Der Europa-Plan von Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz hat in seiner Regierungserklärung ein weiteres Mal für eine neue europäische Souveränität gefordert.
Merz sprach von einer neuen Selbstachtung der Europäer, die es zu nutzen gelte. Und dazu müsse Europa lernen, die „Sprache der Machtpolitik" zu sprechen, um eigene Interessen global durchzusetzen.
[01:11]
Jana Puglierin, Leiterin des European Council on Foreign Relations, erklärt im Gespräch mit Michael Bröcker, warum Europa nicht mehr auf die USA setzen kann. Sie plädiert für eine Stärkung auch der gesellschaftlichen Resilienz nach skandinavischem Vorbild.
Puglierin sieht Deutschland in einer konstruktiven Führungsrolle innerhalb neuer „Koalitionen der Willigen" mit Partnern wie Polen und Großbritannien.
[06:29]
Die TU Chemnitz hat Mario Voigt den Doktorgrad aberkannt. Die AfD fordert seinen Rücktritt und beantragt ein konstruktives Misstrauensvotum – in einem Landtag, wo Voigts Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD nur mit Stimmen der Linken regieren kann.
[09:43]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Europa muss endlich aufwachen. Sie können es vielleicht nicht mehr hören, aber der Kanzler hat gestern nochmal nachgelegt bei seiner Regierungserklärung im Bundestag und den Grönlandstreit mit den USA zu einer neuen Europa-Idee umformuliert. Wir sagen Ihnen mal, was Sie wissen müssen.
Sprecher 3: Jana Pujarin ist eine der führenden Geo-Expertinnen in diesem Land und in ihrem neuen Buch Wer verteidigt Europa? Skizziert sie den Weg Europas zu einer souveränen neuen Macht und was dafür zu tun ist. Wir sprechen mit ihr.
Sprecher 2: In Thüringen droht dem Ministerpräsident Mario Vogt nicht nur der Verlust des Doktortitels, sondern auch eine neue Regierungskrise. Die thüringische AfD wittert Morgenluft und startet ein konstruktives Misstrauensvotum. Wir sagen Ihnen, was da los ist.
Sprecher 3: Zum Schluss noch eine News aus den Vereinigten Staaten. Die Tech-Branche probt dort den Aufstand und Donald Trump gerät nun mächtig unter Druck. Es ist Freitag, der 30. Januar. Wir haben noch einen kleinen Kopfschmerz von unserem Empfang. Aber umso schöner, dass Sie heute dabei sind.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 5: Wir haben wirtschaftlich und wir haben vor allem ideell unseren Partnern auf der Welt etwas zu bieten. Wir sind dabei etwas Eigenes, etwas Schätzenswertes als Europa. Und wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten, so habe ich es jedenfalls empfunden, vielleicht zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen können. Dass wir eine Macht sein können, gerade auch auf der Grundlage der Werte, die wir nicht aufgeben wollen. Ich gehe noch einen Schritt weiter, auch aus den Begegnungen der letzten Tage und Wochen. Wir haben in diesen Wochen etwas spüren können vom Glück der Selbstachtung. Machen wir etwas aus diesem sich neu regenden Selbstbewusstsein der Europäer, liebe Grüße.
Sprecher 2: Friedrich Merz hat sein Thema gefunden, zwangsläufig muss man sagen, Helene. Er will der Erwecker Europas sein, spricht in seinen Regierungserklärungen eigentlich nur noch über die neue europäische Souveränität und hat ein paar interessante Sachen gesagt, wie zum Beispiel, eine Sprache der Machtpolitik müsse Europa lernen.
Sprecher 5: Wir werden aber diese Attraktivität und auch dieses Selbstbewusstsein nur dann für uns nutzen können und wir werden unsere Vorstellungen... Nur dann auf der Welt jedenfalls zum Teil durchsetzen können, wenn wir auch selbst die Sprache der Machtpolitik sprechen lernen. Wenn wir selbst eine europäische...
Sprecher 1: Macht werden.
Sprecher 2: Das fand ich ganz interessant. Die harte Rhetorik gegenüber Washington soll souverän, konstruktiv und gelassen bleiben. Aber hinter den Kulissen müsse man jetzt endlich Europa zu dem Player aufbauen, der er eigentlich sein könnte.
Sprecher 3: Ja, offenbar eine neue Rolle, die Friedrich Merz davor schwebt. Wir erinnern uns, als er im Oval Office war und Donald Trump damals diese Urkunde aus Rheinland-Pfalz überreicht hat über die Familie Trump. Da war er ja noch ziemlich devot und war ganz, ganz glücklich, dass es ohne ein Eklat über die Bühne gegangen ist. Und diese Rolle, die will er nun offenbar verändern und eben rauskommen aus dieser gewissen Samtpfotigkeit und Gefallenwollen hin zu klaren Ansagen in Richtung Washington.
Sprecher 2: Vielleicht der wichtigste Part aus meiner Sicht ist die technologische Unabhängigkeit, die wir erreichen müssen. Wir sind ebenso abhängig, nicht nur von China, wenn es um seltene Erden oder kritische Mineralien geht, sondern auch von den USA, gerade bei dem Thema Technologie. Die großen Tech-Konzerne und ihr Einfluss auf unsere Datenvernetzung, das ist ein Thema, was ihn offenbar umtreibt, zu Recht. Und dieses Buy European, was Lars Klingbeil immer wieder sagt, da ist natürlich was dran. Wir müssen jetzt unsere heimischen Industrien, die für die Zukunft dieser Volkswirtschaft stehen, endlich massiv stärken.
Sprecher 3: Ja, wobei die Frage ist eben, wie schwierig wird das? Und meine Prognose ist sehr schwierig. Ich war gestern in Köln und sprach mit einem Medienwissenschaftler der Uni Köln namens Martin André, der sich sehr gut auskennt mit diesen Tech-Giganten. Und der sagte, naja, damit wir überhaupt als Europäer eine Chance haben, müssen wir erstmal so ein Level Playing Field überhaupt herstellen. Denn derzeit gibt es ein Monopol der amerikanischen Tech-Giganten und Europa habe schlichtweg keine Chance, auf diesen Markt irgendwie durchzudringen, egal wie ausgeklügelt nun auch eine europäische Lösung aussehen könnte. Also erstmal müssten die Rahmenbedingungen geändert werden und die Diskussion, die übrigens zu Ehren des ehemaligen FDP-Politikers Gerhard Baum geführt wurde, der vor einem Jahr gestorben ist, in der kamen natürlich dann auch Themen auf, wie sollte man nicht... Die großen amerikanischen Tech-Konzerne zerschlagen. Also ja, wird alles schon lange diskutiert und es ist am Ende wirklich extrem schwierig, was man da machen kann.
Sprecher 2: Die Wahrheit ist, wir brauchen mehrere Airbusse, nämlich nicht nur einen für Flugzeugbau, sondern eigentlich einen für KI, für Energiesicherheit und Energieversorgung. Also die großen europäischen Champions, die zusammenarbeiten und ihre technologischen Kompetenzen bündeln, ist ein Thema. Darüber müssen wir reden und wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Das ist, glaube ich, das Entscheidende, denn die anderen Länder holen auf und die Amerikaner sind nicht gewillt, offenbar uns bei all dem so zu unterstützen wie in den letzten 80 Jahren.
Sprecher 3: Naja, und das Datum, das nun ja vor aller Augen steht, ist 2029. Denn nach den Annahmen der westlichen Nachrichtendienste ist Russland 2029 in der Lage, Krieg gegen die NATO zu führen, ein NATO-Land anzugreifen. Damit müssen wir bis dahin rechnen. Und das sind, meinen manche, noch sehr vorsichtige Prognosen. Es kann auch sein, dass es früher kommt. Also es ist jetzt an der Zeit in der Tat sehr, sehr schnell zu handeln und dabei möglichst ohne den Kopf zu verlieren, ohne hektisch zu werden, ohne die vielen Milliarden irgendwie möglichst schnell für irgendetwas auszugeben, was wir nicht brauchen. Also auch die Zielgerichtetheit der Maßnahmen, die ist natürlich wichtig und das ist besonders schwierig, wenn die Zeit knapp ist.
Sprecher 2: Interessant, immerhin unsere Handelsstrategie, die scheint zu wirken. Auch darauf ging Friedrich Merz natürlich ein, denn Donald Trump hat sich in einem Tweet in seinem Social Media Network Truth Social sehr echauffiert über unseren vermeintlich kleinen Pipi-Fax-Deal mit Indien. Das scheint ihn also doch mehr zu wurmen, als er zugeben möchte. Und genau das muss der Weg sein. Wir brauchen neue Bündnisse, verschiedene Bündnisse bei verschiedenen Themen. Diese Ad-Hoc-Koalition der Bündnisse weltweit, das ist die neue europäische Realität.
Sprecher 3: Dr. Mario Vogt ist jetzt nicht mehr Doktor. Nämlich die TU Chemnitz hat dem Thüringer Ministerpräsidenten den Titel aberkannt. Der CDU-Politiker will zwar dagegen vor Gericht vorgehen, er fühlt sich ungerecht behandelt, aber er hat gesagt, den Titel wolle er jedenfalls vorerst nicht mehr führen. Ein weiterer Plagiatsfall, so scheint es. Jedenfalls sind die Doktorjäger in diesem Land ungebremst auf der Suche. Ich finde ja wirklich, wir sollten über andere Themen diskutieren als über Doktorarbeiten, aber das sehen offenbar andere anders.
Sprecher 2: Ja, immerhin, ich meine, es geht um die Vertrauenswürdigkeit, die Glaubwürdigkeit des Ministerpräsidenten. Vielleicht sollte man dann halt auch nicht so eine Doktorarbeit schreiben über einen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Das klingt jetzt auch nicht nach der Rocket Science, die er da erfunden hat. Aber okay, immerhin sagt er, der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit sei doch gar nicht betroffen von den Vorwürfen. Das habe sogar eine von dieser Universität beauftragte externe Sachverständigengruppe bestätigt. Und trotzdem hat die Universität dann ihre Bewertungsmaßstäbe für Plagiatsverfahren neu angepasst. Und die wiederum auf die Dissertation angewendet. Und jetzt ist sie zu diesem Schluss gekommen. Da kann man sich natürlich auch fragen, warum machen sie das jetzt, wenn sie es vorher gar nicht schlimm fanden, was er da geschrieben hat. Jedenfalls freut sich die Opposition.
Sprecher 3: Ja, und das ist ja eines der Probleme, die AfD verlockt und beantragt jetzt ein konstruktives Misstrauensvotum in diesem Land, in dem die Mehrheitsverhältnisse sowieso so unsicher sind, die Koalition so fragil ist. Ich muss wirklich nochmal sagen, ich meine, es geht ja um eine Dissertation aus dem Jahr 2008, fast 20 Jahre ist es her. Ich bin wirklich die Letzte, die wissenschaftliches Arbeiten geringschätzen will. Ja, mit Doktorarbeiten hängt normalerweise jede Menge zumindest mal Schweiß und Tränen zusammen, in seltenen Fällen vielleicht auch sogar Blut. Wer sich das erschleicht, alles nicht gut. Aber ich finde, wir sollten die politischen Diskussionen in diesem Land über was anderes führen. Und zum Thema Rocket Science. Es ist nicht alles Rocket Science und kann trotzdem eine Promotion sein.
Sprecher 2: Völlig richtig, Helena. Am Ende ist es vor allem für uns hier relevant, weil es eine politische Dimension hat. Denn dort steht es spitz auf Knopf. 44 Stimmen haben SPD, CDU und BSW im Landtag. Linke und AfD haben zusammen auch 44. Also konstruktives Misstrauensvotum bedeutet, man könnte einen neuen Ministerpräsidenten wählen, aber dann müssten Linke und AfD zusammen diesen Menschen wählen mit einer weiteren Stimme. Das ist natürlich nicht in Sicht, weil die Linken nicht mit der AfD stimmen wollen. Aber trotzdem ist es eine politische Debatte. Man hat das Thema am Köcheln gehalten durch diesen Antrag. Und die Thüringer CDU-Fraktion ist not amused, weil Mario Vogt erst 40 Minuten vor der Veröffentlichung über die Pressemitteilung seiner eigenen Fraktion darüber informiert hat, was da gerade kommt. Also da ist was im Buschel und der Mann sitzt nicht so fest im Sattel, wie er gerne manchmal sagt.
Sprecher 3: Ja, da sind wir natürlich wieder bei der Frage, wie geht man mit Fehlern oder mit vermeintlichen Fehlern um? Die Frage von Transparenz. Meistens, und nur zur Erinnerung, ist es ja nicht der Fehler, über den man stolpert, sondern der schlechte und manchmal... Auch zu verhuschte, zu wenig offener Umgang damit.
Sprecher 2: Der Osten wird jedenfalls spannend in diesem Jahr. Vielleicht, wer weiß, gibt es dann doch noch eine Wahl zusätzlich zu Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
Sprecher 3: Wollen wir es aber nicht herbeireden.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Wer verteidigt eigentlich Europa und gegen wen? Und wer ist dieses Wir in Europa? Das sind einige der Fragen, die Jana Puljirin, Leiterin des European Council on Foreign Relations, in ihrem neuen Buch stellt. Es heißt, wer verteidigt Europa und ist wirklich eine kluge Analyse, warum wir jetzt sehr schnell und sehr viel Tempo machen müssen bei der Ertüchtigung Europas auf verschiedenen Disziplinen. Es ist ein beklemmendes Buch, hat ein gewisser Markus Lanz dazu mal gesagt. Aber man liest die einführende Szene und denkt, genau so könnte es kommen. Da wollten wir mehr wissen und haben sie zu uns ins Podcaststudio geholt. Einen schönen guten Tag. Hallo Jana.
Sprecher 6: Hallo.
Sprecher 2: Janat, Wer verteidigt Europa heißt dein neues Werk, ein wunderbares, spannendes Buch. Die erste Frage, wer muss eigentlich Europa verteidigen?
Sprecher 6: Also zukünftig jedenfalls nicht mehr die Amerikaner, jedenfalls nicht mehr so, wie wir das lange gehofft haben. Und ich denke, dass diese Aufgabe auf uns zurückfallen wird und niemand anderes sich finden wird und wir das schon selber machen müssen als Europäer.
Sprecher 2: Und wer sind diese wir, die gesamte Gesellschaft, alle Nationen in der Europäischen Union oder eigentlich nur die Bundeswehr?
Sprecher 6: Also das Wir in meinem Buch ist zumindest nicht deckungsgleich mit der Europäischen Union. Ich schreibe breiter. Mir ist es wichtig, auch über Großbritannien zu schreiben, über Norwegen. Ich schreibe über die Europäisierung der NATO. Ich schreibe über eine konstruktive Rolle, die die EU spielen kann in ihren Bereichen, wo sie eine Zuständigkeit hat. Ich schreibe über... über Koalitionen der Willigen, von denen ich glaube, dass wir zukünftig noch viel mehr sehen. Aber mein Wir ist tatsächlich auch an die Gesellschaft gerichtet. Also wenn ich sage, wir müssen das machen, ein Punkt im Buch ist zu sagen, Verteidigung können wir nicht mehr nur militärisch denken. Wir müssen auch nicht militärische Bedrohungen, betrachten und wir müssen vor allen Dingen auch gucken, wie wir gesellschaftliche Resilienz stärken und überhaupt so ein Bedrohungsbewusstsein schaffen in der Gesellschaft.
Sprecher 2: Da bist du ganz bei dem Verteidigungsminister, der gestern hier bei uns beim Empfang lange war und auch sagte, ich kann am Ende nur dieses Land verteidigungsfähig machen, wenn das Land mitmacht. Gibt es Techniken, Muster, die du in deiner Analyse auch beschreibst, wie wir dieses Land wehrhaft machen können, ohne dass wir jetzt alle gleich zur Waffenausbildung schreiten?
Sprecher 6: Ja, es gibt natürlich viel, was militärisch gemacht werden muss. Aber ich glaube, das, was der Minister meint, ist, dass man der Bevölkerung vermittelt, dass sie nicht nur Konsumenten sind von Sicherheit, sondern auch Produzenten sein können. Und für mich ist echt immer so ein inspirierendes Beispiel Finnland oder auch Schweden, wo ich oft bin, das Baltikum. Also zum Beispiel Finnland, die Leute sind viel näher an Russland, die haben eine wahnsinnig lange Grenze und auch eine wirklich konfliktreiche Geschichte. Aber die Leute haben weniger Angst. Als viele Menschen hier auf der Straße, dass ein Krieg kommt, weil sie, ja, ich glaube, auf Neudeutsch heißt das Selbstermächtigung oder auf Englisch Agency. Und das sind jetzt vielleicht so ein bisschen Modebegriffe, aber da steckt schon viel dahinter. Eben das Gefühl, dass man einen Beitrag leisten kann, sei es in seiner Schule, in seiner Kommune und eben auch nicht militärisch. Da geht es wirklich um, wie können wir sicherstellen, dass die Trinkwasser... Versorgung noch klappt, dass Elektrizität da ist. Also jeder hat da so eine Funktion in dieser Gesellschaft, wie er zu dieser Gesamtverteidigung beiträgt. Und das ist für mich echt inspirierend.
Sprecher 2: Aber genau das, was du ansprichst, überall dort sehen wir vulnerable Punkte hier in diesem Land. Egal, ob wir über Zivilschutz reden, Katastrophenschutz, wer weiß schon, wo sein zuständiger Bunker oder seine zuständige U-Bahn-Station ist. Haben wir überhaupt die Zeit, die zentrale Frage nicht, haben wir überhaupt die Zeit, das aufzuholen?
Sprecher 6: Zeit ist ein... Absolut kritischer Punkt. Wir haben nicht so viel Zeit, wie wir dachten, dass wir hätten. Wir reden ja über diese Dinge auch schon ein bisschen länger. Ich glaube, Trump hat uns jetzt nochmal die Uhr vor die Nase gehalten und nochmal gesagt, hier, da tickt es. Aber das heißt ja nicht, dass wir es nicht versuchen müssen. Also ich finde, angesichts dieser Herausforderung zu sagen, ach nee, das klappt eh nicht, ist ja keine Option, weil so viel auf dem Spiel steht. Es geht ja um unsere Art zu leben. Es geht um Freiheit, Frieden, Wohlstand. Den wir sichern und verteidigen müssen. Und da müssen wir jetzt endlich an diese Punkte ran. Und da gibt es ja eine gesellschaftliche Debatte, Aber wir müssen das noch viel mehr vorantreiben.
Sprecher 2: Du hast die Finnen ja angesprochen oder auch die Skandinavier, die natürlich eine andere Bedrohungslage haben. Und wir haben über Jahrzehnte gelernt, dass wir eigentlich keine Bedrohungslage mehr haben und müssen jetzt das neu lernen. Du zitierst in deinem Buch auch den Satz des NATO-Generalsekretärs Rutte, der immer gesagt hat, entweder die Europäer geben jetzt mehr Geld für die Verteidigung aus oder sie melden sich schon mal für einen Russischkurs an. Wenn die Deutschen doch gar nicht diese Bedrohungslage so sehen wie der NATO-Generalsekretär, warum sollten sie sich dann vorbereiten?
Sprecher 6: Was tatsächlich, glaube ich, viel geholfen hat, waren die hybriden Angriffe auf europäisches Territorium, die wir ja gesehen haben im letzten Jahr, die Drohnenüberflüge, das Eindringen in den Luftraum. Und das fand ich echt ganz... Erkenntnisreich. Ich war zum Beispiel in der Zeit auch in Italien und selbst da hat man ein neues Bedrohungsbewusstsein entwickelt und zwar aufgrund dieser hybriden Herausforderungen. Und meines Erachtens hat sich da tatsächlich schon viel getan in Deutschland, wenn man mal vergleicht, wo wir vor vier Jahren in der Debatte standen und wo wir jetzt stehen, auch mit Blick auf Russland. Ich glaube, man muss halt deutlich machen, dass es nicht so ist, wie Rütte das vielleicht mit seinem Satz irgendwie insinuiert, dass dann die russische Armee hier durchs Brandenburger Tor marschiert. Das ist nicht die Bedrohung, vor der ich in diesem Buch warne. Bedrohung, die ich halt sehe, ist, dass wir eben sehr von Institutionen abhängig sind, der EU, aber auch noch der NATO und dass dieser Zusammenhalt eben getestet wird durch einzelne Nadelstiche und dass wenn wir zeigen, dass wir gegeneinander nicht mehr solidarisch sind, dass dann das ganze Konstrukt kollabiert. Das ist im Prinzip was, was nicht nur Putin möchte, die Europäer filitieren und in Einzelteile, also in Einzelstaaten aufspalten. Das ist das, was Trump die Trump-Administration gegenüber Europa verfolgt. Das ist das, was China versucht. Im Grunde genommen ist ja die Lehre für die, wenn wir stark sind, wie jetzt zum Beispiel im Falle Grönlands und unsere Karten, die wir haben, auch spielen, dann sind wir... Ja, machen wir einen Unterschied. Aber wenn wir lauter Einzelteile zerfallen, dann sind wir dafür zu schwach.
Sprecher 2: Die Filletien ist ein wunderbarer Begriff, denn es kommt ja tatsächlich von beiden Seiten. Auch China hat kein Interesse an einem starken, einigen Europa. Russland hat es auf jeden Fall nicht. Und die Erfolge sind ja sichtbar. Ungarn. Slowakei, vielleicht im nächsten Jahr Frankreich, dann fällt eine zentrale Achse weg. Also was bleibt am Ende übrig für diese Koalition der Willigen, die du beschreibst in deinem Buch? Sollen wir das mit den Benelux-Staaten rocken oder wie?
Sprecher 6: Ich glaube, es gibt immer noch ein großes Potenzial. Ich würde auch Frankreich noch nicht verloren geben. Italien, da waren wir ja sehr skeptisch und das Ganze hat sich ja... Zumindest außenpolitisch positiver entwickelt, als wir so dachten. Mit der Frau Meloni lässt sich ja durchaus arbeiten. Ich sehe vor allen Dingen so einen Inkubator für stärkere Verteidigungskooperationen zwischen den nordischen und den baltischen Staaten. Die sind sehr klein, aber zusammengenommen können die schon einen Unterschied machen. Plus Polen, die ja... Wahnsinnig voranschreiten jetzt gerade im Verteidigungsfähigwerden, die vor allen Dingen auch eine große Landstreitmacht sind. Ich glaube, Deutschland könnte da eine sehr konstruktive Rolle spielen, Großbritannien, die Niederlande. Also ich sehe so gerade im Nordosten Europas tatsächlich die Möglichkeit, dass man regional nochmal tiefer und weiter geht als jetzt im bisherigen Rahmen.
Sprecher 2: Ganz zum Schluss in deinem Buch, das ja vor allem eine exzellente Analyse ist, aber zum Schluss auch so etwas Appellatives, da schreibst du, wir brauchen einen neuen Grundkonsens. Wer führt den an?
Sprecher 6: Na, also ich mit meinem Buch natürlich.
Sprecher 2: Selbstverständlich. Und auch du schaffst es nicht alleine, Jan.
Sprecher 6: Nein, ich glaube, Scherz beiseite, das muss schon von oben kommen. Das muss von der Bundesregierung in die Bevölkerung gehen und in die europäischen Staaten, eben von den jeweiligen Staats- und Regierungschefs. Der EU, von der NATO, aber dann tatsächlich glaube ich nochmal, dass jeder eine Rolle spielen kann. Also Lehrer, die Politikkurse geben in Schulen, generell in Gemeinden, dass man diese Themen vielleicht auch einfach das nächste Mal beim Stammtisch oder so vielleicht einfach auch mal bespricht oder adressiert. Das Diskutieren über, wo sind die Bedrohungen, wie müssen wir uns aufstellen, ist ja was, was Deutschland enorm herausfordert, weil wir uns ja komplett anders aufgestellt hatten, auch mental und auch in unserem Selbstverständnis, wer wir sein wollen. Und ich glaube, dieses Rollenbild, das muss sich ändern. Aber dafür brauchen wir eine Diskussion, wo auch kontroverse Debatten geführt werden, unterschiedliche Meinungen gehört werden, damit wir einen neuen Kurs finden, der uns vorbereitet auf diese neue Welt.
Sprecher 2: Du hast die Bundesregierung angesprochen. Ist Friedrich Merz, der ja nicht besonders populär in seinem Land ist, der Richtige, der so einen Mentalitätswandel in diesem Land schaffen kann?
Sprecher 6: Also erstmal ist Friedrich Merz eine Erleichterung für die meisten Europäerinnen und Europäer, mit denen ich gesprochen habe. Weil er die Führungsrolle annehmen will. Genau, weil er die Führungsrolle annehmen will, weil er das auch klar kommuniziert und weil er... Auch einen anderen Akzent setzt, als zum Beispiel Merkel den gesetzt hat. Merkel hat ja immer versucht, die EU als Ganzes zusammenzuhalten, einen ganz großen institutionellen Fokus. über Nächte versucht, Orban noch an Bord zu holen und so weiter. Merz macht das ja ein bisschen anders. Der hat ja so ein, ich arbeite mit, wer sich anbietet, wer will und dann gehen wir auch voran. Und wenn es nicht im EU-Rahmen ist, wir machen es auch in der E3 mit Großbritannien. Und da habe ich tatsächlich viel positives Feedback darüber gehört, dass schon eine neue Europadynamik aus Berlin kommt. Das ist keine wirkliche EU-Dynamik. Das ist tatsächlich eher eine Koalitionsdynamik, also verschiedene neue Bündnisse schmieden. Wenn du jetzt sagst, nach innen gerichtet, setze ich auch sehr auf den Verteidigungsminister. Der hat in der Vergangenheit unangenehme Wahrheiten gesagt und ist trotzdem enorm beliebt. Also es scheint möglich zu sein, das zu machen. Ja, und dann auf die gesamte Bundesregierung. Auch die Opposition könnte da ja eine konstruktive Rolle spielen, weil das ist etwas, wo ich denken würde, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber quasi Land vor Partei. Es geht hier ja wirklich um uns als Deutschland und unsere Zukunft.
Sprecher 2: Frommer Aufruf in einem Jahr mit fünf Landtagswahlen. Ich hoffe, die Politik hat zugehört. Jana, du beschäftigst dich jetzt seit Jahren vor allem mit Krisen, Konflikten, einer Weltordnung, die nicht wirklich Freude macht. Wie bleibt man da eigentlich ein optimistischer, gelassener Mensch?
Sprecher 6: Ich bin eigentlich gar nicht so optimistisch und gelassen. Anfang des Jahres habe ich schon mal gedacht, als Kind wollte ich Floristin werden, ob das nicht die bessere Berufswahl gewesen wäre. Aber ich habe halt eine Leidenschaft für internationale Politik. Es gibt ja jetzt einfach zwei Möglichkeiten für uns als Europäer. Entweder das bricht uns oder das schafft irgendwie eine bessere... Neue Zukunft für uns und auch Barrieren, die wir in der Vergangenheit hatten, die können wir jetzt durchbrechen, weil wir einfach müssen. Also für uns ist das halt so ein Moment, da müssen wir uns entscheiden und wir können es auf niemanden schieben, es liegt an uns. Und da möchte ich echt auf der Seite derjenigen stehen, die sagen, wir schaffen das, auch wenn das ein sehr, sehr schwieriger, verbrannter Satz ist.
Sprecher 2: Die Leidenschaft für internationale Politik, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, die spürt man in diesem wunderbaren Buch wirklich in jeder Zeile. Ich empfehle es sehr. Wer verteidigt Europa? Die neuen Kriegsgefahren und was wir tun müssen, um uns zu schützen. Ja, Napoleon, vielen Dank, dass du da warst.
Sprecher 6: Gerne.
Sprecher 3: Lieber mit Chi war noch was.
Sprecher 2: Der Kopf brummt noch ein wenig, aber es geht schon wieder, Helene. Wir wollten ja nicht über den Neues Empfang hier nochmal reden, denn wir reden jetzt heute mal über Kalifornien. Dort sitzen nicht nur Amazon, Google, Meta, Nvidia oder Apple oder OpenAI oder Microsoft, sondern eigentlich alle Tech-Startups, die in Amerika die Ökonomie dominieren. Und wenn sie, die Chefs dieser Unternehmen, sich von Donald Trump abwenden, dann könnte der Mann wirklich ein Problem bekommen.
Sprecher 3: Ja, schon interessant, wenn man sich anschaut, vor allem ja die Bilder von Donald Trumps Vereidigung, wo all die Chefs der Tech-Giganten um ihn rum saßen und sich diese Plätze übrigens sehr, sehr teuer erkauft hatten. Es war ihnen offensichtlich sehr viel Geld wert, auf einem Foto mit Donald Trump an seinem ersten Amtstag gezeigt zu werden. Und wenn sich da nun eine Veränderung abzeichnet, ein Abrücken, dann könnte Donald Trump auch unter Druck geraten. Mit Elon Musk, darüber sprachen wir ja schon. Gab es ja auch schon echt schwere Zeiten.
Sprecher 2: Mehr als 500 Personen haben jedenfalls mit Klarnamen und auch mit Angaben zu ihrem Arbeitgeber einen offenen Brief an den Präsidenten unterschrieben. Darin verurteilen sie den Tod des US-Staatsbürgers Alex Pretty durch Grenzschutzbeamte von ICE und auch die Brutalität, die von dieser Behörde immer wieder ins Land getragen wird. Also aus diesem liberalen Kalifornien, was immer schon eher demokratisch war, könnte der Aufstand gegen den Republikaner Trump kommen.
Sprecher 3: Wäre doch schön, wenn sich andere mal ein Beispiel an... Kalifornien nehmen würden. So, liebe Hörerinnen und Hörer, das war's für heute. Morgen haben wir hier ein Spezial mit Markus Söder, dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef. Und da geht es unter anderem um die Frage, wen er an der Spitze der Unionsfraktion im Bundestag vorschlagen will. Die Wahl steht bald an. Wir haben ein sehr aufschlussreiches und ausführliches Interview für Sie morgen. Dann schon 31. Januar, letzter Tag in diesem kalten Monat. Alles Gute für Sie und ein schönes Wochenende.
Sprecher 2: Ciao, ciao.
Sprecher 7: Desert Highway. Cool wind in my hair. Warm smell of colitas. Rising up through the air. Up ahead in the distance, I saw a shimmering light. My head grew heavy and my sight grew dim. I had to stop for the night. There she stood in the doorway. I heard the mission bell. I was thinking to myself, this could be heaven and this could be hell. Then she lit up a candle and she showed me the way. There were voices down the corridor. I thought I heard them say. Welcome to the Hotel California. Such a lovely place, such a lovely place, such a lovely face. Ready a room at the Hotel California. Any time of year. Any time of year. You can find it here.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.