Wie lange hält die Ukraine durch, Herr Papperger?
Die Münchner Sicherheitskonferenz ist vorbei – und hinterlässt ein überraschend geschlossenes europäisches Bild. Spaniens Sánchez, EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, Dänemarks Mette Frederiksen und der britische Premier traten so entschlossen für europäische Eigenständigkeit auf wie selten zuvor. Die emotionale Bindung an die USA ist einer nüchternen, professionellen Beziehung gewichen. Michael Bröcker zieht seine Bilanz der MSC.
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Rheinmetall-CEO Armin Papperger war einer der gefragtesten Gesprächspartner der MSC. Bei Munition hat sein Unternehmen 70 Prozent europäischen Marktanteil erreicht und die Preise durch Skaleneffekte fast zweistellig gesenkt. Papperger macht klar, welche Dimension das Wachstum hat: „Wir werden eine Größenordnung von 300.000 Menschen beschäftigen – Rheinmetall mit der Lieferkette zusammen. Das ist ein Drittel der Automobilzulieferer-Industrie. Das ist ein riesiger Jobmotor." Sein erklärtes Ziel: europäischer Rüstungs-Champion.
[05:51]
Drohnen-Startup Quantum Systems gehört zu den spannendsten Verteidigungsunternehmen Europas. Gründer und Co-CEO Florian Seibel hat mit einer Finanzierungsrunde von 340 Millionen Euro die Bewertung auf drei Milliarden Euro verdreifacht und expandiert von der Luft- in die Land- und Seedomäne. Seine klare Botschaft an die Politik: „Das Thema unbemannte Systeme ist keine Modeerscheinung, sondern steht erst am Anfang. Wenn man einen europäischen Champion bauen will, muss man auch die Perspektive für die Unternehmen so gestalten, dass die finanzierbar werden."
[12:16]
Am Freitag trifft sich die CDU zum Bundesparteitag in Stuttgart. Friedrich Merz dürfte nach einer starken außenpolitischen Woche wenig Gegenwind erwarten.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Europa hat ein neues Momentum. Die Beziehung zu den USA wird nüchterner und dafür schließen sich die Europäer nun zusammen. Wenn das denn alles so klappt. Das jedenfalls ist das Ergebnis der MSC. Michael ist zurück und berichtet, was daraus folgt aus diesen drei Tagen München.
Sprecher 3: Ich bin zurück bei Helene, das ist sehr, sehr wohltuend für mich, aber ich habe ihr was mitgebracht und Ihnen, liebe Zuhörer und Zuhörer, nämlich ein Interview mit dem CEO der Münchner Sicherheitskonferenz. Man kann es wirklich so sagen, Rheinmetall-Chef Armin Papperger hatte alleine 41 bilaterale Termine in zwei Tagen, darunter mit einem Dutzend Staats- und Regierungschefs. Und sein Unternehmen, das ist so etwas wie der neue Nukleus dieser Zeitenwende. 50% Umsatzwachstum, 140 Milliarden Euro alleine in den Auftragsbüchern. Ich habe ihn zum Schluss der Konferenz nochmal gesprochen.
Sprecher 2: Rüstung ist die neue Autoindustrie. Wir sprechen mit einem der spannendsten Start-ups in dieser Szene, dem Drohnen-Neuling Quantum Systems und der Chef heißt Florian Seibel.
Sprecher 3: So sieht unser Plan also aus für diesen Montag, den 16. Februar. Schön, dass Sie wieder mit dabei sind.
Sprecher 2: Michael, die MSC ist vorbei, aber diese Woche steht noch sehr im Zeichen der Sicherheitskonferenz. Die wirkt nach und die Frage ist, gab es nun wirklich etwas, was uns zuversichtlich stimmt, dass Europa jetzt besser zusammenfindet als in der Vergangenheit und nun mutig vorangeht? In Sachen, wie verteidigen wir uns künftig selbst?
Sprecher 3: Ich fange mal an mit nicht Friedrich Merz und nicht Marco Rubio, über die wir ja hier nun jetzt auch intensiv berichtet haben. Vielleicht ist das Überraschendste dieser europäische Zusammenschluss der Kleinen und Großen ein Spanier. Sanchez, die Kaya Callas, die ehemalige estnische Ministerpräsidentin, jetzt EU-Außenbeauftragte, die sich auf offener Bühne mit dem UNO-Botschafter der USA anlegt, der britische Premier, der sagt, ohne die europäische Sicherheit gibt es auch keine nationale Sicherheit für uns. Mette Frederiksen mit einem sensationellen Auftritt für mehr Europa. Also dieser Zusammenschluss der europäischen Staats- und Regierungschefs, egal ob klein oder groß, auch bei uns im Interview der Bundeskanzler Österreichs, der ist wirklich erstaunlich. Es gibt schon so eine Art europäisches Momentum, das natürlich Trump erzeugt hat, vor ein, zwei Jahren schon. Aber man muss sagen, am Ende wird dieser Trump in die Geschichte eingehen, als der Mann der Europas Comeback-Plan vielleicht erst möglich gemacht hat.
Sprecher 2: Wobei ja Friedrich Merz durchaus versucht hat, nochmal zu erklären, warum auch... für die Amerikaner, die NATO wichtig ist. Und sinngemäß hat er ja gesagt, das wissen auch die Leute im Pentagon. Also es war offenbar eine Botschaft ans Weiße Haus. Ich fand, es war jetzt nicht besonders bittstellerisch, aber trotzdem war die Hoffnung zu spüren, dass man auch mit den Amerikanern stärker wieder zusammenfindet. Bei anderen Regierungschefs klang das etwas anders. Wie würdest du sagen, was ist jetzt das Take-away in Sachen Verhältnis zu den USA?
Sprecher 3: In der Delegation von Merz in seinem Umfeld hieß es, wir haben wieder einen Raum der Kommunikation gefunden, wo wir ruhig und sachlich, professionell könnte man auch sagen, Dinge austauschen können. Wenn es dabei bleibt bei diesem Ton, dann sei man schon sehr zufrieden. Das ist halt so. Diese emotionale Beziehung zu den USA, die ist einer nüchternen, professionellen Beziehung gewichen. Das muss aber gar nicht schlecht sein. Mit Rubio kann man arbeiten, obwohl er die Dinge nicht wesentlich anders sieht als Donald Trump. Aber man kann mit ihm arbeiten. Der NATO-Botschafter Matt Whitaker war wirklich in sehr vielen Gesprächen mit der deutschen Delegation unterwegs. Und auf der NATO-Ebene, sagt Ingo Gerhards, der ranghöchste deutsche General, sagte mir, auf der operativen Ebene, da läuft es, da gehen die Scharniere ineinander, da würde man eigentlich diese rhetorischen Probleme oben gar nicht wirklich merken. Also die NATO zweifelt keiner mehr wirklich an, aber sie wird eben europäischer.
Sprecher 2: Diese Sicherheitskonferenz, drei Tage dauert sie, die Welt trifft sich dort, jedenfalls mal die Sicherheitswelt, aber wie du sagst auch die Wirtschaftswelt, ein Riesenaufwand. München ja komplett abgesperrt und abgeschirmt, wobei Hillary Clinton ja mit der Bahn aus Berlin angereist ist, weil just gestreikt wurde an dem Tag, als es losging oder kurz bevor es losging. Ist es das alles wert, würdest du das sagen? Kommt da am Ende so viel bei rum, dass man sagt, das lohnt sich? Oder ist es doch eher ein Schaulaufen und ein Wichtigtun?
Sprecher 3: Ja, für uns Journalisten ist das natürlich spannend, wenn irgendwie zwischen den beiden Konferenzräumen im Flur ein kroatischer Regierungschef der estnischen Ministerpräsident die Hand schüttelt, dann kommt Gavin Newsom und da hinten ist Ocasio-Cortez und dann kommt noch ein Senator und man vergisst schon, dass Hillary Clinton gerade vorbeigelaufen war. Natürlich ist es enorm, was dort an Dichte an Staats- und Regierungschefs in einem oder maximal zwei Hotels zusammenkommt. Aber das ist schon auch wichtig für die Beteiligten, denn du kannst als Friedrich Merz an so einem Tag vier, fünf hochkarätige Staats- und Regierungschefs treffen in jeweils einstündigen Bilaterals, wie es heißt. Und dafür musst du nicht um die Welt fliegen. Das ist natürlich wie Davos. Und warum soll das nicht sinnvoll sein? Weil die haben gerade einen unglaublichen Abstimmungsbedarf. Wer liefert was bis wann in die Ukraine? Wie finanzieren wir das Ganze? Was machen wir, um die Energiekosten zu senken? Da ist ja ein halber EU-Gipfel zustande gekommen am Freitag schon. Und am Samstagmorgen nochmal mit dem indischen Außenminister. Das ist schon sehr effizient, wenn man die Tage so durchtaktet. Ob wir als Journalisten immer so viel mitbekommen, wie wir gerne mitbekommen würden, ist eine andere Frage. Aber ich glaube schon, dass es Sinn macht, eine solche Veranstaltung durchzuführen. Sie führt auf jeden Fall immer zu mehr Dialog.
Sprecher 2: Ja, einer, der das sehr für sich nutzen konnte, diese Sicherheitskonferenz, ist Armin Pappberger, der CEO von Rheinmetall. 41 Treffen hatte er und eilte von einem zum anderen und trotzdem hat er Zeit gefunden für Table Today. Michael hat ihn am Rande getroffen und darüber gesprochen, wie er eine alte Industrie in eine neue Zeit führen will.
Sprecher 3: Schönen guten Tag, Herr Papperger.
Sprecher 4: Hallo, wie geht's Ihnen?
Sprecher 3: Sehr gut. Herr Papperger, wie geht's Ihnen? Sie sind wahrscheinlich einer der meistgebuchten CEOs hier gerade.
Sprecher 4: Ich kann mich nicht beschweren, dass ich unterausgelastet bin.
Sprecher 3: Wie konkret sind wirklich diese Gespräche im Hinblick auf eine Standardisierung, eine europäische Verteidigungsunion? Wie viel ist da noch aus dem Weg zu räumen?
Sprecher 4: Es ist sehr konkret. Wir sind da auf einem, glaube ich, sehr, sehr guten Weg. Es sind einige Bereiche 100 Prozent standardisiert. Wenn Sie mal zum Beispiel gucken bei der Munition. Wir haben bei der Gloskalib-Munition 70 Prozent europäischen Marktanteil. Das heißt, die Konsolidierung und die Standardisierung hat stattgefunden. Bei den Fahrzeugen ist es jetzt der nächste Schritt. Da ist Deutschland der Treiber. Also Deutschland wird den Standard setzen. Europa folgt dem. Beispielsweise bei den Schützenpanzern wird es so sein, dass Rumänien uns folgt, dass andere Länder kommen. Und auch hier ist die Standardisierung wichtig, weil dann es größere Stückzahlen gibt. Wir haben tatsächlich alleine durch die Standardisierung der Munition die Preise mittlerweile fast im zweistelligen Bereich reduzieren.
Sprecher 3: Die Gefahr ist ja immer, zumindest sagen das Kritiker, dass einzelne Unternehmen wie auch Ihres, die so groß und so vorne sind in ihren Produkten, dass sie die Preise diktieren können.
Sprecher 4: Das machen wir eben nicht, weil das ist ja sehr kurzsichtig. Der Kunde muss was davon haben. Wir haben die Preise gesenkt, haben aber trotzdem eine sehr gute Profitabilität, weil wir einmal den Skaleneffekt haben. Bei der Artillerie zum Beispiel haben wir von 70.000 auf mittlerweile wachsen wir auf 1,3 Millionen Schuss pro Jahr hoch. Durch diesen Skaleneffekt und durch die vertikale Integration. Ich habe gestern mit dem schwedischen Verteidigungsminister gesprochen und da sagte er mir, ihr seid 20, 25 Prozent billiger als die Konkurrenz. Das ist ein Kauf von Neu.
Sprecher 3: Ein großes Projekt, das ist nicht Ihres, ist aber derzeit in der Kritik und vielleicht scheitert es sogar. FKAS, ist das dann auch ein Schlag, auch symbolisch für dieses gemeinsame Ziel einer Verteidigungsunion?
Sprecher 4: Ich glaube es nicht. Was ich glaube, ist, dass FKAS einfach versucht worden ist, politisch zu lösen, ohne industrielle Beteiligung. Und man kann es nicht politisch lösen. Man muss ein Industriekonzept haben, man muss ein Businessmodell haben von der industriellen Seite. Aber es ist nicht mein Projekt, deswegen ist es vielleicht besser, mit denen zu reden, die dieses Projekt leiten.
Sprecher 3: Absolut. Wir haben jetzt einen EU-Verteidigungskommissar, aber wir haben ja trotzdem keine gemeinsame Beschaffung, keine gemeinsame Strategie, welches Land bis wann was macht, oder?
Sprecher 4: Das stimmt. Wir haben aber Gott sei Dank eine gute NATO-Vorgabe. Die NATO macht hier einen guten Job. Die NATO gibt den einzelnen Ländern vor, wie viele Kampfbrigaden sie haben muss, wie viel Munition sie vorhalten soll etc. Und dann gibt es sogenannte Anlehnungsstaaten, also Staaten, die gewisse Projekte führen. Deutschland ist hier relativ gut unterwegs. Und damit kriegen wir die Standardisierung, die größeren Stückzahlen und damit auch faire Preise.
Sprecher 3: Deutschland verdreifacht, vervierfacht in den nächsten Jahren seine Ausgaben für das Militär. Und trotzdem hat der deutsche Bankchef bei uns im Interview vorgeschlagen, wir müssen auch eine Art Euro-Bank für die Verteidigung auflegen. Wir brauchen frisches, privates Kapital aus dem Ausland, sonst kriegen wir es nicht hin. Teilen Sie diese Analyse?
Sprecher 4: Ich denke mal, dass die Regierungen ja schon darüber nachdenken. Also tatsächlich auch hier über Finanzierungselemente. Zurzeit ist das, glaube ich, noch alles im Griff. Ob das die nächsten fünf, sechs Jahre weitergeht, hat Christian Seving sicherlich einen besseren Überblick als ich.
Sprecher 3: Wie sehr profitiert der Standort Deutschland am Ende? Und ich meine auch Arbeitskräfte von diesem massiven Aufwachsen dieser Industrie.
Sprecher 4: Enorm. Gerade mit dem Ministerpräsidenten, mit einigen Ministerpräsidenten hier gesprochen, was wir in ihren Ländern wirklich investieren und wie wir aufwachsen. Bimetall wächst jetzt von 42.000 auf etwa 70.000 Mitarbeiter auf. Aber, und das ist der viel, viel wichtigere Punkt, dreimal so viel sind in der Lieferkette. Wir haben im letzten Jahr 5 Milliarden Euro an die Lieferkette gegeben. Das wird auf 7, 8 Milliarden hochwachsen. Das heißt, wir werden... werden eine Größenordnung von 300.000 Menschen beschäftigen. Nur Reimetal in der Bundesrepublik Deutschland mit der Lieferkette zusammen. Wenn Sie das mal rechnen, ist das ein Drittel der Automobilzulieferindustrie. Das ist ein riesiger Jobmotor. Das haben die meisten noch gar nicht so richtig verstanden.
Sprecher 3: Ist Ihr Ziel, ein europäischer Rüstungschampion zu werden?
Sprecher 4: Absolut. Warum sollten wir das nicht machen? Wir sind ja auf dem besten Weg. Wir wachsen zurzeit 40 bis 50 Prozent pro Jahr.
Sprecher 3: Umsatz?
Sprecher 4: Umsatzmäßig. Im Auftragsbestand werden wir wahrscheinlich das Defense-Unternehmen weltweit sein, mit wahrscheinlich dem größten Defense-Auftragsbestand. Im Laufe dieses Jahres erwarten wir, dass wir bis zu 140 Milliarden Euro Auftragsbestand haben. Und wir werden wachsen müssen, weil der Kunde, der wartet ja nicht fünf, sechs, sieben Jahre, bis er Produkte kriegt. Und deswegen bauen wir zurzeit 13 Werke aus oder neu parallel. Und wir planen alleine in Deutschland nochmal fünf Werke.
Sprecher 3: Zum Abschluss noch eine Frage zur Ukraine. Der Präsident hat wieder einmal diese Bühne nutzen müssen, um einen leidenschaftlichen Appell an mehr Unterstützung unterzubringen. Wo hilft Rheinmetall dieses Jahr vielleicht sogar doch noch mehr als bisher geplant?
Sprecher 4: Ja, wir können in vielen Bereichen helfen. Wir haben zurzeit tatsächlich sogar mehr Munition, die wir produzieren, wie wir Verträge haben, auch mit der Ukraine. Es fehlen im Augenblick an der einen oder anderen Stelle Finanzierungen für die Ukraine. Wir könnten mehr Flugabwehrgeschütze liefern, wir könnten mehr Munition liefern, wir können... Sogar mehr Panzer liefern. Also wir haben hier das Bier in Vorleistung gegangen. Aber ich bin überzeugt davon, dass Europa der Ukraine weiterhilft. Wir können Ihnen fast in allen Bereichen helfen, von der Drohne angefangen bis zum Panzer. Also von dem, was viele sagen hier, von der New Tech bis zu dem, was es eben schon seit Jahrzehnten gibt. Gott sei Dank vereinen wir alles bei Rheinmetall, Technologie und die Basis. Aber ich muss eines dazu sagen, ohne Basis funktioniert der Rest auch nicht.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Papperger.
Sprecher 4: Gerne.
Sprecher 3: Einer, der sich auch mit Friedrich Merz getroffen hat, nämlich in dieser schon erwähnten Start-up-Runde am Samstagmorgen, ist Florian Seibel. Er ist der Chef des erst 2015 gegründeten Unternehmens Quantum Systems, auf Drohnen spezialisiert und natürlich sehr gefragt derzeit, nicht nur, aber auch in der Ukraine. Die Aufklärungsdrohne Vector, dafür ist dieses Unternehmen bekannt. Und unser Kollege Alex Hofmann, der Chef unseres CEO-Table, hat mit dem Chef von Quantum Systems vor der Konferenz gesprochen. Warum dieser Rüstungsboom keine Modeerscheinung ist und welche Technologie morgen auf den Kriegsfeldern eigentlich eingesetzt werden soll.
Sprecher 5: Hallo Florian.
Sprecher 6: Guten Tag.
Sprecher 5: Im Jahr 2025 hat Quantum Systems mit 340 Millionen eine der größten Dual-Use-Finanzierungsrunden Europas abgeschlossen. Die Bewertung ist auf 3 Milliarden Euro gestiegen, hat sich dabei verdreifacht. Welche konkreten Wachstumsziele verfolgen Sie mit den Millionen, die jetzt dazu gekommen sind?
Sprecher 6: In dem Fall geht es in zwei Richtungen. Einmal geht es darum, natürlich das bestehende Produktportfolio in die Skalierung zu bringen, in die Internationalisierung. Und das zweite große Ziel, was wir seit einem Jahr haben, ist aus der Domäne Luft raus, auch die Domänen Land und See. Zu adressieren und insbesondere hier dann mit unserer Mosaik-Software diese Elemente zu verknüpfen.
Sprecher 5: Eines der prominentesten Investoren von Anfang an war Peter Thiel. Ist das was, was aus Unternehmenssicht so hilfreich ist oder war das manchmal auch schon ein bisschen problematisch im Gespräch mit anderen Investoren?
Sprecher 6: Ich hatte fast gehofft, dass die Frage kommt und ich würde dazu gerne auch... Zwei Punkte. Peter Thiel ist sicherlich politisch ein umstrittener oder auch streitbarer Person, mit der ich wenige bis keine der Ansichten teile. Nichtsdestotrotz war Thiel sehr früh 2020 einer der wenigen, der an das Thema Dual Use, Hardware, Deep Tech, in Europa geglaubt hat und da auch eine Wette eingegangen ist. Und dafür bin ich ihm sehr, sehr dankbar. Und da hat er auch Quantum geholfen. Uns gäbe es nämlich heute sonst nicht mehr. Mit Thiel haben wir, und da schaue ich nur darauf, einen Weltklasse-Tech-Investor, der beim Aufbau vieler erfolgreicher Firmen beteiligt war und auch dazu beigetragen hat, dass wir dann überhaupt für andere europäische Venture-Capital-Unternehmen finanzierbar sind. Gemacht wurden, durch ihn, durch seine Brand natürlich, durch seinen Track Record. Von daher finde ich diese Diskussion, die immer mal wieder aufkommt, finde ich die nicht ganz fair und nicht sachlich korrekt. Wie gesagt, die zwei Dinge möchte ich voneinander trennen. Das eine ist das Politische und das andere ist eben dieser Tech-Investor Thiel. Der sehr, sehr, sehr viel richtig gemacht hat.
Sprecher 5: Zukauf gab es auch im Bereich der Produktion. Da haben sie einen Autozulieferer übernommen. Es geht darum, die Drohnen auch in mindestens industriellen Maßstab produzieren zu können. Was sind denn da so die mittelfristigen Ziele?
Sprecher 6: Gut, also wir versuchen uns ja immer so aufzustellen, dass wir bereit sind. Und da gehen wir auch gerne ins Risiko und finanzieren das auch vor. Was so ein bisschen fehlt ist, der ein oder andere Rüstungsmanager prangert es dann sehr, sehr stark an, ist im Prinzip die Bereitschaft auch, diese Firmen, die ins Risiko gehen, dann auch mit langfristigen Fertigungsverträgen auszustatten. Da sind wir insbesondere so ein bisschen noch an dem Punkt, dass, glaube ich, unsere Politik und aber auch die Beschaffung in der Bundeswehr verstehen muss, dass dieses Thema anwenden, was wir ja bespielen und wo wir unsere Produkte bauen, das ist keine Modeerscheinung, sondern das ist ganz klar. Aus unserer Sicht ein Thema, was erst am Anfang steht und was die Zukunft ist. Also deswegen ist ja auch der Satz, mit dem wir uns bezeichnen, the future is unmanned, im Prinzip sagt das alles, woraus aus unserer Sicht künftig zu einem großen Teil Streitkräfte bestehen werden. Das fehlt mir noch so ein bisschen im Diskurs, im Politischen heute, dass wir offensichtlich trotzdem noch bereit sind, Fregatten und Panzer und Kampfjet-Programme über Jahrzehnte aufzusetzen. Und da auch der Industrie... die Perspektive zu geben und Abnahmegarantien. Wenn es dann aber um neue Technologien wie jetzt eben unbemannte Systeme geht, dann agieren wir noch mit Optionen und ein-, zwei-Jahres-Verträgen, für die wir sehr, sehr dankbar sind. Nur wenn man einen europäischen Champion bauen will und an das Thema unbemannte Systeme im Zusammenspiel mit den alten Systemen. Darauf setzt, was ich für richtig halte, dann muss man natürlich auch da die Perspektive für die Unternehmen so gestalten, dass die finanzierbar werden und dass die auch wirklich zu einem Champion wachsen können.
Sprecher 5: Beim Ukraine-Engagement fließt auch ukrainische Kampferfahrung in die Produktentwicklung bei Quantum Systems ein. Gleichzeitig investieren sie auch in ukrainische Start-ups. Was gibt es dabei zu lernen? Um welche Technologien geht es denn da?
Sprecher 6: Es gibt ganz vieles und vielleicht ist der beste Begriff, mit dem wir das beschreiben können, einmal das Thema Mindset, also wie ich an ein Thema rangehe, nämlich so, dass ich möglichst schnell... Sehr effektiv irgendein Problem löst und nicht eine Lösung baut, die vielleicht auf dem Papier gut ausschaut. Und so haben wir uns dann auch immer wieder hinterfragt und auch immer wieder ins Bewusstsein der Ingenieure reingebracht, dass, sage ich mal, vielleicht so eine deutsche, ich nenne jetzt mal das Wort Tugend wie Spaltmaß, uns in den letzten Jahren im einen oder anderen Industriezweig vielleicht nicht die Marktführerschaft gesichert hat, sondern dass eher so dieses Speed over Perfection, eine 80-90% Lösung, Und die dann aber möglichst schnell iterieren und updaten, auch wenn zwischendrin was schief geht und vielleicht Systeme verloren gehen, ist das Gesamtergebnis dann doch viel, viel zufriedenstellender, weil eben dieser iterative Prozess dazu führt, dass sehr schnell dann auch was da ist, was dann auch wirklich funktioniert. Und ich glaube, das können wir von der Ukraine lernen. Und dieses Mindset hat sich so ein bisschen auch auf unsere Firma übertragen, dadurch, dass wir über 400 Mitarbeiter vor Ort haben. Tun wir das nicht für irgendjemanden, sondern wir tun das wirklich auch für Leute, die Namen und ein Bild hinten dran haben. Und das hat uns unglaublich stark gemacht. Und auch der Firma, würde ich sagen, vielleicht so ein, so einen neuen Purpose dann auch gegeben. Wir wissen genau, wofür wir das tun. Ich glaube, da haben wir dann auch die Chance, aus diesem europäischen Solidaritätsgedanken heraus dann auch ein Unternehmen entwickeln zu können, was breiter ist, was größer ist als nur eben ein Defense-Unternehmen, was durch die Ukraine profitiert hat, sondern das Ziel ist eben wirklich ein Technologie-Champion zu bauen, Deutschland, Europa braucht auch solche Unternehmen wieder. Eine Bosch, eine Siemens, eine BASF, die haben viel definiert und viel zu dem Wachstum und Wohlstand beigetragen, den meine Eltern und Großeltern aufgebaut haben. Aber wir sehen eben auch, dass das nicht ausreicht, um zukunftsfähig zu sein. Und so glaube ich schon, dass unsere Aufgabe und unsere Verantwortung auch ist, mit solchen Unternehmen wie Quantum dann auch sehr, sehr vorsichtig und behutsam umzugehen. Und die dann aber auch eben zu fördern, weil da draußen noch viel mehr entstehen kann.
Sprecher 3: Florian Seibel, ganz herzlichen Dank.
Sprecher 6: Vielen Dank, Herr Hoffmann. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Tschüss.
Sprecher 2: Freitag trifft sich die CDU in Stuttgart. Es geht natürlich um den Wahlkampf in Baden-Württemberg. Am 8. März wird dort gewählt. Aber natürlich geht es auch um vieles darüber hinaus. Die CDU wieder an der Regierung, jetzt seit einem knappen Jahr. Ganz schön viel ist schiefgelaufen und sicherlich wird das auch Thema sein.
Sprecher 3: Friedrich Merz jedenfalls hat wenig zu befürchten. Es war wieder einmal eine gute außenpolitische Woche für ihn. Am Freitagabend saß er mit einer Handvoll Unionspolitikern zusammen, die alle aus dem Außen- und Verteidigungsbereich kommen. Und die haben ihn erstmal gelobt für seinen Auftritt, für seine Kommunikation mit den Amerikanern. Also er muss, glaube ich, am Freitag nichts erwarten, auch nicht bei seinem Ergebnis zur Wiederwahl als Parteivorsitzender. Vor den Landtagswahlen in Stuttgart will keiner eine in irgendeiner Weise geartete Schlacht, Personalschlacht auf offener Bühne. Das dürfte so gut durchgehen. Und Manuel Hagel, der Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, dem Cem Özdemir ordentlich auf den Fersen ist, hat natürlich auch kein Interesse an irgendeiner. Streitereien auf dem Parteitag.
Sprecher 2: Sicherlich Streitereien nicht. Die Frage ist, ob der Unmut über das eine oder andere doch zu spüren sein wird oder ob die CDU zurückfindet zu ihrer alten Beschreibung als Kanzlerwahlverein, die am Ende doch vor allem die... Machterhaltung in ihrer DNA hat und deswegen solche Parteitage nicht nutzen wird, anders als etwa die Grünen für eine Abrechnung. Also im Mittelpunkt stehen soll, so ist jedenfalls die Planung, das Inhaltliche. Und da ist es natürlich jetzt die Wirtschaft, die besser laufen muss, nicht nur weil Friedrich Merz einen Wirtschaftswahlkampf jedenfalls zunächst gemacht hatte, sondern auch, weil ohne wirtschaftliches Prosperieren alles andere auch nicht möglich sein wird. Inklusive der hohen Ausgaben für Verteidigung.
Sprecher 3: Was die Union ärgert und auch dazu gab es im Hintergrund am Wochenende ein paar Gespräche, ist die SPD will offenbar eine mögliche Steuersenkung, eine Einkommenssteuerreform verknüpfen mit ihrem Wunsch nach einer Reform der Schuldenbremse. Du erinnerst dich, im Koalitionsvertrag wurde ja auch eine Reform der Schuldenbremse dauerhaft reingeschrieben. Dies muss dann mit Hilfe der Linken passieren. Die Kommission dazu tagt, hat allerdings noch keine Ergebnisse vorgebracht. Also die SPD macht wieder mal geschickt das, was sie immer schon konnte, nämlich Machtpolitik. Wenn ihr die Steuerreform haben wollt, dann kriegen wir die Schuldenbremsenreform. Helene, war noch was?
Sprecher 2: Wir müssen über Zucker reden. Jetzt kurz vor Beginn der Fastenzeit haben wir einen doch etwas erschütternden Befund. Und zwar, wir sind in Europa die Nummer 1 beim Thema Zuckerkonsum.
Sprecher 3: Das überrascht mich jetzt überhaupt nicht, weil ich alleine ja schon zwei Drittel des Jahreskonsums der Deutschen auf mich vereine. Übrigens, mein Hotel in München, wenn ich dir das sagen darf, war neben einem Outlet-Strop von Haribo.
Sprecher 2: Oh Gott.
Sprecher 3: Und ich bin sehr spät irgendwann nach Hause gekommen und der hatte noch auf. Und der Laden war komplett voll mit asiatischen Touristen, die wirklich verliebt in Haribo sind und tütenweise, ich habe mich dann vorgedrängelt und doch noch zwei Tüten auch nochmal für mich akquiriert. Also ich verstehe dieses Zucker-Thema leider sehr gut.
Sprecher 2: Noch sieht man dir das nicht an, Michael, dein Aufenthalt bei Haribo. Aber interessanterweise sind die Süßigkeiten im engeren Sinne gar nicht das Problem, sondern vor allem die süßen Getränke. Und zwar Cola natürlich und andere Softdrinks. Laut dieser Studie nehmen wir 26 Gramm Zucker pro Tag alleine durchs Trinken zu uns. Da ist übrigens Bier nicht mitgerechnet, was ja auch Alkohol ja auch aus Zucker entsteht.
Sprecher 3: Der Zuckerkonsum wird diese Woche wohl noch weiter steigern, denn Friedrich Merz hat ja verfügt, dass bei den Ausstellern auf dem CDU-Bundesparteitag nicht am Freitag schon... frühzeitig Bier oder andere alkoholische Getränke ausgeschenkt werden, was quasi zum Standard eines Bundesparteitags gehört. Also werden wir wieder einmal auf Cola, Fanta oder so zurückgreifen müssen, um nicht ständig den ganzen Tag nur Wasser zu trinken. Also auch das ein indirektes Förderprogramm für zuckerhaltige, nicht alkoholische Getränke. Ich jedenfalls fahre jetzt zur Arbeit, liebe Helene, und würde vorher nochmal ganz kurz beim Katjes Outlet in Potsdam vorbeischauen.
Sprecher 2: Jeder trägt so seine eigene Verantwortung wie schön, Michael. Wir sehen uns gleich, darauf freue ich mich. Bis dann, tschüss.
Sprecher 3: Bis dann, ciao, ciao.
Sprecher 7: I have to spend all you got Keep going till you hit the spot You can have it your way How do you want it?
Sprecher 8: You gonna back that thing up or should I push up on it? Temperature rising, okay Let's go to the next level I'll take you to the candy shop I want to taste the water
Sprecher 7: I have to spend all you got. Keep going till you hit the spot.