Reden wir die Politik schlecht? Mit Dagmar Rosenfeld.
Dauer: 25:41

Reden wir die Politik schlecht? Mit Dagmar Rosenfeld.

Fast ein Jahr im Amt – und die schwarz-rote Koalition hat noch immer keine klare Handschrift hinterlassen. Dagmar Rosenfeld, Co-Hostin des Podcasts „Machtwechsel", diskutiert mit Helene Bubrowski, was aus der selbsternannten Arbeitskoalition geworden ist – und was noch kommen muss. 

[02:48]

Donald Trump hat sich am frühen Morgen unserer Zeit aus dem Weißen Haus an die Nation gewandt. Viel Neues gab es nicht. Außenminister Marco Rubio hatte kurz zuvor erklärt, die USA müssten nach Kriegsende den Wert der Nato neu bewerten – Worte, die in Europa für erhebliche Alarmstimmung sorgen. 

Trump hat die Nato in seiner Ansprache nicht erwähnt.

[01:15]

Es ist Gründonnerstag, und Weihbischof Anton Losinger aus Augsburg bringt eine kirchliche Perspektive auf ganz weltliche Fragen: den Zustand der Debattenkultur und die Zukunft des Sozialstaats. Die Deutsche Bischofskonferenz hat zuletzt zwei Papiere zur Sozialpolitik vorgelegt – darunter eines zur Rente, das für mehr Generationengerechtigkeit und strukturelle Reformen wirbt. 

[15:48]

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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Kurz vor dem Osterwochenende haben wir etwas ganz Besonderes für Sie, beziehungsweise eine ganz besondere Co-Host, die hier mit mir im Studio ist. Dagmar Rosenfeld vom Podcast Machtwechsel ist da und wir schauen zusammen auf das politische Berlin. Fast ein Jahr schwarz-rote Koalition. Was hat sich in Deutschland verändert? Ist es am Ende nur die Rhetorik? Und passend zu Ostern hat mein Kollege Okan Beligli von Berlin Table mit Weihbischof Anton Losinger gesprochen. Er gibt uns eine geistliche Perspektive auf die Debattenkultur in diesem Land und spricht auch über die Reform des Sozialstaats. Wie kann es gelingen, die Versöhnung in der Gesellschaft zu fördern? Und zum Schluss müssen wir leider schon wieder über den Plastikmüll sprechen. Normalerweise wird uns allen schlecht, wenn wir nur daran denken, wenn man an die Bilder denkt der vermüllten Meere. Aber möglicherweise kann genau dieser Plastikmüll helfen, Leben zu retten. Auch das heute bei uns. Ich freue mich sehr, dass Sie dabei sind an diesem 2. April. Aber bevor wir so richtig in diese Episode starten, geht es erst in die USA. Donald Trump hat angekündigt, er wolle sich zur besten Sendezeit an die Nationen wenden, um wichtige Neuigkeiten zu verkünden. Und das hat er auch getan.

Sprecher 3: We're going to bring them back to the Stone Ages where they belong. The countries of the world that do receive oil through the Hormone Strait must take care of that passage. They must cherish it. They must grab it and cherish it. They can do it easily. So to those countries that can't get fuel, many of which refuse to get involved in the decapitation of Iran, we had to do it ourselves. I have a suggestion. Number one, buy oil from the United States of America. We have plenty. We have so much. And number two, build up some delayed courage. Should have done it before. Should have done it with us, as we asked. Go to the straight and just take it. Protect it.

Sprecher 4: Was sind Ihre Gedanken, was wir heute Nacht hören?

Sprecher 5: Well, first of all, it really wasn't anything new in the speech. This is kind of a collection of what he has been saying through his true social posts and some of his public statements and expressing complete supreme confidence about what will happen in Iran.

Sprecher 2: Das also war Donald Trump am frühen Morgen, aber jetzt starten wir so richtig in diesen Podcast. Und jetzt freue ich mich über einen ganz besonderen Gast, eine Frau, mit der ich jetzt hier in der ständigen Vertretung in unserem Podcaststudio sitze. Dagmar Rosenfeld ist bei uns heute. Sie ist Kollegin, Podcast-Kollegin. Wir beide, Dagmar, heute ohne unsere männlichen Co-Hosts.

Sprecher 6: Du ohne Michael, ich ohne Robin Alexander.

Sprecher 2: Kann das gut gehen.

Sprecher 6: Es fühlt sich ganz gut an, oder?

Sprecher 2: Ich finde es auch gut. Wir schaffen das, Helene. Ich nehme nichts gegen Männer, aber es ist ganz toll. Viel zu selten machen übrigens zwei Frauen einen Podcast. Das stimmt. Diese Buddy-Buddy-Podcasts gibt es sehr oft, aber freu dich. Heute ist es soweit und ich freue mich wirklich sehr. Dass wir das machen können. Dagmar, was ja lustig ist, ist, dass wir beide schon ewig und drei Tage in der Berliner Blase unterwegs sind, uns aber wirklich noch nicht sehr oft gesehen haben. Beim Bundespresseball haben wir uns mal gesehen und hier und da. Aber die Leute da draußen denken immer, die Berliner Welt, alle stecken unter einer Decke, alle kennen sich. Und unser Beispiel ist, wir mögen uns, ich höre immer den Machtwechsel-Podcast, wirklich habe keine Folge verpasst, ich kenne deine Stimme in- und auswendig, aber so gut kennen wir uns gar nicht.

Sprecher 6: Das stimmt, ich kenne dich aus dem Fernsehen.

Sprecher 2: Ja, also umso schöner, dass wir auch jetzt Fragen haben, die wir nicht tausendfach diskutiert haben, sondern das, was du nicht im Machtwechsel-Podcast schon gesagt hast, das weiß ich schlicht gar nicht von dir. Ihr habt euch selbstständig gemacht zu Jahresbeginn und seid extrem erfolgreich mit eurem Podcast bei Spotify. Hat sein erstes großes Interview des Jahres nicht bei ARD oder ZDF gegeben, sondern bei euch. Wie ist es so, Dagmar, ganz frei zu sein?

Sprecher 6: Du hast das richtige Wort getroffen, frei zu sein. Also Robin und ich sind jetzt nur uns selbst verantwortlich und vor allem unseren Hörerinnen und Hörern. Und Robin und ich sind die Wette eingegangen, dass du unabhängigen Journalismus machen kannst, dass du kein großes Medienhaus im Hintergrund brauchst, sondern dass das, was du lieferst, ausreicht, um genügend Hörerinnen und Hörer zu finden, die den Weg mit dir gehen und wissen wollen, was im politischen Berlin los ist, was im Maschinenraum der Politik passiert. Da gehen wir ja gerne tief rein. Wir erklären die Mechanismen von Parteien, von politischen Entscheidungen. Wie funktioniert dieses politische Berlin eigentlich und warum passiert das, was gerade passiert?

Sprecher 2: Ja, und deswegen ist es auch so gut, dass du hier bist, denn ich habe viele Fragen zu dem, was gerade passiert.

Sprecher 6: Wer hat die nicht, Helena?

Sprecher 2: Aber du kannst sie beantworten. Dagmar, in einem Monat ist die Koalition ein Jahr im Amt. Wir antizipieren jetzt noch ein bisschen, aber eine Zwischenbilanz, würde ich sagen, kann man nach elf Monaten schon mal ziehen. Und das wollen wir heute vor dieser kleinen Osterpause, die jetzt kommt, in Klammern, die bei uns im Podcast natürlich nicht kommt, aber die für die Politiker und ansonsten die Berliner Blase kommt. Ja, wollen wir uns das einmal anschauen. Der Kanzler hatte die großen Reformen versprochen, der große... Wurf sollte kommen, Verantwortung für Deutschland heißt der Koalitionsvertrag. Und jetzt haben wir ein Jahr später das Gefühl, so viel hat sich in Deutschland gar nicht verändert. Oder wie siehst du das?

Sprecher 6: Ja, sie sind ja als Arbeitskoalition angetreten und bis jetzt hat man sie vor allem als eine Koalition wahrgenommen, die sich aneinander abarbeitet. Ich erinnere an die Debatten um Frauke Brosius-Gersdorf, an die Rentendebatte innerhalb der Union. Jetzt sind wir an einem Punkt, wo sich zeigen wird, ob diese Koalition tatsächlich handlungsfähig ist. Denn am Anfang der Woche hat die Gesundheitskommission ihre Vorschläge für eine Gesundheitsreform vorgelegt und die haben es echt in sich. 66 Vorschläge, die... Alle treffen, die sowohl die Versicherten als auch die Versicherer treffen, die auch die Ärzte und die Krankenhäuser treffen, also jedem etwas abverlangen. Und sie haben ja gesagt, es sind 66 Vorschläge und jetzt liegt es an den politischen Entscheidern, zu was sie den Mut haben und wie weit sie bereit sind zu gehen. Und das wird jetzt sich in den kommenden Wochen zeigen. Was traut sich diese Koalition zu und was wird sie auch uns zumuten, um dieses Land wieder ein Stück nach vorne zu bringen, weil das hier aufgeräumt werden muss? Da sind wir uns alle einig.

Sprecher 2: Ja genau, es sind sich alle einig, dass was passieren muss, dass es Zumutungen geben muss, dass sie unausweichlich sind, wenn man auf die Weltlage, aber natürlich auch die Lage in Deutschland, die Strukturen blickt, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. zu teuer und so weiter. Und gleichzeitig ist natürlich dieses Phänomen Not in my backyard, um Gottes Willen, bei mir bitte nicht anfangen. Und da schreckt ja oft auch die Politik, die großspurig Reformen ankündigt, vor zurück. Also auch die Regierung Merz kommt ja nicht so sehr mit der Botschaft daher, wir müssen den Gürtel enger schneiden. Einmal hat Merz gesagt, wir können uns diesen Sozialstaat nicht mehr leisten, ist aber dann sofort nach zwei Bier mit Bärbelbars zurückgeschreckt und hat das Ganze relativiert und gesagt, nein, wir werden natürlich nicht schleifen und so weiter. Dagmar, schauen wir doch mal diesen Kanzler an. Über den ja der Politologe Albrecht von Lucke sagt, Merz sei ungeübt im Umgang mit Macht. Ist er wirklich so ein Wackelkanzler? Eigentlich wirkte er ja immer wie einer, der eine klare Agenda im Kopf hat.

Sprecher 6: Ich würde ihn auch nicht als Wackelkanzler bezeichnen. Wenn du es positiv drehen willst, dann ist er ein Kanzler, der die Zeichen der Zeit erkannt hat. Also wofür er ja am meisten verprügelt worden ist, dass er einen ganzen Wahlkampf damit bestritten hat, die Schuldenbremse nicht anzufassen. Dann hat er noch bevor er zum Kanzler gewählt worden ist, mit dem alten Bundestag die Schuldenbremse geschliffen, vor allem was die Verteidigungsausgaben angeht. Und da hat er... Einen richtigen Punkt gesetzt. Er hat also das, was seine ursprüngliche Agenda war, über den Haufen geworfen, weil es die Zeit tatsächlich erfordert hat. Denn wenn wir uns heute anschauen, dass Marco Rubio gerade wieder gesagt hat, dass die USA nochmal neu über die NATO nachdenken müssten, wenn denn der Iran-Krieg vorbei ist. bestätigt die Angst, die Merz von Anfang an zu Recht gehabt hat, was ist, wenn die Amerikaner aus der NATO austreten. Und er hat seine ganze Politik darauf ausgerichtet, die USA an der Seite Europas zu halten und dazu gehörte elementar die Ausgaben für Verteidigung nach oben zu schrauben und zwar deutlich nach oben zu schrauben. Und wenn er heute sagt, dass Trump... Noch in der NATO ist, hat auch etwas damit zu tun, dass Deutschland vorangegangen ist, was das 5-Prozent-Ziel angeht und die anderen Staaten gefolgt sind, dann hat er da einfach einen Punkt.

Sprecher 2: Ja, und gleichzeitig fragt man sich, warum hat er denn vorher angekündigt, dass er die Schuldenbremse auf gar keinen Fall lockern werde. Da gab es ja schon im Wahlkampf viele, die gesagt haben, das wird anders kommen. Da haben alle CDU, auch Finanzpolitiker immer auch hier im Podcast gesagt, auf gar keinen Fall, das ist üble Nachrede. Und dann 3, 2, 1, nach der Wahl war es so. Und natürlich auch in anderen Punkten ist Merz relativ, ja, großspurig unterwegs. Ich erinnere an, wir halbieren die Zustimmungswerte für die AfD oder der Wirtschaftsaufschwung wird mit mir kommen.

Sprecher 6: Im vergangenen Sommer sollten wir schon spüren, dass etwas anders ist.

Sprecher 2: Also die Frage, warum nimmt er den Mund so voll? Wie ist deine Einschätzung? Ist das notwendig, um überhaupt noch durchzudringen in dieser Welt? Oder ist das in dem Moment seine feste Absicht und er will es auch und merkt dann zu spät, dass es nicht geht, ist er schlecht beraten. Man fragt sich ja, warum macht jemand eigentlich einen gleichen Fehler immer wieder?

Sprecher 6: Es ist ein Charakterzug von ihm. Anders kann ich mir das gar nicht erklären. Und er hat ja auch, den Punkt hast du gerade aufgemacht, hat man das Gefühl, er lernt nicht dazu, was das Erwartungsmanagement angeht. Und was er vor allem produziert, ist dann... Enttäuschung. Jetzt muss man aber auch dazu sagen, ihm ist das passiert, was auch Olaf Scholz passiert ist, dass ein Krieg plötzlich kommt, mit dem er nicht gerechnet hat. Also Olaf Scholz damals der Überfall Russlands auf die Ukraine, der die deutsche Politik komplett verändert hat. Scholz hat das am Anfang auch richtig antizipiert, indem er gesagt hat, es ist jetzt eine Zeitenwende, die wir erleben, indem das Sondervermögen für die Bundeswehr aufgesetzt wurde, hat danach aber eine Politik gemacht, als gäbe es diese Zeitenwende nicht, hat sich am Koalitionsvertrag abgearbeitet. Die Tragik der jetzigen März-Regierung ist, dass... Nun das Momentum für Reformen da ist, die das Land verändern können, wenn man es sich traut anzugehen. Also nochmal Gesundheitsreform. In diesem Herbst müssen Maßnahmen beschlossen werden, damit sie 2027 wirken und die Lücke in der Krankenkasse, die Finanzierungslücke geschlossen wird. Und jetzt ist dieser Iran-Krieg da, der die ganze Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt. Jetzt haben wir ein Frühjahrsgutachten, das die Wachstumsprognose halbiert. Das heißt, der Effekt der Reformen wird in Teilen schon wieder aufgefressen durch das Weltgeschehen, auf das der Kanzler nun tatsächlich keinen Einfluss hat.

Sprecher 2: Das stimmt. Statt 1,3 Prozent prognostiziertem Wachstum sind es jetzt nur noch 1,5 Prozent. Noch 0,6 und für das Folgejahr 0,9 statt 1,4, also ein deutlicher Dämpfer. Auf einen Punkt will ich noch hinaus zur Frage, Merz sagt Dinge, die nicht richtig durchdacht, die nicht richtig abgesprochen sind. Und da gehe ich zurück auf den Montag. Der Syrer, der syrische Übergangspräsident in Berlin und Merz aussagen, wir wollen 80 Prozent der Syrer in Deutschland abschieben. Das sind mehrere hunderttausend, also 900.000 Syrer leben insgesamt in diesem Land. Und da sind nicht die eingerechnet, die schon deutsche Staatsangehörige geworden sind. Merz hat es so dargestellt, als habe der Syrer ihn darum gebeten. Jetzt ist allgemeines Chaos. Der Syrer sagt, nein, ich habe das nicht darum gebeten. Und im Februar hatte er gesagt, er möchte das gar nicht, denn die Infrastruktur im Land ist so zerstört, die ganzen Menschen kann er jetzt gar nicht gebrauchen. Ein totales Kuddelmuddel. Der Kanzler musste seine Aussage wieder halb zurücknehmen. Ihr seid ganz tief eingestiegen in dieses Thema in eurer aktuellen Folge des Machtwechsel-Podcasts. Vielleicht kurze Einschätzung von dir. Hat Merz hier was nicht richtig verstanden? Oder ist es ein Übersetzungsproblem? Was ist da eigentlich los bei dieser heiklen Frage?

Sprecher 6: Es ist ein kommunikatives Desaster, was wir da gerade erleben. Und es hat dazu geführt, dass der Kanzler den Kanzler erklären muss. Deswegen versucht aber auch gerade das Kanzleramt mit allen Mitteln diese Aussage, die Merz da getroffen hat, klarzustellen, dass es eben nicht seine Idee gewesen ist, 80 Prozent. der syrischen Menschen hier in Deutschland wieder zurück nach Syrien zu schicken binnen drei Jahren. Und wenn man die Details genauer wissen will, dann empfehle ich unsere aktuelle Folge Machtwechsel.

Sprecher 2: Genau, und wie gesagt, unbedingt da alles hören. Aber wie gesagt, es bleibt, es ist schwierig. Und gerade eben in einem Bereich, der politisch so heikel ist, wo die AfD sich jetzt wieder die Hände reiben kann und sagen kann, also da weiß der eine ja überhaupt nicht, was der andere will. Und natürlich auch die Frage, wenn das gar nicht mehr als eigene Position ist, wie kann es dann sein, dass nur weil... Ich sage mal Stichwort Last Person in the Room, jemand sich das wünscht, sowas dann auch zu versprechen, ohne es abzusprechen. Aber gut, Dagmar, machen wir hier einen Punkt und gucken an diesem Donnerstag jetzt voraus. Was ist im grünen Donnerstag in einem Jahr? Was muss passieren, damit wir dann, wenn wir uns hier wieder treffen, über... Diese Regierung über dieses Land anders reden, dass wir sagen, oh, vielleicht ist die Wirtschaft ja doch nicht nur um 0,6, sondern vielleicht doch über 1% gewachsen. Also was ist in deinen Augen jetzt das Wichtigste?

Sprecher 6: Das Wichtigste ist, dass die Regierung es schafft, Die Reformen, die nötigen Reformen anzugehen, dass eine Rentenkommission im Sommer entsprechend gute Vorschläge vorlegt und es den politischen Mut gibt, die nötigen Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig den Menschen in diesem Land klar wird, dass auch ihnen etwas abverlangt wird und dass jeder seinen Beitrag leisten muss.

Sprecher 2: Ohne die Menschen geht es nicht, sicherlich geht es auch nicht gegen die Menschen. Ich denke ja immer, es wird... Oder auch helfen, wenn wir alle ein bisschen besser gelaunt wären, wenn wir alle das Schöne, das es auch in diesem Land vielfach und vielfältig gibt, der Wohlstand, den wir trotz allem noch haben, die sicheren Verhältnisse, in denen wir trotz allem noch leben. Das auch zu sehen, das fällt leichter, wenn jetzt der Frühling dann hoffentlich irgendwann auch mal wirklich kommt. Und vielleicht fällt es auch leichter, wenn wir alle mal durchgeschlafen haben, durchgeschnauft haben, auch die Politiker mal. Denen gönnen wir jetzt diese Osterpause doch von Herzen, oder?

Sprecher 6: Absolut und vielleicht hilft auch, wenn man solche Appelle wie wir müssen mehr arbeiten nicht sofort als Beschimpfung versteht, sondern als Aufforderung, ein bisschen mehr die Ärmel noch hochzukrempeln.

Sprecher 2: Ja, manchmal denke ich, so patriotischer Aufbruch könnte man auch mal machen und sagen, toll, wir machen alle ein bisschen mehr. Und jedenfalls die, die das können, es muss ja gar nichts Schlechtes sein. Dagmar, jedenfalls mir hat es riesen Spaß gemacht. Danke, dass du da warst.

Sprecher 6: Es war mir ein Fest, liebe Helene.

Sprecher 2: Es ist Gründonnerstag und normalerweise redet die Kirche heute über das letzte Abendmahl, über die Hoffnung auf Auferstehung. Aber es gibt noch andere Themen, zu denen die Kirche was zu sagen hat. Weltliche Themen. Im Dezember hat die Deutsche Bischofskonferenz Reformpapiere zur Sozialpolitik vorgestellt. Längere Lebensarbeitszeiten, zielgenauere Umverteilung und generationengerechtere Lasten. Davon ist die Rede. Das klingt ein bisschen wie der Koalitionsvertrag. Warum mischt sich die Kirche so offen ein? Anton Losinger, Weihbischof in Augsburg und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sozialpolitik in der Bischofskonferenz, hat ein paar Antworten mitgebracht. Uwe Billig, von unserem Berlin-Table, hat mit ihm gesprochen.

Sprecher 7: Ja, grüß Gott, Herr Weihbischof Losinger.

Sprecher 8: Ich grüße Sie herzlich.

Sprecher 7: Wie steht es denn aus Ihrer Sicht um die deutsche Debattenkultur gerade?

Sprecher 8: Ich glaube, wir erleben gerade aufgrund auch der Brisanz der sozialen und kulturellen Themen einen gewissen Niedergang. Dabei stellen wir fest, dass im Grunde fast sämtliche politischen Kräfte nur noch auf ihre eigene Perspektive schauen und dass ihnen der Zusammenblick, die gemeinsamen Interessen aus dem Blick geraten.

Sprecher 7: Jetzt legt ja auch die katholische Kirche und die Deutsche Bischofskonferenz Wert auf die Themen Versöhnung, Zusammenhalt. Sie haben auch Vorschläge gemacht zum Thema Sozialstaatsreform. Wie kann man das dann erreichen, mehr Zusammenhalt, mehr Versöhnung auch in der... Debattenkultur.

Sprecher 8: Wir haben in der Tat zuletzt zwei sehr spannende Papiere auf den Markt gebracht. Das eine, die versöhnende Kraft der Arbeit. Ein Titel, der eigentlich fast eine Provokation ist. Aber wir müssen sehen, wie Arbeit als Instrument der Selbstverwirklichung, Arbeit auch als ein Instrument, dass man wichtige gesellschaftliche Aufgaben erfüllen kann und Arbeit auch als ein Teil dazu, dass soziale Sicherung in einem Land geleistet werden kann, gut ist. Und dazu braucht es wiederum so etwas wie ein Grundvertrauen der Generationen, wo eine Generation für die andere durch die eigene Leistung Verantwortung übernimmt.

Sprecher 7: Jetzt scheinen die Debatten der letzten Tage und Wochen ja eher von Misstrauen zum Teil geprägt worden zu sein. Stichwort Lifestyle, Teilzeit, Stichwort Krankschreibungen, Stichwort Generationengerechtigkeit bei der Rente. Wie kommen wir denn da davon weg, dass man gegenüber bestimmten Gruppen vielleicht ein pauschales Misstrauen hat?

Sprecher 8: Leider ist es so, dass die Gruppenaspekte, die in diese wichtige sozialpolitische Debatte eingebracht werden, sehr eigensüchtig formuliert werden und nur die eigene Interessenslage wiedergeben. Wir brauchen, wenn ein soziales Sicherungssystem, der Zusammenhalt der Generationen funktionieren soll, auch ein Vertrauen. Selbst wenn... Ein soziales Versicherungssystem funktioniert. Es kann ein mathematisch nicht hinhauen, wenn zwischen den Generationen nicht ein Grundvertrauen herrscht. Ich behaupte, wo der Enkel den Opa nicht mag, kann man kein Drei-Generationen-System im Umlageverfahren für Rente begründen.

Sprecher 7: Das heißt, wie sollte es aus Ihrer Sicht da eine Veränderung, eine Reform aussehen?

Sprecher 8: Wir brauchen Reformen, so wie wir es in unserem Rentenpapier unlängst formuliert haben und auch in der Bundespressekonferenz vortragen durften. Zusammenhalt durch Reformen sichern. Es ist wichtig zu erkennen, dass auch in einem System der sozialen Marktwirtschaft das gemeinsame Interesse eines gesamten Volkes aller Gruppen, die hier arbeiten und auch versorgt werden, zusammenhängt. Wo dieser Zusammenhang nicht mehr verfolgt wird, dissoziiert sich das Ganze und es wird schwierig, überhaupt einen Sozialstaat zu begründen.

Sprecher 7: Haben Sie das Gefühl, dass die jetzige Bundesregierung sich bei ihren Debatten und Vorschlägen eben an das von Ihnen erwähnte stichhaltigere Argument an die Faktenlage hält oder sehen Sie da Verbesserungsbedarf in der Kommunikation?

Sprecher 8: Ich sehe, dass im sachlichen Bereich eine Reihe von den Positionen, die wir formulieren, durchaus ganz klar benannt werden. Zum Beispiel der Bundeskanzler, der soeben zum Jubiläum im Haus der Deutschen Börse feststellte, dass wir soziale Sicherungssysteme breit auf drei Beinen, einen aufstellen müssen. Die klassische gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Rentenversicherung und schließlich die private Kapitalgedeckte. Und hier sehen wir schon einen wichtigen Ansatzpunkt, das Versprechen, dass eine Grundsicherung bleibt, so wie wir sie kennen, aber dass sie durch weitere Elemente verbessert werden muss, weil die Herausforderung einer Gesellschaft in der demografischen Wende neue Herausforderungen bietet.

Sprecher 7: Jetzt sprechen ja alle von Sozialstaatsreformen. Welche Rolle kann die Kirche dabei spielen?

Sprecher 8: Die Kirche ist im Grunde genommen ein Ratgeber. Wir überlegen uns in aller Klugheit und Klarheit, welche Elemente sind wichtig für eine zukünftige, gerechte und sich vertrauende Gesellschaft. Aber ein Ratgeber hat eben das Pech, dass derjenige, der gegenüber sitzt, den Rat annehmen muss. Er kann ihn auch... Populistisch gesprochen, in die runde Ablage entsorgen. Deswegen bemühen wir uns, mit ganz klaren, logischen, nüchternen Begründungsmechanismen auch die Verlässlichkeit unserer Daten zu belegen. Und wir hoffen, auch aufgrund der langen Erfahrung, die die Kirche im Bereich der sozialen Leistungen hat, dass das funktioniert. Beispiel, die erste Sozialencyklika dieser Welt, Rerum Novarum, 1891. von Papst Leo XIII. Sie stellt fest, ja, es sind neue Dinge da. Und wie können wir die soziale Frage, den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, leisten? Ich denke, dass diese soziale Enzyklika die erste überhaupt einen deutlichen Beitrag dazu geliefert hat, dass die soziale Frage nicht zur Explosion im 19. Jahrhundert kam.

Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Weihbischof Losinger. Und was war sonst noch so kurz vor dem Osterwochenende? Gute Nachrichten gibt es von einem Forscherteam der Universität Edinburgh. Die haben einen Weg gefunden, aus Plastikabfall ein Medikament gegen Parkinson herzustellen. Levodopa, so heißt der Wirkstoff und ist Millionen Parkinson-Patienten auf der Welt bekannt, denn dieses Standardmedikament nehmen sie täglich. Ja, und wie soll das nun gehen, die Umwandlung von Plastik in ein Medikament? Durch gentechnische veränderte Bakterien, die ganz normalen Petmüll in seine Bestandteile zerlegen und daraus den Wirkstoff zusammenbauen. Also doch wirklich erstaunlich, was die Gentechnik alles kann. Sie könnten nämlich dann bewirken, dass 50 Millionen Tonnen Plastikabfall, die jedes Jahr anfallen, zumindest zu einem Teil in unseren Apotheken landen, statt in den Ozeanen. Und zum Ende dieser Folge ist Dagmar Rosenfeld immer noch bei mir hier im Studio. Dagmar, euer Podcast beginnt mit einem Lied, das du... immer aussuchst. Unser Podcast endet mit einem und deswegen darfst du dir jetzt ein Lied wünschen.

Sprecher 6: Und da unser Podcast immer mit deutschem Schlager beginnt, wünsche ich mir ein Lied von dem deutschen Schlagergott von Roland Kaiser. Manchmal möchte ich schon mit dir.

Sprecher 2: Wie schön. Dagmar, danke dir und allen Hörerinnen und Hörern. Frohe Ostern, beziehungsweise erstmal einen gesegneten Karfreitag, der höchste Feiertag für die evangelischen Hörer unter uns. Und da haben wir Karin Prien, die morgen bei uns ist. Und am Samstag haben wir den Ökonom-Stellton. Und am Montag, da wird es dann... Österlich mit einem Pfarrer aus Sachsen. Justus Geilhufe. Hören Sie da auch mal rein, wenn Sie mögen. Und am Dienstag ist Michael aus dem Urlaub zurück. Bis dahin, alles Gute, tschüss.

Sprecher 9: Mal möchte ich schon mit dir diesen unerlaubten Weg zu Ende gehen. Manchmal möchte ich so gern mit dir Hand in Hand ganz nah an einem Abgrund stehen, wenn ich dich so sehe, vor mir sehe. Manchmal möchte ich schon mit dir eine Nacht das Wort begehren, buchstabieren. Manchmal möchte ich so gern mit dir, doch ich weiß, wir würden viel zu viel riskieren. Du verlierst den Mann, ich verliere den Freund. Trotzdem fühle ich mich hin und her gerissen. Und die Sehnsucht macht sich breit auf meinem Kissen. Du versprichst mir die Erfüllung meiner Träume. Da nein zu sagen, fällt unendlich schwer. Manchmal möchte ich schon nicht mehr.