Wie umgehen mit dem Iran? Mit Ali Fathollah-Nejad.
Der Krieg hat das iranische Regime militärisch geschwächt, aber nicht gestürzt – „die Israelis und die Amerikaner haben vielleicht einen militärischen Sieg errungen, aber keinen strategischen", sagt Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad. Das Regime zeige sich bereit, alles zu opfern: „Es befindet sich in einem Überlebenskampf und ist bereit, seine eigene Gesellschaft zu opfern – und auch die Region und die Weltwirtschaft."
Die Friedensgespräche in Islamabad seien extrem schwierig – zu viele Themen, zu extreme Ausgangsposition auf beiden Seiten.
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Sechs Hapag-Lloyd-Schiffe mit rund 150 Seeleuten liegen seit Ende Februar im Persischen Golf fest – „es gibt bekanntlich keine Alternative zur Straße von Hormuz", sagt Flottenchefin Silke Lehmköster. Die Blockade kostet die Reederei wöchentlich 40 bis 50 Millionen Dollar.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Ab heute soll in Pakistan, in der Hauptstadt Islamabad, über einen dauerhaften Friedenfahndel werden. Schon wieder eine Friedensfahndel. Und diesmal geht es um den Iran und die amerikanische Delegation und die iranische Delegation ist bereits angekommen. Können die sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen, nachdem sie vor wenigen Tagen sich gegenseitig noch auslöschen wollten? Und ist dieses Regime im Iran eigentlich jetzt nach diesem Krieg geschwächt oder nicht? Das diskutieren wir mit dem deutsch-iranischen Politikwissenschaftler Ali Fatollah Nejad.
Sprecher 3: Hapag-Lloyd ist die größte deutsche Reederei und muss mit ihren Schiffen normalerweise täglich durch die Straße von Hormuz. Die Blockade kostet die Reederei pro Woche 50 Millionen Euro. Was nun? Das fragen wir die Flottenchefin und Leiterin des Krisenstabes der Reederei, Silke Lemköster.
Sprecher 2: Neue Recycling-Idee aus Bristol in England. Wie der Inhalt von Dixi-Klos in Zukunft einen echten Mehrwert für die Gesellschaft haben könnte, Sie ahnen es nicht. Wir sagen es Ihnen am Schluss dieses Podcasts, an diesem Freitag, den 10. April. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben.
Sprecher 4: From ABC News World Headquarters in New York, this is World News Tonight with David Muir.
Sprecher 5: The president tonight and the shaky ceasefire with Iran now being tested. Only three known ships passing through the Strait of Hormuz today. Iran's demands tonight involving Israel now.
Sprecher 6: And the president later today saying, quote, Iran's doing a very poor job, dishonorable some would say, of allowing oil to go through the Strait of Hormuz. And tonight, Iran saying part of the U.S. Ceasefire deal is not being met, pointing to Israel's sweeping and deadly attacks in Lebanon. Trump insisting Lebanon isn't part of the ceasefire deal. A source telling ABC News, President Trump told Israeli Prime Minister Netanyahu to scale back the strikes and open direct talks with Lebanon.
Sprecher 2: Hat Donald Trump eines der schlimmsten Regime der Welt nachhaltig geschwächt mit seinem Krieg zusammen mit Israel? Oder haben die Freiheitsliebenden und Demonstranten im Iran vergebens gehofft? Denn zwar sind die Köpfe ausgetauscht, aber das Regime ist geblieben. Wie geht es weiter im Iran nach diesem Krieg? Das fragen wir einen der renommiertesten und profiliertesten Experten für den Nahen Osten, nämlich Ali Fatola Nejad. Der Bestseller-Buchautor ist Gründer und Direktor des Center for Middle East and Global Order und außerdem Senior Fellow an der Universität Bonn. Und natürlich übrigens auch Kolumnist und Autor. in unserem Security Table. Schön, dass du heute Zeit für uns gefunden hast. Schönen guten Tag, Ali.
Sprecher 7: Hallo Michael, grüße dich.
Sprecher 2: Erste und einfachste Frage vorneweg. Was hat dieser Iran-Krieg eigentlich der Welt gebracht?
Sprecher 7: Das ist eine sehr, sehr gute Frage, die man wahrscheinlich nicht sofort beantworten kann, sondern eher... Historischen Rückblick, also brauchen wir noch ein bisschen Zeit. Es gibt nämlich auch noch große Unbekannte, sprich wie schwach ist eigentlich militärisch das iranische Regime geworden, weil es gibt ja anscheinend doch einen Appetit unter manchen Zirkeln dort nach einem Waffenstillstand, aber insgesamt sieht es so aus, dass die Israelis und die Amerikaner vielleicht einen militärischen Sieg errungen haben, aber keinen strategischen.
Sprecher 2: Donald Trump weiß auch noch nicht so richtig, wie er mit dem Iran umgehen kann. Offensichtlich zwischen Diplomatie und Friedensgesprächen und möglichen Wirtschaftsbeziehungen bis hin zur völligen Auslöschung der Zivilisation sind seine Äußerungen ja nicht einzuordnen. Warum macht es der Iran den anderen Ländern, dem Westen, eigentlich so schwer, einen Umgang mit ihm zu finden?
Sprecher 7: Er macht es vor allen Dingen allen so schwer, weil es ein Regime ist, das in einem Überlebenskampf sich befindet und in diesem Überlebenskampf bereit ist, seine eigene Gesellschaft zu opfern. Und auch die Region und auch die Weltwirtschaft. Also ganz nach dem Motto, wenn ich untergehen muss, dann geht ihr alle mit mir unter.
Sprecher 2: Wie geschwächt ist dieses Regime? Du hast Familie, du hast Verwandte. Kannst du mit denen im Moment kommunizieren? Was erfährst du aus dem Inneren dieses Landes?
Sprecher 7: Wir haben seit Anfang des Jahres eigentlich fast durchgehend eine totale Internetabschaltung. Also die Lage für die iranische Gesellschaft ist absolut desolat, weil auch während des Krieges das Internet ausgeschaltet ist. Also man weiß gar nicht, wo was angegriffen wird, obgleich es ja auch das Israelische und das amerikanische Militär auch immer kommuniziert haben. Also ist es sehr, sehr schwierig. Man hört nach einigen Tagen immer wieder was aus Iran, aber das Internet ist abgeschaltet. Und wie stark das Regime ist, das müssen wir abwarten. Während des Krieges hat das Regime eine Präsenz auf den Straßen durch seine Repressionsorgane gezeigt, um jedweden Protest der eigenen Bevölkerung im Keim zu ersticken. Und nunmehr nach... Kriegsende, vorläufigem Kriegsende, hat der Justizchef angekündigt, dass man nunmehr die Todesstrafe schneller anwenden möchte. Wie stark das Regime ist, hängt von der Schwächung des Repressions- und des Militärapparates an. Das sind ja beides Hauptziele der israelisch-amerikanischen Kampagne auch gewesen. Seit Anfang des Jahres gibt es auch Berichte, dass der iranische Staat nicht mehr die Einkommen vieler Repressionskräfte zahlen kann. Also es bleibt abzuwarten, ob diese ökonomische Krise, die ja jetzt durch den Krieg... noch virulenter geworden ist, früher oder später zur Achillesverse dieses Regimes wird.
Sprecher 2: Glaubst du, dass diese Militärschläge und sicherlich auch die Schwächung dieses Regimes am Ende bei den jungen Menschen im Iran dazu geführt hat, dass sie es richtig fanden, dass es gemacht wurde? Oder sind die... Enttäuscht darüber, dass am Ende gar kein Regime-Change möglich war.
Sprecher 7: Ich glaube, um diese Frage zu beantworten, müssen wir auch Widersprüche zulassen. Die Brille, durch die viele Iraner diesen Krieg gesehen haben, war dieses historische Massaker, die das iranische Regime an der eigenen Bevölkerung im Zuge der größten Antiregime-Proteste am 8. Und 9. Januar verübt hat, womöglich 10.000 innerhalb von wenigen Tagen. Also gab es eine gewisse Hoffnung, dass, wenn denn der eigene Protest immer wieder mit Maschinengewehren beantwortet wird, dass man darauf hofft, dass es eine Art Befreiungskrieg geben könnte. Aber ich glaube, dass diese Hoffnungen, je länger der Krieg auch angedauert hat, immer weniger wurden. Gleichzeitig hat man auch befürchtet, dass der Krieg endet, das Regime noch da ist und Rache verübt an der eigenen Bevölkerung. Also das sind sehr gemischte und dramatische Gefühle.
Sprecher 2: Gestern sind die amerikanischen Delegationsteilnehmer und auch die iranischen Delegationsteilnehmer in Pakistan angekommen für erste Friedensgespräche. Wie kann das Gerüst für einen dauerhaften Frieden zwischen dem Westen, der gerade noch nicht... die völlige Zivilisation des Iran in die Steinzeit bomben wollte und dem iranischen Regime, die einen Tag nach der Waffenruhe sagen, selbstverständlich werden wir wieder Uran anreichern. Also wie könnten die ersten geopolitischen Schritte zu einer Art Friedensarchitektur eigentlich aussehen?
Sprecher 7: Das ist äußerst schwierig. Gerade gibt es vor allen Dingen eine Komplikation und das hat zu tun damit, dass die iranische Seite ja einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt hat, das als Grundlage der Waffenpause und auch der Verhandlungen dargestellt hat. Die iranische Version und die iranische Verlautbarung sagen unter anderem, dass auf allen Fronten es zu einem Ende von Kriegshandlungen kommt, also auch zwischen Israel und der von Iran unterstützten libanesischen Hezbollah. Wir sehen allerdings, dass Israel weiterhin... Dort militärisch vorgeht im Süden Libanons. Und das hat zu großen Verwerfungen mittlerweile geführt innerhalb des iranischen Regimes, sodass es viele radikale Stimmen gibt, die sagen, dass diese Waffenpause eigentlich nicht mehr gilt, weil sie zerbrochen wurde sozusagen von der Gegenseite. Also es ist noch sehr, sehr unklar. Wie es erstmal weitergeht und insgesamt, auch falls es weitergehen sollte und es zu Verhandlungen kommen sollte, gibt es eine Menge von Themen, die da auf dem Tisch liegen, dass nicht nur das Atomprogramm, sondern das Raketenprogramm, die iranische Unterstützung für regionale Milizen und auch dieses neue Mammut-Thema, die Meerenge von Hormuz. Das bedeutet, es gibt sehr vieles zu besprechen. Beide haben maximalistische Positionen. Die Trump-Seite hat ja diesen 25-Punkte-Plan schon seit... Einigen Wochen ja vorgelegt. Es kann natürlich sein, dass man sich irgendwie doch einigt, dass es zu einer Beruhigung kommen könnte in der Meerenge von Hormuz, aber das Problem bei diesem so weltwirtschaftlich wichtigen Punkt ist, dass die Iraner das durchaus als strategischen Hebel ansehen, eine bestimmte auch Kontrolle nunmehr für sich beanspruchen. Also das wird sehr, sehr schwierig, diese Verhandlungen.
Sprecher 2: Ja, zur Straße von Hormuz hören wir gleich hier in diesem Podcast auch noch die Flottenchefin der größten deutschen Reederei von Hapag-Lloyd. Da kommen wir gleich noch zu. Aber eine Abschlussfrage in der Geopolitik dann doch noch an dich, lieber Ali. Der grüne Bundestagsvizepräsident, der iranischstämmige Omid Nouripour, hat jetzt gerade eine eigenständige Rolle Deutschlands in diesen Friedensverhandlungen gefordert oder in der Zukunft des Iran. Wie kann diese Rolle eigentlich aussehen?
Sprecher 7: Das ist eine sehr gute Frage, weil im Endeffekt wird es natürlich auf die Amerikaner und die Iraner ankommen. Die Amerikaner sind in der Lage, die Sanktionen gegen Iran aufzuheben. Das ist eine Kernforderung des iranischen Regimes. Ich glaube, wir Europäer müssen... müssten auch eher darauf schauen, dass es nicht zu einem krummen Deal kommt zwischen den Amerikanern und dem Regime. Also durch unsere diplomatischen Kanäle auf die Amerikaner womöglich einwirken, dass auch das Thema Menschenrechte, was auch stabilitätsrelevant sein wird aufgrund dieser großen Spannungen zwischen Staat und Gesellschaft in Iran, dass es mit in die Diplomatie berücksichtigt wird. Alles andere sind, glaube ich, unsere Fähigkeiten sehr begrenzt, außer man tritt zusammen in einer europäischen Koalition auf.
Sprecher 2: Ali Fethullah Nejad, wie immer ein spannender Analyst und Erklärer dieser so komplexen Sachlage im Nahen Osten und ein Buchautor. Den wir immer wieder empfehlen würden. Und bedanken uns hier für dieses Gespräch. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
Sprecher 7: Danke Ihnen.
Sprecher 2: Feuerpause im Iran, aber immer noch keine Durchfahrt für die wichtigste Meeresstraße der Weltwirtschaft. Die Straße von Hormuz, derzeit wahrscheinlich die meistgenannte Straße in den deutschen Medien, sie bleibt weiter angespannt. Nach Angaben des Verbands Deutscher Räder sitzen seit Ausbruch des Kriegs Ende Februar mehr als 2000 Handelsschiffe dort fest. Rund 20.000 Seeleute sitzen ebenfalls fest auf diesen Schiffen im Persischen Golf. Darunter sind übrigens mindestens 50 Schiffe deutscher Räder rein. Die Einigung nun zwischen dem Iran und den USA sieht eigentlich eine Öffnung dieser Straße vor. An diesem Freitagvormittag ist die Durchfahrt allerdings immer noch nicht für alle Schiffe wieder komplett offen. Was heißt das nun für unsere Schifffahrtsunternehmen? Hapag-Lloyd, die größte deutsche Reederei, hat mit Kosten von 50 Millionen Euro pro Woche zu kämpfen durch die Schließung dieser Meerenge. Aktuell liegen sechs Schiffe von Hapag-Lloyd vor Ort fest. Unsere Kollegin aus dem CEO-Table, Nina Klotz, hat mit Silke Lehmküster darüber gesprochen. Sie ist die Flottenchefin und derzeit die Krisenmanagerin bei Hapag-Lloyd.
Sprecher 8: Frau Lemköster, Sie sind seit zwei Jahren Flottenchefin von Deutschlands größter Reederei und damit verantwortlich für 300 Frachter und deren Crews. Und zugleich sind Sie auch die Leiterin des Krisenstabes von Hapag-Lloyd. Was sind Sie zurzeit mehr, Krise oder Flotte?
Sprecher 9: Im Moment, um ehrlich zu sein, ist es doch mehr Krise als Flotte.
Sprecher 8: Da geht es vor allem wahrscheinlich auch um die Straße von Hormuz. Diese enge Passage im Persischen Golf, eine der wichtigsten Verbindungen für den Transport von Öl aus der Region. Haben Sie aktuell noch Schiffe in der Region? Und was bedeutet das für die Crews?
Sprecher 9: Ja, also wir haben seit dem 28.02. Einige Schiffe im Persischen Golf liegen, die nicht rauskommen. Wir beobachten die Lage und hoffen natürlich, dass wir irgendwann wieder aus dem Persischen Golf fahren können. Dazu müssen aber die Gegebenheiten sich doch deutlich ändern zum aktuellen Status quo. Und alles, was wir machen können, ist unsere Crews, die im Persischen Golf gefangen sind, so gut wie möglich zu betreuen. Denn es gibt bekanntlich keine Alternative zur Straße von Hormuz.
Sprecher 8: Das heißt, sie sind da jetzt seit vier Wochen ungeplant festgesetzt sozusagen. Wie werden die versorgt mit Nahrungsmitteln, mit Essen? Was machen die jetzt an Bord?
Sprecher 9: Man hat an Bord grundsätzlich für einige Wochen im Voraus Proviant an Bord, Frischwasser, Bunker. Das gehört dazu, wenn man... Fährt ja manchmal auch drei bis vier Wochen von einem zum nächsten Hafen auf See, ohne einen anderen Hafen zu haben dazwischen. Das heißt, unsere Schiffe waren versorgt, als der Krieg ausgebrochen ist. Wir haben dann aber recht schnell reagiert und uns von dem nächstgelegenen Hafen nochmal versorgen lassen. Kleine Boote quasi rausgekommen zu unseren Schiffen, die vor Anker liegen und haben sie mit zusätzlichen Nahrungsmitteln und Frischwasser versorgt. Ansonsten haben wir darauf geachtet, dass wir das Internet... Volumen, die die Bandbreite vergrößern, damit unsere Besatzung auf jeden Fall jederzeit mit Familien, Freunden in Kontakt sein können, wie sie das brauchen. Wir haben ihnen aber auch eine psychologische Unterstützung angeboten, denn man kann sich das, denke ich, vorstellen, Seeleute sind eigentlich gewöhnt zu fahren von A nach B. Und nicht unbedingt, um vor Ort zu sitzen und gar nichts zu tun können. Der größte Feind ist die Monotonie und dagegen müssen wir ankämpfen.
Sprecher 8: In wie engem Kontakt stehen Sie mit den Crews? Also sprechen Sie da auch mit den Kapitänen vor Ort?
Sprecher 9: Ja, wir telefonieren mehrmals täglich mit den Crews, um auch einfach zu hören, wie geht es ihnen. Und man hört... An der Stimme ja doch schneller, wie es dem gegenüber geht, als in irgendwelchen E-Mails. Wir sind aber natürlich auch im schriftlichen Kontakt, um Anweisungen mitzuteilen oder auch Informationen, die wir von verschiedenen Diensten bekommen.
Sprecher 8: Wie sehen Sie so die globale Lage und vor allem, wie informiert man sich denn da in so dynamischen Zeiten?
Sprecher 9: Ja, Informationen sind das Wichtigste, vor allem zuverlässige Informationen. Man kann, glaube ich, viel in Social Media und auch nicht ganz, je nachdem, an welcher Zeitung man liest, kriegt man Informationen, die nicht 100%ig richtig sind. Also muss man sich überlegen, wem hört man zu? Und da greifen wir sehr gerne auf verschiedene Militärdienste zu, die uns helfen können und auch zuverlässige lokale Informationen haben. Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Deutschen Marina aufgebaut. Wenn wir uns das angucken bei Balmandep, wir fahren seit mittlerweile über zwei Jahren um das Kap der guten Hoffnung, weil wir schon vor so langer Zeit festgestellt haben, dass das kein Ort ist, wo unsere Schiffe durchfahren sollten. Also die Hufis wären jetzt... Wieder präsenter in der Berichterstattung. De facto ist es aber so, dass sie seit Ende 2023 Schiffe angegriffen haben. Und das war auch der Moment, Dezember 2023, dass wir gesagt haben, wir möchten nicht mehr durch Babelmandat durchfahren.
Sprecher 8: Das heißt, dass sich die Lieferzeiten oder die Unterwegszeiten erheblich verlängert haben und damit ja wahrscheinlich auch die Schrecke immer teurer wurde. Wenn jetzt noch erhöhte Energie- und Treibstoffpreise dazukommen, wie schwierig ist das für die Reederei und einen Flottenbetreiber?
Sprecher 9: Man muss das, glaube ich, in zwei Teile aufteilen. Den langen Weg fahren wir mittlerweile seit über zwei Jahren. Aber natürlich ist es die neue Lage, dass die Brennstoffpreise jetzt so viel teurer geworden sind oder so erhöht sind, hat das Ganze natürlich eine neue Dimension bekommen. Wir versuchen natürlich, den Kosten gegen anzugehen. Wir trainieren unsere Crews auch nochmal, wie kann man so effizient wie möglich fahren. Am Ende des Tages werden wir aber auch in Teilen an unsere Kunden herantreten müssen, da das ein Ungleichgewicht mittlerweile ist. den Brennstoffkosten, die wir nicht alleine tragen können.
Sprecher 8: Was heißt anders fahren? Ist das wie beim Autofahren, wenn man langsamer fährt, verbraucht man noch weniger?
Sprecher 9: Ja, zum Beispiel. Das ist, glaube ich, das beste Beispiel, was man geben kann. Langsamer fahren und wir werden uns auf jeden Fall die Routen auch nochmal angucken müssen. Können wir irgendwo noch optimierter fahren, als wir das ohnehin schon tun, denn Brennstoff ist der größte Kostenpunkt bei uns.
Sprecher 8: Gibt es da irgendwelche Alternativen, also alternative Brennstoffe oder neue Technologien, auf die man auch kurzfristig setzen könnte? Vielleicht auch verrückte Sachen, so Dachensegel oder was es da für Ideen gibt?
Sprecher 9: Wir setzen ja schon viel auf alternative Kraftstoffe. Nichts davon ist allerdings so kurzfristig umsetzbar. Eine Hauptmaschine an Bord ist ungefähr so groß wie ein Einfamilienhaus. Das hat man nicht mal so eben schnell umgerüstet. Und wir haben uns tatsächlich auch schon mal Segel angeguckt für ein Containerschiff. Auch das würde aber bedeuten, massives Nachrüst, mehrere Monate in einer Werft, in einem Dock, wo man das Schiff umbauen müsste. Also es sind alles keine kurzfristigen Lösungen. Und das Einzige, was man tatsächlich machen kann, ist, so brennstoffeffizient zu fahren, wie es irgendwie möglich ist.
Sprecher 8: Aber es gibt bei Habakl auch so mittel- und langfristige Pläne zu Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung, richtig?
Sprecher 9: Ein Teil unserer Flotte fährt mittlerweile mit LNG, mit Flüssiggas. Das ist für uns so der erste Weg in Richtung Dekarbonisierung. Weitere Schiffe bestellt mit LNG. Die Perspektive stellen eben auch mit Biomethan fahren können, dann haben wir wirklich ein grünes Schiff. Und wir rüsten gerade die ersten Schiffe um auf Methanol. Wenn wir mit grünem Methanol fahren, haben wir auch da ein... Dekarbonisierte Schiff, genauso wie unsere Neubauten, die wir auf Methanol bestellt haben, die auch kommen werden. Also wir machen da viel, aber es ist leider für die aktuelle Situation nicht die Lösung, die wir gerne hätten.
Sprecher 8: Ich habe gelesen, als Sie Ihre Stelle vor zwei Jahren angetreten haben, war auch eben Teil Ihrer Aufgabe, die ganze Flotte zukunftsfähiger zu machen. Jetzt haben wir gerade schon eben über alternative Treibstoffe gesprochen. Das ist sicherlich ein wichtiges Thema. Das andere wichtige Thema, über das ich eigentlich mit allen Unternehmerinnen und Unternehmern immer spreche, wenn es um Zukunftsfähigkeit geht, dann ist dann KI. Spielt das denn in so einem Hands-on-Business wie der Seefahrt überhaupt auch eine Rolle? Ist das was, wovon Sie auch profitieren können?
Sprecher 9: Ja, auf jeden Fall. Wir sind zwar sehr hands-on und ich glaube, das werden wir auch irgendwie immer bleiben in der Seefahrt. Wir können aber richtig profitieren, indem wir gewisse Abläufe durch eine KI durchjagen und sagen, ist es denn wirklich effizient, was wir machen oder auch zum Beispiel, dass eine KI... Mit tracken kann über Sensordaten, wie bewachsen ist der Rumpf, wann müssen wir den Rumpf wieder säubern, um weniger Widerstand zu haben. Auch das trägt zur Effizienz eines Schiffes bei. Würde die KI das dann hochrechnen und sagen, in dem und dem Hafen in zwei Monaten zum Beispiel ist es soweit, In welchem Hafen ist man dann? Und dann könnte man sich auch vorstellen, dass die KI dann auch gleich den entsprechenden Taucher bestellt, der das Schiff sauber macht.
Sprecher 8: Frau Limkoster, vielen herzlichen Dank, dass Sie uns Einblick gegeben haben in Ihren aufregenden Beruf und dann auch noch eben in so fordernden Zeiten. Vielen Dank für Ihre Zeit und schön, dass Sie unser Gast waren.
Sprecher 9: Ganz herzlichen Dank.
Sprecher 3: Flo, war noch was. Mit Ressourcenschonendes Arbeiten. Das ist ja nach wie vor ein super wichtiges Thema, eigentlich in allen Gebieten. Und jetzt mittlerweile auch bei Festivals. Wo hast du diese wunderbare Nachricht denn schon wieder her? Aus einem wunderschönen Beitrag zu einem Forschungsprojekt in Bristol. Denn die Forscher haben sich jetzt Gedanken gemacht, was machen wir eigentlich mit dem Inhalt der tausenden von Dixi-Klos, die bei so einem Festival ja dann aufgestellt werden oder auch bei anderen Großveranstaltungen. Und man ist zu der Idee gekommen, dass man sagt, wir können den Urin da drin nutzen und machen daraus einfach Dünger. Eigentlich ziemlich logisch. Eigentlich ziemlich logisch. Und das Witzige ist, man schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Man hat den Unrat irgendwie sinnvoll genutzt, anstatt ihn einfach in eine Kläranlage zu kippen. Und dieses Verfahren, was sie da entwickelt haben, ist sogar noch kostengünstiger als viele herkömmliche Dünger. In ersten Testversuchen konnte man dann nach einer Großveranstaltung die Wiese, die platt getrampelt wurde von den ganzen Gästen, einfach sehr schnell wieder auffrischen, aufhübschen. Und in Zukunft will man sogar einen ganzen Wald damit dann hochzüchten. Was das für Ihren privaten Garten bedeuten könnte, will ich.
Sprecher 2: Ihnen jetzt hier gar nicht empfehlen. Wir freuen uns über ein weiteres Beispiel gelungener Kreislaufwirtschaft und freuen uns, wenn Sie am Samstag wieder einschalten zu einem ganz besonderen Podcast, Nämlich die Bundestagspräsidentin ist zu Gast bei Table Today, Julia Klöckner, direkt von ihrer Reise nach Estland und Litauen im Gespräch mit der Kollegin Wilhelmine Stenglin. Das empfehle ich Ihnen sehr. Morgen ab 5 Uhr. Bis dahin noch einen schönen Freitag. Ciao.