Die Lehren aus Baden-Württemberg. Mit Andreas Jung
Dauer: 25:28

Die Lehren aus Baden-Württemberg. Mit Andreas Jung

Das Wahlergebnis in Baden-Württemberg ist für die Berliner Koalition eine doppelte Hypothek. Die SPD stürzt auf ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte des Landes ab. Und die CDU verfehlte den erhofften Wahlsieg zum Auftakt des Wahljahres. Berlin.Table-Leiter Stefan Braun ordnet die Lage ein: Die Koalition schiebe dringend nötige Reformen vor sich her. Für die SPD sei das Ergebnis eine „Nahtoderfahrung".

[01:12]

Andreas Jung, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und CDU-Präsidiumsmitglied, erklärt das Wahlergebnis mit einem starken Landeseffekt: Cem Özdemir habe bei den Zweitstimmen dreißig Prozent erreicht — 150 Prozent mehr als die Grünen bundesweit.

[10:32]

Beim Nationalen Volkskongress hat China seinen neuen Fünfjahresplan vorgestellt. China.Table-Redakteur Leonardo Pape berichtet direkt aus Peking. [15:28]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Katerstimmung bei Schwarz-Rot. Nach der Wahl in Baden-Württemberg haben sich die Spitzen von Union und SPD gestern zur Ergebnisanalyse getroffen. Welche Konsequenzen die beiden Parteien aus der Wahl ziehen, das besprechen wir mit Andreas Jung, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion und Präsidiumsmitglied der CDU und mit Stefan Braun, dem Redaktionsleiter unseres Berlin-Table.

Sprecher 3: Weniger Wirtschaftswachstum, dafür aber vollen Fokus vor allem auf Zukunftstechnologien und auch die Rüstung. Das ist der neue Plan für die chinesische Wirtschaft. Beim Nationalen Volkskongress werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Und Leonardo Pape, unser Kollege vom China Table, ist live in Peking dabei und kann uns sagen, was genau in China geplant ist.

Sprecher 2: Kommt jetzt die auf einen Menschen persönlich abgestimmte Medizin? Dank eines digitalen Klons könnte man in Zukunft bald viel gezielter behandeln und operieren. Auch darüber sprechen wir an diesem Dienstag, den 10. März. Schön, dass Sie dabei sind.

Sprecher 4: Hi, ich bin Sally-Lisa Starken und ich möchte euch den neuen Podcast The Playbook, der Bundeszentrale für politische Bildung, vorstellen. Zusammen mit Maria Skura stelle ich mir die Frage, warum wir gerade jetzt so viele Angriffe auf Demokratien weltweit erleben. Wir erklären gemeinsam mit ExpertInnen, wie das Drehbuch der Autokraten aussieht und reisen in Länder wie Polen, Ungarn, Frankreich und die USA. Orte, die uns zeigen, wohin demokratische Erosion führen kann, aber auch wie demokratische Erneuerung gelingt. The Playbook könnt ihr jetzt in eurer Podcast-App oder auf bpb.de abonnieren.

Sprecher 2: Am Ende machten ganze 27.000 Stimmen den Unterschied von insgesamt 3,4 Millionen Baden-Württembergern, die am Sonntag zur Wahl gegangen sind. Die Grünen gewinnen hauchzart vor der Union. Im Landtag macht sich der Unterschied überhaupt nicht bemerkbar. Beide Parteien bekommen 56 Sitze und hätten so in einer grün-schwarzen Koalition sogar eine Zweidrittelmehrheit. Von der Union kam nun schon die Forderung, ob man nicht... Nach zwei Jahren den Ministerpräsidenten wechseln könnte angesichts der Stimmengleichheit im Landtag. Das haben die Grünen freundlich und unter Hinweis auf die Teilzeitdebatte abgelehnt. Man wolle doch lieber Vollzeit arbeiten. Aber das ist vielleicht der lustige Teil der Debatte, die in Berlin überhaupt nicht lustig geführt wird. Denn die Koalition, die sowieso schon in einem schwierigen Zustand ist, hat nun eine doppelte Hypothek. Die SPD hat das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte, 5,5 Prozent. Und so richtig hat sie noch keine Antwort darauf gefunden, wie es in einem westdeutschen Flächenland sein kann, dass sie derartig abstürzt, dass sie in Wahrheit um den Einzug in den Landtag hätte bangen müssen. Und auch für die CDU ist die Lage kompliziert. Sie wollte ihr Superwahljahr natürlich mit einem strahlenden Sieg in Baden-Württemberg beginnen. Und so ist es nun nicht gekommen. Friedrich Merz hat auf seiner Pressekonferenz gestern bekräftigt, dass das Bündnis in Berlin natürlich trotzdem funktionieren würde.

Sprecher 5: Bärbel Bas gestern Abend und mit Lars Klingbeil heute Morgen telefoniert. Wir sind uns einig, dass dieses Ergebnis keine Auswirkungen auf die Koalition hier in Berlin haben wird. Wir werden unsere Arbeit fortsetzen. Wir müssen den Rückstand aufholen, der sich in Deutschland über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut hat. Und das wissen wir in der Koalition, das weiß auch die SPD. Wir werden jetzt bei notwendigen Reformen mehr und substanzieller etwas hinbekommen müssen, damit wir in Deutschland aus dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage herauskommen.

Sprecher 2: Tja, was bleibt ihm auch anderes übrig, als jetzt die Hoffnung zum Prinzip zu erklären? Aber ist das wirklich realistisch? Findet Schwarz-Rot in Berlin so zueinander, dass sie nun das angehen, was sie sich vorgenommen haben nach den Wahlen, nämlich jetzt endlich mutige Reformen durchzusetzen, auch Reformen, die unbequem sind, Zumutungen für die Bürger. Können das zwei Parteien, die eine Schlappe erlebt haben, wenn auch die CDU natürlich in Wahrheit Stimmen dazu gewonnen hat, aber eben nicht die Wahl gewonnen hat. Über all das möchte ich jetzt sprechen mit Stefan Braun, dem Redaktionsleiter unseres Berlin-Table und einem ausgewiesenen Kenner sowohl der SPD als auch der CDU. Hallo Stefan, schön, dass du da bist.

Sprecher 6: Hallo Helene, grüß dich.

Sprecher 2: Ja, Hypothek für die Koalition, wie schätzt du das ein?

Sprecher 6: Es ist in Wahrheit gar nicht so richtig überraschend, aber die Hypothek ist riesig. Einfach weil... Diese Koalition, Merz, Frau Baas, Herr Klingbeil, auch Herr Söder, ganz genau wissen, sie schieben etwas vor sich her, was sie eigentlich schon im letzten Jahr hätten machen müssen, was sie ganz dringend machen müssen in diesem Jahr, was die Zahlen gnadenlos erzwingen, nämlich dass man... In allen möglichen Reformbereichen. Ist es die Gesundheit? Ist es die Pflege? Ist es die Rente? Ist es die Arbeitslosenversicherung? Sind das sozusagen alle möglichen Fördersysteme, die der Staat zum Schutz der Schwächsten gebaut hat? Die müssen sie reformieren, weil sie nicht mehr bezahlbar sind. Und sie wissen, dass sie einen wahnsinnigen Mut brauchen, insbesondere natürlich die Sozialdemokraten, aber nicht nur die, in einer Situation, in der das Land verunsichert ist, in der sozusagen jeder Versuch, die Wirtschaft ein bisschen in Schwung zu bringen, immer wieder konterkariert wird. Meistens die Chinesen, die... Ihre Autos besonders fördern, mal sind es die Zölle aus Amerika, jetzt ist es der Krieg um den Iran. Jedes Mal passiert wieder irgendetwas, was die Wirtschaft dann hemmt, bremst. Im Augenblick ist es der Ölpreis. Das ist wahnsinnig schwierig. Das heißt, du kriegst nie einen positiven Schwung hin und in diese Situation hinein musst du Dinge tun. Du musst sie tun. Und hast natürlich Angst davor, weil die Gesellschaft im Augenblick nicht so drauf ist, dass sie diesen Mut automatisch belohnt. Du hast jedenfalls keine Garantie. Die Erfahrung sagt eher, Na klar, finden wir super, aber dich wählen wir das nächste Mal nicht mehr. Das ist die Situation, unausweichlich.

Sprecher 2: Stefan, gucken wir uns mal genauer die Lage der SPD an. Da war ja der Generalsekretär Klüssendorf wirklich nicht zu beneiden, der das Wahlergebnis kommentieren musste. Andreas Stoch, der Vorsitzende der SPD in Baden-Württemberg, hat sofort angekündigt, sein Amt niederzulegen. Und so richtig weiß man auch gar nicht, wie viel Nachwuchs ist da eigentlich. Ist das jetzt einfach so, dass man Baden-Württemberg abschreiben kann und sich jetzt voll auf Rheinland-Pfalz konzentriert? Oder wird das der SPD jetzt noch sehr lange nachhängen?

Sprecher 6: Ich glaube, das eine ist, dass sie das natürlich versuchen werden. Und das hat ja auch seinen Grund, warum ausgerechnet der Wahlkämpfer aus Rheinland-Pfalz, Herr Schweitzer, heute Morgen sofort in den Medien war, weil er genau diese Erzählung sagt. Mensch, ja, wir wussten, das bei Baden-Württemberg schwierig, aber entscheidend wird sein, der Amtsbonus in Rheinland-Pfalz und dann geht es uns wieder besser. Also in der Rhetorik werden sie natürlich diesen Versuch machen. In Wahrheit... Ist es so, sie haben im Augenblick keine Figur, der das Publikum gerne hinterherläuft. Also keine Figur, die als Vorbild dient, die modern genug ist, den Leuten nicht nur zu sagen, wir retten euch, wenn es ganz schlimm kommt, sondern der sagt, das ist ein modernes Industrieland, das ist ein modernes Land mit KI-Forschung, das sind die Strukturen. Touren der Zukunft und ich stehe dafür, dass wir dieses Land neu aufbauen, dass wir das Land nach vorne bringen und ich habe den Mut, ich habe den Elan, ich stehe dafür. Diese Figur gibt es leider nicht, sondern es gibt Frau Baas, die ist alles, was man hört aus internen Gesprächen, viel reflektierter, als man es öffentlich wahrnimmt, aber in der Öffentlichkeit hat sie eben immer diesen Verteidigungsduktus. Wir kümmern uns um die Schwächsten und wir werden die Schwächsten nicht im Stich lassen. Aber wenn man dann in die Partei hineinhört, vor allem in die Generation der 50- bis 60-Jährigen, der 70-Jährigen, das klingt nach alt, aber das sind alles die Leute, die vor 20, 25 Jahren den modernen, damals jungen Gerhard Schröder gewählt haben. Und die haben es nicht gemacht, weil Schröder gesagt hat, ich rette euch, sondern die haben es gemacht, weil Schröder ihnen das Gefühl gab, ich habe eine Idee von einem modernen Deutschland und ich kämpfe dafür. Und wenn es schwierig wird, bleibe ich im Sturm stehen. Diese Figur haben sie, egal wo man hinguckt, nicht im Bund, nicht in den Ländern und vielleicht ganz selten, aber das wissen natürlich die meisten nicht, in der einen oder anderen Kommune. Das ist das große Loch, mit dem die SPD zu kämpfen hat und wo ich im Augenblick nicht sehe, dass sie das lösen kann.

Sprecher 2: Glaubst du, dass das jetzt ein Schuss ist, der die SPD zum Nachdenken bringt und sagt, also wir müssen uns in dieser Phase, in der es auch weltwirtschaftlich eben so aussieht, wie du gerade beschrieben hast, ein Stück neu erfinden.

Sprecher 6: Wenn Sie ehrlich zu sich sind, dann haben Sie so eine Nahtoderfahrung gehabt. Das ist jetzt ein spektakuläres Wort, aber in der Tat, wären Sie aus dem Landtag in Stuttgart geflogen, dann wäre es ungefähr sowas gewesen. Wir wissen alle, was das sehr wahrscheinlich für die FDP bedeutet. Die ist auch rausgeflogen. Und das hätte der SPD auch passieren können. Wenn Sie nicht ehrlich zu sich sind, wenn Sie nicht sehen, ja, es ist alles schwierig, ja, es wird das Risiko meines Lebens, ja, ich weiß, möglicherweise werden uns die Leute abwählen. Aber manchmal ist es ja auch so, wenn du wirklich mit dem Rücken zur Wand stehst, dann ist alles, was vorher verkrampft ist, angespannt ist, wo du dauernd 17.000 Gedanken dir machst, was jetzt alles schief gehen könnte, ist plötzlich vorbei. Dann bist du plötzlich wieder bei dir und dann machst du das, was du nur noch für richtig hältst. Das könnte ein solcher Moment sein. Ich will überhaupt nicht sagen, dass Lars Klingbeil und Bärbel Baas gerade in diesem Duo das nicht hinkriegen können. Aber sie müssen, das ist hart und ehrlich und das muss man immer sagen, weil die Journalisten in dieser Situation eben nicht sind, sie müssen einkalkulieren, dass sie in ein, zwei, drei Jahren spätestens weg sind. Und das muss man immer mitbedenken, wenn man von Politikern so ganz große Schritte erwartet. Das Risiko, dass du rausfliegst, ist jeden Tag da und in solchen Fällen ist es natürlich vehementer.

Sprecher 2: Vielen Dank, Stefan, dass du heute bei uns warst.

Sprecher 7: Gerne, gerne.

Sprecher 2: So viel zur SPD, aber auch bei der CDU gab es Gesprächsbedarf. Aus dem Parteipresidium hieß es gestern, man wolle das Ergebnis realistisch einordnen. Immerhin hat man ja deutlich zugelegt im Vergleich zur letzten Wahl und im Parlament hat man nun genauso viele Sitze wie der Wahlsieger. Also nur ein ärgerlicher Ausrutscher oder steckt doch mehr dahinter? Das will ich von Andreas Jung wissen. Er ist gebürtiger Freiburger und stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion und außerdem Mitglied im Präsidium. Und er war auch bei den gestrigen Gremiensitzungen dabei in Berlin und in Stuttgart. In Stuttgart habe ich ihn am gestrigen Abend noch erreicht. Hallo, schön, dass Sie da sind, lieber Herr Jung.

Sprecher 7: Yes, we're going to hang out.

Sprecher 2: Was können Sie uns denn aus den Gremiensitzungen berichten?

Sprecher 7: Erstens, Manuel Hadelebt, unser Vertrauen, auch für den Prozess, der jetzt ansteht, die Rückendeckung der CDU bei Baden-Württemberg. Und zweitens, wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Oder auch wenn es jetzt so eine Paz-Situation ist, auch das machen wir zusammen. Wir weisen nicht von Stuttgart nach Berlin und von Berlin nach Stuttgart. Wir sind als CDU geschlossen in diese Wahl und werden jetzt geschlossen nach vorne gucken.

Sprecher 2: Wobei ja Vertreter der Bundesebene, zum Beispiel Kanzleramtschef Frey, aber auch... Fraktionsvorsitzender Jens Spahn am Sonntag auf die Frage, ob es denn... auch an der Bundesebene gelegen habe, das Wahlergebnis ganz klar gesagt haben. Nein, das konnte man lesen als Schuldzuweisung an Manuel Hagel. Ist das überinterpretiert oder falsch interpretiert?

Sprecher 7: Das ist falsch interpretiert worden. Beide waren in unserer Gremiensitzung dabei. Ich habe auch die Äußerungen gesehen. Das haben die nicht so gemeint. Wenn man das Ergebnis analysiert, dann kommt man ja nicht umhin festzustellen, dass es einfach einen ganz starken Landeseffekt gegeben hat, der weniger die CDU als vielmehr die Grünen betrifft. Die Grünen sind in Berlin bundesweit bei etwa 12-prozentigen Umfragen. Cem Özdemir ist bei den Zweitstimmen bei 30 Prozent, also 150 Prozent mehr Zuspruch als die Grünen bundesweit. Das ist der Sondereffekt und das ist offenkundig ein Landeseffekt und das Ergebnis dessen, dass er sich weitestmöglich distanziert hat von den Grünen. Einen Wahlkampf gespielt, wo die grüne Partei kaum eine Rolle gespielt hat, über sich mit den Positionen sehr klar von den grünen Positionen abgegrenzt hat. Das ist der Sondereffekt und der hat in der Tat jetzt nichts mit der Berliner Politik zu tun.

Sprecher 2: Der Kanzler hat angekündigt und sich zuversichtlich gezeigt, dass er mit der SPD weiterhin konstruktiv regieren wird. Was muss jetzt passieren, damit das gelingt? Die SPD leckt ihre Wunden. Auch für die CDU ist es ein anderer Start in das Wahljahr, als sie sich erhofft hatte. Braucht es ein Treffen in Meseberg? Muss man sich erstmal gegenseitig einmal fest in die Arme nehmen oder was empfehlen Sie?

Sprecher 7: Es braucht keine Sondertreffen, auch keine Umarmungen. Wir haben einen Koalitionsvertrag, wir müssen die Dinge umsetzen. Das kann nicht danach ausrichten, wo gerade welche Landtagswahl ist, sondern... Es ist zu Recht ja auch die Erwartung der Menschen, dass wir Reformen angehen, dass wir das Land voranbringen und dass wir nicht gegeneinander regieren. Wir sehen jetzt Umfragen, denen gesagt wird, ja, viele CDU-Anhänger finden die SPD setzt sich zu stark durch. Bei SPD-Anhängern wird gesagt, CDU setzt sich zu sehr durch. Man kann nicht gegeneinander, man kann nur miteinander regieren. Wir brauchen einen gemeinsamen Geist, den gibt es in dieser Regierung auf Ebene der Bundesregierung, den gibt es in den Koalitionsfraktionen und so müssen wir das Land voranbringen und so durch Taten, durch Inhalte konkret überzeugen.

Sprecher 2: Kommen wir zu einer zweiten Lehre, nämlich die für Rheinland-Pfalz, wo ja schon in zwei Wochen gewählt wird. Jetzt auf den letzten Metern im Wahlkampf dort. Haben Sie eine Empfehlung an Ihre Kolleginnen und Kollegen, was man vielleicht nicht machen sollte oder anders machen sollte? Denn da geht es ja auch für die CDU um das Ministerpräsidentenamt.

Sprecher 7: Die brauchen keine Empfehlungen, die machen einen ganz starken Wahlkampf. Aber vielleicht als eine Analyse. Wir haben 56 von 70 Wahlkreisen gewonnen und leiten bei den Erststimmen fast 10 Prozent vorne bei denselben. Bundestrenn, wie bei den Zweitstimmen logischerweise am selben Tag. Das heißt, es sind alle Anlagen bundesweit da, um starke Ergebnisse holen zu können. Und eine Situation, die ist anders als in Baden-Württemberg. In Baden-Württemberg war das Rennen um Platz 1 oder 2, schwarz oder grün. Damit eine wichtige Frage, wer liegt vorne, aber eben nicht Alternativen, die einen oder die anderen. Das ist in Berlin ganz anders. Da geht es darum, ob die Ampel weitermacht oder ob es eine CDU-geführte Regierung gibt und damit einfach klare Alternativen mit Gordon Schnee, einem sehr glaubwürdigen, engagierten Kandidaten und deshalb haben die alle Chancen.

Sprecher 2: Vielen Dank, lieber Herr Jung, für Ihre Zeit und alles Gute.

Sprecher 7: Danke Ihnen auch, alles Gute. Ciao.

Sprecher 4: Hi, ich bin Sally-Lisa Starken und ich möchte euch den neuen Podcast The Playbook, der Bundeszentrale für politische Bildung, vorstellen. Zusammen mit Maria Skura stelle ich mir die Frage, warum wir gerade jetzt so viele Angriffe auf Demokratien weltweit erleben. Wir erklären gemeinsam mit ExpertInnen, wie das Drehbuch der Autokraten aussieht und reisen in Länder wie Polen, Ungarn, Frankreich und die USA. Orte, die uns zeigen, wohin demokratische Erosion führen kann, aber auch wie demokratische Erneuerung gelingt. The Playbook könnt ihr jetzt in eurer Podcast-App oder auf bpb.de abonnieren.

Sprecher 8: I now declare the fourth session of the 14th National People's Congress of the People's Republic of China begin.

Sprecher 2: Einmal im Jahr kommt in China der Nationale Volkskongress zusammen. Es ist vor allem ein Instrument der kommunistischen Parteiführung, um nach innen Selbstvertrauen und den Anschein politischer Partizipation zu vermitteln. Die Abläufe sind streng formalisiert. Es gibt praktisch keinen Raum für Diskussion. 3000 Delegierte verbringen eine Woche in der Halle des Volkes. Es gibt drei Plenarsitzungen, ansonsten trifft man sich in Arbeitsgruppen. Aber in diesen Plenarsitzungen, da redet nur der Vorsitzende und das ist ein hoher Parteikader. Und von den 3000 Menschen, die in der Halle sitzen, hört man eigentlich nur den Gleichtakt, wie sie die Seiten umblättern und wie sie frenetisch. klatschen. Unser Kollege Leo Pape saß im dritten Stock in der Halle des Volkes auf der Journalistentribüne, denn immerhin das ermöglicht das Regime. So viel Teilhabe ist dann möglich. Und jetzt ist er bei uns vom China Table in Peking zugeschaltet. Hallo Leo, schön, dass du da bist.

Sprecher 4: Hallo Helene, ich freue mich.

Sprecher 2: Einmal kurz vielleicht die Atmosphäre im Raum, wenn du da im dritten Stock sitzt und nach unten schaust. Der Anschein von Partizipation, die da vermittelt wird, wie ich es in der Anmoderation gesagt habe?

Sprecher 9: Ich glaube, wenn man die Bilder vom Volkskongress sieht, sieht das ja doch alles sehr ritualisiert und dadurch auch etwas befremdlich einförmig aus. Es werden alle Berichte und Beschlussdokumente eigentlich nur verlesen. Das heißt, man sitzt dort über Stunden und ich glaube, es ist wahrscheinlich auch schwierig für die Abgeordneten, dem eigentlich zu folgen, weil sie eigentlich überhaupt nichts sagen können. Und was dann sozusagen eigentlich an etwas Partizipativen oder eher Interaktiven passiert, das geht dann zwischen den Sitzungen oder auch in den Medienaussagen, die die einzelnen Delegierten dann nach außen geben können.

Sprecher 2: Jetzt wurde der neue Fünf-Jahres-Plan vorgestellt. Wo legt das Regime den Fokus für die Zukunft?

Sprecher 9: Der Fokus liegt auf jeden Fall auf größerer technologischer Unabhängigkeit und auch auf Durchbrüchen in gewissen Schlüsseltechnologien. Auf jeden Fall macht die Regierung in dem neuen Jahresplan klar, wir wollen uns in so zentralen Technologien wie Halbleitern oder Industrierobotik vom Rest der Welt unabhängig machen. Und dort, wo wir gerade noch Abhängigkeiten haben, eben wie bei fortgeschrittenen Chips, Oder auch an anderen bestimmten... Branchen wie Luftfahrt, Aerotechnik. Dort wollen wir gezielt eigene große nationale Industrien aufbauen, die auch in der Weltspitze mithalten können.

Sprecher 2: Ein anderes Thema beschäftigt China natürlich auch. Das ist der Iran-Krieg. Der ist für Asien ein Problem, denn das meiste Öl aus der Golfregion, das wird eben nach Asien geliefert. Wie verhält sich China hier? Wie groß ist dieses Problem in den Verlautbarungen des Regimes und in Wirklichkeit?

Sprecher 9: Ja, also der Iran exportiert 80 bis 90 Prozent seines Öls nach China. Das heißt, für den Iran selber ist China der mit Abstand größte, wichtigste Abnehmer. Für China selbst sind es dann wiederum 12 bis 13 Prozent des Öls, was es selber braucht, was aus dem Iran kommt. Das heißt, das ist auch ein beträchtlicher Anteil, aber die Abhängigkeit ist weniger groß. Trotzdem hat man gesehen, schon in den ersten Tagen nach Beginn des Iran-Krieges hat die Regierung in China Exporteure angewiesen, alle Ölexporte, die sie durch bestimmte Verträge noch ins Ausland hatten, zu stoppen. Also alles Öl, was schon vor Ort war, auch im Land zu lassen. Das Paradoxe ist, wenn man jetzt dieser Tage die chinesischen Staatsmedien anguckt, dann gibt es dort zwar viele Berichte über den Iran-Krieg, aber es geht eigentlich nie um Chinas Interessen. auch Chinas Probleme durch den Krieg und auch nie um ein chinesisches Engagement. Und auch beim Volkskongress merkt man, dass in diesen formalisierten Abläufen dieser Krieg eigentlich keine Rolle stattfindet. Und das einzige Signal gab es am Sonntag, da hatte der Außenminister Wang Yi eine Pressekonferenz. Und in der hat er den Krieg verurteilt und einen Waffenstillstand gefordert. Aber er war trotzdem gegenüber den USA erstaunlich kooperativ. Und das hat auch damit zu tun, dass sich Westpräsident Trump schon für Ende März für einen Besuch hier in Peking angekündigt hat.

Sprecher 2: Wie blickt China auf das Treffen? Welche Erwartungen hat man da?

Sprecher 9: Nächst hat China das Treffen noch nicht offiziell bestätigt. Das tut China bei großen diplomatischen Anlässen immer erst ein paar Tage im Voraus, eben auch wenn man sich ein bisschen vor diesem Gesichtsverlust absichern will, dass ein... Treffen dann doch im letzten Moment nicht stattfindet. Das hat leider bei unserem deutschen Außenminister bei seinem geplanten ersten China-Besuch trotzdem nicht funktioniert. Aber so ist China's Strategie. Gerade geht man aber davon aus, dass dieses Treffen nicht verschoben wird, weil es China einfach sehr wichtig ist, die Beziehungen zu den USA zu stabilisieren. Und das hat auch den Grund, dass die USA... in den letzten Monaten ja eher davon abgerückt sind, China in das Zentrum ihrer Außenpolitik und als wirklichen systemischen Rivalen stets zu definieren und zum Ziel ihrer Außenpolitik zu machen. Also nach dem Deal im Handelsstreit schon im Oktober hat Trump eigentlich davon abgesehen, China noch in seiner nationalen Sicherheitsstrategie besonders hervorzukehren oder auch in seiner State of the Union-Rede noch. Als besonderen systemischen Rivalen zu nennen. Das heißt, gerade ist eigentlich für China die US-Position eine eher angenehme und sie versuchen natürlich, die USA in dieser Stabilität zu halten.

Sprecher 2: Und die neue Zollpolitik ist ja auch für China erstmal eine Entlastung, denn die Zölle zuvor waren ja deutlich höher. Vielen Dank, Leo, für heute und Grüße nach Peking.

Sprecher 9: Ich danke dir, Helena.

Sprecher 2: Lieber Flo, du Head of Podcast, war noch was?

Sprecher 3: Es ist immer irgendwas, Helene, und es ist immer was Spannendes. Die Digitalisierung, sie macht jetzt mittlerweile auch vor der Medizin nicht mehr Halt. Die neueste Idee von einigen wenigen ausgewählten Wissenschaftlern ist, ein digitaler Klon von seinem Patienten zu erstellen.

Sprecher 2: Es ist ja schon ganz schön viel, wenn man mal bedenkt, wie schwer wir uns in Deutschland getan haben bei der digitalen Patientenakte. Aber da halten wir uns immer sehr stark eben mit der Bürokratie auf, leider.

Sprecher 3: Ja, aber der Vorteil dieses digitalen Klons, wie gesagt, gibt es jetzt erstmal nur in einigen wenigen Versuchen, ist aber, dass Ärzte halt dann aufgrund von MRT-Bildern, anderen... Daten, die man schon sowieso hat oder auch von tragbaren Geräten, dann dieses digitale Abbild von einem Patienten erstellen kann und man dann schon im Vorhinein weiß, was beispielsweise bei so einer OP auf einen zukommt. Denn jeder Mensch ist ja dann doch ein bisschen anders und Stand jetzt müssen dann die Chirurgen immer vor Ort sagen, hoppala, das hatte ich irgendwie anders in Erwartung oder was auch immer und dann halt spontan reagieren. Und so könnte man das alles schon hunderte Mal vorher simulieren, bevor man auch nur ein einziges Skalpell in der Hand gehabt hat.

Sprecher 2: Und wie weit ist diese Entwicklung schon? Also wann können wir damit rechnen, dass die auch eingesetzt wird?

Sprecher 3: Am Ende ist es natürlich ein reines Ressourcenproblem. Also die Rechenleistung kannst du dir ja vorstellen, wenn wir jetzt hier für jeden Menschen auf der Welt einen digitalen Klon haben. Die sprengt, glaube ich, alles, was aktuell noch zur Verfügung steht. Das ist am Anfangsstadium, aber es ist zumindest mal ein Schritt in Richtung deutlich präziserer Medizin.

Sprecher 2: Und ein Haftungsthema sicherlich auch. Also wer haftet eigentlich? Da kommt die Juristin wieder. Na klar. Naja, das darf man auch nicht ganz vergessen. Am Ende, wenn irgendwas schief geht, wollen die Leute Geld. Vielen Dank, Flo, für diesen Einblick in die Zukunft. Und liebe Hörerinnen und Hörer, das war's für heute. Morgen sind wir wieder da, wenn Sie Lust haben. Wir würden uns freuen. Tschüss.

Sprecher 3: Ciao.

Sprecher 10: Don't put the blame on me.

Sprecher 11: I made mistakes. I'm only human. It's all it takes to put the pain on me. Don't put the blame on me. I'm no prophet or messiah. You should go looking somewhere high.