Die Rache der Mullahs
Nach der blutigen Niederschlagung der Proteste im Iran gibt es nach wie vor keine umfassenden Informationen. Es gibt Berichte, wonach mehr als 30.000 Menschen getötet worden sind. Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg hat Familie im Iran und hat immer mal wieder Kontakt ins Land. „Jeder, der jetzt noch auf die Straße geht, um zu protestieren, weiß, dass er möglicherweise in einer der Leichenhallen landet", sagt Badenberg im Gespräch mit Helene Bubrowski.
[10:28]
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ist zu seinem Antrittsbesuch nach Warschau gereist. Mit seinem polnischen Kollegen Andrzej Domański hat er über verstärkte europäische Zusammenarbeit vor allem auch im Verteidigungsbereich gesprochen.
[01:30]
Verdi hat gestern mit einem Warnstreik den öffentlichen Nahverkehr in fast allen Bundesländern lahmgelegt. Die Gewerkschaft fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich – das entspricht einer Lohnerhöhung von 12 Prozent. Dazu kommen Forderungen nach kürzeren Schichtzeiten, längeren Ruhezeiten, höheren Zuschlägen und 33 Urlaubstagen.
[06:37]
Hier geht es zur Anmeldung für den Space.Table
Table Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/testen
Hier geht es zu unseren Werbepartnern
Impressum: https://table.media/impressum
Datenschutz: https://table.media/datenschutzerklaerung
Bei Interesse an Audio-Werbung in diesem Podcast melden Sie sich gerne bei Laurence Donath: laurence.donath@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Nach neun Monaten also der Antrittsbesuch bei unserem Nachbarn Polen. Finanzminister Lars Klingbeil war gestern für einen Kurztrip in Warschau. Und ist das nun die Wiederbelebung des Weimarer Dreiecks, wie es der Kanzler gefordert hat, oder nur ein nettes Hallo sagen oder hat er was anderes im Sinn? Das erzählt uns gleich unsere SPD-Korrespondentin Laura Block, die den Vizekanzler begleitet hat.
Sprecher 3: Keine U- und Straßenbahn und auch keine Busse. Der Nahverkehr stand gestern in fast allen Bundesländern so gut wie still. Ja, und mittlerweile sollten zumindest alle wieder planmäßig fahren, aber so hundertprozentig funktioniert das noch nicht. Verdi hatte zum bundesweiten Warnstreik aufgerufen. Aber warum eigentlich? Genau darüber müssen wir auch nochmal sprechen.
Sprecher 2: Und außerdem müssen wir uns mit dem Iran beschäftigen, wo das Mullah-Regime mit größter Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Außerdem droht das Regime der EU und hat diverse europäische Armeen zur Terrororganisation erklärt. Was das bewirken soll und wie die Lage vor Ort ist, darüber sprechen wir mit der im Iran geborenen Berliner Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz, Philo Badenberg.
Sprecher 3: Und zum Schluss müssen wir über ein neues Social-Media-Netzwerk reden. Moldbook heißt es, aber kein Mensch kann hier was posten. Schön, dass Sie wieder mit dabei sind. Es ist Dienstag, der 3. Februar.
Sprecher 2: Friedrich Merz hatte angekündigt, das Weimarer Dreieck wieder zu beleben. Dieses Band zwischen Deutschland, Frankreich und Polen. Aber nun, wenn es jedenfalls nach dem Vizekanzler geht, dann soll eine andere Verbindung in den Vordergrund rücken, nämlich die E6. Das soll nach Lars Klingbeil das neue Kerneuropa sein, eine Art Expressgruppe der großen europäischen Volkswirtschaften, nämlich Deutschland, Polen, Frankreich, also die Mitglieder des Weimarer Dreiecks, plus Italien, Spanien und die Niederlande. Die sollen beim Thema Verteidigung und Wettbewerb das Tempo vorgeben und der Rest der EU, ja, der ist dann vielleicht mit einer weniger schnellen Geschwindigkeit unterwegs. Das Klingbeil ist jedenfalls gestern nach Warschau geflogen und hat seinen polnischen Amtskollegen Andrzej Domanski getroffen. Domanski, das ist ein Mann aus der Praxis, ein ehemaliger Fondsmanager und dreifacher Gewinner des polnischen Börsen-Oskars. Die beiden hatten eine gemeinsame Botschaft und die lautete, By European statt By American. Wie läuft nun eigentlich dieser deutsch-polnische Motor und wie viel Antrieb kann er dieser E6-Gruppe geben? Laura Block, unsere Kollegin des Berlin Table, hat Lars Klingbeil nach Warschau begleitet. Hallo Laura.
Sprecher 4: Guten Morgen, Helene.
Sprecher 2: Ja, sag mal, also das Weimarer Dreieck, lebt es noch? Ist es noch ein Ziel der Regierung, das wiederzubeleben?
Sprecher 4: Also rein formal würde ich sagen, lebt das Weimarer Dreieck noch. Allerdings kam es da schon länger nicht mehr zu. zu einem Treffen. So wie es aussieht, ist eigentlich Frankreich an der Reihe, das nächste Treffen nimmt auszurichten und hat das bisher noch nicht getan. Also zumindest kam keine Einladung in Berlin an. Und so war jetzt Lars Klingbeil mit seinem neuen Format einfach schneller.
Sprecher 2: Also künftig nun die E6, die sollen Europa voranbringen. Aber was heißt das eigentlich voranbringen? Also die Idee, Europa mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, so neu ist die ja nun auch wieder nicht.
Sprecher 4: Das stimmt. Einmal die sechs Finanzminister der sechs Nationen wollen sich jetzt in Zukunft eher für informellere Treffen zusammenfinden und nichts Geringeres als die Zukunft Europas besprechen. Das nächste Treffen soll schon wahrscheinlich am 16. Februar, das ist auch das erste Treffen, muss man dazu sagen, stattfinden. Diese Treffen finden dann in Zukunft regelmäßig statt und es soll jetzt, und das war Lars Klingbeil wichtig zu betonen, es soll jetzt keine neue Institution sein, es wird auch keine Berichte geben, sondern es ist ja ein informeller Rahmen, aber man möchte eben Themen besprechen, um die dann auch schneller vorantreiben zu können.
Sprecher 2: Ob es nun wirklich neue Formate in Europa braucht, da kann man sich sicherlich drüber streiten. Wichtiger ist wahrscheinlich, dass die Regierungen gut miteinander arbeiten, sich gut absprechen. Und da geht es auch immer um das grundsätzliche Verhältnis. Und das war ja zwischen Deutschland und Polen. Zuletzt ziemlich angespannt. Während der Pisszeit in Polen gab es durchaus starke Ressentiments gegen Deutschland. Laura, wie hast du das jetzt empfunden? Wie eng will die polnische Seite eigentlich mit uns zusammenarbeiten?
Sprecher 4: Also von Spannungen war in diesem Montagnachmittag im Warschau jetzt wenig zu spüren. Das ist natürlich auch ganz klar, es waren noch Kameras dabei. Aber ich hatte auch das Gefühl, dass die Gespräche zwischen Klingbeil und seinen Amtskollegen gut gelaufen sind. Die beiden haben dann bei der Pressekonferenz auch nochmal betont, dass sie in Zukunft eng zusammenarbeiten wollen, auch gerade in Militärfragen. Deswegen ist der Finanzminister danach auch nochmal zu einem Werk von Airbus gefahren, was ganz in der Nähe ist und hat sich... Dort eben die Arbeiten angeschaut. Europa möchte in Zukunft, gerade wenn es um militärische Ausstattung geht, mehr auf Europa setzen und weniger eben zum Beispiel auf Amerika.
Sprecher 2: Das klingt mal, ist ja nicht nur Finanzminister, sondern auch SPD-Vorsitzender. Was hat er denn gesagt zu den Vorschlägen, die jetzt vom Koalitionspartner... CDU in den vergangenen Tagen ventiliert worden sind, also von Lifestyle Teilzeit bis zur Streichung der Sozialleistung, was jetzt am Wochenende vom Wirtschaftsrat der CDU ventiliert wurde.
Sprecher 4: Ja, das war ganz klar natürlich auch Thema an diesem Nachmittag. Darüber konnte der Finanzminister und auch Vizekanzler nur den Kopf schütteln. Er fand die Vorschläge, die da gemacht wurden, das sind jetzt meine Worte, aber ich würde sagen absurd. Er meinte eben, es kann nicht sein, dass die CDU immer wieder mit solchen Absurditäten den Vorschlägen kommt und das dann auch zulasten der Menschen geht, wenn man die Vorschläge dann eben umsetzen würde. Er betonte dann auch, dass in diesem Jahr auf jeden Fall Reformen kommen müssen. Er sagte wörtlich, Reformentscheidungen müssen 2026 kommen. Und er sagte auch eben, dass 2026 gerade für die Koalition ein sehr wichtiges Jahr ist. Denn wenn man Reformen machen möchte, noch in dieser Legislatur, dann müsste man jetzt dieses Jahr eben damit anfangen.
Sprecher 5: Vielen Dank, dass du bei uns warst, liebe Laura.
Sprecher 4: Vielen Dank, Herr Lehne. Bis bald.
Sprecher 2: Der gestrige Tag fühlte sich so ein bisschen an wie zu Hochzeiten der Pandemie. Unser wöchentliches Treffen aller Redaktions- und Verlagsmitglieder bei Table fand digital statt. Man sah sich nur auf kleinen Kacheln, alle im Homeoffice. Es gab schlicht keine Möglichkeit, ins Büro zu kommen, denn die Straßen waren vereist und in Berlin wird ja nur sehr sparsam gestreut und nicht mit Salz. Und die U-Bahnen und Trams fuhren nicht.
Sprecher 3: Ja, auch die Busse fuhren nicht und das nicht nur in Berlin tatsächlich, sondern eigentlich fast überall, außer in Niedersachsen, hat Verdi zum großen Streik aufgerufen für den öffentlichen Nachverkehr und somit fast das ganze Land lahmgelegt. Wer von A nach B wollte oder musste, der konnte entweder nur laufen, das Fahrrad nehmen oder eben Auto fahren oder falls vorhanden die S-Bahn nutzen.
Sprecher 2: Was bei diesem Wetterverhältnis jedenfalls mal das Laufen und das Fahrradfahren wirklich höchst gefährlich ist, insofern schon deswegen eine zweifelhafte Aktion. Aber auch der Inhalte wegen schauen wir uns die Kernforderungen von Verdi an. Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Das entspricht einer Lohnerhöhung von 12 Prozent. Und außerdem wollen sie noch die Verkürzung der Schichtzeiten, die Verlängerung der Ruhezeiten und Erhöhung von Zuschlägen für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. Das ist schon ziemlich kernig.
Sprecher 3: Ja, dazu kommt dann nochmal die Forderung auch nach 33 Urlaubstagen. Und da muss man sich echt mal fragen, sag mal, in welcher Realität leben die eigentlich? Also faire Bezahlung, klar, da kann keiner was dagegen haben, aber in einer Phase, wo wir drei Jahre Stagnation bzw. Rezession haben, die Prognosen für dieses Jahr auch nicht rosig aussehen, die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordniveau ist und alle sagen, wir müssen mal Impulse setzen, damit wir wettbewerbsfähiger sind. Kommt dann Verdi um die Ecke und sagt, also öffentlicher Nahverkehr, da können wir nochmal locker 10, 15 Prozent obendrauf schlagen. Also das passt doch alles nicht zusammen.
Sprecher 2: Merkwürdiges Gespür für die Zeit und die Themen dieser Zeit, das finde ich auch. Es ist von Bundesland zu Bundesland so ein bisschen unterschiedlich, aber... So schlecht ist das Gehalt von Bus- und Straßenbahnfahrern nicht im Schnitt zwischen 3.100 und 3.700 Euro brutto plus Zulagen für Wochenende, Nacht- und Feiertage. Natürlich, das ist ein harter Job, nicht nur wegen der Nacht- und Feiertage, sondern natürlich auch, weil die Fahrgäste oft unangenehm sind, weil natürlich manche traumatisiert werden durch... Unfälle durch Selbstmorde und ähnliches auf der Strecke. Also es ist natürlich risikogeneigt und abgesehen davon gönnen wir den Menschen immer ein gutes Gehalt, aber so mit der Brechstange vorzugehen und dabei alle zu verärgern, das ist eine wahrscheinlich auch nicht besonders kluge Herangehensweise.
Sprecher 3: Ja, und ich möchte noch einmal ganz kurz sensibilisieren. Also 35-Stunden-Woche. Wir überlegen mal zurück, ist jetzt, sagen wir mal, ein halbes, dreiviertel Jahr her, da gab es die Diskussion intensiver um die Vier-Tage-Woche, was 32 Stunden wären. Also da ist die Forderung von Werde jetzt nicht allzu weit weg, das Ganze bei vor. Im Lohnausgleich, als die Viertagewoche gefordert wurde, hieß es noch, ja, es ist alles faule Gen Z und die wollen ja lieber den ganzen Tag nur auf der Couch liegen und nicht mehr arbeiten. Und jetzt fordert das eine der größten Gewerkschaften. Also wirklich, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln und es ist fernab jeglicher Wirtschaftsrealität, die wir hier gerade vorfinden, kann man einfach, finde ich zumindest, nicht mehr anders sagen.
Sprecher 2: Zumal es ja nicht so ist, dass der öffentliche Nahverkehr in den vergangenen Jahren irgendwie geschröpft worden ist, sondern die BVG und die hat nun bekanntermaßen zahlreiche Probleme in Berlin, also nicht nur verdreckte S-Bahnen, sondern auch da Verspätungen und anderes, die hat vor einem Jahr eine Gehaltserhöhung von... 15 bis 20 Prozent erreicht und der Kostenpunkt war 140 Millionen Euro, die nun der Steuerzahler bezahlen muss. Also die haben gerade erst einen ziemlichen Erfolg errungen und kommen jetzt ein Jahr später nochmal. Das ist schon ganz schön preis. Die Rache des Mullah-Regimes ist grausam. Schon während der Proteste vor ungefähr drei Wochen ging das Regime mit größter Brutalität gegen die Demonstranten vor. Und was jetzt passiert ist nochmal um ein Vielfaches grausamer. Es gibt nicht so viele Informationen aus erster Hand aus dem abgeschotteten Land, denn das Internet ist abgeschaltet. Aber das, was nach draußen dringt, das ist schon wirklich schockierend. Mittlerweile geht man von 18.000 Todesopfern aus. Dazu kommen über 300.000 Verletzte. Diese Zahlen mit aller Vorsicht, aber es könnte sein, dass sie in Wahrheit noch darüber liegen. Die Wut entleert sich in erster Linie an den Frauen. Es gibt Berichte, dass viele Frauen verschleppt, gefoltert, vergewaltigt und dann ermordet werden. Und parallel dazu findet ausgerechnet jetzt eine Annäherung statt zwischen dem Iran und den Amerikanern. Für Freitag ist ein Treffen in Istanbul geplant. Außenminister Abbas Aradschki und der US-Sondergesandte Steve Witkoff sollen dabei sein, aber auch Vertreter Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, des Oman und Ägyptens. Und es soll um das Thema Urananreicherung gehen. Die USA wollen dem ein Ende setzen und einen Stopp für die Unterstützung der Milizen im Ausland, zum Beispiel der Hezbollah, erreichen. Hoffentlich wird auch über die Situation der Menschen im Iran gesprochen. Und das ist eben genau die Frage, gibt es dort einen... Grund für Hoffnung oder würde ein Deal das Regime nur stärken? Darüber möchte ich jetzt sprechen mit Felo Badenberg, der ehemaligen Vizepräsidentin des Verfassungsschutzes und jetzigen Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin. Hallo, liebe Frau Badenberg.
Sprecher 6: Hallo Frau Burowski.
Sprecher 2: Wie stark ist Ihr Kontakt zu Menschen im Iran? Es ist ja gar nicht so leicht ohne Internet. Was hören Sie aus dem Land?
Sprecher 6: Ich bin froh, dass die Internetverbindung inzwischen zumindest schrittweise wiederhergestellt worden ist. Es gibt wieder die Möglichkeit zu telefonieren. Der Staat ist ja jetzt inzwischen zu einem sogenannten Whitelist-Modell übergegangen. Das heißt, das System ist zwar... Standardmäßig blockiert, aber es gibt autorisierte Dienste und Plattformen. Und der Grund hierfür ist einfach die wirtschaftliche Lage. Der Staat musste dazu übergehen, das Internet zumindest teilweise wiederherzustellen, weil ansonsten die iranische Wirtschaft vollständig kollabiert wäre.
Sprecher 2: Jetzt hören wir, dass die Repression, auch die Brutalität unglaublich ist. Ist das auch das, was Sie gespiegelt kriegen? Diese Todeszahlen von etwa 18.000, ist das realistisch? Was hören Sie da?
Sprecher 6: Die Zahl, die man immer wieder hört, das sind vor allem Zahlen, aber auch die von... Leuten aus dem System heraus öffentlich bekannt gemacht werden. Da ist immer wieder die Rede von über 30.000 Menschen, die brutal zu zusammengeschlagen, hingerichtet worden sind in den letzten Wochen, also seit Ende Dezember. Jeder, der jetzt noch auf die Straße geht, um zu protestieren, weiß, dass er möglicherweise in einem der Leichenhallen landet. Und das ist natürlich schon etwas, was die Menschen jetzt dazu bringt, dann doch wieder... Ja, wie soll ich sagen, sich wieder zurückzuziehen, weil sie einfach Angst um ihr Leben haben.
Sprecher 2: Frau Badenberg, in der vergangenen Woche haben die EU-Außenminister nach langem Zögern und auch deutlicher Kritik an diesem Zögern die Revolutionsgarden zur Terrororganisation erklärt. Man fragt sich jetzt, warum hat es so lange gedauert? Aber vor allem, was bedeutet das jetzt? Ändert das irgendwas an der Lage, an den Möglichkeiten, die wir als Westen gegenüber dem Iran und dem Regime haben?
Sprecher 6: Diese Entscheidung hat... Bei mir persönlich zu großer Freude geführt. In der Tat, es hat viel zu lange gedauert. Die Listung war insofern wichtig, als dass die Revolutionsgarden jetzt Gott sei Dank als eine terroristische Struktur betrachtet werden. Man hat neben den klassischen Sanktionsinstrumenten auch die Möglichkeiten, die man ansonsten im Bereich Terrorismus hat. Das heißt, es führt dazu, dass sämtliche Gelder, sämtliche Vermögenswerte in der EU beispielsweise eingefroren werden können. Es gilt das Verbot der... Ja, Bereitstellung wirtschaftlicher Ressourcen. Das heißt, man kann keine wirtschaftliche B... Erziehungen mit Personen oder Organisationen pflegen, die den Revolutionsgarten zugerechnet werden. Ganz wichtig, Reisebeschränkungen für Personen oder Organisationen, die mit den Revolutionsgarden in Verbindung bestehen. Und vor allem, auch das ist ein total wichtiger Punkt, man hat dann die Möglichkeit, durch die Listung polizeiliche, aber auch justizielle Zusammenarbeiten in Strafsachen zu pflegen. Das heißt, Personen, die sich... Eines Verbrechens schuldig machen, auch entsprechend zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist jetzt die juristische Seite, aber auch für die Menschen ist das ein total wichtiges Signal, weil letztendlich eine Struktur, die das System jetzt über Jahre hinweg aufrechterhält, klar gemacht wird, dass sie so in der Form einfach nicht weitermachen können. Es ist ein Signal, glaube ich, der Klarstellung für die Menschen dort, aber auch natürlich innerhalb der EU.
Sprecher 2: Also viel mehr als ein symbolischer Akt. Und jetzt sehen wir die Reaktion des Regimes, die so aussieht, dass europäische Armeen von Seiten des Iran als Terrororganisation eingestuft werden und auch Botschafter einbestellt werden. Wie ist das zu bewerten? Hat das Auswirkungen für uns, dass europäische Armeen jetzt Terrororganisationen sind?
Sprecher 6: Also aus meiner Sicht war dieser Schritt tatsächlich erwartbar und vorhersehbar. Und insofern nimmt man das natürlich auch im... Berlin ernst, was heißt das? Das bedeutet, dass man entsprechend dann auch die Aufklärungsaktivitäten, davon gehe ich mal aus, der Nachrichten, der iranischen Nachrichtendienste hier genauer ins Visier nimmt. Nun glaube ich aber dennoch, dass das... Eine sehr, sehr scharfe Rhetorik ist von dem iranischen System, was erwartbar war, was tatsächlich davon ernst gemeint ist, ist eine ganz andere Frage.
Sprecher 2: Friedrich Merz hat gesagt, ein Regime, das sich nur noch mit Gewalt an der Macht hält, ist dem Untergang geweiht. Und jetzt kann man angesichts der Gewalt, die es im Iran jetzt gibt, sich fragen, was passiert, was muss passieren, damit das iranische Volk sich endlich befreien kann von dem unterdrückenden Mullah-Regime.
Sprecher 6: Also in der Tendenz ist es natürlich richtig zu sagen, dass eine Ja, ein Regime, das sich mit Gewalt an der Macht hält, dem Untergang geweiht ist oder sich nicht mehr lange halten kann. Allerdings deuten die aktuellen Entwicklungen eher darauf hin, dass die internationale Gemeinschaft jetzt nicht primär auf einen Umsturz sich vorbereitet, sondern eher auf einen Deal mit dem bestehenden Regime. Denn es gibt ja diplomatische Aktivitäten, es gibt ja unterschiedliche Gesprächskanäle. Ja, auch über regionale Vermittler. Es gibt Signale aus Washington, dass Verhandlungen weiterhin gewollt sind. Der amerikanische Präsident äußert, Es hat sich ja auch in regelmäßigen Abständen, da hat man aber schon den Eindruck, dass es in erster Linie um das Atomprogramm, um das iranische Atomprogramm geht. Also inwiefern jetzt Deals, die vor allem der amerikanische Präsident im Blick hat, inwiefern diese Deals jetzt... Zu einem Sturz des Regimes führen, das wage ich zu bezweifeln. Wir haben ja immer gesagt oder immer gehofft, dass der Iran letztendlich aus seiner Mitte befreit wird. Jetzt muss man ganz ehrlich sagen, wenn man sich die Brutalität des Regimes in den letzten Wochen vor Augen führt, glaube ich persönlich da nicht mehr dran. Ich glaube, dass ohne einen Druck aus dem Westen dieses Regime nicht zum Niedergang geweiht ist. Also glaube ich, was muss jetzt geschehen? Was folgt eigentlich für uns? Die Listung war wichtig und richtig. Die Ausweisung iranischer Botschafter wäre der nächste Schritt. Vielleicht auch der Internationale Gerichtshof für Menschenrechte, der mal... Die Personen zur Verantwortung sieht, die für diese Kriegsverbrechen verantwortlich sind innerhalb des Landes. Ich glaube, wir müssen wachsam bleiben. Ich würde mir wünschen, dass der Blick des Westens auf die Situation in Iran nicht nachlässt. Wir müssen den Druck weiterhin aufrechterhalten, Menschenrechtsverletzungen klar bekennen. Und dann hoffe ich, dass der... Druck aus dem Iran selbst, der internationale Druck auf der anderen Seite und dann hoffentlich auch eine politische Alternative zusammentreffen, um das System endlich zum Erliegen zu bringen und die Menschen vor Ort zu befreien.
Sprecher 2: Erwarten Sie auch mehr von der Bundesregierung, als bisher passiert ist?
Sprecher 6: Ich bin froh und glücklich darüber, dass der deutsche Außenminister sich sehr, sehr stark gemacht hat für die Listung der Revolutionsgarden. Ja, das war ein wichtiger und richtiger Schritt. Und ich würde mir wünschen, dass tatsächlich die Bundesregierung bei dieser Thematik dabei bleibt. Ganz einfach, völlig unabhängig von der Situation der Menschen im Iran, darf, glaube ich, die geopolitische Bedeutung Irans nicht aus den Augen verloren werden. Iran unterstützt Russland im Krieg gegen die Ukraine. Iran hat natürlich jahrelang Syrien unterstützt. Iran hat die Hezbollahs ebenfalls unterstützt, in Libanon. Also Iran ist schon relativ gut vernetzt in der Region und insofern ist es auch in unserem eigenen Interesse, dafür Sorge zu tragen, dass dieses Land endlich demokratisch geführt wird.
Sprecher 2: Vielen Dank für diese Einschätzung und alles Gute für Sie, liebe Philo Badenberg.
Sprecher 6: Vielen Dank, Frau Bobrowski.
Sprecher 2: So, mein lieber Flo, war sonst noch was?
Sprecher 3: Es gibt etwas Neues, wo wir eigentlich dachten, wir brauchen es nicht mehr. Ein neues Social-Media-Netzwerk. Aber das unterscheidet sich fundamental von allem, die es bis jetzt gab.
Sprecher 2: Aha, inwiefern?
Sprecher 3: Ja, pass auf. Menschen dürfen nur zuschauen tatsächlich. Den Inhalt, den erstellen ausschließlich KI-Bots oder KI-Agenten. Und wie gesagt, Menschen dürfen sich das Ganze dann angucken, um Schlüsse daraus zu ziehen. Und es ist recht spannend, was da so passiert. Denn diese KI-Agenten, die interagieren miteinander, posten Beiträge, diskutieren über Religion, über Ernährung, über sonst was, entwickeln sogar eigene geheime Sprachen. Also es ist ein bisschen gruselig und sehr nah dran an sehr viel Science Fiction, was man so aus Filmen kennt.
Sprecher 2: Ich habe aber auch das Gefühl, Twitter ist schon auf diesem Wege. Ich sehe immer nur ständig irgendwelche Bitten an Grok, irgendein Bild umzuwandeln in etwas ganz anderes. Macht diese Frau 40 Jahre älter? Oder wie sähe diese Frau aus, wenn sie Lara Croft wäre? Also gut, wie auch immer, die KI hat uns ziemlich schon im Griff.
Sprecher 3: Ja, aber das ist auf jeden Fall ein spannendes Experiment, was da gestartet wurde. Moldbook heißt ja dieses Netzwerk. Und einige Experten glauben, es könnte so ein kleiner Initialfunke sein, um zu einem noch tiefer gehenden Vorstellungsvermögen zu kommen. Andere sagen, es ist nur eine weitere Quelle, in der sehr viel... viel Müll fabriziert wird, die das Internet blockiert. Auf jeden Fall ist es mal was anderes, den digitalen Wahnsinn sich von der KI produzieren zu lassen.
Sprecher 2: Ich hätte jetzt gesagt, Vorstellungsvermögen ist eine Frage von Fantasie. Und das genau kann die KI ja nicht. Insofern träumen wir uns doch ein bisschen in den Tag, seien wir ein bisschen fantasievoll und hoffentlich froh Gemut. Das wünsche ich Ihnen und dann hören wir uns morgen wieder, wenn Sie mögen. Tschüss.
Sprecher 3: Tschüss.