Was kann die SPD von ihren Lokalpolitikern lernen? Mit Florian Freund.
Dauer: 25:14

Was kann die SPD von ihren Lokalpolitikern lernen? Mit Florian Freund.

Lars Klingbeil hat vor der Bertelsmann Stiftung eine Grundsatzrede gehalten, die für die SPD einem Tabubruch gleichkommt. „Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen", sagte der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler — und zog daraus konkrete Schlüsse: Abschaffung des Ehegattensplittings für künftige Ehen, Ende der Rente mit 63, mehr verpflichtende Betriebsrenten.

[01:52]


In Berlin kommen SPD-Oberbürgermeister, Ministerpräsidenten und die Parteiführung zum Spitzentreffen zusammen — erstmals mit der kommunalen Ebene als gleichberechtigtem Gesprächspartner. Dr. Florian Freund, der am Sonntag in Augsburg nach 18 Jahren die CSU aus dem Rathaus gedrängt hat, ist im Podcast zu Gast. Sein Rat an die Bundespartei: Die SPD sei immer dann erfolgreich gewesen, wenn sie ein glaubwürdiges Bild davon gehabt habe, wo sie mit der Gesellschaft hin wolle — kein Links-rechts-Schaulaufen, sondern eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie eine sozialdemokratische Gesellschaft in zehn oder zwanzig Jahren aussehe.

[08:43]


Europa ist bei der Luftverteidigung massiv von den USA abhängig — und der erste EU-Kommissar für Verteidigung macht den Ernst der Lage in Zahlen deutlich. „Bei der Luftverteidigung müssen wir unsere Kapazitäten um 400 Prozent erhöhen", sagte Andrius Kubilius im Interview mit Markus Bickel. Der Iran-Krieg illustriert das Dilemma: In fünf Tagen verschossen die USA und ihre Verbündeten rund 800 Patriot-Raketen — mehr als die Jahresproduktion der USA.

[14:59]


Hier geht es zur Anmeldung für den Space.Table


Table Briefings - For better informed decisions.


Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen. 


Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/testen


Hier geht es zu unseren Werbepartnern


Impressum: https://table.media/impressum

Datenschutz: https://table.media/datenschutzerklaerung


Bei Interesse an Audio-Werbung in diesem Podcast melden Sie sich gerne bei Laurence Donath: laurence.donath@table.media


Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Lars Klingbeil geht in die Offensive. Eine kleine Ruckrede des SPD-Chefs gestern vor der Bertelsmann Stiftung. Er spricht von Zumutungen und Einsparungen, schlägt eine neue Form der konzertierten Aktion vor und sagt sogar, wir werden insgesamt mehr arbeiten müssen in diesem Land. Wir analysieren die Rede von ihm gleich hier.

Sprecher 3: Ein bisschen Roman Herzog, vielleicht sogar ein bisschen Gerhard Schröder. Es geht weiter mit der SPD, denn es kommen in Berlin mehrere SPD-Oberbürgermeister mit den Ministerpräsidenten und der Parteiführung zusammen. Ein SPD-Spitzentreffen, aber diesmal unter Einschluss der Kommunalos, denn von denen kann man einiges lernen. Sie können Wahlen gewinnen und einer, der jetzt gerade in Augsburg gewonnen hat, nach fast 20-jähriger Herrschaft der CSU, ist Florian Freund und wir haben ihn heute hier im Gespräch.

Sprecher 2: Europa muss militärisch unabhängig werden von den USA. Das ist derzeit überhaupt nicht der Fall. Erst recht nicht bei der Luftverteidigung. Der EU-Verteidigungskommissar Kobilius ist bei uns im Gespräch. Er sagt, alleine in der Luftverteidigung müssten wir in der europäischen NATO unsere Kapazitäten um 400 Prozent erhöhen. Gleich bei uns im Interview.

Sprecher 3: Und dann sprechen wir noch über die PFAS. Das klingt netter als es ist. Es sind keine kleinen Tierchen, sondern es sind Chemikalien, die sich in der Umwelt breit machen und sehr gefährlich sein können. Aber auch darin, in den PFAS, hat sich eine gute Nachricht versteckt. Denn das ist ja unser Anspruch hier in diesem Podcast, auch im ganzen Schlechten dieser Welt, das kleine Keimchen Hoffnung zu entdecken. Und das tun wir auch an diesem Donnerstag, den 26. März.

Sprecher 4: Nach Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, die großen mehr, die kleinen weniger. Aber es müssen auch alle mitmachen. Wir werden, meine sehr verehrten Damen und Herren, Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fordern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abfordern müssen. Alle Kräfte der Gesellschaft werden ihren Beitrag leisten müssen, Unternehmer und Arbeitnehmer, freiberuflich Tätige, Und auch Rentner.

Sprecher 5: Deutschland ist mittlerweile ein blockiertes Land. Wir müssen Beton rausbekommen aus den Köpfen, aus den Debatten. Und das heißt, wir müssen uns öffnen für Argumente der anderen. Raus aus den argumentativen Schützengräben. Und vor allem die Bereitschaft, gerade jetzt in diesen Zeiten setzen, dass wir eigene Interessen auch hinter das Gemeinwohl zurückstellen. 2026, und das sage ich deutlich, wird uns Mut abverlangen. Wir alle wissen, Deutschland braucht grundlegende Reformen.

Sprecher 3: Da spricht ein Politiker mal aus, was viele fühlen, dass es Mut braucht. Mut, um aus dieser Situation rauszukommen, dass sie uns einiges abverlangen wird, dass es nicht einfach so weitergehen kann, sondern er hat sogar das Wort patriotisch benutzt. dass wir gemeinsam das nur schaffen können und dass das eben auch Verzicht bedeutet und zwar für jeden von uns.

Sprecher 2: Eine echte Mutrede des Vorsitzenden Lars Klingbeil, der mit dem Rücken zur Wand steht und sich für die Vorwärtsverteidigung entschieden hat. Seine zentrale These dieser Rede, nur die ökonomische Souveränität bringt uns überhaupt wieder auch auf dem geopolitischen Spielfeld in die Vorderhand. Und ich glaube, er hat auch ein paar Überraschungen für die eigene Klientel parat gehabt, oder?

Sprecher 5: Zuwanderung alleine wird aber nicht ausreichen, wenn es darum geht, dass wir das Arbeitsvolumen in Deutschland erhöhen. Dafür braucht es weitere Strukturreformen. Und wenn ich über grundlegende Veränderungen spreche, dann heißt das auch, wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen. Ich möchte, dass wir eine Debatte über den Arbeitsmarkt führen. Aber ich will, dass wir sie sachlich führen und nicht populistisch.

Sprecher 3: Die zentrale Botschaft von Lars Klingbeil ist eine, die für die SPD durchaus ein Sprung über den eigenen Schatten ist, nämlich sie lautet, wir müssen alle mehr arbeiten. Und das hat verschiedene Komponenten. Einerseits geht es um die Abschaffung der Rente mit 63, ein ehemaliges Prestigeprojekt der SPD, auf die die Partei sehr stolz war. Andererseits geht es auch darum, die Teilzeitquote insbesondere von Frauen runterzuschrauben. Lars Klingbeil spricht von der Teilzeitfalle und die will er beseitigen, unter anderem durch das Abschaffen des Ehegattensplittings, die ja die Teilzeitarbeit von Frauen begünstigt.

Sprecher 5: Eine aktuelle Studie der Bertels. Die Mann-Stiftung zeigt, dass 35 Prozent der nicht erwerbstätigen Frauen keinen finanziellen Vorteil darin sehen, überhaupt zu arbeiten. Der Grund ist ein Steuersystem aus dem letzten Jahrhundert genannt Ehegattensplitting. Und ich will, dass das Ehegattensplitting in seiner heutigen Form für zukünftige Ehen abgeschafft wird. Eine Reform könnte zur Besetzung von zehntausenden Vollzeitstellen führen.

Sprecher 2: Ja, was die CDU dazu sagt, dürfte gespannt sein, denn dort gilt in der Steuerpolitik immer noch, das Ehegattensplitting ist nicht anzutasten. Aber die Ökonomen sind sich weitgehend einig, dass das selbstverständlich keine Anreize bietet für den geringer verdienenden Partner, meistens die Frau. Insofern glaube ich, eine richtige und kluge Analyse.

Sprecher 3: Und einige Frauen in der CDU, zum Beispiel Karin Prien, haben sich auch schon dafür ausgesprochen. Insofern steht die CDU da auch nicht wie ein Block, sondern es gibt sicherlich Spielräume auch mit der SPD zu verhandeln. Lars Klingbeil außerdem sagt, es war richtig, das Bürgergeld abzuschaffen. Auch das ein SPD-Projekt, das mal ja gedacht war, um das Trauma von Hartz IV zu überwinden. Man kann schon sagen, Michael, die SPD hat dort jetzt einen echten Schritt nach vorne gemacht.

Sprecher 2: Ja, endlich kommt mal ein bisschen der Seeheimer bei Lars Klingbeil durch oder der ehemalige Mitarbeiter von Gerhard Schröder. Denn auch die Einkommensteuerreform war ein zentrales Thema. Er wird und will sie vorlegen. 95 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen entlastet werden. Und er sagt auch...

Sprecher 5: An die Rente müssen wir ran. Ich unterstütze deswegen den Vorschlag, dass wir bei der Rente viel stärker uns an die Rente den Beitragsjahren orientieren. Dass wir aufhören, ein frühes Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu fördern, Ich fände es sinnvoller, wenn wir längeres Arbeiten fördern.

Sprecher 2: Also das Thema Rentenreform hat er offensiv angesprochen. Mehr verpflichtende Betriebsrenten soll es gegen eine neue Kapitaldeckung. War auch nicht gerade ein Lieblingsthema. Also es ist schon sehr viel Schröder da drin.

Sprecher 3: Auch ganz zu Anfang seiner Rede sprach er davon, dass er ein Angebot machen wolle. Und das war sicherlich nicht nur, aber auch an den Koalitionspartner gerichtet.

Sprecher 5: Ich möchte mit meiner Rede Türen aufmachen, was die künftigen Reformprozesse in unserem Land angeht. Franz Müntefering hat gerade in einem Interview noch einmal sehr ausdrücklich aufgezeigt, wie krass er die heutige Zeit empfindet. Und das im Vergleich auch zu der Zeit, in der er damals Politik gemacht hat. Wir können also feststellen, es sind sehr außergewöhnliche Zeiten, in denen wir uns heute bewegen.

Sprecher 2: Überhaupt hat er versucht, eine neue Debattenkultur auch in seine Rede hineinzubringen. Zum Schluss spricht er von der Stärke, die unsere Freiheit sichert, aber auch, dass man in der Debattenkultur nicht jedes Thema, das mal vorgeschlagen wird von einer der beiden Parteien oder der drei Parteien in der Bundesrepublik, sofort zerredet. Er spricht von den Lobbyisten, die dann sofort ihre Einzelinteressen vor das Gemeinwohl stellen. Da wünscht er sich mehr Ruhe, mehr Sachlichkeit in der Debatte. Dem kann man eigentlich nicht widersprechen.

Sprecher 3: Ja, man könnte natürlich entgegnen, dass die SPD das selbst in vielerlei Hinsicht nicht beherzigt hat. Wir denken an das Thema... Ersatz, wir denken an das Thema Lifestyle-Teilzeit. Da könnte man jetzt viel zu sagen, dass natürlich diese Begriffe und diese Themen auch polemisch gewählt waren von der CDU und ihrer Entourage, also CDU-Wirtschaftsrat. Also insofern kann man das lesen als Appell des Parteivorsitzenden auch an seine eigene Partei, sich nicht immer sofort zu empören und öffentlich zu erregen, denn das ist nun eine Binse, aber trotzdem war, man kommt damit keinen Millimeter weiter.

Sprecher 2: Ein zentraler Punkt und der richtet sich auch an die eigene Partei, nicht nur an Markus Söder, ist es ja, dieses Argumente anderer sich dafür zu öffnen. Es gibt Argumente anderer in der SPD und die kommen meist aus den Kommunalen, denn dort gibt es sie noch, die Gewinner, die Städte und Großstädte gewonnen haben, sogar teilweise sehr deutlich. Und diese Sozialdemokraten, die in der Fläche erfolgreich sind, die sind an diesem Freitag zu Gast in Berlin und sollen zum Krisengipfel mit der SPD-Führung zusammenkommen. Einer davon ist der Oberbürgermeister in Augsburg, Florian Freund, der deutlich gewonnen hat und zum ersten Mal seit 18 Jahren jetzt dort als Sozialdemokrat regieren darf. Helene Bubrowski hat mit ihm gesprochen, was er sich als Konsequenz aus den Wahlniederlagen wünscht.

Sprecher 3: Hallo, lieber Herr Freund.

Sprecher 6: Ja, hallo Frau Wurski, grüße Sie. Danke für die Möglichkeit zu sprechen.

Sprecher 3: Gibt es etwas, das die SPD, die anderen Kommunalpolitiker, aber auch die Bundesebene jetzt von ihrem Erfolg lernen können?

Sprecher 6: Ich weiß nicht, vielleicht kein Podcast mit SPD-Beteiligung ohne Willy-Brandt-Zitat. Aber Willy Brandt hat ja in einer seiner abschließenden Reden gesagt, dass jeder... Jede Zeit die Antworten braucht und die Sozialdemokratie die Antworten finden muss, die sie eben zum Fortschritt der Gesellschaft auch geben muss. Also sinngemäß jedenfalls, ich habe es mir jetzt nicht hergeholt. Und ich glaube, das ist auch bei den Kommunalen ganz genauso. Wir müssen uns in den Kommunen Gedanken machen, was sind denn die kommunalen Themen, die unter den Nägeln brennen, die den Leuten unter den Nägeln brennen, was sie beschäftigt. Und das waren in Augsburg ganz viele Infrastrukturthemen. Und das ist vielleicht auch eine Parallele zur Bundesebene. Die Menschen haben das Gefühl, dass die Infrastruktur an vielen Stellen nicht mehr so gut funktioniert, wie sie es schon mal getan hat, mit Blick auf die Straßen, mit Blick auf die Schulen, mit Blick auf die Brücken, mit Blick auf die Deutsche Bahn. Das sind alles Dinge, die dafür sorgen, dass eine gewisse Verdrossenheit entsteht. Und das aufzugreifen und zu sagen, wir haben Ideen, wie wir das lösen können. Und wir setzen Prioritäten auch so, dass es gelöst wird. Das ist, glaube ich, erfolgversprechend.

Sprecher 3: Am Sonntagabend nach dem ja schlechten Wahlergebnis der SPD in Rheinland-Pfalz hat der Seeheimer Kreis eine Pressemitteilung rumgeschickt, in der stand, die SPD hat zu sehr die Bürgergeldempfänger, die Transferleistungsempfänger im Blick und der Appell war, sich endlich wieder der arbeitenden Mitte zuzuwenden. Halten Sie das für richtig? Hat die Partei auf Bundesebene in dieser Hinsicht Fehler gemacht?

Sprecher 6: Die SPD war immer dann erfolgreich, wenn sie glaubhaft ein Bild davon hatte, wo sie mit der Gesellschaft... hin möchte. Also das meine ich jetzt vor allem im Bund, aber das kann man auch auf die Städte und Gemeinden übertragen. Wenn die SPD es schafft, ein Bild zu entwerfen davon, wo sie in Zukunft hin möchte und dieses Bild so positiv auch darstellen kann und so plausibel auch darstellen kann, dass es der Mehrheit der Menschen gefällt, dann ist sie auch erfolgreich. Und ich glaube nicht, dass es um das Thema Links-Rechts-Spektrum geht und um das Ausspielen jetzt von arbeitender Bevölkerung gegen Bürgergeldempfänger. Wir müssen für uns klären, wie sieht denn eine Gesellschaft aus, aus sozialdemokratischer Sicht in 10 oder 20 Jahren. Wo wollen wir hin? Und wenn wir da eine überzeugende Antwort geben, dann bin ich der festen Überzeugung, dass die Sozialdemokratie wieder erfolgreich sein kann, weil die Menschen wissen ganz genau, dass die SPD gebraucht wird. Und zwar aus ganz vielen Gründen. Wenn wir eine Gesellschaft hätten, auch eine politische Landschaft hätten, in der es nur noch Konservative gibt, die irgendwas bewahren wollen und Liberale gibt, die möglichst alles befreien wollen, dann glaube ich, fehlt von beiden Seiten ein wichtiges Korrektiv. Und das war die SPD in all den Jahrzehnten immer.

Sprecher 3: Also ich höre daraus ein Plädoyer einerseits für Investitionen, andererseits auch für steuerliche Entlastung, ein Stück weit auch Umverteilung, wenn Sie sagen, oder jedenfalls Belastung, stärkere Belastung der breiteren Schultern, wie es heißt.

Sprecher 6: Wenn wir wieder auf die steuerliche Belastung kommen würden aus den letzten Jahren, Helmut Kohl-Ära, dann glaube ich, wäre die steuerliche Belastung deutlich gleicher verteilt oder deutlich gerechter verteilt. Und jetzt kann man ja über Helmut Kohl vieles sagen, aber dass unter ihm der Sozialismus ausgebrochen werde, ist ja nun nicht der Fall.

Sprecher 3: Glauben Sie, dass die SPD auf Bundesebene die Kraft hat, aus dieser Krise rauszukommen, das als Chance zu begreifen? Und gibt es möglicherweise so etwas wie einen Schröder-Moment, dass man sagt, jetzt müssen wir sehr mutig die Reform angehen, denn das ist das, was die Menschen von uns erwarten?

Sprecher 6: Natürlich haben wir die Kraft und ich glaube, das hängt natürlich immer sehr stark an den handelnden Personen. Und wenn ich jetzt nochmal auf Augsburg zurückkommen darf, bei uns ist es so gewesen, dass wir als Team sehr stark agiert haben. Wir haben sehr gut damit leben können, auch ich als OB-Kandidat, gut damit leben können, dass mal ein anderer im Rampenlicht stand. Viele andere haben damit leben können, dass ich viel stärker als andere im Rampenlicht stand. Und ich glaube, das ist was, das müssen wir uns angewöhnen. Auch die innerparteiliche Solidarität und das innerparteiliche Ziehen am gleichen Strang und dann möglichst bitte in die gleiche Richtung. Das ist etwas, was ich mir wünschen würde und was auch erfolgversprechend ist.

Sprecher 3: Sind die Parteivorsitzenden die Richtigen? Da gibt es ja Kritik daran, dass sie durch ihre jeweiligen Ministerämter so belastet sind, dass sie sich um den Kurs der Partei, und das ist ja die zentrale Frage, nicht genügend kümmern können.

Sprecher 6: Ich halte relativ wenig jetzt von Personaldiskussionen. Wir kommen aus... der Bundestagswahl, die für die SPD nicht besonders gut war. Wir kommen aus Landtagswahlen, die für die SPD nicht besonders gut gelaufen sind. Und ich glaube, was die Leute jetzt nicht von uns erwarten, ist, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen.

Sprecher 3: Ihre ersten Maßnahmen für Augsburg, was steht jetzt an?

Sprecher 6: Da geht es ganz konkret vor allen Dingen um Infrastrukturmaßnahmen. Ich werde dafür sorgen, dass die Schultoiletten jetzt binnen der nächsten sechs Jahre an allen Augsburger Schulen so im Zustand sind, dass sie in Ordnung sind. Ich werde dafür sorgen, dass der öffentliche Personennahverkehr wieder so fährt, wie er 2020 vor Amtsübernahme der jetzigen Stadtregierung gefahren ist, nämlich im Fünf-Minuten-Takt. Und ich werde ein Innenstadtumbauprojekt, das schon sehr, sehr lange auf Halde liegt, nämlich die Fuggerstraße zwischen Königsplatz und Staatstheater, werde ich zur Fuggerpromenade umbauen. Und ich glaube, dann werden die Augsburgerinnen und Augsburger auch sehen, dass es in dieser Stadt wieder vorwärts geht und dass Veränderung möglich ist und dass wir auch bei der Infrastruktur viel stärker auf die breite Masse setzen.

Sprecher 3: Augusta Windelikum, die Römerstadt Augsburg. Vielen Dank, Herr Freund, dass Sie heute bei uns waren.

Sprecher 6: Dankeschön.

Sprecher 2: Der Iran-Krieg geht in seine fünfte Woche und alleine in fünf Tagen haben die USA und ihre Verbündeten 800 Patriot-Raketen verschossen. Sie wissen, das sind diese Luftabwehrsysteme, die wir auch in den USA kaufen müssen, weil wir sie gar nicht selbst herstellen können. Es zeigt, wie abhängig sind wir von den Amerikanern und vor allem von der amerikanischen Militärtechnologie. Einem in Europa geht das besonders gegen den Strich, das ist Andrius Kubilius. Er ist EU-Kommissar für Verteidigung, der erste übrigens. Und er hat immer schon klar gemacht, Europa muss strategisch unabhängig werden, auch vom Partner USA. Im Gespräch mit Markus Bickel erklärt er, wie das gehen könnte und was wir eigentlich genau brauchen. Ein Interview, das sich nicht nur die Kolleginnen und Kollegen im Bundesverteidigungsministerium ganz genau anhören sollten.

Sprecher 7: Mr. Kubilius, the war against Iran once again shows the divide between Europe and the United States. How prepared are European governments to stash their reliance on the U.S. And to become independent of American weapons?

Sprecher 8: That is what we're building, but not because of Iran war, but because Americans for quite a period of time were asking us to take responsibility. On conventional European defense. And that's our strategic goal, really to take that responsibility, which means to become more independent. And we're doing that.

Sprecher 7: 40% of the EU's defense budget is still being spent on American weapons. When will this percentage be reduced?

Sprecher 8: When our industries will be able to produce what they are not producing now and what we need to buy in the United States, for example, Patriot systems or air fighters. So that's really... It will take some time, but we can do much better.

Sprecher 7: How much time will it take?

Sprecher 8: It depends on the industry. I cannot tell you very precisely. We are encouraging governments to spend more of their financial resources on European products. It would be very important that the governments also would go for more joint procurement. That will help our industries. I hope that, you know, in the future, really, we shall be able to compete with American industries, producing good weapons, developing new systems, doing that quite often together with Ukraine, which is now featuring as... As most innovative defense industry worldwide. So we have also opportunities.

Sprecher 7: According to the Stockholm Peace Research Institute, Europe is the world's largest importer of weapons. Why does Europe need to buy more weapons?

Sprecher 8: Because we have very clear NATO capability targets, which are showing that we need to increase our defense capabilities almost... By 50%. Some cases, like Mark Rutte is saying, for example, in our air defense, we need to increase our air defense capabilities by 400%. So it means that till now, we were not investing into our capabilities enough. We were always hoping that Americans will provide for us all the defense, spending their taxpayers'money. Now that time is coming to the end. We need to change. That's the whole story.

Sprecher 7: You mentioned air defense. What other systems do Europeans need to produce on their own?

Sprecher 8: First of all, really, air defense now is becoming very crucial, especially when we see from one side Ukraine, from another side we see the war in Iran. And definitely to be dependent only on Patriot systems, it would be not... Very rational because for time being, Patriot missiles, which are produced in the United States, they are producing per year around 750, when only for Ukraine there is a need of 2,000, when in Gulf countries and Americans, after the beginning of the war with Iran, during five days, spend around 800 missiles. So we see, you know, very big mismatch in arithmetics. What is the demand and what is the supply? Second, definitely... From my point of view, priority should be devoted to what we call strategic enablers, like space defense services. We are doing quite a lot, but still we are quite dependent. They're on American services here, specifically for military needs. Also, some kind of strategic enablers like air refueling, like... AVAC systems and so on. So there is quite a list which we know very well and experts know very well and that should be our priority.

Sprecher 7: If we look at the differences Germany and France are having on the future combat air system, FCAS, one wonders if Berlin and Paris understood the seriousness of the situation. Is it national egoism that still hinders Europe from becoming independent?

Sprecher 8: Well, first of all, definitely we need to understand that both our defense policies, since, you know, the treaties are saying very clearly defense policies are national ones. That makes, in some cases, cooperation much more difficult. We see that, you know, in this EFCA story or in some other, you know, not very successful stories. In our attempts to build pan-European projects. For example, in space we have much more successful stories than in defense. We need to understand why, and I see the roots exactly that our defense policies. From our side, we offer it member states to start to develop so-called European defense projects of common interest. It comes from new EDIP regulation from European Defined Industry Program. And maybe that would help really to overcome those problems which we have seen with FCAS development. It would be European projects with support of European Council. With European funds coming in addition to national funds. So maybe that will change this not good tendency which we see in Europe.

Sprecher 7: You said that it's in the sovereignty of national states, the defense file. Germany has a lot more money than many other countries. Does this favor Germany? Does this hinder more cooperation on the European level?

Sprecher 8: Germany is showing a good example that, you know, they can... Use taxpayers'money for defense. And that's a good example to other countries. It could be an inspiration for other countries also to look for possibilities to invest into defense. Because defense is a basic public good, which all of us, we need. And since in Europe, we... Our defense is based on what we call collective defense principles. There is no single country which can be assured that if it will stay alone, it will be able to defend itself. So I would now really look into that other countries will follow German example. Also, I'm looking at both Germany, France and other big countries. We look also how to develop not only national defense capabilities, but also some kind of European capabilities in order for us to be ready to fight as Europe, not only as a combination of 27.

Sprecher 7: Thank you very much.

Sprecher 8: Thanks a lot.

Sprecher 3: Lieber Mick war noch was.

Sprecher 2: Wir wissen ja seit Jahren, Helene, dass die Teflonpfanne in unserer Küche gut funktioniert. Ja, aber zeitgleich auch eine gefährliche Chemiebombe ist. Und übrigens unsere Outdoor-Jacken auch. Denn es sind die berühmten Ewigkeitschemikalien, die da drin verbaut sind. Die berühmten PFAS.

Sprecher 3: Ich dachte, das mit den Teflonpfannen sei eine miese Verleumdungskampagne der Stahlpfannenhersteller und würde so gar nicht stimmen. Aber Michael, du bist da besser informiert, du als der Superkoch.

Sprecher 2: Exakt so ist es. Ich werde diese Woche auch noch einen wunderbaren Lammlax in einer dieser Teflonpfannen brutzeln. Jedenfalls haben jetzt Forscher der Universität Bath ein Membran entwickelt, das offenbar diese Chemikalien gezielt aus dem Wasser herausfiltern kann. Auch in Kläranlagen könnte man diese neue Innovation einsetzen, um diese Chemikalien loszuwerden. Am Ende dieses Podcasts also wie immer eine Nachricht, Helene, die die Welt ein bisschen besser machen kann.

Sprecher 3: Und damit kommen Sie gut durch diesen Tag und wir freuen uns, wenn Sie am Freitag wieder dabei sind.

Sprecher 2: Tschüss, bis dahin.

Sprecher 9: I see trees. I've dreamed. Red roses too.

Sprecher 10: I see them bloom for me and you. And I think to myself. What a wonderful world. I see skies are blue and clouds of white. The bright blessed day and the dark sacred night. And I think to myself. What a wonderful world. And I think to myself. It's a wonderful world. That's a wonderful world.