MSC Spezial
Dauer: 25:17

MSC Spezial

Am Freitag startet die 62. Münchner Sicherheitskonferenz mit über 65 Staats- und Regierungschefs, der größten US-Delegation aller Zeiten unter Außenminister Marco Rubio und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Kanadas Premierminister Mark Carney, der in Davos mit seiner „Rupture"-Rede für Aufsehen sorgte, wird ebenfalls erwartet. Und Europa ist ebenfalls so stark vertreten wie noch nie.

Ab heute erscheint der Security.Table an jedem Werktag. Neue Schwerpunkte sind die europäische Verteidigungsindustrie, die Zukunft der Bundeswehr und die NATO-Ostflanke.

[01:33]


Die AfD hat ein weiteres Mal mit Sicherheitsproblemen im eigenen Haus zu tun. Sieben AfD-Mitarbeiter bekommen nach einer Sicherheitsprüfung keinen Zugang mehr zum Bundestag. Gleichzeitig gibt es Vorwürfe der Vetternwirtschaft. Bei Caren Miosga in der ARD ist AfD-Chef Tino Chrupalla zu Gast gewesen. Die Frage der Sendung war: „Kann Donald Trump ein Vorbild für Deutschland sein?" Der Schwerpunkt in der Diskussion war die Wirtschaftspolitik der AfD. Michael Bröcker hat sich in der Sendung einen Schlagabtausch mit Chrupalla geliefert. Sein Fazit: „Unternehmen werden in Deutschland nicht investieren, wenn AfD-Politiker regieren."

[10:23]


Zwischen den deutschen Wirtschaftsverbänden wird über die Mittelstandsbeauftragte Gitta Connemann scharf gestritten – der Chef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft kritisiert Connemann. Er sehe „weder ein Mindestmaß an Vertrauen noch einen Rest an Kompetenzvermutung". VDA-Präsidentin Hildegard Müller und andere Verbände stellten sich demonstrativ hinter Connemann. Auslöser war Connemanns umstrittener „Lifestyle-Teilzeit"-Vorstoß.

[18:31]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: München wird in dieser Woche zum Zentrum der weltweiten Sicherheitspolitik. Am Freitag startet die Münchner Sicherheitskonferenz und alleine aus Europa werden 60 Staats- und Regierungschefs und Ministerinnen und Minister erwartet. Es soll auch eine Art europäischer Stärkungspakt in der neuen Weltunordnung sein, wie wir hören. Alles weitere dazu und was wir beim Security Table planen, gleich mehr.

Sprecher 3: Die AfD hat ein Problem mit dem Bundestag. Sieben Mitarbeiter bekommen keinen Zugang mehr zum Parlament. Außerdem gibt es Vorwürfe der Vetternwirtschaft und zumindest fragwürdige Parolen der Jugendorganisation in Brandenburg. Was ist da los mit der Partei? Wir fassen die Lage für Sie zusammen und schauen auf Michael, der sich gestern Abend mit Tino Chrupalla bei Karin Mioska gestritten hat.

Sprecher 2: Eigentlich müssten die Wirtschaftsverbände ja jetzt an einem Strang ziehen. So desaströs ist die Lage des Standorts Deutschland. Aber was tun sie? Sie streiten sich intern. Der BVMW, der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, zählt öffentlich Gitter Connemann an. Und alle anderen Wirtschaftsverbände fallen wiederum über den BVMW her. Das müssen wir Ihnen mal ein wenig erläutern.

Sprecher 3: Und trotzdem, dieses Jahr wird ein gutes Jahr. Das zumindest ist das Ergebnis einer weltweiten Umfrage. Auch dazu mehr heute wieder von Michael und mir. Wie schön ist das? Montag, der 9. Februar.

Sprecher 4: Eine Nachricht zur Münchner Sicherheitskonferenz von Soprasteria, Europas Tech-Partner für digitale Souveränität. Wenn in München über Sicherheit und Handlungsfähigkeit gesprochen wird, geht es auch um die digitale Infrastruktur. Und die kommt von Soprasteria. Für den öffentlichen Dienst und die Verteidigung, Banken und Versicherungen. Für die kritischen Industrien in Deutschland und Europa. Suprasteria steht für europäische Handlungsfähigkeit und das seit über 50 Jahren.

Sprecher 2: Helene, kaum aus dem Skiurlaub zurück, packe ich den Koffer nur um. Für die Münchner Sicherheitskonferenz am Freitag geht es los und sie ist so europäisch eigentlich wie nie zuvor.

Sprecher 3: Es sind 65 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt, die am kommenden Wochenende bei der MSC sein werden. Dazu kommen noch über weitere tausend Teilnehmer und die größte US-Delegation aller Zeiten, über ein Viertel des Senats der Vereinigten Staaten ist dabei. Nicht allerdings J.D. Vance, an dessen Rede wir uns ja noch mit Schaudern erinnern im vergangenen Jahr, sondern der etwas gemäßigtere Außenminister Marco Rubio.

Sprecher 2: Ja, und wer die Bilder von den Olympischen Spielen in Mailand und in Cortina d'Ampezzo gesehen hat, der ist wahrscheinlich ganz froh, zumindest wenn er Münchner Stadtbeamter ist. Denn J.D. Vance kommt gerne mal mit 40 Autos in der Kolonne vorgefahren, wenn er irgendwo auftritt. Es ist also nur Marco Rubio, aber interessant, auch ukrainisches Präsident Zelensky soll kommen. Und der neue Star der Europäer, Mark Carney, der kanadische Premierminister, wird laut einer Teilnehmerliste, die wir vorliegen haben, auch mit dabei sein. Viele Blicke richten sich auf ihn.

Sprecher 3: Und insofern wird es kontrovers werden, denn Mark Carney hat ja in Davos sehr klar gesagt, wie er die Amerikaner sieht, in der Geopolitik, aber eben auch in der Wirtschaftspolitik. Und mal sehen, wie da die US-Delegation sich aufstellt, wobei ja eben auch Demokraten dabei sein werden, ungemäßigte Republikaner. Also möglicherweise wird es auch für den einen oder anderen Europäer eine Möglichkeit geben, mit den Amerikanern ins Gespräch. Zu kommen jenseits der öffentlichen Rempeleien.

Sprecher 2: Zwei interessante Personalien noch. Reza Pahlavi, der iranische Oppositionelle, wird dabei sein. Und der neue wichtigste General in der NATO wird ein Deutscher sein. So hören wir Carsten Breuer, der Generalinspektor der Bundeswehr, soll der Chef des NATO-Militärausschusses werden. Und das ist das wichtigste Gremium der NATO. Auch das ein Zeichen dafür, dass die Europäer schrittweise die NATO auch für sich gewinnen sollen, sowohl technologisch als auch militärisch als auch personell. Und das könnte erst recht dann auch zwingend sein, Helene, wenn Donald Trump, wie er angekündigt hat, es nicht schafft, bis Sommer in der Ukraine Friedensverhandlungen zu einem Erfolg zu bringen. Dann, so befürchten einige Insider hier in der Berliner Blase, dann könnte sich die USA komplett aus diesem ganzen Ukraine-Wahnsinn rausziehen.

Sprecher 3: Ja, es geht alles jetzt sehr, sehr schnell. Das Datum 2029 steht uns sowieso schon vor Augen. Dann sollen nach den bisherigen Berechnungen die Russen in der Lage sein, Krieg gegen die NATO zu führen. Dann müssen wir einen Angriff auf das NATO-Gebiet befürchten. Aber es kann eben noch viel schneller gehen, wenn die Amerikaner bei der Ukraine nicht mehr mitmachen. Muss Europa auf eigenen Beinen stehen, militärisch? Und davon sind wir sehr, sehr weit entfernt. Das wird sicherlich eine der zentralen Diskussionen in München sein. Was muss getan werden? Und ja, in der vergangenen Woche haben wir über FKAS gesprochen, das deutsch-französische Kampfjet-Projekt, das vor dem Scheitern ist. Also so auf jeden Fall nicht.

Sprecher 2: Knubbel voll im Bayerischen Hof. Ich bin mit unserem kleinen Mini-Podcast-Studio vor Ort, Helene. Freue mich sehr auf verschiedene Interviews und Analysen mit spannenden Gästen und unser Kolleginnen- und Kollegenteam aus dem Security-Terminal. Immerhin acht Journalistinnen und Journalisten werden auch dabei sein. Denn es gibt durchaus Neues aus unserem Table Briefings Team. Der Security Table startet an diesem Montag, den 9. Februar, täglich, werktäglich mit seinem Newsletter. Und was die Kolleginnen und Kollegen vorhaben, fragen wir einfach mal den Chef, Markus Bickel. Einen schönen guten Tag, Markus.

Sprecher 5: Hallo Michael.

Sprecher 2: Warum erhöht ihr die Frequenz, Markus?

Sprecher 5: Weil die Weltpolitik ihre Frequenz ständig erhöht. Man muss ja nicht die vier Jahre, seitdem Olaf Scholz die Zeitenwende-Rede gehalten hat, hinschauen, was sich sicherheitspolitisch in Deutschland, in Europa, in der NATO, auf der ganzen Welt tut. Dazu reicht ein Blick zurück in die letzten sechs Wochen, die dieses Jahr jung ist. Venezuela hat die Welt schockiert. Dann kam kurze Zeit später die Übernahme. Angriffe auf Grönland durch die Trump-Regierung, dann war das kaum vorbei. Dann war Iran Thema. Jetzt steht die Münchner Sicherheitskonferenz vor der Tür. Die Zeiten sind so, dass fünf Tage die Woche an allen Werktagen zu erscheinen genau das Richtige ist, was wir mit dem Security Table machen.

Sprecher 2: Ohne Sicherheit ist alles nichts. Das scheint jedem klar zu werden. Trotzdem müsst auch ihr Schwerpunkte setzen. Welche werden das in eurem Briefing sein?

Sprecher 5: Wir haben schon begonnen und werden es noch stärker ausbauen. ganz stark auf die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in Deutschland zu schauen, in Deutschland und Europa, weil das muss ja alles enger vernetzt werden. Da müssen Kapazitäten frei werden und über Kapazitäten durch fünf verschiedene Panzer, fünf verschiedene Kampfflugzeuge zurückgebaut werden, damit Europa wettbewerbsfähig wird gegenüber den USA. Also Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist ein Schwerpunkt. Die Frage, wie die Bundeswehr die Zeitenwende hinbekommt, noch bleibt es eine Frage. Freiwilligen Armee, aber es werden ja doch auch die Weichen hingestellt auf eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Das ist ein großes Thema, alles was in der Bundeswehr passiert. Und natürlich die NATO-Ostflanke, gerade der Raum Estland, Lettland, Litauen, die nordischen Staaten. Die sich da anders als Deutschland schon viel stärker einstellen, auch mögliche Angriffe Russlands, seien sie hybrid, seien sie kinetisch. Das hat uns ausgezeichnet, aber das gibt es jetzt jeden Werktag vom Security Table zu lesen.

Sprecher 2: Deep Journalism ist unser Motto. An diesem Tag geht es direkt los mit einem Deep Dive in die Münchner Sicherheitsbranche. Jeder sechste Betrieb im großen Bundesverband der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie hat seinen Sitz im Großraum München. Da kümmert sich deine Kollegin Katharina Horban in einem interessanten Essay, in einer interessanten Analyse drum. Das empfehle ich unseren Lesern am heutigen Tag. Aber lass uns noch kurz auf die Münchner Sicherheitskonferenz schauen. So viele Ministerinnen und Minister, Staats- und Regierungschefs. Chefs aus Europa wie nie zuvor. Es soll, so sagt es Wolfgang Ischinger, auch ein Weckruf für Europa, für eine neue europäische Souveränität werden. Wie realistisch ist das, Markus?

Sprecher 5: Den Weckruf gab es ja schon voriges Jahr auf der Sicherheitskonferenz, auch schon vor zwei Jahren, dass Europa mehr tun muss, um autonomer, wie es dann Macron in Frankreich sagt, von den USA zu werden. Aber mit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump vor einem Jahr, wird es, glaube ich, realistischer und die konkreten Ansätze hin zu stärkeren europäischen Initiativen im Verteidigungsbereich bei Zusammenlegung von Militärs sind, glaube ich, tatsächlich beobachtbar. Natürlich wird in Europa mit 27 EU-Mitgliedern mehr geredet als in den USA darüber und manche Entscheidungen fallen später. Aber die Präsenz so vieler EU-Staats- und Regierungschefs, Außenminister, Verteidigungsminister macht es schon deutlich, dass man jetzt das Ganze noch tatkräftiger anpackt als in der Vergangenheit.

Sprecher 2: Hat Europa diese Kraft, Narkos, wenn ich mir anschaue, die Diskussion, der Streit um FKs, die Schwächen von Macron, die Schwächen von Keir Starmer, das sind zwei sehr relevante Staats- und Regierungschefs, die eigentlich unfassbar angeschlagen sind gerade, dann die Probleme immer wieder auch mit Polen, die nicht zu deutschfreundlich sein dürfen. Wo ist dieses starke Kerneuropa, das die Verteidigungsunion jetzt wirklich umsetzen könnte?

Sprecher 5: Ich glaube, ein Blick nach Skandinavien hilft, ein Blick auch in die Niederlande. Da sind agilere, kleinere... Staaten, die auch vielleicht gerade im Blick auf Nordeuropa was Resilienz und eine Zusammenarbeit nicht nur von Politik und Militär, sondern auch von Zivilgesellschaft, von Normalbevölkerung in Fragen von Verteidigung anbelangt, nach vorne treiben können. Frankreich. Deutschland, du hast es erwähnt, FKs, das sind ja auch vor allem industriepolitische Eitelkeiten, die da möglicherweise einem politischen Zusammengehen entgegenstehen. Und da wird es, glaube ich, tatsächlich schwierig, dass man da eigenständige nationale Unternehmen und Konzerne hin zu einem europäischen Zusammenschluss bringt. Aber ich glaube... Über den Motor Deutschland-Frankreich hinaus ist Polen im Weimarer Dreieck, aber dann auch Weimarer Dreieck plus zwei plus drei mit Italien gedacht, mit den skandinavischen und baltischen Staaten gedacht und mit den Niederlanden ein Weg, der vielleicht so ein Kerneuropa bilden könnte.

Sprecher 2: Neue Partner braucht Europa. Das werden wir uns ganz genau anschauen, was da auf der Münchner Sicherheitskonferenz passiert. Wir sind mit zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort. Ihr habt eine exklusive Medienpartnerschaft mit der Space Night, die am Freitagabend am Rande der MSC stattfindet. Wir senden in einem kleinen Podcaststudio für Sie da draußen mit relevanten Staats- und Regierungschefs, Ministern und Sicherheitsexperten. Wir freuen uns auf München. Markus, ich sehe dich dort.

Sprecher 5: Wir sehen uns in München.

Sprecher 3: Die AfD präsentiert sich gern als die wahre Stimme der Demokratie, aber in Wahrheit hat sie ein Problem mit dem Parlament. Sieben Mitarbeiter der Partei gelten als nicht zuverlässig und bekommen deswegen keinen Hausausweis mehr für den Bundestag. Es geht da um zwei Mitarbeiter der Fraktion und fünf Mitarbeiter, die bei Abgeordneten angestellt sind. Nach einer Prüfung hat man entschieden, diese sieben nicht mehr reinzulassen.

Sprecher 2: Ja, ein bisschen erinnert mich die AfD an den Riesentourtour. Je näher man dieser Partei kommt, desto mickriger wird sie eigentlich. Alleine, dass sie ständig den Rechtsstaat fordert und über Staatsversagen spricht und gleichzeitig wahrscheinlich die Partei ist, deren Mitglieder und Funktionäre am meisten mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Wenn ich nur an die Ermittlungen, die Gewaltdelikte bei einem runden Dutzend von AfD-Funktionären denke oder auch die Spionagevorwürfe gegen Krah und Büstron. Also die AfD ist auch die Partei der Widersprüche.

Sprecher 3: Und gleichzeitig hat die AfD in Sachsen-Anhalt noch ein Problem. Dort wird ihr Vetternwirtschaft vorgeworfen. Es geht um einen Fall, über den schon einige Politiker gestolpert sind, auch in der CSU, auch in Frankreich war das immer wieder ein Problem, dass Familienangehörige in den Büros von Parteikollegen angestellt worden sein sollen. So, und dann ist die Frage, geht das eigentlich, was haben die da wirklich gemacht, haben die wirklich gearbeitet? Und daraus leitet sich dann die Antwort ab, ist das wirklich verboten oder ist es nicht? Es ist einfach nur fragwürdig.

Sprecher 2: Am Ende bleibt uns nur die Partei immer wieder inhaltlich versuchen zu stellen und genau auf diese Widersprüche hinzuweisen zwischen öffentlichen Forderungen in ihren Programmen oder in ihren Tweets und dem, was da in Wahrheit passiert. Wenn ich nur daran denke, dass sie die Rentenpläne der Koalition als Rentenbetrug bezeichnet haben und zugleich ein Rentenniveau von 75 Prozent. In ihrem Programm versprechen, was nach Schätzungen mancher Forscher 400 Milliarden Euro pro Jahr kosten würde. Also da ist ganz schön viel Bluff und Bluff und Zip und Zap, wollte ich nicht sagen, sondern...

Sprecher 3: Heiße Luft.

Sprecher 2: Genau, da ist ganz schön viel heiße Luft dabei.

Sprecher 3: Heiß war es auch gestern Abend im Studio, wo sich Tino Chrupalla, einer der beiden AfD-Vorsitzenden mit Michael Bröker und Veronika Grimm, ordentlich gestritten hat. Da ging es Gott sei Dank auch um Sachdiskussionen. Nicht nur um das allgemeine Dämonisieren und Emotionalisieren des Themas, sondern um die Sachfragen. Hören wir doch mal rein.

Sprecher 2: Der Mittelstand, der ja angeblich von Ihnen, Herr Koppala, gestärkt werden soll, der braucht dringend wie keine andere Branche in Deutschland die Globalisierung, den europäischen Austausch. 97 Prozent der exportorientierten Unternehmen in Deutschland sind kleine und mittelständische Unternehmen. Ihr Programm ist genau das Gegenteil. Einengen, abschotten, ausgrenzen. Die brauchen diese Europäisierung, die brauchen den Handel. Naja, wir hatten ja gerade eben schon das Thema raus aus der Europäischen Union, wie sie jetzt gerade da ist, wird von Ihren Kolleginnen und Kollegen der AfD immer noch protegiert. Das Gegenteil brauchen wir. Mehr Vernetzung, mehr Migration, gute Qualifizierte natürlich, mehr Handel.

Sprecher 6: Wir sehen natürlich gerade auch in der jetzigen Situation, wo sich auch die Weltlage insgesamt ändert, dass natürlich auch die Europäer zusammenhalten müssen, dass wir in Teilen sicherlich einen Verbund auch brauchen. Bund Europäische Nationen heißt das. Bund Europäische Nationen. Was soll das sein? Genau nochmal. Das ist natürlich in der Form auch wie eine EU, aber natürlich auch mit der Maßgabe, dass die nationalen Interessen viel mehr berücksichtigt werden und dass vor allen Dingen der Hauptzahler in diese EU, wie wir es ja sind, Deutschland, viel mehr dort den Ton angibt. Das muss auch das hier sein. Und nochmal ganz vielleicht ein... Dann müssten Sie raus aus der EU, wenn Sie im Bund Europäische Nationen kommen. Nein, das müssten wir nicht. Es gab ja vorher vor der EU auch einen Verbund.

Sprecher 2: Das ist eine Institution innerhalb der EU.

Sprecher 6: Auch da... Nein, das ist... Erklär doch mal Ihre Forderung ganz konkret. Nein, ich habe es Ihnen doch gerade erklärt.

Sprecher 2: Es gibt gerade ein gemeinsames europäisches Asylsystem, das genau die Defizite aufarbeiten soll. Ja, natürlich geht nicht alles so schnell, wie Sie es immer versprechen. Weil es einfach Unsinn ist. Sie schreiben Dinge in Ihr Programm, die nicht umsetzbar sind, die rechtlich nicht umsetzbar sind, die ökonomisch schädlich sind. Sie sind wie Herr... Nee, wirklich, Ihre AfD ist wie Herr Turtur. Je näher man Ihnen kommt, je mehr man reinguckt, desto mickriger werden Sie. Ja, ja, nur nicht so. Also, dass man so freundlich ist. Herr Brücker, Herr Brücker.

Sprecher 7: Frau Grin, mit Heinen und 70 Prozent unserer Exporte gehen in die EU. Was würde es bedeuten, wenn wir das so umformierten zu einem Bund der europäischen Nationalstaaten womöglich sogar rausgingen?

Sprecher 8: Ja, das sind natürlich erstmal Scheinvorpflege, weil wir ja in einer Situation sind, wo die Zeit schon drängt. Wir sehen das geopolitisch. wir uns stärker aufstellen müssen. Und wir können eben auch in dieser geopolitischen Lage nur dem was entgegenstellen, auch diesem neuen Kampf der beiden aufstrebenden Großmächte USA und China, wenn wir die EU stärker machen.

Sprecher 6: Wir sind grundsätzlich für Freihandelsabkommen, keine Frage. Aber es muss natürlich auch im gegenseitigen Respekt und auch in der Anerkennung sein und auch im gegenteiligen Vorteil. Und das sehen wir bei Mercosur zu Teilen nicht, gerade was die Landwirtschaft betrifft.

Sprecher 3: In welchen Teilen nicht? Bei der Landwirtschaft.

Sprecher 6: Was gleiche Standards angeht, was Tierwohl angeht, die niemand überprüft in Brasilien.

Sprecher 2: Dass Herr Krupalla jetzt sich fürs Tierwohl einsetzt, das ist zumindest schon mal was Neues für mich. Das finde ich wunderbar. Aber die Wahrheit ist, Freihandel, lieber Herr Krupalla, das weiß jeder Ökonom, Freihandel ist immer und zwingend überall für beide Seiten sinnvoll. Und in diesem Fall ist es das auf jeden Fall. Wir werden wahrscheinlich zwischen 0,5 und 1% Wirtschaftswachstum durch, wenn es in der Gänze ausgerollt würde, dieses Abkommen, profitieren. Und zwar als Volkswirtschaft. Und es ist für einen Politiker, der im Bundestag sitzt, sollte sich nicht der einen oder anderen Branche, die er ganz gerne als neue Wählerklientel anschauen will, sondern die Volkswirtschaft anschauen. Und es ist nicht dramatisch für die Bauern. Das ist die Wahrheit.

Sprecher 6: Ja, das sagen Sie.

Sprecher 2: Indien ist eine global stärker wachsende Volkswirtschaft als fast jede andere Nation auf der Welt. Sie ist ein künftiger Absatzmarkt, wie es vielleicht China niemals werden könnte. Das ist die Hoffnung. Unsere Maschinen, unsere Autos, unsere Technologie wird dort jetzt gebraucht, weil Indien auf einem Status ist, wie wir vielleicht vor 30, 40 Jahren waren. Deswegen investieren wir logischerweise sehr viel gerade in diesem Land.

Sprecher 6: Nochmal, ich habe ja nicht gesagt, dass ich gegen Freihandel bin. Ich wiederhole es jetzt.

Sprecher 2: Sie haben das Indienabkommen ja gerade scharf kritisiert. Ich habe es nicht scharf. Nur weil wir da aktuell mehr investieren.

Sprecher 6: Wir müssen auf allererstes darauf achten, dass die Wertschöpfung in unserem eigenen Land bleibt und auch hier ihre Wurzeln weiterentwickelt.

Sprecher 2: Wir sind ein exportorientiertes Land. 40 Prozent unserer Unternehmen verkaufen im Ausland, Herr Krupala. Wohin sollen wir verkaufen?

Sprecher 6: Wenn wir nichts mehr hier produzieren, können wir es auch nicht mehr verkaufen. Das ist doch der Grund. Wir produzieren doch. Die Stahlindustrie wandert ab, die chemische Industrie wandert ab. Haben Sie das alles nicht gelesen?

Sprecher 2: Ganz ruhig.

Sprecher 6: Nein, das ist so. Jetzt fragen Sie mich doch an. Sind Sie schon wieder heil?

Sprecher 2: Ja, ja, ja. Ich wollte gerade ruhig brauchen. Das sagen, dann habt ihr mir aber dann doch noch verkniffen. Lieber Herr Krupala, das ist einfach Unsinn.

Sprecher 8: Ja, aber ich glaube, genau da liegt auch der Fehlschluss. Natürlich haben wir Länder weltweit, China, andere Schwellenländer, die mittlerweile zu ähnlicher Qualität die Produkte herstellen, die traditionell wir hergestellt haben. Was muss denn die Schlussfolgerung für uns sein? Die Schlussfolgerung muss sein, dass wir Technologieführer werden in neuen Märkten, dass wir im Hightech-Bereich punkten, eben da, wo die anderen uns das nicht nachmachen können.

Sprecher 2: Das größte Standorthemmnis in Deutschland ist tatsächlich die AfD selbst. Ja, Herr Krupalla, lassen Sie mich das ausführen. Er fühlt sich wirklich leid. Reden Sie mal mit Investoren. Ich weiß nicht, ob Sie die Gespräche kriegen.

Sprecher 6: Ich finde, jeden Tag rede ich mit Unternehmern. Lassen Sie mich da ausreden.

Sprecher 2: Doch, Sie wissen doch gar nicht, was ich sagen will.

Sprecher 6: Jetzt reden Sie Unsinn.

Sprecher 2: Ja, können Sie ja gleich danach sagen.

Sprecher 8: Das kann er nicht mehr bei Brück.

Sprecher 2: Können Sie gleich sofort kommentieren. Die Investoren werden in Deutschland nicht investieren, wenn AfD-Politiker regieren. Das ist die Wahrheit. Die wollen hier dann ihr Geld nicht mehr lassen.

Sprecher 6: Wir sehen die aktuelle wirtschaftliche Situation nicht durch die AfD, denn wir sehen die Bundesregierung der letzten Regierungen. Wenn Sie regieren, wird keiner Geld hier investieren. Kein Mensch aus dem Ort wird Geld investieren. Zum Glück regieren Sie nicht. Deswegen muss ich da wirklich lachen, was Sie da erzählen.

Sprecher 7: An dieser Stelle müssen wir aufhören.

Sprecher 3: Als hätte die Wirtschaft nicht genügend andere Probleme nach drei Jahren Rezession und einem nun prognostizierten doch ziemlich mageren Wachstum. Aber die Wirtschaftsverbände, die überwerfen sich ausgerechnet über die Mittelstandsbeauftragte der Union, Gitter Connemann.

Sprecher 2: Ja, sie ist ja ohnehin nicht gerade die sanfteste Funktionärin der CDU. Sie ist durchaus umstritten. Das liegt aber auch daran, weil sie einfach gerne Klartext redet. Jetzt hat sie mit ihrem Lifestyle-Teilzeit-Antrag vielleicht inhaltlich aus meiner Sicht zu Recht eine Debatte angestoßen, aber eben sprachlich etwas zugespitzt. Und schon ist sie im Fokus eines medialen Taifuns gewesen. Und dann kommt ausgerechnet ein eigentlich der CDU zugehöriger Funktionär um die Ecke, nämlich der Präsident des Wirtschaftsverbands BVMW und schreibt so hämisch über sie in einem offenen Brief, muss man sagen, an den Bundeskanzler, dass man sich wirklich wundert, ob die nicht irgendwie gemeinsam eigentlich kämpfen müssten.

Sprecher 3: Christoph Ahlhaus heißt der Mann. Er war kurzzeitig Bürgermeister in Hamburg. Aus der Zeit kenne ich ihn noch. Und ja, und er hat jetzt wirklich harte Worte gewählt. Der deutsche Mittelstand, so schreibt er, habe weder ein Mindestmaß an Vertrauen noch ein Rest an Kompetenzvermutung. Mit Blick auf Gitter Connemann, das sind schon wirklich vernichtende Worte. Und Merz solle, so schreibt er, die personelle Besetzung kritisch hinterfragen. Da geht es um die Lifestyle-Debatte. Das war der Auslöser dieser harschen Kritik. Und in der Tat kann man an der Polemik des Begriffs schon einiges kritisieren und sich fragen, ob man so nicht die Diskussion von vornherein im Keim erstickt hat, die ich auch an sich ja richtig finde, wir sprachen drüber. Aber warum Herr Ahlhaus sich jetzt seinerseits so im Ton vergreift, das ist mir nicht ersichtlich.

Sprecher 2: Es ist so ein bisschen auch die CDU-Kommunikationspolitik, die immer wieder versagt, Helene, muss ich sagen. Anstatt sich, dass man sich dann hinter Gitter-Konnemann stellt, gemeinschaftlich, zumal ja auch die Grünen da mit fragwürdigen Kommunikationstweets und Botschaften in die Debatte reingegangen sind. Anstattdessen ruft man sie intern an und bittet sie doch gar nichts mehr zu sagen. Die Wahlkämpfer sagen, das ist eine Stabsidee, ein Geschäftsverband, Wirtschaftsverband, sagt man, sollte sich von ihr trennen. Also die CDU ist auch schon verrückt. Da wird eine inhaltliche Debatte angestoßen von einer Mittelstandsbeauftragten, die im Kabinett sitzt und alle fallen über sie her, vor allem aus der eigenen Partei. Also so wird wahrscheinlich die CDU nicht mehr über die 30 Prozent kommen.

Sprecher 3: Und so, ehrlich gesagt, werden die Verbände auch nicht viel erreichen. Und da muss man sich die Zahlen nur mal anschauen. Laut Umfrage glauben mittlerweile 60 Prozent nicht mehr an die Wirtschaftswende und 79 Prozent erkennen nicht mal ein engagiertes Bemühen der Bundesregierung. Also der Druck ist so groß. Die Wirtschaftsverbände müssten Friedrich Merz ja helfen, ihn aber auch antreiben. Dass da jetzt was vorangeht mit der Wirtschaft, dass wir bessere Zahlen sehen, perspektivisch und stattdessen zerlegen sie sich. Also nach dem Brief, über den wir sprachen, von Christoph Ahlhaus. Gegen Gitter-Konnemann gab es jetzt ein Solidarisierungsschreiben von vielen anderen Verbänden, unter anderem auch von der VDA-Chefin Hildegard Müller. Die Gitter-Konnemann in Schutz nehmen. Aber ehrlich gesagt, diese Beschäftigung mit sich selbst, die hilft weder der Wirtschaft noch den Verbänden.

Sprecher 2: Ja, und der Bundesverband kriegt auch nochmal aus den eigenen Reihen Ärger, denn es gibt eine Mittelstandsallianz in diesem Bundesverband für mittelständische Wirtschaft. Da sind andere Verbände Mitglied und die wollen das Thema nochmal, den Brandbrief an den Kanzler von Herrn Ahlhaus nochmal thematisieren, drohen intern angeblich sogar mit Rückzug aus diesem Gremium. Der Bundesverband IT-Mittelstand gehört dazu oder der Bund der Steuerzahler. Also ob sich Ahlhaus damit einen Gefallen getan hat, I doubt it.

Sprecher 3: Micky, mein Lieber, du bist zurück. Wie geht's dir und gibt's sonst noch was?

Sprecher 2: Ich bin unbeschadet zurück, habe nur meine Airpods vergessen bei der Rodelabfahrt am letzten Tag. Völlig unnötig gerodelt, weil es die Kinder unbedingt wollten. Völlig unnötig. Es tat nur weh, es war total anstrengend und meine Airpods sind weg. Sonst alles gut gegangen. Aber das wollte ich ja gar nicht dir erzählen.

Sprecher 3: Wolltest du nicht erzählen? Du kommst von dem Schnee in den Schnee. Was wolltest du mir noch erzählen?

Sprecher 2: Das ist ein gutes Jahr, dieses Jahr. Das zumindest glauben die Menschen weltweit. In einer Umfrage, die in 30 Ländern gelaufen ist, sagen 71 Prozent der Menschen, dass sie glauben tatsächlich, dass es dieses Jahr besser werden könnte als 2025.

Sprecher 3: Woher nehmen die Leute diesen Optimismus? Das Jahr hat jetzt nicht wirklich besonders gut angefangen, muss man sagen, politisch gesehen.

Sprecher 2: Eine besonders gute Frage ist, und es sind ja auch nicht alles Rheinländer auf der Welt, ich weiß es nicht, jedenfalls sind die besonders optimistischen Menschen ausgerechnet in Frankreich, wo eine lame duck im elisee sitzt eine rechtspopulistin vor der macht steht und die wirtschaft am boden und die schuldenquote auf rekordniveau ich weiß gar nicht warum die so optimistisch sind

Sprecher 3: Michael, vielleicht hat das Wohlbefinden, das Glück im Leben manchmal gar nicht so viel zu tun mit dem Realen, was vor einem liegt, die Zahlen und Figuren, sondern mit der Imagination, mit der Fantasie, mit dem sich Träumen irgendwo hin oder zu irgendwem. Vielleicht ist es ja das, was das Glück ausmacht, oder?

Sprecher 2: Oder es ist einfach das, dass sich 82 Prozent der Menschen in dieser Umfrage gewünscht haben, im Jahr 2026 mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Ja, und das gibt es.

Sprecher 9: natürlich automatisch ein besseres Gefühl.

Sprecher 3: Da sind wir schon wieder bei der Teilzeit, wie auch immer. Also gut gelaunt und gut fühlend starten wir in diesen Tag. Schön, dass Sie dabei sind. Tschüss.

Sprecher 9: Ciao.

Sprecher 10: And I'm feeling. Good. Feeling good. Fish in the sea, you know how I feel. River running free, you know how I feel. Blossom on a tree, you know how I feel. It's a new dawn, it's a new day, it's a new life for me. And I'm feeling good. Dragonfly out in the sun, you know what I mean, don't you know? Butterflies all having fun, you know what I mean. Sleep in peace when day is done. That's what I mean. And this old world is a new world. And a bold world for me.