Wer wird bei der Steuerreform entlastet? Mit Fritz Güntzler.
Die schwarz-rote Koalition diskutiert die Reform der Einkommensteuer. Es deutet sich an, dass der Spitzensteuersatz angehoben werden könnte. Entlastungen soll es für kleine und mittlere Einkommen geben,
Fritz Güntzler, Steuerexperte der CDU-Fraktion, hält ein Entlastungsvolumen von rund zehn Milliarden Euro für realistisch. Den Spitzensteuersatz sieht er als verhandelbar – solange Unternehmen nicht belastet werden. „Die Zahlen sind meines Erachtens nicht in Stein gemeißelt, aber wenn, geht es nur moderat nach oben."
[05:53]
Donald Trump verlegt nach Medienberichten die USS George H.W. Bush und 10.000 weitere Soldaten Richtung Straße von Hormus.
Über die pakistanische Regierung stehen Teheran und Washington in Kontakt. Unter anderem wird angeblich auch über eine Verlängerung der Waffenruhe um zwei Wochen verhandelt.
[01:28]
Das Bundesverfassungsgericht hat die Bundesregierung zu Nachzahlungen an Beamte in Millionenhöhe verpflichtet. Der Steuerzahlerbund hat ausgerechnet, dass die Kosten für die deutschen Beamten auf 80 Milliarden Euro jährlich steigen könnten.
[04:24]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Donald Trump erhöht den Druck auf den Iran. Laut Berichten soll jetzt ein dritter Flugzeugträger inklusive Begleitschiffen auf dem Weg sein zur Straße von Hormuz. Gleichzeitig sprechen die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Iran. Wir bringen Sie mal auf den aktuellen Stand der Lage.
Sprecher 3: Während in Deutschland überall über Einsparmaßnahmen diskutiert wird, steigen die Kosten für die wichtigsten Mitarbeiter unseres öffentlichen Dienstes, die Beamten, immer weiter an. Warum der Soll trotz Krise weiter erhöht wird und was der Steuerzahlerbund als Konsequenz fordert, dazu hier gleich Paul Smear.
Sprecher 2: Schwarz-Rot hat sich festgelegt, am 01.01.2027 soll eine neue Einkommenssteuerreform greifen. Aber wie genau soll die eigentlich aussehen? Darum gab es am vergangenen Wochenende im Koalitionsausschuss heftige Debatten. Wir sagen Ihnen, wer dahinter den Kulissen eigentlich was wollte. Und wir diskutieren die Reform mit dem Steuerexperten der Unionsfraktion und dem gleichzeitig auch noch Käpt'n des FC-Bundestages, Fritz Günstler.
Sprecher 3: Und zum Schluss sagen wir Ihnen noch, wie zuverlässig die KI-Suche von Google ist. Und das alles hier mit hundertprozentiger menschlicher Intelligenz. Flo und ich, Helene Weilt, auf einer Veranstaltung und ist erst morgen wieder da. An diesem Donnerstag, den 16. April. Herzlich willkommen.
Sprecher 4: Ingrid und Indi präsentieren Jobs, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Heute Heizungsmonteurin. Die Heizung macht seit heute Morgen komische Geräusche.
Sprecher 5: Entschuldigen Sie, das ist ein geiler Beat.
Sprecher 4: Die Rohre platzen gleich.
Sprecher 5: Und jetzt der Drop.
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Sprecher 6: Sources tell Bloomberg the U.S. And Iran are considering extending their ceasefire by another two weeks to allow more time to negotiate a peace deal. That optimism pushed stocks to record highs. Iran on the brink, the U.S. Naval blockade entering day three, cutting off all shipping into and out of Iran. The Wall Street Journal now reporting the two sides have agreed in principle to meet, but have not yet decided on a date or a venue.
Sprecher 7: Direct talks between the United States and Iran could resume as early as this week. Overnight, he told Fox News that the economic impact of the war was actually lower than he anticipated, and he sees the conflict as being over soon.
Sprecher 8: To stop a nuclear weapon to be used against this country or the Middle East, anybody in the Middle East, they were going to take out the Middle East. To stop that, it was certainly worthwhile, being much higher than it is right now. If you told me that we were going to be at only 92 a barrel, $92 a barrel.
Sprecher 2: Die Washington Post berichtet, dass angeblich bis zu 10.000 weitere Soldaten jetzt in den Nahen Osten verlegt werden sollen von den USA. Dazu gehört ein Flugzeugträger, die USS George H.W. Bush und die dazugehörigen Begleitschiffe. Das sind insgesamt 6.000 Soldaten, die da stationiert sind. 4.000 weitere Marines sollen dann gegen Monatsende in der Region eintreffen. Also Säbelrasseln würde wohl Frank-Walter Steinmeier dazu sagen, was da passiert. Auf der anderen Seite durchaus.
Sprecher 3: Es ist auch Entspannungssignale, denn gerade zwischen den Vereinigten Arabischen Emirate, die von iranischen Drohnen ja getroffen wurden, und dem Iran soll es wieder Gespräche geben, um eben den Friedensprozess im Gang zu halten.
Sprecher 2: Ja, generell, die Verhandlungen sind ja gescheitert letzte Woche oder am Wochenende genauer gesagt. Und man weiß nicht so wirklich, gibt es da jetzt eigentlich einen Anschlusstermin oder nicht. Und da kommt es wieder darauf an, wem glaubt man denn da? Laut Donald Trump ist er sehr, sehr zuversichtlich, dass noch in dieser Woche weitere Gespräche über einen Frieden oder Friedensstil stattfinden werden. Was man irgendwie nicht so richtig glauben kann, wenn man zeitgleich da noch 10.000 Soldaten in die Gegend schickt.
Sprecher 3: Ja, und zumal Pakistans Premierminister, der ja dann eine wesentliche Rolle bei diesem Fahren und Spielen müsste, eigentlich jetzt gerade eine mehrtägige Reise nach Saudi-Arabien, Katar und in die Türkei gestartet hat, wo er natürlich auch über diesen Frieden verhandeln will, aber eben nicht mit den Amerikanern. Also wieder einmal Mixed Messages, wie der Amerikaner sagen würde.
Sprecher 2: Es bleibt eine verzwickte Lage beim Iran-Krieg, die aber, und das merkt man jetzt immer mehr, auch hier bei uns größere Konsequenzen hat, vor allen Dingen für alle, die neue Strom- oder Gasverträge abschließen oder bei denen dann jetzt die Preisbindung ausläuft. Da gab es jetzt diverse Vergleichsportale, die sich das mal angeguckt haben und gesagt haben, oh, oh, oh, der Gaspreis für Neukunden, der ist so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Eine Kilowattstunde kostet jetzt im Schnitt so ungefähr 11 Cent. Das sind stolze 30 Prozent mehr als noch direkt vor dem Iran-Krieg.
Sprecher 3: Alle reden über Einsparmaßnahmen vom Gesundheitssystem über den Bundeshaushalt. Und dann kam diese Nachricht auch gestern überraschend. Denn es klingt zumindest auf den ersten Blick widersprüchlich. Nachzahlungen in Millionenhöhe für die deutschen Beamten. Allerdings ist das eben eine Konsequenz aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Und der Alexander Dobrindt, der Innenminister und der Herr über die Beamten, ist dazu verpflichtet, diese auszuzahlen. Voraussichtlich und rund 3,5 Milliarden Euro jährlich wird der Haushalt zusätzlich belastet, um diesem Urteil zu folgen. Das führt natürlich zu einer neuen Debatte über die Beamtenbesoldung.
Sprecher 2: Ja, das eine sind die Gehälter, Mick, das andere sind dann natürlich die Folgekosten, also anstehende Pensionsansprüche und so weiter und so fort. Der Steuerzahlerbund, der warnt schon davor, dass das wirklich sich auf Rekordsummen hochsummiert. Bis zu 80 Milliarden pro Jahr könnte dann alleine nur für die Beamten ausgegeben werden.
Sprecher 3: Ja, insgesamt wird uns dieser Staatsapparat, man kann es so sagen, zusammen mit den Verwaltungskosten dann im Jahr mehr als 80 Milliarden Euro kosten. Das sagt zumindest der Bund der Steuerzahler. Jedenfalls sind diese Einlassungen geeignet, um der Politik doch nochmal ins Stammbuch zu schreiben, dass sie bei all den Maßnahmen, die sie da in den nächsten Wochen erdenkt, vielleicht auch an eine grundlegende Pensionsreform denkt.
Sprecher 9: 22.300.146 Milliarden. Was haben diese drei Zahlen miteinander zu tun? Sie stehen für den wirtschaftlichen Abstieg unseres Landes. Alle 22 Minuten geht eine deutsche Firma pleite. 300.000 verlorene Jobs, alleine in der Metall- und Elektroindustrie. Und 146 Milliarden, die wir jedes Jahr nur für sinnlose Bürokratie verschwenden. Zeit zu wenden. Warum jetzt nur noch große Reformen helfen.
Sprecher 2: Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD sind keine Steuererhöhungen geplant. Erstmal, wenn man sich das ganz genau durchliest. Aber, und jetzt wird es ja knifflig, es steht auch nicht explizit drin, dass das ausgeschlossen ist. Es steht nur drin, dass man eine Einkommenssteuerreform will, um kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. So, und das soll jetzt bis zum 01.01.2027 passieren.
Sprecher 3: Ja, und hier kommt es wirklich auf jeden Halbsatz, vor allem auf den nicht geschriebenen Halbsatz an, denn wenn man nur die kleinen und mittleren Einkommen entlastet, muss man die Spitzenverdiener nicht entlasten. Und genau das war das Thema beim Koalitionsausschuss, so wie wir von mehreren Teilnehmern gehört haben. Gab es da weitgehend Konsens bei Bundeskanzler Merz, sogar bei CSU-Chef Söder, bei mehreren Beteiligten im Kanzleramt, dass man diese breite Entlastung zumindest teilweise finanzieren sollte durch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes, der derzeit bei 42 Prozent liegt, auf etwa 45 Prozent und des reichen Steuersatzes, des sogenannten, der heute bei 45 Prozent liegt, auf zum Beispiel 48 Prozent. Verschiedene Szenarien wurden da diskutiert. Entscheidend ist natürlich, dass man nicht die gesamte Entlastung unten oben finanzieren kann. Aber man kann dafür sorgen, dass jemand, der oben Topverdiener ist, zumindest nicht auch entlastet wird, wenn unten der Tarifverlauf nach rechts verschoben wird.
Sprecher 2: Ja, da gab es ja schon verschiedene Vorschläge in den letzten Wochen und Monaten, beispielsweise dass der Spitzensteuersatz erst deutlich später greift. Also 80.000 Jahresgehalt brutto war da mal im Gespräch. Ist das jetzt die Diskussionsgrundlage, auf der man sich da irgendwie angenähert hat? Oder was hast du da gehört?
Sprecher 3: Genau das ist der Punkt, Flo, denn wenn du diesen Tarif-Eckwert nach rechts verschiebst, also zum Beispiel bei 80.000 Euro erst den Spitzensteuersatz greifen lässt, dann profitieren natürlich alle, die in diesem Bereich und drüber verdienen, von der Rechtsverschiebung des Tarifs. Ein linear progressiver Tarif sorgt dafür, dass alle dann bei dieser Rechtsverschiebung erstmal entlastet werden. Und nun wollen die SPD sowieso, aber eben auch Teile der Union, dass man den Spitzenverdienern diese Entlastung, die eigentlich alle bekommen, oben wieder wegnimmt, indem man ihn beim Grenzsteuersatz, also der Steuersatz, der auf den nächstverdienten Euro entfällt, das wieder zurücknimmt, sodass für Spitzenverdiener, sagen wir mal ab 200.000 Euro, 230.000 Euro, also kurz vorm reichen Steuersatz, dass die dann eben im Saldo keine Entlastung haben. Das kann die SPD natürlich als Beitrag der Reichen, wenn man so will, verkaufen. Die Union könnte aber auch sagen, eigentlich gibt es ja eine Steuersenkung für einen Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber eben nicht für die Topverdiener. Nur Jens Spahn, der soll sich aufgeregt haben und gesagt haben, das könne man mit seiner Fraktion so nicht machen. Auch eine Anhebung des Grenzspitzensteuersatzes, wie es ganz korrekt heißen müsste, sei mit seiner Fraktion so. Nicht zu machen, deswegen keine Einigung, deswegen noch weitere Beratungen.
Sprecher 2: Ja, einer, der sich qua Amt schon sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt, ist der CDU-Abgeordnete Fritz Günstler. Der studierte Betriebswirt und Steuerprüfer sitzt seit 2013 im Bundestag und ist auch Teil des Finanzausschusses. Also wenn es um Fragen rund um das Thema Steuern geht, dann gibt es wahrscheinlich kaum jemanden, der da so gut Bescheid weiß und so präzise antworten kann wie der Kapitän des FC Bundestags.
Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, Herr Günstler.
Sprecher 10: Hallo Bröker.
Sprecher 3: Erklären Sie mal, wann kommt denn jetzt diese große Steuerreform, die Sie alle im Wahlkampf versprochen haben?
Sprecher 10: Ich hoffe bald. Wir haben ja Mitte der Legislaturperiode versprochen, wir haben es ja jetzt nochmal im Koalitionsausschuss bestärkt und zum 01.01.2027 soll es in Kraft treten. Also von daher haben wir nicht mehr viel Zeit, das jetzt umzusetzen und wir fangen mit den Beratungen an. Erste Ideen liegen auf dem Tisch.
Sprecher 3: Ja, ich habe schon gehört, im Koalitionsausschuss gab es heftige Debatten rund um Spitzensteuersätze. Wozu wäre denn Fritz Günstler bereit als wichtigster Finanzpolitiker der Union? 45, 47, 49 Prozent.
Sprecher 10: Ich möchte erstmal die Bürgerinnen und Bürger entlasten. Denn das haben wir versprochen, dass wir untere und mittlere Einkommensgruppen entlasten wollen. Das werden wir uns genau ansehen müssen, wie wir das machen. Wir werden den Grundfreibetrag an erhöhen müssen. Wir werden Tarif-Eckwerte, das ist sehr technisch, verschieben müssen. Dann wird es ein mathematisches Modell sein, wie wir das machen. Und da kann es durchaus sein, rein rechnerisch, wenn man den Durchschnittssteuersatz nicht... Für alle senken will, sondern vielleicht für manche, die sehr viel Geld verdienen, ist auch neutral. dann wird man am Grenzsteuersatz was machen müssen. Derzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, der sogenannte Reichensteuersatz bei 45 Prozent. Die Zahlen sind meines Erachtens nicht in Stein gemeißelt, aber wenn, geht es nur moderat nach oben.
Sprecher 3: Müssen wir mal erklären, es geht um den Grenzsteuersatz in der Spitze, nicht um den Durchschnittssteuersatz. Bin mir gar nicht sicher, ob jeder in der Unionsfraktion den Unterschied kennt.
Sprecher 10: Doch, nach meinen Vorträgen schon.
Sprecher 3: Also, Herr Gützler, man könnte für wenige Spitzenverdiener... Den Spitzensteuersatz für den nächstverdienten Euro nach oben setzen, aber trotzdem in der Breite sogar auch Gutverdiener entlasten, weil man die Tarifwerte in der Mitte nach rechts verschiebt. Habe ich es richtig verstanden?
Sprecher 10: Ja, weil auch jeder Gutverdiener hat ja untere Einkommensgruppen, die entlastet werden. Und wenn man ihn sozusagen auf Null stellen würde, dann muss man ihn logischerweise oben mehr belasten, weil man sagt, wir legen das Augenmerk auf die unteren und mittleren Einkommensgruppen und wir haben leider nicht das Geld, alle Einkommensgruppen derzeit zu entlasten.
Sprecher 3: Und deswegen müssen Sie doch nur die Frage beantworten, wie groß oder wie klein ist die Gruppe dieser Superspitzenverdiener, die Sie am Ende nicht entlasten werden. Das kann ja nur eine ganz kleine Gruppe sein. Das ist ja Mathematik.
Sprecher 10: Ja, und darum gibt es verschiedene Modellrechnungen. Es gibt Berechnungen, wo man sieht, dass es eine moderate Mehrbelastung geben könnte bei 400.000 Steuerpflichtigen. Es kann auch weniger sein, aber das ist dann eine feine Modulierung. Und wir müssen zunächst die Entscheidung treffen, wie hoch soll die Gesamtentlastung sein. einer Einkommenssteuerreform, was können wir uns leisten? Und wenn der Betrag feststeht, dann ist es, wie von Ihnen gesagt, reine Mathematik, dann kann man den Tarif verschieden gestalten. Aber es ist wirklich wichtig zu sagen, dass wir immer über Grenzsteuersätze reden, also über den zusätzlich verdienten Euro. Also auch einer, der sehr viel Geld verdient, bezahlt ab 277.000 Euro nicht. Auf den ganzen Betrag 45 Prozent, sondern er zahlt auf den Euro drüber die 45 Prozent. Und dann ist eben die Frage, die man mal beantworten muss, wenn jemand darüber 100 Euro hat, der zahlt derzeit darauf 45 Euro. Wenn der in Zukunft von den 148 zahlt, um mal eine Zahl zu nennen, oder 47, Glaube ich, ist das vertretbar, denn wie ich immer sage, auch Geld hat einen abnehmenden Grenznutzen.
Sprecher 3: Genau die Theorie wollte ich gerade nennen. Ein Millionär, ob der diesen zusätzlich verdienten Euro so dringend benötigt, ist jedenfalls etwas anderes als bei demjenigen, der 1500 Euro im Monat hat.
Sprecher 10: Ja, wichtig ist, Herr Bröker, dass wir es schaffen, dass diese Einkommenssteuer, die ist ja für viele Unternehmen auch die Unternehmenssteuer, dass wir Möglichkeiten schaffen, dass für die Unternehmen eine ähnliche Besteuerung hinzubekommen bei den Kapitalgesellschaften, dass die keine Mehrbelastung haben, solange jedenfalls die Gewinne im Unternehmen bleiben und dort für Investitionen und Innovationen genutzt werden können.
Sprecher 3: Oder sie schneller wählen können, also die Option verbreitern, dass man eben nicht im persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert wird, sondern wie eine Kapitalfirma.
Sprecher 10: Genau, da haben wir ja Regelungen im Gesetz, die sind gut, die könnten aber noch besser werden, damit sie angewandt werden, aber das muss zwingend mitgedacht werden, dass das... was als mögliche moderate Erhöhung entstehen könnte, eben nicht den Unternehmerschonungsbereich betrifft, sondern nur den privaten Bereich. Und das ist zwingende Voraussetzung, dass wir überhaupt über diese Dinge nachdenken.
Sprecher 3: Aber Herr Günther, dann machen wir doch mal Tachles. Gibt es die Grundsatzentscheidung für die Union, wie groß das Entlastungsvolumen insgesamt eigentlich für die Steuerzahler sein soll?
Sprecher 10: Darüber diskutieren wir gerade. Ja, also wir sind sehr meinungsfreudig.
Sprecher 3: Ab wann ist eine Steuerreform entlastend? 5 Milliarden, 10 Milliarden?
Sprecher 10: Ab dem ersten Euro, definitorisch.
Sprecher 3: Definitorisch ja, aber in der Breite spürbar? Was würden Sie sagen?
Sprecher 10: Also ich persönlich würde mal eine Hausnummer von 10 Milliarden in den Raum stellen. Das ist aber nicht in Stein gemeißelt. Ich glaube auch, wir sollten mal aufhören, bevor wir in die Verhandlungen gehen, immer unsere roten Linien aufzumalen, sondern vielleicht ein Korridor zu haben, in dem man nachdenken könnte und mit diesem Korridor in die Gespräche zu gehen. So verhandeln wir übrigens zurzeit bei den Finanzpolitikern. Wir haben 16 Gesetze durchgebracht, ohne dass die Öffentlichkeit groß damit behelligt wurde.
Sprecher 3: Oh, da kriegt man ja eher Angst.
Sprecher 10: Ja, na gut, aber die Frage ist, wer sich immer durchgesetzt hat. Aber ich will sagen, die Menschen haben die Erwartung, nicht, dass wir uns gegenseitig sagen, was mit uns nicht geht, sondern die wollen wissen, was gemeinsam geht. Darauf setze ich, dass nach dieser Verständigung im Koalitionsausschuss ab 1.1.2027 eine Reform der Einkommenssteuer umzusetzen, dass jetzt diese Gespräche stattfinden. Der Instrumentenkasten ist riesengroß.
Sprecher 3: Aber Herr Günzler, dafür gab es Koalitionsverhandlungen. Warum die grundsätzliche Bereitschaft von Union und SPD, bei der Steuer die Mitte zu entlasten, nicht auch schon damals konkret reingeschrieben wurde, zum Beispiel mit einer Summe, mit einem Zeitplan?
Sprecher 10: Weil das damals doch nicht so war, dass wir uns so schnell einigen konnten, wie wir fertig werden mussten. Ich war ja in der zuständigen Arbeitsgruppe, weil es doch auch dort Unterschiede gab. Wir haben es dann in die 19er-Gruppe gegeben und dann sind die Formulierungen im Koalitionsvertrag rausgekommen. Wir sehen aber alles, was konkret verhandelt, und schriftlich niedergelegt wurde, ist einfacher umzusetzen. Ich nenne die Umsatzsteuer in der Gastronomie. Andere Fragestellung, weil man dann nicht mehr in die Diskussion eintreten muss.
Sprecher 3: Sie gelten als jemand, dem selbst der Bundeskanzler in steuerpolitischen Fragen zuhört. Ist er denn bereit, den Grenzspitzensteuersatz anzuheben?
Sprecher 10: Das kann ich nicht beantworten. Er hört sich alle Modelle gerne an. Ich glaube, er möchte, dass es eine Entlastung der Bürgerinnen und Bürger gibt. Und er möchte, dass das zum Erfolg wird. Und wir brauchen dafür eine Mehrheit im Deutschen Bundestag und übrigens auch eine Mehrheit im Bundesrat. Die Länder sind auch betroffen. Die haben sich bis jetzt sehr störrisch gezeigt, wenn es um Steuerreform geht, weil sie nicht bereit sind, ihren Teil dazu beizutragen.
Sprecher 3: Wir wollten doch jetzt hier nicht über Markus Söder reden, Herr Gönzler.
Sprecher 10: Den muss ich hier ausdrücklich in Schutz nehmen, weil der Freistaat Bayern eigentlich bei Steuerreform immer dabei ist. Es sind andere Länder, auch Unionsländer teilweise, die da ein bisschen störrischer sind.
Sprecher 3: Na gut, dann reden wir jetzt nicht über den Norden Deutschlands. Herr Günzler, die Mehrwertsteuer ist auch in der Debatte. Ist das angesichts der immer härteren Inflation in den... den steigenden Preisen überhaupt noch ein Denkmodell?
Sprecher 10: Es war ein Denkmodell, glaube ich, vor der Krise, vor dem März diesen Jahres, weil rein volkswirtschaftlich betrachtet muss man sich angucken, was für ein Verhältnis haben wir von den sogenannten indirekten Steuern, also die auf dem Konsum liegen, wie bei der Umsatzsteuer und den direkten Steuern, wie die Einkommenssteuer zum Beispiel. Und da sehen wir, da haben wir eine gewisse Unwucht. Also Ökonomen sagen uns, es ist klüger, den Verbrauch zu besteuern, höher zu besteuern und das Geld erstmal bei den Menschen zu lassen und die Einkommenssteuer zu senken. Darüber hätte man nachdenken können. Haben wir intern auch viel darüber diskutiert, auch mit Fachleuten darüber diskutiert. Aber bei einer Inflation, die knapp unter 3% derzeit liegt, nochmal da was draufzulegen, halte ich für volkswirtschaftlich, aber auch politisch für unklug.
Sprecher 3: Das ist eine klare Haltung zu diesem Thema. Zum Abschluss, Herr Günzler, Sie sind so eine Art Gegenspieler im Bundestag des Finanzministers Lars Klingbeil. Hat der mal eine Ahnung von Finanzen?
Sprecher 10: Wir kommen gut miteinander aus. Wir sind beide Fans des FC Bayern München. Ich beneide ihn.
Sprecher 3: Wenn Sie das schon als erstes sagen, dann ahne ich, was Sie wirklich denken.
Sprecher 10: Also wer Bayern-Fan ist, hat schon eine Grundintelligenz nachgewiesen.
Sprecher 3: So wie die Finanzen sein ist, das kann man dem FC Bayern nicht vorwerfen.
Sprecher 10: Und er ist Mitglied des Verwaltungsrates FC Bayern München. Also wir arbeiten sehr gut zusammen. Er ist per se kein Finanzpolitiker, ist er ja nie gewesen, daraus macht er auch keinen Hehl.
Sprecher 3: Will er eine Steuerreform?
Sprecher 10: Ich glaube ja.
Sprecher 3: Auch mit einer Entlastung?
Sprecher 10: Ja, ich bin zutiefst...
Sprecher 3: überzeugt aus den vielen Gesprächen mit Lars Klingbeil, dass er erkannt hat, dass wir Reformen in unserem Land brauchen. Ich weiß nicht, ob das jeder in seiner Partei schon erkannt hat. Also was ist jetzt realistischer, dass der FC Bundestag bei der Europameisterschaft der Parlamentarier-Mannschaften in diesem Sommer den Titel holt oder dass es eine kräftige Entlastung der deutschen Steuerzahler mit mindestens zweistelligen Milliardenbetrag gibt? Wir holen das Double. Beides kommt. Vielen Dank, lieber Herr Günzler. Flo, war noch was?
Sprecher 2: Es gibt jetzt ja diese neue Google-Funktion, dass wenn man in der Suche eine Frage eingibt, dass es dann eine kI-generierte Zusammenfassung aller möglichen Antworten gibt.
Sprecher 3: Genau, man kriegt gar keine normale Suchanfrage mehr mit den meist vielleicht auch besuchten Seiten, sondern schon eine Art inhaltliche Antwort auf das, was man da so eingegeben hat.
Sprecher 2: Ja, was ja, wenn man nur eine kurze Frage hat, eigentlich auch super praktisch ist. Aber dieses Feature ist wirklich mit Vorsicht zu genießen, denn die New York Times, die wollte das jetzt genauer wissen, hat einen Studienauftrag gegeben und da kam jetzt raus, dass jedes zehnte Ergebnis, was da bei dieser Zusammenfassung rauskommt, fehlerhaft ist.
Sprecher 3: Okay, gibt es auch Beispiele, was da genau falsch gemacht wurde?
Sprecher 2: Ja, also es sind zum Beispiel Daten, die dann falsch angegeben werden, Geburtsdaten beispielsweise oder irgendwelche Eintrittsdaten. Es gibt falsche Berufsbezeichnungen oder manche Personalien werden einfach gar nicht erst aufgelistet oder Umsatzzahlen sind falsch oder aus einem falschen Jahr. Wenn man fragt beispielsweise, wann hat denn Mick Brücker Geburtstag und dann kommt da ein Geburtstag raus, was dich ungefähr drei, vier Jahre älter macht. Also das muss man alles dann tatsächlich nochmal gegenchecken. Und das ist irgendwie das komplette Gegenteil von dem, was man eigentlich haben wollte.
Sprecher 3: Dabei weiß ja jeder, dass ich gerade erst 38 Jahre alt geworden bin. Insofern, der Allmächtige Mr. Google, auch er kann manchmal, oder Sie, denn daneben liegen in diesem Sinne morgen wieder einmal. Wenn Sie allerdings Google fragen, ob morgen früh um 5 Uhr Table Today wieder in Ihrem Podcast-Kanal des Vertrauens erscheint, dann kann ich Ihnen sagen, ja, ist die einzig richtige Antwort. In diesem Sinne, bis morgen. Ciao, ciao.
Sprecher 2: Ciao.
Sprecher 1: Ingrid.
Sprecher 4: Und Indeed präsentieren Jobs, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Heute Friseurin.
Sprecher 11: Etwas nachschneiden bitte. Nur die Spitzen. Was ist das? Heckenschere. Viel effizienter. Die ist für Büsche. Ganz genau. Ingrid!
Sprecher 4: Das ist ein Job für Premium-Stellenanzeigen. Mit richtigen Profis wäre das nicht passiert. Vertraue Ingrid, versuch Indeed und finde qualifizierte Talente mit Premium-Stellenanzeigen. Mach's dir Indeed einfach. Jetzt auf indeed.de slash recruiting.