Die Reformideen von Schwarz-Rot
Was ist von dem Entlastungspaket zu halten, auf das sich Union und SPD geeinigt haben? Kritik kommt vor allem an der befristeten Senkung der Energiesteuer. Denn diese Wiederauflage des Tankrabatts könnte am Ende vor allem den Mineralölkonzernen zugutekommen. [01:47]
Die USA blockieren die Straße von Hormuz. Einige Tanker sollen schon abgedreht sein. US-Präsident Donald Trump behauptet, der Iran sei inzwischen zu weiteren Gesprächen bereit. [09:38]
Wolfgang Kubicki oder Henning Höhne – die FDP entscheidet auf dem nächsten Parteitag, wer die Partei neu aufstellt. Henning Höhne sagt zum Wettbewerb um den Spitzenposten: „Neues Vertrauen gewinnt man besonders gut mit neuen Gesichtern.“ [11:54]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die Regierung kommt nun ins Doing. So hätte das vielleicht Olaf Scholz bezeichnet, der Kanzler der Ampel. Und tatsächlich sind es nun auch Ampelmaßnahmen, die wieder auf den Tisch kommen. Zum Beispiel die Senkung der Mineralölsteuer. Aber auch anderes, die Pläne für die Gesundheitsreform und die Einkommenssteuerreform auf abgabenfreie Einmalzahlungen und so weiter. Das soll jetzt ganz schnell auf den Weg gebracht werden, was Union und SPD in den letzten Tagen da ausgehandelt haben. Darüber sprechen wir heute.
Sprecher 3: Die Straße von Hormuz, sie kommt nicht zur Ruhe. Jetzt will die USA diese wichtige Meerenge für die Weltwirtschaft unter Kontrolle bringen. Seit gestern 16 Uhr blockieren die USA eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Gas. Warum Trump glaubt, mit diesem riskanten Manöver Erfolg zu haben, darüber diskutieren wir gleich auch noch kurz.
Sprecher 2: Der alteingesessene Wolfgang Kubicki oder doch der junge Aufstrebende Henning Höhne? Das ist jetzt die Frage, die die FDP auf dem nächsten Parteitag entscheiden muss. Wer soll bzw. Kann die Partei neu aufstellen und zum Erfolg führen bzw. Aus dem tiefen Tal herausführen? Das trifft es vielleicht eher. Kubicki, den hatten wir ja hier in der vergangenen Woche schon im Interview. Und jetzt fragen wir seinen Herausforderer Henning Höhne, welchen Ansatz er verfolgt.
Sprecher 3: Von Table in den Herausgeberrat der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und warum Helene Bubrowski tatsächlich Mediengeschichte schreibt, aber mich dafür verlassen muss, darüber reden wir natürlich auch noch zum Schluss, an diesem Dienstag, den 14. April.
Sprecher 2: Aber noch bin ich ja da und auch noch für einige Zeit.
Sprecher 4: 22. 300.146 Milliarden. Was haben diese drei Zahlen miteinander zu tun? Sie stehen für den wirtschaftlichen Abstieg unseres Landes. Alle 22 Minuten geht eine deutsche Firma pleite. 300.000 verlorene Jobs, alleine in der Metall- und Elektroindustrie. Und 146 Milliarden, die wir jedes Jahr nur für sinnlose Bürokratie verschwenden. Zeit zu wenden. Warum jetzt nur noch große Reformen helfen.
Sprecher 5: Ja, meine Damen und Herren, schönen guten Morgen. Ich freue mich, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind, heute Morgen zu einer Pressekonferenz. Sie haben es mittlerweile mitbekommen. Wir vier, die vier Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD, haben das Wochenende miteinander verbracht und intensiv über...
Sprecher 2: Ist das jetzt der Durchbruch für Schwarz-Rot? Sprechen wir über die Reformen und Entlastungspakete, die jetzt auf den Weg gebracht werden sollen. Und da geht es zunächst erstmal um die Energiepreise, insbesondere natürlich die Benzinpreise, die so hoch sind, dass es auch die Wahlkämpfer, die sich im Herbst zur Wahl stellen müssen, umtreibt und nun auch in der Koalition angekommen ist. Michael, was ist da geplant?
Sprecher 3: Ja, wir müssen zunächst mal über den Tankrabatt reden, den es ja im April 2022 schon gab bei der Ampel. Und damals übrigens sehr, sehr viel Kritik von Ökonomen zu dieser Maßnahme gab. Man senkt befristet die Energiesteuer. Das hat natürlich zunächst mal zwei Wirkungen. Ja, der Staat verdient nicht so sehr an den hohen Energiepreisen. Gleichzeitig haben die Mineralölkonzerne aber keine Anreize mehr, die Preise auch aus ihrer Sicht, also aus ihrer Tasche heraus weiter abzusenken, weil ja der Staat jetzt schon den günstigen Energiepreis subventioniert und man trifft eben alles. Es ist nicht zielgenau, also auch die Reichen, die Gutverdiener profitieren von dieser befristeten Energiesteuersenkung.
Sprecher 2: Und vor allem hatte diese Senkung der Mineralölsteuer im Jahr 2022 3,4 Milliarden Euro. gekostet. Also es war wahnsinnig teuer. Damals hatte man die Maßnahme ergriffen als Reaktion auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, wo auch die Preise hochgestiegen waren und wo auch die Wahlkämpfer damals Druck gemacht hatten. Wir erinnern uns an die Tankstellenbilder von besorgten Ministerpräsidenten, die um ihr Amt fürchteten. Das Interessante ist, dass bis vor kurzem die Lehre aus der damaligen Maßnahme war, so etwas machen wir nicht. Wieder aus den, Michael, von dir beschriebenen Gründen. Am Ende... Ist die Entlastung, die beim Verbraucher ankommt, viel zu gering und die Mineralölkonzerne verdienen viel zu viel. Das hatten bis vor kurzem wirklich noch die führenden Politiker alle ausgeschlossen und unter anderem gesagt, wir können nicht jede weltwirtschaftliche Herausforderung abfedern. Das muss man dann irgendwie auch anders verteilen, anders lösen. Jedenfalls nicht mit dieser Maßnahme und jetzt kommt sie doch. Der Druck war einfach zu hoch, um da dauerhaft Nein zu sagen.
Sprecher 3: Die Ökonomen sind gleichermaßen kritisch zu dieser Maßnahme, egal aus welcher ökonomischen Denkrichtung sie kommen. Philippa Siegel-Glöckner, die SPD-Kandidatin in München, die frühere, sie hält es für nachvollziehbar politisch. Klar, der Staat darf sich nicht auch noch bereichern an den hohen Preisen. Das war das Hauptmotiv für Lars Klingbeil, auch für diese Initiative. Aber ökonomisch eben problematisch, da nicht zielgenau. Aber auch der liberale Lars Feld aus Freiburg, der ehemalige Wirtschaftsweise, er sieht eben die Preissignale verfälscht und hätte lieber eine höhere Pendlerpauschale gesehen, weil dann die Anreize gezielt... Filter gesetzt werden, nämlich gerade für diejenigen, die viel pendeln. Und für eine Pendlerin, so rechnet er es hier bei uns im Interview aus, die 64 Kilometer zur Arbeit fährt, macht der Tankrabatt vielleicht gerade mal 20 Euro im Monat aus. Das wird also keinerlei Verhaltensänderung bei ihr hervorrufen können. Und es ist eben eine sehr teure Maßnahme. 1,6 Milliarden Euro kostet nur diese kurzfristige Senkung der Energiesteuer den Finanzminister. Und das Geld muss wieder an anderer Stelle irgendwo reingeholt werden.
Sprecher 2: Ja, und deswegen gibt es auch Kritik von anderer Seite. Wirtschaftsweise Monika Schnitzer nannte die Senkung der Energiesteuer die schlechteste der diskutierten Optionen. Dass die Linken dagegen sind, ist sowieso klar, denn, so argumentiert Heidi Reicheneck, es kommt nur den Mineralölkonzernen zugute und am Ende nicht den Verbrauchern. Also interessant, dass diese doch an sich sehr umstrittene Maßnahme mit zweifelhafter Wirkung jetzt kommt. Wahrscheinlich eben aus dem Grund, dass man sagt, nichts tun ist ja auch keine Option, wenn man auf die Preise an den Tankstellen guckt. Was aber interessant ist, ich war ja im Urlaub auf Zypern, wo das Benzin übrigens noch unglaublich günstig ist im Vergleich. Also 1,80 ungefähr kostet dort der Liter und man denkt sich, Moment mal, wie kann das denn sein? Warum? Ist denn jetzt diese Knappheit da so anders als bei uns? Also Fragen über Fragen beim Benzin. Warum ist es eigentlich vor Ostern immer teurer als zu anderen Zeiten im Jahr? Also, dass das nur zu erklären ist mit dem Weltmarkt, das ist sicherlich auch zu kurz gesprungen.
Sprecher 3: Kommen wir noch zu dem anderen Ergebnis dieses Koalitionsausschusses, der ja am Samstagabend in der Villa Borsig begann und am Sonntagspätenabend dann schließlich endete. Die Übergewinnsteuer soll auf europäischer Ebene überprüft werden und es gab da eine besondere Allianz von Markus Söder, der Lars Klingbeil beisprang, gegen den Willen der CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche und auch des Großteils der bürgerlich-liberalen Konservativen in der CDU, die das nämlich für falsch halten. Und sie haben ja gute Argumente, auch wenn man das verstehen kann, dass man irgendwie an die Konzerne ran will, die jetzt profitieren. Eine Übergewinnsteuer hat schon der Bundesfinanzhof geurteilt im Oktober 2025, ist immer willkürlich, weil der Schwellenwert, den du nimmst, ab wann ein Gewinn übernormal ist, der ist immer willkürlich per se. Und insofern wäre es besser gewesen, Marktmacht, so macht man es in der sozialen Marktwirtschaft, schlagt nach bei Ludwig Erhard über die Kartellämter zu attackieren und Wettbewerb sich anzuschauen, ob er noch funktioniert, aber nicht einzelne Gewinne von einzelnen Unternehmen oder Branchen abzuschöpfen.
Sprecher 2: Richtig Tempo gibt es jetzt auch beim Thema Gesundheitsreform. Da hat ja neulich die Kommission Vorschläge vorgelegt und das soll nun alles sehr schnell gehen. Am 29. April soll nun der Gesetzentwurf verabschiedet werden. Das Ziel ist es, dass die Beiträge zu den gesetzlichen Kassen stabil bleiben, dass die Ausgaben und die Einnahmenseite zusammengedacht werden und insbesondere darüber sprachen wir hier bei den Ausgaben gekappt werden. Denn Geld ist genug im System. 500 Milliarden Euro kostet unser Gesundheitssystem. Da ist nun Nina W. Marken am Zug, das, was die Kommission gemacht hat, was zum Teil schmerzhaft wird, in die Wege zu leiten.
Sprecher 3: Ja, Nina Wagen saß zwar nur im Nebenraum, als die Chefs verhandelt haben in der Villa Börsich, aber sie hat wohl angekündigt, wie wir recherchiert haben, dass sie bis zu 90 Prozent der 66 konkreten Maßnahmen, die diese Expertenkommission vorgelegt hat, auch tatsächlich umsetzen will. Das heißt, das wird dann wirklich alle treffen, von Apothekern bis Ärzten bis hin zu den Patienten. Denn die hatten ja schon Vorschläge vorgelegt, die alleine im nächsten Jahr 16 Milliarden Euro im System einsparen. Also wir sind gespannt, ob Nina Wagen am Ende auch diesen Mut ins Kabinett bringt.
Sprecher 2: Und dazu soll es noch eine Maßnahme geben, die von Arbeitgeberseite genutzt werden kann, nämlich die Möglichkeit Arbeitnehmern 1000 Euro im Jahr steuer- und abgabefrei zu geben. Also eine Art Bonus, so kann man es sagen, das soll gegenfinanziert werden durch die Erhöhung der Tabaksteuer, was übrigens noch einen zusätzlichen Nutzen hat, nämlich als Präventionsmaßnahme. Also teurer Tabak bedeutet weniger Raucher, bedeutet weniger Kosten für die Krankheiten, die durch Tabakkonsum entstehen, insbesondere natürlich Krebs. 97 Milliarden Euro, so schätzt man, sind die volkswirtschaftlichen Schäden durch den Tabakkonsum in diesem Land.
Sprecher 3: In dieser Woche soll es noch weiter beraten werden. Staatssekretäre werden die Gesetze jetzt konkret machen und im April geht es, wie gesagt, ins Kabinett. Wir sind gespannt, was diese Koalition noch vor sich hat. Die Rente und die Pflegereform kommt noch und es kommt noch der... Subventionsabbau, Helene, worüber auch geredet wurde, aber kaum berichtet, sind Sparmaßnahmen. Also wo kann diese Koalition tatsächlich auch weniger Geld ausgeben, der Staat sich zurückziehen? Und da gibt es durchaus Subventionsabbaulisten auch im Finanzministerium, die diskutiert werden. Da bin ich gespannt, wie Union und SPD vielleicht auch mal auf Ideen kommen, wo sie sich selbst als Politik, als Staat zurückziehen.
Sprecher 6: Ingrid und Indeed präsentieren Jobs, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Heute Steuerberaterin.
Sprecher 7: Wie sieht meine Steuererklärung aus? Super Neuigkeiten, Sie müssen dieses Jahr keine Steuern zahlen. Wie? Ich habe drauf geschrieben, nein danke. Das Finanzamt muss das respektieren. Ingrid!
Sprecher 6: Das ist ein Job für Premium-Stellenanzeigen. Mit richtigen Profis wäre das nicht passiert. Vertraue Ingrid, versuch Indeed und finde qualifizierte Talente mit Premium-Stellenanzeigen. Mach's dir Indeed einfach. Jetzt auf indeed.de slash recruiting.
Sprecher 8: We can't let a country blackmail or extort the world. Because that's what they're doing. They're really blackmailing the world. We're not going to let that happen. Many ships are heading to our country right now as we speak to load up with the best... Really, I guess you could say, somebody said the best and sweetest. I don't know exactly what sweet is, but when it relates to oil, it's a good thing. We've been called this morning.
Sprecher 2: Jetzt ist Donald Trump, der die Straße von Hormuz blockiert. Nach den gescheiterten Verhandlungen mit dem Iran in Islamabad kommt nun die nächste Eskalationsstufe. Dabei stand doch eigentlich im Papier der Iraner, der Vorschlag war, dass Iran die Straße von Hormuz künftig kontrollieren sollte, sich dort Einnahmequellen erhoffte. Und jetzt hat Trump einfach gesagt, nein, er werde die Schiffe aufhalten und droht nun sogar damit, sie zu zerstören. Also man hat nicht das Gefühl, dass diese Verhandlungen auf einem guten Weg sind.
Sprecher 3: Also 158 Schiffe, so hat er auf seinem sozialen Netzwerk True Social kommuniziert. 158 Schiffe habe man in dem zurückliegenden Krieg bereits vernichtet. Und jetzt seien es noch die Schnellboote Teherans, die in der Straße von Hormuz für Ärger sorgen können. Und die werde er sich jetzt auch noch schnappen. Ob das für die Weltwirtschaft und vor allem auch für den Öl- und Gaspreis in irgendeiner Weise positive Auswirkungen hat, wenn Donald Trump jetzt meint, diese Straße zu zerstören. Ich bezweifle es, aber jedenfalls hat er es vor. Und die ersten US-Fregatten sind auch bereits vor Ort angelaufen.
Sprecher 2: Und es ist natürlich auch eine Warnung an China, denn die Hälfte der Öleinfuhren bezieht China über die Straße von Hormuz. Also auch in dieser Hinsicht ist das eine Botschaft, ein Kräftemessen natürlich zwischen Trump und dem iranischen Regime. Bei den Verhandlungen in Islamabad habe das iranische Regime so getan, als habe es bessere Karten. So argumentiert Trump, das werden sie aber nicht haben, denn ihre Armee und ihr ganzes Militär ist ausgelöscht. So hat es Trump bei Fox News gesagt, dass das nicht stimmt. Das wissen wir auch. Aber nun ist die Situation durch diese erneuerliche Blockade, die die Weltwirtschaft belastet, nochmal verhärtet.
Sprecher 3: Alle reden über die Große Koalition und die neuesten Maßnahmen dieser Bundesregierung. Doch eine Partei wünscht sich, dass mehr über sie geredet wird. Die FDP. Sie ist immer noch in den Umfragen auf Höhe der Tierschutzpartei. Ungefähr bei drei bis vier, manchmal auch nur zwei Prozent. Und jetzt will es Wolfgang Kubicki richten. Er hat seinen Hut in den Ring geworfen. Er will FDP-Chef werden. Ende Mai ist der Parteitag. Und Henning Höhne hat was dagegen. Denn der Chef der NRW-FDP hat sich als Maß- und Mitte-Gegenkandidat positioniert und will mit seiner Kandidatur durchaus auch eine Richtungsfrage verbinden. Kubicki, der ja schon in der Ampel auf den Plakaten mit Christian Lindner stand, soll jetzt den Neustart symbolisieren. Das sieht Henning Höhne anders und das wollten wir natürlich auch mal näher wissen, nachdem hier letzte Woche Wolfgang Kubicki zu Gast war. Jetzt Henning Höhne bei uns im Studio. Schön, dass Sie da sind. Hallo, lieber Herr Höhne.
Sprecher 9: Hallo.
Sprecher 3: Die Koalition, die neue Koalition, greift auf ein Instrument der Ampel zurück und senkt befristet die Energiesteuer. Müssten Sie jetzt doch eigentlich dankbar sein, oder?
Sprecher 9: Nein, nicht so richtig. Also ich weiß natürlich schon, dass es eine Entlastung für viele Menschen ist, aber so eine kurzfristige Subvention behebt ja nicht das grundsätzliche Problem. Ich finde, der Staat verdient insgesamt deutlich zu viel am Sprit mit, nicht nur für die nächsten zwei Monate, sondern auch darüber hinaus. Aber im Kern bin ich als Marktwirtschaftler vor allem der Meinung, man müsste sich das kartellrechtlich mal anschauen. Da haben wir in Deutschland, anders als in manchen anderen Ländern, deutlich mehr Verflechtungen auch entlang der Lieferkette. Das klingt... Alles ganz technisch, aber Kartellrecht ist das schärfste Schwert des Marktwirtschaftlers.
Sprecher 3: Ja, aber Herr Mund, der Kartellamtschef, sagt ja schon, es tut mir leid, aber so schnell geht das nicht. Wir prüfen ja bereits alles.
Sprecher 9: Ja, aber es sind ja jetzt Erweiterungen im Kartellrecht zumindest mal angekündigt. Das muss man sich dann mal im Detail entsprechend anschauen. Fest steht ja, dass wir jetzt seit ein paar Tagen jeden Tag mittags eine von Friedrich Merz präsentierte Preiserhöhung an der Tankstelle bekommen. Das hat dir nun offensichtlich nicht geholfen. Ich finde übrigens auch außenpolitisch nicht. Also bei allen innenpolitischen Problemen hieß es ja zuletzt immer, Friedrich Merz sei ein Außenkanzler und da sehr erfolgreich. Der Hinweis, wir seien nicht Beteiligte im Iran-Konflikt, stimmt natürlich technisch, aber wir sind natürlich hochgradig betroffen. Und da fand ich das Verhalten gegenüber den USA und auch in der Frage, wie wir eigentlich mit unseren eigenen Lieferketten und der eigenen Energieversorgung umgehen, alles andere als klug. Es reicht ja nicht, sich einfach da hinzustellen und Distanz zu den USA aufzubauen. Das merken die Menschen jeden Tag an der Tankstelle.
Sprecher 3: Herr Höhne, die Kritik an der Bundesregierung sei Ihnen als Oppositionspolitiker natürlich gegönnt, aber jetzt müssen wir mal den Wahlkampf in eigener Sache kurz besprechen. Sie treten an, um Parteivorsitzender der FDP zu werden und haben mit Wolfgang Kubicki einen sehr bekannten Gegenkandidaten. Man könnte auch sagen, da ist die Rampensau auf der einen Seite und der Maß und Mitte Liberale aus Nordrhein-Westfalen, den kaum einer kennt.
Sprecher 9: Das könnte man so sagen und natürlich wäre ich da ein neues Gesicht, aber die FDP muss auch neues Vertrauen gewinnen und neues Vertrauen gewinnt man, glaube ich, besonders gut mit neuen Gesichtern. Wir brauchen in der existenziellen Krise dieser... Partei, alle 70.000 Mitglieder, die mit anpacken an unterschiedlichsten Stellen, das steht für mich fest. Wenn ich mir so die Zeit seit der letzten Bundestagswahl angucke, dann haben wir es noch nicht wieder geschafft, neues Vertrauen uns zurückzuerarbeiten. Und das hängt eben auch mit neuen Köpfen zusammen. Und das ist Teil meines Angebots.
Sprecher 3: Das ist doch ein kleiner Seitenhinweis, dass der Kollege Kubicki sogar im Wahlkampf, im letzten Bundestagswahlkampf, neben Christian Lindner auf den Plakaten war, oder?
Sprecher 9: Gar nicht so gemeint, aber ist so, klar. Trotzdem glaube ich, brauchen wir natürlich bekannte Gesichter wie Wolfgang Kubicki, wie Marie-Angel Schreck-Zimmermann. Aber die Frage ist eben, hat die Partei eigentlich den Mut, die jetzige Situation zu nutzen und zu sagen, jetzt stellen wir uns dann wirklich neu auf? Schmeißen uns mit allem, was wir haben, in die Landtagswahlkämpfe, bereiten uns aber eben gleichzeitig auch mittelfristig auf die nächste Bundestagswahl vor. Es geht ja nicht nur um kurzfristige Effekte, sondern wir haben eigentlich das Kernziel aus der Zeit 2013, als wir schon mal aus dem Bundestag geflogen sind, verpasst. Das hieß nämlich, wir wollen über 5% Stammwählerschaft erreichen, egal ob es stürmt oder schneit. Daran sind wir gescheitert, ausweislich der letzten Bundestagswahl. Und an diesem Ziel, finde ich, müssen wir wieder arbeiten.
Sprecher 3: Wo kommen diese 5% her? Das ist ja die Frage hinter dem Personal. Es geht ja auch um eine Richtung in der FDP. Also dockt man sich ein bisschen an bei den enttäuschten AfD-Wählern, diskutiert über die Brandmauer, so wie es der Think Tank R21 mit dem möglicherweise neuen Generalsekretär Martin Hagen macht. Bleibt es trotz der Enttäuschungen in der Ampel dabei, dass man anschlussfähig sein will, auch zu Rot und Grün?
Sprecher 9: Also eine Ampel ist nicht meine Lieblingskoalition, aber hin und wieder muss man ja daran erinnern, 2013 sind wir aus dem Bundestag geflogen nach Schwarz-Gelb. Und insofern muss die FDP, glaube ich, in einem sich verändernden Parteiensystem insgesamt eine neue Rolle finden. Und da ist eben die Frage, will ich von der Seitenlinie es immer besser gewusst haben oder bin ich bereit, auch Kompromisse einzugehen? Nicht jeden Kompromiss, ist doch klar, aber bin ich bereit, auch Kompromisse einzugehen, um in diesem neuen Parteiensystem überhaupt auch liberale Akzente setzen zu können. Und ich möchte, dass wir als Partei geeint auftreten, optimistisch, lösungsorientiert, aber eben auch mit einer Gestaltungskraft. Das wollen unsere Wählerinnen und Wähler auch. Die wollen, dass wir eine Perspektive haben, mitzugestalten und denen sind kleine Brötchen lieber als gar keine.
Sprecher 3: Christian Lindner hat mir immer gesagt, das Problem bei der Ampel waren zum Beispiel auch die dominanten politischen Themen, die in der FDP-Klientel überhaupt nicht ankommen, wie Selbstbestimmungsgesetz oder eine Integrationsbeauftragte. Werder Attermann, teilen Sie diese Analyse?
Sprecher 9: Ich finde, sie springt zu kurz. Also ich glaube schon, dass man rückblickend sagen muss, Bei vielen Menschen ist zu rechter Andruck entstanden, wir kümmern uns zu viel anteilig um diese Themen und haben dadurch zu wenig Aufmerksamkeit auf den wirtschaftspolitischen Herausforderungen, die es ja auch damals schon gab. Aber die FDP ist eine ganzheitlich liberale Partei. Freiheit kann man nicht nur wirtschaftlich definieren. Und zwar nicht nur, weil das irgendwie zur Parteidogmatik nicht passt, sondern ich bin auch davon überzeugt, dass auch nur wirklich eine Gesellschaft, die frei ist, die tolerant ist, die offen ist, nur die kann auch wirtschaftlich langfristig erfolgreich sein. Weil wo sollen denn neue disruptive Ideen, wo sollen denn Innovationen herkommen? Aus einer unterdrückten Gesellschaft glaube ich langfristig nicht. Und darum gehört beides zwingend zusammen und die FDP muss dafür eintreten. Aber gleichzeitig gehört für mich zu einer Analyse auch dazu, Ich glaube, dass das Selbstbestimmungsgesetz uns in der Form politisch geschadet hat. Aber dann sollten wir nicht allgemein sagen, dann darf man sowas nie wieder machen, sondern dann erwarte ich auch von Kritikern, dass sie sagen, an welchen Stellen denn eigentlich und wo müssen wir vielleicht auch uns selber prüfen, haben wir durch die eigene Diskussionskultur vielleicht auch ein Stück weit dazu beigetragen.
Sprecher 3: Sie sind eher der Anhänger der These, dass Stil- und Haltungsfragen und Kommunikationsfragen das Vertrauen gekostet haben und nicht inhaltliche Gesetze, die die Ampel gemacht hat.
Sprecher 9: Es ist immer eine Mischung, aber ich glaube, es ist naiv zu glauben, dass die Wahl von Frau Attermann irgendwie die Wahl entschieden hätte, die Bundestagswahl entschieden hätte. Also außerhalb dieses Podcast-Studios wird kein Mensch auf der Straße diesen Namen kennen. Ich habe trotzdem viel Kritik an ihren Aussagen, auch an der Person, völlig in Ordnung. Aber das war doch nicht wahlentscheidend. Es braucht kluge Inhalte, aber die Menschen, glaube ich, können sehr wohl einschätzen, ob in einer schwierigen Dreierkonstellation mit zwei linksorientierten Parteien, mit zwei linken Parteien, der kleinste Koalitionspartner FDP, eigentlich alles bestimmen kann oder ob es da auch einen gewissen Pragmatismus braucht. Und unsere Wählerinnen und Wähler, die wollen, dass wir im Stil anständig bleiben und anständig sind und dass das Land gut und seriös regiert wird. Da kommt es dann auf das letzte Detail bei manchem Gesetzgebungsverfahren, glaube ich, nicht so an.
Sprecher 3: Zum Abschluss drei Begriffe, für die die FDP unter einem Henning Höhne stehen soll und sie dürfen nicht Freiheit sagen.
Sprecher 9: Dann sage ich Optimismus, Marktwirtschaft, Leistungsprinzip.
Sprecher 3: Vielen Dank, Herr Höhne.
Sprecher 9: Danke.
Sprecher 3: So.
Sprecher 2: Oh Gott.
Sprecher 3: Helene, es war noch was.
Sprecher 2: Michael, ja.
Sprecher 3: Du verlässt mich. Erklär du das den Zuhörern und Zuhörern. Ich bin dazu nicht in der Lage.
Sprecher 2: Ich werde ja noch eine Weile hier sein. Ich habe ein Angebot bekommen von meinem ehemaligen Arbeitgeber, Michael, von dem ich mich deinetwegen getrennt habe vor zweieinhalb Jahren, nämlich der FAZ dort. Herausgeberin zu werden, ins Herausgebergremium einzutreten. Seit 75 Jahren gibt es die FAZ und das Herausgebergremium. Es war noch nie eine Frau in diesem Gremium und nun ist es für mich eine große Ehre und ehrlich gesagt der einzige Job, das weißt du auch. Das habe ich dir auch als allererstes gesagt, nur für einen Job dieser Welt würde ich dich verlassen, nämlich für die Herausgeberschaft der FAZ und so ist es auch. Aber erst zum Januar 2027, es ist noch Zeit, wir haben noch Zeit vor uns und gemeinsame Zeit vor uns. Und auch danach haben wir gesagt. Bleiben wir miteinander verbunden.
Sprecher 3: Und sicherlich wirst du die eine oder andere Rolle in diesem Podcast hier noch spielen müssen. Ich wutter mich ja immer über manche Reaktionen an so einem Tag. Wenn Helene Bubrowski nicht diese Chance wahrnehmen würde, die erste herausgebende Geschichte dieser wirklich tollen, großartigen Frankfurter Zeitung zu werden, sie wäre ja verrückt. Insofern kann man einfach nur gratulieren und die Träne in meinen Augen. Augen, die ist natürlich tief und es wird hart, dich zu ersetzen. Deswegen habe ich zum Glück auch sechs Monate Zeit. Das ist gut und danke, dass du mir diese Zeit gibst. Hier ein Aufruf. Frau Helene Bobowski, genau. Bitte Frau. Frau, klug, kompetent und entspannt.
Sprecher 2: Ganz vertrauensvoll an mich wenden. Ich kann das ungefähre Profil beschreiben, was es bedeutet, mit Michael Bröcke ein Büro zu teilen.
Sprecher 3: Ja, ich finde, wer ein ehrliches Feedback braucht, der ruft einfach Helena an.
Sprecher 2: Ich arbeite wahnsinnig gerne mit Michael zusammen. Er ist ein großartiger Kollege und wer sehen will, wie er ist, soll sich bitte den Post von gestern angucken, nachdem die Nachricht raus war, wie Michael reagiert hat auf meinen Weggang. Einfach mit derartiger Größe, Freundlichkeit und Souveränität, wo ich dachte, wow, das ist echt solche Kollegen, die so loyal sind. Das gibt es einfach ganz, ganz selten. So ist Michael Brücker. Er ist aber abgesehen davon auch ein bisschen chaotisch und manchmal ist es ein bisschen verrückt. Leider war. Aber es macht immer Spaß. Wir lachen so viel zusammen, dass die Tränen kullern. Also ich kann viel sagen. Frauen dieser Welt, bewerbt euch.
Sprecher 3: Journalistinnen wären auch hilfreich, ja. Aber eine Sache muss man schon noch sagen. Liebe Kolleginnen und Kollegen bei der FAZ, ich hatte es ja befürchtet, dass man sie nicht lange halten kann, dass es jetzt dann nur am Ende drei Jahre sind, ist natürlich ärgerlich. Wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass wir, als wir uns erstmalig über den Job by Table unterhielten und mehrere Flaschen Weißburgunder tranken, war schon irgendwie in unserem Hinterkopf, irgendwann wirst du mal herausgegeben. Ich habe es jedenfalls unter Zeugen gesagt. Ich habe es nicht gesagt. Du nicht für möglich gehalten. Ich unter Zeugen gesagt, dass du es wirst. Jetzt wirst du es. Und liebe Kollegen bei der FAZ, bitte behandelt diese Frau gut. Kommt nicht mit so viel Politik um die Ecke und so. Diese Frau ist entspannt und klug und cool. Behandelt sie gut. Sonst, weiß ich nicht, was mache ich denn dann sonst? Sonst ärgere ich euch jeden Morgen im Podcast mit irgendwelchen blöden FAZ-Kommentaren. So, wir bleiben als Team jedenfalls zusammen, so oder so, ob mit oder ohne gleichen Arbeitgeber. Es macht auch noch in den nächsten Monaten Spaß. Denken Sie daran, Table Today jeden Morgen ab 5 Uhr. Künftig hören Sie nicht nur Helene Bobrowski, sondern auch die künftige FAZ-Herausgeberin. Also ein besonderer Podcast. Morgen geht es wieder weiter, Table Today, 5 Uhr. Bis dahin, ciao, ciao.
Sprecher 2: Tschüss.
Sprecher 10: Like the wild paint that stinks to the wall. Like the seashore clings to the sea. Like you'll never get rid of your shadow. You'll never get rid of me. Let all the others fight and fuss. Whatever happens. Closer than pages that's taken above We're closer than ripples of snow Strolling down the avenue Closer than a mizer, all the bloodhounds to eyes of me Closer than smuggles to all of LA Closer than Ricky to confessing he's gay Not a soul can bust this team in two We stick together like glue And it's sleeping time That's when we rise We start to swing You think you're so just you Clocks don't chime What a surprise They ring Ding, ding, happy new year. Me. Not to repeat what I said at the start. And my shadow. You'll need a large crowbar to break us apart. We're alone that far.
Sprecher 11: Before we get finished, we'll make the town rock. We'll hit a few late spots and then a few more. We'll start out in stringies and maybe crowd show life is gonna be a wow-wow week.
Sprecher 12: Bringe deinen Tag auf Touren und arbeite intelligenter. Mit Acrobat Studio. Kombiniert Acrobat Pro Tools, KI-gestützte Arbeitsbereiche, Assistenten und Inhaltserstellung. Alles an einem Ort. Deine Daten sind damit sicher und sie werden niemals für Trainingszwecke eingesetzt. Arbeite schneller, intelligenter, erledige mehr mit Acrobat Studio. Mach es einfach mit Acrobat. Probiere es jetzt auf adobe.com slash acrobat aus.