Was ist konservative Kulturpolitik, Herr Weimer?
Dauer: 25:37

Was ist konservative Kulturpolitik, Herr Weimer?

Die Staats- und Regierungschefs treffen sich heute in Brüssel, um über mehr Binnenmarkt, Kapitalmarktunion und weniger Bürokratie zu beraten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt in einem Brief an die Staatenlenker auf mehr Tempo und bringt ein Kerneuropa ins Spiel, in dem einzelne Länder vorangehen können. 

[01:17]


Am Vorabend der Münchner Sicherheitskonferenz macht EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas in einem Gespräch mit Table.Briefings deutlich, dass Europa nach vier Jahren Krieg in der Ukraine mehr tun müsse. 

So viele europäische Staats- und Regierungschefs wie nie zuvor werden im Bayerischen Hof erwartet.

Table.Briefings berichtet mit einem Team das ganze Wochenende von der MSC. 

Und Table Today erscheint auch am Samstag und Sonntag.

[04:51]


Frédéric Munch, CEO von Sopra Steria Deutschland, sieht in der deutsch-französischen Zusammenarbeit den Schlüssel zur digitalen Unabhängigkeit Europas – trotz erheblicher Mentalitätsunterschiede. Frankreich denke Sicherheit stets als strategische Autonomie, Deutschland eher in Regeln, Kompromissen und pragmatischer Nutzung auch amerikanischer Technologien. Munch plädiert für einen Mittelweg und betont, dass die moderne Verteidigung datengetrieben sei: „Wir können, wenn wir wollen, sofort loslegen. Die Grundlagen sind längst da. Jetzt braucht es den politischen Willen, um endlich konkrete Use Cases in Verteidigung oder digitaler Souveränität zu starten." 

[07:11]


Zum Auftakt der Berlinale verteidigt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Reform der Filmförderung im Gespräch mit Helene Bubrowski. Die staatliche Filmförderung wurde verdoppelt, Streaming-Anbieter und Sender sollen deutlich mehr in Deutschland investieren – durch eine Mischung aus freiwilliger Selbstverpflichtung und gesetzlicher Basisquote. „Wir sind da auf ein 15-Milliarden-Paket gekommen. Und das bedeutet, dass wir zu dieser Berlinale jetzt wirklich eine gute Nachricht haben, dass es endlich vorangeht." 

[15:22]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Wettbewerbsfähigkeit, das ist das neue große Thema der EU. Und dazu kommen heute die Staats- und Regierungschefs in Brüssel zusammen. Mehr Binnenmarkt, mehr Kapitalmarktunion, weniger Bürokratie. Das soll passieren. Die Ideen sind nicht ganz neu, wie das alles klappen soll. Und über den Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz sprechen wir mit der EU-Außenbeauftragten Kaya Kallas.

Sprecher 3: Wie kann die europäische Antwort auf die US-Tech-Giganten und ihre Macht aussehen? Das fragen wir auch noch einen Franzosen, der einen der größten Systemintegratoren in Europa führt, nämlich Frederik Munch, den CEO von Soprasteria.

Sprecher 2: Er ist für die Linken in der Kulturszene ein rotes Tuch und für die Tech-Konzerne aus Amerika sowieso. Der Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung, Wolfram Weimar, stellt sich unseren Fragen am Tag der Eröffnung der Berlinale.

Sprecher 3: Klarsichtfolie aus Fischhaut, das könnte der neueste Nachhaltigkeitstrend werden. Was es damit auf sich hat, ganz zum Schluss in diesem Podcast am Donnerstag, den 12. Februar.

Sprecher 4: You need speed, you need scale, power and new markets to compete in an unrelenting world. Barriers inside Europe hurt us more than tariffs from the outside. We must therefore complete the single market in Europe if we want Europe to stay competitive in a world of giants.

Sprecher 3: Ausgerechnet Ursula von der Leyen, die ja eigentlich für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau sorgen soll, mahnt nun in einem Brief an alle Staats- und Regierungschefs in Europa mehr Reformen und mehr Tempo an. Na dann.

Sprecher 2: Ja, heute treffen sich die Staats- und Regierungschefs in Brüssel und wollen über das Thema Wettbewerbsfähigkeit reden. Und kurz vor Beginn schreibt Ursula von der Leyen, in einer Welt, die zunehmend von roher Macht geprägt ist, sind Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit entscheidend. Und sie verfolgt nun auch die Idee, die schon Lars Klingbeil kürzlich nicht nur ins Spiel gebracht, sondern teilweise auch umgesetzt hat. Manche Staaten sollen vorangehen, die ist Kerneuropa und man will sich nicht mehr von kleinen Ländern wie Ungarn, der Slowakei oder auch dem Baltikum blockieren lassen bei wichtigen Vorhaben.

Sprecher 3: Ja, das erinnert an das Europa der zwei Geschwindigkeiten. Und es ist auch dringend notwendig, denn die Blockadehaltung Einzelner hat schon sehr viel verhindert bei den Integrationsprozessen. Übrigens gehört dazu auch Irland oder auch Luxemburg-Lichtenstein. Die Kleinen, die bei der Kapitalmarkt... Marktunion immer wieder bremsen bei einheitlichen Steuersätzen, bei Standardisierungen von Versicherungs- oder Finanzprodukten. Und da muss es jetzt schneller vorangehen und notfalls mit fünf oder sechs der großen wirtschaftsstarken Volkswirtschaften.

Sprecher 2: Wie groß der Druck ist, das macht auch ein Bündnis deutlich. Made for Germany, so nennen sich die 123 Unternehmen und Investoren, die sich zusammengeschlossen haben und auch ihrerseits nun einen Brief geschrieben haben, rechtzeitig zum Treffen der Staats- und Regierungschefs. Und darin heißt es, Wachstum müsse oberste Priorität sein als Voraussetzung für europäische Souveränität. Also nicht Wachstum und Souveränität getrennt voneinander denken, sondern auch in Anbetracht der Tatsache, dass vor allem Donald Trump die Staaten schätzt, die wirtschaftlich stark sind, müsse man da eben mehr tun. Natürlich warnen sie vor einer Überregulierung. Reformen müssten auf technologische Wettbewerbsfähigkeit gerichtet sein. So heißt es weiter. Und dazu gehört eben Regulierungs- und Bürokratieabbau und den Kapitalmarkt zu stärken und Freihandelsabkommen zügig umzusetzen. Das sind alles ehrlich gesagt keine neuen Ideen, Michael. Es wird immer wieder dasselbe gepredigt von Unternehmens- und Wirtschaftsseite. Es wird dasselbe versprochen von den Regierungen. Aber wir sehen am Ende, tut sich nicht wahnsinnig viel.

Sprecher 3: Ja, und wenn man an den Draghi-Bericht denkt, der vor vielen Jahren ja schon veröffentlicht wurde, da steht eigentlich alles drin und alle haben ihn gelobt und dann ist doch wieder wenig passiert. Wir brauchen jetzt ein... einen ganz konkreten Fahrplan mit Maßnahmen. Und jede Nation muss sich ehrlicherweise auch an die eigene Nase fassen, ob es bei Standardisierung, bei Energienetzen, bei Schienennetzen, bei Finanzprodukten wirklich auch bereit ist, im Zweifel für eine europäische Einheitlichkeit auch mal eigene Interessen zurückzustellen.

Sprecher 2: Ja, wie schwierig das ist, sehen wir gerade im Bereich FKAS, dem Kampfjet, den Frankreich und Deutschland eigentlich gemeinsam bauen wollten, der nun offensichtlich als zwei Kampfjets erscheinen soll. Also eigene Interessen zurückzustellen, fällt diesen Europäern, die ständig betonen, wie wichtig das Zusammenhalten ist, eben dann doch sehr schwer.

Sprecher 3: All das geht natürlich nur, wenn das transatlantische Verhältnis nicht völlig kippt, das ist allen klar. Darüber haben übrigens Stefan Israel und Willem Stinglin aus unseren Fachtables mit Kaya Callas gesprochen, der EU-Außenbeauftragten. Hören wir mal rein, was sie gesagt hat.

Sprecher 5: Transatlantic relationship has taken a heavy blow, that's for very sure. And it's not the same as it was. And I think it's not going back to how it was. But we are willing to work on our side to make this relationship work. And we also want to see or show our American counterparts that actually they also need us. I mean, if they are worried about the economic coercive practices of China, they are too weak to take it on their own. They need also us to counter that. We have had periods where the United States... is, you know, more isolation. More inward looking, but in the end, I mean, it always comes back that they also need everybody else.

Sprecher 3: Und natürlich ist Kaya Callas auch auf dem Weg zur Münchner Sicherheitskonferenz. Ich übrigens auch, Helene. Heute Abend geht es ja schon mit einigen Vorabendinnern los. Es sind so viele europäische Staats- und Regierungschefs zusammen in München, im Bayerischen Hof, in einem Hotel wie nie zuvor. Und natürlich die Frage, die über allem schwebt, es hat Europa endlich den Schuss gehört. Hier ist das, was Kaya Callas dazu sagt.

Sprecher 5: I don't know how many wake-up calls we have had, actually. We are like really sleeping strong, I think, if we need so many wake-up calls. If you think the war started already four years ago and that should have been a wake-up call. And then we have had other ruptures as well. What I'm expecting from the Munich Security Conference, of course, all the important interlocutors are coming together. We have G7 meeting. We are discussing, you know, things. What more can we do in terms of really, you know, stopping this war? And also the discussion is about other security theaters like Middle East as well. So it's not really a place to make big decisions, but it's definitely a place to gather ideas.

Sprecher 2: Rund 51.000 Mitarbeiter in knapp 30 Ländern hat das Tech-Unternehmen Soprasteria. Die Gruppe bietet Endlösungen an, die große Unternehmen und Behörden wettbewerbsfähig und leistungsfähig machen sollen. 2024 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro und will seinen Teil dazu beitragen, dass Europa im Tech-Bereich souveräner wird. Wie soll das gehen? Können wir überhaupt noch gegen die etablierten und weltweit führenden US-Anbieter ankommen? Das wollten wir vom CEO von Soprasteria, Frederik Munch, wissen.

Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, Herr Bunch.

Sprecher 6: Schönen guten Tag, Herr Brocker.

Sprecher 3: Ich habe mit einem Ihrer Kunden mal gesprochen, der hat mir gesagt, Sie sind eine Art Schmiermittel zwischen der öffentlichen Hand, den Softwareanbietern. Also genau derjenige, den man braucht, um Vernetzung hinzubekommen zwischen den Ländern, zwischen den Systemen. Aber es klingt auch ganz schön kompliziert, diese verschiedenen Systeme, aber auch Eitelkeiten, Nationalismen irgendwie übereinander zu bringen, oder?

Sprecher 6: Das ist ein sehr guter Stichpunkt in der Tat, weil zum einen ist die Technologie kompliziert. Man sagt immer wieder, dass mit Cloud und allen neuen Technologien wie AI alles einfacher wird. Das wird es nicht in der Corporate-Welt. Und dann aber obendrauf ist das genau, was Sie sagen, ist, der Mensch steht im Mittelpunkt mit seinem singulären Interesse. Manchmal hilft das zum Beispiel, wenn ich Humor machen kann, dass ich mit meinem Akzent hier in Deutschland tätig bin.

Sprecher 3: Darauf muss ich natürlich kommen. Sie sind Franzose, Herr Munch, und sind aber CEO hier im deutschen Bereich von Sopasteria und Österreich. Mal ganz ehrlich, vielleicht ein bisschen ketzerisch gefragt. Alle schauen auf das deutsch-französische Verhältnis. Die Souveränität dieses neue Kerneuropa muss und kann nur über eine deutsch-französische Achse gelingen. Und zugleich erleben wir so viele Unterschiede im Herangehen, nicht nur der beiden Staats- und Regierungschefs, sondern auch vielleicht ja auch der Unternehmenslenker. Geht das eigentlich zusammen, Franzosen und Deutsche, oder geht das nicht?

Sprecher 6: Es geht zusammen, wenn man versteht, wie beide Seiten ticken, wenn ich das so sagen darf. Es ist wichtig zu verstehen, dass Frankreich hat Sicherheit immer als kernstaatliche Souveränität verstanden, schon immer. Also ich meine daher politische Sicherheit und das kommt aus der eigenen Geschichte. Nie wieder abhängig sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg, de Gaulle hat uns sehr geprägt damit. Deshalb denkt Frankreich immer stärker in strategischer Autonomie als Deutschland. Und ein handlungsfähiges Europa sieht man in Frankreich nicht als Ersatz, sondern als Verstärkung nationaler Verantwortung. Und während Deutschland, glaube ich, viel mehr in Regeln, Prozesse, Bündnisse, Kompromisse denkt.

Sprecher 1: Wesentlichen Unterschied.

Sprecher 3: Aber das sind ja schon wesentliche auch Mentalitätsunterschiede. Man hatte auch das Gefühl bei den jüngsten Vorstößen von Macron, er will Europa wirklich europäisch unabhängig machen und es ist ihm ziemlich egal, ob am Ende dann Amerika noch ein Partner ist oder nicht. Und wir Deutschen haben natürlich Amerika als die Schutzmacht nach dem Zweiten Weltkrieg kennen und schätzen gelernt und wollen sowohl auf Technologien als auch auf die Zusammenarbeit nicht verzichten. Gerade bei der verteidigungspolitischen Souveränität, die wir benötigen, muss doch der eine dann zurückstehen, oder?

Sprecher 6: Diese beide Sichtweisen können zu robusteren Lösungen führen, meiner Meinung nach. Und das gilt zum Beispiel, wenn wir die Digitalsouveränität nehmen. Das ist in allem Munde und das ist extrem wichtig. Die kann nur in dieser engen europäischen Zusammenarbeit nachhaltig erreicht werden. Zum Beispiel der Blick von Frankreich ist, wenn wir uns militärisch verteidigen wollen, dürfen wir technologisch nicht am Tropf von USA und China hängen. In Frankreich, souveräne Cloud muss unbedingt... End-to-end von der Technologie und von der Compliance von europäischen bzw. Französischen Unternehmen gebaut und betrieben werden. In Deutschland ist es anders. Schauen Sie die Investitionen von den drei großen Hyperscalers, die wirklich Milliarden jetzt in Deutschland investieren und bauen alle jetzt eine souveräne Cloud. In Deutschland geht man viel pragmatischer damit um. Man ist dabei eher zu schauen, okay, man kann sicherlich... souveräne Lösungen bauen auf Basis auch amerikanischer Technologien. Und da müssen wir einen Kompromiss finden.

Sprecher 3: Wie kann der aussehen? Was ist das, was Sie ganz konkret in den nächsten Monaten von kerneuropäischen Partnern oder auch der Europäischen Union verlangen?

Sprecher 6: Da sind wir auch wir als Unternehmen oder ich selber sehr involviert. Also ich glaube, das haben Sie selber mal gesagt, wenn man nicht zu einer Entscheidung kommt, gründet man eine neue Arbeitsgruppe. Und das sehen wir genau in diesen Themen zurzeit. Es gibt unglaublich viele deutsch-französische Arbeitsgruppen. Die gerade zusammenarbeiten für die nächsten Gipfel dieses Jahr, im zweiten Halbjahr. Aber leider ist die Kooperation und die Offenheit nicht so. Das heißt, hier gibt es sehr viel Übersetzungsarbeit zu tun. Und da ist es da, wo auch, glaube ich, die private Wirtschaft sich einsetzen kann. Und zu erklären, dass ein Mittelweg möglich ist und dass man nicht nur die Partikularinteresse betrachten soll. Es geht nicht einfach ohne amerikanische Technologien. Punkt eins. Da müssen wir die Franzosen davon überzeugen. Das wäre viel zu teuer. Es gibt jetzt Ansätze und Möglichkeiten, diese Technologien zu nutzen und so zu gestalten, dass sie trotzdem eine europäische, souveräne Lösung bilden können. Deutschland muss aber auch verstehen, dass sie mehr Selbstbewusstsein entwickeln müssen. Das gibt es noch nicht, wenn man unter der Politikebene redet, also im Staatsapparat, dass man auch hier den Mut haben soll, auch mit amerikanischen Playern zu reden, um eben sich etwas davon zu distanzieren. Das ist auch möglich.

Sprecher 3: Aber jetzt erleben wir, dass Deutschland und Frankreich alleine um einen Jet, um einen Kampfjet, monatelang streiten, um verschiedene Bauteile. Wie soll denn da mal eine Digitalstrategie, eine gemeinsame IT-Infrastruktur oder eine echte Verteidigungsunion möglich sein, wenn wir uns schon bei einem... kleinen, naja nicht kleinen, aber einen Bestandteil dieser Verteidigungsunion so lange nicht einig sind.

Sprecher 6: Das ist, was ich meine. Man schafft es noch nicht, ein föderales System, ein europäisches System zu sein. Und jeder schaut weiterhin am Ende des Tages auf die wirtschaftlichen Partikularinteresse jedes Landes. Ich kann Ihnen aus einem anderen Kontext ein Beispiel geben. Wenn wir miteinander arbeiten wollen. Und wenn wir diese Verteidigungsfähigkeit Europa stärken wollen, dann ist eine sehr wichtige Dimension, die gemeinsame digitale Basis zu schaffen. Zum Beispiel müssen wir Datenräume schaffen, unsere Verteidigung. Die Sicherheitsarchitektur Europas im Kernstück ist die Digitalisierung. Die moderne Verteidigung ist... ist datengetrieben. Wer die Daten und Algorithmen kontrolliert, behält die operative Kontrolle. Um diese operative Kontrolle bzw. Daten und Algorithmen zu kontrollieren, müssen wir Datenräume schaffen. Da steht schon alles. Die gute Nachricht ist, die Grundlagen sind längst da. Das ist der Punkt. Wir müssen nichts Neues bauen. Jetzt braucht es das politische Willen, um endlich konkrete Use Cases in Verteidigung zum Beispiel oder digitale Souveränität zu starten. Wir könnten, denn wir wollen sofort loslegen.

Sprecher 3: Herr Munch, das ist ein wunderbarer Abschluss. Vielen Dank für dieses Gespräch.

Sprecher 6: Ich bedanke mich für das Interview.

Sprecher 2: Der deutschen Filmbranche geht es nicht besonders gut. Amazon, Netflix, Disney und die vielen anderen Streaming-Anbieter fluten den Markt mit einem Angebot von Filmen und Serien aus den Vereinigten Staaten, dass es kaum noch Sinn macht, sich dagegen zu wehren. So will es die Bundesregierung aber nicht stehen lassen. Der Beauftragte für Kultur und Medien, Wolfram Weimar, will es ändern. Er hat den Filmbooster auf den Weg gebracht, der die großen Streaming-Anbieter dazu verpflichten soll, einen Teil auch in Deutschland zu investieren. Darüber sprechen wir mit Wolfram Weimer heute am Tag des Beginns der Berlinale. Und außerdem wollen wir von dem Mann wissen, wie unabhängig man eigentlich sein kann, wenn man selbst ein Medienunternehmen hat bzw. Hatte. Guten Morgen, Herr Bammann.

Sprecher 7: Guten Morgen.

Sprecher 2: Ja, sagen Sie mal, heute beginnt die Berlinale hier. Sie wollen was tun für die deutsche Filmwirtschaft. Kann das gelingen, dass es wieder einen deutschen Blockbuster irgendwann gibt?

Sprecher 7: Wir haben jetzt in der Politik entschieden, die Filmpolitik im Grunde genommen auf den Kopf zu stellen, richtig zu investieren von staatlicher Seite aus. Die staatliche Filmförderung ist verdoppelt. Und wir haben jetzt die privaten Investitionen dazu gebracht, dass sie deutlich stärker sich engagieren in Deutschland. Wir sind da auf ein 15-Milliarden-Paket gekommen und das bedeutet, dass wir zu dieser Berlinale jetzt wirklich eine gute Nachricht haben, dass es endlich vorangeht.

Sprecher 2: Sie wollen Netflix und Disney. Disney unter anderem verpflichten, in Deutschlands Filmindustrie zu investieren. Wie soll das eigentlich funktionieren?

Sprecher 7: Das ist nicht nur Netflix, Disney und Amazon. Es sind auch ARD, ZDF, ProSieben, RTL, alle großen Akteure, die große Streaming-Plattformen betreiben. Sollen deutlich mehr investieren in Deutschland. Und alle haben sich auch dazu verpflichtet. Wir haben eine Kombination aus freiwilliger Selbstverpflichtung und einem ordnungspolitischen Rahmen gewählt. Und der sorgt dafür, dass es eine Grundverpflichtung gibt von gesetzlicher Seite. Aber wenn sie mehr investieren in Deutschland, dann sind sie von vielen Verpflichtungen frei. Das ist also eine liberale Form der Marktkonfiguration. Und wir sind ziemlich sicher, dass die Zusagen jetzt dazu führen werden, dass wir deutlich größere Investitionen sehen. Schon die Tatsache, dass wir die staatliche Filmförderung erhöht haben, führt dazu, dass wir im Moment 30 Prozent mehr Förderanträge haben. Das heißt, wir haben Filme produziert, es gibt neue Ideen. Es geht wieder los in der Branche und das war bitter nötig.

Sprecher 2: Ja, Sie wollten ja eigentlich keine Verpflichtung, sondern eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen. Es gibt den Vorwurf gegen Sie, Herr Weimer, dass Sie sehr zahm sind mit Netflix und Disney und dafür sehr viel härter sind gegen die Tech-Konzerne, Stichwort Digitalabgabe. Stimmt das?

Sprecher 7: Wir haben bei den großen Plattformen, also Google und Co., fast monopoleartige Strukturen. Und da bin ich in einem ordnungspolitischen Sinn, also praktisch in der Lehrfolge Ludwig E. Hat der Meinung, wenn sich Monopole bilden, dann müssen wir gegen die angehen, so wie gegen den Übel. übergriffigen Staat. Und deswegen glaube ich, dass wir dort stärker eingreifen müssen. Bei den Streamern haben wir eine andere Situation. Da gibt es einen offenen Wettbewerb, übrigens auch einen harten Wettbewerb. Aber dort investieren die amerikanischen Konzerne viel zu wenig in Deutschland. Da ist es eher, wir müssen sie zur Investition motivieren. Deswegen würde ich das differenziert angehen. Deswegen bin ich über diese Lösung so froh, die ich gewonnen habe.

Sprecher 2: Sie halten aber an der Digitalabgabe fest, auch wenn ja Friedrich Merz, der Kanzler, da durchaus das kritisch sieht.

Sprecher 7: Nein, der Kanzler sieht das nicht kritisch. Die CDU hat das ja jetzt auch beschlossen. Wir haben auch bei der SPD einen Beschluss. Ich bin eigentlich ganz froh über die Entwicklung. Ich habe das ja im Sommer angestoßen. Und wir haben jetzt bei den beiden großen Volksparteien ein deutliches Bekenntnis dazu. Es gibt aber die Frage, wie wird das ausgestaltet? Und da gibt es die einen, die sagen, wir wollen eine Steuer, eine richtig massive, breite Steuer. Und die anderen, da gehöre ich dazu, lassen uns das lieber als zweckgebundene Abgabe machen. Und ich glaube, dass der Steuerweg nicht funktionieren wird. Da ist die CSU auch dagegen. Da sprechen auch viele rechtliche Argumente dagegen. Vor allen Dingen aber die Tatsache, wenn wir eine Steuer einführen würden, dann würden die Content-Erzeuger, die Kreativen, die Kultur, die Medienwirtschaft davon gar nicht profitieren. Das ginge dann in den allgemeinen Haushalt. Deswegen bin ich sehr für diese Abgabe. Ich muss sagen, die politische Willensbildung der letzten Monate hat dazu geführt, dass wir heute eine viel höhere Wahrscheinlichkeit haben, das zu kriegen.

Sprecher 2: Vielleicht schauen wir uns aber die Frage von konservativer Kulturpolitik nochmal an, was das eigentlich bedeutet. Klassik statt Avantgarde, Richard Wagner statt irgendwelche Hip-Hopper. Wie kann man das fassen?

Sprecher 7: Die programmatische Frage kann bürgerliche Kulturpolitik nicht eingreifend beantworten, weil wir leben von einem Freiheitsideal und da folgen wir der Losung Schillers. Kultur ist die Tochter der Freiheit. Und bürgerliche Kulturpolitik würde nie sagen, mach doch mal das Theaterstück links oder rechts herum oder nationaler oder internationaler. Das ist dem Selbstverständnis vollkommen. Denn wir sehen ja Kultur gerade nicht als ein NGO mit Orchester oder ein Erfüllungsgehilfen der politischen Korrektheit, sondern wir wollen ja die Eigentlichkeit der Kultur stärken. Und deswegen kann es bürgerliche Kulturpolitik auf Exzellenz setzen, Institutionen stärken. Das heißt aber auch baulich die Kultur wieder leuchten lassen. Ich habe eine Kulturbautenoffensive gestartet, wo wir hunderte von Kulturbauten in Deutschland wieder sichtbar machen, weil sie sind auch Identifikationsräume für eigenes Selbstverständnis.

Sprecher 2: Sagen Sie mal, der Ludwig-Erhard-Gipfel hat seinen Glanz verloren. Es gibt wenige Leute, die sich noch öffentlich bekennen, dorthin fahren zu wollen. Und auch an Ihnen kleben die Vorwürfe, auch wenn sie nicht mehr täglich jetzt diskutiert werden. Aber glauben Sie, dass die Übertragung der Anteile an einen Treuhänder während Ihrer Amtszeit als Beauftragter ausreichen, um das Vertrauen wiederherzustellen?

Sprecher 7: Ja, ich denke, diese Geschichte, die im Herbst ja weitlich diskutiert wurde, hat sich ja sehr stark zurückgezogen. Es ist für einen Quereinsteiger, wenn man als Unternehmer in die Politik kommt, immer die Frage, Was machst du mit deinem Unternehmen? Und ich habe das dahingehend beantwortet, du musst alles erfüllen, was das Gesetz vorsieht. Und in diesem Fall, weil ich nun aus dem Medienbetrieb komme, am besten noch einen Schritt mehr. Und das bedeutet, du übergibst deine Anteile sogar an Treuhänder. Aber ob Unternehmer in der Politik... Überhaupt die Unternehmen behalten können, ist dann natürlich eine Grundsatzfrage der politischen Kultur. Wenn ein Bauer in die Politik geht, soll er seinen Bauernhof verkaufen oder darf er noch Anteile behalten, wenn er dann Landwirtschaftspolitik macht oder eine Apothekerin. Das ist eine Frage, da beziehe ich schon, auch wenn ich jetzt diesen Schritt sehr weit gegangen bin und mein Unternehmen abgegeben habe. dafür, dass Unternehmer in der Politik tätig sein dürfen.

Sprecher 2: Würden Sie sagen, Sie haben alles richtig gemacht oder ist das rückblickend so, dass man sagt, naja, hätte man vielleicht diesen Wechsel doch noch mehr vorbereiten sollen? Sie kennen ja die Medien, Sie wissen, wie aufgeregt die reagieren. Wie schauen Sie da auf sich selbst?

Sprecher 7: Wahrscheinlich wäre es möglich und auch klug gewesen, von Anfang an konsequente Schritte zu gehen, also ganz zu Ende. Ich habe gedacht, wenn du das erfüllst, was compliant ist, was das Gesetz vorschreibt und was dir alle sagen, du kommst natürlich in so einen Amt und fragst, was muss ich tun, dann machst du das, dann ist es okay. Aber es ist schon eine Veränderung der politischen Kultur. Unternehmer in der Politik werden... Anders wahrgenommen. Das führt übrigens dazu, dass immer weniger Unternehmer in die Politik gehen. Wir haben im Deutschen Parlament eine stark sinkende Kurve von Unternehmern, Und zwar aus diesem Grund, weil die Frage natürlich ist, du wirst über dein Unternehmen kritisiert, nicht über dein politisches Handeln. Und das ist eine schwierige Frage. Und also die Betrachtung der Republik darauf wird strenger in den Compliance-Dimensionen. Und das führt aber dazu, dass weniger Unternehmen in die Politik gehen. Das wäre schade.

Sprecher 2: Vielen Dank für Ihre Zeit. Wie bei Wolfram Weimer.

Sprecher 7: Danke Ihnen. Dankeschön.

Sprecher 8: Elina, war noch was.

Sprecher 2: Flo, weißt du, was ein Tambatinga ist?

Sprecher 8: Nee, es klingt exotisch oder ansteckend, ich bin mir nicht ganz sicher.

Sprecher 2: Mich erinnert es an die Welt von Murmel aus dem Eis, ein wunderbares Kinderbuch, wo es ja den Professor Tibaton gibt und außerdem den Wawa und den Pinguin Ping und so weiter. Aber es ist was anderes. Es handelt sich um einen echten Fisch und der lebt in Brasilien, ein beliebter Speisefisch. Aber Forscher haben jetzt auch herausgefunden, dass man aus seiner Haut Lebensmittelverpackungen machen kann.

Sprecher 8: Ja, ob ich da meine Mohrrüben drin verpackt haben möchte, weiß ich nicht.

Sprecher 2: Aber die Haut wird natürlich gereinigt und daraus wird dann Gelatine gewonnen, die in Kombination mit einer bestimmten chemischen Lösung dann tatsächlich eine gar nicht riechende Klarsichtfolie ergibt. Wirklich interessant, was die Forschung auf dieser Welt so erfindet.

Sprecher 8: Also wenn das dann wirklich eigentlich Klarsichtfolie aus biologisch abbaubarem Stoff ist, dann ist das natürlich...

Sprecher 9: Natürlich wieder eine super clevere Idee.

Sprecher 2: Jedenfalls eine frische Idee, mit der wir diesen Donnerstag beginnen. Schön, dass Sie dabei sind. Ab morgen dann hier alles im Lichte der MSC, wo ein großes Team von uns in München sein wird. Das ganze Wochenende werden wir durchsenden. Jetzt kommen Sie erstmal gut durch diesen Tag. Bis morgen. Ich freue mich auf Sie.

Sprecher 9: Tschüss.