Wie lange können wir uns Versicherungen noch leisten, Herr Rollinger?
Die Versicherungsbranche ist ein Lichtblick in der deutschen Wirtschaft: Die Beitragseinnahmen stiegen 2025 über alle Sparten um 6,6 Prozent auf 254 Milliarden Euro – doch R+V-Chef und GDV-Präsident Norbert Rollinger ordnet das nüchtern ein, denn das Wachstum sei vor allem inflationsgetrieben. Im Gespräch mit Alexander Wiedmann vom CEO.Table erklärt Rollinger, warum er eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ablehnt und stattdessen ein Opt-out-Modell favorisiert – und warum noch immer jedes Jahr bis zu 2.000 Gebäude in Hochrisiko-Überschwemmungszonen gebaut werden. Beim Thema Altersvorsorge fordert er gleiche Wettbewerbsbedingungen mit Neobrokern: „Die Regulierung schützt nicht den Kunden, sondern bremst die Innovation." Und auf die Frage, was die Versicherungsbranche eigentlich antreibt, bringt es Rollinger auf eine entwaffnend ehrliche Formel: „Wir leben von Angst und Gier – das sind die beiden Motive."
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Transkript
Sprecher 1: Wie schön, dass Sie auch am Samstag wieder dabei sind bei Table Today, ein CEO-Spezial und zwar ein Lichtblick in diesen ansonsten ja wirtschaftlich gesehen trüben Zeiten. Es gibt wenige Branchen in Deutschland, die wirklich wachsen derzeit und eine davon ist die Versicherungswirtschaft. Über alle Sparten hinweg stiegen die Betragseinnahmen im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent auf sage und schreibe 254 Milliarden Euro. Gute Zahlen also für Norbert Rollinger. Der ist nicht nur Vorstandsvorsitzender der R&V-Versicherung, sondern auch der Präsident des Gesamtverbands der Versicherungen. Warum steht seine Branche so viel besser da als die deutsche Volkswirtschaft insgesamt und was bedeuten die Extremwetterereignisse? Für die Versicherungswirtschaft ist es eine Chance oder doch mehr ein Risiko? Alex Wiedmann, unser Kollege vom CEO-Table, hat mit Norbert Rollinger gesprochen.
Sprecher 2: Herzlich willkommen im Podcast Table Today, Norbert Rollinger. Guten Morgen, Herr Wiedmann. Rollinger, Sie haben diese Woche starke Zahlen in der Gesamtversicherungsbranche präsentiert. Über alle Sparten hinweg stiegen die Beitragseinnahmen um 6,6 Prozent auf 254 Milliarden Euro. Wächst in Deutschland also nur der Sozialstaat und die Versicherungswirtschaft?
Sprecher 3: Wir sind erstmal froh, dass wir uns... Gut abgrenzen können vom Bruttoinlandsprodukt, was ja mehr oder weniger stagniert. Aber man muss zugeben, und das habe ich auch in der Pressekonferenz gesagt, das ist natürlich inflationsbedingt, dass unsere Zahlen so nach oben gegangen sind. Und das wiederum zeigt, dass etwas ungesund ist. Wir haben eine hohe Inflation in der Kfz-Versicherung. Wir haben steigende Aufwendungen in der Wohngebäudeversicherung. Und wir haben auch in der Gesundheitsversicherung. Deutliche Steigerungen und das belastet die gesamte Bevölkerung. Wir legen ja als Versicherer nur die Schäden am Ende des Tages um und es zeigt, dass wir einfach einen gestiegenen Schadenaufwand haben.
Sprecher 2: Also real haben Versicherte nicht mehr Schutz, sondern sie zahlen nur mehr für den Senden, kann man das so sagen?
Sprecher 3: Man kann sagen, dass leider sich die Schäden so verteuert haben durch eine Inflation der Schadentreiber, dass dadurch eine Belastung für die Bevölkerung aufgetreten ist. Und das finden wir auch schlecht. Wir arbeiten als Versicherungsbranche auch dagegen, indem wir versuchen, auch die Kunden anzuregen, möglichst wenig Schaden anzuregen. Aufwand zu haben. Also wir honorieren auch, wenn einer versucht, seine Schäden gering zu halten. Wir halten das auch in den Versicherungsverträgen fest, dass man auch verpflichtet ist, möglichst die Schäden gering zu halten. Aber gegen eine Inflation von Ersatzteilen beim Auto oder von Stunden in der Werkstatt, die bis zu 300 Euro jetzt inzwischen kosten. Also man kann jungen Leuten nur empfehlen, geht ins Handwerk. Geht in solche Berufe hinein, da ist goldener Boden im Moment.
Sprecher 2: Aber kann man nicht vielleicht ein bisschen sagen, in einer Welt voller Unsicherheit, Krisen, Krieg, Klimaschäden, ist ein steigender Bedarf auch an Versicherungen da und dadurch lassen sich höhere Prämien verlangen?
Sprecher 3: Diese Schlussfolgerung ist nicht richtig. Klar, als Versicherer sind wir dafür da, Risiken vom Menschen zu verhindern. Wegzunehmen und das tun wir auch. Ohne uns wäre ja gar keine Wirtschaft möglich, weil wir Risiken übernehmen, die nur eine große Gemeinschaft der Versicherten übernehmen kann. Damit sichern wir Existenzen, damit sichern wir wirtschaftliche Tätigkeit. Das ist eine unserer Grundvoraussetzungen und es ist richtig. Je mehr der Mensch Angst hat, umso eher ist er geneigt, auch Versicherungen zu kaufen.
Sprecher 2: Wo endet Vorsorge und wo beginnt das Geschäft mit der Angst?
Sprecher 3: Wir leben von Angst und Gier. Das sind die beiden Motive. Aber diese Angst, die Menschen haben, die ist ja real. Ich meine, ein Haus kann abbrennen, jemand kann krank werden. Existenzielle Risiken und Menschen haben schon immer zu allen Zeiten Angst vor diesen Risiken. Und es ist ein Zeichen der Zivilisation, dass im Gegensatz zu vor 2000 Jahren heute mit modernen Methoden der Versicherungswirtschaft diese Risiken auf die Gemeinschaft verteilt werden können.
Sprecher 2: Ja, lassen Sie uns konkret werden und über einzelne Versicherungen von realen Ereignissen sprechen. Wie gehen denn Versicherte mit Extremwetter um? Wie kalkuliert ein Versicherer ein Risiko, das nicht immer vorhersehbar ist?
Sprecher 3: Ja, Extremwetter sind eine Tendenz im Zuge auch des Klimawandels, die sich verstärken. Das ist etwas, was wir beobachten. Wir hatten im vergangenen Jahr extremes Glück gehabt. 2025 war erstaunlicherweise ein sehr schadenarmes Jahr an Naturgefahren. In der Tendenz über mehrere Jahre sehen wir allerdings einen Anstieg und der hängt auch mit gestiegenen Temperaturen zusammen. Und von daher legen wir in dem Fall nicht nur um, was in der Vergangenheit an Schäden zu beobachten ist, sondern wir müssen auch antizipieren und das sehen wir auch in unserem Haus, dass wir die Schadenrückstellungen für Elementarschäden ständig erhöhen müssen.
Sprecher 2: Und wie gehen Sie damit um? Sie lehnen eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ab. Warum?
Sprecher 3: Wir lehnen diese Pflichtversicherung ab, weil erstens wir keine Kaskoversicherung für alle verpflichtend haben wollen. Wenn Sie ein Auto fahren, dann müssen Sie eine... Haftpflichtversicherung abschließen. Das liegt aber daran, weil der Drittschutz im Vordergrund steht. Weil es kann ja nicht ihr Geschädigter erwarten, dass sie Millionär sind und ihn bis zum Lebensende einen behindertengerechten Umbau seines Hauses und so weiter bezahlen können. Also deswegen gibt es Pflichtversicherung. Die gibt es bei der Jagd, die gibt es bei den Hebammen, die gibt es bei den Ärzten. Überall dort, wo eine gefahrgeneigte Tätigkeit ist oder Verhalten ist und wo andere Dritte geschädigt werden können. Hier geht es um ihr eigenes Eigentum, nämlich ihr Haus. Und sie sollten selbstverständlich sich dagegen versichern, aber es sollte nicht bevormundend vom Staat gemacht werden. Das ist der eine Punkt. Der zweite Punkt ist. Dass eine Pflichtversicherung auch mit verfassungsrechtlichen Bedenken einhergeht. Wir empfehlen der Bundesregierung, dass sie das eher auf einer Opt-out-Basis macht. Das heißt, der Kunde kann es auch ablehnen. Dann sind wir aus dieser ganzen Pflichtdiskussion heraus und wir werden trotzdem sehr hohe Durchdringungen erreichen können. Heute im Neugeschäft der Wohngebäudeversicherung machen wir schon rund 80 Prozent. Der Kunden schließen diese Versicherung ab. Das heißt, wir kriegen eine deutlich höhere Durchdringung schon jetzt hinten.
Sprecher 2: Ja, aber gibt es vielleicht nicht in Deutschland, aber in der Welt auch Regionen, die sich überhaupt nicht absichern lassen aufgrund von besonderen Gefahren von Überschwemmungen, Waldbränden oder so. Sehen Sie sowas?
Sprecher 3: Wir sehen das in einigen Regionen der Welt, zum Beispiel in Kalifornien oder auch in Florida, dass wir dort solche nicht mehr versicherbaren Gebiete haben, wo private Versicherungen das Risiko nicht mehr übernehmen wollen oder zu sehr hohen Preisen. Solch eine Situation haben wir in Deutschland bisher nicht, aber wir haben auch 400.000 Gebäude, die in einer... Hoch Risikozonen stehen, also Zone 4 nennen wir das, wo etwa alle zehn Jahre durchaus etwas passiert. Und auch dort sehen wir schon, dass dort Versicherungsschutz teuer ist, dass wir auch teilweise mit Selbstbehalten dort arbeiten müssen, um es versicherbar zu halten. Und im Konzept, was jetzt ansteht im Rahmen Diskussion Pflichtversicherung Elementar, ist ja auch, dass wir gerade für diese sehr exponierten Risiken eine Solidarlösung über ein neues Vehikel, die Elementari, auch etablieren wollen.
Sprecher 2: Also 400.000 Wohnungen in Deutschland habe ich jetzt gelernt. Glauben Sie, dass das in den nächsten fünf Jahren stärker steigen wird?
Sprecher 3: Wir sehen, dass leider die Kommunen und Länder zulassen, dass 1500 bis 2000 Gebäude jedes Jahr dazukommen. Und das halten wir für einen... Ganz großen Irrweg, das noch heute in ausgewiesenen Überschwemmungen Bäumungszonen, Baugenehmigungen aus fiskalischen Gründen erteilt werden. Das ist keine gute Idee. Wir beharren deshalb auch darauf, wenn es zu einer Pflichtversicherung oder einer flächendeckenden Elementarversicherung kommt, dass wir einen Stichtag haben und dass nach diesem Stichtag keine Versicherung mehr für neue Gebäude kommt, die in solchen hochexponierten Zonen gebaut werden. Das muss jeder wissen, dass er dann in einer Zone baut und damit hoffen wir auch zu disziplinieren, dass hier keine Baugenehmigungen in hochexponierten Zonen erteilt werden.
Sprecher 2: Aber können Sie ein bisschen was sagen, wo sind diese hochexponierten Zonen denn?
Sprecher 3: Vor allen Dingen entlang der Flüsse, Flüsse und Bäche, die über die Ufer treten können. Wir haben das ja an der Ahr gesehen, wie schnell auch enge Täler dann erhebliche Stände haben können. Aber wir kennen es auch von der Mosel. Die Mosel ist auch ein Fluss, der regelmäßig über die Ufer tritt. Zum Glück haben die Menschen dort an der Mosel ja... Auch schon über die Erfahrung der letzten hunderte von Jahren, ihre Häuser so gestaltet, dass sie Haustüren aushängen können, dass die Heizung unterm Dach ist und dass der Eingangsflur, ob man es jetzt schön findet oder nicht, gekachelt ist, sodass das Wasser nachher einfach abfließt, man mit dem Schlauch durchgeht und dann ist wieder alles in Ordnung.
Sprecher 2: Das Thema Extremwetter und Versicherungen haben wir jetzt, glaube ich, ausführlich behandelt. Ein anderes Thema, aber Sie machen ja nicht nur... Extremwetterversicherung, sondern ein anders großes Thema sind Lebensversicherungen und Altersvorsage. Es gibt in Deutschland immer noch 80 Millionen Lebensversicherungen, nach Verträgen gerechnet. Aber jetzt mal ehrlich, wenn ich einen günstigen ETF-Sparplan habe, schlägt der doch langfristig jede Lebensversicherung, oder?
Sprecher 3: Eine Lebensversicherung ist ja nicht auch nur eine Kapitalanlage. Eine Lebensversicherung hat auch einen Risikoschutz. Das heißt, wenn Sie nach zwei Jahren versterben, was wir natürlich nicht wollen, dann kriegen Ihre Erben immerhin die Todesfallleistung ausgezahlt. Und das ist eine Rendite, die sage ich Ihnen, das sind Tausende von Prozent. Denn Sie haben dann vielleicht ein paar hundert Euro eingezahlt, aber Ihre Erben bekommen 50.000 oder 100.000 Euro Todesfallleistung. Also wenn man das einfach auf die Rendite reduziert, dann ist das einfach ein Vergleich, der nicht in Ordnung ist.
Sprecher 2: Das wollen wir jetzt aber ja nicht hoffen, wenn Sie jetzt ein 25-Jähriger heute fragt, ETF-Sparplan oder Lebensversicherung. Was antworten Sie? Ganz ohne Verkaufsbrille.
Sprecher 3: Warum denn nicht beides? Beides ist im Sinne eines Portfolios eine gute Sache. Ein ETF-Sparplan ist sicherlich eine sinnvolle Sache, weil er gute Renditen zeigt, aber auch nur, wenn man es geschickt macht und auch dort breit streut. Also nicht einfach nur ein MSCI World Kauf mit 70 Prozent Amerika, sondern wenn man da auch ein bisschen sich anschaut, was man dort macht. Und eine Lebensversicherung ist die sichere Bank. Sie bietet einen Todesfall, auch einen Schutz seiner Liebsten und sie bietet die Möglichkeit auch einer Lebenden. lebenslangen Rente, denn ein ETF-Plan, den muss man dann auch erstmal in eine Verrentung bringen oder in einen Auszahlplan. Wer Komfort haben möchte, der nimmt dann eine Lebensversicherung und kann dann eigentlich sehr, sehr ruhig schlafen und hat keine Schwankungen an den Kapitalmärkten.
Sprecher 2: Aber ist es denn nicht so, wenn ich eine Lebensversicherung abschließe, dass die meisten Leute dann auch sagen, okay, wenn ich jetzt in Rente bin, dass ich dann meinen Betrag auszahlen lasse, anstatt die lebenslange Rente zu nehmen?
Sprecher 3: Wir haben beides. Wir bieten an auszuzahlen, aber wir haben vor allen Dingen die lebenslange Rente, die durchaus auch, gerade wenn die Lebensversicherung etwas größer ist, genommen wird. Ist es richtig, wir haben auch teilweise kleinere Lebensversicherungen, wo sich dann einfach eine Verrentung dann nicht lohnt, weil der Betrag vielleicht nur 20 oder 50 Euro im Monat ist. Aber eine richtige Lebensversicherung, die also wirklich über Jahrzehnte angespart ist, das ist schon eine sinnvolle Ergänzung. Auch geförderte Produkte wie die Riester-Rente. Sind ja ausgerichtet auf lebenslange Renten und ergänzen damit die lebenslange Rente der ersten Säule der staatlichen Versicherung.
Sprecher 2: Ja, aber was man ja schon sieht, ist, dass in absoluten Zahlen die Anzahl von Lebensversicherungen geht zurück und das Wachstum kommt nur noch aus Einmalbeträgen von Investoren, oder? Reicht das aus?
Sprecher 3: So kann man das nicht sagen. Erstmal muss man zur Kenntnis nehmen, dass zum Beispiel meine Generation, doppelt so groß war wie ihre Generation. Das heißt, wir haben einfach auch ein demografisches Thema. Sie müssten jetzt anfangen zu sparen. Bei mir ist es zu spät. Also insofern, ich kann Ihnen aber versichern, ich habe mehrere Lebensversicherungen und sehe daher dem Lebensabend gelassen entgegen. Aber wir müssen einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass wir einfach massive Veränderungen haben. Wir sind in einer alternden Gesellschaft und diese alternde Gesellschaft kauft einfach nicht so viel Lebensversicherung mehr.
Sprecher 2: Meine Generation finanziert ihre Generation, wogegen meine Generation wahrscheinlich am Ende, also ich glaube nicht dran, an eine staatliche Rente in die Röhre schaut. Also dieses Beitragsmodell funktioniert ja heute nicht mehr.
Sprecher 3: Ja, aber ich würde jetzt nicht so weinerlich sein an Ihrer Stelle, denn ich darf Ihnen verraten, dass meine Generation auch die Vorgängergeneration meiner Eltern finanziert hat. Das ist nun mal das Merkmal einer Umlageversicherung, wie sie die staatliche Rentenversicherung ist, wie sie Konrad Adenauer, der gerade seinen 150. Geburtstag gefeiert hat, oder nicht mehr persönlich, aber viele haben ihn gefeiert, der das 1957 eingeführt hat, weil man einfach gar nicht daran gedacht hat, dass so etwas passieren kann, dass die... Kinderzahl eben auf so niedrige Stände wie jetzt auf 1,3 runtergegangen ist und damit so ein Umlagesystem erheblich unter Druck kommt.
Sprecher 2: Der GDV warnt vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Banken und Neobro. Wir haben Versicherer Angst vor einer echten Konkurrenz durch einfache, günstige ETF-Produkte, weil ich schaue auch nicht so weinerlich in die Zukunft, weil mein ETF-Portfolio, mein Sparplan läuft ganz gut.
Sprecher 3: Ja, und wir würden da gerne auch wettbewerbsfähig Angebote anbieten. Deshalb haben wir heute auch darauf gedrungen, dass wir gesagt haben, wir wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen haben. Wir können auch Produkte anbieten, die hier wettbewerbsfähig sind zu Neobrokern und zu... Fondsgesellschaften und das haben wir vor. Leider, Artikel 6 vom VAG steht dem entgegen. Wir sind verpflichtet zur Beratung und das ist natürlich bei den Kosten, die ein ETF hat, da kriegen sie ja auch keine Beratung. Die müssen sich selbst kaufen beim Neobroker und selbst wenn sie zu einer Bank mit Service gehen, sagt ihnen die Bank, müssen sie selbst machen, bieten wir ihnen keinen Service. Da wollen wir nur gleiche Wettbewerbsbedingungen, dass wir auch digital standardisierte, geförderte Produkte genauso wie Neobroker verkaufen können. Und dann kann der Kunde entscheiden, ob das wettbewerbsfähig ist oder nicht.
Sprecher 2: Okay, das leuchtet mir ein hier. Würden Sie sagen, die Regulierung schützt nicht den Kunden, sondern bremst eher die Innovation?
Sprecher 3: Genau so ist es.
Sprecher 2: Wäre das das drängendste Problem für Sie, was die Bundesregierung angehen sollte? Oder gäbe es ein anderes Thema, was Sie sagen würden, das würde ich mir von denen wünschen?
Sprecher 3: Also das wäre schon mal wichtig, um hier ein gleiches Level Playing Field zu haben. Wir sagen, dass uns wichtig ist, dass wir als Versicherer auch mit machen können bei geförderter Altersversorgung, privater geförderter Altersversorgung, bei der Frühstartrente. Was uns aber besonders wichtig ist und das wird jetzt hoffentlich auch die neue Rentenkommission, die aufgesetzt ist, machen, nämlich eine Stärkung auch der betrieblichen Altersversorgung. Wir sehen da riesige Potenziale, auch durch ein Opt-out-Verfahren hier viel mehr Beschäftigte in eine betriebliche Altersversorgung hineinzubringen. Mit einer Enthaftung der Arbeitgeber, sodass auch die Arbeitgeber Spaß daran haben, möglicherweise mit einem Investment gesparter Sozialversicherungsbeiträge. Die steigen ja bei uns ins Unermessliche. Wir liegen ja schon bei über 40 Prozent. Wir gehen in Richtung 50. Also das lohnt sich richtig, da auch etwas zu machen. Und die Arbeitgeber, wir haben dort Sozialpartnermodelle, die wir zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften dann zusammen betreiben. Ich nenne mal als Beispiel das Sozialpartnermodell der Chemieindustrie. Das läuft sehr einvernehmlich, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen entscheiden, wie das Geld angelegt wird. Das ist sehr professionell und wir hoffen, dass da ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Altersversorgung passieren wird. Und wir werden sehen, dass wir beim Richtung Rendite, Enthaftung und auch Portabilität, dass also Mitarbeiter, die auch mal wechseln ihren Arbeitgeber, dass sie das Ganze auch mitnehmen können.
Sprecher 2: Wie bewerten Sie denn die Frühstadtrente? Die Frühstadtrente soll in ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot fließen. Da werden Versicherungen wohl eher keine Rolle spielen, oder?
Sprecher 3: Das ist ein Trugschluss. Wir sind ausdrücklich mit dabei und selbstverständlich ist eine Versicherung auch per Definition ein Altersvorsorge-Depot.
Sprecher 2: Lassen Sie uns noch über Ihre Branche im Allgemeinen sprechen. Sie sind ja auch der Verbandspräsident, deswegen sei eine Frage erlaubt. Es gibt in Deutschland noch immer ca. 500 Versicherungsunternehmen. Ist der Markt nicht zu sehr zersplittert und damit ineffizient für Kunden?
Sprecher 3: Wir sehen, dass die Zahl der Versicherer abnimmt. Wir haben gerade im Verband festgestellt, dass wir acht Mitglieder verloren haben. Also es setzt eine gewisse Konsolidierung im Verband auch ein. Und ja, all die Tendenzen, die wir sehen in technologischer Hinsicht, dass dort größere Einheiten... Sozusagen eine bessere Positionierung haben. Und das kann schon sein, dass wir hier in den nächsten Jahren sehen werden, dass eine Konsolidierung so wie im Maklerbereich, Versicherungsmaklerbereich, auch bei den Versicherern stattfindet oder einfach auch Austritte aus dem Markt.
Sprecher 2: Und diese Konsolidierung halten Sie auch für richtig?
Sprecher 3: Ich will die nicht bewerten. Wir versuchen als R&V, dass wir auf jeden Fall zu denen gehören, die weiter erfolgreich wachsen können.
Sprecher 2: Und können Sie dazu schon was sagen? Was geben die neuen Zahlen für einen Ausblick?
Sprecher 3: Wir sind stärker gewachsen als der Markt und deshalb freuen wir uns.
Sprecher 2: Sehr gut. Letzter Punkt. Frage ganz direkt, was ist für Versicherer das größere Risiko? Eine Welt ohne Versicherung oder Versicherung ohne Vertrauen?
Sprecher 3: Versicherung ohne Vertrauen wäre ganz schlecht. Wir stehen für Zuverlässigkeit, Solidität und deshalb wird es keine Welt ohne Versicherung geben.
Sprecher 2: Herr Rollinger, vielen Dank fürs Gespräch.
Sprecher 3: Sehr gerne.