Details des neuen Heizungsgesetzes
Union und SPD haben sich offenbar auf einen Kompromiss zum umstrittenen Gebäudeenergiegesetz geeinigt: Die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen soll fallen, stattdessen kommt eine Grüngasquote für Energieversorger. Heute Abend soll der Kompromiss bei einem Treffen der Fraktionsführungen besiegelt werden.
[07:07]
Bundeskanzler Friedrich Merz macht sich auf den Weg nach Peking und trifft Präsident Xi Jinping. Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und China sind eng: Chinesische Unternehmen investieren inzwischen rund 116 Milliarden Euro hierzulande. Umgekehrt sind allein in der Provinz Chiayang rund tausend Unternehmen mit deutscher Beteiligung aktiv.
[01:48]
Die Vorsitzende der Grünen Wirtschaftsvereinigung, Marie-Luise Wolff, sieht in der Elektrifizierung der deutschen Industrie die Zukunft. Sie setzt sich für einen Brückenstrompreis ein – und mahnt eine echte Industriestrategie von der Politik an.
[10:19]
Heute vor vier Jahren rollten russische Panzer in die Ukraine – und viele Experten glaubten damals, das Land werde in Wochen fallen.
Deutschland ist inzwischen der größte Unterstützer der Ukraine – mit rund 39 Milliarden Euro ziviler Hilfe und 55 Milliarden Euro militärischer Unterstützung seit Kriegsbeginn.
[13:52]
Security.Table-Chef Markus Bickel hat mit IKRK-Präsidentin Mirjana Spoljaric Egger gesprochen – einer der eindringlichsten Stimmen für humanitäres Völkerrecht. Weltweit gibt es aktuell 130 bewaffnete Konflikte, so viele wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg. „Mich belastet nicht so sehr die Anzahl der Kriege, sondern die Intensität, mit welcher Kriege heute geführt werden", sagt Spoljaric Egger.
[17:14]
Hier geht es zur Anmeldung für den Space.Table
Table Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/testen
Hier geht es zu unseren Werbepartnern
Impressum: https://table.media/impressum
Datenschutz: https://table.media/datenschutzerklaerung
Bei Interesse an Audio-Werbung in diesem Podcast melden Sie sich gerne bei Laurence Donath: laurence.donath@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Das meist diskutierte, vielleicht meist gehasste Gesetz der Ampel war das Heizungsgesetz, das eigentlich ja ganz anders hieß, nämlich Gebäudeenergiegesetz. Aber jetzt Union und SPD haben sich geeinigt, sie wollen es mehrheitlich dann doch abschaffen. Die 65-Prozent-Quote für die Erneuerbaren bei einer neuen Heizung soll wohl gekippt werden. Exklusive Details jetzt gleich bei uns.
Sprecher 3: Friedrich Merz landet heute nach deutscher Zeit in Peking und trifft dort unter anderem Präsidenten Xi Jinping. Er tritt erstmals auch als Bittsteller auf, so wird man es wohl sagen müssen, denn China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und bei Importen Deutschlands wichtigster Handelspartner.
Sprecher 2: Vor genau vier Jahren begann die russische Invasion in der Ukraine der Morgen. Der Tag, der die Welt erschütterte und Europa nach 1945 wieder in einen großflächigen Krieg führte. Die Sicherheitsordnung hat sich verändert. Was ist da passiert? Wir sprechen heute mal mit der Chefin des Internationalen Roten Kreuzes über das erste und meistgrößte Opfer eines jeden Krieges, nämlich die Zivilisten. Sie heißt Mirjana Spoljaric-Egger und spricht gleich bei uns mit Markus Bickel, dem Kollegen aus dem Security Table.
Sprecher 3: Und zum Schluss die ersehnte gute Nachricht des Tages. Es ist nicht das Smartphone oder der Bildschirmcomputer, der für die zunehmende Kurzsichtigkeit von jungen Leuten verantwortlich ist. Die Lösung liegt noch näher, als man denken könnte. An diesem Dienstag, den 24. Februar. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 2: Helene reist nach China an diesem Dienstagabend mit dem Bundeskanzler und in China wird das Jahr des Feuerpferdes gefeiert. Ein Symbol für Tempo, Dynamik und Aufbruch, wenn das nicht zu deiner Kanzlerreise passt, Helene.
Sprecher 3: Ich habe gehört, dass Frauen, die in diesem Jahr 60 werden, die sind also im Jahr des Feuerpferdes geboren und sie sollen also besonders wild sein, so hat es mir ein chinesischer Freund erzählt. Und eben auch natürlich die Frauen und auch Männer, darf man ja nicht vergessen, die in diesem Jahr geboren werden. Also alle 60 Jahre das Jahr des Feuerpferdes. Gerade haben die Chinesen das Neujahrsfest gefeiert und es gilt. Diplomatisch als besondere Ehre, dass Friedrich Merz unmittelbar zum chinesischen Neujahr oder unmittelbar nach dem Beginn des chinesischen neuen Jahres empfangen wird.
Sprecher 2: Angela Köckritz, unsere Kollegin aus dem China-Table, hat geschrieben gestern Abend im Berlin-Table, es ist die heikelste und wohl wichtigste Reise des Bundeskanzlers seit seiner Reise zu Donald Trump vor einem Jahr. Gut, dass du ihn dabei beobachtest. Warum ist es so heikel, Helene?
Sprecher 3: Naja, er ist natürlich in einem Zwiespalt. Einerseits hat die deutsche Wirtschaft Interessen, 30 CEOs sitzen mit an Bord, die wollen ganz konkrete Dinge. Einerseits natürlich wollen sie was machen am Wechselkurs, der eben die Importe nach China schwer macht. Andererseits geht es wieder um das Thema Marktzugang und Rohstoffe und all diese Dinge, wo Friedrich Merz verhandeln muss. wo er hoffen muss, dass die Chinesen ihm entgegenkommen. Und zugleich ist es natürlich geopolitisch wichtig, mit den Chinesen ins Gespräch zu kommen. Denn, das hat ja Friedrich Merz mehrfach gesagt, drei Männer können den Ukraine-Krieg beenden. Es ist Wladimir Putin, es ist Donald Trump und auch Xi Jinping. Also das Thema wird auch auf der Tagesordnung stehen. Und dann erinnern wir uns aber daran, dass Friedrich Merz ja vor kurzem noch, nämlich am Aschermittwoch, sehr harsche Worte verloren hat über die Chinesen und ihre Manöver vor Taiwan und gewarnt hat vor der Aggressivität. Also in diesem Zwiespalt der unterschiedlichen Interessen muss er sich bewegen.
Sprecher 2: Wirtschaft first wird sicherlich die Botschaft sein und da müssen wir nochmal ein paar Zahlen nachreichen. Die politische Dimension haben wir hier ja schon mal besprochen, aber interessant ist schon, wie eng inzwischen auch die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen sind. In Deutschland ist China der große Investor inzwischen mit 7% übrigens aller ausländischen Direktinvestionen. In Deutschland ist China der zweitgrößte mit 116 Milliarden Euro inzwischen die chinesische Unternehmen oder die chinesische Staat hier bei uns in Deutschland investiert. Und in eine Provinz fährt Friedrich Merz jetzt, in der alleine tausend Unternehmen mit deutscher Beteiligung arbeiten, werkeln und wirken, nämlich Provinz Cheyang. Da sind sie wirklich alle. BASF, ThyssenKrupp, Bosch, Bayer, ZF, Siemens, Energy. Also enger als zwischen Deutschland und China gibt es eben auch kaum eine Handelsbeziehung unserer Nation.
Sprecher 3: Und gleichzeitig erinnern wir uns daran, wie Friedrich Merz, als er noch Oppositionsführer war, Olaf Scholz scharf kritisiert hat und ihm vorgeworfen hat, dass damals, als es um das Hamburger Terminal ging und die chinesischen Investitionen und Scholz nach China reiste, dass es der denkbar schlechteste Zeitpunkt sei, dass China diese Reise propagandistisch ausschlachten werde und dass doch die Zeitenwende endlich auch mit Blick auf China vollzogen werden müsse. Nun ist aus Regierungskreisen ganz anderes zu hören. Man setzt auf Dialog. Man wolle mit Peking unbedingt im Gespräch bleiben. Natürlich sei Peking ein Partner, einerseits wirtschaftlich, andererseits geopolitisch. Und man wolle, so heißt es nun, weniger schulmeisterlich auftreten, in Klammern wohl auch als der Außenminister Wadephul. Möglicherweise sind sogar Regierungskonsultationen irgendwann geplant. Die Zeichen stehen, ja, ich würde nicht sagen auf Entspannung, aber doch auf eine andere Tonalität, unbedingt auf einem freundlichen Auftreten, was Friedrich Merz dort in Peking jetzt hinlegen will.
Sprecher 2: Interessant ist ja, wenn man mit Wirtschaftsleuten spricht, es gibt so eine klammheimliche Sehnsucht nach chinesischen Möglichkeiten, wenn man allein die Dynamik der Genehmigung, der Planung des Baus immer wieder mal hört, was da möglich ist in einem autoritären... Ein Parteiregime, dann geht da auch mal eine Brücke, zum Beispiel die San-Juan-Brücke in Peking, zehnspurig übrigens, also fünf hin, fünf zurück. dauerte nur 43 Stunden, einschließlich Abriss, Tieren und Neubau. Also unvorstellbar, wenn man sich überlegt, dass hier eine Brücke mindestens fünf, sechs, sieben Jahre dauert. Das sind so Dinge, die man mit Wirtschaftsleuten immer wieder mal hört. Man wäre gerne ein bisschen China.
Sprecher 3: Und das größte Problem aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist eben diese sogenannte Investitionskluft, dass China, und das bedeutet der chinesische Staat, nach Schätzung rund 4% seines BIP in Industrie-Subventionen gibt. Die EU dagegen nur 1,5% und das ist methodisch noch eine umstrittene Zahl. Also wir sehen einfach, die Chinesen stärken ihre eigene Wirtschaft und verzerren so natürlich den Wettbewerb. Auch das führt dazu, dass wir dieses Handelsdefizit von sage und schreibe 90 Milliarden Euro verzeichnen, was natürlich der deutschen Wirtschaft schwer zu schaffen macht.
Sprecher 2: Das umstrittenste Gesetz der jüngeren Zeit, das Heizungsgesetz, steht vor dem Aus. Das sagt zumindest die Union. Es wird abgeschafft, so heißt es ja auch im Koalitionsvertrag. Im Grundsatz wird aber eigentlich alles so bleiben, wie es ist, sagt Carsten Schneider, der SPD-Umweltminister. Naja, jetzt gibt es einen Kompromiss, der... Manch einem Recht gibt und dem anderen etwas weniger.
Sprecher 3: Ja, interessant ist ja, dass es diesen Kompromiss nun nicht aus dem Bundeswirtschaftsministerium gibt oder vielleicht auch aus dem Klimaministerium, sondern dass es von den Fraktionsspitzen offenbar erarbeitet wird. Das ist doch ziemlich erstaunlich, denn natürlich hat das Ministerium von Katharina Reiche auch daran gearbeitet. Allerdings, so höre ich, wirklich in einer sehr, sehr kleinen Gruppe. Man wollte nicht, dass das im Haus breit diskutiert wird. Ein Thema, das ja doch ziemlich vermint ist, denn einerseits gab es diesen Ärger ums Heizungsgesetz und andererseits gab es dann nach der Ansage, das Heizungsgesetz wird abgeschafft, auch wieder Ärger. Denn die Wahrheit ist, dass die Wärmebranche sich eigentlich mit diesem Habeck-Gesetz dann doch ganz gut arrangiert hat und die Unsicherheit vor allem nicht wollte, dass also alle paar Monate eine neue Devise ausgegeben wird, wie sich die Wärmewirtschaft entwickeln soll.
Sprecher 2: Ja, die Union hatte vor allem eigentlich Oma Klein-Erna ihr Häuschen 1980 gebaut im Blick. Wenn da die Gasheizung von heute auf morgen ihren Geist aufgibt, dann hätte sie theoretisch bei dem Neubau... eine 65%-Regel erfüllen müssen, nämlich die neue Heizung hätte zu 65% mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Das läuft dann doch auf eine Wärmepumpe hinaus. Und nur dieser Teil, das war der, den die Union unbedingt abschaffen wollte, dieser berühmte Satz, den auch Jens Spahn jetzt wieder gesagt hat, wir regieren nicht in den Heizungskeller hinein. De facto läuft es natürlich dann trotzdem darauf hinaus, wer eine neue Heizung installiert, kommt an der Wärmepumpe eigentlich kaum vorbei. Aber gut, jedenfalls kippt diese 65%-Regel jetzt so hören wir. Alternativ kommt rein eine Grüngasquote. Das heißt also, statt Vorgaben für Heizungsbesitzer sollen die Energieversorger schrittweise verpflichtet werden, mehr Biomethan oder Wasserstoff ins Netz einzuspeisen, also ihr Gas grüner zu machen, als dass der Eigentümer seine Gasheizung abschaffen muss.
Sprecher 3: Ja, worum es vor allem geht, ist eine gesichtswahrende Lösung. In SPD-Kreisen heißt es jetzt, man werde gar nicht so viel an dem Gesetz ändern, aber es müssten irgendwie alle Seiten ja aus dieser Nummer rauskommen. Die SPD, die, auch wenn sie das am Ende alles auf Habeck geschoben hat, ja schon in der damaligen Form von Bauministerin Geiwitz an dem Gesetz mitgewirkt und es natürlich auch im Bundestag verabschiedet. Jetzt schreibt sie in den Koalitionsvertrag mit der Union rein, wird abgeschafft. Also aus diesem ganzen Schlamassel, aus dem kommunikativen Schlamassel, so würde ich es nennen, muss es nun einen Ausweg geben, endlich nach fast einem Jahr. Ich als Regierungszeit und ja, nun geht es vor allem darum, um dass keiner das Gesicht verliert.
Sprecher 2: Heute Abend jedenfalls das Spitzentreffen der Minister mit den Fraktionsführungen und wahrscheinlich dann auch die Verkündigung dieses Kompromisses. Wir halten Sie natürlich hier auf dem Laufenden.
Sprecher 3: Für die Reduktion der Emissionen und damit auf dem Weg zu einem klimaneutralen Deutschland spielt der Wärmebereich eine entscheidende Rolle. Deswegen war ja das Gesetz aus Sicht der damaligen Regierung auch so wichtig. Und wie eine tragfähige Transformation aussehen konnte. Darüber hat gestern eine illustre Runde sich zusammengefunden und ziemlich engagiert diskutiert. Organisiert wurde das Ganze von der Grünen Wirtschaftsvereinigung. Das ist eine unabhängige Vereinigung, die aber den Grünen nahesteht. Eine Vereinigung, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Wirtschaft und Ökologie zusammenzubringen, zusammenzudenken. Es sind keine Utopisten, die an das grüne Wirtschaftswunder glauben, sondern die ziemlich handfest nach Lösungen suchen. Und gestern Abend wurde diskutiert unter anderem mit Professor Moritz Schularik, dem Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Und Markus Krepper war dabei, der CEO von RWE, außerdem Franziska Brandner, die Grünen-Vorsitzende. Und es ging um die Frage, wie man erneuerbare Energien vernünftig fördern kann. Natürlich auch um die Frage, ob man sich ehrlich machen muss und sagen muss, von manchen Industrien müssen wir uns dann vielleicht verabschieden. Vielleicht wird es einfach keinen Stahl made in Germany geben, weil es schlicht zu teuer ist. Ich habe gesprochen am... Rande der Veranstaltung mit der Vorsitzenden der Wirtschaftsvereinigung, Marie-Luise Wolf. Sie war ehemals Vorstandsvorsitzende des Energieunternehmens Entega. Guten Tag, Marie-Luise Wolf.
Sprecher 4: Guten Tag, Helene Bebrowski.
Sprecher 3: Ist die Zukunft die reine Elektrizität?
Sprecher 4: 100%ig ist sie das. Nicht nur Erneuerbare, aber im wesentlichen Teil sind es Erneuerbare. Warum? Weil Strom und Antrieb durch Strom den höchsten Wirkungsgrad am Energieverbrauch hat. Wir schaffen damit am meisten. Wir schaffen damit viel mehr als über Feuerchen machen, vorher Gas irgendwo reintun oder Benzin und dann ein Auto antreiben. Das ist einfach der effizienteste Weg für Antriebe.
Sprecher 3: Ist es denn so, dass jegliche Produktion auch auf Elektrizitätsbasis funktioniert oder auch auf Basis erneuerbarer Energien? Oder müssen wir uns ehrlich machen und sagen, manches können wir eben künftig dann nicht mehr in Deutschland produzieren, weil es schlicht zu teuer ist? Beispiel etwa Stahl.
Sprecher 4: Das ist eigentlich eine Preisfrage. Ich bin dafür, die Industrien, die sich transformieren, die den Weg gehen, auch zu unterstützen. Es gab mal so ein Wort wie Brückenstrompreis, also ein Industriestrompreis, bis sie auf der Brücke bei dem Strom angekommen sind. Und dazu brauchen wir aber erstmal ein Konzept, wie wir das machen. Welche Unternehmen sind es und welche nicht?
Sprecher 3: Also die klassische Industriepolitik. Das heißt, welche Industrien wollen wir hier behalten und wenn wir sie behalten, wie können wir sie fördern? Haben wir ein Industriekonzept in Deutschland?
Sprecher 4: Also meines Wissens noch nicht. Ich hoffe, dass da jemand dran arbeitet in der Bundesregierung, dass es Teams gibt, die an diesen Themen arbeiten. Denn wir haben ja im Vergleich zu früher noch eine ganz andere Herausforderung, nämlich Resilienz zu erlangen in dieser geopolitischen Situation. Auch industrielle Resilienz. Das heißt, es ist... Unbedingt Zeit, sich industriepolitisch Gedanken zu machen. Das war früher immer ein Schimpfwort. Da hat man gesagt, das ist doch Planwirtschaft, Planifikation, das machen die Franzosen, das machen wir doch nicht. Wir brauchen das jetzt, aus den genannten Gründen.
Sprecher 5: This is an ABC News special report. We're coming on the air at this hour with breaking news. After the U.S. Warned all day of a full-scale Russian invasion of Ukraine, that it was imminent, Vladimir Putin has just addressed the Russian people moments ago, announcing what Putin called the start of a military special operation. In his words, overnight, the lives of millions of people in Ukraine changed forever.
Sprecher 6: Moments later, thunderous explosions echo throughout the capital. And more cities throughout the country.
Sprecher 2: Heute vor genau vier Jahren, kurz vor vier Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit, hörten die Menschen in der Ukraine die ersten Explosionen. Wladimir Putin hatte seine Truppen losgeschickt und wenige Minuten zuvor im Fernsehen einen Sondermilitäreinsatz verkündet. Geplant war ein sehr schneller Krieg. Er wollte die Ukraine in wenigen Wochen einnehmen. Doch jetzt sind es inzwischen vier Jahre Krieg mitten in Europa.
Sprecher 3: Ja, wie wir damals darüber sprachen, war schon sehr zynisch. Ich habe gehört bei einem Briefing in Berlin, naja, selbst wenn die Ukraine alles aufbietet, dann wird sie doch nicht mehr als ein Igel sein, der die Stacheln aufstellt und Russland ist ein Panzer, der drüber fährt und diesen Igel einfach platt macht. So dachte man damals, hat die Ukraine aber unterschätzt, den Kampfeswillen der Ukraine unterschätzt und auch die militärischen Möglichkeiten. auch den Erfindergeist dieses Volkes und den Freiheitsdrang. Aber natürlich hat die Ukraine einen sehr, sehr hohen Preis gezahlt dafür.
Sprecher 2: Ich erinnere mich an den ehemaligen Botschafter Melnyk, der damals berichtete von einem Gespräch mit dem damaligen Finanzminister Lindner, der dann einfach berichtete mit einem höflichen Lächeln, wie es Melnyk damals berichtete, der Ukraine blieben ja nur wenige Stunden, eine Unterstützung sei wenig sinnvoll. Da hat sich nicht nur der Finanzminister getäuscht, sondern viele andere auch. Vier Jahre halten die Ukraine jetzt durch und immerhin muss man sagen, Russland hat zwar knapp 20 Prozent der Ukraine inzwischen besetzt, aber dieser Boden ist mit viel Blut erkauft. Allein im vergangenen Jahr sind für jeden eroberten Quadratkilometer im Schnitt 17 russische Soldaten gestorben. Und Putin ist von seinem Minimalziel, dem kompletten Donbass einzunehmen, immer noch weit entfernt.
Sprecher 3: Aber die Ukraine hat auch einen hohen Blutzoll gezahlt. Offiziell sind es 55.000 tote Soldaten und bei den Zivilisten sind es nun nach Angaben der UN knapp 15.000 Opfer, die bestätigt sind. Dazu kommen natürlich die vielen Menschen, die leiden, weil sie in ihren kalten Wohnungen sitzen, weil die Stromversorgung wieder bombardiert wurde und so weiter. Die vielen, die auf der Flucht sind, die aufgenommen wurden, zum Teil auch gut aufgenommen wurden, aber natürlich auch Heimwehr haben zurück wollen. Also ein unermessliches Leid ist über dieses Land gekommen.
Sprecher 2: Und Deutschland ist inzwischen gerade nach dem Rückzug der Amerikaner, vor allem bei der zivilen Hilfe, aber auch bei der militärischen Hilfe, die Nummer 1 bei den Unterstützern. Seit dem 24. Februar 2022 hat Deutschland für die zivile Unterstützung, also all das, was nicht militärische Güter waren, rund 40 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt und militärische Hilfe in Höhe von immerhin 55 Milliarden Euro.
Sprecher 3: Ja, und die Hilfsorganisationen, die haben dieser Tage nicht nur wegen der Ukraine so unfassbar viel zu tun, sondern es gibt daneben auch die Kriege, die wir nicht vergessen dürfen, in Gaza, im Sudan, am Horn von Afrika. Es sind mehr bewaffnete Konflikte als irgendeinem anderen Zeitpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg. Damit hat Mirjana Spolgaric-Egger zu tun. Sie ist die Chefin des Internationalen Roten Kreuzes und sie ist sehr besorgt. Nicht allein wegen der Zahl der Kriege, es ist auch die Intensität, mit der diese Kriege geführt werden. Das werden wir gleich hören. Markus Bickel, der Chef unserer Security Table, hat mit Mirjana Spolgaric-Egger gesprochen.
Sprecher 7: Frau Spoljaric-Egger, die Welt sieht gerade 130 bewaffnete Konflikte, so viele wie nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Wie kann es geschafft werden, die Zahl der Konflikte wieder zu reduzieren?
Sprecher 3: Der Entscheid, ob ein Krieg gewonnen ist oder nicht, ist immer ein politischer Entscheid. Wir müssen zum Primat des Politischen zurückkehren, ohne eine politische Zusammenarbeit der Staaten, auch vor allem der
Sprecher 8: Mächtigen Staaten wird es nicht gehen. Wir brauchen jetzt Staatsführer, die den Mut haben, über Kompromisse zu sprechen, die den Mut haben, zu sagen, es gibt keinen absoluten Sieg, es gibt nur den totalen Krieg. Der Kriegsfall muss immer das letzte Mittel bleiben, wenn sie ihre Bevölkerung... Adäquat schützen möchten. Und sie müssen auch in Bereitschaft investieren und Bereitschaft, humanitäre Hilfe zu leisten, zivile Infrastruktur zu bewahren, damit ihre Bevölkerung weiterhin Zugang zu Essen, zu Wasser, zu Grundversorgung hat. Und das ist nicht gegeben. Man kann nicht nur mit Waffen. Einen Krieg gewinnen. Und dazu kommen die neuen Technologien, die um vieles die negativen Konsequenzen der Kriegsführung verstärken. Mich belastet nicht so sehr die Anzahl der Kriege, sondern die Intensität, mit welcher Kriege heute geführt werden. Das Ausmaß dieser Kriege. Das nimmt zu, weil die neuen Technologien sich immer stärker verbreiten und jetzt auch die künstliche Intelligenz dazukommt, die dazu führen wird, und zwar mittelfristig bereits, dass wir nicht mehr kontrollieren werden als Menschen, wo die Waffen eingesetzt werden und gegen wen.
Sprecher 7: Können Sie noch genauer beschreiben, wie diese neue Art und Weise der Kriegsführung, wie Sie es nennen, sich verändert hat? In welchen Konflikten sieht man das schon?
Sprecher 8: In jedem Konflikt. Schauen Sie, wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland eskaliert ist zu einem Drohnenkonflikt. Es kämpfen Drohnen gegen Menschen und die Anzahl der Getöteten und der Vermissten steigt exponentiell. Aber was Drohnen natürlich auch bewirken, ist, dass niemand mehr sicher ist und nirgends mehr sicher ist.
Sprecher 7: Humanitäre Hilfe wird gekürzt weltweit, es wird weniger in Entwicklungszusammenarbeit investiert. Wie arbeiten Sie daran, gemeinsam mit anderen Organisationen das wieder zu stärken?
Sprecher 8: Also es ist natürlich kontraintuitiv, wenn man die Hilfe dann kürzt, wenn die Hilfe am dringendsten benötigt wird. Daher auch mein Aufruf an die Staatsführer, sich zusammenzusetzen, an den Tisch zu setzen und ernsthaft zu verhandeln, damit diese Krieger aufhören. Wir brauchen Waffenruhen. Und es ist mir ehrlich gesagt lieber, wir sehen eine Deeskalation der größten Konflikte heute in Europa, im Horn von Afrika, im Nahen Osten, als dass wir mehr Geld bekommen. Weil wir können die Hilfe ohnehin nicht mehr ausliefern. Und das IKK als globale Referenzorganisation für das humanitäre Völkerrecht hat mit sechs Staaten, Frankreich, Brasilien, Südafrika, China, Jordanien und Kasachstan. Aufruf lanciert mit der Absicht, Ende 2026 eine internationale Konferenz durchzuführen, um die Relevanz des humanitären Völkerrechts und der Genfer Abkommen neu zu bestätigen. Und auch den politischen Willen zu bekunden, sich künftig stärker an das humanitäre Völkerrecht zu halten. Es ist der Schlüssel zur Deeskalation, weil die ersten Schritte in Richtung Waffenruhe sind immer humanitäre Schritte, die sich im Rahmen dieser Regeln befinden müssen, um wirklich Wirkung zu entfalten. Mittlerweile beteiligen sich 100 Staaten an dieser Initiative, auch Deutschland. 150 Staaten beteiligen sich an den Konsultationen zur Vorbereitung der Konferenz, die jetzt Ende Jahr vom König von Jordanien einberufen wird, mit Unterstützung der sechs ursprünglichen Initiatoren.
Sprecher 3: Mein lieber Mick, bevor ich ins Flugzeug steige, war noch was.
Sprecher 2: Kurzsichtigkeit ist mein heutiges Thema. Es ist längst eine Volkskrankheit geworden, nicht nur bei mir, wie man anhand meiner Brille ja immer wieder erkennen kann. Und der Kontaktlinsen, die irgendwie überhaupt nicht mehr funktionieren bei mir. Aber bei den jungen Leuten ist sie auch gewachsen und gestiegen. Und die Schuld wurde bisher den Bildschirmen gegeben, der berühmten Bildschirmzeit, den Screens. Aber es ist gar nicht so, wie eine Studie der State University of New York gerade festgestellt hat.
Sprecher 3: Aha, interessant. Ich habe ja immer die Hoffnung, dass die Kurzsichtigkeit, unter der ich auch leide, sich irgendwann mit Altersweitsichtigkeit ausgleicht. Bei manchen Leuten soll das so sein, aber gesagt ist es nicht. Man kann auch gleichzeitig kurzsichtig und weitsichtig sein.
Sprecher 2: Zweimal Minus G Plus oder wie war das nochmal genau? Also ich habe ja auch beides, so eine Gleitsichtbrille, die süß auf teuer war. Alles nicht schön. Jedenfalls die gute Nachricht ist, das Problem ist nicht das Display, weil davon würde man die Kinder ja nie wieder wegkriegen, sondern das sind die schlechten Lichtverhältnisse in den Wohnungen und Büros. Wenn man in schlecht beleuchteten Räumen auf sein Handy oder Buch schaut, da verengt sich die Pupille gleich doppelt. Das haben diese Forscher herausgefunden und die Netzhaut bekommt einfach nicht genug Lichtstimulation. Also mehr Zeit draußen verbringen oder mehr Licht drinnen machen und schon wird es mit der Kurzsichtigkeit vielleicht ein bisschen besser gehen. Ist das nicht eine herrliche, gute Nachricht zum Schluss dieses sonst so Thematas? Der schwierigen Podcasts.
Sprecher 9: Let the sunshine in.
Sprecher 2: So sieht es aus. Bis morgen. Wir sind wieder für Sie da. Helene dann aus China, ich aus Berlin. Am Mittwoch. Bis dahin. Table Today ab 5 Uhr für Sie. Ciao, ciao.
Sprecher 9: Tschüss.
Sprecher 10: Suddenly burns so pale. It's burning like fire. How can you close and fail? How come the light that burns so brightly suddenly burns so pale?