Sind wir noch Industrieland? Mit Tanja Gönner.
Heute startet die 79. Hannover Messe. Unter dem Motto „Think Tech Forward" präsentieren rund 4.000 Unternehmen über 14.000 neue Produkte und Lösungen. Tanja Gönner, die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, warnt zum Start der Messe vor anhaltender Stagnation und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. „Ohne strukturelle Reformen werden wir nicht wettbewerbsfähig werden. Da gibt es viele Vorschläge. Es geht darum, dass sie umgesetzt werden und nicht immer wieder erneuert werden." [08:58]
SPD und Union liegen in Sachen Steuerreform offenbar noch weit auseinander. Es scheint aber inzwischen ausgemacht, dass höhere Einkommen stärker besteuert werden, während kleinere und mittlere Einkommen entlastet werden sollen. Auch die Abschaffung eines Feiertages ist in der Diskussion. Die SPD-geführten Bundesländer machen inzwischen Druck. Sie fordern Friedrich Merz in einem Brief auf, möglichst bald eine Sonder-MPK einzuberufen. In dem Papier, das Table.Briefings vorliegt, heißt es, gerade in Bezug auf grundsätzliche Fragen der Energiesicherheit, der Energiepreise und der Strukturen müsse es „schnell eine enge Abstimmung auf politischer Spitzenebene wie auch unter den Fachleuten von Bund und Ländern geben." [01:23]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Rauft sich diese Koalition zu einer Steuerreform zusammen? Die Debatte jedenfalls darüber geht munter weiter. Immer mehr Details vom Koalitionsausschuss kommen ans Licht. Union und SPD liegen weit auseinander und stritten sich angeblich auch über Feiertage, die einer abschaffen wollte und der andere nicht. Wir nennen Ihnen mal die aktuellen Details.
Sprecher 3: Heute geht es los, die 79. Hannover Messe. Sie ist das Mecker der Industrie. Rund 4000 Unternehmen aus 60 Ländern, aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro-Digitalindustrie und der Energiewirtschaft kommen zusammen. Und während bei der Messe Innovationen und neue Produkte präsentiert werden, gehen gleichzeitig tausende Jobs pro Monat verloren. Deswegen sprechen wir mit Tanja Gönner, der Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Industrie, also des BDI, darüber, was passieren muss, um eine Trendwende hinzubekommen.
Sprecher 2: Aus dem Bundespresseball ist ein Medienpresse-Journalistenball geworden, denn die Politik glänzte am vergangenen Freitag mit Abwesenheit. Wir sagen Ihnen trotzdem mal, warum es diesen Ball weiter braucht, auch wenn der Glanz ein wenig schwindet. Es ist Montag. Schön, dass Sie wieder dabei sind an diesem 20. April.
Sprecher 4: Ingrid und Indi präsentieren Jobs, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Heute Heizungsmonteurin.
Sprecher 5: Die Heizung macht seit heute Morgen komische Geräusche.
Sprecher 6: Entschuldigen Sie, das ist ein geiler Beat.
Sprecher 5: Die Rohre platzen gleich.
Sprecher 6: Und jetzt der Drop.
Sprecher 4: Das ist ein Job für Premium-Stellenanzeigen. Mit richtigen Profis wäre das nicht passiert. Vertraue Ingrid, versuch Indeed und finde qualifizierte Talente mit Premium-Stellenanzeigen. Mach's dir Indeed einfach. Jetzt auf indeed.de slash recruiting.
Sprecher 3: Schwarz und Rot ringen um die Einkommenssteuerreform und ja, dabei liegen die beiden Parteien deutlich auseinander und zwar weiter als wir gedacht haben, denn sie sagen ja immer, sie wollen zusammenkommen, aber sie machen dann doch Vorschläge, von denen eigentlich jede Seite wissen könnte, dass man so nicht zusammenkommt.
Sprecher 2: Vielleicht hier nochmal für Sie da draußen der wunderbare OECD-Vergleich, der in keiner Analyse fehlen darf. Deutschland hat eine der höchsten Steuernabgabenlasten im gesamten Industrieländerspektrum, nämlich 47,9 Prozent des Einkommens muss ein Durchschnittsverdiener an Steuern und Abgaben abgeben an den Staat. Damit sind wir zweiter hinter Belgien. Allerdings haben wir natürlich ein größeres Abgabenproblem als ein Steuerproblem. Trotzdem war sich angeblich die kleine Runde des Koalitionsausschusses, also die Parteivorsitzenden, aber auch wohl Alexander Dobrindt und die wichtigen Staatssekretäre einig, man könne eine Einkommenssteuerreform umsetzen hier bei Schwarz-Rot, selbst wenn man den Spitzensteuersatz ein bisschen anhebt. Dann kam der Koalitionsausschuss und dann wurde das Ganze doch wieder zurückgenommen. Vor allem, weil Jens Spahn und Markus Söder nicht der Meinung war, dass das jetzt schon geeint werden sollte.
Sprecher 3: Also die SPD und Lars Klingbeil allen voran will ja die arbeitende Mitte entlasten, so heißt es. Und deswegen soll eben der Spitzensteuersatz erst später greifen. Also er soll verschoben werden. Dieser Höchstsatz von 42 Prozent, 10.000 Euro, soll noch zusätzlich draufkommen, bis der greift. Also künftig erst ab 80.000 Euro. Euro Jahresbrutto. Außerdem soll die Reichensteuer, die ab ungefähr 290.000 Jahreseinkommen greift, auch erhöht werden. Also insofern die Mitte entlasten, die Reichen stärker besteuern. Herr Michael, die CDU hat aber sicherlich ja kein Interesse, als Steuererhöhungspartei in die Geschichte einzugehen. Da würde ja die FDP, die jetzt versucht, sich neu aufzustellen, nur frohlocken. Also wie kommen die da zusammen?
Sprecher 2: Ja, und Friedrich Merz soll sich in der Runde auch gegen den Begriff Reichensteuer gewendet haben. Da war von den Bestverdienern die Rede. Das Wort Reiche erzeugt ja nur Sozialneid. Aber dort sei man trotzdem bereit gewesen, oben zumindest den Grenzsteuersatz anzuheben. Damit finanziert man natürlich nicht die breite Entlastung der Mitte. Aber es ist wohl für die SPD aus symbolischen, auch aus solidarischen Erwägungen durchaus notwendig. Und Fritz Günstler war ja bei uns im Podcast und hat sich dazu bereit erklärt, was einige Wellen geschlagen hat in der CDU, weil da auch einer dann das ausspricht, was offiziell ja noch Verhandlungsmasse ist. Also gehen Sie davon aus, da draußen diese sogenannte Reichensteuer und auch der Spitzensteuersatz wird steigen. Ein anderer Konflikt war auch interessant, den hatten wir hier noch gar nicht, Helene, nämlich der um die Feiertage.
Sprecher 3: Ja, über zwei verschiedene Tage wird jetzt diskutiert. Einerseits könnte der Pfingstmontag künftig wegfallen. Ein für Christen wichtiger Feiertag. Die Wahrheit ist aber, dass nur ein kleiner Teil der Deutschen überhaupt wissen, was an Pfingsten gefeiert wird. Also die Säkularisierung setzt sich fort. Das andere ist, Angeblich soll es von der Union ins Spiel gebracht worden sein, der 1. Mai, der nun wirklich heilig ist für die säkulare SPD. Das wäre, wenn es stimmt, eine echte Provokation.
Sprecher 2: Ja, und deswegen gibt es da unterschiedliche Deutungen. CDU-Politiker im Koalitionsausschuss haben uns gesagt, das sei nie wirklich vorgeschlagen worden. Man wisse doch um die Bedeutung dieses Feiertags für die SPD. Der CSU-Chef Markus Söder soll das eher als Scherz gemeint haben. So kam es dann in die Debatte. So oder so ein Feiertag bringt 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte Wachstum pro Jahr, wenn er abgeschafft würde oder wie dieses Jahr auf ein Wochenende fällt. Deswegen ist das natürlich eine der... Sehr leichten Maßnahmen, um Wachstum zu erzeugen, auch wenn es mit Innovation wenig zu tun hat. Aber immerhin, wir sind das Land in Europa mit den meisten Feiertagen. Zumindest sind wir in der Spitzengruppe und insofern ist eine Diskussion darüber durchaus in Ordnung. Und ob der Pfingstmontag jetzt ein Feiertag ist oder nicht, ich glaube, selbst die weniger gewordenen Christen würden es. Jetzt kriege ich wieder Ärger da draußen. Helene, würden es verschmerzen können?
Sprecher 3: In Frankreich, in dem katholischen Frankreich, ist er schon länger abgeschafft. Naja, die Frage ist natürlich schon, ob es da, und das ist der Einwand der Nordländer, überhaupt eine Gerechtigkeit gibt. Denn ich kenne das noch aus Schulzeiten, dass man neidisch guckte auf die bayerischen Schülerinnen und Schüler, die also ständig irgendwelche Maria Himmelfahrt und andere Feiertage hatten, während dann uns Norddeutschen auch noch der Buß- und Betrag gestrichen wurde im November, der für Protestanten ein wichtiger Tag ist.
Sprecher 2: Und ich habe ihn dieses Jahr auch schon verplant, weil ich muss nach Münster zum 50. Meiner Schwester. Also auf gar keinen Fall bitte eine schnelle Abschaffung. Ich habe bereits diesen Feiertag eingeplant, aber trotzdem nochmal zurück zu den Fakten. 8 bis 9 Milliarden Euro könnte das bringen, sagt der DIHK-Chef, der unter anderem auch dafür ist. Und interessant ist eben, dass die Verbände und die Befürworter dieser Abschaffung des Pfingstmontags damit argumentieren, dass im Frühjahr die Produktivität deutlich schneller steigen kann, als wenn man einen Feiertag im Herbst oder im Winter abschafft. Da geht es dann natürlich vor allem um die Bauwirtschaft. Also insofern, da gibt es durchaus kluge Überlegungen dahinter.
Sprecher 3: Und in der Tat schaut man ja in den Kalender im Frühjahr und hat tatsächlich ein langes Wochenende nach dem anderen, kaum Wochen, die mal fünf Tage haben. Das ist auch immer eine Herausforderung für den Bundestag und die Sitzungswochen. Wenn wir uns sagen, dass wir alle mehr arbeiten wollen, dann ist diese Idee, finde ich, zumindest diskussionswürdig.
Sprecher 2: Eine andere war die Lockerung des Kündigungsschutzes für Top-Verdiener, für Hochqualifizierte, um dort oben ein bisschen Flexibilität in den Wechsel auch zu bringen, der ja inzwischen gar kein Manko mehr ist, sondern Alltag in einer zunehmend volatilen beruflichen Karriere.
Sprecher 3: Ja, der Ökonom Moritz Schullerig aus Kiel hat das kürzlich vorgeschlagen, dass man doch ab 100.000 Euro Jahresabkommen eigentlich diesen Kündigungsschutz nicht mehr brauche, dass der aus einer anderen Zeit stamme und eben nicht in diesen Top-Verdiener-Klassen, wo es ja auch nicht so sehr darum geht, eine Arbeitskraft dann auszutauschen. tauschen, sondern wo es ja doch sehr individualisiert zugeht im modernen Arbeitsleben. Ich habe jetzt gehört aus Kreisen der Arbeitgeber, die sagen, das kann man schon machen, aber die wahren Probleme liegen woanders. Die wahren Probleme sind die Lohnnebenkosten, von denen ja nun auch Nebenkosten, so heißt es dann gar nicht mehr das richtige Wort, weil sie derzeit einen so großen Anteil des Gehalts ausmachen, nämlich beinahe 50 Prozent. Wenn man Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zusammenzählt. Kündigungsschutz ist natürlich auch für die SPD eine heilige Kuh und deswegen derzeit wird sich da wohl nicht viel bewegen.
Sprecher 2: Kommen wir von den Lohnhauptkosten dann mal zu den Ländern, weil die machen jetzt inzwischen auch Druck und wollen in der Reformdebatte natürlich mitmischen, zumal sie jegliche Steuerreform am Ende teilweise mitbezahlen müssen. Jetzt gibt es einen Brief an den Bundeskanzler, auch an Lars Klingbeil, den SPD-Chef, von den SPD-Ministerpräsidenten. Ja, die gibt es noch. Anke Rehlinger, Manuela Schwesig, Olaf Lies, sie machen Druck, denn sie wollen mitmischen und fordern eine Sonderministerpräsidentenkonferenz, um weiter über die steigenden Energiepreise und mögliche Entlastungen zu reden.
Sprecher 3: In dem Schreiben, das jetzt gerade verschickt wurde, da erinnern die Ministerpräsidenten an die einerseits Corona-Pandemie, wo ja tatsächlich diese MPK so eine Art Ersatzgesetzgeber gewesen ist. Alle wichtigen Impulse kamen daraus und eben auch aber an das Jahr 2022, wo es diverse Besprechungen gegeben habe zum Thema Energie und Entlastungen und fühlen sich doch nun offenkundig derzeit vom Bundeskanzler nicht. eingebunden, obwohl der ja das Verhältnis zu den Ländern deutlich verbessern wollte, was unter Olaf Scholz ja zugegebenermaßen auch sehr gelitten hatte.
Sprecher 7: 22.300.146 Milliarden. Was haben diese drei Zahlen miteinander zu tun? Sie stehen für den wirtschaftlichen Abstieg unseres Landes. Alle 22 Minuten geht eine deutsche Firma pleite. 300.000 verlorene Jobs, alleine in der Metall- und Elektroindustrie. Und 146 Milliarden, die wir jedes Jahr nur für sinnlose Bürokratie verschwenden. Zeit zu wenden. Warum jetzt nur noch große Reformen helfen.
Sprecher 8: Hannover führt zum ersten Mal eine Exportmesse durch, die für die Gesamtwirtschaft der Westzonen von überragender Bedeutung ist. Ein ehemaliger Rüstungsbetrieb in dem Vorort Larzen wurde in das Ausstellungsgelände verwandelt.
Sprecher 9: So möge denn diese Exportausstellung ein Zeugnis deutschen wirtschaftlichen Können und Wollen sein.
Sprecher 10: Hannover Messe, internationale Industrieausstellung. Das ist ein faszinierender Schauplatz technischer Superlative, Sammlungs- und Strahlungspunkt von weltweiter Bedeutung. Dem Auge bietet sich ein wahres Eldorado glänzender Errungenschaften von Forschung und Technik aus unzähligen Gebieten industrieller Fertigung.
Sprecher 2: Think Tech Forward heißt das Motto der heute startenden Hannover Messe. Es geht eben darum, Technologie und Industrie zusammenzubringen, um den Absturz, den Abstieg der deutschen Industrie zu verhindern. 14.000 neue Produkte und Lösungen werden hier in den nächsten Tagen präsentiert. Die Messe ist das Schaufenster der Leistungsfähigkeit unserer Industrie. Allerdings zugleich kriegen wir immer wieder die Meldungen, dass tausende Industriejobs in Deutschland abgebaut werden, ins Ausland verlagert werden. BASF-Investitionen in China seit Tagen und Wochen in der Debatte und nicht mehr hier in Deutschland. Nur ein Beispiel für große Traditionsunternehmen, die eben nicht mehr hier investieren, weil ihnen dieser Standort zu teuer geworden ist. Zu hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie und die berühmten Lohnhauptkosten, die Helene gerade schon genannt hat. Wie geht es also weiter? Das wollten wir von der Frau wissen, die den Bundesverband der deutschen Industrie operativ managt. Sie ist die Hauptgeschäftsführerin, sie heißt Tanja Gönner und sie soll uns mal sagen, was die Regierung überhaupt noch tun kann und wie es der Industrie wirklich geht. Einen schönen guten Tag, Frau Gönner.
Sprecher 11: Guten Morgen, Herr Bröker, ich grüße Sie.
Sprecher 2: Ich erwische Sie bereits in Hannover, wo an diesem Montag die traditionelle Industriemesse beginnt. Frau Gönner, wie geht es der Industrie aktuell?
Sprecher 11: Sie würde sich wünschen, dass es ihr besser geht. Und wir sind weit davon entfernt, dass wir in diesem Jahr eine Erholung absehen. Und zugleich ist die Hannover Messe immer eine tolle Schau, an der man sieht, was wir eigentlich leisten können. Also insofern, es ist immer gut, hier zu sein, sich wieder Kraft zu holen und zugleich ist es aber so, dass wir dringend in diesem Land Reformen brauchen, um voranzukommen.
Sprecher 2: In vielen Talkshows ist immer wieder auch von der Politik die Zahl zu hören, dass wir pro Monat zehntausende Jobs in der Industrie verlieren. Stimmt das eigentlich noch?
Sprecher 11: Es ist nach wie vor allerdings, und darüber reden wir als BDI seit inzwischen fast drei Jahren, die Arbeitslosigkeit und die Frage, wer Jobs verliert, ist nicht mehr der entscheidende Indikator. Eigentlich sind wir, bis dieser Indikator tatsächlich erkennbar ist, schon deutlich zu weit. Und ja, es ist nach wie vor so, dass es immer noch Entlassungen gibt. Und letzten Endes geht es darum, dass wir dringend wieder nach vorne kommen müssen, weil wir im Moment im eigenen Standort nicht wettbewerbsfähig sind. Also das bei aller Krisenlage in der Welt. Wir haben hier bei uns Möglichkeiten, Dinge so zu verändern, dass wir zumindest wettbewerbsfähig sind.
Sprecher 2: Nun hat die Bundesregierung sich zweieinhalb Tage zurückgezogen, um Maßnahmen vor allem gegen die hohen Energiekosten infolge des Iran-Kriegs zu treffen und sind mit einer kurzfristigen Abseckung der Energiesteuer zurückgekommen. Reicht Ihnen das?
Sprecher 11: Das hat auch nichts mit strukturellen Reformen zu tun. Ich verstehe, dass die Politik natürlich Bürgerinnen und Bürger entlasten will in Zeiten, in denen es schwierig ist. Zugleich gibt es aus meiner Sicht ein sehr trügerisches Gefühl, dass der Staat alles regeln kann. Wir sind doch an einem Punkt, der... an dem wir erkennen müssen, der Staat kann nicht alles regeln, der Staat soll nicht alles regeln. Sondern es geht darum, dass wir Wachstumsimpulse brauchen. Wir werden nicht jede Krise immer abfedern können, da sind sich alle Ökonomen auch einig. Und insofern bei allem Verständnis, wenn ich auf die Industrie schaue, dann ist es natürlich hilfreich, dass auch die Industrie davon profitiert. Und zugleich geht es aber um strukturelle Reformen. Ohne strukturelle Reformen werden wir nicht... Wettbewerbsfähig werden.
Sprecher 2: Wir bleiben kurz bei der Energie. Immerhin ist der Industriestrompreis von der EU jetzt genehmigt worden. Ist das ein gutes Signal in diesen schwierigen Zeiten?
Sprecher 11: Zunächst einmal, glaube ich, muss man schon deutlich sagen, dass die Bundesregierung bei allem, was das Thema Energie angeht, auch im letzten Jahr viele wichtige und richtige Maßnahmen auf den Weg gebracht hat. Der Industriestrompreis ist nochmal eine Abrundung. Zugleich gibt es allerdings Regelungen im europäischen Recht, die dazu führen, dass es zwar ein Schritt ist, aber bei weitem nicht das abfedern kann, was wir an deutlich höheren Kosten als in anderen europäischen Ländern haben. Da weiß ich, dass die Bundesregierung auch positiv unterwegs ist und versucht, dort Änderungen hinzubekommen. Ja, ein Schritt in die richtige Richtung. Zugleich nochmal Arbeitskosten, Bürokratiekosten sind Punkte, die deutlich zu hoch sind.
Sprecher 2: Alle reden von strukturellen Reformen. Was verstehen Sie ganz genau darunter, Frau Gönner, was dieses Jahr schon tatsächlich möglich wäre?
Sprecher 11: Es wäre hilfreich, wenn wir uns dauerhaft wieder ein Ziel setzen. Das lautet nach Möglichkeit eher 40 Prozent Lohnzusatzkosten und nicht mehr. Und auch bei der Staatsquote immer wieder darauf achten, dass sie zwar steigt wegen der Verteidigungsausgaben, aber nicht durch ständigen Eingriffe des Staates in wirtschaftliches Leben. Und der dritte Teil, den wir sehr stark als... Strukturreformen sehen, ist alles, was einerseits mit Staatsmodernisierung, Digitalisierung, Vereinfachung, Planungs- und Genehmigungsverfahren angeht und auf der anderen Seite mit einem deutlich schnelleren Bürokratieabbau. Da gibt es viele Vorschläge. Es geht darum, dass sie umgesetzt werden und nicht immer wieder erneuert werden.
Sprecher 2: Nach unserer Information gab es fast eine Einigung bei diesen Koalitionsgesprächen bei einer leichten Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Würde das einen Aufschrei in der Industrie geben oder sagen Sie, auch so etwas ist möglich, wenn an anderer Stelle strukturelle Reformen wirklich umgesetzt werden?
Sprecher 11: Das Entscheidende ist, dass wir eigentlich ein Gesamtpaket benötigen, weil es ist völlig klar, dass strukturelle Reformen dazu führen, dass jeder seinen Teil beitragen muss und auch die Industrie weiß, dass sie ihren beitragen muss. Im Übrigen an der Stelle nicht nur Industrie, sondern Wirtschaft. Beim Spitzensteuersatz geht es allerdings darum, dass man immer darauf achten muss, dass der weitgrößte Teil der deutschen Unternehmen als Personengesellschaften geführt werden. Und dort muss man Lösungen finden, damit... Sehr klar ist, dass das derzeitige Optionsmodell, das es gibt, aber kaum angewandt wird. wird, offensichtlich Schwächen hat und an diesen Schwächen muss gearbeitet werden. Nochmal, uns ist klar, dass auch wir einen Anteil bringen müssen. Wenn wir allerdings sehen, dass die Reformen jetzt alle nacheinander kommen, aber kein Gesamtpaket dahinter steckt und vor allen Dingen, dass der Staat seinen eigenen Teil, wo er auch beitragen muss, nicht angeht, dann glaube ich, wird es etwas schwierig und deswegen reden wir ja auch immer wieder über das Thema Staatsmodernisierung.
Sprecher 2: Glauben Sie oder trauen Sie der Koalition die großen Pakete bis zum Sommer zu?
Sprecher 11: Ich kann nur sagen, dass wir immer wieder signalisieren, dass sie von unserer Seite Unterstützung bekommt. Wir haben sehr konkrete Vorschläge an den unterschiedlichen Stellen vorgelegt, sowohl zur Staatsmodernisierung als auch zum Bürokratieabbau. Wir ermutigen sie und insofern gilt der berühmte Satz, ich habe Vertrauen, dass diese Regierung weiß, vor welcher Verantwortung sie steht. Ich weiß, dass Verantwortung tragen herausfordernd ist. Das ist das, was Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Land jeden Tag für ihre Arbeitnehmer machen. Das ist die Aufgabe der Bundesregierung und insofern, ich habe die Hoffnung, zugleich ist es allerdings so, dass ich Sie auch immer wieder darauf hinweise, dass wir bis zum Sommer diese Reformen benötigen.
Sprecher 2: Letzte Frage, Frau Gönnert. Das traditionelle Partnerland ist in diesem Jahr Brasilien, eine der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt mit einem BIP-Wachstum im Jahr 2024 war es, glaube ich, 3,5 Prozent. Gerade auch in den industriellen Prozessen holt dieses Land enorm auf. Wieder einmal muss man sagen, ein großes Land, das aufholt im Vergleich zu Deutschland. Können wir von Brasilien lernen?
Sprecher 11: Also zum einen, glaube ich, sollten wir immer mal schauen, wie die Dynamik in der Welt ist und darüber nachdenken, ob wir uns nicht etwas von Dynamik abschneiden. Zum Zweiten freuen wir uns darüber, dass wir nicht nur Brasilien als Gastland haben, sondern dass wir unsere deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage hier auch wieder mit unserem Partnerverband aus Brasilien gemeinsam gestalten können. Zum Dritten gibt es viele deutsche Unternehmen, die schon lange mit Brasilien sehr intensiv im Austausch sind, dort im Übrigen auch produzieren und damit Teil dieses Aufschwungs sind. Und ich glaube, es lohnt sich immer genau hinzuschauen, was sind die Dinge, die vorantreiben. Und ich glaube bei allem, dass dort insbesondere das Thema, wie schnell komme ich zu Entscheidungen und wie schnell werden diese umgesetzt, sicher etwas sind, von dem wir uns was abschneiden können.
Sprecher 2: Wir sind gespannt auf die Innovationen und die neuen Produkte der deutschen Industrie bei dieser Messe in Hannover und wünschen Ihnen viel Erfolg. Vielen Dank, Frau Gönner.
Sprecher 11: Vielen Dank, Herr Bröker. Schönen Tag noch.
Sprecher 3: Wie war eigentlich in der vergangenen Woche sonst noch irgendwas?
Sprecher 2: Am Freitag ein sehr, sehr, sehr langer Abend beim Bundespresseball, der Glanz und Gloria ein wenig verloren hat. Wie ich finde, wie ist dein Fazit? Du bist ja mit einem sehr sympathischen Journalisten da hingegangen.
Sprecher 3: Über den roten Teppich marschiert, mit tollen Fotos und so weiter. Ja, also das ganze Ambiente ist natürlich nach wie vor höchst feierlich und man hat den Eindruck, sowas wie Medienkrise gibt es nicht, wenn man da sieht, was da ausgeschenkt und serviert wird im Hotel Adlon, also die erste Adresse in Berlin. Aber die Politprominenz, die ist einfach nicht mehr so vertreten wie früher. Der Bundespräsident, der kommt, aber für den ist das auch ein Pflichttermin. Er muss den Ball eröffnen mit einem Tanz mit seiner Frau. Aber ansonsten aus dem Kabinett habe ich zwei Vertreter gesehen, Carsten Schneider und Stefanie Hubig. Von der Union war lediglich Jens Spahn da, von denen, die ich gesehen habe, also der Fraktionsvorsitzende immerhin. Aber so wie früher, dass man da durchlief und dachte, hier ein Top-Politiker neben dem Nächsten, so war es nicht.
Sprecher 2: Die Idee war ja mal, dass nach einem anstrengenden Jahr, früher war das ja im November, der Bundespresse bei Politik und Medien, mal durchatmen und vielleicht auch die großen öffentlichen Streitereien und Konflikte beiseite legen und tanzen. Es ist schon inzwischen ein Medien-Bubble-Presse unter sich ball geworden. Und ich finde es übrigens auch nicht schlimm. Also jetzt müssen wir uns dafür rechtfertigen, dass wir auch mal einmal zusammen in der Bubble feiern und tanzen. Why not? Dann nennen wir das Ding halt Medienpresseball Berlin und ist auch in Ordnung. Dann würde ich trotzdem wiederkommen.
Sprecher 3: Und nur falls jemand sich falsche Gedanken macht, es ist ja nicht so, dass das von irgendwem finanziert sei oder gar staatlicherseits. Nein, diese Tickets sind ganz schön teuer, die muss man sich selber kaufen und auch selber bezahlen. Also jeder, der da feiert, kann das tun, aber man muss nun nicht irgendwie befürchten, dass man da beeinflusst oder sonst irgendwas würde. Aber wir haben natürlich dieselbe Diskussion, Michael, die wir schon mit Blick auf die Sommerfeste und so weiter gefeiert haben. Das Bild, das da draußen entsteht, wenn man dann doch den einen oder anderen Politiker sieht und die Journalisten, die mit einem Glas in der Hand dort stehen, dann hat man natürlich das Gefühl, ah ja, siehst du, die stecken doch alle unter einer Decke. Ich kann nur sagen, vom Freitag viele gute Gespräche geführt, auch schön getanzt, aber... Mit niemandem unter einer Decke gesteckt.
Sprecher 2: Nein, und dass es Sponsoren bei einer Veranstaltung gibt, die im Hotel Adlon stattfindet, wo 2000 Gäste kommen, ist eine Selbstverständlichkeit. Das heißt aber nicht, dass die Tickets nicht bezahlt werden müssen. Und sie werden eben von denen bezahlt, die den Ball selbst tragen. Das ist die Bundespressekonferenz und dieser Verein ist nun mal ein besonderer. Es gibt ihn so nirgendwo auf der Welt. Die Hauptstadtjournalisten haben ihren eigenen Verein gegründet, der eben dreimal in der Woche die Regierungssprecher und die Ministeriensprecher einlädt, um ihnen Fragen zu stellen. Ein unabhängiger Verein und der darf auch mal einmal im Jahr feiern. Zumal er einen Preis verliehen hat, auch dieses Jahr wieder an ausgewiesen exzellente, tolle Kollegen. In diesem Fall ein besonders guter Kollege, Andreas Rinken nämlich.
Sprecher 3: Andreas Rinke, dem wir herzlich gratulieren und es ihm vom Herzen gönnen. Er ist der Mann, der immer und überall dabei ist, uns auch informiert durch seine Thomson Reuters sehr guten Agenturmeldungen, wenn wir mal nicht nachts um vier im Kanzleramt sitzen, bei irgendeiner zum Beispiel MPK, über die wir jetzt gerade gesprochen haben. Ein großartiger Journalist und so verdient lieber Andreas herzlichen Gruß.
Sprecher 2: Seit fast 21 Jahren beobachtet er die Kanzlerin oder den Kanzler. Wir werden sehen, wie lange noch Helene Bubrowski und Michael Bröker diese Politik beobachten. Für heute ist jedenfalls Schluss. Wir gehen jetzt tänzelnd aus diesem Podcast, freuen sich auf morgen. Dienstag, den 21. April sind wir ab 5 Uhr wieder für Sie da.
Sprecher 3: Tschüss.
Sprecher 12: Friday night and the lights are low. Looking out for a place to go. Where the better the right music, getting in the swing, you'll come to love for a thing. Anybody could be that guy. Night is young and the music's high. With a bit of rock music, everything's fine. You're in the mood for dance. And when you get the chance.
Sprecher 4: Ingrid und Indeed präsentieren Jobs, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Heute Friseurin.
Sprecher 13: Etwas nachschneiden bitte. Nur die Spitzen. Was ist das? Heckenschere. Viel effizienter. Die ist für Büsche. Ganz genau. Ingrid!
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