gespräch.
Sprecher 3: Ja, über Family Influencing wollen wir sprechen, also über Frauen insbesondere, die Bilder von Familien häufig aus ihrem eigenen Privatleben posten. Und ja, da hört man von anderen jungen Frauen häufig, sie fühlen sich unter Druck gesetzt von diesem ja angeblich oder vermeintlich perfekten Familienleben, das da vorgezeigt wird. Das ist sicherlich ein Problem. möglicherweise auch mit der Arbeit am eigenen Selbstbewusstsein dem begegnen kann. Aber dahinter steckt ja noch ein größeres Problem. Frau Wulff, beschreiben Sie das doch mal.
Sprecher 7: Das Influencing ist ein Geschäft geworden, ein Business geworden und so eben auch das Family Influencing. Das heißt, wir haben eine nicht unrelevante Zahl an Personen, die damit Geld verdienen tatsächlich auch. Und die Aufnahmen stammen aus dem privatesten Umfeld. Und zeigen Kinder in verschiedensten Situationen, also im Kinderzimmer, manchmal auch im Badezimmer. Und da geht es einerseits um die Persönlichkeitsrechte dieser Kinder und auch um die Frage, wie wollen wir als Gesellschaft überhaupt mit Kinderbildern im Netz umgehen oder auf Social Media. Und die zweite Frage ist, ist das denn Arbeit? Denn Kinderarbeit ist in Deutschland natürlich rechtlich verboten aus guten Gründen.
Sprecher 3: Die bremische Landesmedienanstalt hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, wo herauskommt, dass tatsächlich gerade die Bilder, die ganz kleine Kinder zeigen im Alter von 0 bis 3 Jahren, dass die besonders viele Likes und Interaktionen bekommen und auch die Bilder, wo es besonders emotionale oder intime Situationen gezeigt werden, also auf dem Wickeltisch oder bei einem Wutanfall. Das heißt, Sie würden sagen, diese Influencerinnen, die verletzen die Persönlichkeitsrechte der Kinder und machen damit Geld?
Sprecher 7: Also wir haben etwa ein Drittel der Abbildungen, wo die Experten sagen, das sind tatsächlich Abbildungen, die die Persönlichkeit zeigen. Rechte der Kinder verletzen oder berühren oder wo sie in Situationen gezeigt werden, die vielleicht intim sind, zeigt aber natürlich auch, zwei Drittel der Bilder berücksichtigen die Persönlichkeitsrechte. Also ein gemischtes Bild, aber definitiv auch Handlungsbedarf.
Sprecher 3: Was ist das To-Do aus Ihrer Sicht?
Sprecher 7: Also erstmal ist es das To-Do, das Thema auf die politische Agenda zu heben überhaupt. Also ich glaube, viele, das habe ich auch in meinen politischen Debatten gemerkt, unterschätzen das Thema so ein bisschen und sagen, naja, das sind halt irgendwie Frauen, die ab und zu mal ein paar Kinderbilder posten und das ist ja vielleicht nett. Wie hoch sich das professionalisiert hat, zeigt sich zum Beispiel daran, dass viele dieser Family-Influencer eben auch Agenturen mittlerweile haben, die sie beraten und ihre Postings dann dahin schicken, die freigeben lassen und natürlich auch Angebote bekommen von Firmen, die sagen, weiß ich nicht, Bekleidungsfirmen für Kinder zum Beispiel, die sagen, zeig doch mal dein Kind jetzt in diesem Kleid oder bewerbe das oder auch, keine Ahnung, Audible zum Beispiel, habe ich jetzt gesehen, macht auch Werbung mit Kinder-Influencern. Wir müssen es auf die Agenda heben und zwar für die Agenturen, die Family-Influencer, aber auch diejenigen, die das einkaufen, diese Dienstleistungen, also für die Unternehmen. Ich würde mir da so etwas wünschen wie Regeln, vielleicht auch so eine Selbstverpflichtung zu sagen, wir nehmen nur Dienstleistungen in Anspruch, wenn es... Regeln gibt, also gutes Family Influencing, dass Kinder zum Beispiel eher von hinten gezeigt werden. dass intime Situationen ausgeschlossen werden etc. Und dann ist die Frage, und da kommen wir dann wirklich in das rechtliche Geschehen hinein, haben wir einen Anpassungsbedarf im Jugendarbeitsschutzgesetz? Also, denn Kinderarbeit ist verboten in Deutschland. Es gibt dafür Ausnahmen. Es ist jetzt natürlich besonders problematisch, weil diejenigen, die die Kinder eigentlich schützen sollen, nämlich die Eltern, auch gleichzeitig diejenigen sind, die finanziell natürlich profitieren. Und deshalb brauchen wir da eine besondere Regelung oder wir müssen überdenken, wie können wir den Jugendarbeitsschutz da anpassen.
Sprecher 3: Können Sie da auch etwas konkreter werden? Also sprich, hat das auch Konsequenzen, Sanktionen für die Influencerinnen?
Sprecher 7: Also vielleicht wäre es erstmal sinnvoll, klarzustellen, dass wir so etwas wie einen Genehmigungsvorbehalt natürlich haben. Also schon heute... Wenn man Influencing als Arbeit ernst nimmt. Und das im Jugendarbeitsschutz klarzustellen, könnte schon mal helfen, dass auch die Influencer selber und die Agenturen aufmerksam werden und sagen, oh, was wir da machen, müssen wir eigentlich von einer Behörde erstmal genehmigen lassen. Und dann auch die Behörden müssen natürlich... Sensibilisiert werden dafür, dass hier eben Arbeit auch stattfinden kann und dass das auch entsprechend kontrolliert werden kann beispielsweise.
Sprecher 3: Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren, liebe Frau Wulff.
Sprecher 7: Vielen Dank für das Gespräch.
Sprecher 2: Sind die europäischen Klimaziele realistisch? Sind sie überhaupt noch zu erreichen? Steigt der CO2-Preis so hoch, dass die europäische Industrie gar nicht mehr anders kann, als auszuwandern? Die Debatten rund um die europäischen Klimaziele, um den Green New Deals sind inzwischen hart und scharf geführt. Die Unternehmen und die Wirtschaft, auch der Bundeskanzler, will Veränderungen erzeugen. Was sagt eigentlich die EU-Kommission dazu? Der zuständige Kommissar heißt Wopke Hoeksraat und ist Klimakommissar aus den Niederlanden. Lukas Knigge, unser Kollege aus dem Climate Table, hat mit ihm über die aktuellen Debatten gesprochen.
Sprecher 8: EU Climate Commissioner Wopke Hoekstra, thanks so much for joining us at Table Today and welcome to Berlin.
Sprecher 9: Thank you. Thank you very much for having me and great to be back.
Sprecher 8: The Petersburg Dialogue is happening these days with many ministers from all over the world, and they all talk about climate policy. Not everywhere this is seen as the most pressing topic at the moment. How are the people you meet here in Berlin, but also anywhere else you travel in the world, how are they reacting when you tell them to stay the course on climate action?
Sprecher 9: So what is crystal clear is that unfortunately we don't just have one or two important items on the very top of our agenda. Many more items have been tabled in addition to the problems we already had a couple of years ago. Nothing of the importance of climate action is done or is being dealt with or should be. seen as diminished. It is just that the world is on fire. Now, at the same time, whether you look at this through a lens of climate or competitiveness or independence, the solution for Europe, at least in the midterm and the longer run, is always the same. More electrification, more renewables, more storage capacity, more interconnectors between member states. And for those member states who are keen to embark on it, more nuclear, because in my view, that is also truly part of the solution space.
Sprecher 8: At the same time, Europe is losing industrial capacity. Right as we speak. And some are saying this is to some extent, at least, due to climate policy. Does that mean Europe has been overambitious in the past on climate action?
Sprecher 9: Well, what is true in my view is that we need to make sure that going forward, we bring climate competitiveness and independence truly, you know, hand in hand. Just imagine the situation where, for example, the iron and steel industry would either go bust or would ship out. That would mean clearly an economic loss. That would mean loss of jobs. That would mean creating another dependency in a world in which we are already dependent too much on... Dubious actors sometimes from outside of Europe. And you would certainly not get cleaner stuff that you would then need to import, right? It's much more likely that it is brown and it is not up to the standards that we seek. to set. So that is not the way forward. The way forward is making sure we come up with public-private arrangements where we allow companies to thrive, where we ensure that basically they become cleaner here in Europe. There are economic prospects, but we're also dealing with the issues of dependencies and climate.
Sprecher 8: Carbon pricing is the one mechanism everybody used to agree on is the most effective one. Yet that is being criticized as well. Has that consensus been canceled that carbon pricing works? Market instruments like carbon pricing should be at the heart of climate policy?
Sprecher 9: For me, it's as clear as it was before that such a market-based instrument that is applied the way Europe is applying it is hugely helpful and is probably the most effective thing we have in our toolkit. It is also in that context, maybe not a surprise, that many others have followed suit and have been embarking on carbon pricing and carbon markets themselves. The Chinese are French in Chile, in Brazil, Mexico is embarking on it. The UK wants to link to our system. And one of the things we need to make sure is that the money we generate with it is also invested in helping these industries to become cleaner and become more competitive. And reality today is different. Most of the money goes back to member states who then spend it. for the far biggest part on all sorts of important priorities, but not on the companies we should help.
Sprecher 8: Now that the carbon pricing is hitting companies for the first time in a significant way, all of a sudden the narratives against it, now we're backtracking that a little bit.
Sprecher 9: My pattern recognition actually, particularly of the last weeks, is a very different one. For the better part of the last two years, I have been articulating that it is a necessity to bring climate policies hand in hand with competitiveness and independence. Now, with all that is happening in the Middle East, We're once again reminded that we are fully at the mercy in the domain of oil and in the domain of gas of what others are doing at the world stage. And the only way out of this is make sure we choose full-fledged for electrification. The recipe in itself is crystal clear. It means more grid investments. In my view, public and private. It means more interconnectors because we now have 27 energy markets, frankly, and not one combined. It means way more storage capacity because we cannot afford to be dependent on storage coming from China. It means more solar. It means more wind. It means more heat pumps. And in my view, but that is up to member states to decide, it also means significantly more nuclear, prolonging the machines we already have. and embarking on a nuclear renaissance in the domain of small modular reactors. Energy is not just a market. It is a national and a European security issue.
Sprecher 8: What other things could potentially be short-term measures?
Sprecher 9: There is one additional element that is important. Let's assume that those new SMRs, small modular reactors, are being made in Europe. Let's assume that these heat pumps that we provide, hopefully to millions of European households, are made in Europe. Let's assume that the second generation solar, is at least partially coming from European companies. And the same for wind and the same for storage. Then this is a triple whammy, right? Because it is giving a huge impulse to our independence. It is very good for employment and for economic activity. And it needs no explanation that it will also foster our climate ambition.
Sprecher 8: EU Climate Commissioner Wopko Hoekstra, thanks very much.
Sprecher 9: Thank you very much for having me.
Sprecher 3: Michael, du bist jetzt auf dem Weg ins schöne Bayern. Gibt es von dort noch was?
Sprecher 2: Ja, man muss sich ja mal ein bisschen mit der CSU wieder beschäftigen, weil man weiß nicht genau, welche Rolle die eigentlich gerade in der Bundesregierung spielt. Und deswegen treffe ich einige CSU-Politikerinnen und Politiker. Und man muss auch sagen, was passiert eigentlich bei den Bund-Länder-Finanzen in den nächsten Tagen und Wochen? Wir haben ja an dieser Stelle oft über Konnexität gesprochen. Wer bestellt, muss auch bezahlen. Und da spielen die Bayern eine Sonderrolle, denn sie sind ja tatsächlich im Länderfinanzausgleich die Geschröpftesten und diejenigen, die am meisten bezahlen dafür, dass wir uns hier in Berlin zum Beispiel kostenlose Kitas leisten können.
Sprecher 3: Michael rollt sich selber den Teppich aus, um in Bayern freundlich empfangen zu werden. Sie haben es gehört.
Sprecher 2: So ist es.
Sprecher 3: Aber interessant ist es ja wirklich, was spielt die CSU in der Koalition für eine Rolle? Meine vorsichtige Annahme für jemand, die jetzt in Berlin bleibt, ist keine besonders konstruktive. Das hat vielleicht auch damit zu tun, Michael, und das finde mal bitte raus, dass doch Markus Söder nicht mehr ganz so fest im Sattel sitzt. Das erste CSU-Kollegen nun sagen, welche Wahl hat dieser Mann eigentlich wirklich glorreich und glühend gewonnen? Eine absolute Mehrheit gab es mit ihm jedenfalls bisher nicht. Also bleibt Söder in Bayern für immer und bleibt er in der Staatskanzlei dort? Also Fragen über Fragen. Schön, dass du in Bayern bist.
Sprecher 2: Die Sonne scheint jedenfalls. München ist immer eine Reise. Und ich berichte dann an dieser Stelle, was die Bayern bei den Preußen eigentlich wirklich umsetzen wollen.
Sprecher 3: Nichts ist so heiß wie die Liebe zwischen einem Bayern und einer Preis. Fällt mir da noch ein?
Sprecher 2: Wir hören uns morgen wieder am Donnerstag, dann den 23. April um 5 Uhr Table Today. Und wenn Sie in der Podcast-App gerade ohnehin unterwegs sind, dann geben Sie uns doch mal eine Bewertung. Am besten natürlich 5 Sterne. Abonnieren Sie uns und sagen Sie weiter, dass dieser Podcast es immer lohnt zu hören, egal wo Sie sind, ob in Bayern oder in Berlin.
Sprecher 3: Sie dürfen aber auch Ihre ehrliche Meinung sagen, das ist auch völlig okay. Wir freuen uns jedenfalls, wenn Sie wieder dabei sind am Donnerstag, dann sind wir nämlich wieder da. Tschüss!
Sprecher 10: Ich will mich nicht verändern, um dir zu imponieren. Nicht den ganzen Abend Probleme diskutieren, aber eines gebe ich zu. Das, was ich will, will ich. Ich will jetzt garantieren, was ich nicht halten kann. Will mit dir was erleben, besser gleich als irgendwann. Und ich geh auf den Zug. Das, was ich will, bist du. Ohne dich schlafe ich heute Nacht nicht ein Ohne dich bei, ich schlafe heute Nacht nicht ein Ohne dich komme ich heute nicht zu Das, was ich will
Sprecher 4: Bringe deinen Tag auf Touren und arbeite intelligenter. Mit Acrobat Studio. Kombiniert Acrobat Pro Tools, KI-gestützte Arbeitsbereiche, Assistenten und Inhaltserstellung. Alles an einem Ort. Deine Daten sind damit sicher und sie werden niemals für Trainingszwecke eingesetzt. Arbeite schneller, intelligenter, erledige mehr mit Acrobat Studio. Mach es einfach mit Acrobat. Probiere es jetzt auf adobe.com slash acrobat aus.