Wird Venezuela jetzt eine US-Kolonie?
Es ist nach wie vor nicht klar, wie Venezuelas Zukunft aussieht. Sicherheitsexperte Peter Neumann beschreibt im Gespräch mit Michael Bröcker, wie die USA gleich verschiedene Interessen vertreten. Es geht um Rohstoffe, Migration und eine neue US-Einflusssphäre.
Neumann appelliert an Europa: „Empörung ist keine Strategie. Wir brauchen eine Strategie". Europa müsse klären, ob zum Beispiel die E3 - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - einen sicherheitspolitischen Kern bilden können - mit größerem internationalen Gewicht als die EU der 27.
[14:10]
Die CSU fordert eine schärfere Migrationspolitik und umfassende Sozialreformen. Parteichef Markus Söder will den Sozialstaat „generalüberholen" und die Strom- und Körperschaftsteuer senken. Innenminister Alexander Dobrindt setzt auf europäische Rückkehrzentren und eine Roadmap für Abschiebungen nach Syrien. In der Sozialpolitik will die Partei die Zahl der Krankenkassen reduzieren und die Rente mit 63 schrittweise abschaffen.
[01:24]
Die linksextremistische Vulkangruppe steckt laut Sicherheitsbehörden hinter dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz. Eine interne Analyse beschreibt die Gruppe als lose, aber hochgefährliche Struktur mit über zehnjähriger Anschlagshistorie. Offensichtlich haben die Sicherheitsbehörden nur wenig Kenntnisse über diese Gruppierung.
[11:28]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Mehr Abschiebungen und harte Sozialreformen, das und einiges mehr will die CSU in diesem Jahr umsetzen. Wohlgemerkt als kleinster Partner dieser Bundesregierung. Wir sprechen mit Magdalena Latz, unserer CSU-Korrespondentin im Berlin Table. Was die CSU da hinter den dicken Mauern im Kloster Seon aushackt.
Sprecher 3: Die Vulkangruppe steckt hinter dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz. Wer ist diese linksextremistische Gruppe? Eine interne Analyse einer Beratungsfirma liegt uns vor. Wir geben Ihnen ein paar Details.
Sprecher 2: Und dann fragen wir uns natürlich, wie es weitergeht in Venezuela, nachdem die USA in einer hochumstrittenen Aktion den sozialistischen Diktator und Staatschef Nicolas Maduro verhaftet und außer Landes gebracht haben. Es ist weiter unklar, wie es mit dem Land in Südamerika weitergeht. Bleibt es, wie es ist? Gibt es doch ein Regime-Change? Wird das Land zur inoffiziellen US-Kolonie? Hat die USA überhaupt einen Plan, was kommen soll? Das diskutieren wir mit Peter Neumann, dem Professor für Security Studies am King's College London.
Sprecher 3: Es ist Mittwoch, der 7. Januar. Schön, dass Sie wieder bei uns sind.
Sprecher 4: Ich will auch noch einen kurzen Blick zurück machen. 2025, wir haben als CSU am laufenden Band geliefert. Nahezu alle wichtigen Projekte aus dem Koalitionsvertrag, die die CSU-Anschrift hatten, sind erfüllt worden. Trotzdem wissen wir, dass damit noch nichts erreicht ist. Die nationale Stimmung ist weiter extrem gedrückt. Und unser Ziel muss sein, in diesem Jahr einen dauerhaften Ausstimmungsumschwung zu erreichen, eine Faktenverbesserung, mit dem Ziel, dass die Union auch dauerhaft wieder über 30 Prozent ist und die AfD zurückgedrängt wird als die bisherige Nutznießerin schwieriger Zeit. Wie geht es? Besser, schneller und mit weniger Streit regieren. Das ist, glaube ich, das Entscheidende.
Sprecher 2: Da ist er wieder, der Markus Söder, wie wir ihn kennen. Die CSU, so jedenfalls klingt es, ist mit ganzer Kraft da. Und dabei ist sie ja nur ein Partner von dreien und zwar auch noch der kleinste. Michael? Unterschätzt oder überschätzt?
Sprecher 3: Inhaltlich muss man wirklich sagen, hat er es geschafft, seine zentralen Wahlkampfversprechen am Ende auch in Gesetze zu bringen. Und das auch noch im ersten Regierungsjahr. Und dann hat er jetzt ja auch in Seon schon angekündigt, was er als nächstes haben will. Nämlich eine Stromsteuersenkung für alle und die Unternehmenssteuerreform, also die Absenkung der Körperschaftssteuer, soll vorgezogen werden. Ich prognostiziere, Helene, es wird genauso kommen.
Sprecher 2: Naja, das ist immer die Frage, denn manches ist ja bei Söder dann auch nur Rhetorik und wird... Kurz darauf wieder eingesammelt, war nicht so gemeint und so weiter. Manches macht er auch, um die Schwesterpartei CDU und den Kanzler vor sich herzutreiben. Also es ist doch viel Spielerisches in diesem Markus Söder und nicht nur ein Umsetzer und ein Programmatiker, wie er sich jetzt hier geriert.
Sprecher 3: Aber zumindest ist dieser CSU nicht der Streitpunkt in der Koalition. Das muss man, glaube ich, wirklich sagen. Die SPD ringt mit linken und rechten Flügeln, die CDU mehr denn je mit konservativen, liberalen Flügeln und der jungen Gruppe. Und die CSU hat zumindest in Berlin, muss man sagen, in den letzten Monaten eine ganz ruhige, souveräne Rolle gespielt. Ob man das inhaltlich teilt oder nicht.
Sprecher 2: Ja, und es gibt ja auch die Einschätzung aus der SPD sogar, die sagt Alexander Dobrindt, der Innenminister macht einen passablen Job. Auch Dorothee Beer, die Forschungsministerin und Weltraumministerin, kommt ganz gut weg im allgemeinen Ranking. Jedenfalls mal besser als der Durchschnitt der Minister aus den anderen Parteien. Also in Berlin in der Tat ist die CSU relativ geschlossen. Markus Söder sehr präsent, auch wenn er jetzt zuletzt bei seiner Wiederwahl einen ziemlichen Dämpfer abgekriegt hat mit ein bisschen über 80 Prozent, 85 Prozent. Das ist für CSU-Verhältnisse alles andere als gut. Aber der CSU gelingt es jedenfalls mal nach außen den Eindruck zu vermitteln, dass sie geschlossen ist und geschlossen dasteht. Selbe will.
Sprecher 3: Ein kleiner Zacken ist da aus der bayerischen Krone des Königs Markus I. Rausgefallen. Aber er hält sich wacker. Aber was wissen wir schon? Helene im Kloster Seon, im schönen verschneiten Kloster, ist die CSU-Landesgruppe. Aber auch unsere Kollegin Magdalena Latz, unsere neue CSU-Korrespondentin. Und du hast sie vor Ort mal gefragt, was da so hinter den Klostermauern los war.
Sprecher 2: Hallo Magdalena, schön, dass du da bist.
Sprecher 5: Hallo Helene.
Sprecher 2: Ja, sprechen wir erstmal über die Pläne der CSU und das erste Thema ist die Migration. Da ist es ja so, dass die Migrationszahlen deutlich gesunken sind und Alexander Dobrindt, der Innenminister selbst, stolz darauf ist, dass die Migrationswende wirkt, wie er sagt. Und gleichzeitig gibt es nun Forderungen nach einer noch restriktiveren Migrationspolitik. Also die Botschaft, könnte man sagen, aus Seon ist, es reicht noch nicht, was bisher war. Ist das nicht ein Widerspruch? Wie passt das zusammen?
Sprecher 5: Du hast in der Tat recht, das klingt alles sehr, sehr hart, was da formuliert wurde von der CSU im Voraus von Seon in ihrem Beschlussentwurf. Also ich nenne nur ein paar Sachen, europäische Return Hubs, die Durchsetzung einer Rückkehr Roadmap für Syrer. Man hört das schon, wenn ich das so aufzähle, das erinnert vom Sound her sehr an die AfD. Die CSU möchte natürlich gerade vor der Kommunalwahl im März nochmal einen deutlichen Pflock bei dem Thema einschlagen. Die Frage ist nur, ob die Leute dann... nicht lieber gleich das Original wählen. Denn das hat die Vergangenheit ja gezeigt, je schärfer man die Migrationspolitik gefahren hat, desto höher sind die AfD-Werte geworden. Also die Strategie ist bisher überhaupt nicht aufgegangen.
Sprecher 2: Das andere Thema, das in diesem Jahr mal wieder, muss man sagen, ansteht, ist ja das Thema Wirtschaft und Reformen. Was hat die CSU da vor? Wie hart will sie sein? Denn CSU, da steckt ja auch sozial drin. Da hat ja Horst Seehofer früher zum Beispiel immer gesagt, vergesst mir die kleinen Leute nicht. Also wie ist der Kurs der CSU in der Frage der Sozialpolitik?
Sprecher 5: Also Markus Söder hat von einer Generalüberholung gesprochen.
Sprecher 4: Es bringt nichts, dies weiter auf die lange Bank zu schieben. Es braucht hier keine Kosmetik. Es braucht grundlegende Entscheidungen. Sind wir ehrlich? Schröder und Müntefering waren die Letzten, die große Sozialveränderungen in Deutschland beschlossen haben. Seit der Zeit ist wenig passiert. Gerechtigkeit ist das, was am Ende auch Wettbewerbsfähigkeit schafft. Und deswegen braucht es im Grunde genommen eine neue Agenda 30 oder 3.0.
Sprecher 5: Also man möchte da das System einmal komplett überarbeiten, gerade in den Bereichen Gesundheit und Rente. Also es soll deutlich weniger Krankenkassen in Deutschland geben, wenn es nach der CSU geht. Die Arbeitnehmer sollen weniger ein Anführungszeichen blau machen. Deswegen fordert die CSU ja auch, dass telefonische Krankschreibungen reduziert werden sollen. Und das Projektrente mit 63 soll auch schrittweise reduziert werden. Also da, wie gesagt, wenn es nach dem Willen der CSU geht, kommen da deutliche Einschnitte auf die Bevölkerung zu. Aber man weiß eben nicht, was nur Forderungen sind oder was dann am Ende tatsächlich umgesetzt wird.
Sprecher 2: Will die CSU ihre größere Schwester CDU auch da ein bisschen vor sich her treiben? Man kann vielleicht sogar sagen vorführen, denn die CDU hat ja bekanntermaßen im Wahlkampf viel mehr versprochen, als sie jetzt jedenfalls mal in den ersten Regierungsmonaten umgesetzt hat.
Sprecher 5: Ja, das würde ich der CSU durchaus zutrauen. Söder hat ja auch immer wieder betont, dass die CSU der Kitt in der Regierung ist. Aber was bedeutet es, wenn jemand sagt, wir sind der Kitt? Das macht ja nur umso deutlicher, dass etwas nicht stimmt. Also indem man sich selbst als Brückenbauer... Profiliert oder nach außen darstellt, offenbart man eine Schwäche, die es in der Regierung und natürlich auch von Seiten der CDU gibt.
Sprecher 2: Das Thema Venezuela und das amerikanische Vorgehen in dem Land, darüber wurde auch in Seon gesprochen. Wie hast du die Reaktion wahrgenommen? Wo stellt sich die CSU da auf? Stützen sie Merz in dem Kurs, der allerdings ja so ganz klar eben auch nicht ist?
Sprecher 5: Ja, also die Bundesregierung ist da auf jeden Fall in einem echten Dilemma, was die Ereignisse in Venezuela betrifft. Da musste Markus Söder heute auch sehr lavieren. Zunächst hieß es von ihm und Alexander Hoffmann, das ist ein Diktator. Das ist, also Maduro, das ist gut, dass er weg ist. Und Söder hat sich dann in der Wortwahl sehr dem Bundeskanzler angeschlossen, hat von einer komplexen Lage gesprochen, hat dann aber auch klar gemacht, dass Völkerrecht die eine Sache ist und die realen politischen Gegebenheiten eine andere. Das fand ich auch erstaunlich. Und er hat aber deutlich gemacht, und das war der Grund, dass wir in Deutschland und Europa zu schwach und zu abhängig sind in Sachen Sicherheit und uns deswegen uns es nicht leisten können, die USA mit Kritik in dieser Sache zu verärgern. Einfach, weil wir nach wie vor auf den Schutz dieses Bündnisses, des transatlantischen Bündnisses angewiesen sind.
Sprecher 2: Und die Ukraine, welche Rolle spielt die? Denn immerhin sollen ja heute Litauens Präsident Nauseda kommen und außerdem die finnische Außenministerin Walltonen, also zwei ganz dezidierte Unterstützer der Ukraine. Wie ist die CSU-Position dort zu beschreiben?
Sprecher 5: Ja, das ist auch ganz interessant und das hat vielleicht jetzt auch damit zu tun, dass seit diesem Jahr Alexander Hoffmann, also der Landesgruppenvorsitzende, zum ersten Mal die Klausur in Seon leitet. Ich finde dadurch, dass... Gitanus Nauseda und Elina Walton eingeladen wurden. wird ein ganz anderer Akzent gesetzt als bei den bisherigen Klausuren, denn die beiden, die finnische Außenministerin und der Präsident von Litauen, sind explizite Unterstützer der Ukraine. Und früher waren unter Alexander Dobrindt dagegen eher Gäste wie Viktor Orban angesagt, also im wahrsten Sinne des Wortes angesagt. Der ja auch für andere Töne bekannt ist.
Sprecher 2: Was würdest du sagen, welche Stimmung herrscht so in Seon? Aufbruchsstimmung oder doch eher eine Art von leicht depressiver Stimmung angesichts des Ausblicks auf dieses Jahr?
Sprecher 5: Naja, depressiv würde ich das nicht nennen. Ich finde, so war es schon beim CSU-Parteitag, die Stimmung ist eher gedämpft. Und auch Markus Söder tritt weniger breitbeinig auf, vielleicht auch natürlich wegen seiner, im wahrsten Sinne des Wortes, weniger breitbeinig wegen seiner Hüft-OP. Ich glaube, man ist sich einfach dem Ernst der Lage sehr bewusst und will da weniger laute Töne anschlagen.
Sprecher 2: Na, das ist ja mal eine Neuigkeit wirklich von der CSU. Vielen Dank, dass du das für uns beobachtest, liebe Magdalena. Hinter dem Anschlag in Berlin steckt eine Gruppe, die sogenannte Vulkangruppe, die auch ein Bekennerschreiben abgesetzt hat. Und nun hat die Polizei sich das alles ganz genau angeschaut, mithilfe auch des Bundesinnenministeriums und kommt zum Ergebnis, ja, dieses Schreiben ist wohl echt. Der Anschlag geht auf das Konto von Linksextremisten.
Sprecher 3: Ja, so sieht es auch das Innenministerium und das BKA. Und eine interne Analyse, die wir gestern Abend im Berlin Table veröffentlicht haben, einer Beratungsfirma, die sich genau auf diese Anschläge gegen kritische Infrastruktur spezialisiert hat und auch in Berliner Polizeikreisen kursiert, die geht auch davon aus, dass diese Vulkangruppen, linksextremistische Aktivisten, die ziemlich lose, aber eben auch schon seit 12, 13 Jahren verschiedene Anschläge auf Infrastruktur, auf die Deutsche Bahn, auf Energieversorger verübt haben, dass die tatsächlich zu diesen Tätern gehören und damit endlich, muss man sagen, ins Visier kommen. Denn sie machen eigentlich ihren Job, wenn ich es mal so überspitzt formulieren darf, eben seit fast 14 Jahren. Und so richtig bekannt ist diese Gruppe nicht. Weder sind Personen noch Täterprofile bekannt. Wir müssen ein größeres Auge auf diese Gruppe richten, glaube ich.
Sprecher 2: Es gibt jetzt, und die Taz hat darüber berichtet, durchaus Auffälligkeiten in diesem Schreiben, das ja, wir haben es gesagt, die Polizei für authentisch hält und trotzdem. wird darauf verwiesen, dass zum Beispiel J.D. Vance geschrieben wird, Vance, also V-A-N-S, dass Franziska Giffey mit A-Y am Ende geschrieben ist und dann heißt es, das könnte auch Folge sein einer Übersetzung aus dem Kyrillischen, sodass jetzt spekuliert wird, ob der Anschlag eben doch auch Teil einer hybriden Kriegsführung ist, ob Russland dahinter steckt, also jetzt nicht nur Russland im Szenario eines möglichen Nachahmers, sondern jetzt schon auch als Verantwortlicher. Du hast dich ein bisschen umgehört. Ist da was dran oder ist das eine Verschwörungstheorie?
Sprecher 3: Es gibt zumindest keine Belege bisher, auch keine Beweise. Es gibt Experten, die das nicht für aussagekräftig halten, weil sie sagen, dieses Bekennerschreiben orientiert sich eher an früheren, zum Beispiel von 2015 oder 2024, im Stil, im Duktus und im Muster. Aber man kann natürlich auch davon ausgehen, dass Wladimir Putin in seiner verächtlichen Art sich darüber freut, wie verletzlich und wie einfach es doch geht, zumindest einen kleinen Teil einer Großstadt in Deutschland ins Dunkle zu versetzen. Aber belegt ist das bisher nicht.
Sprecher 2: Hatte Donald Trump einen Plan oder ist das wieder nur ein Bluff, die Ankündigung Venezuela vorübergehend zu übernehmen, kann man sagen, zu einer Art US-Kolonie zu machen? Will er das wirklich? Geht das überhaupt? Denn die Vizepräsidentin macht ja keinerlei Anstalten, die Macht abzugeben. Und die Militärs, die in Venezuela das Sagen haben, die stehen auch noch zum Maduro-Regime.
Sprecher 3: Jedenfalls wird hier eine Diktatur durch eine andere offenbar ersetzt und ein demokratischer Regime-Change, das wäre ja eine maximale Unterstützung der Nobelpreisträger, der Friedensnobelpreisträger, ist nicht zu sehen. Also wahrscheinlich, und man liegt nicht ganz falsch, Helene, Steve Miller, der stellvertretende Stabschefs, hat es ähnlich formuliert, gestern im amerikanischen Fernsehen. Es geht um die Kontrolle über die latein- und südamerikanischen Länder, die eben den Amerikanern Kopfzerbrechen zerbreiten. Einerseits, weil sie mit Russland und China eng zusammenarbeiten, weil sie die Drogenflüsse in die Vereinigten Staaten hinein nicht in den Griff kriegen. Aber es geht nicht darum, eine Demokratie in Südamerika zu schaffen.
Sprecher 2: Nein, das mit Sicherheit nicht. Aber die Frage ist trotzdem nochmal, gibt es einen Plan für dieses Szenario oder hat Donald Trump einfach mal losgemacht und mal geguckt, was passiert, wenn Maduro dann weg ist? Ja, offensichtlich jedenfalls deutet sich jetzt noch nichts davon an, abgesehen von, was auch Steve Miller sagte, jetzt regiert die Stärke. Das Recht des Stärkeren, so kann man es auch sagen, ja, also das Ende der der regelbasierten Ordnung. Soweit ist es klar. Aber was kommt eigentlich danach? Das weiß niemand und wir hören auch nicht davon, dass es von den USA aus irgendwelche Pläne gibt, abgesehen davon, dass man unterstellen kann, dass natürlich das Öl der amerikanischen Wirtschaft in dieser Zeit ganz gut tun würde.
Sprecher 3: Außer das Einzige, was wir wissen, ist natürlich, dass diese Militäraktion, die ja außergewöhnlich professionell war, wenn man mal ehrlich ist, in Kentucky in einem Haus, das eben dem Gebäudekomplex ähneln soll, in dem sich Maduro versteckt hat, über Monate trainiert und vorbereitet wurde. Also das war jetzt kein Militärschlag, der kurzfristig entstanden ist. Aber wie so oft, wie heißt der amerikanische Spruch, if you break it, you own it. Die Zeit danach, wenn du reingegangen bist, die musst du natürlich auch im Blick haben. Und das haben die Amerikaner schon im Irak und in Syrien bewiesen oder in Afghanistan, dass das nicht gerade ihre Stärke ist. Wie geht es da weiter? Das habe ich gestern Abend Peter Neumann gefragt, den Terror-Experten im King's College in London, der sich mit diesen autokratischen Strukturen und Konfliktthemen besonders gut auskennt. Fragen wir doch mal, was er glaubt, was hinter dieser Aktion steckt. Einen schönen guten Tag, lieber Herr Neumann.
Sprecher 6: Hallo, guten Tag.
Sprecher 3: Herr Neumann, in Venezuela ein Staatskuh von außen. Können Sie absehen, welches Interesse Donald Trump wirklich verfolgt?
Sprecher 6: Also ich glaube, es gibt unterschiedliche Interessen in der Trump-Regierung. Da ist natürlich Donald Trump, der spricht über Rohstoffe, Öl vor allem. Aber es gibt ja in Venezuela auch Gold, Silber, seltene Erden. Ist für ihn besonders interessant. Gibt es den Außenminister und nationalen Sicherheitsberater Marco Rubio. Der ist ja selber... Kubanischer Herkunft und hat auch so eine Art Regimewechsel-Agenda. Er möchte also ein Südamerika, was frei ist von diesen linken Diktatoren, Venezuela vielleicht Nummer eins und dann Kuba Nummer zwei. Und dann gibt es Stephen Miller, einen weiteren wichtigen Berater von Donald Trump. Der spricht vor allem über Migration. Migration, sieben Millionen Venezuelaner sind aus Venezuela geflohen in den letzten Jahrzehnten, viele davon nach Amerika, die möchte er wieder zurückschicken. Also da kommen unterschiedliche Motive zusammen.
Sprecher 3: Viele reden über das neue Projekt der Hemisphären, der amerikanischen Einflusssphären und dazu gehören dann eben auch die südamerikanischen Kontinente. Wie geht es weiter mit Rodriguez? Die ist jetzt gerade im Amt, sie ist eine Art Vizepräsidentin gewesen und jetzt kommissarisch im Amt und Donald Trump stellt ihr Bedingungen. Welchen Spielraum hat sie überhaupt und welche strategische Partnerschaft könnte am Ende Venezuela mit den USA eingehen, die auch Venezuela helfen?
Sprecher 6: Was man jetzt hört, ist, dass die Amerikaner ganz klare Bedingungen an sie gestellt haben, dass sie gesagt haben, wir wollen Zugang zu den Ressourcen. Wir wollen auch, dass ihr eure Kontakte abbrecht zum Iran, zu Russland und zu China. Also wir wollen, dass ihr euch Amerika nicht mehr entgegenstellt. Aber wenn diese Bedingungen erfüllt sind, dann kann sie unter Umständen Präsidentin werden. Und Trump hat offensichtlich auch kommuniziert, dass das mit den Wahlen gar nicht ist. so eilig ist, sie soll sich ruhig Zeit nehmen, irgendwann muss sie abtreten, aber das kann auch erst in der Weile sein. Also wenn sie da mitspielt und wenn sie diesen Spagat hinbekommt, auf der einen Seite eine relativ proamerikanische Politik zu verfolgen, auf der anderen Seite ihre eigenen Militärs bei der Stange zu behalten, möglicherweise auch Leute innerhalb der Regierung, die noch pro Maduro sind, dann ist sie die starke Frau. Ob sie das schafft, das wird sich wahrscheinlich in den nächsten Tagen zeigen. Tatsache ist, Macht möchte kein Vakuum. Momentan haben wir ein Vakuum, das wird gefüllt werden. Und wenn sie das in den nächsten 48 Stunden füllt, dann ist sie die neue starke Frau von Venezuela.
Sprecher 3: Die US-Amerikaner machen sich also des Rest Amerikas gefügig, so könnte man es wohl formulieren. Trotzdem nochmal die Frage, was das mit dem Rest der Welt macht. Herr Neumann, China, Russland, die müssten doch feixen und sagen, wenn jetzt ein demokratisch gewählter amerikanischer Präsident doch den Regime-Change forciert, seine Truppen in andere Länder hineinschickt und dort Präsidenten entführt, Ja, dann ist doch Taiwan für die Chinesischen eine viel einfachere Argumentationslogik, oder?
Sprecher 6: Also zwei Punkte. Erster Punkt, erstmal, Sie haben total recht. Natürlich, diese Großraumlogik, diese Einflusssphärenlogik, das ist natürlich etwas, was sich dann auch andere vermeintliche Großmächte zunutze machen können. Also wenn Amerika sagt, wir entscheiden, was in Südamerika passiert, dann sagt natürlich Putin, dann entscheide ich, was in Osteuropa passiert. Die Chinesen sagen dann, entscheiden wir, was in Südostasien passiert. Also das ist schon problematisch. Zweiter Punkt, bei den Chinesen wäre ich etwas vorsichtig. Ich glaube, die werden sich jetzt erstmal so positionieren, dass sie sagen, schaut euch diesen verrückten Mann aus Amerika an, der dir die Weltordnung abschafft, der das Völkerrecht bricht. Wir sind der wahre Hort der Stabilität. Wir sorgen dafür, dass kleine Länder beschützt werden. Und das stimmt natürlich nicht, aber ich glaube, bei vielen kleinen, mittleren Ländern in Afrika, in Asien wird das durchaus Resonanz finden.
Sprecher 3: Letzte Frage, Herr Neumann. Die Europäer haben das Regime Maduro nie anerkannt, muss man sagen. Es ist kein legitimierter Präsident gewesen. Trotzdem können sie ja eine solche Aktion nicht gut finden. Also schwierige Kommentierung aus Europa. Muss man so ehrlich sein und sagen, das Völkerrecht ist de facto tot?
Sprecher 6: Es ist am Sterben, würde ich sagen. So ganz tot ist es noch nicht. Und deswegen muss man in Europa ganz dringend aus der Position heraus, wo man sich an das Alte klammert und immer sagt, das ist ganz schlimm. Empörung ist keine Strategie. Wir brauchen eine Strategie. Da entsteht gerade etwas Neues. Was ist die Position von Europa? Wenn das eine Welt der Großmächte ist, dann... Stellt sich die Frage, wie kann Europa tatsächlich zu einer Großmacht werden, um am Tisch zu sitzen? EU 27 ist schwierig, ist sehr behäbig, ist sehr langsam, enthält manche Länder, die eigentlich das auch von innen sabotieren. Aber E3, Frankreich groß. Großbritannien, Deutschland, das wäre doch mal ein Bündnis, was zusammen addiert, möglicherweise tatsächlich mit seinen Pfunden buchern könnte. Und da sollte man vielleicht viel enger zusammenarbeiten, damit eben Europa auch wieder mit am Tisch sitzt.
Sprecher 3: Ein Plädoyer für ein sicherheitspolitisches Kern-Europa, man kann das so sagen. Das war Peter Neumann, der übrigens kurz vor dem Jahreswechsel genau das prognostiziert hat, was jetzt eingetreten ist, nämlich der Staatskuh in Venezuela und ein linksextremistischer Anschlag. Beides haben wir erlebt. Wir hoffen, dass Sie nicht so oft recht haben. Vielen Dank, lieber Herr Neumann.
Sprecher 6: Dankeschön.
Sprecher 2: Mick, war noch was.
Sprecher 3: Lego, Helene, Lego revolutionierte seine Bausteine. Das ist doch mal eine Nachricht, über die wir sprechen müssen. Gestern wurde auf der berühmten Technikmesse CES in Las Vegas der Smart Brick vorgestellt. Weißt du, was das ist?
Sprecher 2: Nein.
Sprecher 3: Smart Brick klingt wie Smart Home, also mein Lego-Fan-Sohn dürfte sich freuen. Es geht jedenfalls um eine neue Art von Lego-Stein, der über reaktionsschnelle Lichter, Farberkennungsscanner verfügt zur Erfassung seiner Umgebung, sogar einen Klangsynthesizer, der fast jeden Ton wiedergeben kann und einen integrierten Beschleunigungsmesser. Dieser erkennt also, wie ein Lego-Stein, der Brick, während des Spiels gedreht, gewendet oder getippt werden kann. Lego 5.0 könnte man sagen.
Sprecher 2: Ich bin immer noch bei 1.0 Duplo, kann also bei diesem Ding nicht mitmachen, aber man muss ja auch nicht überall mitmischen, Michael. Für mich ist das eine Art von Magie.
Sprecher 3: In diesem Sinne, wir hören uns hier wieder Donnerstag Table Today ab 5 Uhr. Wir freuen uns auf Sie.
Sprecher 2: Tschüss.
Sprecher 7: One gold, one golden glass. Of what should be. It's a kind of man. One shot. Of life. That shows the way. No mortal man can win this day. It's a comeback. Inside your mind. It's challenging. The doors of time. Away it is. Eternity, yeah. The day will dawn. Of magic I can't be all you want. This rage, I'd like. One year will soon be done. This flame that burns inside of me. I'm a new. Inside your mind. It's challenging. The doors of time.