Wer bekommt die Kontrolle über die Arktis?
Die Arktis ist zum geopolitischen Hotspot geworden. China Table-Redakteur Fabian Peltsch berichtet von der Arctic Frontier Konferenz in Norwegen über das Ringen um Einfluss zwischen Russland, China, Europa und den USA. Russland sieht die Region als zentral für seinen Weltmachtstatus und baut seine militärische Präsenz aus, gleichzeitig gibt es Spannungen mit China trotz engerer Zusammenarbeit.
[01:47]
Berlin kommt mit Eis und Schnee nicht zurecht. Tausende Unfälle auf spiegelglatten Straßen und Wegen hat es schon gegeben. Erst spät hat man in der Hauptstadt entschieden, Streusalz einzusetzen. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kritisiert im Gespräch mit Laura Block Mitglieder des Senats, an dem die Sozialdemokraten beteiligt sind. Krach sieht Fehler bei Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) und beim Regierenden Bürgermeister Kai Wegner.
[07:32]
Donald Trump ist inzwischen länger als ein Jahr im Amt. Er baut die USA nach seinen Vorstellungen um. Der Historiker Thomas Zimmer zieht eine Zwischenbilanz des autoritären Kurses der Trump-Administration. Es gibt Hoffnung für die Demokratie: Der Widerstand wächst – Trumps Beliebtheitswerte sind historisch niedrig, überall stoßen seine Massendeportationspläne auf Protest.
[11:04]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Noch vor einem Jahr, da sprach man über die Arktis, ein bisschen nostalgisch vielleicht. Die Wissenschaftler interessierten sich dafür und Dokumentarfilmer. Aber seitdem hat sich vieles verändert und jetzt ist die Arktis zu einem zentralen Ort geopolitischer Interessen und auch Auseinandersetzungen geworden. Bei der Arctic Frontier Konferenz in Norwegen wird gerade über die Zukunft der Arktis diskutiert und unser Kollege vom China Table, Fabian Peltsch, ist vor Ort und weiß, wer welche Ansprüche erhebt.
Sprecher 3: Eiskalt und vor allen Dingen spiegelglatt ist es im Norden und Osten des Landes. Und die Winterdienste, die kommen da kaum noch hinterher. Vor allem in Berlin funktioniert es mal wieder nicht. Erst sehr spät und nach sehr vielen Unfällen hat man sich entschieden, den Einsatz von Streusalz doch zu erlauben. Warum Berlin mit dem Wetter nicht klarkommt, das will Laura Block vom SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach wissen.
Sprecher 2: Seit etwa einem Jahr ist Donald Trump jetzt schon im Amt und bringt die Weltpolitik ordentlich durcheinander. Und das ist wirklich gelinde gesagt. Man kann auch sagen, es ist ein ziemlich tiefer Graben entstanden zwischen Europa und Amerika, den einst so eng Verbündeten. Und auch innenpolitisch ist einiges ins Rutschen geraten in den USA. Wie sieht die erste Zwischenbilanz aus und was kann man von Trump noch erwarten? Das fragen wir den Historiker und US-Experte Thomas Zimmer.
Sprecher 3: Was interessiert die Deutschen eigentlich so im Internet? Google hat jetzt veröffentlicht, was die größten Trendsuchanfragen im letzten Jahr waren, mit einem doch ziemlich überraschenden Ergebnis, wie ich finde. Darüber sprechen wir auch noch an diesem Mittwoch, den 4. Februar.
Sprecher 2: Die Arktis ist der neue geopolitische Hotspot und selbst Staaten, die gar keinen Zugang zur Arktis haben, interessieren sich seit kurzem für den eisigen Norden. Spätestens seit der Grönland-Debatte ist klar, wer jetzt nicht handelt, der hat später das Nachsehen. Der Fokus legt längst nicht mehr nur auf Umweltfragen und Forschungsstationen, sondern auch beim Thema Sicherheit. Wie sehen eigentlich die Strategien der unterschiedlichen Player aus? Wo zeichnet sich jetzt schon Konfliktpotenzial ab, aber wo gibt es vielleicht auch gemeinsame Aktivitäten? Das weiß Fabian Peltsch, unser Kollege des China Table. Er ist auf der Konferenz in Tromsø, ganz oben im Norden Norwegens. Hallo Fabian, schön, dass du da bist.
Sprecher 4: Hallo Elena.
Sprecher 2: Ja, also die großen Mächte, die streiten sich jetzt um den Einfluss in der Arktis, China, Russland, Europa, USA. Wo gibt es da die größten Konflikte? Was hast du auf der Konferenz gehört?
Sprecher 4: Eine große Besorgnis ist nach wie vor in erster Linie noch Russland tatsächlich, weil die Arktis ist für Russlands Anspruch auf Weltmachtstatus zentral. Also Russland möchte da militärisch die Arktis noch mehr zur Schlüsselregion ausbauen, zur Abschreckung, zur Verteidigung der Grenze. Russland besitzt die längste arktische Grenze, also alle Anrainerstaaten da oben. Also Russland ist auf jeden Fall ein... riskanterer Faktor geworden, weil alle wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kooperationen nach der Ukraine-Krise eingefroren wurden. Macht natürlich Sinn, aber es macht die ganze Sache natürlich noch intransparenter, zum Beispiel auch was die Zusammenarbeit mit China angeht, weil China und Russland enger zusammenrücken in der Arktis, also auch Manöver durchgeführt haben, chinesische Bomber in der Beringstraße, also diesen kleinen Weg zu Alaska, geflogen sind und das sind alles Neuerungen, aber auch China und Russland haben Konfliktlinien miteinander. Also wie gesagt, Russland zementiert da seinen Weltmachtstatus. Das heißt, Russland will auch nicht, dass China sich dazu sehr breit macht. Und als zum Beispiel China sich 2013 als sogenannter arktischer Beobachterstaat beworben hat, war Russland, war Moskau dagegen. Das heißt, es gibt da tiefsitzendes Misstrauen, das bis heute anhält und das ist so ein Balanceakt, der da passiert.
Sprecher 2: Schauen wir mal auf die Europäer. Es gibt ja Forderungen, dass die Europäer die Arktis endlich auch als wichtiges, auch strategisches Feld ansehen sollten und endlich eine europäische Arktis, eine europäische Grönlandstrategie entwickeln sollten. Wie weit sind Sie damit jetzt gekommen?
Sprecher 4: Ja, das ist jetzt, würde ich sagen, auch ein dringendes Thema geworden. Also Frau Kallers hat das auch nochmal betont, dass der Fokus ein bisschen weggeht von klassischen Betonungen, von Wissenschaft. von Nachhaltigkeit, von Klimaschutz. Und das ist jetzt eben eine aktualisierte Arktis-Strategie Hermos mit Fokus auf Sicherheit, mit Fokus auf maritime Überwachung, aber auch Cyberabwehr. Und dann geht es natürlich auch um den Schutz kritischer Infrastruktur.
Sprecher 2: Dann ist ja noch die Frage, was ist mit den Seewegen? Die sind ja derzeit nicht offen, sondern noch von Eis versperrt. Aber wenn die Klimakrise weiter so voranschreitet, die Erderwärmung, dann könnte es eben auch sein, dass man über die Pole in absehbarer Zeit mit den Schiffen fahren kann. Welche Rolle spielt das bei dem Kampf um die Vormacht in dieser Region?
Sprecher 4: Zuerst muss man mal klarstellen, wenn man über diese nördliche Seeroute spricht, selbst wenn die einigermaßen eisfrei ist, ist das trotzdem immer noch eine sehr schwere See. Also es gibt da Treibeis, wirklich unberechenbares Extremwetter. Experten rechnen mit einer wirklich problemlosen Durchfahrt erst tatsächlich so frühestens ab Mitte des Jahrhunderts. Und auch dann wegen diesen Extremwetterbedingungen auch nur saisonal. China ist da tatsächlich weit vorne, das im kleineren Rahmen schon mal so vorauszudenken. Im vergangenen Jahr haben sie schon mal so testweise ein kleines Handelsschiff da durchgeschickt, aber wirklich nur in diesem winzigen Zeitfenster August, September.
Sprecher 2: Und sag mir nochmal, Fabian, das Thema Rohstoffe in der Arktis. Ist da eigentlich schon klar, wem was gehört oder tobt auch darüber jetzt der Streit zwischen... In den Großmächten.
Sprecher 4: Also Küstenstaaten besitzen die Rohstoffe bis 200 Seemeilen von ihrer Küste. Also das ist dann die ausschließliche Wirtschaftszone. Hier dürfen sie Bodenschätze erkunden und fördern. Und dann haben die Staaten aber auch Ansprüche auf den Festlandsockel ihres jeweiligen Landes, wo sie aber geologisch nachweisen müssen, dass der Meeresboden dort eine natürliche Verlängerung ihres Staatsgebietes ist. Es gibt aber auch überlappende Festlandsockelansprüche, also auch in Grönland zwischen Russland, Kanada und Dänemark. Zum Beispiel in Grönland ist ja auch die Frage, kann man da mehr abbauen, wenn das eisfreier wird? Und es wird oft gesagt, China würde Grönland aufkaufen. Ich habe mich heute mit einem Wissenschaftler unterhalten, der da seine Doktorarbeit zugemacht hat und dazu forscht. Und tatsächlich gibt es momentan keine chinesische Investition, die am Laufen ist in Grönland, um Sachen abzubauen. Die ganzen Dinge, die vorgeschlagen wurden, die wurden entweder gecancelt oder pausiert und das in der Regel aus Sicherheitsgründen. Also es ist schon so, dass die USA da in den vergangenen Jahren viel Druck ausgeübt haben auf Dänemark und Dänemark hat da interveniert. Das heißt, da passiert eigentlich schon längst was, um da eigene Interessen zu sichern und ein bisschen andere Interessen abzublocken.
Sprecher 2: Vielen Dank, Fabian, für deine Einschätzung zur Lage in der Arktis aus Tromsø.
Sprecher 4: Sehr gerne.
Sprecher 2: Knapp 2000 Unfälle gab es in Berlin wegen der Glätte in den letzten Tagen und zwar 2000 pro Tag. Teilweise waren es so viele auf einmal, dass die Berliner Feuerwehr keinen einzigen freien Rettungswagen mehr hatte. Die Kälte und das damit verbundene Eis sorgt für Probleme und Berlin, leider, die Hauptstadt, ist schon wieder diejenige, die am schlechtesten mit diesen Witterungsbedingungen zurechtkommt. Erst vor einigen Tagen wurde der Einsatz von Tausalz dann doch erlaubt, um die Lage irgendwie in den Griff zu bekommen. Aber so richtig gut läuft es nicht. Warum macht Berlin seinem schlechten Image wieder alle Ehre? Das möchte unsere SPD-Korrespondentin Laura Block von Steffen Krach wissen. Er ist der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten und möchte gerne im Herbst Bürgermeister dieser Stadt werden.
Sprecher 5: Guten Morgen, Herr Krach.
Sprecher 6: Schönen guten Morgen.
Sprecher 5: Herr Krach, wie oft sind Sie denn eigentlich in den vergangenen Wochen ausgerutscht?
Sprecher 6: Ich habe es bisher tatsächlich geschafft, noch nicht richtig hinzufallen, aber ich bin schon das ein oder andere Mal in Straucheln gekommen.
Sprecher 5: Verkehrssenatorin Ute Bonde bat ja bereits Anfang Januar das Abgeordnetenhaus, eine Gesetzesänderung zu erlassen, damit eben doch Streusalz verwendet werden darf. Aber da hat die SPD abgelehnt und da frage ich mich, ist da nicht die SPD am Ende die Partei, die ein schnelles Handeln verhindert?
Sprecher 6: Nein, ist die SPD nicht. Ich habe innerhalb kürzester Zeit als Landesvorsitzender ganz klar die Position der SPD auch kommuniziert. Wenn der Landesvorsitzende der CDU, Kai Wegner, Interesse gehabt hätte, hätte er mich jederzeit anrufen können und wir hätten das innerhalb kürzester Zeit auch miteinander klären können. Es gibt da eine klare Position der SPD zu, dass wir das Streusalz erlauben wollen. Allerdings muss man auch ganz klar sagen, das hat dann ja nun auch die Senatorin und auch der noch regierende Bürgermeister erkannt, dass auch ohne eine Gesetzesänderung das möglich gewesen wäre, schon frühzeitiger auch das Streusalz tatsächlich hier auf die Straßen zu bringen. Also von daher ein absolutes Versäumnis sowohl von Kai Wegner als auch von Frau Bonde.
Sprecher 5: Also seit Freitag darf ja per Anordnung, Sie haben es gerade schon gesagt, doch Streusalz verwendet werden. Aber wenn ich jetzt mal so aus dem Fenster schaue und bei meinen Spaziergängen, muss ich dann doch feststellen, dass da immer noch nicht so viel passiert ist. Also Streusalz ja, aber trotzdem nicht auf den Straßen. Warum nicht?
Sprecher 6: Das ist dann jetzt eine Managementaufgabe, die hätte man auch schon deutlich früher begonnen müssen. Das ist die Verantwortung von Frau Bonde, das muss man ganz klar sagen. Es gibt Zuständigkeiten. Ich will aber auch ausdrücklich sagen, auch die Hauseigentümer sind ein Stück weit dafür verantwortlich, dass vor den Türen tatsächlich dann auch der Schnee beseitigt wird und auch das Eis beseitigt wird. Auch da würde ich sagen, hat jeder auch ein Stück weit eine eigene Verantwortung. Also jeder im Sinne der Hauseigentümer. sind dafür eben auch verantwortlich. Da würde ich mir wünschen, dass der eine oder andere das auch konsequenter macht. Und wenn da diese Aufgabe nicht gerecht wird, dann muss es so wie in anderen Bereichen auch eben auch Bußgelder geben. Das ist völlig klar.
Sprecher 5: Also Sie plädieren dafür, dass die Hausverwaltung Bußgelder jetzt erhalten, einen Bußgeldbescheid?
Sprecher 6: Wir sollten ganz klar klären, dass wenn sich an diese Vorgaben nicht gehalten wird, das ist dann...
Sprecher 5: Aber wurde ja nicht.
Sprecher 6: Genau, dann muss es auch Bußgelder geben.
Sprecher 5: Herr Krach, vielen Dank für das Gespräch.
Sprecher 6: Ganz herzlichen Dank.
Sprecher 7: It is hard to find even a sliver of good news for Donald Trump in our brand new exclusive national poll here at CNN.
Sprecher 8: I'll give you a baseline. I'll just say there has been a massive backlash against the president of the United States.
Sprecher 9: President Trump's approval rating continues to drop. The latest Pew Research Center poll has President Trump's approval rating at 37 percent, the lowest of his second term. New Fox News polls find that the majority of voters believe the country's worse off today than it was a year ago.
Sprecher 8: A lot of it, I believe, has to do with what's going on in Minneapolis.
Sprecher 7: Take a look around at where we are one year into this. There's pushback everywhere, including in red states, red counties, and red cities that says no. Are they going to be able to keep up their military-style invasion of U.S. Cities? Minneapolis says no. And the whole country says no with them. Are they going to be able to arrest their way through their enemies and through the journalists they single out? No, they're not. They're going to try, but no, they're not. What we do right now determines the fate of this country.
Sprecher 3: Keine Woche ohne Schlagzeilen von Donald Trump. Der US-Präsident war im vergangenen Jahr sehr umtriebig, um es mal so positiv wie möglich zu formulieren. Wir erinnern uns an das Hin und Her in der Ukraine-Unterstützung, den Gaza-Deal, den er eingefädelt hat, den Zollstreit, den er mit der ganzen Welt angezettelt hat, der drohende Handelskrieg mit China, der Angriff auf den Iran, die Grünlandfrage und die Entführung von Benesur. Elas, Machthaber Maduro, das sind nur ein paar Dinge, die allein in den letzten zwölf Monaten immer wieder für Aufsehen gesorgt haben. Aber auch innenpolitisch fährt Trump einen harten Kurs, vor allen Dingen gegen Migranten und die von ihm so verhasste woke Bewegung. Wie kann man das erste Jahr seiner Amtszeit bewerten und was kommt da in den nächsten Jahren noch auf uns zu? Das hat Tim Gabel, unser Kollege vom Research Table, mit dem Historiker und US-Experten Thomas Zimmer diskutiert. Hallo Thomas.
Sprecher 10: Hallo, guten Tag.
Sprecher 3: Ein Jahr Trump ist vorbei. Er galt vor der Machtübernahme besser vorbereitet als vor seiner ersten Amtsperiode. Was hat er denn von den Plänen umgesetzt, besonders vom rechten Fording Kaplan Project 2025?
Sprecher 10: Die Zwischenbilanz fällt so ein bisschen ambivalent aus. Mein Eindruck ist, dass jetzt im Moment etwas überschätzt wird. Da herrscht so ein bisschen der Eindruck, da werde jetzt mit großer Stringenz und ganz effektiv werde sozusagen dieser Masterplan umgesetzt. Ich glaube, ganz so ist es nicht in manchen Bereichen. Dazu gehört sicherlich vor allem der Angriff auf die staatlichen Institutionen, auch auf die Wissenschaftsinstitutionen, Universitäten. Da orientieren die sich schon sehr stark und sehr genau an dem, was sie da aufgeschrieben haben vorab oder was sie geplant haben oder bedienen sich vor allem auch der Mittel, die da in diesem Project 2025 sozusagen als Mittel der Wahl beschrieben waren, nämlich per präsidialer Sonderverordnung sozusagen am Kongress vorbei und an jeder demokratischen Kontrolle vorbei, jetzt das System umzugestalten. In anderen Bereichen, da ist das, was jetzt... da alles passiert, nicht einfach nur Umsetzung von Project 2025. Ich glaube zum Beispiel diese Massendeportationsversuche, auch diese Eskalation jetzt der Gewalt auf den Straßen, gerade jetzt im Moment in Minneapolis, das ist nicht einfach eins zu eins Project 2025. Da spielen auch andere Gruppierungen innerhalb der Magerkoalition, andere Fraktionen eine Rolle. Aber insgesamt ist schon so, dass die mit ihrem Versuch, das ja im Kern, sondern das Anliegen von Project 2025, nicht einfach nur Politikwechsel zu machen, sondern einen Systemwechsel zu forcieren, also diesem Land eine autoritäre Ordnung aufzuzwingen, politische und auch gesellschaftliche Ordnung aufzuzwingen. Damit sind die schon, muss man leider sagen, jetzt nach einem Jahr Trump an der Macht erschreckend weit gekommen.
Sprecher 11: Die meisten fragen sich vermutlich, worauf wir uns in den kommenden drei Jahren jetzt noch einstellen müssen. Was sind seine Ziele? Viele legen ihre Hoffnung jetzt auf die Midterms in diesem Jahr. Wird Donald Trump dann wirklich zu lame duck, wenn sich die Machtverhältnisse zugunsten der Demokraten verschieben?
Sprecher 10: Naja, in gewisser Weise greifen ja diese Lame-Duck-Dynamiken auch jetzt schon. Das wird jetzt, glaube ich, im Moment vielleicht ein bisschen unterschätzt, auf wie viel Widerstand Trump und die Trumpisten zuletzt gestoßen sind. Trump ist ungeheuer unbeliebt, historisch fast präzedenzlos unbeliebt. Auch seine Agenda, der steht eine klare, deutliche, stabile Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft entgegen. So hat sich das ja auch Anfang November in Wahlen im ganzen Land ausgedrückt, wo die Republikaner eine verheerende Niederlage hinnehmen mussten. Es drückt sich auch in diesen Protesten aus. Im Herbst hatten wir mit diesen No-Kings-Protesten, das waren mit die größten Proteste der jüngeren amerikanischen Geschichte. Es drückt sich jetzt auch auf den Straßen, überall dort aus, wo Trump ICE und Border Patrol hinschickt, um diese Massendeportationspläne umzusetzen. Da steht dem ja die lokale Bevölkerung entgegen. Und es ist schon so, dass die Trumpisten da wirklich auf Widerstände stoßen. Ich würde es mal so formulieren, die autoritären Ambitionen dieser Trump-Regierung und von Trump selber, die sind eigentlich ziemlich grenzenlos, aber deren Fähigkeit, diese Ambitionen auch umzusetzen, der sind Grenzen gesetzt. Da gibt es Grenzen und das darf man jetzt auch nicht unterschätzen. Ich glaube eigentlich nicht, dass sich die USA trotz der dramatischen Eskalation, die wir da gerade jetzt erleben, auch der gewaltsamen Eskalation in den Straßen, ich glaube eigentlich nicht, dass die USA auf dem Weg in Richtung stabile, konsolidierte Trump-Diktatur sind. Ich fürchte nur, dass auf dem Weg, bei dem Versuch, so eine autoritäre Ordnung zu errichten, die Trumpisten, selbst wenn sie dann am Ende damit scheitern sollten, so viel Schaden anrichten, dass da auch vom demokratischen System am Ende wenig übrig geblieben sein wird. Also ich fürchte, das geht vor allem in Richtung eines Trümmerhaufens und da wird es kein einfaches Zurück zu einem Status vor Trump geben, keine einfache Rückkehr zu 2016 oder so, sondern die USA werden da am Ende vor einer ganz schwierigen Aufgabe eigentlich des Neuaufbaus und der Transformation stehen.
Sprecher 11: Du bist selbst mit deiner Familie erst vor rund einem halben Jahr aus Washington. In D.C. Zurückgekommen, wo du an der Georgetown University als Professor gearbeitet hast. Die Rückkehr hat jetzt mit Trump nichts zu tun, aber wie ist deine Wahrnehmung? Auch hier in Deutschland gab es im ersten Jahr kaum einen Tag ohne Trump auf der Titelseite oder als Top-Meldung. Hat dich das überrascht, als du zurückgekommen bist?
Sprecher 10: Also ich will vielleicht zunächst mal sagen, das hatte mit Trump schon was zu tun. Es war nur nicht ausschließlich Trump, aber die politischen Verhältnisse in den USA hatten eine ganze Menge damit zu tun, dass wir uns entschieden haben, dass das dort für uns so nicht weitergeht. Unter anderem ja, weil ich doch auch mit verschärften... Anfeindungen bis hin zu ganz konkreten Drohungen in den USA zu tun hatte, weil ich mich eben dort ja auch aktiv öffentlich in die politische Diskussion eingemischt habe. Das war nicht der einzige Grund, aber das hatte schon was damit zu tun, dass wir die USA verlassen haben. Hier in Deutschland ist es in der Tat auffällig, wie groß das Interesse ist an den USA. Interesse, das klingt jetzt fast zu vorsichtig. Also wie viel Aufmerksamkeit das bekommt, was in den USA passiert, das ist ja auch berechtigt. Also die USA sind leider, muss man sagen, im Moment so wichtig, so mächtig, politisch, ökonomisch, auch militärisch. Dass das, was den USA jetzt innenpolitisch passiert, offensichtlich dem Rest der Welt nicht egal sein kann. Jetzt kommt auch noch dieses aggressive Ausgreifen nach außen, diese quasi imperiale Machtpolitik dazu. Dann kann es uns sowieso nicht mehr egal sein. Also es ist ja auch berechtigt, dass wir da so auf die USA gucken. Und ich glaube auch, dass in Deutschland da vielleicht die Menschen ganz zu Recht, selbst wenn sie es vielleicht gar nicht so aktiv so formulieren würden, eigentlich ein kluges Verständnis dafür, dass das, was da in den USA passiert, wirklich auch im Kern etwas damit zu tun hat, wie es bei uns in Deutschland gesellschaftlich und politisch weitergeht. Denn im Kern, das glaube ich wirklich ganz fest, ist das eigentlich ein ähnlicher Konflikt, der uns auch in Deutschland gesellschaftlich und politisch bestimmt, nämlich im Kern die Frage, ja, kann das eigentlich klappen, diese Demokratie unter den Bedingungen einer pluralen, also religiös, kulturell, ethnisch pluralen Gesellschaft, kriegen wir das hin, demokratisch, oder setzen sich da am Ende die Stimmen durch, die Reaktionären, die Rechtsnationalen, die völkischen Stimmen, die sagen, nein, das wollen wir gar nicht, wir wollen so eine plurale Demokratie gar nicht. Das ist ja im Kern der Konflikt, der sich da in den USA in zugespitzter Weise abspielt. Und dieser Konflikt, der hat ja auch ganz viel damit zu tun, was in Deutschland die politische und gesellschaftliche Lage bestimmt. Und insofern glaube ich, merken Leute, dass das, was da passiert, etwas damit zu tun hat, was auch bei uns los ist.
Sprecher 11: Du hast es gerade selber gesagt, du hast lange in der US-Wissenschaft gearbeitet. Fakten und die Suche nach Wahrheit haben ja auch gerade keine wirklich gute Konjunktur in der US-Politik. Auch Forschung und Universitäten sind im ersten Jahr stark unter Druck geraten. Wie passt das da rein? Warum ist auch die Wissenschaft zum Staatsfeind geworden?
Sprecher 10: Autoritäre Bewegungen können eigentlich grundsätzlich diese freien, freidenkenden, pluralen Räume, die ja Wissenschaft und Universitäten darstellen, eigentlich grundsätzlich nicht so richtig dulden. Das steht eigentlich grundsätzlich diesem autoritären Projekt der Kontrolle entgegen. Insofern ist ja kein Zufall, dass in allen autoritären Bewegungen, egal wo wir hingucken, ein gutes Beispiel ist immer Orban in Ungarn, überall geraten Universitäten zum Beispiel immer eigentlich sofort, werden sofort zur Zielscheibe dieser autoritären Angriffe. Das ist sozusagen der allgemeine Grund. Der etwas spezifischere Grund ist, dass für die Trumpisten feststeht, dass eigentlich in den USA so eine Art linke, so nennen die das jedenfalls, linke Revolution stattgefunden habe über die vergangenen 100 Jahre hinweg und zugespitzt in den letzten 10, 20 Jahren, wo sich vermeintlich linke, anti-amerikanische, globalistische, das sind jetzt die Begriffe, die die Trumpisten benutzen, globalistische Eliten festgesetzt hätten in bestimmten Bereichen der Gesellschaft und vor allem in bestimmten Institutionen. Da glauben die vor allem, dass das in den staatlichen Institutionen, also vor allem in den Behörden, im Verwaltungsstaat der Fall sei, aber eben auch in bestimmten zivilgesellschaftlichen Institutionen, allen voran in diesen Wissenschaftsinstitutionen und den Universitäten. Also sie glauben fest daran, dass das Hochburgen eines linken, globalistischen, anti-amerikanischen Angriffs auf die Nation sei, dass von diesen Universitäten aus dieses linke, globalistische Projekt vorangetrieben werde und dieses linke, anti-amerikanische Gedankengut in die amerikanische Gesellschaft hineingetragen werde. Und deshalb sind die fest davon überzeugt, dass es da jetzt, so nennen die das selber, eine Gegenrevolution bräuchte, Counter-Revolution, so nennen die selber ihr Projekt, diese Institution wieder zurückzuerobern sozusagen, also von rechts zurückzuerobern. um diese linke, woke, globalistische Macht zu brechen. Also da spielen insofern die Universitäten eine ganz wichtige Rolle in deren Vorstellung davon, wer der Feind ist im Inneren und wie man diese feindliche Macht brechen könne. Und deshalb meinen die das unbedingt ernst, wenn die sagen, das ist ja jetzt schon vor Jahren, hat ja schon J.D. Vance, jetzt Vizepräsident, gesagt, die Professoren sind der Feind, die Universitäten sind der Feind. Das meinen die insofern unbedingt ernst.
Sprecher 11: Vielen Dank, Thomas. Mehr davon gibt es auch in deiner Kolumne beim Research Table, in der du über die US-Wissenschaft und die Auswirkungen der Trump-Administration schreibst. Danke für das Gespräch.
Sprecher 10: Vielen Dank.
Sprecher 3: Helene, war noch was?
Sprecher 2: Flo, wir ergoogeln uns ja den ganzen Tag irgendwelche Dinge und mittlerweile übrigens ganz interessant hat sich ja das völlig verändert, weil man ja jetzt die KI-Zusammenfassung hat und die sind übrigens auch ins Visier geraten der Medienanstalten, die sich fragen, wer macht eigentlich den Algorithmus, der uns diese Zusammenfassung ausspuckt. Das alte Googeln also gilt fast schon als umständlich. So schnell ändern sich die Zeiten. Aber interessant ist, was die wichtigsten Suchbegriffe im vergangenen Jahr waren. Und fangen wir mal an mit Platz 3. Das ist auch schon wirklich interessant. Von allem, was die Leute bei Google in diese Zeile eingegeben haben, lag auf Platz 3 Frauenfußball-EM. Also so viel zum Thema, die Deutschen glauben, dass nur Männer Fußball spielen können. Das stimmt ganz offenkundig längst nicht mehr.
Sprecher 3: Ja, auch der Platz 2 ist tatsächlich ein sehr sportlicher Platz. Da geht es um die Handball-WM aus dem letzten Jahr. Zur Erinnerung, die spielen jedes Jahr ein großes Turnier. Und Platz 1 ist nicht sportliches Helene, sondern etwas, womit man wahrscheinlich vorher nicht so richtig gerechnet hat.
Sprecher 2: Ja, auf Platz 1 liegt tatsächlich die Bundestagswahl. Die ja im vergangenen Jahr stattgefunden hat. Das Hochamt der Demokratie, also so hat man sich das vorgestellt, wahrscheinlich 1949. Jetzt dürfen die Deutschen frei wählen und freuen sich darüber, dass sie, wenn es mal ein Internet gibt, auch Bundestagswahl eintragen. in das Suchfeld, die Visionäre damals. Nein, aber ich finde es wirklich interessant, weil man ja den Eindruck hat, dass Wählen so ein bisschen eine lästige Pflicht ist und viele diese Pflicht ja auch gar nicht mehr wahrnehmen. Oder wenn dann eben lustlos mit einem Ohnmachtsgefühl eben nicht in dem Glauben, dass sie etwas verändern können, sondern dass irgendwie, ja, diese Systemverachtung oder jedenfalls diese Systemmüdigkeit, so könnte man auch glauben, greift doch sehr um sich. Diese Nachricht lehrt uns doch jetzt das Gegenteil. Offensichtlich interessieren sich die Menschen für die Bundestagswahl, für die Demokratie und damit auch für die Grundlagen unseres politischen Systems, von dem ich ja immer noch glaube, dass wir stolz drauf sein können.
Sprecher 3: Auf jeden Fall ein interessanter erster Platz aus dem Jahr 2025. Trotzdem wird es wahrscheinlich viele geben, die irgendwie bei Google was eingegeben haben und hinterher noch da saßen und sagen, ich habe immer noch nicht gefunden, wonach ich gesucht habe, aber dafür ganz viele andere Informationen bekommen. Auch das gehört immer noch zum Teil der Suchmaschinen.
Sprecher 2: Bis Donnerstag, wenn Sie Lust haben. Ich würde mich freuen und Flo sicher auch. Tschüss.
Sprecher 3: Ciao.
Sprecher 12: What a love you've got.