Grönland-Gipfel in Davos
US-Präsident Donald Trump wird heute beim Weltwirtschaftsforum in Davos erwartet, wo er auf europäische Staats- und Regierungschefs trifft. Mit seiner Ankunft verbindet sich die Hoffnung, dass der Grönland-Konflikt doch noch entschärft werden kann.
US-Finanzminister Scott Bessent hat in Davos Signale gesendet, die darauf hindeuten, dass auch die Trump-Administration an einer Deeskalation interessiert sein könnte.
Donald Trump hat vor seiner Abreise nach Europa eine Pressekonferenz im Weißen Haus gegeben. Auch Trump klang versöhnlicher als in den Stunden zuvor in seinen Social-Media-Posts.
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Ein überdimensionales Wahlplakat in Nürnberg sorgt für bundesweite Debatten. An der lokalen SPD-Parteizentrale hängt ein 14 mal 10 Meter großes Plakat des Oberbürgermeisterkandidaten Nasser Ahmed mit der Aufschrift „Mein N-Wort ist Nürnberg“.
In sozialen Medien hagelt es Kritik. Im Gespräch mit Laura Block erklärt Ahmed, warum er zu seiner N-Wort-Kampagne steht.
[11:18]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die Europäer fassen sich an den Kopf. Es ist immer noch ein bisschen krasser, als man es sich vorstellen könnte. Und es geht natürlich mal wieder um Donald Trump, der jetzt vertrauliche SMS anderer Regierungschefs veröffentlicht hat. Außerdem einen weltweit tätigen Friedensrat gründen will, so ungefähr nach dem Vorbild eines Golfclubs, zu dem er auch Russland eingeladen hat. Und er bleibt dabei, Grönland den USA einzuverleiben. All das wird er auch beim Wirtschaftsforum in Davos besprechen. Der Präsident kommt heute und wir fassen die Lage für Sie zusammen.
Sprecher 3: Mein N-Wort ist Nürnberg. Mit diesem Spruch auf seinem Wahlplakat sorgt derzeit Nasser Ahmed, der SPD-Spitzenkandidat in Nürnberg, nicht nur vor Ort für Aufsehen. Was hat es eigentlich auf sich mit diesem Slogan? Wie reagiert die Politik in Söder City Nürnberg? Das haben wir Ihnen gleich gefragt.
Sprecher 2: Das Glas Wasser aus der Leitung soll künftig noch gesünder werden. Warum das so ist, das sagen wir Ihnen zum Schluss an diesem Mittwoch, den 21. Januar. Meine Schwägerin hat heute einen runden Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 4: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft und hat dafür einen Ausschuss gebildet.
Sprecher 5: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen. Damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt. Ihr Verband der chemischen Industrie.
Sprecher 6: How far are you willing to go to acquire Greenland?
Sprecher 7: You'll find out.
Sprecher 8: President, you said your comment, something's going to get worked out in Greenland, but Greenlanders have made it clear they don't want to be part of the U.S. Well, I haven't. What gives the U.S. The right to take away that self-determination?
Sprecher 7: When I speak to them, I'm sure they'll be thrilled.
Sprecher 9: A consequence of your determination to take control of Greenland is the ultimate breakup of the NATO alliance. Is that a price you're willing to pay?
Sprecher 7: You mean the breakup of... It's very interesting. So I think something's going to happen that's going to be very good for everybody. Nobody's done more for NATO than I have, as I said before, in every way. I think that we will work something out where NATO is going to be very happy and where we're going to be very happy. But we need it for security purposes. We need it for national security and even world security. It's very important. How about it? I'm leaving tonight, as you know, Davos. And we have a lot of meetings scheduled on Greenland. And I think things are going to work out pretty well, actually.
Sprecher 3: Auf der Ort, an dem Donald Trump und seine 300-köpfige Delegation an diesem Mittwoch einzieht im Schweizer Davos, ist selbstverständlich bei Donald Trump ein besonderer. Es ist eine Kirche, wo er und seine Kolleginnen und Kollegen aus der Administration sich während dieser nächsten Tage versammeln werden, um wichtige Gespräche zu führen, vor allem um Grönland.
Sprecher 2: Lingen Betrag haben die Amerikaner dafür ausgegeben, diese Kirche zu mieten. Eine Freikirche in Davos. Naja, mal sehen, ob das Segen bringt, denn der ist zwingend nötig für diese Gespräche, die jetzt anstehen.
Sprecher 3: Scott Besson, der US-Finanzminister, ist schon vor Ort und hat gestern einen O-Ton abgegeben, den wir Ihnen nicht vorenthalten wollen, denn er ist scheinbar einer der vernünftigsten und besonnensten in der Administration. Das hat er hier zum aktuellen Streit um Grönland gesagt.
Sprecher 2: Das klingt ja schon fast nach Multilateralismus. Interessant aus dem Mund von Scott Besson und auch wiederum nicht so überraschend, denn der Finanzminister weiß ganz genau, dass die Amerikaner diejenigen sind, die unter einem Zollstreit leiden werden. Der amerikanische Verbraucher, so heißt es, zahlt die Zeche. Und was Besson auch weiß, ist, dass wenn jetzt nichts passiert, dann werden automatisch am 6. Februar die Gegenmaßnahmen in Kraft treten, die die Europäer schon im vergangenen Sommer vorbereitet haben. Sie erinnern sich, auch damals gab es einen Zollstreit. Dann gab es einen Deal, den Ursula von der Leyen damals in Schottland mit Donald Trump geschlossen hat. Und man einigte sich auf diese berühmten 15 Prozent beziehungsweise 0 Prozent. Aber die Europäer hatten schon Gegenmaßnahmen vorbereitet, eine Art von Vorratsbeschluss. Und eigentlich sollte im Europäischen Parlament dieser Zolldeal von diesen 15 Prozent jetzt abgeschlossen werden, ist aber nicht passiert, sodass jetzt diese Maßnahmen kommen. Sie haben ein Volumen von 93 Milliarden Euro und richten sich gegen amerikanische Industriegüter, zum Beispiel Flugzeuge von Boeing, aber auch Stahl und Bourbon Whisky. Das weiß Scott Besson, hoffentlich hat das auch dem Präsidenten gesagt und hoffentlich hat es der auch verstanden.
Sprecher 3: Es scheint auf jeden Fall nicht so, als habe Trump seine Ideen zu Grönland schon durchdrungen und vielleicht die ökonomischen Auswirkungen auch noch nicht. Denn er hat gestern nochmal ein wenig die europäischen Staats- und Regierungschefs gepiesackt, indem er private vertrauliche Nachrichten von führenden Regierungs- und Staatschefs in Europa veröffentlicht hat. Unter anderem das ohnehin schon angespannte Verhältnis zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dürfte jetzt noch ledierter sein, nachdem er gestern bereits in einer Pressekonferenz gesagt hat, der sei ja eh nicht mehr lange im Amt der Macron, ob er bei seinem Board of Peace mitmacht oder nicht, sei dann auch egal. Hat er dann auch noch eine sehr liebedienerische SMS von Macron an Trump bei Truth Social veröffentlicht. Wir sollten es mal zitieren, Helene, oder?
Sprecher 2: Ja, unbedingt.
Sprecher 3: Mein Freund, wir sind uns in Bezug auf Syrien völlig einig. Wir können Großes in Bezug auf den Iran erreichen. Ich verstehe nicht, was du in Grönland tust. Lass uns versuchen, Großes zu erreichen. Ich kann am Donnerstag nach Davos ein G7-Treffen in Paris organisieren. Ich kann die Ukrainer, Dänen, Syrer und Russen am Rande einladen. Lass uns am Donnerstag, bevor du in die USA zurückkehrst, gemeinsam in Paris zu Abend essen. Dein Emanuel. Also da muss... Muss man schon sagen, alleine, dass er unabgestimmt offensichtlich Russland als Teil wieder der G8 machen will, ist für mich schon mal eine erstaunliche Nachricht. Aber was man inzwischen auch weiß, private Nachrichten an Donald Trump sind nicht mehr privat.
Sprecher 2: So ist es, wobei man jetzt sagen muss, am Rande dazu einladen ist jetzt noch nicht G8, die Russen. Und trotzdem ist das natürlich ein Bruch mit dem, was man bisher vereinbart hat, mit der gemeinsamen Front des Westens gegen Russland. Soll jetzt Russland mit an den Tisch kommen? Überraschend, dass Emmanuel Macron das so sagt. Das Problem, Michael, du sagst liebedienerisch, klar, so kann man es nennen. Und gleichzeitig wissen wir halt auch, wenn man Trump nicht tausendmal lobt in jeder Nachricht und ihn umschmeichelt, dann spricht er nicht mehr mit einem. Insofern, man kann ja nun nicht glauben, dass so ein Macron oder andere das gerne tun, was sie da tun. Rütte ist der andere Fall, über den wir gleich reden werden, wo wir uns auch an Pressekonferenzen erinnern. Dieses Umschmeicheln, das wird auch Rütte peinlich sein. Er weiß nur schlicht nicht, wie er es anders machen soll. Vielleicht liest du mal die Mail von Rütte noch vor.
Sprecher 3: Also erstmal ist er der NATO-Generalsekretär, damit hat er natürlich qua Amt das größte Interesse, dass die Amerikaner an Bord bleiben. Und er hat schon einmal, muss man sagen, sich ein bisschen, ja, daneben genommen würde ich jetzt nicht sagen, aber dass er den amerikanischen Präsidenten als Daddy bezeichnet, war schon etwas, was ein bisschen weit geht, laut manchem europäischen Politiker, der gerne auf Augenhöhe mit Trump verhandeln würde. Jetzt hat er ihm jedenfalls noch eine SMS geschrieben, auch wieder Syrien gelobt, die Auftritte von Trump gelobt und dann gesagt, Man könne sich doch in Davos nochmal sprechen, um dann da... Also Trumps Arbeit in Gaza und in der Ukraine herauszustellen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir einen Weg vorwärts bei Grönland finden. Ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen. So was schreibe ich ja nicht mal mehr zu dir, Helene.
Sprecher 2: Ja, das will schon einiges heißen. Ich werde aber, Michael, deine Nachrichten hier nicht vorlesen. Keine Sorge.
Sprecher 3: Das wäre auch mein Ende.
Sprecher 2: So, aber kommen wir zurück.
Sprecher 3: Überhaupt sollte man private Telefonnachrichten nicht veröffentlichen. Ein Hinweis an einen ehemaligen Chefredakteur einer großen Zeitung. Aber gut, das gehört hier nicht hin.
Sprecher 2: Nein, aber ich meine, um jetzt nochmal zur Ernsthaftigkeit zurückzukommen, die ja ernst ist und gleichzeitig reibt man sich die Augen, man glaubt es ja nicht. Es hat eine unfreiwillige Komik, diese ganze Geschichte. Und dabei ist es dann eben auch wieder brandgefährlich, wenn wir uns jetzt diesen Friedensrat anschauen. Michael, du hast es gerade schon zitiert. Nach dem Vorbild einer Golfklubsatzung hat Donald Trump einen Friedensrat ins Leben gerufen oder will das tun, dessen Präsident natürlich Donald Trump himself ist und zwar auf Lebenszeit. Und er lädt alle möglichen Länder ein und zwar auch die Russen, Teil dieses Rates zu sein. Eine Milliarde Dollar muss man bezahlen, um einen ständigen Sitz zu bekommen. Er hat es an alle Regierungen geschickt und zwar in vollständiger Ernsthaftigkeit. Die Franzosen haben abgelehnt und daraufhin hat Trump gesagt, 200 Prozent Zoll auf Champagner und Wein aus Frankreich.
Sprecher 3: Angenommen hat selbstverständlich Viktor Orban, aber auch Javier Millet aus Argentinien hat die Ernennung als Ehre bezeichnet, dort teilzusein. Der kanadische Premierminister ist dabei, Mark Kahn. Türkei und Ägypten wurden ebenfalls eingeladen. Naja, also am Ende ist das eine finanzielle Huldigung für die Person Donald Trump? Oder was soll das am Ende eigentlich bringen?
Sprecher 2: Vielleicht will er sich und Peace nochmal in eine engere Verbindung bringen, denn wir wissen ja jetzt durch das Schreiben an den norwegischen Premierminister, wie ernsthaft Trump verärgert ist, dass er nicht den Friedensnobelpreis bekommen hat, dass er deswegen auch angekündigt hat, künftig etwas weniger für den Frieden zu tun. Jetzt ist die Alternative offenbar das Friedensbord. Vielleicht ist das der nächste Anlauf zum Friedensnobelpreis. Wie gesagt, man glaubt es kaum und trotzdem ist es so.
Sprecher 3: Jedenfalls Peace könnte er ja vielleicht auch mal innerhalb der NATO schaffen, wenn er jetzt in Davos mehrere europäische Staatschefs treffen will, wie er selber auch verkündet hat. Also unter anderem sind geplant Gespräche mit dem NATO-Generalsekretär, aber auch mit Friedrich Merz, der neben seiner Rede oder vor seiner Rede oder nach seiner Rede morgen in Davos Trump treffen will. Und Trump hat jetzt mit einem kleinen KI-generierten Bild bei Social Media nochmal die Debatte angeheizt, hat sich vor einer US-Flagge gezeigt, die er in einer schneebedeckten Umgebung hisst. Hinter ihm steht selbstverständlich J.D. Vance und Marco Rubio und auf dem Holzschild im Vordergrund Grönland als US-Territorium. Er meint das offenbar weiterhin ernst. Mal sehen, ob die ökonomischen Argumente in Davos am Ende ihn davon abbringen können, das durchzuziehen.
Sprecher 2: Und ob die ökonomischen Argumente am Ende wirklich die sind, an denen Donald Trump weiter festhält. Denn interessant ist ja schon, nachdem er Ende der vergangenen Woche den Zollstreit ausgerufen hat, die Eskalation auf dieser Sache. Wirtschaftspolitischen Ebene hat er ja dann in den vergangenen Tagen wieder stärker Grönland und den Sicherheitsaspekt in Verbindung gebracht. Vielleicht hat er wirklich auf die Argumente von Scott Besson gehört und gesehen, wie schädlich das auch für Amerika ist. Jedenfalls die Bundesregierung hofft, dass es so kommen könnte und dass man nun auch im Gespräch von Friedrich Merz und Donald Trump irgendeinen gesichtswahrenden Weg aus diesem Dilemma heraus finden könnte, indem man zum Beispiel Donald Trump verspricht, wie man jetzt die Sicherheit Grönlands künftig gemeinsam schützen könnte oder ähnliches, um ihn wegzubringen von dieser Eskalation in der Zollfrage. Und die Hoffnung ist, dass er das mal wieder nicht alles durchdacht und ernst gemeint hat, sondern dass man das Thema nun möglichst schnell wegräumt. Auch deswegen, so ist zu hören, spricht Friedrich Merz nicht in derselben Form wie Macron und Starmer öffentlich darüber, weil man dann meint, dann ist es für Trump noch schwieriger, von seinem Baum wieder runterzuklettern.
Sprecher 4: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft und hat dafür einen Ausschuss gebildet.
Sprecher 5: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen. Damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt. Ihr Verband der chemischen Industrie.
Sprecher 3: Es ist 14 mal 10 Meter groß, das riesige Plakat des Nürnberger SPD-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl, nämlich Nasser Ahmed. Und es steht drauf, mein N-Wort ist Nürnberg. Er selbst spricht von einer Reclaim-Aktion, also er will dieses... Ehemals rassistische Wort, das wir jetzt selbstverständlich nicht aussprechen, entkoppeln von seiner ursprünglichen Verwendung. Man könnte aber natürlich auch fragen, nutzt er damit nicht rassistische Ressentiments, um sich selbst bekannt zu machen? Jedenfalls eine Inszenierung, die über die Grenzen von Nürnberg hinaus für Debatten sorgt. Und Laura Block, unsere SPD-Korrespondentin im Berlin-Table, hat selbstverständlich sofort bei dem jungen Mann mal angerufen und gefragt, was das eigentlich soll. Hören wir mal rein.
Sprecher 10: Guten Morgen, Herr Achmed.
Sprecher 11: Schönen guten Morgen.
Sprecher 10: Herr Achmed, in einem Antrag aus dem Jahr 2021 fordern Sie unter anderem die Ächtung des N-Worts. Nun nutzen Sie aber das Wort für Ihre eigene Kampagne. Steht das nicht eigentlich im starken Widerspruch?
Sprecher 11: Nun gut, also das, was wir ächten, ist natürlich das ausgesprochene Wort. Und worauf ich hinweisen möchte, ist, dass Politiker wie ich, die in der Öffentlichkeit stehen, sehr häufig mit dem ausgeschriebenen Wort tatsächlich konfrontiert werden. Also seitdem ich jetzt auch Oberbürgermeisterkandidat meiner Partei geworden bin, muss ich tatsächlich monatlich mir dieses Wort an den Kopf werfen lassen und habe auch sehr viele Hassbotschaften, viel Hetze ertragen müssen. Und darauf wollte ich hinweisen und eben klar sagen, ich lasse mich von Rechtsextremen auch nicht auf eine Identität und auf ein Wort reduzieren, sondern mein Endwort ist Nürnberg, meine Heimat, meine Identität und ich trete dafür an, dass Nürnberg eben ein besserer Ort wird und zwar eine Stadt der Chancen, in der sich jeder das Wohnen leisten kann und jeder auch Bildungsangebote und Chancen bekommt.
Sprecher 10: Es steht also für sie nicht im Widerspruch.
Sprecher 11: Ich verstehe, dass manche das so erachten. Ich lese ja die Kommentare und die Kritik, aber die allermeisten Menschen hier in Nürnberg, die verstehen, was ich auch damit sagen will und die sehen darin auch keinen Widerspruch. Also von daher, ich sehe es eher als Abbild der Realität, dass das bis heute passiert. Also es gibt diesen Rassismus und das N-Wort wird mir an den Kopf geworfen, das ist eine Realität. Und diese Realität lasse ich aber nicht so... Nicht bestimmen, sondern ich deute das für mich um und sage, nein, entscheidend ist jetzt auch in meiner Kampagne Nürnberg. Und Nürnberg, zur Stadt der Chancen zu machen, bezahlbares Wohnen zu schaffen, gute Bildung schaffen, das ist das, worum es in dieser Kampagne geht.
Sprecher 10: Sie haben gerade die Kommentare angesprochen. Bei Instagram, TikTok und LinkedIn kritisieren ja viele ihr Plakat, auch weil sie jetzt eben fürchten, dass durch solche Aktionen das Wort wieder sagt. nachdem man ja jahrelang versucht hat, die Menschen dafür zu sensibilisieren. Können Sie das nachvollziehen?
Sprecher 11: Also ich habe das Wort ja nicht gesagt. Ich habe ja das Wort gesagt, mit dem wir den Diskurs führen und das tatsächliche Wort geächtet haben. Ich kann schon verstehen, was der ein oder andere damit meint. Ich habe da eine andere Position. Meine Position ist... Meine Realität als schwarzer Politiker, dass ich mit diesem Rassismus on a daily basis konfrontiert werde, Ich wollte das für mich sozusagen konkret reclaimen und sagen, nein, stopp, es geht in dieser Kampagne, es geht in der Nürnberger Stadtpolitik nicht darum, wo man herkommt, wie man ausschaut. Welche Religion man hat, sondern eben kommt nur darauf an, was man beitragen möchte für dieses Nürnberg. Ich sehe es als Angebot, dass jeder von verschiedenen Hintergründen auch zusammenarbeitet an dieser Stadt der Chancen, von der ich profitieren konnte. Also ich liebe dieses Nürnberg. Ich habe hier Nürnberg als Kind von Geflüchteten, als Arbeiterkind, als Chancenstadt erlebt und habe meinen Weg gehen können. Und ich möchte halt, egal wo man herkommt, egal wie man ausschaut, jedem auch diesen Weg ermöglichen. Dafür trete ich ja an.
Sprecher 10: Viele Menschen reagieren ja auf ihr Plakat. Ich habe mich gefragt, kann man heutzutage eigentlich nur noch Wahlen gewinnen, wenn man maximale Aufmerksamkeit generiert?
Sprecher 11: Ich hoffe nicht. Ich hoffe, das bessere Argument, zählt und auch wofür man antritt. Also mein Ziel war immer, eine Realität abzubilden und zu sagen, Also es geht um Nürnberg. Es geht um die Stadt der Chancen. Von daher kann ich jetzt nicht so allgemein beantworten. Es war jetzt auch nicht mein Ziel, sondern mein Ziel war tatsächlich, in Nürnberg einen Beitrag zu leisten. Und ich bin auf der einen Seite natürlich ein bisschen erschrocken darüber, dass manche sich da so angegriffen fühlen und da höre ich auch zu und kann auch sagen, auch ich bin ja jemand, der unter... Rassistischen Bezeichnungen und Anfeindungen gelitten hat. Und ich sehe das und ich spüre das. Und wenn Menschen mir das schreiben, dann nehme ich das auch ernst und kann nur versprechen, ich werde als Oberbürgermeister jemand sein, er auch aus dieser Perspektive heraus eine Politik für die Demokratie, gegen Diskriminierung und eben für Chancen für alle machen wird.
Sprecher 10: Herr Achmed, die wichtigste Frage zum Schluss. Hat eigentlich schon Markus Söder auf Ihr Plakat reagiert?
Sprecher 11: Das weiß ich nicht, das müssen Sie ihn fragen. Das wäre nicht gut. Ich folge ihm nicht.
Sprecher 10: Sie folgen ihm nicht bei Instagram?
Sprecher 11: Ich weiß es gar nicht. Muss ich mal nachschauen. Das müssen wir jetzt nachschauen. Aber man wird es mir wahrscheinlich mitteilen. Die können es mir vielleicht ja dann sagen, wenn er reagiert hat.
Sprecher 10: Das werde ich tun. Herr Achmed, vielen lieben Dank für das Gespräch.
Sprecher 11: Danke Ihnen.
Sprecher 2: Wig, war noch was.
Sprecher 3: Helene, gute Nachrichten für alle, die häufiger Leitungswasser trinken. Ich habe übrigens gestern Morgen bei den Kindern heimlich einfach Leitungswasser eingefügt, anstatt dieses Sprudelwasser. Ich glaube, sie haben es nicht gemerkt. Weil am Ende, erstens, weißt du, sie trinken es eh nie ganz aus, diese Flaschen. Sie lassen sie sowieso wieder irgendwo liegen. Da können sie auch einfach mal Leitungswasser trinken. Fällt mir gerade spontan ein.
Sprecher 2: Wie, du kaufst den Kindern eigene Flaschen?
Sprecher 3: Naja, die kriegen selbstverständlich eine Brotbox und eine Flasche für die Schule.
Sprecher 2: Und da tust du nicht Sprudelwasser aus dem Sprudler rein, wie ich, weil ich im vierten Stock nicht jede...
Sprecher 3: Auch nicht auf dem eingekauften Sprudel, sondern einfach aus dem Leitungswasserhahn.
Sprecher 2: Da kommt bei euch Sprudel raus.
Sprecher 3: Nein, ich habe einfach Leitungswasser reingetan in diese Flaschen.
Sprecher 2: Naja, interessant.
Sprecher 3: Es gab bisher keine Beschwerden. Es spart nicht nur Geld. Sondern es zeigt auch, was eigentlich.
Sprecher 2: Dass Kinder flexibler sind, als man manchmal denkt.
Sprecher 3: So, genau. Und dass sie sollen aufhören rumzumeckern. Also jedenfalls zwei Drittel der Deutschen trinken ohnehin regelmäßig Wasser aus dem Hahn. Ein Drittel trinkt bewusst nur Leitungswasser und kein gekauftes Mineralwasser, weil es ja angeblich viel besser sei direkt aus der Leitung. Naja, und jetzt wird tatsächlich das Trinkwasser noch gesünder, Helene. Du kannst es dir wahrscheinlich nicht vorstellen.
Sprecher 2: Ich kann es mir nicht vorstellen, weil in Hamburg, meiner Heimatstadt, hieß es immer, das Wasser aus dem Hamburger Leitungshahn. Ist so viel gesünder als jedes Wasser, das man kaufen kann. Natürlich erst recht das Wasser aus Plastikflaschen, wegen der Weichmacher. So bin ich groß geworden. Insofern trinkt Wasser aus der... Ich habe es im Grunde nie anders gemacht.
Sprecher 3: Unsere neue Trinkwasserverordnung jedenfalls soll jetzt dafür sorgen, dass noch weniger sogenannte Ewigkeitschemikalien enthalten sind. Das sind die krebserregenden Stoffe. Ab 2028 greifen noch stärkere Grenzwerte. Und dann wird unser Wasser noch besser. Und vor allem für mich muss es kalt sein, eiskalt am liebsten. Nur dann ist es für mich erträglich.
Sprecher 2: Kaltes Wasser für Michael und lauwarmes für mich.
Sprecher 3: So, schönen Tag, tschüss.
Sprecher 12: I will jump right over into cold, cold water for you. And although time may take us into different places, I will still be patient with you. And I hope you know.