Was denken die Grönländer, Herr Høyem?
Dauer: 29:36

Was denken die Grönländer, Herr Høyem?

Der frühere dänische Grönlandminister Tom Høyem hält es für ausgeschlossen, dass sich die Grönländer in einer freien Abstimmung für einen Beitritt zu den USA entscheiden könnten. Høyem sagte im Gespräch mit Michael Bröcker, 95 Prozent aller Einwohner der größten Insel der Welt würden für einen Verbleib bei Dänemark stimmen. „Wir sind eine Familie. In den letzten 300 Jahren haben Dänen und Grönländer geheiratet. Wir haben Onkel und Tanten und Cousins in allen Familien.“ Außerdem wisse man in Grönland genau, wie Inuit in Alaska leben. So wolle kein Grönländer leben.

[08:59]


Aus den europäischen Hauptstädten kommen leicht unterschiedliche Reaktionen auf die Drohungen aus Washington. Auch innerhalb der Bundesregierung unterscheidet sich die Wortwahl.

[01:25]


Nach 25 Jahren Verhandlungszeit ist das Mercosur-Handelsabkommen zwischen der EU und Südamerika nun offiziell unterzeichnet. Christoph Gröblinghoff, CEO des Landmaschinenherstellers Fendt, erläutert im Interview mit Henrike Schirmacher, welche Chancen und Risiken er in dem neuen Abkommen sieht. Er verstehe jedenfalls, dass es Sorgen bei Landwirten in Europa gebe.

[23:07]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Die ganze Woche steht im Zeichen der Grönland-Krise. Am Donnerstag wollen die Staats- und Regierungschefs der EU auf die Drohung von Trump reagieren. Und kurz danach will Friedrich Merz den amerikanischen Präsidenten in Davos treffen. Was hat die Bundesregierung vor? Wir versuchen es Ihnen zu erklären.

Sprecher 3: Warum ist Grönland eigentlich plötzlich so relevant und wie ist das Verhältnis zwischen der Schutzmacht Dänemark und Grönland wirklich? Das fragen wir heute Tom Hoyem. Er ist der ehemalige Grönlandminister aus Dänemark und lebt in Karlsruhe und spricht dankenswerterweise Deutsch.

Sprecher 2: Die regelbasierte Ordnung ist nicht am Ende. Das sehen wir schon daran, dass das Mercosur-Abkommen jetzt unterzeichnet wurde nach 25 Jahren Vorarbeit. Wie reagiert die deutsche Landwirtschaft darauf? Henrike Schirrmacher, die Redaktionsleiterin unseres Agri-Food-Tables, hat mit Christoph Gröblinghoff, dem CEO von Fendt, einem der führenden Landwirtschaftsmaschinenhersteller, über das Abkommen gesprochen.

Sprecher 3: Zum Schluss eine gute Nachricht vom Rauchen. Endlich mal eine Zigarettenstummel könnten vom Umweltproblem zum Energiespeicher der Zukunft werden. Darüber reden wir heute am Schluss an diesem Dienstag, den 20. Januar. Schön, dass Sie dabei sind.

Sprecher 4: Wir lassen uns nicht erpressen. Es wird eine geschlossene, eine deutliche Antwort Europas geben. Und wir bereiten jetzt mit unseren europäischen Partnern geschlossene Gegenmaßnahmen vor. Für den Fall bereiten wir sie vor, dass Präsident Trump seine Zolldrohung aufrechterhält.

Sprecher 2: Wir lassen uns nicht erpressen, so hat es Lars Klingbeil gesagt. Der Vizekanzler und auch Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich gestern zum Zollstreit mit den USA geäußert.

Sprecher 3: Interessant an Lars Klingbeils Worten ist, er ist deutlich härter und entschlossener als manchmal in der Innenpolitik. Er will sich das Thema, wer ist eigentlich der Chefkritiker von Trump, so ein bisschen in der Regierung anheften. Und ich bin überrascht, dass er proaktiv nach diesem Treffen mit dem französischen Finanzminister auf dieses Thema gekommen ist. Merz ist eigentlich ein bisschen konzilianter.

Sprecher 5: Also ich kann nur sagen, bis jetzt ist das, was wir uns gemeinsam vorgenommen haben und was ich immer befürwortet habe, nämlich die Amerikaner auch mit in der Verantwortung für Europa und für die Kriege, die in Europa oder den Krieg, der in Europa geführt wird, in der Verantwortung zu behalten, vollumfänglich aufgegangen. Also wir sind hier zusammen darum bemüht, eine Lösung dieses schrecklichen Krieges in der Ukraine herbeizuführen. Und deswegen werde ich nichts tun, was diese Chancen mindert. Ich werde alles tun, was diese Chancen vergrößert. Und dazu gehört auch der Umgang mit den Zoll. Wir wissen es aus der Erfahrung der zwölf Monate, dass Trump immer wieder auch mit Zöllen droht. Sie häufig auch in Kraft setzt, aber häufig genug auch Gespräche und Verhandlungen mit ihm dazu führen, dass er davon Abstand nimmt. Und genau das ist meine Strategie der letzten neun Monate oder der letzten acht Monate gewesen, seitdem ich im Amt bin und ich werde sie genauso fortsetzen.

Sprecher 2: Ja, ich finde, so ganz überraschend ist es nicht, denn natürlich Friedrich Merz zum einen, ist er lange Jahre Mitglied der Atlantikbrücke gewesen, hat immer gegen tatsächliche oder vermeintliche anti-amerikanische Ressentiments angekämpft in Deutschland. Über viele Jahre würde ich sagen, auch zu Recht. Jetzt kann man die Kritik an den Amerikanern natürlich nicht mehr als Anti-Amerikanismus abtun, wirklich nicht. Aber ich sage mal, Lars Klingbeil und seine SPD, haben es mit Amerika-Kritik natürlich deutlich leichter. Das hat eine Tradition in dieser Partei. Die Frage ist ja aber weniger, wie man kritisiert, als was daraus jetzt folgt.

Sprecher 3: Ja, und trotzdem ist Lars Klingbeil ja ein Transatlantiker, immer gewesen, Young Leader der Atlantikbrücke. Übrigens, der frühere SPD-Chef Sigmar Gabel ist heute Vorsitzender der Atlantikbrücke. Und Lars Klingbeil war eigentlich nie in Verdacht, einer dieser... USA-Kritiker zu sein, aber jetzt nutzt er das, ich glaube auch aus innenpolitischen Gründen, alleine der Satz.

Sprecher 4: Es gibt gesetzlich festgelegt einen europäischen Instrumentenkasten, wie wir auf wirtschaftliche Erpressung mit sehr empfindlichen Maßnahmen reagieren können. Und wir sollten den Einsatz dieser Maßnahmen jetzt prüfen.

Sprecher 3: Finde ich schon heftig, weil da sind so ein paar Dinge ja mit dabei, wie zum Beispiel keine... öffentlichen Aufträgen, amerikanische Unternehmen. Also dieser Instrumentenkasten, der ja eigentlich nur Last Exit sein könnte, der hat schon ein paar harte Maßnahmen in sich drin. Ob das Trump beeindruckt? I don't know.

Sprecher 2: Also wir sehen in Nuancen eine unterschiedliche Konnotation innerhalb der Bundesregierung. Interessant ist, dass es aber doch einen deutlichen Unterschied gibt zu anderen Europäern, insbesondere zu den Briten und zu den Franzosen, die ja auch auf der Liste der acht europäischen Staaten stehen, die Trump ins Visier genommen hat. Hören wir mal, was Emmanuel Macron, der französische Präsident, gesagt hat.

Sprecher 6: Dank unserer Streitkräfte, dank der Beständigkeit unserer Strategie sind wir eine glaubwürdige Macht der Stabilität in Europa, in Afrika und im Indopazifik. Frankreich und die Europäer müssen mit Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen überall dort präsent sein, wo ihre Interessen bedroht werden. Ohne Eskalation, aber unnachgiebig, wenn es um die Achtung der territorialen Souveränität geht. Auch in Grönland, einem autonomen Gebiet des Königreichs Dänemark, tragen die Europäer eine besondere Verantwortung, denn dieses Territorium gehört zur Europäischen Union und es ist zugleich das Gebiet eines unserer NATO-Verbündeten. Frankreich hat daher beschlossen, sich an dem Manöver zu beteiligen, das Dänemark Souverän und unabhängig im Rahmen von Arctic Endurance ins Leben gerufen hat. Ein erstes Team französischer Soldaten ist bereits vor Ort. In den kommenden Tagen wird es durch weitere Kräfte zu Lande, in der Luft und auf See verstärkt.

Sprecher 3: Der britische Premier Keir Starmer hat vor einem Handelskrieg gewarnt.

Sprecher 7: Alliances endure because they're built on respect and partnership, not pressure. The use of tariffs against allies is completely wrong. It is not the right way to resolve differences within an alliance. Nor is it helpful to frame efforts to strengthen Greenland's security as a justification for economic pressure. Any decision about the future status of Greenland belongs to the people of Greenland and the Kingdom of Denmark alone. That right is fundamental and we support it.

Sprecher 2: Diese unterschiedliche Akzentuierung unter den Europäern. Wie erklärst du es dir? Liegt es daran, dass die Briten und die Franzosen anders sprechen, weil sie selber über Atomwaffen verfügen, Atommächte sind, genauso wie USA und Russland, dass Deutschland anders spricht, bekanntermaßen ohne Atomwaffen? Oder ist das eine Arbeitsteilung innerhalb der EU, dass Dama und Macron schärfer auftreten und Friedrich Merz der Vermittler? der ja wie schon im Weißen Haus ein Draht zu Trump hat und den auch nutzen soll. Was meinst du?

Sprecher 3: Ich glaube tatsächlich ersteres, denn Merz und Klingbeil und die Deutschen sind immer schon der Nukleus der transatlantischen Beziehung gewesen, während die Franzosen, ich erinnere auch an Hollande oder Chirac, die diese latent anti-amerikanistische in sich drin hatten und in ihren Bevölkerungen auch viel stärker haben, während die Briten... Denkt man an Tony Blair, Pudel von Bush, hart und klar an den Amerikanern dran waren. Also Starmer's Rolle ist mir nicht klar, warum er so schnell so hart reagiert, während bei Macron die Historie dieses Landes eigentlich immer schon dafür spricht, gegen die Amerikaner im Zweifel kritischer zu sein, als es wir Deutschen uns leisten wollen.

Sprecher 2: Wobei die Historie, glaube ich, in diesem Fall wirklich nur bedingt aussagekräftig ist, denn wir haben es hier wirklich mit einer neuen Situation zu tun, einem sich zuspitzenden Konflikt innerhalb der NATO, der sogar ein militärischer Konflikt werden könnte. Insofern ist das was anderes. Aber es ist wirklich erstaunlich bei den Briten, denn das britische Atomprogramm kann ja ohne die Amerikaner gar nicht richtig funktionieren. Diese beiden Atommächte sind in ihren Programmen, in ihren nuklearen Programmen aufs engste miteinander verwoben. Die Briten sind hier von den Amerikanern abhängig. Insofern ist es überraschend und auch mutig, dass Keir Starmer Trump die Stirn zeigt. Er will offensichtlich deutlich machen, so nicht mit uns. Und der Rat, den jetzt ja auch eine... Ökonomen gegeben haben. Es ist ein Preis, den wir zahlen müssen, wenn es diese Zölle gibt. Aber der andere Preis wird deutlich höher.

Sprecher 3: Ein Land, das gar nicht in der EU ist, aber in Europa liegt, das wird es jedenfalls nicht mehr in Good Terms mit Donald Trump schaffen. Das ist Norwegen. Trump hat jetzt einen wütenden Brief an den norwegischen Premier geschrieben, in dem er sich beklagt, dass er den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat, obwohl er doch acht Kriege beendet hat. Und daher fühle er sich jetzt auch nicht weiter verpflichtet, für den Frieden zu denken. Also eine Kategorie, die man sich gar nicht hätte vorstellen können früher. Aber okay, auch das müssen wir jetzt offenbar mit einbeziehen. Aber kommen wir doch mal zurück zu dem Streitpunkt des Anstoßes der Insel, die sich gerade die mächtigen kabbeln, nämlich Grönland. Wie denken die Grönländer eigentlich und wie ist das Verhältnis zwischen Dänemark und Grönland wirklich? Das fragen wir jetzt mal Tom Hoyem. Er ist der ehemalige Grönlandminister von Dänemark, lebt inzwischen in Karlsruhe, spricht dankenswerterweise wunderbar Deutsch. Hallo Herr Hoyem, einen schönen guten Tag.

Sprecher 8: Ja, guten Tag aus Karlsruhe.

Sprecher 3: Klären Sie uns mal auf, wie überraschend ist es für Sie als Dänen, dass die Amerikaner so hart interessiert daran sind, Grönland für sich zu gewinnen?

Sprecher 8: Es ist überraschend, weil wenn wir in die Vergangenheit gucken, dann war leider Amerika und auch nicht... Unser Königreich Dänemark mit Grönland, nicht besonders interessiert in die Sicherheit in die arktische Gebiet. Das ist nicht nur mit Herrn Trump gekommen, aber besonders mit Herrn Trump gekommen. Und die Hintergrund ist selbstverständlich, das wissen alle, dass die Klimaänderung bedeutet, dass dieses Eis schmilzt. Und deshalb sind neue Wege, Wasserwege als früher. Und ein anderer Grund ist klar, Das Sowjet, jetzt Russland, hat die letzten viele Jahre wirklich, wirklich viel Militär in die arktische Gebiet. Aber ich bin klar überrascht über die Wege, die es gekommen ist. Und ich bin überrascht besonders, weil wenn ich Minister war für Grönland in der jetzigen Regierung, dann war ich auch zuständig für die Kontakte. Zwischen Thule Air Base und Amerika. Und ich war dann in Pentagon. Und dort haben wir verhandelt und hören und staunen, dass dort haben wir entschieden, die Thule Air Base geografisch zu halbieren. Also nicht größer zu machen, aber kleiner zu machen. Und da waren verschiedene Gründe für das. Die eine war, dass die USA nicht richtig interessiert waren in das arktische Gebiet und die moderne Technologie. Braucht nicht so viel Areal als Rühr. Und wir in Dänemark, wir waren ein bisschen unter Druck von der linksorientierten Elite, so mit Amish Go Home und dass wir haben in die NATO-Politik und so ein bisschen Fußnote-Politik, haben wir gesagt, an dieser Zeit, wir haben immer Dänemark als Vorbild. So, ich war nicht überrascht, dass die aktische Gebiet jetzt wirklich ein Sicherheitsrisiko ist und deshalb ins Zentrum kommt. Aber ich war selbstverständlich überrascht über die Wege, die es gekommen ist. Weil Herr Trump hat zwei Argumentationen, falls man das Argumentation nennen kann. Er sagte, wir müssen mehr Militär in... Grönland, die Arktisgebiet haben. Und Dänemark, Grönland sagen in unserem Königreich, ja, das denken wir auch, bitte, bitte. Und USA hat früher 17 oder 18 Basen gehabt und die haben nahezu 20.000 Soldaten gehabt. Und jetzt haben die also in alles. Nur 150 Personen auf eine Base.

Sprecher 3: Lassen Sie uns ganz kurz für die Hörerinnen mal erklären und die Zuhörer, was die Thule Air Base ist. Seit 1951 ist das eine US-Basis. Sie ist Teil der Nuklearstrategie und eine Art Radar- und Raketenfrühwarnsystem gegen die damalige Sowjetunion gebaut. Und dann hat man in den letzten Jahrzehnten eben einen Abbau dieser Verpflichtungen, dieser amerikanischen Basis erlebt. Und Sie sagen, Dänemark wäre bereit, die Insel militärisch aufzurüsten, aber doch zusammen mit den Amerikanern innerhalb der NATO und nicht... Die Insel an die Amerikaner zu verkaufen, um dann dabei zuzuschauen, wie sie diese Insel für sich beanspruchen. Verstehe ich Sie da richtig?

Sprecher 8: Ja, das haben Sie recht, aber wir, Dänemark, haben schon die... letzte vier, fünf Jahren Milliarden von Euro in dänische Militäraufrüstung in die Arktisgebiet gemacht. Amerika noch nicht. Und Thule Air Base ist klar eine kleine amerikanische Base und die Verabredung mit Grönland 1951 ist noch giltig und das bedeutet, Amerika kann ohne Probleme überhaupt so viel Militär bringen, wie überhaupt möglich. Wir wollen klar gern, dass es in die ganze NATO ist und deshalb sind wir sehr dankbar, dass Deutschland und andere europäische Länder, NATO-Länder, jetzt gerade diese Woche Soldaten in Grönland gehabt haben, zu erkündigen, Wie können wir eine gemeinsame NATO-Verteidigung dort aufrüsten? Also dieses erste Argument von Herrn Trump ist sehr merkwürdig. Und das andere Argument ist, dass er gerne Rohstoffe und Mineralien in Grönland haben will. Und dort sagen wir auch, ja, herzlich willkommen, wir wollen gerne Investitionen in Minen und Rohstoffen in Grönland. Aber es ist nicht so einfach, wie man in den Medien denkt. Da gibt es Rohstoffe in Grönland, ja. Aber wenn ich Minister war, habe ich zwei Minen geschlossen. Also nicht geöffnet, aber geschlossen. Und eine große amerikanische Firma hat Öl gefunden in Grönland. Und wenn die diese viel Geld investiert haben, das zu finden, haben die gesagt, ja, aber nein, danke, wir sind nicht interessiert, das zu ausnützen, das ist zu teuer.

Sprecher 2: Interessant.

Sprecher 3: Das heißt, Sie würden auch sagen, Europa und die anderen europäischen Länder haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten Grönland und die strategische Bedeutung vernachlässigt, weil das hätte man ja alles verhindern können, wenn man sich mehr engagiert hätte, oder?

Sprecher 8: Ja, und ich nehme auch persönlich eine Schuld her, dass wir haben das vernachlässigt. Und waren wahrscheinlich sehr unter Eindruck von den vielen, vielen Jahren mit Stabilität und Friede in NATO. Und ehrlich gesagt, die Fokus an Arktis war schwierig in Europa durchzusetzen, weil da waren romantische Träume, Grönland ist so eine romantisch nette Touristziel und dort hat man Eisbären und dort ist es kalt und nette Leute. Aber das Richtige in die strategische... Verteidigungssituation hat man vernachlässigt, ja.

Sprecher 3: Aber die Eisbären gibt es trotzdem. Wir hätten nur auch noch an die anderen Themen denken können.

Sprecher 8: Ja, sogar 6.000.

Sprecher 3: Wow, da haben wir wieder was erfahren. Aber nochmal zurück zu den Amerikanern. Wie kann man die jetzt von ihrem Wunsch abbringen, die Insel kaufen zu wollen? Die hatte ja schon Harry Truman 1946. Der hat schon 100 Millionen Dollar geboten. Und Donald Trump? Ist wahrscheinlich bereit, sehr viel mehr heute zu bezahlen. Welche Strategie kann Dänemark und die EU jetzt wählen, um ihn davon abzubringen?

Sprecher 8: Also es ist ein bisschen merkwürdig, dass Trump's Ratgeber nicht die Geschichte gut genug kennen. Wir haben ihn noch. 1916, Dänemark, die Westindische Inseln verkauft an Präsident Wilson in Amerika. Das war in der Ersten Weltkrieg. Und dann war eine Debatte in Amerika, so ungefähr wie Trumps Debatte jetzt in 1916. Wir wollen doch auch Grönland kaufen. Und dann hat Präsident Wilson, nahezu auch in einer Trump-Manier, hat er geschrieben an die dänische Regierung, Wir haben verarbeitet, wir wollen die Westindischen Inseln für 25 Millionen Dollar kaufen, aber jetzt haben wir entschieden, wir wollen auch Grönland mithaben. Aber Grönland ist wertlos, wir wollen nicht etwas bezahlen, wir sollen das nur mithaben. Und dann hat die Dänische Regierung 1966 gesagt, nein, und die Bedingungen für die Westindischen Inseln sind jetzt anders. Wir wollen die 25 Millionen Dollar und wir wollen ein Dokument. Und dieses Dokument soll deutlich sagen, Grönland ist und wird für immer Dänisch. Und das hat Präsident Wilson dann unterschreiben. Und das sollte doch eigentlich seine Nachfolge Trump kennen. Aber das kennt er offenbar nicht.

Sprecher 3: Der amerikanische Präsident beruft sich immer dann auf die Historie, wenn sie in seine Argumentation passt, glaube ich. Nicht auf alle Ex-Präsidenten.

Sprecher 8: Ja, das ist wahrscheinlich richtig.

Sprecher 3: Aber Herr Roy, nochmal zur Frage Dänemark-Grönland. Jetzt war Grönland über Jahrhunderte eine Kolonie Dänemarks und es war jetzt ja nicht immer so, als wenn die Grönländerinnen und Grönländer so richtig begeistert über die dänische Schutzmacht waren. Da gab es durchaus auch andere Zeiten. Würden die Grönländer... sagen, die Schutzmacht USA, die könnte uns auch recht sein, die können viel mehr aus unserer Insel machen? Oder ist die Bande zwischen Dänemark und Grönland wirklich so tief und fest, wie es die jetzigen Politikerinnen und Politiker Dänemarks sagen?

Sprecher 8: Ja, die letzte ist richtig, aber man muss das auch richtig verstanden. Ich bin ein bisschen persönlich verletzt, wenn der Vizepräsident der EWAN steht in Tule Airbase und sagt, Dänemark hat nicht genug gemacht für Grönland. Ich will nur einen Teil nennen. In 1950 war der Lebenserwartungsalter für einen grünen, ländlichen Mann 32 Jahre alt. 32 Jahre alt wegen Tuberkulose, wegen unglaublich schlechter sozialer und Gesundheitswesen usw. Jetzt ist ein grünen, ländlichen Manns Erwartungsalter, Lebenserwartungsalter, die gleiche als für Sie und mich. Und das bedeutet, die Entwicklung war wirklich, wirklich intensiv. Und gleichzeitig war ein deutliches Ziel, nämlich, dass Grönland sollte so unabhängig, so autonom werden, wie man wünscht. Ich kann zwei Beispiele hier geben. Ich war der Minister in der dänischen Regierung Nummer 10. Meine neuen Vorgänger sind leider gestorben. Aber wenn ich die Ministerium übernommen habe, habe ich 10.000 Angestellte gehabt in dem Ministerium. Fünf Jahre später waren nur 2.000, weil so viel Autonomie, Verantwortung haben wir in der Gründern über... Und dann habe ich der dänischen Staatsminister gesagt, ich denke, wir sollen dieses Ministerium schließen. Das ist also eine Entwicklung, eine andere Entwicklung war, Grönland war Mitglied in der Europäischen Union von 1973 zusammen mit Dänemark bis 1985. Und in 1985 hat man dann die EU verlassen. Ich habe die Verhandlungen mit der Europäischen Kommission durchgeführt oder als Tom Sagenmögte die Deal gemacht. Eigentlich war das eine schwierige Aufgabe, weil wir in der dänischen Regierung haben gedacht, es ist nicht klug, die EU zu verlassen. Aber auch wenn die Abstimmungen in Grönland nicht für uns bindend waren, haben wir gesagt, aber Demokratie ist doch wichtiger. Also machen wir eine Verhandlung mit der EU und das ist dann gelungen. Und dann in 2009 haben wir ein Gesetz durch das Parlament durchgesetzt, wo steht, dass falls Grönland in einer Abstimmung entschieden, dass man autonom werden will, dann akzeptieren wir das in das Parlament. Das bedeutet, die ganze Zeit war das Grönland so ein mehr und mehr autonomer Welt, aber in Königreich mit Dänemark bleiben. Ich habe die letzte Tientacken, auch wenn die Krise, die ich in einer Weg gejubelt habe. Es war klar, war in Grönland Kritik von verschiedenen Dingen, wie man auch hier in Deutschland erlebt mit Namibia oder andere Stellen erlebt mit ehemaligen Kolonien. Das ist logisch, historisch und so weiter. Für eine halbe Jahr gewählte Regierungsleiter in Grönland, Jens Frederik Nielsen und die dänische Staatsministerin Frederiksen, haben gemeinsam letzte Woche in Kopenhagen gesagt, wir stehen absolut zusammen, da gibt es kein Blatt zwischen uns. So man kann sagen, dass... Die Drohungen von Trump hat dazu geführt, dass Dänemark, die drei Teile, Färöse Insel und Grönland und Dänemark, noch enger zusammenstehen. Und eine besondere Wirkung von diesen Trump-Drohungen ist auch, dass Grönland mehr und mehr wünschen, zurück nach EU zu kommen, eine andere Zusammenarbeit mit der EU zu haben. So, wir stehen, das war Ihre Frage, und wir stehen sehr eng zusammen.

Sprecher 3: Und wenn man die 56.000... In der Bevölkerung Grönlands fragen würde bei einer Volksbefragung, Ob Sie zu den USA gehen wollen würden oder bei Dänemark und der EU bleiben, würden Sie sagen 90 Prozent klar für Europa und Dänemark?

Sprecher 8: 95 Prozent. Und die Grund ist viele. Ich kann zwei nennen. Die eine ist, wir sind in Familie. Die letzten 300 Jahre sind Dänen und Grönländer mit... Ein anderer verheiratet. Wir haben Onkel und Tanten und Cousinen in allen Familien, die mit Grönland oder Dänemark etwas gegenseitig zu tun haben. Und wir haben 56.000 Einwohner in Grönland, ja, aber dann haben wir 17.000 Grönländer in Dänemark und von den 56.000 Einwohner in Grönland sind die 7000 Dänen. Das bedeutet, wir sind wirklich echt in einer Familie. Und der zweite Grund, dass man nicht in Amerika Bürger werden wollen, ist klar, dass Grönland Mitglied in ICC ist. ICC bedeutet die Inuit Circumpolar Conference und das ist eine Organisation für alle Inuit rund um die Nordpol. Und dort weiß man ganz bestimmt, wie die Inuit in Sibirien leben. Man weiß ganz bestimmt, wie die Inuit in Alaska und in Kanada leben und keine Grönländer hat Lust, diese Leben zu haben.

Sprecher 3: Lieber Herr Hojem, in Dänemark würde man sagen, tag for snacken. Vielen Dank für dieses wunderbare Gespräch und Ihre Einblicke. Ich hoffe, wir sprechen uns an anderer Stelle nochmal wieder. Vielen Dank und schöne Grüße nach Karlsruhe.

Sprecher 8: Und danke, Herr Daxschon.

Sprecher 2: 25 Jahre lang wurde über das Mercosur-Abkommen verhandelt und jetzt ist es endlich da und der Zeitpunkt könnte kaum besser sein, immerhin das. Denn das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südamerika soll eine Chance sein für mehr Wirtschaftswachstum auf beiden Seiten des Atlantik. Aber gerade in Europa machen sich die Landwirte Sorgen. Sie befürchten, dass sie gegen das günstige Fleisch aus Südamerika nicht ankommen. Kann das Abkommen also zu einer Bedrohung für unsere Landwirtschaft werden? Das hat Henrike Schirrmacher, die Redaktionsleiterin unseres Agri-Food-Table, mit Christoph Gröblinghoff besprochen. Er ist der CEO von Fendt, einem der führenden Hersteller für Landwirtschaftsmaschinen. Hallo Herr Gröblinghoff.

Sprecher 9: Hallo Frau Schermacher.

Sprecher 2: EU-weit gehen zurzeit die Bauern auf die Straße. Sind die Sorgen und Nöte aus Ihrer Sicht berechtigt aus der Landwirtschaft?

Sprecher 9: Naja, also grundsätzlich bin ich ein Befürworter von Handelsabkommen, denn Handelsabkommen sind ja in ihrem Zweck die, dass es im Grunde genommen den Handel, verstärkt Handelshemmnisse überwindet, Kosten reduziert, am Ende des Tages zu vielleicht einfach mehr Business macht, mehr Umsatz und auch vielleicht mehr geltliche Erträge. Und das Ganze endet normalerweise darin, dass es auch im Grunde genommen zu Wohlstand führt oder den Wohlstand auch absichert. An diesem Mercosur, so kann man ja nachlesen, ist jetzt 25 Jahre dann rumgeschraubt worden, wenn man sich das einfach nochmal durch den Kopf gehen lässt, 25. 20 Jahre, was das für ein langer Zeitraum ist. Wahnsinn. Auf der südamerikanischen Seite war es halt eben Brasilien, Uruguay, Argentinien und Paraguay. Und ich glaube, wir müssen jetzt mal wirklich in die Arbeitsphase hineinkommen und abwarten, was das wirklich im Einzelnen bedeutet.

Sprecher 10: Würden Sie denn als Unternehmen profitieren?

Sprecher 9: Es ist, glaube ich, zu früh zu entscheiden, ob wir davon profitieren oder im Grunde genommen weniger Business machen können. Ich verstehe es, dass von europäischer Landwirtschaft Sorge da ist, wenn Lebensmittel hier reinkommen, die unter vielleicht nicht nachvollziehbaren Standards produziert würden. Unter Rahmenbedingungen, die wir schon im Grunde genommen seit Jahren haben, ausgeschlossen. Also Dinge, die wir verboten haben, Zusatzstoffverhaltungsformen etc. Das ist etwas da. Wir dürfen nur eins eben nicht ausschließen, Landwirtschaft in anderen Regionen der Welt und speziell halt auch in Südamerika und hier vielleicht Brasilien, wird zum Teil... Kostengünstiger sein, als wie wir es hier können. Das sind Zucker, das ist Ethanol, das ist zum Beispiel Geflügel. Da haben diese Länder einfach einen Wettbewerbsvorteil und den muss man auch erstmal so hinnehmen. Und ich gehe von aus, dass Mercosur halt eben auch bei anderen Bereichen, Technologieunternehmen, vielleicht auch für uns ermöglicht, im Grunde genommen, auch einfacher und vielleicht auch vermehrt Landtechnik aus Europa dort absetzen zu können. Also es ist abzuwarten. Man muss mit einem gewissen Augenmaß da heranzugehen.

Sprecher 10: EcoFent produziert und entwickelt ja weltweit. Sie haben auch Standorte in Brasilien und in den USA. Das heißt, sie bekommen ja auch die Lage in Südamerika so ein bisschen mit. Sind denn die Landwirte dort, also die brasilianischen Landwirte, ähnlich aufgewühlt wie hier in der EU, was Mercosur angeht?

Sprecher 9: Nein, wesentlich ruhiger. Wir haben dort Produktionseinheiten auch für unsere Schwestermarken, Waldraun, Massey Ferguson. Damit sind wir relativ nah dran. Landwirte dort sehen das natürlich eher positiv, um natürlich auch im Grunde genommen ihre Agrarprodukte einfacher und vermehrt auch im europäischen Bereich abzusetzen. Das ist eine ganz klare Zielsetzung von denen. Ich glaube, es gilt wirklich abzuwarten. Es gibt ja sehr negative, aber auch im Grunde genommen etwas relativierende Stimmen dazu, dass die Auswirkungen von den Handelsverwerfungen nicht allzu groß sein werden.

Sprecher 10: Die gibt es, die Stimmen, ja, dass die Importkontingente... Nicht sehr groß sind, also was an zollfreiem Rindfleisch zum Beispiel in die EU geht. Und im Vergleich dazu importieren wir relativ viel und günstig Soja aus Südamerika.

Sprecher 9: Ja, und wir dürfen nicht vergessen, dass es auch im Grunde genommen erstmal eine Chance für uns bietet, weil uns natürlich auch andere Agrarmarkte politisch in den letzten Jahren weggebrochen sind. Und muss ich auch im Klaren sein, wenn wir diese Position nicht besetzen, dann werden es vielleicht andere geopolitischen Leader tun.

Sprecher 10: Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch, Herr Gröblinghoff.

Sprecher 9: Dankeschön, ich habe mich gefreut, hier zu sein, Frau Schimmerer.

Sprecher 3: Helene, war noch was?

Sprecher 2: Michael, gute Nachrichten. Die Raucher unter uns können einen Beitrag leisten zu einer nachhaltigen Gitter.

Sprecher 3: Schade, trifft ja gar nicht uns zu dann. Ja, genau.

Sprecher 2: Äußerst selten. Ja, hustet der ein oder andere. Forscher haben es jedenfalls geschafft, aus dem Müll einen leistungsstarken Energiespeicher zu machen. Es geht um die Zigarettenstummel, die sonst so hässlich überall auf den Berliner Bürgersteigen liegen. Und diese Filter sind in Wahrheit ein großer Wert. Also Thema ist Wirtschaftskreislauf, denn sie bestehen aus Zelluloseacetat. Und daraus kann man tatsächlich einen Energiespeicher herstellen. Das ist ein bisschen aufwendig. Diese Filter müssen gereinigt und zerkleinert werden. Und dann gibt es noch allerlei andere Verarbeitungsschritte. Sie müssen zum Beispiel auf 700 Grad erhitzt werden. Und dann kann daraus aber ein Energiespeicher werden, der 10.000 Mal aufgeladen werden kann und immer noch vollkommen leistungsfähig ist.

Sprecher 3: Was für ein Gewinn für das Stadtbild in Deutschland eigentlich. 63 Milliarden Kippen werden hier nämlich immer noch jedes Jahr geraucht. Eine unfassbare Zahl. Und die Kreislaufwirtschaft einmal neu gedacht. An dieser Stelle Gruß an den ESG-Table, wo dieses Thema intensiv zu Hause ist. Sollten Sie auch mal reinschauen. In jeden Fall neue Kraft durch Zigarettenstummel. Ich freue mich. Dazu vielleicht an anderer Stelle wieder mehr. Wir freuen uns auf Sie am Mittwoch. Table Today, 5 Uhr. Ciao, ciao.

Sprecher 2: Tschüss.