Die Ukraine-Bilanz. Mit Olaf Scholz
Dauer: 26:34

Die Ukraine-Bilanz. Mit Olaf Scholz

Bundeskanzler a.D. Olaf Scholz hat beim traditionellen Zeughaus-Gespräch des Museumsvereins des Deutschen Historischen Museums in Berlin auf vier Jahre Krieg in der Ukraine zurückgeblickt – befragt von Table.Briefings-Herausgeber Sebastian Turner. Der Ex-Kanzler sieht seinen Grundsatz „Putin must not win the war" erfüllt: Russland habe keines seiner Kriegsziele erreicht – weder die Demilitarisierung der Ukraine noch deren schnelle Einnahme – und die ukrainischen Streitkräfte hätten sich zur größten Armee Europas neben Russland entwickelt.

Das gesamte Gespräch mit Olaf Scholz hören Sie am Samstag in einer Sonderfolge von Table Today.

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Donald Trump hat in seiner Rede zur Lage der Nation vor allem eines getan: sich selbst gelobt. Im Mittelpunkt standen die innenpolitischen Errungenschaften, die er in seinem ersten Jahr der zweiten Amtszeit für sich reklamiert – Außenpolitik streifte er nur am Rande. Eine klare Ansage machte er allerdings in Richtung Teheran: Eine nukleare Aufrüstung des Iran werde er nicht tolerieren.

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Martin Blessing ist Deutschlands oberster Investitionswerber. Friedrich Merz hat ihn im September vergangenen Jahres zum „Persönlichen Beauftragten für Investitionen“ ernannt.

Blessing arbeitet ehrenamtlich und ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Außenwirtschaftsfördergesellschaft GTAI. Im Gespräch mit Michael Bröcker berichtet er, was internationale Investoren derzeit wirklich bewegt: Sie richten den Blick stärker auf Europa und Deutschland.

Es gibt aber vor allem vier Hemmnisse, die Blessing von Pensionsfonds und institutionellen Anlegern immer wieder hört.

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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Wumms, Doppelwumms, die Zeitenwende, das berühmte Deutschland-Tempo, der ständige Ruf nach dem Unterhaken in diesem Land und natürlich die große Frage rund um die Taurus-Lieferung an die Ukraine. In der kurzen Amtszeit von Olaf Scholz gab es viele denkwürdige Momente und ziemlich kontroverse Diskussionen. Gestern Abend, am vierten Jahrestag der russischen Vollinvasion in der Ukraine, hatte unser Herausgeber Sebastian Thuner Gelegenheit mit dem Ex-Kanzler beim traditionellen Zeughausgespräch über seine Amtszeit, seinen Werdegang und vielleicht auch seine Fehler zu sprechen. Hier gleich ein kleiner Auszug.

Sprecher 3: Er ist der oberste Chefverkäufer Deutschlands. Martin Blessing ist der persönliche Investitionsbeauftragte von Friedrich Merz. Und der Ex-CEO der Commerzbank soll jetzt dafür sorgen, dass ausländische Investoren ihr Geld wieder in Deutschland anlegen wollen. In seinem ersten Podcast-Interview nimmt er uns mit in die Kulissen von Davos und in die Denkweise der internationalen Anleger. Und er sagt uns auch, welche Bedenken er in seinen Gesprächen immer wieder ausräumen muss.

Sprecher 2: Vor wenigen Minuten ist sie beendet worden, die Rede an die Nation von Donald Trump, die berühmte State of the Union. Er hat dort, wie nicht anders zu erwarten, seine bisherige Amtszeit über den grünen Klee gelobt, aber auch deutliche Mahnungen in Richtung Iran formuliert, die wir uns hier anhören sollten. Zum Schluss noch eine gute Nachricht aus der Baubranche. Hier scheint es langsam aber sicher wieder bergauf zu gehen. Schön, dass Sie auch heute wieder bei uns sind an diesem Mittwoch, dem 25. Februar. Helene kommt in diesem Moment irgendwo in China an und wird morgen an dieser Stelle sicherlich berichten. Schöne Grüße von ihr aus. Los geht's. McDonald Trump kann sich nicht darüber beschweren, dass er zu selten eine große Bühne hat, auf der er sich präsentieren kann. Aber trotzdem lag der Fokus jetzt nochmal ganz, ganz besonders auf ihm. Denn die große Rede an die Nation ist ja dann doch nochmal etwas, was ein... viel, viel größeren Teil vor allen Dingen der Amerikaner erreicht. Was sagst du, hat er diese Bühne genutzt, um irgendwas anderes außer Selbsthudelei von sich zu geben? Nein, Donald Trump bleibt Donald Trump. Eine Veränderung seines Naturells ist nicht mehr zu erwarten. Es war eine längliche Rede voller Superlative, was seine eigene Amtszeit betrifft. Der Mann ist mit sich im Reinen, so viel kann man sagen. Aber natürlich muss man auf die Nuancen schauen in Capitol Hill, wo er geredet hat. Seine Drohungen in Richtung Iran waren doch schon deutlich.

Sprecher 4: As president, I will make peace wherever I can, but I will never hesitate to confront threats to America wherever we must. That's why in a breakthrough operation last June, the United States military... obliterated Iran's nuclear weapons program with an attack on Iranian soil known as Operation Midnight Hammer. Just over the last couple of months with the protests, they've killed at least, it looks like, 32,000 protesters. 32,000 protesters in their own country. They've already developed missiles that can threaten Europe and our bases overseas, and they're working to build missiles that will soon reach the United States of America. After Midnight Hammer, they were warned to make no future attempts to rebuild their weapons program in particular. Nuclear weapons, yet they continue starting it all over. We wiped it out and they want to start all over again. And at this moment, again, pursuing their sinister ambitions. We are in negotiations with them. They want to make a deal, but we haven't heard those secret words. We will never have a nuclear weapon. My preference. My preference is to solve this problem through diplomacy. But one thing is certain, I will never allow the world's number one sponsor of terror, which they are by far, to have a nuclear weapon. Can't let that happen.

Sprecher 2: Kommende Woche ist ein besonderer Gast im Weißen Haus, nämlich Friedrich Merz. Er wird dann von seiner China-Reise berichten und sicherlich mit dem US-Präsidenten auch über seinen Zeitplan für den Ukraine-Friedensprozess reden und natürlich über die jüngsten Zolleskalationen des amerikanischen Präsidenten, der von seinem Lieblingshandelsinstrument einfach nicht lassen will. Flo, die Ukraine hält Stand. Auch vier Jahre nach dem Angriff des großen, großen Nachbarn Russlands ist dieses Land noch nicht geschlagen. Ganz im Gegenteil, zwar hat Russland rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets inzwischen unter der Kontrolle, aber von einer schnellen Invasion, wie die Strategen damals dachten, ist einfach nicht die Rede.

Sprecher 3: Ja, das liegt natürlich zum einen an den unfassbar starken Willen der Ukrainerinnen und Ukrainer, die am Anfang auch mit wenig Material wirklich das Allermeiste rausgeholt haben, was geht und standhalten konnten. Dann natürlich, muss man auch sagen, liegt es daran, dass der Westen, auch wenn es etwas länger gedauert hat, als nötig gewesen wäre, aber dennoch sehr, sehr viel Hilfe geliefert hat. Denn ansonsten hätte man irgendwann der militärischen Übermacht wahrscheinlich auch nicht mehr standhalten können, mit reinem Willen.

Sprecher 2: Einer, der ganz wenige Wochen erst im Amt war, als die Nachrichten Europa erschütterten, war Bundeskanzler Olaf Scholz, der mit seiner Ampelkoalition eigentlich Deutschland modernisieren wollte und dann vor allem den Krieg vor der eigenen Haustür moderieren, reagieren musste. Und das hat er mit seiner Ampel durchaus ganz gut getan, auch wenn er spät in die Puschen kam, wenn man die Unterstützung, vor allem die militärische Unterstützung für die Ukraine sieht. Er stand immer wieder in der Kritik und ist trotzdem dann am Ende derjenige gewesen, der in Europa die meiste. Hilfe für die Ukraine gegeben hat. Gestern Abend, am vierten Jahrestag dieser vollen Invasion, hatte unser Gründer und Herausgeber Sebastian Thoner die Gelegenheit, mit dem Altkanzler beim traditionellen Zeughausgespräch des Museumsvereins, des Deutschen Historischen Museums, über diese Zeit, über diese Tage als Kanzler zu reden. Pickepacke voll war es im Museum. Wir haben hier für Sie schon mal einen kleinen Auszug aus diesem Gespräch. Das ganze Gespräch können Sie am Samstag in einer Sonderfolge von Table Today hören. Hier ein kleiner Eindruck, was da gestern Abend los war.

Sprecher 5: Wie haben Sie diesen Tag erlebt vor vier Jahren? Sind Sie morgens geweckt worden? Oder wie muss man sich das vorstellen?

Sprecher 6: Ja, natürlich bin ich geweckt worden, informiert worden und habe ja auch mit Zelensky diskutiert in der Nacht. Das weiß ich nicht mehr. morgens, mitten in der Nacht, also so. Der wollte mit mir sprechen, aber ich war informiert darüber, dass das passiert war jetzt. Aber es war ja so, dass wir die ganzen Tage vorher alle schon damit gerechnet hatten, dass es jetzt geschieht. Insbesondere nachdem die Entscheidung gefallen war, die sogenannten unabhängigen Volksrepubliken anzuerkennen durch Russland, konnte man sich überhaupt keine Illusionen mehr machen und irgendwie annehmen, dass es... Nicht dazu kommt. Außerdem habe ich ja mitgenommen aus meinem vorherigen Besuch in Kiew und dann in Moskau, dass der russische Präsident auf meine Frage, Kann es mir passieren, dass ich hier starte nach Deutschland zurück und aus dem Fenster, Flugzeugfenster sehen kann, wie Kampfjets Richtung Ukraine aufbrechen, nicht geantwortet hat?

Sprecher 5: Zeitenwende. Sie haben diesen Begriff geprägt oder bekannt gemacht mit Ihrer Rede. Eine Zeitenwende heißt ja, es gibt eine Zeit davor und eine Zeit danach. Was wäre Ihre Beschreibung, welcher Begriff ist richtig für die Zeit davor und was ist der Begriff, der die Zeit heute, die Zeit danach beschreibt?

Sprecher 6: Zeitenwende ist ja kein neu erfundenes Wort, ist also schon mal vorgekommen, dass jemand das benutzt hat, das will ich gerne dazu sagen, aber ich habe mir jetzt das ganz klare, genaue dabei gedacht. Es ist die Aufkündigung der Verständigung, dass Grenzen nicht mit Gewalt verschoben werden dürfen. Der Kern der Verständigung der KSZE gewesen, der OSZE. Dass wir die Grenzen, so wie sie historisch zufällig entstanden sind, akzeptieren und dass sie mit Gewalt nicht verschoben werden.

Sprecher 5: Wie würden Sie es umschreiben, die Zeit, in der wir jetzt leben?

Sprecher 6: Eine Zeit, in der wir den Aufstieg des globalen Südens und insbesondere Asiens sehen. Und was wir gegenwärtig erleben, ist der relative Bedeutungsverlust des Nordens. Russlands, was dazu gehört, Europas und der USA, Nordamerikas. Die USA, da bin ich ziemlich überzeugt, werden auf absehbare Zeit das mächtigste Land der Welt sein. Aber sie haben, und das ist ja auch Kern der Sicherheitsstrategie des jetzigen Präsidenten, wahrscheinlich aufgegeben, eine auch im eigenen Interesse liegende, aber doch Weltordnung zu garantieren mit ihrer Macht und ihren Möglichkeiten und folgen mehr ihren Interessen. Aber was passiert ist, ist ja der Aufstieg Asiens und der übrigen Welt. Und zwar 1905 mit dem Sieg der japanischen Marine über die russische. Und deshalb ist es ein völliger Irrtum, wenn Putin mit seinem Russland die Idee macht, wir und die übrige Welt gegen the global West, wie er das so schön nennt. Sondern in Wahrheit ist es dieser Vorgang. Wahrscheinlich ist heute der allergrößte Teil der Welt Produktion, wenn man industrielle Produktion nimmt, im globalen Süden. Und wir haben ja schon viele vereinnahmt, aber der Aufstieg Koreas, Japans, Taiwan ist ja auch Teil dieses Prozesses und heute sehen wir Vietnam, Indonesien, wir sehen die Philippinen, wir sehen

Sprecher 5: Es ist eine hochinteressante Interpretation, aber die Zeitenwende, die Sie in Ihrer Rede beschrieben haben, hat ja wenig damit zu tun, dass Russland in der Ukraine etwas macht, weil in Asien jemand aufsteigt.

Sprecher 6: Ja, aber es ist aus meiner Sicht etwas, was darum geht, wie Russland um seine Macht ringt. Und da hat Putin sich ja explizit geäußert. Er will nicht 140 Millionen Einwohner haben, sondern eigentlich betrachtet er Belarus und die Ukraine als Teil Russlands. Und am liebsten hätte sich, glaube ich, eine komplette Eroberung der Ukraine in weniger Zeit gewünscht.

Sprecher 5: Wenn man jetzt sozusagen den strategischen großen Verlierer beschreiben sollte, dieser ganzen Entwicklung. Und Sie sagen, Putins Ziel war, sich dramatisch zu vergrößern, um selbstbewusster gegenüber China zu sein.

Sprecher 6: Und gegenüber der Welt.

Sprecher 5: Und das Ergebnis ist eine vollkommene Abhängigkeit von China.

Sprecher 6: Es ist eine große ökonomische Abhängigkeit. Es ist aber auch natürlich die Tatsache, dass Russland keines seiner Ziele erreicht hat. Putin must not win the war. Habe ich gesagt, und auch der amerikanische Präsident, und er wird ihn, wenn es nicht zu einer dramatischen Entwicklung auf dem Schlachtfeld in der Ukraine kommt, die keiner gegenwärtig prognostiziert, muss man dazu sagen, er wird ihn nicht mehr gewinnen. Er wollte, dass die Ukraine... demilitarisiert wird. Und er meinte wirklich null. Das weiß ich aus den Gesprächen vor dem Krieg und auch nach dem Kriegsausbruch, wo ich mit ihm telefoniert habe. Als die Ukraine und Russland noch verhandelt hatten in den Wäldern von Belarus und in Istanbul, man sich verhandelt hatte über die Frage, wie groß soll die ukrainische Armee sein, 60.000, 80.000, 100.000. Es wird jetzt rauskommen, dass es eine Armee von mehreren 100.000 ist, 800.000 sagen die Ukrainer. Und das würde die größte Armee neben der russischen in ganz Europa sein. Eine Armee, die aber dann nach einem Krieg existiert, den Russland nicht erfolgreich hat für sich gewinnen können.

Sprecher 2: Das größte Problem der deutschen Wirtschaft ist, wenn sich die internationalen Investoren von uns als Standort lossagen. Immer noch gilt, das Saldo zwischen ausländischen Direktinvestitionen hier und dem, was an Kapital abfließt aus Deutschland, ist leicht negativ. Das soll ein Mann mindestens ändern und der heißt Martin Blessing. Er ist der Investitionsbeauftragte des Bundeskanzlers, von ihm selbst ernannt worden als eine Art Chefverkäufer Deutschlands. Er soll die Investoren anlocken. Er soll auch die Probleme, die Investoren vielleicht mit dem Standort haben, an die Bundesregierung kommunizieren. Der Draht zu Friedrich Merz ist vorhanden. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Commerzbank und studierte Betriebswirt gilt als bestens vernetzt. Ahnung hat der Mann aus seiner alten Branche ohnehin. Und den Standort Deutschland sieht er deutlich positiver als mancher von uns in den Medien, würde ich mal sagen. Schön, dass er zu seinem ersten Podcast-Interview bei uns Station gemacht hat, bevor er in den Flieger nach China mit dem Kanzler gestiegen ist. Schön, dass Sie da sind. Hallo, lieber Herr Blessing.

Sprecher 7: Lieber Brücker, guten Tag.

Sprecher 2: Schön, dass Sie da sind, Herr Blessing. Ich weiß, Sie arbeiten ehrenamtlich, aber wenn Sie doch einen Vertrag gemacht hätten, der Ihnen eine finanzielle Zuwendung für Ihren Job gibt, hätten Sie Ihre Provision schon verdient jetzt nach knapp einem Jahr?

Sprecher 7: Naja, erstens ist es ein halbes Jahr und zweitens glaube ich noch nicht. Das ist aber auch nicht schlimm, weil das Anwerben von Investitionen, denn darum geht es, Es ist ein langfristiges Geschäft.

Sprecher 2: Sie sind so eine Art Chefverkäufer der Bundesrepublik.

Sprecher 7: Genau, ich nenne mich immer Chief Investor Relation Officer, also derjenige, der die Aktie Deutschland in Anführungsstrichen vermarkten soll.

Sprecher 2: Dann lassen Sie uns mal konkret reingehen. Man hört immer wieder, die Investoren hätten Lust auf Europa und auf Deutschland. Stimmt das erstmal?

Sprecher 7: Ja, vielleicht haben Sie ja in der letzten Woche die FT gelesen, großer Artikel, dass immer mehr in europäischen Aktien investiert wird. Also wenn ich mit Investoren internationalen rede, dann haben die alle das Gefühl, dass sie etwas zu viel in Amerika investiert sind und dort etwas Geld. Vom Tisch nehmen und es in den Rest der Welt und dann auch in Europa und dort auch gerne in Deutschland investieren.

Sprecher 2: Die zentrale Frage ist ja, ist es de-risking, weil Trump zu erratisch, zu unbeherrscht ist oder ist es tatsächlich der Glaube an die Innovationsfähigkeit der deutschen Unternehmen?

Sprecher 7: Ich glaube, es ist zum guten Teil auch de-risking. Ja, also aus zwei Gründen. Erstens haben die teilweise zu viel US-Exposure und zweitens sehen die auch, dass der US-Dollar über Zeit schwächer wird. Und dann macht es natürlich Sinn, auch nicht nur im US-Dollar zu sein. Wenn der jedes Jahr 5% verliert, dann sind sie schon 5% hinten. Bevor sozusagen das Asset, in das sie investiert haben, irgendeine Rendite gemacht hat. Insofern gibt es diesen Shift. Die Investoren sagen aber auch noch, dass die Dynamik, auch die technische Entwicklungsdynamik, Dynamik in den USA natürlich höher eingeschätzt wird als in Europa.

Sprecher 2: Also Sie müssen ja so eine Art Equity-Story für Deutschland bauen. Was sind denn die zentralen Punkte, die Sie einem ausländischen Investor sagen, warum es jetzt sich lohnt, in die deutsche Wirtschaft zu investieren?

Sprecher 7: Ich glaube, der wichtige Punkt in Ihrer Frage ist ja, warum jetzt? Und das ist ganz klar, es hat sich etwas geändert in Deutschland. Wir haben ja 25 Jahre, wenn man fair ist, unterinvestiert, sowohl in unsere Infrastruktur als auch zum Beispiel in unsere Verteidigung. Und das hat sich mit der neuen Regierung geändert. Da gibt es ganz klar den Willen, dieses umzudrehen. Und das manifestiert sich in der... Wie nennt man das, Bereichsausnahme, glaube ich, für die Verteidigung und zusätzlich auch natürlich in den 500 Milliarden Sondervermögen. Das ist für Investoren ganz klares Zeichen, dass die Bundesrepublik Deutschland ihren Kurs ändert und von einem System, wo wir sehr zurückhaltend waren, jetzt in ein System geht, wo wir in diese beiden Bereiche Infrastruktur und Verteidigung mehr investieren.

Sprecher 2: Nehmen Sie uns mal mit, wie so ein konkreter Arbeitsalltag bei Ihnen aussieht. Sie sind Aufsichtsratsvorsitzender der quasi Außenwirtschaftsfördereinheit der Bundesrepublik, der GTAI. Da haben Sie auch Büros und auch einen Staff. Also wie sieht so ein normaler Tag eines Investitionsbeauftragten des Bundeskanzlers aus?

Sprecher 7: Zum Ersten, ich mache das ja nicht Vollzeit. Ich mache das ungefähr zwei bis drei Tage die Woche. Der Tag läuft unterschiedlich. geht aber zu einem Teil aus Terminen in der GTAI, mit der Geschäftsleitung, mit Mitarbeitern, zusammen mit denen, mit Investoren. Da gibt es Investoren, die schon eine Produktionsstätte in Deutschland haben und diese erweitern wollen. Es gibt Gespräche mit Finanzinvestoren, die sich über verschiedenste Möglichkeiten bei Infrastrukturprojekten erkundigen. Dann diskutiere ich auch teilweise mit Ministerien, um Ideen für diese Infrastrukturprojekte zu generieren. Also eine Serie von Gesprächen, teilweise physisch, teilweise per Videokonferenz. Und dann musst du das ja auch irgendwie noch zusammenfassen und gucken, dass irgendwas passiert.

Sprecher 2: Sie skizzieren, was möglich ist in Deutschland. Und wie geht es denn weiter, bis es zu einem tatsächlichen Invest vielleicht kommt?

Sprecher 7: Ich glaube, da muss man drei unterschiedliche Fälle unterscheiden. Das eine ist, jemand möchte eine wirkliche Ansiedlung machen. Also weil wir jetzt hier in Berlin sind, vor ein paar Jahren hatte sich ja Tesla entschieden, hier in Brandenburg eine neue Fabrik zu bauen. So, das sind längere Gespräche, in denen die Firmen sich überlegen, ich möchte expandieren, ich möchte nach Europa gehen, dann gibt es eine Debatte, wohin. Dann nach Deutschland, dort kann die GTAI dann als erste Anlaufstelle helfen. Die GTAI ist ja... Die Wirtschaftsförderungsagentur des Bundes, die würde dann zum Beispiel helfen und dann an einem bestimmten Zeitpunkt das Projekt an der das Bundesland, für das man sich dann mit der Firma entschieden hat, übergeben. Zum Beispiel gibt es jetzt einen großen Bau, eine Ansiedlung von Eli Lilly, dem amerikanischen Pharmakonzern für die Produktion ihrer Abnehmspritzen, in der Nähe von Mainz in Alzey, also in Rheinland-Pfalz. Da hat die GTA im Anfang geholfen und hat das dann mit Rheinland-Pfalz, der Landesregierung und dann natürlich auch den Kommunen und den kommunalen Stellen rund um Alzey entwickelt. Und jetzt wird diese Fabrik für 2,5 Milliarden gebaut.

Sprecher 2: Und zum Beispiel Microsoft, Google, die milliardenschwere Rechenzentren hier bauen wollen. Sind sie dann da auch involviert oder läuft das ohne ihre Beteiligung?

Sprecher 7: Teilweise ja, teilweise läuft das auch schon, wenn die schon weit fortgeschritten sind. Dann kann ich ja keinen Beitrag mehr leisten und mich nur draufzusetzen, macht ja auch keinen Sinn. Also diese Projekte dauern halt länger. Das zweite, was es gibt, sind Infrastrukturthemen. Es gibt jede Menge Infrastrukturinvestoren, Infrastrukturfonds, die daran interessiert sind, in Infrastruktur mit zu investieren. Seien das Datencenter, seien das Verkehrswege, das kann aber auch Energieversorgung sein. Da ist das Kernthema gar nicht, das Geld zu finden. Da ist das Kernthema, die investierbaren Projekte zu generieren.

Sprecher 2: Also die, die in der Schublade baureif sind, wie man sagen würde.

Sprecher 7: Ja, und die Schublade, da muss nicht nur das Projekt baureif sein, sondern sie müssen auch eine Struktur haben, die es privaten Investoren erlaubt. erlaubt, da rein zu investieren. Was meine ich damit? Sie brauchen einen Cashflow. Also irgendwo muss ein fester Betrag von Geld über eine Zeit fließen. Wenn Sie jetzt zum Beispiel eine Brücke bauen wollen und Sie machen das in einem Projekt gemeinsam mit einem externen Betreiber, dann sagt er, okay, ich stelle im Zeitraum X zwei Jahre diese Brücke hin. Jetzt mal als Beispiel. Dafür will ich hinterher natürlich einen gewissen Return bekommen. Lassen Sie sagen 5%. Die Brücke kostet 100 Millionen. Ich will also jedes Jahr 5 Millionen Cashflow haben, Return. Und am Ende müssen wir uns überlegen, wem die Brücke eigentlich wie gehört. Da musst du einen Vertrag machen, der dem Ersteller... garantiert, dass er diese 5 Millionen bekommt. Wenn Sie jetzt sagen, ich mache das jährlich aus dem Haushalt, dann hat der das Risiko, dass der Haushalt nächstes Jahr nicht aufgestellt wird oder die Haushaltsmittel gestrichen, dann sagt er, mache ich nicht. Also müssen sie irgendwo einen stabilen Cashflow generieren. Und das muss ich am Schluss auch noch rechnen. Sie müssen ja irgendwie nachweisen können, warum ist es besser, die Brücke für 5% durch einen Privaten erstellen zu lassen, als sich am Kapitalmarkt für 2,8% das Geld zu leihen und es mit staatlichen Schulden staatlich bauen zu lassen. Und auch diesen Nachweis können sie bringen. Dann muss der Investor sagen, ich kann schneller bauen, ich kann es hinterher günstiger warten. Also ich mache einen längerfristigen Wartungsvertrag oder man geht hin und sagt, ich Ich baue das sogar seriell. Ich mache nicht nur eine Brücke, sondern ich mache 20. Und wenn ich die seriell baue, kann ich sie günstiger bauen, als wenn jedes einzeln vergeben wird. Diese Debatte muss man dann führen.

Sprecher 2: Und das ist natürlich ein riesiges Geschäftsfeld möglicherweise für die Privatwirtschaft, was da an Infrastrukturleistungen in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommt. Nehmen Sie mich nochmal einmal mit zurück, zum Beispiel zu diesem Investoren-Roundtable in Davos. Ausländische Investoren, Pensionskassen mit Ihnen reden. Was sind denn aus deren Sicht die Hemmnisse, die der deutsche Standort hat, wo sie Rückfragen an Sie haben und sagen, ja, da müssen wir noch dran arbeiten. Was sind diese Punkte?

Sprecher 7: Die Themen, die da hochkommen, sind eigentlich immer relativ ähnlich. Das erste Thema sind Genehmigungsverfahren in Deutschland. Die dauern einfach. Zu lange. Das zweite Thema sind Bürokratie und Regulierung. Das ist oft so viel, dass sie sagen, macht hier eigentlich keinen Spaß. Das dritte sind Energiekosten, die einfach sehr hoch sind. Und das vierte ist rund um den Arbeitsmarkt, Flexibilität, Lohn, Nebenkosten. Das ist so das andere Thema, wo sich ausländische Investoren einfach oft schwer tun.

Sprecher 2: Wie oft briefen Sie den Bundeskanzler, der Sie ja persönlich ausgesucht hat, eigentlich nach Ihren Gesprächen? Haben Sie einen wöchentlichen Joe Fix? Kriegt der mit, was Sie von den Investoren gespiegelt bekommen?

Sprecher 7: Wir machen jetzt keinen wöchentlichen Joe Fix, aber es gibt schon Gespräche und gehen Sie davon aus, dass... Es da genügend Feedback auch gibt. Und er kriegt ja auch Feedback. Von anderen Leuten. Aber zum Beispiel in Davos war er ja dabei. Also da brauche ich hinterher nicht zu briefen.

Sprecher 2: Ja, wir müssen nur das Thema Standort Deutschland ja hinkriegen. Insofern glaube ich, ist die Schwerpunktsetzung in der Bundesregierung schon entscheidend dafür, dass sie Erfolg haben.

Sprecher 7: Das stimmt, aber ich kann ja nur in dem Rahmen, wie mein Auftrag ist, helfen und mit denen reden. Politische Rahmenbedingungen setzen muss am Schluss natürlich die Regierung und das Parlament. Da kann ich nur Input geben, da kann ich die Punkte, die ich jetzt gesagt habe, natürlich aufzählen. Auf der anderen Seite ist ja nicht so, dass gar nichts passiert ist. Also zum Beispiel Genehmigungsverfahren. Wenn Sie sich angucken, vor Weihnachten gab es doch die Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung. Die 200 Maßnahmen. 200 Maßnahmen. Ich glaube, das ist eins der...

Sprecher 2: Wenn sie auch mal umgesetzt würden jetzt.

Sprecher 7: Ja, aber ich glaube, da läuft ja was. Und wenn das läuft, dann haben sie auch gerade bei Genehmigungsverfahren, gibt es dann mehr Projekte, die, ich glaube, überbordendes nationales Interesse ist der Begriff, die dann einfach schneller umgesetzt werden können.

Sprecher 2: Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

Sprecher 7: Vielen Dank.

Sprecher 3: Mick, das erste Mal seit drei Jahren ist die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland für Wohnungen und Häuser tatsächlich mal wieder gestiegen.

Sprecher 2: Also gibt es doch ein kleines Signal des Aufschwungs in der Bauindustrie.

Sprecher 3: Könnte man so interpretieren, ja. Man muss natürlich dazu sagen, dass 2024 generell das schlechteste Baujahr in der Geschichte Deutschlands war. Aber immerhin, im Vergleich zu diesem schlechten Jahr, gibt es jetzt ein Plus von 10,8 Prozent bei den Genehmigungen. Insgesamt wurden knapp 240.000 neue Wohnungen und Häuser in Auftrag gegeben.

Sprecher 2: Immerhin auch ein Zuwachs bei Einfamilienhäusern ist vorhanden und mehr Familienhäuser, das ist doch schon mal gut. Wenn wir jetzt auch noch die Steuer- und Abgabensystematik gerade für junge Familien, die sich ihr Eigentum gerne leisten wollen, mal angehen würden in der Politik, wäre ich sehr dankbar. Aber immerhin, der Wohnungsmarkt entspannt sich. Vielleicht geht ja doch noch was in diesem Deutschland, denn einiges in diesem Land sollte dringend neu gebaut werden.

Sprecher 3: Ja, aber manches soll auch beim Alten bleiben. Morgen ist Helene Bobrowski dann auch wieder für uns da, für sie da. Vor allen Dingen live aus China wird sie berichten, wie die Reise von Kanzler Merz läuft. Bis dahin machen Sie es gut. Ciao, ciao.

Sprecher 2: Auf Wiederhören.

Sprecher 8: Alles klingt so schön neu. Wenn's dir nicht gefällt, mach neu. Hier ist die Luft, da braucht das Atmen, fällt mir schwer. Bye bye, ich muss hier raus, die Wände kommen näher. Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will sehen, wo's hingeht. Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht. Alles kennst, so schön neu.