Wie weit will Trump gehen?
In Washington haben Vertreter der USA, Grönlands und Dänemarks zusammengesessen. Eine Annäherung hat es nicht gegeben. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und die grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt lehnten Gebietsabtretungen oder Verkäufe jedoch strikt ab. Man verständigte sich lediglich darauf, im Gespräch zu bleiben.
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Bundeskanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil haben nahezu zeitgleich Grundsatzreden zur wirtschaftlichen Lage Deutschlands gehalten. Lars Klingbeil fordert einen neuen europäischen Patriotismus gegenüber der US-Protektionspolitik. Friedrich Merz machte bei seiner Rede in Sachsen-Anhalt wieder deutlich, wie wichtig Reformen auch auf EU-Ebene sind.
[06:05]
Der Wirtschaftshistoriker Klemens Skibicki erläutert die Mechanismen hinter dem Niedergang großer Wirtschaftsmächte. Ein Land verliert laut Skibicki seinen Wohlstand, wenn bürokratische Überregulierung das Unternehmertum und private Investitionen erstickt. Er erinnert an die preußischen Reformen von 1806 und Ludwig Erhards Wirtschaftswunder als erfolgreiche Beispiele für Neuanfänge. Klemens Skibicki sagt: „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Gipfeltreffen in Washington zur Deeskalation der Lage in Grönland. Die Außenminister von Grönland und Dänemark waren bei J.D. Vance und Marco Rubio. Wir sagen Ihnen, was dabei herumgekommen ist.
Sprecher 3: Kanzler und Vizekanzler haben gestern auf unterschiedlichen Veranstaltungen ihre zentralen Wirtschaftsreden gehalten. Wir sagen Ihnen, was die wichtigsten Punkte von März und Klingbeil waren und sprechen mit dem Wirtschaftshistoriker Clemens Sibitzki darüber, ob Deutschland eigentlich für immer abonniert hat, eine ja doch am Ende noch große Wirtschaftsnation zu sein oder ob es wie andere ehemalige große Mächte einfach verschwinden kann.
Sprecher 2: Und zum Schluss reden wir über die aktuell beliebteste App in China und warum sie allein lebenden Menschen das Leben erleichtert. Es ist Donnerstag, der 15. Januar. Schön, dass Sie dabei sind. Los geht's.
Sprecher 4: The president has made his view clear, and we have a different position. We, the Kingdom of Denmark, continue to believe that also the long-term security of Greenland can be ensured inside the current framework, the 1951 agreement on the defense of Greenland as well. As the NATO treaty. For us, ideas that would not respect territorial integrity of the Kingdom of Denmark and the right of self-determination of the Greenlandic people are, of course, totally unacceptable. And we therefore still have a fundamental disagreement, but we also agree to disagree. And therefore we will, however, continue to talk.
Sprecher 3: Wieder müssen wir über Grönland sprechen, die größte Insel der Welt, die Donald Trump gerne zum 51. US-Bundesstaat machen möchte. Ob die Grönländer das nun wollen oder nicht und ihm ist auch ziemlich egal, was die Dänen wollen. Gestern gab es ein Treffen in Washington, das eigentlich zur Klärung der Lage beitragen sollte.
Sprecher 2: Ja, und immerhin, es ist ohne Eklat auseinandergegangen. Marco Rubio und J.D. Vance haben sich mit den Außenministern von Grönland und Dänemark getroffen. Trump ist klar und hat das nochmal in seinem sozialen Netzwerk Truth Social klar gemacht. Er möchte Grönland haben und den Anspruch erheben. Und die NATO soll ihm doch den Weg dazu ebnen. Grönland und Dänemark haben wiederum klargemacht, das sehen sie ganz anders. Und nun versuchen europäische NATO-Staaten, unter anderem Deutschland, mit eigenen Soldaten im Grunde Grönland so zu besetzen, wenn man es mal so sagen darf, dass die Amerikaner da nicht einfach reinmarschieren können.
Sprecher 3: Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die ist bekannt für klare Worte. Neulich hat sie mal gesagt, wenn ein NATO-Staat ein anderes angreift, dann ist alles vorbei. Und auch jetzt vor diesem Treffen hat sie eine klare Botschaft nach Washington gesendet. Es geht darum, dass man keine Grenzen mit Gewalt verändern darf, dass man ein anderes Volk nicht kaufen kann und dass kleine Länder sich nicht vor großen fürchten müssen. Das war das kleine Einmaleins der westlichen Welt, die absoluten Basics des Miteinander, was sie da formuliert, aber heute eben gerade keine Selbstverständlichkeit mehr. So, jetzt müssen wir uns anschauen, was ist bei der Sache rausgekommen? Michael, du hast schon gesagt, kein großer Eklat, aber nun auch keine echte Deeskalation, jedenfalls keine Einigung, wie es weitergeht mit Grönland.
Sprecher 2: We agree to disagree war das Outcome, aber immerhin im konstruktiven Ton. Ja, immerhin zeigt ja dieses Treffen, dass Trump es ernst meint, wenn seit zwei seiner wichtigsten Kabinettsmitglieder direkt schon in Washington diese Gespräche führen. Und es gibt die Nordsee-Konferenz Ende des Monats in Hamburg, wo sich die skandinavischen Staats- und Regierungschefs mit... Deutschland und Großbritannien treffen, um wahrscheinlich eine Gegenstrategie zu diskutieren, zu beschließen, wie man Trump davon abhält. Es geht am Ende jetzt darum, eine NATO-Lösung für Grönland zu finden, damit die Amerikaner da nicht durchregieren. Das ist zumindest die Strategie der deutschen Regierung, das ist die Strategie der Europäer. Ob sie funktioniert, wird man sehen.
Sprecher 3: Ja, schon interessant, dass man sagt, eine NATO-Strategie gegen die Amerikaner, das sagt schon viel über den Zustand der NATO. Interessant ist auch ein Blick auf die Lage der Republikaner in dieser Frage, denn die sind sich da nicht einig. Es gibt die eine Gruppe, die sich eher auf die Seite von Dänemark stellt, die die Absichten von Donald Trump wirklich falsch finden. Thom Tillis zum Beispiel, der Co-Vorsitzende der NATO-Beobachtungsgruppe im Senat, hat angekündigt, nach Dänemark zu reisen. Und es geht nun auch um ein Gesetz, das einen Militäransatz in Grönland ohne Kongresszustimmung verbieten könnte. Die andere Seite, die Trump-Hardliner, stehen natürlich hinter dem Präsidenten und wollen ihn ausdrücklich dazu ermächtigen, Grönland zu annektieren. Also die Republikaner sind uneins. Und dann ist natürlich da noch die Magerbewegung. Die auch etwas gespalten ist, denn einerseits sind natürlich solche Pläne, so dieses Großmannsgehabe, kommen gut an und andererseits will man eben auch gar nicht so sehr sich mehr im Ausland engagieren und schon gar nicht in Europa. Also Trump macht sein Ding und die Amerikaner,
Sprecher 1: Denken unterschiedlich.
Sprecher 2: Ja, am Ende kann er nur aus dem Inneren seines eigenen Landes gestoppt werden, glaube ich. Denn dass wir mit einer europäischen Militärpräsenz die amerikanischen Soldaten, wenn sie wirklich wollen, aufhalten, ist völlig illusorisch. Die Kommunikationsstrategie von Trump ist jedenfalls klar. Er sagt, wenn die NATO nicht eine Lösung mit uns findet und wir die Amerikaner dort die Präsenz machen, dann werden es die Chinesen oder Russen sein. Das ist natürlich das Totschlagargument, um uns hier in Europa unter Druck zu setzen. Ich bin gespannt, welche Gegenstrategie die Europäer überhaupt im Köcher haben. Viel Leverage, viel Verhandlungsmacht haben wir nun mal nicht. Der Kanzler und sein Vizekanzler haben gestern fast zeitgleich zwei Grundsatzreden für die Wirtschaftspolitik in diesem Land gehalten. Lars Klingbeil beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Friedrich Merz in Halle bei der IHK. Und eins ist bei Klingbeil schon auffällig. Er will jetzt robuster, kommunikativ robuster reagieren. Spricht von einem europäischen Patriotismus, dem man Trump gegenüberstellen müsse. Neuen Handelsinstrumenten, auch Schutzzöllen und sogar von Sozialstaatsreformen, die effizienter und zielgerichteter werden müssen in Deutschland. Er wagt sich ein wenig aus der Deckung, ist mein Gefühl.
Sprecher 5: Wir sind der größte Binnenmarkt der Welt. Wir verzetteln uns aber in vielen nationalen Alleingängen. Wir wollen doch alle, dass der europäische Binnenmarkt sein volles Potenzial entfalten kann. Und dafür brauchen wir mehr europäische Regeln. Die Kleinstaaterei hemmt Innovation, Investition und dieses Problem gehen wir an. Und viertens, ich will, dass Unternehmen nicht nur staatliche Fördermittel bekommen, sondern dann auch hier in Standort und Arbeitsplätze dauerhaft investieren. Dass Standorte und Arbeitsplätze hier dauerhaft gesichert sind. Wir brauchen also, sehr geehrte Damen und Herren, wir brauchen mehr europäischen Patriotismus. Und das bedeutet für mich auch, bei öffentlichen Investitionen nutzen wir in Europa produzierte Güter.
Sprecher 3: Und da klingt Bundeskanzler Friedrich Merz gar nicht so viel anders, denn er in Sachsen-Anhalt, hat ähnlich argumentiert mit der doppelten Verteidigung, nämlich einerseits militärische Kraft, aber eben auch die wirtschaftliche Stärke, die dringend wiederhergestellt werden müsse. Und das ist sicherlich richtig, dass jedenfalls mal im Kräftemessen mit den Amerikanern der Umstand, dass Deutschland eine große Wirtschaftsnation in der Vergangenheit gewesen ist und ein bisschen was davon ist natürlich auch noch übrig, das hat Deutschland ein gewisses Leverage gebracht, dass Deutschland ernst genommen wurde in diesem Kontext. Und da knüpft Friedrich Merz an und sagt, das müssen wir wieder stärken.
Sprecher 6: Wir haben jedenfalls in der Bundesregierung in den letzten Monaten hart daran gearbeitet, beides zu verbessern. Die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes, aber auch und vor allem die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft. Und das bleiben die wichtigsten Aufgaben für dieses Jahr und vielleicht auch für die Zeit darüber hinaus. Der Halt unseres Willens, unser Land, unsere Freiheit, unsere Demokratie gegen alle Feinde von außen und von innen zu verteidigen. Und zu verteidigen heißt, meine Damen und Herren, auch Anstrengungen zu unternehmen, unsere militärische. Verteidigungsfähigkeit zu erhalten und dort, wo sie verloren gegangen ist, wiederzugewinnen.
Sprecher 2: Ja, und beide eint auch, dass sie nach Brüssel schauen. Eigentlich müsste die nächste Kabinettsklausur oder der nächste Koalitionsausschuss in Brüssel stattfinden, denn es geht nur europäisch. 50 Millionen Bürger, das ist ein großer, starker Binnenmarkt. Aber er ist immer noch zerfasert, er ist heterogen. Wir haben so oft keine gleichen Standards und oft auch keine gleichen Politikansätze in der Steuer-, Finanz- und Wirtschaftspolitik. Das immerhin haben Friedrich Merz und Lars Klingbeil erkannt. Wenn man eine Antwort auf Trump finden will, dann geht es nur gemeinsam in Europa. Und notfalls... Ich erinnere an Karl Lamas und Wolfgang Schäuble. Notfalls muss man eben mit einigen Ländern vorangehen. Das berühmte Kerneuropa dürfte in diesem Jahr noch eine Rolle spielen.
Sprecher 3: So lieber Michael, jetzt müssen wir uns das Ganze nochmal etwas genauer anschauen. Wo stehen wir in Deutschland wirtschaftlich und was muss getan werden? Also prognostiziert ist für dieses Jahr gerade mal ein mageres Prozent Wirtschaftswachstum. Das ist nicht gerade viel. Beide Parteien, beide Regierungsparteien, also SPD und CDU, CSU, arbeiten jetzt an Reformpaketen, an Ideen, grundlegenden Ideen für die Ankurbelung der Wirtschaft, die bis zum Frühjahr fertig sein sollen, die allerdings dann noch zusammengebracht werden müssen. Und die vorsichtige Prognose ist natürlich, dass da im Einzelnen doch noch einiges kompliziert wird. Und dann ist eben auch die andere Frage, ob ein Land wie Deutschland, dieser Tanker, überhaupt so schnell flott gemacht werden kann. Und respektive die andere Seite, ob wir nicht uns auch daran beteiligen, manchmal in unserem Reden über Deutschland dieses Land übermäßig schlecht zu machen. Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubauer hat gestern auf einem Kongress in Berlin appelliert, dass man doch diesen Standort auch nicht ständig schlecht reden sollte und hat am Beispiel der Entwicklung der Verteidigungsindustrie in Nordrhein-Westfalen aufgezeigt, was dort alles in kürzester Zeit entstanden ist. Und da hat sie sicherlich auch einen Punkt. Neben allen Problemen kommt in Deutschland immer noch das schlechte Reden dazu.
Sprecher 2: Helene, da muss ich Frau Neubauer aber auch mal widersprechen. Es ist ja nicht das Problem, dass wir schlecht reden. Daten und Fakten, die sprechen eine klare Sprache. Die Produktivität sinkt in diesem Land seit 2019. Es gehen zehntausende Industriejobs verloren. Und was viel schlimmer ist, die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft, sie leidet eben. Die staatlich induzierte, aufwachsende Rüstungsindustrie ist ja kein marktwirtschaftlich innovatives Element. Das sind staatliche Aufträge aufgrund der neuen Sicherheitslage. Das kann am Ende nicht reichen für ein neues Wirtschaftswunder. Und ich muss sagen, wer garantiert eigentlich, dass wir die große Volkswirtschaft bleiben, dass wir ein ökonomischer Faktor sind? Es gibt auch andere Nationen, Portugal, Großbritannien, Argentinien, die mal groß waren und es irgendwann nicht mehr geworden sind. Also wir haben das auch nicht gepachtet, dass wir unter den Top 5 der Volkswirtschaften bleiben. Vielleicht ist das auch der Anfang von einem Niedergang. Zumindest muss man dieses Szenario mal realistisch überdenken. Drei Jahre Rezession hintereinander hatten wir einfach noch nie, Helene.
Sprecher 3: Jedenfalls gibt es keine Garantie, dass die erfolgreiche Wirtschaftsnation Deutschland immer so erfolgreich bleiben wird. Wir müssen auch etwas dafür tun, endlich mehr dafür tun, kann man auch sagen. Immerhin haben wir die Erfolge der Vergangenheit, die uns ein gutes Fundament erschaffen haben. Aber in anderen Punkten, Digitalisierung und so weiter, Bürokratie, gibt es die Probleme, die vielfach beschrieben worden sind. So, und natürlich muss man sich auch Gedanken machen als umsichtiger Beobachter und Politiker. Über die Frage, was kann eigentlich noch alles passieren? Und da lohnt es sich mal auf Wirtschaftsnationen. zu schauen, ehemalige große Wirtschaftsnationen, die abgerutscht sind, wie das passieren kann, möge uns nicht Gleiches passieren.
Sprecher 2: Ja, und da wir an dieser Stelle schon so oft über die Maßnahmen in Deutschland gesprochen, was jetzt alles notwendig ist, reden wir mal einmal nicht über das, was kommen soll, sondern über das, was war und reden mal mit einem Wirtschaftshistoriker, nämlich Professor Clemens Giebitzki, der in Köln gelehrt hat, Wirtschaftsgeschichte, warum eigentlich Nationen absteigen, wie ein Comeback möglich ist, ob es da irgendwo in der Geschichte Beispiele gibt. Einen schönen guten Tag. Hallo, Herr Professor Giebitzki.
Sprecher 7: Hallo aus Köln!
Sprecher 2: Woran scheitern große Nationen, die einst relevante Volkswirtschaft waren? Was sind die zentralen Gründe? Gibt es da ein Muster in der Wirtschaftsgeschichte?
Sprecher 7: Also man sagt ja immer, Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Es gibt schon verschiedene Muster, die man immer wieder findet. Und ein wichtiges Muster ist auf jeden Fall, dass man eben vergisst, wie man und warum man groß geworden ist. Und das sind einfach grundlegende Regeln, die eigentlich immer etwas zu tun haben mit marktwirtschaftlichen Grundregeln, in denen sich ein Unternehmertum entfalten kann. Leider haben das viele Staaten immer wieder mal vergessen und haben halt sehr ausufernde, vor allen Dingen auch bürokratische Staatsaktivitäten gehabt und haben die Grundregeln, wie gesagt, vergessen.
Sprecher 2: Es gibt ja Länder wie Großbritannien, Argentinien, Japan, wo man diesen Niedergang erleben konnte, die Weltmächte waren. Es gibt exogene Schocks, es gibt natürlich auch bürokratische Instabilität oder politische Instabilität. Aber gibt es auch sowas? Dass ein Land die Lust auf Leistung, verliert und einfach zu satt war und dann einen Niedergang erleben musste?
Sprecher 7: Ja, das gibt es auch sehr oft in der Wirtschaftsgeschichte. Vielleicht ist dem einen oder anderen auch noch in Erinnerung, wie es einmal hieß, das Wort der spätrömischen Dekadenz. Das ist in der Tat ein Vorbild in der Wirtschaftsgeschichte. Wenn das eben sehr lange sehr gut ging, ging es nicht mehr um die Frage, wie wird eigentlich Wohlstand erstellt, sondern wie können wir ihn verteilen. Und je mehr Wohlstand zum Verteilen da ist und man sich an den daran gewöhnt hat und eben so an die schönen Dinge des Lebens zum Verteilen geht, dann wird das eben öfter mal verloren in der Geschichte. Und das könnte man sagen, erleben wir vielleicht gerade auch wieder. Der Fokus darf nicht verloren gehen. Wie wird das, was man verteilen will, eigentlich auch erstellt?
Sprecher 2: Kann man künstlich einen Neuanfang kreieren? Nach dem Zweiten Weltkrieg war ja klar, dass Deutschland sich neu erfinden muss, sich neu aufbauen muss. Wir mussten buchstäblich Mauer für Mauer diesen Wirtschaftsstandort bauen. Den gibt es aber jetzt schon. Kann man künstlich eine Stimmung kreieren in einem Land, dass dieser Neuanfang möglich sein muss? Oder ist das eigentlich gar nicht zu schaffen?
Sprecher 7: Es geht vielleicht nicht so sehr um künstlich, aber man kann eben schon gewisse Konstellationen sehen, wo das eigentlich jedem klar war, dass dann die Leute, die Reformen machen wollten, das eben auch tun konnten. Es war öfter so. In der deutschen Geschichte ist ganz klar, das war einmal die Preuß-Schnierlage 1806. Da war jedem klar, es geht nicht um Verteilung. Wir haben in jeder Basis verloren. Das waren damals die steinhardenbergischen Reformen. Die waren in der Schublade und dann kamen sie raus. Und dann hat man eine Gewerbefreiheit. eingeführt, Bauernbefreiung, Abschaffung des Zunftsesens, eben wie gesagt, private Eigentumsrechte, also die Bauernbefreiung, ganz viele Anreize gesetzt, ganz viele Flexibilität für unternehmerische Anreize und Eigenverantwortung. Und dann ist eigentlich, wurde die Basis gelegt für Deutschlands Aufstieg im 19. Jahrhundert zur zweitgrößten Industrienation der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, Das war eine ähnliche Situation. Da hat ja jeder rausgeschaut, hat die Trümmer gesehen. Dann hat man auch nicht darüber nachgedacht, oh, wie machen wir es eigentlich angenehm oder verteilen wir? Man darf aber auch nicht vergessen, also das, was wir unter Wirtschaftswunder nennen, war im Prinzip ein Abschütteln des sehr, sehr staatslenkenden Systems der NS-Wirtschaft. Das waren ja alles regulierte Preise. Man warte zwar die Unternehmer nicht an Eigen, man hat ihnen mal vorgeschrieben, welche Preise sie zu nehmen haben für ihre Produkte. Man hat die Löhne festgeschrieben. Es gab überhaupt keine unternehmerische Flexibilität mehr. Und als Ludwig Erhard dann das Wirtschaftswunder eingeleitet hat, hat er eigentlich nichts anderes gemacht, als die Preise freigegeben und ein bisschen verzögernd die Löhne freigegeben, sodass sich die Märkte wieder finden konnten. Und dann wurde ihm natürlich auch vorgeworfen, ja, und du hast jetzt hier dafür gesorgt, dass die Preise steigen. Er hat einfach gesagt, ich habe die Regale wieder voll gemacht, weil auf einmal war alles wieder da. Es hat eine Zeit lang gedauert, aber es gab ja doch so eine kleine Form eines Generalstreiks. Aber der war dann schon wieder verpufft. Den zweiten gab es nicht mehr, weil dann schon die Ergebnisse da waren. Wir brauchen wieder mutige Menschen, die vorangehen und eben diese freiheitlichen, unternehmerischen, merkt, wie der sich entfalten lassen. Anstatt zu sagen, wir schreiben alles vor, was Menschen zu tun haben. Mag die Absicht noch so gut sein, es führt halt nicht dazu, dass das wirtschaftliche Prosperität entfaltet.
Sprecher 2: Wenn wir erlebt haben, dass marktwirtschaftliche Anreizsysteme funktionieren und eine tatsächlich blühende ökonomische Landschaft stimulieren können, warum ist das dann jetzt nicht... Das klare Rezept, also was haben wir verlernt?
Sprecher 7: Ich habe mal einen sehr weisen Satz gehört. 1990 ist nicht nur die DDR untergegangen, sondern eben auch die Bundesrepublik Deutschland, die eben fest auf dem Boden der Marktwirtschaft stand. Wir haben ein neues kulturelles System, in dem halt auch viele Menschen da sind, die eben staatslenkerische Eingriffe eben für gut befinden und eben auch denken, warum lassen wir das nicht mal? Es klingt ja auch noch immer so schön, so gerecht und so etwas. Das wird aber leider sehr oft missbraucht, um eben die marktwirtschaftlichen Grundlagen wie Privateigentum, Eigenverantwortung, Anreizsysteme eben ein Stück weit außer Kraft zu setzen. Und wir setzen da einfach völlig falsche Anreize. Wir sind heute in einem internationalen Wettbewerb und wir reden hier eigentlich nur trotz hoher Kosten für Bürokratie, für Steuer- und Sozialsysteme, die seit Jahrzehnten irgendwie keiner reformieren will, reden wir jetzt immer noch gerade über neue Steuererhöhungen. Das ist leider fatal. Das ist genau das Gegenteil von Anreize und Freiheit für Unternehmertum, dass Menschen privat hier investieren möchten. Hier reden wir darüber, wie der Staat soll ganz viel investieren. Der Staat muss erst Menschen etwas wegnehmen. Und das sind dann entweder Schulden oder... um selber zu investieren. Der Staat ist nicht der beste Unternehmer, das ist ein alter Satz, aber der ist einfach so. Wenn Menschen für sich selbst ihr eigenes Geld investieren, dann wissen sie, warum die das tun, weil sie nämlich wollen, dass da etwas auch mehr bei rauskommt. Und das sollten wir fördern. Der Staat hat seine wichtige Aufgabe, aber das besteht vor allen Dingen in Rahmenbedingungen setzen, wie Privateigentum, richtige Anreize zum Investieren. Darum geht es. Und das haben wir ein bisschen verlernt.
Sprecher 2: Kennen Sie internationale Beispiele, wo es sowohl gut gegangen ist, wo sich ein Land zurückgekämpft hat auf die volkswirtschaftlichen Weltbühnen und auch Negativbeispiele, wo ein Land wirklich in der ökonomischen Bedeutungslosigkeit verschwunden ist?
Sprecher 7: Also ein Beispiel haben wir hier in Deutschland erlebt, dass wir uns eben nach zu viel Staatsaktivität zurückgekämpft haben. Ein Beispiel war gerade nach dem Zweiten Weltkrieg eben das Wirtschaftswunder, was aber nichts anderes war als eben die Freigabe wieder von Preisen und von Löhnen und von privaten Anreizsystemen. Und wir haben das Beispiel noch der Regierung Schröder, haben wir in jüngster Zeit erlebt, die Nachwirkungen der wirklich weitgreifenden Reformen, die damals unter Hartz IV liefen, aber eben auch noch Bereiche wie die Gesundheitspolitik und die Rentenpolitik betrafen. Da haben wir es gesehen, wie es zurückkommen kann. Also sollten wir den gleichen Weg eigentlich auch mal wieder gehen. Das Interessante ist doch eigentlich, dass man mal die Frage stellen sollte, wann hat denn ganz ausufernde, zunehmende Staatsaktivität bis hin zum Extrem einer Planwirtschaft oder einer sozialistischen Wirtschaft denn irgendwo in der Geschichte mal dazu geführt, dass das zu prosperierendem Wohlstand geführt hat. Die Geschichte hat kein solches Beispiel. Es ist ganz eindeutig. Immer führt es in das Gleiche, in Unfreiheit, in Verarmung. Deswegen sollte man doch einfach mal aus der Wirtschaftsgeschichte lernen, egal wie verlockend und toll das klingen mag, es hat noch nie funktioniert und es gibt auch eigentlich keinen Anlass, warum es jemals funktionieren sollte.
Sprecher 2: Noch kurz was Positives. Wir müssen hier ja optimistisch rausgehen. Was sind die zwei, drei ganz kurz und knapp Faktoren, warum Deutschland das Comeback schaffen kann?
Sprecher 7: Wir haben hier sehr viel Humankapital und unternehmerisches Potenzial. Wir haben den größten Mittelstand der westlichen Wirtschaftswelt. Wir haben hier einfach unheimlich viele Leute, die gewohnt sind, viel leisten zu können. Wir müssen sie auch wieder machen lassen, dass die Lust haben, hier zu investieren und hier sich entfalten können.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Professor Skibicki.
Sprecher 7: Sehr gerne.
Sprecher 3: Lieber Mick, abgesehen von der bitteren Niederlage deines Vereins gestern, auch dein Support hat da nicht geholfen, frage ich dich, war noch was?
Sprecher 2: Ja, mal abgesehen von dem Schiedsrichter, der uns wieder mal verschaukelt hat. Schauen wir mal nach China, nämlich da gibt es eine sehr populäre App, die alleinstehende, einsame, alleinlebende Menschen helfen soll. Nämlich sie meldet automatisch bei Rettungsstellen oder der Polizei nach zwei Tagen Inaktivität einen vorab gemeldeten Notfallkontakt dieser Person und macht das automatisch, wenn man sich nicht innerhalb von zwei Tagen eingecheckt hat. Also eigentlich eine Lebensrettungs-App. Allerdings auch irgendwie ein bisschen komisch, wenn du mal zwei Tage lang nichts machst, kommt plötzlich deine Hilfsperson an die Tür, weil sie irgendwie kontaktiert wurde. Also wer einfach mal entspannen und raus will aus dem Alltag, der hat dann plötzlich da die Rettungsstelle an der Strippe. Also gut, wenn es hilft.
Sprecher 3: Ja, also bei China hat man natürlich auch sofort den Verdacht, dass da noch ein anderes Kalkül im Hintergrund ist, dass man auch ganz gerne weiß, was die Menschen so treiben und wer da eigentlich noch alles Zugriff auf diese App hat. Wir wollen jetzt hier nicht wild spekulieren, aber in China ist natürlich immer vieles denkbar. Abgesehen von den Leuten, die einfach mal 48 Stunden ihre Ruhe haben wollen, denke ich natürlich auch diejenigen, die mit gebrochenem Bein auf dem Boden liegen, sich nicht rühren können. Da ist 48. 40 Stunden wieder ziemlich viel, aber wir wollen jetzt nicht gleich wieder meckern, sondern, ja, vielleicht ist es ja für den einen oder anderen eine gute Idee. Der Name allerdings, der ist doch ziemlich makaber.
Sprecher 2: Bist du tot, soll diese App heißen. Vielleicht überlegen sich da die chinesischen Entwickler dann doch nochmal was Neues. Wir jedenfalls sind quicklebendig am Freitag wieder da, 5 Uhr. Wir freuen uns auf Sie.
Sprecher 3: Wir freuen uns und mit uns jedenfalls sind sie nicht alleine. Das ist doch auch schon mal schön.
Sprecher 8: Woke up in the middle of the night and I noticed my girl wasn't by my side. Could have sworn I was dreaming, for her I was paining, so I had to take a little ride. Backtracking on these few years, trying to figure out what I do to make it go bad. Cause ever since my girl left me, my whole life came crashing and I'm so, so lonely. Mr. Lonely, I have no body.
Sprecher 9: So lonely, so lonely, Mr. Lonely, so lonely, so lonely, so lonely, so lonely, Mr. Lonely.