Wie viel Zeit bleibt der Bundeswehr? Mit General Sandrart.
Dauer: 26:26

Wie viel Zeit bleibt der Bundeswehr? Mit General Sandrart.

Die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist eines der großen Streitthemen innerhalb der Gesellschaft und der Koalition. Am Ende haben sich Union und SPD auf ein Freiwilligenmodell geeinigt. Diesen Kompromiss hält der Generalleutnant a.D. des Heeres, Jürgen-Joachim von Sandrart, für einen Fehler. Er spricht von einer „Ohrfeige für unsere Gesellschaft." Mit diesem Kompromiss entstehe kein Wir-Gefühl, man habe sich wieder einmal nach einer Minderheit in der SPD gerichtet. „Das müssen wir korrigieren. Dafür haben wir nicht viel Zeit."

[14:00]


Viktor Orbán hat beim EU-Gipfel in Brüssel erneut die Ukraine-Hilfen blockiert. Alle anderen Staats- und Regierungschefs kritisierten ihn scharf. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, man werde das nicht hinnehmen: „Das wird auch Konsequenzen haben, die weit über dieses einzelne Ereignis hinausreichen.“

[01:37]


Der schwarz-rote Koalitionsvertrag sieht eine europäische Medienplattform vor. SWR-Intendant Kai Gniffke ist überzeugt: „Keiner von uns alleine wird in diesem Sturm bestehen, in diesem Wettbewerb mit den großen Tech-Konzernen." Er schlägt vor, die bestehenden Angebote in Europa besser zu vernetzen.

[07:38]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Wie hältst du es mit Viktor Orban? Das ist die Gretchenfrage der europäischen Politik. Und auch gestern im Rat wurde darüber gerungen, insbesondere natürlich über die Blockade für die Ukraine-Hilfen. In wenigen Wochen ist Wahl in Ungarn. Auch deswegen steht Viktor Orban innenpolitisch unter Druck. Für die EU eine große Aufgabe. Wie sie damit umgeht, hören Sie gleich bei uns.

Sprecher 3: 600 Milliarden Euro will Deutschland bis Ende des Jahrzehnts für die militärische Verteidigung ausgeben. Die Aufrüstungsspirale läuft, aber wie schnell werden wir wirklich verteidigungsfähig? Kaum Tankwagen gibt es, kaum Nachschubkräfte, logistische Probleme, zu wenig Luftverteidigung. Die Lücken sind tief. Wie kann das alles schneller gehen? Darüber sprechen wir mit General Joachim von Sandrath.

Sprecher 2: Meta, TikTok und Instagram sind übermächtig und haben Einfluss auf unsere Demokratie hier in Europa. So sehen es jedenfalls diejenigen, die sich nicht nur für ein Social-Media-Verbot für Kinder Gedanken machen, sondern die nun auch die Idee einer europäischen Medienplattform vorantreiben. Diese Woche gab es dazu in Berlin eine Konferenz und wir sprechen mit dem SWR-Intendanten Kai Gniffke.

Sprecher 3: Als Chief Happiness Officer von Table Briefings darf ich diese wunderbare letzte Rubrik anmoderieren, denn wieder einmal wurde gewählt. Wer sind die Glücklichsten und wo leben sie eigentlich auf der Welt? Die Ergebnisse gibt es ganz am Ende dieses Videos. Wunderbaren Podcast. Es ist Freitag, der 20. März. Auf geht's.

Sprecher 4: Dies ist ein grober Verstoß gegen die Loyalität der Mitgliedstaaten untereinander und beschädigt die Handlungsfähigkeit und das Ansehen der Europäischen Union als Ganzes.

Sprecher 2: Viktor Orban ist der Querulant in der EU. An ihm und an seinem Nein liegt es, dass die versprochenen 90 Milliarden Euro für die Ukraine immer noch nicht ausbezahlt wurden. Die Krux an der Sache ist, dass Orban eigentlich schon zugestimmt hatte, aber jetzt auf den letzten Metern stellt er sich doch wieder quer. Und das liegt auch daran, dass in Ungarn am 12. April gewählt wird und laut aktuellen Umfragen Viktor Orban nicht mehr vorne liegt. Dass er aber meint, mit einem Anti-Ukraine- und Anti-EU-Kurs noch auf den letzten Metern punkten zu können. Es ist eben gerade seine harte Ukraine-Politik, die in der Bevölkerung gut anzukommen scheint. Gestern fand der EU-Gipfel in Brüssel statt und die große Frage war, kann man Orban irgendwie noch davon überzeugen, Oder kann man sein Nein umgehen? Stichwort Orban trinkt eine Tasse Kaffee und der Rest stimmt für die Hilfen. Das bespreche ich nur mit Stefan Israel, unserem Kollegen vom Europe Table, der live vor Ort im Ratsgebäude. gestern Abend ist. Hallo, schön, dass du kurz Zeit hast, lieber Stefan.

Sprecher 5: Hallo Helene, vielen Dank.

Sprecher 2: Viktor Orban, ja, konnten die Staats- und Regierungschefs ihn irgendwie dazu bewegen, endlich dieses Geld freizugeben?

Sprecher 5: Nein, also keine Chance. Viktor Orban war sehr isoliert heute. Es sei noch nie so. Massiv hätte es noch nie so massive Kritik jetzt gegeben aus den Reihen der anderen Staats- und Regierungschefs. Also praktisch alle haben ihn da hart herangenommen und haben ihn kritisiert dafür, dass er eben gegen dieses Loyalitätsprinzip verstoßen hat, weil er ursprünglich im Dezember zugestimmt hat und dann nachher jetzt, wo es entscheidend darum ging, ein Gesetz, um ihm dieses Geld freizumachen, auch auszuzahlen, hat er dann doch blockiert.

Sprecher 4: Wir sind uns einig, dass wir das, was heute geschehen ist im Europäischen Rat, so nicht hinnehmen und das wird auch Konsequenzen haben, die weit über dieses einzelne Ereignis hinausreichen. Wir werden in der Haushaltsaufstellung und in allem, was daraus folgt, noch einmal ganz grundsätzlich über diese Frage miteinander reden müssen. Und ich hatte den Eindruck, dass die Kolleginnen und Kollegen, die sehr viel länger diesem Europäischen Rat angehören als ich, zutiefst verärgert sind über das, was heute geschehen ist. Es ist ein Akt grober Illoyalität in der Europäischen Union, den es noch einmal nach denen, die länger dabei sind als ich, in dieser Form bisher nicht gegeben hat. Und das wird nach meiner festen Überzeugung tiefe Spuren hinterlassen.

Sprecher 5: Er war so sehr isoliert und es schaut nicht so aus, als würde vor der Wahl am 12. April da noch Bewegung reinkommen.

Sprecher 2: Das heißt, so lange muss die Ukraine warten oder können die anderen Staats- und Regierungschefs etwas tun?

Sprecher 5: Nein, das haben eigentlich alle gesagt. Es gibt keinen Plan B. Also man hat verschiedene Möglichkeiten ausgelotet aus den Rechtsteams der verschiedenen Institutionen, ob man diese Blockade umgehen kann, wie man das bei anderen Gelegenheiten ja schon gemacht hat. Aber in diesem Fall scheint das rechtlich nicht möglich zu sein. Man muss sich vielleicht erinnern, das war ja schon eigentlich der Plan B, den man jetzt umsetzt, weil der ursprüngliche Plan A mit der Nutzung der russischen... Staatsbankgeld dann damals von Belgien ja blockiert wurde. Es gibt also keine andere Möglichkeit, als auf diese Wahl zu warten. Man kann aber auch sagen, dass es offensichtlich so ist, dass die Ukraine das Geld nicht so schnell braucht, wie man ursprünglich gedacht hat. Also gibt es eine gewisse Unklarheit. Ursprünglich hieß es, dass ab dem 1. April Die Ukraine praktisch pleite ist. Jetzt gibt es da widersprüchliche Angaben. Das könnte auch bis Mitte, Ende April oder Mitte Mai noch reichen. Hinzu kommt, dass der IWF kürzlich einen Kredit über 8 Milliarden bewilligt hat, der wovon eine erste Tranche schon ausbezahlt wurde.

Sprecher 2: Du fährst in Kürze nach Budapest und schaust dir die letzten Züge des Wahlkampfs an. Marie Le Pen hat sich angemeldet, um Viktor Orban zu unterstützen. Auch J.D. Vance soll kommen. Ja, auf welchem Kurs ist dieser Mann, der ja bis vor kurzem mit seiner Fidesz-Partei noch der EVP angehörte, also der Parteienfamilie? Zu der auch die CDU gehört.

Sprecher 5: Ja, er gehört zum Club der Patrioten. Ich glaube, Salvini kommt auch und eben Marine Le Pen und J.D. Vance. Ja, er ist ein Verbündeter oder ein Gesinnungsgenosse von Putin gleichzeitig und aber auch Donald Trump im Wahlkampf. Wenn man die Plakate sieht, ist ein Hauptthema, hat man den Eindruck, die größte Gefahr für Ungarn ist die Ukraine. Und plakatiert ist hauptsächlich ein sozusagen geldgieriger Volodymyr Zelensky, der also Geld will von den Ungarn oder die Ungarn in einen Krieg hineinziehen will in der Ukraine. Das ist das Hauptthema und nicht, sagen wir mal, Ungarn, das eigentlich pleite ist und mit seinen maroden Spitälern, Krankenhäusern und Schulen, wo die Unzufriedenheit eigentlich groß ist. Viele Beobachter sagen, Orban steht da mit dem Rücken zur Wand, wenn man sieht, die Umfragen. Sind eigentlich schon seit Wochen relativ stabil, dass der Herausforderer Peter Maciar, dass der eigentlich einen deutlichen Vorsprung hat.

Sprecher 2: Vielen Dank. Stefan, dass du uns einen Einblick gegeben hast, was da in Brüssel diskutiert wird. Alles Gute dir. Vielen Dank euch. Danke. Wir unterstützen den Aufbau einer europäischen Medienplattform unter Einbeziehung von Arte. So ist es zu lesen im schwarz-roten Koalitionsvertrag. Und diese Medienplattform soll die Antwort sein auf die amerikanischen Tech-Giganten, auf Google, auf Meta und auf Instagram, was uns Sorgen macht. Und wo jetzt auch schwarze und rote und übrigens auch grüne Politiker der Meinung sind, wir können das nicht einfach so hinnehmen. Wir müssen uns nun auch eigene Gedanken machen. Was da gedacht wird, das kam diese Woche aufs Podium in der Landesvertretung Baden-Württemberg, wo ein Medienkongress stattgefunden hat.

Sprecher 3: Ein Netflix für Medienangebote, das haben schon die Verleger nicht hingekriegt, Helene. Was bringt das? Wer braucht das?

Sprecher 2: Naja, es geht natürlich schon am Ende um die Frage digitale europäische Souveränität und auch die Frage, wer bestimmt eigentlich welcher Algorithmus was nach oben spült. Also wir sehen nicht nur das Thema Hass und Hetze, sondern natürlich auch Desinformation spätestens seit Twitter nicht mehr Twitter ist, sondern X.

Sprecher 3: Ja, aber es gibt doch Alternativen, private Medieninitiativen. Wofür muss ich mit meinen GEZ-Geldern jetzt eine neue Plattform aufbauen?

Sprecher 2: Es geht ja nicht nur um die Frage, ob das öffentlich-rechtlich im ehrlichsten Koalitionsvertrag... Klingt es natürlich so an. Und auch die Öffentlich-Rechtlichen spielen in dieser Debatte eine wichtige Rolle. Es ist aber wahrlich nicht so, dass man das Ganze allein auf öffentlich-rechtliche Füße stellen will. Der Gründer von Netzpolitik.org, Markus Beckedahl zum Beispiel, warnte davor, dass man nun eine riesige Kathedrale konzipieren und aufbauen sollte und eine Kopfgeburt, wo man erstmal jahrelang über die Infrastruktur nachdenkt, sondern sein Ansatz ist einfach mal machen, um es mit Carsten Linnemann zu sagen. Also all die Ansätze, die es gibt, schon von Mastodon über andere private und auch öffentlich-rechtliche, zum Beispiel das ZDF hat ein ganz interessantes Ding, das heißt ZDF Spaces, wo es schon eine große Interaktion auch mit den Usern gibt, dass man das zusammenführt, dass man eine, ja. Quasi eine Autobahn baut, die diese Dinge miteinander verbindet. Also solche Ansätze sind es eher, als dass man jetzt staatlicherseits eine riesige Plattform schafft. Aber das Ganze ist in der Tat noch etwas unausgegoren. Also die Meinungen gingen auseinander. Will man nun eigentlich eher so eine groß angelegte Mediathek bauen, Oder haben wir wirklich irgendwann ein europäisches Instagram?

Sprecher 3: Also ich bleibe skeptisch. Ich bin ja der Meinung, Sie sollten erstmal schauen, wo Sie im aktuellen Programm eigentlich Gelder einsparen. Ich sage mal Rosa, Mone, Pilcher, Fußball, Bergdoktor und so weiter. Aber na klar, man kann jetzt auch schon zusätzliches Geld ausgeben für eine neue super Riesenplattform, die am Ende immer der Markt entscheidet. Wo du deine Inhalte konsumieren willst, entscheidet der Nutzer und nicht der Anbieter.

Sprecher 2: Ja, sicherlich kann man so etwas nicht verordnen und genauso wie wir feststellen, dass ja viele Nutzer leider auch nicht die qualitativ hochwertigen Texte lesen, obwohl sie das dann auch vielleicht in Sonntagsreden immer wieder versichern, sondern dann doch eben beim Katzenbild auf der Website hängenbleiben oder bei den Beziehungstipps. Am Ende sind die Menschen Menschen und deswegen müssen auch Angebote geschaffen werden, die eben keine Kopfgeburt sind und aus öffentlich-rechtlichen Gremien erdacht, sondern auch in der Praxis auch gerade für junge Leute funktionieren. Wie das alles gehen kann, darüber habe ich gesprochen mit Kai Gnifke. Er ist der Intendant des SWR und hat an der Konferenz auch teilgenommen. Hallo lieber Kai, schön, dass du Zeit hast.

Sprecher 6: Hallo, grüß dich.

Sprecher 2: Also hier in der Landesvertretung Baden-Württemberg diskutieren wir heute über die Frage, ob es uns gelingt, als Europäer ein Gegengewicht zu formen gegen Meta und TikTok. Bist du da optimistisch?

Sprecher 6: Ja, bin ich, weil ich in den letzten zwölf Monaten eine Dynamik feststelle in der deutschen Medienlandschaft, die ganz klar macht, keiner von uns alleine wird in diesem Sturm bestehen, in diesem Wettbewerb mit den großen Tech-Konzernen. Die Bereitschaft zur Kooperation ist riesig und ich glaube, dass wir schon in den nächsten Monaten erste Erfolge davon sehen werden.

Sprecher 2: Was muss dafür passieren? Müssen wir das amerikanische Monopol zerschlagen? Welche Werkzeuge brauchen wir da? Es ist ja doch eine ziemliche Mammutaufgabe, wenn man sich das heutige Nutzerverhalten anschaut.

Sprecher 6: Ja, Regulierung wäre sicher ganz cool, wäre eine Facette, die wir brauchen. Aber das ist nur die eine Seite. Wir selbst müssen ein Gegen... Wir müssen selbst unsere Angebote miteinander so vernetzen, dass Menschen einen Spaß daran haben, sie zu nutzen. Wir müssen die Qualitätsinhalte bündeln und die haben wir deutschen Medienhäuser. Und dann ist es klar, wir müssen natürlich auch ein anderes Verhältnis zum Thema Daten haben, weil Daten sind die Basis dafür, dass wir am Ende auch in einer KI-dominierten Welt im Wettbewerb bestehen können.

Sprecher 2: Jetzt haben wir aber in Deutschland eine Medienkrise, ein schwindendes Vertrauen in die Medien und auch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Was macht dich optimistisch, dass die jungen Leute dann Insta und TikTok sein lassen und zu einer öffentlich-rechtlichen Medienplattform wechseln?

Sprecher 6: Es sind zwei Sachen, die mich optimistisch machen. Auf der einen Seite, dass alle qualitativen Studien sagen, dass das Vertrauen insbesondere in Tageszeitungen und in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch groß ist. Und wenn man nach Institutionen wie dem SWR fragt, sind das 80 Prozent, die uns vertrauen. Das ist noch ziemlich gut. Und was mir eben auch Mut macht, ist, dass es uns durchaus gelingt, junges Publikum auch zu begeistern. Die Tagesschau ist das Medienangebot, das bei TikTok und Insta die meisten Follower hat. Das zeigt mir, es geht, wir haben es drauf.

Sprecher 2: Was sind die nächsten Schritte zu diesem... Projekt.

Sprecher 6: Indem man den Berg nicht zu groß werden lässt, den man besteigen will. Also wir dürfen nicht träumen von einem Wunderwerk, von einem digitalen Wunderwerk, sondern man muss genau gucken, jede Nutzungssituation ist unterschiedlich. Brauche ich ein Streaming-Angebot für Audio oder eins für Video? Brauche ich ein Social Network? Brauche ich eine Suchmaschine? Da müssen wir sehr, sehr genau differenzieren oder eben auch ein Social Network. Da glaube ich, dass in der Vernetzung existierender Angebote, hier ist das Stichwort Eurosky, hier ist das Stichwort Mastodon gefallen, ich glaube, da liegt eine riesengroße Chance und die Zeit ist jetzt reif, dass wir die ergreifen.

Sprecher 7: Vielen Dank für deine Einschätzung, lieber Kai.

Sprecher 6: Sehr gerne.

Sprecher 3: Wie verteidigungsfähig ist Deutschland und sind wir überhaupt in der Lage, nicht erst bis 2029, sondern viel früher eine relevante Truppe aufzubauen, die innovative Militärtechnologien hat, die zeitkritisch sich aufstellen kann, egal wo auf dem NATO-Bündnisgebiet. Viele Fragen, die bei unserem Security Roundtable vor wenigen Tagen hier bei uns diskutiert wurden. Einer, der dabei war, ist General Jürgen Joachim von Sandrat. Er war Generalleutnant des Heeres der Bundeswehr und in seiner letzten Station Kommandierender General des multinationalen Korps Nordost. Er ist einer dieser Generäle vom Typus Klartext. Hier ist er schon. Einen schönen guten Tag, Herr General.

Sprecher 8: Ich grüße Sie.

Sprecher 3: Ich habe Sie gerade im Vorgespräch gefragt, ob Sie überhaupt als ehemaliger General Dialog können oder nur Befehl.

Sprecher 8: Also Befehlsausgaben liegen mir schon durchaus. Aber selbstverständlich, glaube ich, ist die Bundeswehr eine der dialogfähigsten Organisationen und aufgelegten Organisationen im Diskurs in Deutschland. Ich glaube, da können sich viele eine Scheibe abschneiden.

Sprecher 3: Echt? Wie scharf hätte ich Ihnen im Korb widersprechen dürfen?

Sprecher 8: Immer.

Sprecher 3: Begründet.

Sprecher 8: Never miss an opportunity, never miss a good fight. Das Zucker und die Würze eines Dialoges liegt ja in den Messen gegen unterschiedlicher Positionen. Wenn wir alle einer Meinung sind, brauchen wir keinen Podcast.

Sprecher 3: In Ihren Hochzeiten, wie viele? Soldaten hatten sie unter sich?

Sprecher 8: Ja, Numerek ist eigentlich trivial. Als eine deutsche Division, erste Panzerdivision, hatte so zwischen 21.000 und 24.000 Männer und Frauen, davon ungefähr 3.000 Niederländer.

Sprecher 3: Das war das multinationale Korps Nordost, das sie geführt hat?

Sprecher 8: Nein, das war die erste deutsche Panzerdivision, die, wie alle unsere drei Divisionen, eine niederländische Brigade integriert haben. Das ist aus meiner Sicht das Leuchtturmprojekt in Europa, wenn es... Um Integration geht. Im Chor hatte ich in Friedenszeiten ungefähr zwischen 30.000 und 40.000 Männer und Frauen unterstellt in Estland, Lettland, Litauen und Polen.

Sprecher 3: Wie führt man 30.000 Menschen?

Sprecher 8: Man führt durch Vorbild, man führt durch Transparenz. Man führt durch das Verständnis, dass man selber auch nicht perfekt ist. Im Prinzip bin ich General geworden, weil ich das große Glück hatte, von der Ebene Kommandant bis zur Ebene Chor immer ein Team zu führen, von dem ich ein Teil war und diese Teams haben geliefert.

Sprecher 3: Wenn man jetzt sich die jungen Leute anschaut, die Schülerinnen und Schüler, die streiken, die demonstrieren gegen einen freiwilligen Wehrdienst, der vielleicht mal zu einer Wehrpflicht kommen könnte. Was denkt ein ehemaliger General? Dann kriegen wir dieses Land überhaupt dazu, sich führen lassen zu wollen in eine Verteidigungsfähigkeit?

Sprecher 8: Haben bei mir schnell zwei Aspekte hoch. Erstens finde ich es doch schon sehr erstaunlich, dass sich junge Menschen, die alimentiert durch den Staat hinstellen, ich will für diesen Staat nicht sterben. Das können auch andere machen, aber nicht ich. Also diese ohne mich Kultur. Und das Zweite ist, was viel erschreckender ist, Wer hat unsere Kinder, unsere Jugendlichen überhaupt vorbereitet auf das, was es heißt, in einer Gesellschaft zu leben? Zu nehmen und zu geben. Wie funktioniert eine Gesellschaft? Da haben wir in unserem Erziehungs- und Bildungsauftrag komplett versagt. Und zwar als Eltern, nicht als Lehrer, denn das ist eine Aufgabe der Familie.

Sprecher 2: Ist das irreparabel beschädigt?

Sprecher 8: Das ist aus meiner Sicht in einer Form der, nun haben wir 30 Jahre nicht drüber nachdenken müssen, der Dekadenz und des überzogenen Verständnisses der Ich-Komfortzone gegenüber der Wir-Komfortzone. Gemeinschaft so gewachsen. Und wir haben es über 10, 15, 20 Jahre einfach verpasst, diesen Dialog zu führen. Und es war wichtiger, das Individuum in den Forderungen zu stellen, egal wie es geartet ist. Das ist auch alles in Ordnung, aber der Aspekt, Wie kann ein Individuum in einer Gemeinschaft leben? Also welche Verantwortung hat das Ich am Wir? Der ist völlig ausgeblendet worden. Weder von der Politik vorgelebt worden, noch von unten aufgewachsen. Der größte Missvorwurf wäre, jetzt der Bubble Berlin den Vorwurf zu machen, ihr müsst es richten. Politik muss eine Menge richten, das müssen wir richten, wir als Gesellschaft.

Sprecher 3: Aber Herr General, wie kriegt man es hin? Sie sagen selbst, die Politik kann das nicht aufoktroyieren an einem Volk. Es ist also eigentlich eine Graswurzelbewegung, die verstehen müsste, dass dieses Wir am Ende überlebenswichtig ist für unsere Gesellschaft als Demokratie. Kann man das verstärken wenigstens? Kann man das erzeugen oder muss das aus uns selbst herauskommen?

Sprecher 8: Da bin ich vielleicht ein bisschen missverstanden, weil ich will die Politik gar nicht aus der Verantwortung nehmen. Also es muss einen Top-Down-Approach geben. Die Vorgabe muss von der Politik kommen, das Vorleben muss von der Politik kommen. Selbstverständlich muss das alimentiert werden. Aber das entbindet uns als Gesellschaft nicht, von unten aufzuwachsen, diesen Dialog auch zu führen. Und für mich sind erhebliche Negativbeispiele entstanden. Die ganzen Friedensklauseln an unseren Universitäten. Dieses Dogma, Verteidigung ist schlecht, Waffe ist verwerflich, Atomstrom ist böse. Das sind alles Cluster. Die in sich mehr Brandmauer-Charakter haben, als wir vielleicht den Begriff Brandmauer in der Politik sehen. Wenn wir weder als Gesellschaft wahrgenommen werden, in China oder in Amerika, Wenn wir weder wirtschaftlich noch wahrgenommen werden, noch militärisch in der Fähigkeit zur Sicherheit beizutragen wahrgenommen werden, dann ist da irgendwas richtig schiefgelaufen. Und das müssen wir korrigieren. Dafür haben wir nicht viel Zeit. Wir haben keine fünf Jahre Zeit dafür, wir haben keine zehn Jahre Zeit dazu, denn wir sehen ja, wir sind jetzt 18. März heute, das sind zehn Wochen in diesem Jahr. In diesen zehn Wochen ist doch schon so viel passiert. Das reicht normalerweise für ein Jahr. Für zwei Jahre. Und es ist ja nicht abzusehen, dass das aufhört. Also müssen wir uns schnell aufstellen.

Sprecher 3: Deswegen letzte Frage, müsste man dann nicht auch ehrlich sein und sagen, wir beginnen jetzt sofort mit der Wehrpflicht, anstatt dass wir ein freiwilliges Modell vorschalten, das am Ende nicht zu den Zielen führt?

Sprecher 8: Erstens. Das, was jetzt entschieden worden ist, ist aus meiner Bewertung eine Ohrfeige an unsere Gesellschaft. Es implementiert und manifestiert das Prinzip, alles richtig, aber ohne mich. Wir erkaufen uns Freiwilligkeit mit aberwitzigen 2600 Euro im Monat. Und anderen Zugeständnissen. Es ist freiwillig und das Ganze endet am Ende noch in einer Lotterie. Wenn das der Ausdruck einer Herausbildung ist, eines Wirs ist, wofür stehen wir, einer Wir-Wer-Fähigkeit, dann ist das aus meiner Sicht total daneben gegriffen, sondern es ist am Bürger vorbei die Berücksichtigung der Minderheit in der Minderheit. Und die Minderheit ist die SPD. Und in der Minderheit der linke Block, die Jusos. Und das ist unerträglich. Es gibt Umfragen, die deutlich gezeigt hätten, dass 50 bis 60 Prozent die Wehrpflicht akzeptiert hätten in diesem Land. Also wir haben mit dieser Entscheidung Politik an den Bürger vorbeigemacht. Und das Zweite, was ich jetzt noch sagen möchte, ist, Wehrpflicht greift zu kurz. Wenn wir jetzt wieder über den Krieg gegen einen Gegner reden müssen, bedauerlicherweise, wie Russland, dann reicht es nicht aus, sich ausschließlich auf die First Line, auf die Fans zu konzentrieren und die mit Soldaten zu alimentieren, Wo ist die Reserve für die Landwirtschaft? Wo ist die Reserve für die produzierende Industrie? Wo ist die Reserve für die Grunddienste, die wir weiter unseren Menschen, unseren Bürgern liefern müssen, wenn es in diesen Krieg geht, so wie in der Ukraine? Das geht also nur, indem wir ein soziales Pflichtjahr haben, das alle Handlungsfelder abdeckt. Und ich halte es in meinem bescheidenen Verständnis für völlig selbstverständlich. Dass eine Gesellschaft, die 80 Jahre, so der liebe Gott will, Das Sein in diesem Wir alimentiert mit Bildung, Gesundheit, Infrastruktur etc. Etc. Dass ich ein Jahr gebe. Für 80 Jahre nehmen. Wir haben ein falsches Verständnis von Gemeinschaft.

Sprecher 3: Wie kriegstüchtig ist Deutschland dann jetzt auf einer Skala von 1,10 im März 2026?

Sprecher 8: Ich bin der unbeirrbare Optimist. Wir sind schon etwas kriegstüchtiger als... Ich das erlebt habe 2020, 21.

Sprecher 3: 1 bis 10. 10 ist maximal kriegstüchtig, so wie wir es brauchen, um abzuschrecken.

Sprecher 8: Bei 4 bis 4.

Sprecher 3: Vier bis vier. Vielen Dank, Herr General.

Sprecher 8: Gerne.

Sprecher 2: Lieber Chief Happiness Officer, hast du noch etwas für ein glückliches Wochenende? Einen kleinen Tipp.

Sprecher 3: Ja, schauen wir nach Norden, schauen wir zu den Finnen, denn sie sind wieder einmal im World Happiness Report. Zum neunten Mal hintereinander die glücklichsten Menschen der Welt, das sagen sie von sich selbst. Also es gibt da offenbar einen Index, wie die Menschen sich selbst sehen. Neben Finnland sind übrigens auch Island, Dänemark und Schweden unter den Top 5. Ja, also man muss sagen, da oben lebt es sich offenbar vielleicht mehr in Dunkelheit, aber dafür glücklicher.

Sprecher 2: Aber immerhin Costa Rica hat es auf Platz 4 geschafft. Also entweder, so scheint es, im Norden oder in der Karibik.

Sprecher 3: Und wie sieht es mit Deutschland aus?

Sprecher 2: Ja, Platz 17.

Sprecher 3: Das gilt nicht für Table-Mitarbeiter.

Sprecher 2: Nein, wir sind wahnsinnig glücklich hier. Nein, aber Deutschland, würde ich sagen, macht es sich natürlich auch ohne Not oft schwer. Ich denke immer, wir könnten alle viel glücklicher sein.

Sprecher 3: Absolut, deswegen gehen wir raus mit dem Lieblingsspruch der Finnen, den ich dir hier jetzt exklusiv erzählen werde. Auf Deutsch heißt der sowas wie, das Glück begünstigt die Tapferen. Also sie ist ja ein sehr, ein sehr... Engagiertes Völkchen. Auf Finnisch heißt es übrigens Rokear Rokkan Sjö.

Sprecher 2: Das macht bestimmt auch schon ein bisschen glücklich, wenn man solche Worte ausspricht, oder? Wenn man sie überhaupt aussprechen kann. Rokear Sjö. Ja gut, das muss ich auch üben.

Sprecher 3: Morgen sind wir mit der CEO-Edition wieder für Sie da. Weil sehr spannende Videos können Sie dann hören. Freuen Sie sich auf Table Today. Bis dahin. Ciao, ciao.

Sprecher 9: Be happy. In every life we have some trouble. But when you worry, you make it double. Don't worry. Be happy. Don't worry. Be happy now. Don't worry. Be happy. Don't worry, be happy. Don't worry. Be happy.