DLD Special
Dauer: 34:54

DLD Special

Ein Special von der DLD Konferenz in München.

Alex Hofmann und Michael Bröcker diskutieren mit ihren Gästen über die digitalen Zukunft Europas.


Sarah Spiekermann

Wirtschaftsinformatikerin und Expertin für digitale Ethik. 

Sie lehrt an der WU Wien und ist Mitgründerin der Future Foundation. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Grenzen digitaler Systeme, Open Source und dezentrale IT-Lösungen. Sie wirbt für eine „Ästhetik des Ungehorsams“ gegen die Dominanz weniger Tech-Konzerne.

[06:24] 


Margit Wennmachers

Tech-Investorin und langjährige Beobachterin der Silicon-Valley-Szene. 

Als ehemalige Partnerin bei Andreessen Horowitz und Gründerin mehrerer Startups kritisiert sie die europäische Risikoaversion: „Europa hat sich entschieden, Führer in der Regulierung zu sein – aber wer erfindet dann die Zukunft?“ 

[12:37]


Richard Socher

KI-Pionier und CEO von You.com. 

Der ehemalige KI-Chef von Salesforce entwickelte mit You.com eine Suchinfrastruktur für KI-Anwendungen, die monatlich über eine Milliarde Anfragen verarbeitet: Europa sieht er nahezu abgehängt: „In den USA denkt kaum jemand über Europa nach – außer als ‚Museum‘.“ 

[21:21]


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Transkript

Sprecher 1: Es ist Samstag, der 17. Januar 2026. Das ist der Table Today Podcast in der CEO Edition. Und bei mir ist heute mein Kollege Michael Brücker. Wir sind zusammen auf der DLD-Konferenz in München.

Sprecher 2: Vielen Dank, dass ich zu Gast sein darf in deinem Podcast, Alex. Schön, dass wir immer zusammen hier aus München für die Zuhörerinnen und Zuhörer berichten. Und es geht um... Natürlich die digitalen Innovationen, digitale Souveränität. Was ist die DLD, klären unsere Zuhörer und Zuhörerinnen doch einmal eben auf, Alex.

Sprecher 1: Die DLD ist eine der ältesten Tech-Konferenzen Europas, insbesondere auch Deutschlands, und war früher sehr stark geprägt durch Gäste aus den USA, vor allem die ganz großen Namen. Mark Zuckerberg war hier, Sheryl Sandberg war hier. Das hat sich in den letzten Jahren ein bisschen geändert. Es ist deutlich europäischer geworden. Und hier wird nach vorne gedacht. Hier soll die Zukunft ersonnen werden.

Sprecher 2: Ja, ich muss auch sagen, ich hätte viel mehr transatlantische Panels erwartet und es ist sehr europäisch. Auf jedem zweiten geht es um European Sovereignty. Es geht auch gar nicht mehr um die großen neuen Innovationen, sondern eher um die, wie Steffi Czerny es gesagt hat, die Werte, die der digitalen Transformation zugrunde liegen sollen. Ich weiß nicht, ob es eine gute Entwicklung ist, weil natürlich die Big Tech Companies, das amerikanische Innovationssystem, eigentlich immer noch die Technologie treibt, oder? Und auch die digitale Wirtschaft.

Sprecher 1: Auf jeden Fall. Und man vermisst natürlich auch die US-amerikanische Perspektive. Bekannt sind die großen Namen, von denen hört man auch immer wieder in den Medien, aber halt nochmal ein bisschen hinter die Kulissen zu gucken. Das war früher eine ganz große Stärke der DLD.

Sprecher 2: Und wenn schon der Weltchef von McKinsey ein Niederländer ist, selbst der nicht ein Amerikaner, der gestern hier auf dem Panel war und auch die Silicon Valley Ökonomie nochmal sehr gelobt hat, dann macht man sich ein bisschen Sorgen um Europa. Also lass uns drüber die Themen und Trends reden. Was ist so dein Outcome dieser Zwei-Tage-Konferenz? Was treibt dich am meisten um, wenn du hier aus der DLD wieder zurück nach Berlin fährst?

Sprecher 1: Das ganz große Thema ist und bleibt natürlich künstliche Intelligenz. Da geht es jetzt nicht unbedingt darum, bei den großen Sprachmodellen mitzuhalten. Da ist Deutschland und Europa auf jeden Fall abgeschlagen, zumindest Stand jetzt. Auch das könnte sich vielleicht nochmal ändern, wenn neue Technologien auftauchen. Worum es jetzt in Deutschland und Europa geht, ist die Anwendung von KI. Da ist es ja das, was dann letztendlich auch das große Potenzial heben soll.

Sprecher 2: Und welche Chancen haben wir da? Was sind die? Bereiche der deutschen Volkswirtschaft, die da noch punkten können. Was hast du gehört?

Sprecher 1: Das ist in jedem Fall der Bereich der Industrie. Wir haben sehr, sehr starkes Prozesswissen. Wir haben viele Daten, mit denen bislang noch nichts gemacht wird, auch weil es mit herkömmlichen Methoden nicht ganz trivial war, sehr starker Aufwand dahinter stand. Mit KI wird das Ganze nochmal deutlich einfacher und da hoffen natürlich die Unternehmen auf starke Effizienzgewinne.

Sprecher 2: Ich habe ja auch das Gefühl gehabt hier bei den Gesprächen, dass der Datenschutz wirklich inzwischen als zentrales Hindernis in Deutschland benannt wurde, wenn wir diesen Schatz heben wollen, wenn die Industrie ihre Daten nutzen dürfen, wenn die Vernetzung dieser Daten zwischen Unternehmen, aber auch Kunden passieren darf. Nur dann kann es zu diesem Comeback eigentlich einer digitalen Wirtschaft kommen und da ist der Datenschutz ein Hindernis. So empfinde ich meine Gespräche hier oder siehst du das anders?

Sprecher 1: Dieses ganze Großthema Souveränität hat da natürlich auch eben noch einen Aspekt im Bereich des Datenschutzes, weil wir natürlich nicht wollen, dass unsere Prozessdaten in die amerikanischen Clouds gelangen. Und da hat man hier auf der Konferenz auch mit unter Kritik gehört, dass sich die Bundesregierung mit AWS Amazon hingestellt hat und das jetzt als souveräne europäische Lösung verkauft hat, wo keiner am Ende so wirklich garantieren kann, dass nicht auch die US-Anbieter davon profitieren.

Sprecher 2: 90 Prozent der personenbezogenen Daten von uns Deutschen sind auf amerikanischen Servern bei amerikanischen Tech-Unternehmen. Ich war gestern Abend beim Dinner von Palantir im Bayerischen Hof und denen geht es ziemlich gut, weil sie das Gefühl haben, weil sie wissen, dass was sie anbieten, aufgrund ihrer jetzt jahrelangen Erfahrung mit vernetzten Daten, sind sie weit vor den deutschen oder europäischen Unternehmen, die das ja gar nicht machen konnten, das gar nicht anbieten konnten, was amerikanische Datenunternehmen aufgrund ihrer liberalen Regulierung machen konnten, richtig?

Sprecher 1: Richtig, ja. Und wir haben zum Beispiel, der CEO von Stepstone hat uns auch gesagt, es ist sehr, sehr albern, die müssen die Daten nach 30 Tagen löschen, die Bewerberdaten, während die gleichzeitig in amerikanischen Clouds landen und da halt niemals gelöscht werden.

Sprecher 2: Datenprotection, Data Protection ist ein Thema, aber was sich auch interessant war, und wir reden jetzt mal über einige der Panel-Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die wir hier getroffen haben, ist das soziale Leben versus digitale Leben. Ich zitiere mal Margret Vestager, die ehemalige Wettbewerbskommissarin. Make sure that your life is not digitally dependent. Have relations, have a life. Du hast sie getroffen, die ehemalige Kommissarin. Was treibt sie um?

Sprecher 1: Was sie umtreibt, ist das Anliegen, dass wir insbesondere vom Meta-Konzern etwas wegkommen, dass wir nicht mehr nur Instagram und WhatsApp-Status gucken, sondern eben auch uns über andere Kanäle austauschen. Dazu hat sie ihre Initiative Rebuild gestartet. Damit sollen Anbieter von Social-Media-Plattformen in Europa gefördert werden. Die sollen zusammengebracht werden, um Lösungen zu entwickeln, die als Alternative für... Eben die bekannten großen Plattformen dann irgendwann da sein sollen.

Sprecher 2: Aber entscheidet nicht einfach der Kunde, welche, Welcher Anbieter, welche Plattform die einfachste, die smarteste ist und vor allem der berühmte Netzwerkeffekt, da wo die Freunde und Freundinnen schon sind, da bleibt man dann halt. Sowas kann man doch nicht künstlich verändern, eine solche Marktlandschaft, oder?

Sprecher 1: Das ist natürlich ein sehr frommes Anliegen, was sie da hat. Und wir haben gestern auch über das Thema Skalierung und Netzwerkeffekte gesprochen. Sie ist der Meinung, es ist trotzdem machbar, weil in Europa gerade ein Umdenken stattfindet, dass die Leute eben auch verstehen, dass man eben nicht unbedingt sich in die Suchthölle der US-Plattformen begeben soll, sondern da eben auch mit europäischen Plattformen gegenhalten kann. Und da sieht sie jetzt auch gerade ein wirtschaftliches Momentum, weil sich in den letzten zehn Jahren bei den US-Plattformen ja auch nicht wirklich viel weiterentwickelt hat.

Sprecher 2: Ja, und die Abwendung der Amerikaner, auch der Tech-Gurus von Europa und das Anschmiegen an den amerikanischen Präsidenten führt natürlich auch durchaus dazu, dass man sich vielleicht als Kunde, als Unternehmen in Europa ganz gezielt mal umschaut und sagt, ich will nicht dauerhaft abhängig sein von denen, oder?

Sprecher 1: Das ist ihre große Hoffnung, ja.

Sprecher 2: Warten wir es ab. Wir haben spannende Gespräche geführt. Fangen wir mal an mit einer Frau, einer österreichischen Wirtschaftswissenschaftlerin, die sich um die Verbindung von Wirtschaftsinformatik, also Ingenieurswesen und Ethik seit vielen, vielen Jahren kümmert und einen groben Überblick über das geben kann, was da eigentlich draußen passiert. Wir haben mit Sarah Spiekermann gesprochen, übrigens in Düsseldorf geboren, in Österreich lehrt sie Wirtschaftsinformatik und es geht um die digitale Ethik. Hören wir doch mal rein. Sie haben neulich in einem Vortrag leichte, sanfte Medienkritik geübt und gesagt, die... Grenzen der Technik, ich zitiere sie mal so ein wenig lose, würden nicht adäquat in der Öffentlichkeit auch von den Medien aufgenommen diskutiert. Was meinten Sie genau?

Sprecher 3: Software-Systeme inklusive KI haben eine sehr hohe Fehleranfälligkeit. Die Studien jetzt, die einschlägigen, sagen, dass wir 6000 Fehler für eine Million Zeilen Code haben im Schnitt. Ein SAP-System hat 400 Millionen Zeilen Code. Da können Sie sich mal ausrechnen, 6000 Fehler mal 400. Wir glauben immer, dass die Maschinen, so wie früher klassisch gebaut, mechanisch, wenn die dann laufen, dann sind die gut und dann machen die keine Fehler. Und Software ist ganz anders. Und wir haben diese Grenzen dieser Technik systematisch auch in den Unternehmen, ich will nicht sagen verleugnet, runtergespielt. Wenn da ein Problem auftaucht, ist es meistens der Mensch schuld. Oder wir sind zu dumm halt. Und genau da müssen wir mal raus. Software-Systeme sind hoch fehleranfällig. Das bedeutet auch, dass wir sie in vielen Bereichen eigentlich gar nicht einsetzen sollten, wo wir sie heute einsetzen. Oder wir müssen sie besser entwickeln oder wir müssen länger warten, bis wir sie in die Masse bringen. Also in die Bevölkerung hineinbringen. Man kann nicht die Bevölkerung und auch Unternehmen als Versuchskaninchen benutzen. Das ist das, was ich mit dieser Kritik gemeint habe. Mit der Future Foundation haben wir auch die zehn Regeln aufgestellt. Und da ist eine Regel, das Lügengebot sozusagen, besorge dich um die Wahrheit und verleugne nicht die Grenzen der Technik.

Sprecher 2: Interessant, aber wenn ich mir anschaue, welche... Macht manche einzelne Personen oder Unternehmen über diese zentrale digitale Öffentlichkeit haben, ist das, die Software fehleranfällig ist, vielleicht eher das kleinere Problem. Nur als Beispiel Elon Musk, der 70 oder 75 Prozent aller Satelliten besitzt und damit ja eigentlich die digitale Öffentlichkeit bestimmen kann, oder?

Sprecher 3: Richtig, gerade durch die Satellitensysteme hat er eine ungeheure Macht im militärischen Komplex. Das ist äußerst bedrohlich, aber auch die Monopolstrategien, die Plattformstrategien, die wir sozusagen auch von Seiten der Nationalstaaten zugelassen haben.

Sprecher 2: Und auch der Bürger und Konsumenten, die haben es ja freiwillig gemacht.

Sprecher 3: Gut, richtig. Also das hat sich keiner so richtig bewusst gemacht und wir sind als Gesellschaften weltweit eigentlich da hineingeschlittert. Und es ist jetzt wirklich, sagen wir mal, wir müssen uns da wieder raushobben. Deswegen ist auch unsere zehnte Regel bei der Future Foundation eben vermeide Machtkonzentration und garantiere Teilhabe. Und im Prinzip müssten wir nochmal richtig einen Schritt zurückgehen und zwei Dinge tun. Wir müssen wirklich stärker auf Open Source setzen, also das, was die Free Software Foundation immer schon gefordert hat und was im Hintergrund übrigens in den IT-Architekturen durchaus drin steckt. Das ist ganz wichtig und wir müssen digitale Souveränität in Europa herstellen. Wir müssen jeder, der heute in Investitionsentscheidungen, vor Investitionsentscheidungen, steht, muss helfen, Europa zu stärken und sollte sich die digitale Souveränität, damit auch europäische Cloud-Systeme und so weiter, zum obersten Gebot machen. Wir müssen raus aus diesen Abhängigkeiten. Wir brauchen vor allen Dingen auch dezentrale, sogenannte dezentrale Architekturen, sprich im Prinzip in Europa oder auch auf den Nationalstaaten, in jedem Land, Region sollte IT-Know-how lokal vor Ort zur Verfügung stehen. Wir können verteilte Cloud-Zentren machen. Wir können lokale Modelle bauen. Diese LLMs, die sind jetzt uns geschenkt worden. Und jetzt dürfen wir nur nicht den Fehler machen, in diese Microsoft-Systeme oder in diese Full-Stack-Lösungen reinzukippen, wo wir dann sagen, ja, okay, die Microsoft sind leider noch die einzigen, die GPUs bekommen, so nach dem Motto oder Amazons. Und nee, wir müssen wirklich wieder alle Ideen dieser Konzerne, unsere lokale Intelligenz mit KI aufrüsten. Und es gibt uns eine ungeheure Chance, auch in Europa nochmal, durch dieses neue Interaktionsparadigmen, durch diese neue Generation Technik. Haben wir in den letzten nächsten 24 bis 36 Monaten ein Zeitfenster, in dem wir unsere Unabhängigkeit erreichen können. Und wenn wir das nicht machen, sondern uns überzeugen lassen durch die Lobbystrukturen, dass wir eigentlich für diese dezentralen zentralen Geschichten nicht aufgestellt sind, dann machen wir einen gigantischen Fehler und werden tatsächlich, also das steht die Gefahr und wurde hier auf der Konferenz oft gesagt, wir werden in Europa wie eine Art dritte Weltland, wie in einen Koloniezustand rutschen, der für Europa geschichtlich unvorstellbar ist. Die Magie liegt in jedem Einzelnen. Deswegen haben wir zum Beispiel zehn Regeln von der Future Foundation. Da geht es um jeden einzelnen Entscheidungsträger, um jeden einzelnen Privatperson, wie wir es richtig machen. Und nur durch diese gemeinsame Haltung, die wir jetzt neu aufbauen, können wir gegen dieses gigantische System, was sich hier versucht, über uns zu stülpen, wehren. Das ist also sozusagen auch eine gemeinschaftliche Ästhetik des Ungehorsams und des Widerstands, die wir nur jeder Einzelne für sich klug vorantreiben können.

Sprecher 2: Wenn wir bei der digitalen Entwicklung erst im Kleinkindalter sind, dann habe ich ein bisschen Sorge vor der Pubertät. Spätestens dann müssen wir beide mal wieder miteinander reden. Vielen Dank, liebe Frau Spiekermann.

Sprecher 3: Dankeschön für das Gespräch.

Sprecher 1: Jemand, der diese großen Tech-Companies aus dem FF kennt, ist Margit Wenmachers. Sie ist schon in den 90er Jahren in Silicon Valley gegangen, hat dort gegründet, hat ihre eigene Firma auch sehr erfolgreich verkauft, war dann Investorin bei Andresen Horowitz, einem der großen US-VCs, also Kapitalgeber für Startups. Sie hat da über viele Jahre hinweg sehr, sehr intensiv die Tech-Szene in Kalifornien beobachtet. Ich habe mit ihr darüber gesprochen, was ihre Schlussfolgerungen sind, was ihre Erfahrungen sind aus diesen vielen Jahren im Silicon Valley, ob sie vielleicht jetzt auch wieder zurück nach Europa gehen möchte und wie sie die Spaltung zwischen den USA und Europa sieht. Hallo Margit.

Sprecher 4: Hallo.

Sprecher 1: Wir sind hier auf der DLD. Hier geht es um Digitales, aber insbesondere auch um die Zukunft. Als langjährige Investorin schaust du genau auf die Zukunft. Was sind die Themen aus deiner Sicht, die die bestimmen werden?

Sprecher 4: Diese letzte Welle, die uns jetzt trifft, diese KI-Welle, ist mit Abstand die größte, die wir je gesehen haben. Und auch die, die am schnellsten wächst und am magristivsten wächst. Also sowas haben wir noch nicht gesehen. Nur als Beispiel. Ich glaube, es hat Instagram ungefähr zwei Jahre gedauert, um 100 Millionen Benutzer zu kriegen. ChatGPT hat das in zwei Monaten geschafft. Das ist natürlich ein Riesenunterschied.

Sprecher 1: Und was kommt danach? Das ist jetzt da. Was sind so die Next Steps?

Sprecher 4: Diese Modelle werden ausgearbeitet. Nach gibt es so einen Application Layer, also die Anwendungsdienste, das sind so die Agenten, ich weiß nicht, wie das auf Deutsch heißt wahrscheinlich, die heißen Agents. Und die werden jetzt weiter ausgebaut. Und dann gibt es natürlich Sachen für das rechtliche Wesen. Chachapiti hat so ein Gesundheitsding jetzt veröffentlicht, vor zwei Wochen, glaube ich. Es passiert also relativ schnell. Und die Adoption ist riesig. Es ist im Grunde genommen so, als würde das Internet jetzt endlich mal funktionieren. Man kann ganz normal Deutsch oder Englisch reden oder irgendeine Sprache übersetzen und man kriegt eine normale Antwort. Man kriegt nicht diese Searchlinks und das Internet funktioniert jetzt einfach.

Sprecher 1: Spielt aus deiner Sicht Deutschland und Europa dabei überhaupt eine Rolle oder ist das eine Sache, die zwischen den USA und China ausgemacht wird?

Sprecher 4: Ich glaube, leider hat Europa sich dazu entschieden, der Führer in der Regulierung zu sein. Und ich halte das für ein bisschen verfrüht, weil wir noch gar nicht genau wissen, wie es alles benutzt wird. Und ich würde auch sagen, wir haben sehr viele Gesetze in allen Ländern, die... Verbrechen verbieten, ob die jetzt mit Chat-GPT rausgeguht werden oder über das Internet oder von Hand. Wir haben jede Menge Gesetze, die schon existieren und ich glaube, ich würde vorschlagen, dass man erstmal wartet, bis sich das entwickelt und wenn es dann wirklich KI-spezielle Grenzfälle gibt, die reguliert werden müssen, dann bin ich da voll dafür. Aber jetzt mal, um ein bisschen Abstand zu treten, die KI-Welle ist auch eine geopolitische Welle. Also wir streiten uns, wir konkurrieren gerade darum, wer die Modelle besitzt und wer die beste Technologie hat. Und ich würde sagen, dass geopolitisch wichtig ist, dass die westliche Welt das gewinnt. Und nicht China, weil China hat keine Redefreiheit. Da gibt es Gedanken in den Modellen, die gibt es gar nicht. Und ich würde sagen, Europa und Amerika sollten zusammenarbeiten und das gemeinsam gewinnen. Dann haben wir Demokratie, wir haben Verträge, wir haben normales Wirtschaftsleben. Und ich finde es ein bisschen fehlerhaft, einfach zu sagen, wir machen die ganzen Regeln, aber wir erfinden nichts.

Sprecher 1: Aber eine Zusammenarbeit wird ja unter Donald Trump eher nicht besonders wahrscheinlich sein. Der wiederum hat sich ja sehr eng gegeben mit der US-Tech-Industrie, die ihn dafür dann auch supportet. Wie ordnest du das ein? Wie kann denn so eine Zusammenarbeit dann noch möglich sein?

Sprecher 4: Das ist, glaube ich, eine Ausrede. Vor Trump gab es auch keine große Tech-Szene in Europa. Ich war 16 Jahre bei der Firma. Ich habe Dutzende von Delegationen begrüßt, um denen zu erklären, wie baut man Silicon Valley. Das ist nie passiert. Das jetzt Trump in die Schuhe zu schieben, ist einfach ein bisschen billig, würde ich sagen.

Sprecher 1: Wo stehen sich Deutschland und Europa so ein bisschen im Wege vielleicht auch?

Sprecher 4: Ja, ich würde mal sagen, es sind zwei Sachen. Es ist vor allen Dingen nicht die Köpfe. Es gibt gute Forscher, es gibt gute Techniker, es gibt tolle Universitäten. Die Grundzutaten sind da. Ich glaube, es gibt zwei Probleme. Erstmal ist die Europäische Union so darauf erpicht, alles zu regulieren. Zum Beispiel Facebook hat... Sehr ein letztes Element, gar nicht mal nach Europa geschickt, weil es einfach zu viel Arbeit ist. Das ist ein Problem, das ist so von oben runter. Und das andere Problem ist, dass ich glaube, die Europäer nicht einfach diese Liebe des Risikos haben. Und wenn man eine Firma aufbauen muss, das ist... Unheimlich schwierig. Und wenn man das Risiko nicht verknuseln kann, dann wird das einfach nicht. Ich würde also sagen, die Bauer, die Unternehmer, die Forscher baut mit und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, ist okay. Bei uns sind viele Unternehmen, die haben die vierte Firma angefangen, dann hat er endlich gefluppt. Uber ist ein gutes Beispiel. Beispiel. Also nimmt das Risiko ein, steckt die Ziele riesenhoch, weil die Konkurrenz ist nicht ein anderes Startup oder ein anderes Unternehmen in Deutschland oder Paris. Die Welt ist die Konkurrenz. Und wenn man das so verinnerlicht, ich glaube, dann steckt man größere Ziele und größere Ambitionen und das wäre sehr gut für Europa.

Sprecher 1: Heißt, wir brauchen mehr Unternehmen und vielleicht aber auch ein bisschen mehr, also dass man sich mehr auf einen National Champion fokussiert?

Sprecher 4: Nee, ich würde sagen, lasst alle Experimente laufen. Irgendwelche Klappen in unserer Industrie, Venture Capital, von zehn Investitionen flupen acht nicht. Und die zwei, die wirklich erfolgreich sind, die bezahlen für die anderen Experimente mit. Und das ist okay. Wenn man beim ersten Mal keinen Erfolg hat, ist okay. Da lernt man draus und dann kann man was Neues machen. Aber das Wichtigste ist, dass man die Ziele hochsteckt und wirklich ehrlich ist, dass man wirkliche Ambitionen hat. Und hoffentlich, wenn man bankrott erklärt, dass es nicht so eine schämende... Erfahrung ist. Wenn wir das loswerden, ich glaube, dann sehen wir sehr viel mehr Erfolg in Europa. KI ist eine Riesenwelle und ich möchte, dass alle mitmachen, vor allen Dingen die demokratischen Länder und die Technologen, die in den Ländern wohnen. Aber es wird noch weitere Wellen geben. Crypto ist, glaube ich, im Kommen und das ist nicht nur diese Währungen, sondern diese Blockchain-Technologie zum Beispiel. Jetzt mit KI ist viel Content, der ist einfach, auf Englisch sagt man Slop, das ist von KI zusammen, wird wahrscheinlich sehr viel kopiert werden. Aber wenn ich als Künstler sagen möchte, das ist wirklich mein Lied und du bezahlst dafür, dass die Blockchain eine klasse Technologie führt und es gibt noch tausende andere Varianten. Und dann, was auch weiterentwickelt wird, wo ich glaube Hoffnung habe, ist Quantum Computing, wo der Computer noch viel mehr machen kann. Und wenn man an die Krebsforschung und andere Gesundheitswesen... Sachen glauben. Diese doppelte, die KI-Stärke und die Quantum-Stärke wird wahrscheinlich sehr produktiv sein.

Sprecher 1: Da passiert ja auch sehr viel in Europa. Siehst du da, dass das auch in den USA registriert wird zumindest, weil das da Europa auch technisch zumindest sehr weit vorne ist?

Sprecher 4: Also ich habe jetzt... Auf der Bühne, auf der DLD, habe ich den Gründer von Quant gehört. Der war sehr beeindruckend. Das ist ein Chips-Durchbruch. Da war auch ein Panel on Quantum. Die Sache ist, die amerikanischen Medien, das ist so ein großer Markt, dass sie oft den Fehler begehen, nicht weit genug nach draußen zu gucken. Von daher könnte vielleicht die amerikanische Presse... Ein bisschen weiter rausgucken. Das amerikanische Publikum weiß, glaube ich, nicht viel von europäischen Erfindungen.

Sprecher 1: Jetzt hast du Mitte 25 dich von Andrizen Horowitz verabschiedet mit den Worten The House is Built.

Sprecher 4: Ja.

Sprecher 1: Was wirst du als nächstes bauen? Und auch die Frage, wo wirst du es bauen? Vielleicht sogar in Europa?

Sprecher 4: Ich habe mir verboten, die Frage zu beantworten. Mir hat jeder geraten, der so große Abschnitte gemacht hat, erstmal ein Jahr Pause zu machen. Und ich muss auch zugeben, ich habe in irgendeiner Form jeden Tag gearbeitet, seitdem ich 23 bin. Also Pause habe ich, glaube ich, verdient. Ich weiß nicht genau, was ich mit mir machen soll, ohne Meetings und dies und jenes, ohne Struktur. Aber ich freue mich auch darauf. Ich mache jetzt erstmal eine Pause und dann möchte ich überlegen, was es als nächstes zu bauen gibt.

Sprecher 1: Okay, Margret, ganz herzlichen Dank.

Sprecher 4: Gern geschehen.

Sprecher 2: Die Themen von Margit Wendmacher sind natürlich immer auch What's in it for Europe? Also was können wir eigentlich noch zu den großen Tech-Champions beitragen? Und die Hoffnung ist, du hast es angesprochen, KI. Einer, der sich damit besonders gut auskennt, ist ja Richard Socher, der Dresdner Informatiker, der CEO des Startup-Unternehmens You.com. Er arbeitet und lebt inzwischen auch in den USA. Er war hier gestern auch auf der Konferenz. Du hast mit ihm gesprochen. Ist er immer noch eigentlich dieser KI-Guru? Und warum eigentlich immer nur er, Alex? Gibt es keine anderen?

Sprecher 1: Möchte man fast meinen, ja. Also KI-Guru sicherlich ja jetzt ein bisschen im Hintergrund. You.com ist eine Plattform, auf der andere Sprachmodelle, also You.com hat kein eigenes Sprachmodell, auf der Sprachmodelle von großen Anbietern genutzt werden können für unterschiedliche Einsatzzwecke. Das zielt sehr stark ab auf, worüber wir vorhin auch schon gesprochen haben, auf die Anwendung im Unternehmen, in der Industrie. Und er hat mir verraten, ob Deutschland und Europa im KI-Wettbewerb weltweit überhaupt noch eine Chance haben. Du hast die KI-Entwicklung bei Salesforce geleitet und dann selbst You.com gegründet. Und damit warst du tatsächlich einer der Ersten, der im Dezember 2022 ein kundenorientiertes Sprachmodell mit Internetzugang auf den Weg gebracht hat, noch lange bevor ChatGPT oder Gemini das gemacht haben. Warum haben dennoch die großen Anbieter die breite Masse erreicht und nicht Youcom? Ist KI-Erfolg eine Geldfrage? Wer mehr einsammelt, gewinnt.

Sprecher 5: Ja, auf jeden Fall. Letztendlich muss eine Firma Umsatz machen. Und je mehr Umsatz man macht, desto mehr kann man auch für Marketing ausgeben. In der Tat war das Marketing bei uns ein Problem. Und seitdem wir die KI für Firmen nutzen, statt für Endnutzer, die... In Google, in ihrem Browser irgendwie Google verändern müssen und ihre Einstellung verändern müssen und so. Seitdem wir uns auf Firmen konzentrieren, geht es um einiges besser und bergauf.

Sprecher 1: Es gibt ja die großen Sprachmodellanbieter und immer mehr Anbieter von sehr spezialisierten Angeboten, etwa für die Industrie. Wie positioniert dein Unternehmen sich da?

Sprecher 5: Wir kreieren und bauen die Suchinfrastruktur für die KI. Wenn man einer KI eine Frage stellen will und nicht nur allgemeines Blabla bekommen will, sondern spezifisch für die Industrie, spezifisch für die Firma oder für Kunden gute Antworten bekommen will, ohne Halluzinationen, mit Quellenangaben, dann braucht man gute Suchinfrastruktur, die dann diese Informationen zu einer KI, zur Verfügung stellt und die KI, die dann gut für den Menschen zusammenfasst. Und das machen wir jetzt schon milliardenfach pro Monat. Also über eine Milliarde Suchanfragen von KI wird gemacht. Also wir sind jetzt nicht mehr ein... Google für Endnutzer, sondern ein Google für Sprachmodelle.

Sprecher 1: Gibt es da einen Markt, weil die großen, also die anderen, Angebote der großen Anbieter ja auch immer mächtiger werden. Man hat ja das Gefühl, irgendwie jede Woche, spätestens einmal im Monat gibt es da ein Update und dann kommen ganz neue Funktionen hinzu.

Sprecher 5: Ja, wie gesagt, wir machen das jetzt über eine Milliarde Mal pro Monat. Also das bedeutet, dass da schon einige große Firmen auch unsere Kunden sind. Nicht jede Firma außerhalb von Google hat ihren eigenen Suchindex von dem gesamten World Wide Web im Internet. Viele Firmen wollen auch ihre internen Firmendaten durchsuchen und die dann verknüpfen. Und ja, also der Umsatz steigt unglaublich, die Firma geht es gut.

Sprecher 1: Wenn du aus Europa kommend im Silicon Valley bist, von dort auf Europa guckst, Braucht aus deiner Sicht Europa stärkere KI-Modelle oder sind diese Sprachmodelle selbst längst schon so zur Commodity geworden, also breit und kostengünstig verfügbar?

Sprecher 5: Europa wäre besser aufgestellt, wenn es wirklich mitmachen kann an der Frontier, an den Frontier Models, also wirklich neue, bessere Modelle kreieren für... Die Sprache, die verschiedenen Sprachen in Europa zum Beispiel. Und insgesamt ist die KI momentan so einen komplexen, dualen, Status, wo auf der einen Seite wir wissen, wie sie funktioniert, wie Elektrizität und wir können sie jetzt einfach in jede Industrie mit reinbringen und es ist nur die Frage, wie schnell kann man eine Firma gründen, ein Startup gründen und dann in eine Industrie etwas verändern. Und auf der zweiten Status ist immer noch die Forschung zur Superintelligenz möglich. Und an beiden Stellen sieht man leider nicht so viel Momentum und Bewegung in Europa wie in China oder in den USA.

Sprecher 1: Sind denn die Sprachmodelle, wie wir sie jetzt nutzten, schon das vorläufige Ende der Fahnenstange oder gibt es bald neue Ansätze und damit ja vielleicht auch wieder neue Chancen für Unternehmen auch aus Europa?

Sprecher 5: Es wird immer weitergehen. Ich bin momentan super daran interessiert, wie wir die wissenschaftliche Methode, auch automatisieren können. Das wird die gesamte Forschung auch verändern. Und der Anfang davon wird natürlich sein, dass die KI auch selber KI-Forschung machen kann und sich dann rekursiv selbst verbessert.

Sprecher 1: Wie schaut man denn generell in den USA in Sachen KI auf Europa? Ist das mit einem Schmunzeln, eben weil wir so ein bisschen abgehängt sind? Wird die hier viel beworbene Industrial AI vielleicht doch irgendwann mal zum Wettbewerbsvorteil. Also wenn KI Unternehmensprozesse so verbessert, dass dann eben auch Wettbewerbsvorteile rauskommen können.

Sprecher 5: Ja, ich denke sehr, sehr viel an Deutschland und Europa, aber muss leider sagen, dass viele KI-Experten in den USA eigentlich gar nicht an Europa denken. Die nennen das mittlerweile Sarkastisch im Museum. Also wie häufig denkst du über Vietnam nach, über Myanmar, über Thailand? Wie häufig denkt ein Deutscher über Bhutan nach? So, nicht häufig. Und so ähnlich und wenig häufig denken viele Amerikaner momentan, Über Europa nach.

Sprecher 1: Ist dann China der große Konkurrent?

Sprecher 5: Darüber denken sehr, sehr viele fast jeden Tag. Weil viele der Open-Source-Modelle kommen jetzt aus China, die besten. Und das macht vielen Sorge, weil je nachdem, man kann mit den Open-Source-Modellen, die könnte man zwar theoretisch... Manipulieren und verändern und seine eigenen Ideen mit dort rein trainieren. Aber praktisch, wenn man das nicht macht, bekommt man dann per Default erstmal die Ideen aus China. Und da machen sich einige Sorgen und insgesamt natürlich die Chip. Also was braucht man, um KI richtig zu machen? Kreieren zu können. Man braucht viel billige Energie, Nummer eins. Man braucht gute Chips, die schnell sind, die man selber kreieren kann, Nummer zwei. Man braucht einfach zur Verfügung stehende Daten, ohne rechtliche Komplexität, Nummer drei. Man braucht einen Willen, Dinge zu verändern, mitzumachen an Fortschritt. Und wenn man sich dann anschaut, okay, wo sind wir da aufgestellt an den verschiedenen Stellen? In Europa an vielen Stellen halt nicht so gut. Aber China hat unglaublich viele neue Atommeiler gebaut. Die machen unglaublich viele Solarzellen. Energie und haben Solarzellen verbessert in den letzten Jahren. Sie haben unglaublich viele neue Datencenter, aber sie machen sich auch Sorgen über Nvidia und wie das alles läuft und werden blockiert von den USA. Und Taiwan ist eine große Frage, weil dort werden die meisten Chips wirklich dann hergestellt. Aber man weiß natürlich auch, irgendwo in der Supply Chain kommt auch Zeiss mit rein. Also es gibt schon... Aber die sind jetzt so viele Schritte irgendwie von dem finalen Produkt entfernt, dass sie nicht mehr tief in der Psyche drin sind.

Sprecher 1: Woran liegt das? Glaubst du, die Deutschen und die Europäer sehen die Vorteile von KI nicht? Fokussieren wir uns zu sehr auf die Gefahren?

Sprecher 5: Das ist, glaube ich, eine der Hauptprobleme. Es bei vielen neuen Technologien immer erstmal darum geht, wie kann es schief gehen, statt wie können wir was Cooles damit machen.

Sprecher 1: Du hast 2024 vorhergesagt, dass es 2025, Zitat, mehr AI-Agents im Web geben wird als Menschen, Zitat Ende. Jetzt ist 2025. Ist das so passiert und wie wird es weitergehen?

Sprecher 5: Wir sehen, je nachdem, wie man sie definiert, sehen wir immer mehr, aber wir sehen auch, wie immer mehr Webseiten sagen, okay, Google darf, aber niemand anders darf auf meine Daten ran. Und das ist natürlich schwierig, wenn man gegen Google konkurrieren will. Und da sehen wir, das ist eines der vielen guten Beispiele von komplexen Inzentivierungen und Strukturen. Zum Beispiel im Internet, das ein großer Teil vom Internet basiert auf Werbung. Und wenn ein KI-Agent nicht auf Werbung klickt, dann will eine Webseite diesen KI-Agenten nicht haben. Und da muss man schauen, okay, wie kann man neue Inzentivierungsstrukturen schaffen, damit Webseiten auch... Sich freuen, wenn ein KI-Agenten auf die Webseite kommt und den nicht blockiert.

Sprecher 1: Aber ist das aus deiner Sicht eine Frage des Datenschutzes oder der Monetarisierung, also wenn du von Werbung sprichst?

Sprecher 5: Eher der Monetarisierung, ja.

Sprecher 1: Und Datenschutz aber, ist das auch was, wo du merkst, dass da in Europa einfach vielleicht zu lange mit gehadert wird, weil in den USA sind die Regulierungen viel, viel großzügiger und dementsprechend geht es eben auch schneller?

Sprecher 5: Ja, es ist eine der vielen Stellen, wo die USA besser aufgestellt sind. Aber ich mag auch guten Datenschutz. Aber ich sage mal, auf jeder Webseite jetzt erstmal zu klicken, ja, ich will den Cookie oder ich will den Cookie nicht, ich weiß nicht, ob das so viel den Datenschutz jetzt verbessert. Und an vielen Stellen sind die meisten Menschen irgendwo auf Facebook und Instagram und da wird eh alles analysiert. Da hat man null Privatsphäre. Und am Ende wollen die meisten Menschen, Menschen Bequemlichkeit haben. Und je bequemlicher eine Erfahrung online ist, desto mehr Menschen wollen sie nutzen. Ich habe auch ein gutes Jahr bei You.com damit verbracht, zu sagen, oh, wir machen Suche und KI. Mit noch besserem Datenschutz hat sich niemand für interessiert, konnten damit nicht wachsen. Es gibt einfach zu wenige Menschen, die sagen, oh ja, Datenschutz, da will ich hin. Weißt du? Und also musste ich auch irgendwann zugestehen, ja, es ist zwar eine schöne Idee und bin ich auch großer Fan von, aber damit lässt sich wen sehr, sehr schwieriger in große Firmen aufbauen.

Sprecher 1: Wenn wir jetzt nochmal ein bisschen aufzoomen, wenn KI-Agenten in den kommenden Jahren tatsächlich einen Großteil der Wissensarbeit für uns übernehmen können, welche wirtschaftspolitischen Antworten braucht es denn da? Braucht es irgendwie ein Grundeinkommen, eine Umverteilung? Oder glaubst du vielleicht sogar, dass neue Jobs entstehen werden?

Sprecher 5: Es gibt so ein Irrtum, dass es einen fixen Anteil an Arbeit gibt und wenn die KI dann 20% der Arbeit wegnimmt, dann gibt es einfach 20% mehr Arbeitslose. Das ist völlig Quatsch. Das haben wir gesehen in der Vergangenheit. Vor 150 Jahren haben über 90 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet. Jetzt haben wir Traktoren und deswegen müssen nur noch 5 Prozent in der Landwirtschaft arbeiten. Haben wir jetzt über 80 Prozent Arbeitslosigkeit? Nein. Dann gibt es neue Jobs. Und es wird immer neue Jobs geben. Auch wenn man theoretisch mit einem Knopfdruck alles neu kreieren kann, alle neuen Ideen münchen kann, wird es Menschen geben, die sagen, ja, aber ich will mit einem anderen Menschen reden. Ich will einen menschlichen Psychotherapeuten haben. Ich will eine menschliche Massage haben und nicht eine Maschine da irgendwo auf mir rumhämmern. Ich will auch irgendwie Handgemachtes wieder haben. So wie man jetzt auch handgemachte Töpfe oder was auch immer kaufen könnte oder Teller. Die haben so ein bisschen Ungereimtheiten. Also es wird immer irgendwas Neues geben. Entertainment wird immer größer kommen. Man könnte natürlich eine KI sehen, wie sie Fußball spielt und einfach aus einem Kilometer Entfernung einen Fußball ins Tor ballert. Aber will man wahrscheinlich nicht sich anschauen. Es wird immer irgendwelche neuen Jobs geben und die Menschen werden sich halt auf unterschiedliche Dinge fokussieren. Die Menschen, die sagen, ich will mehr Output, ich will mehr... schaffen, die lieben die KI. Die Menschen, die sagen, ich werde pro Stunde bezahlt, die tun normalerweise die KI nicht lieben.

Sprecher 2: Richard, ganz herzlichen Dank.

Sprecher 5: Vielen Dank.

Sprecher 2: Alex, das waren spannende Gespräche hier auf der DLD. Wir sind auf dem Weg zurück nach Berlin. Danke, dass ich hier zu Gast sein durfte. Hat Spaß gemacht und ich kann nur dringend empfehlen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, der CEO-Table ist der Wirtschaftsnewsletter in diesem Land, der Sie weiterbringt. Gehen Sie doch einfach mal auf table.media.com und schauen Sie mal, was Alex Hofmann und sein Team da alles für Sie analysiert haben. Vielen Dank, dass ich bei dir sein konnte. Immer gerne, Mick.