Blackout in Berlin und US-Angriff auf Venezuela
Der Einsatz der USA in Venezuela wird von Donald Trump als großartiger Schlag gegen ein Drogenkartell gefeiert. International sind die Reaktionen eher zurückhaltend, vor allem in Europa. Bundeskanzler Friedrich Merz spricht von einer komplexen rechtlichen Lage und verzichtet ganz bewusst darauf, Donald Trump deutlich zu kritisieren. Dabei ist offensichtlich, dass hier das Völkerrecht gebrochen wurde.
Ein Brandanschlag auf eine zentrale Kabelbrücke in Berlin hat am Neujahrswochenende tausende Haushalte im Berliner Südwesten von der Stromversorgung abgeschnitten. Zur Tat haben sich Linksextremisten bekannt.
Menschen in Zehlendorf und Wannsee müssen voraussichtlich noch einige Tage ohne Heizung, Internet und Mobilfunk auskommen.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner gerät unter Druck: Warum hat er erst so spät Hilfe von der Bundeswehr angefordert?
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Herzlich willkommen zurück in diesem neuen Jahr, das ziemlich brachial beginnt. National, berlinerisch wie international. Eine kurze Winterpause und jetzt mit voller Härte zurück.
Sprecher 3: Helene und Mick sind wieder vereint. Das ist eigentlich eine gute Nachricht, aber es wird heute erstmal kritisch. In Berlin, und ich bin selbst betroffen, droht der längste Stromausfall der Nachkriegsgeschichte. Nach einem Brandanschlag haben 35.000 Haushalte immer noch und wahrscheinlich bis Donnerstag keinen Strom, kein Internet teilweise, keine funktionierende Heizung. Was ist da los? Wir klären sie auf.
Sprecher 2: Und natürlich müssen wir über Venezuela reden oder besser gesagt das Vorgehen der Vereinigten Staaten in Venezuela. Ein angeblicher Coup gegen die Drogenkriminalität, aber wohl auch ein völkerrechtswidriger Angriff. Die Europäer, die sind ziemlich schmal, lippig. Wir fassen die Lage für sie zusammen.
Sprecher 3: Tag 5 im neuen Jahr erst und man denkt schon, puh, ist das anstrengend. Die politischen Parteien übrigens dieser Bundesregierung gehen diese Woche auch noch in Klausur. Schön, dass Sie heute bei uns dabei sind. Helene, ich bin immer noch in meinem frohnauischen Exil, denn meine Wohnung in Berliner Südwesten hat keine Heizung, kein Strom und sonst eigentlich auch gar nichts. Ich weiß jetzt, was Stromausfall bedeutet.
Sprecher 2: Wie 35.000 andere Berliner Haushalte wirklich ganz bitter, gerade an diesen kalten Tagen. Und anders als man dachte, zunächst am Samstag, das ist vielleicht irgendein Fehler, der irgendwo passiert ist. Nein, dahinter steckt ein Anschlag. Wohl geht er auf eine linksextremistische Gruppe zurück, die sogenannte Vulkangruppe. Also in jeder Hinsicht für die Betroffenen bitter, aber natürlich jetzt auch wirklich was zu tun für die Ermittlungsbehörden.
Sprecher 3: Ja, lass uns mal über die möglichen Täter zunächst reden, bevor wir hier Betroffenen und Opfer Berichterstattung machen. Also 5.45 Uhr war es wohl soweit am Samstagfrüh, also in der Nacht zu Samstag. Und es wurde in Lichterfelde eine Kabelbrücke in Brand gesetzt, also eine Brücke über einem Kanal, in der dicke, fette Stromleitungen liegen. Ein gezielter Anschlag, weil diese Gruppe wollte eben genau diese Stadtteile eigentlich lahmlegen, mit einem Blackout versehen, die sie jetzt auch getroffen hat. Wannsee, Nikolaussee, Schlachtensee, Zehlendorf, das sind durchaus auch, sagen wir mal, Stadtteile, die als diejenigen gelten, wo die Betuchteren wohnen. Und das ist ja genau das Ziel dieser Gruppe. Du weißt mehr über die Jungs und Mädels.
Sprecher 2: Im linken Milieu würde man jetzt sagen, gegen die Reichen, die sollte es treffen. Ja, es ist eine Gruppe. die schon seit längerem aktiv ist, seit 2011, begeht sie in unregelmäßigen Abständen Anschläge, gerade auf neuralgische Punkte der Infrastruktur. Zuletzt war das im September des vergangenen Jahres ein Brandanschlag auf zwei Strommasten im Südosten Berlins. Aber auch 2024 in Grünheide gab es einen Anschlag. Tesla abschalten war damals das Logo. Wir haben mit Philo Badenberg, der Berliner Justizsenatorin von der CDU, darüber gesprochen, wer diese Gruppe ist und wie groß die linksextreme Gefahr in Deutschland eigentlich ist. Und das hat sie gesagt.
Sprecher 4: Dieser Brandanschlag geht es auf die Stromversorgung hier in Berlin und damit auf unsere kritische Infrastruktur, zeigt nochmal deutlich, dass wir die Gefährlichkeit der linksextremistischen Szene nicht unterschätzen dürfen. Es gibt ein Bekennerschreiben zu diesem Sabotageangriff, das von den Berliner Sicherheitsbehörden auch authentisch eingestuft wird. Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass es sich um politisch motivierte Täter handelt, und zwar aus der linksextremen Szene, die mit Detailwissen nicht nur Sachschäden verursachen, sondern auch das Leben von Menschen aufs Spiel setzen. Es geht hier um sogenannte Vulkangruppen, die in Berlin und Brandenburg seit 2011 Brandanschläge auf öffentliche Infrastrukturen durchführen. Diese Anschläge führen zu Ausfällen von Strom und Telekommunikation. Aber es gibt auch immer wieder Angriffe, die zu einer Störung des öffentlichen Nahverkehrs führen. Ja, was wollen die Akteure damit bewirken? Sie wollen die Funktionsabläufe beeinträchtigen und vor allem dem Staat Handlungsunfähigkeit attestieren. Ich erinnere nur an den Brandanschlag im März 2024 in Grünheide auf den Autobau. Hersteller Tesla. Von dem Vorfall war ja nicht nur Tesla betroffen, sondern auch tausende Privathaushalte.
Sprecher 3: Ja, das Bundesinnenministerium hat das Bekennerschreiben dieser Gruppe auch für plausibel erachtet und hat sich diese Gruppe auch schon näher angeschaut. Also das ist jetzt... Eine Sache auch für die Bundespolitik, wobei wir natürlich zunächst einmal über das Berliner Krisenmanagement reden müssen. Denn wir sind jetzt in Stunde 50, 53, 54 nach diesem Anschlag auf die Stromleitung. Und wie gesagt, Zehntausende haben immer noch keinen Strom. Man fragt sich schon, wenn in der Ukraine ein Strommast zusammenbricht oder zerschossen wird, dann wird innerhalb von 24 Stunden repariert. Selbst in Afrika sind manche Länder schneller mit Strommasten. Warum dauert das bei uns so lange? Das ist eigentlich die zentrale Frage, die auch der CDU-Bürgermeister Kai Wegner beantworten muss.
Sprecher 2: Ja, und der Berliner Bürgermeister, der hat sich zunächst ziemlich bedeckt gehalten. Am Sonntag erst hat er sich überhaupt das erste Mal geäußert, hat auch erst gesagt, wir Berliner kriegen das selber in den Griff. Das ist nun doch nicht der Fall. Er hat Boris Bistorius angerufen, den Verteidigungsminister und um Hilfe. durch die Bundeswehr gebeten. Da stellt sich jetzt die Frage, warum hat er das eigentlich nicht schon am Samstag getan? Denn es betrifft ja nicht nur Privathaushalte, sondern natürlich auch Krankenhäuser und so weiter, also Pflegeeinrichtungen, also wo Menschen akut mit dem Tod bedroht sind. Natürlich müssen da eigentlich sofort alle Hilfskräfte aufgeboten werden und das ist in Berlin mal wieder, muss man leider sagen, ziemlich spät passiert, sodass tatsächlich ja Menschen zwischenzeitlich in Lebensgefahr schwebten bislang. Jedenfalls gibt es wohl noch keine Toten, aber die Woche wird noch sehr, sehr kalt werden.
Sprecher 3: Ja, wir wissen von einem Fall in Wannsee, wo ein Mensch, der eine seltene Erkrankung hat und eben an einer Beatmungsmaschine angeschlossen war, wirklich nur in den letzten Minuten noch den Rettungswagen erreicht hat, den ein Betreuer nur dann anrufen konnte, als er Netz hatte. Und dafür musste er die Wohnung verlassen, ein paar Meter weiter gehen, denn auch das Netz war ja seit Samstagmorgen in Teilen dieser Berliner Stadtteile eben weg, weil der Strommast wiederum mit dem Handysendungsmast verbunden ist. Also Chaos allenthalben und man merkt eben in solcher Situation, wo wir überall auf Strom angewiesen sind. Elektrische Jalousien, die nicht mehr hochgehen, elektrische Tore, natürlich die Heizungen auch in den Pflegeheimen, die eben kein Notstromaggregat haben. Edeka, Supermärkte, Lidl, Tankstellen, Kioske, alle waren zu. Du konntest nicht mehr abrechnen, du konntest nichts mehr bezahlen. Also das ist schon erstaunlich in einer Welt, in der die Elektrifizierung ja das große Ziel ist. sollten wir dringend unsere kritische Infrastruktur besser schützen oder eben auch Sicherungssysteme einbauen. Denn solche Anschläge jetzt von der Vulkangruppe sind natürlich auch von anderen, auch ausländischen Mächten möglich. Und man zeigt dann eben doch, wie vulnerabel man ist, wenn mal eben drei, vier Tage lang eine ganze Kleinstadt lahmgelegt wird.
Sprecher 2: Ja, vulnerabel ist das Stichwort. Und dabei, so hat es ja auch die stellvertretende Bürgermeisterin Giffey gesagt, 99 Prozent der Stromleitungen seien unter der Erde, wo sie natürlich auch nicht komplett geschützt, aber doch besser geschützt sind als überirdisch. Aber an manchen Punkten geht das halt nicht. Da muss man sie überirdisch machen. Also wir sind verletzlich, wir sind angreifbar. Und natürlich kann man sehen, wie einer Gruppe es gelingt, so mit einem Handstreich einen Stadtteil völlig außer Gefecht zu setzen. Auch die Bahnen fuhren ja nicht, die Menschen waren völlig aufgeschmissen. Wie in der Steinzeit, so hat es unser Head of Podcast Florian Fischer hier beschrieben, den ich mal jetzt hier zitieren möchte. Wie geht es jetzt weiter? Die Hoffnung ist, dass Mitte, Ende der Woche sich die Lage wieder auflöst. Aber was bis dahin passiert, müssen wir gucken. Denn natürlich gibt es jetzt auch die Sorge vor Einbrüchen angesichts dieser leerstehenden Wohnungen.
Sprecher 3: Natürlich müssen wir jetzt erstmal wieder die Kinder betreuen, die ich heute Morgen, liebe Helene weiß schon mal Bescheid, mit ins Büro nehmen werde. Die Kitas sind natürlich zu. Also das ist schon ein Aufwand, wo man sich fragt, warum ausgerechnet auch die Schulen wieder überhaupt keine Sicherungssysteme haben. Wenn mal der Strom ausfällt, ist mir ein wirkliches Rätsel. Ich habe mit Kai Wegner gestern telefoniert, der alles mehr oder weniger auch... auf die Strombetreiber schiebt. Stromnetz Berlin sagt, das sei jetzt eben alles sehr aufwendig. Und man muss dazu mal vielleicht sagen, unter einem Kanal hätte man natürlich auch Stromleitungen bauen können vor vielen, vielen Jahren. Man muss halt dann leider etwas tiefer und es ist alles ein bisschen aufwendiger. Es kostet einfach mehr. Also hat man da den bequemen Weg über die Brücke genommen. Und der ist eben auch ein leichtes Ziel für solche Anschläge. Also wir müssen, glaube ich, bei der Resilienz einiges nachholen. Und man kann nur hoffen, dass Christina Schröder Unrecht hat, die ehemalige Familienministerin, die mit tausenden Toten rechnet bei fünf Tagen ohne Strom. So muss es nicht kommen. Aber dass da kein alleinstehender älterer Mensch in einer Wohnung gerade alleine wirklich existenzielle Probleme hat, das wäre dann doch ein Wunder, wenn es wirklich noch bis Donnerstag dauert.
Sprecher 2: Schön allerdings zum Ende nochmal was Nettes ist ja, wie viele Menschen da doch Aufnahme finden bei Freunden und Verwandten in dieser Stadt, die so oft als hart und herzlos beschrieben wird, gibt es sie eben doch, die Nachbarschaftshilfe beziehungsweise dann die Hilfe über die Bezirksgrenzen hinweg, die Nähe, die die Leute dann doch finden beieinander und sich wärmen können, das ist doch immerhin schön. Michael, du, aber auch Florian, ihr habt alle eine Herberge gefunden und ihr hättet natürlich auch zu mir kommen können, denn bei mir zum Glück in Charlottenburg ist es schön warm.
Sprecher 5: Overwhelming American military power, air, land, and sea was used to launch a spectacular assault. And it was an assault like people have not seen since World War II. This was one of the most stunning, effective, and powerful displays of American military might and competence in American history.
Sprecher 3: Ein Staatskuh von außen, so muss man es wohl sagen. Donald Trump bezeichnet die Operation in Venezuela, in Caracas, als beste Militäroperation aller Zeiten. Er hat mal eben einen Präsidenten außer Landes bringen lassen, mithilfe der Delta Forces, ein Wahnsinnsakt. Und selbst die europäischen Staatschefs, die zwar alle keine Fans von Maduro sind, wer ist das schon, müssen irgendwie sagen, okay, so geht es eigentlich auch nicht, oder Helene, was sagst du?
Sprecher 2: Ja, wobei sie sich ja wirklich sehr zurückhalten, denn die Europäer sind in der Zwickmühle. Einerseits brauchen sie die Amerikaner, sie wissen, wie Donald Trump reagiert, wenn er kritisiert wird. Sie brauchen ihn an ihrer Seite wegen der Ukraine und gleichzeitig sind sie jetzt in der Situation, dass etwas, was sie bei Russland so scharf... kritisieren, nämlich das völkerrechtswidrige Eindringen in ein Land, dass sie das bei Amerika nun nicht kritisieren, in Klammern können, was ja auch, also können wir noch darüber reden, nicht ganz so einfach, aber doch am Ende klar völkerrechtswidrig ist, dass sie da jetzt sagen, jetzt wird mit zweierlei Maß gemessen, da gibt es jetzt natürlich die Linkspartei, aber auch andere, die sagen, so sind die Europäer eben, sie finden Völkerrechtsverstöße wieder nur dann schlimm, wenn sie von anderen als den Amerikanern begangen werden. So in diesem Dilemma befinden sich die Europäer und winden sich raus durch Formulierungen wie die von Friedrich Merz. Das sei völkerrechtlich durchaus komplex und Maduro natürlich einer, der die Menschenrechte mit Füßen tritt. So und jetzt müsste man sehen, wie es weitergeht. Also ein bisschen verhaltene Reaktion.
Sprecher 3: Ja und wenn man in China mal guckt, der Pekinger Staatschef Xi Jinping, der dürfte sich freuen, weil für ihn ist die Einnahme Taiwans ja jetzt noch einfacher. Das ist ja aus seiner Sicht nicht einmal mehr ein völkerrechtswidriger Angriff, sondern da verleibt sich einer sein eigenes Land wieder zurück ein. Also die Begründung jetzt anderer Diktatoren auf der Welt, wenn sie irgendwelche abtrünnigen Gebiete zurückhaben wollen, die werden natürlich immer wieder mit dem Finger auf Trump zeigen. Aber zugleich, klar ist der Mann in Drogenhandel verwickelt gewesen. Er ist ein schlimmer Machthaber und Diktator, der von allen europäischen Staats- und Regierungschefs auch nicht anerkannt wird als legitimer Präsident. Also eine schwierige Sachlage. Und ein Donald Trump, der dann auch noch in der Pressekonferenz... Und sagt, ja klar, und das nächste ist Grönland. Wenn wir sie brauchen, dieses Land, dann nehmen wir es. Also das ist schon Wahnsinn.
Sprecher 2: Ja, das ist jetzt das Wiederaufleiben und Trump'sche Fortschreiben der Monroe-Doktrin aus dem Jahr 1823. Also so alt ist sie schon. Und besagt eben, dass es in dieser Welt Einflusssphären gibt, in denen die Großmächte mehr oder weniger freischalten und walten können. Und die Amerikas, also alles, was zum amerikanischen, nord- und südamerikanischen Kontinent gehört, das gehört eben nach dieser Lesart und nach Trumps Interpretation zur amerikanischen, zur US-amerikanischen Einflusssphäre. Und dort kann man eben dann auch mal einen Machthaber auswechseln, wie das übrigens auch schon in den 90er Jahren passiert ist in Panama. Und auch dort für kleine internationale Aufwallung, aber am Ende nichts weiter geführt hat. Also so ist es und das ist natürlich für dieses Völkerrecht eine ganz, ganz bittere Geschichte. Denn das besagt ja genau das Gegenteil. Es gibt nicht Großmächte, die mit den Kleinen machen, was sie wollen, sondern es gibt internationale Regeln, an die sich alle zu halten haben, egal ob sie groß oder klein sind.
Sprecher 3: Jedenfalls beginnt das neue Jahr auch für diese Bundesregierung damit wieder mit internationalen Unruhen, wenn man so will, und einer schwierigen Antwort auf Donald Trump. Was sagt eigentlich die SPD, was sagt die CDU in der Bundesregierung? Das wollten wir von einer Bundestagsabgeordneten wissen, die sich auskennt mit der Region, mit Lateinamerika. Sie ist die Leiterin des Gesprächskreises Lateinamerika und Karibik des Bundestags. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Kadamatori, Markus Bickel, unser Kollege aus dem Security Table, hat mit ihr gesprochen.
Sprecher 6: Bundeskanzler Friedrich Merz hat die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes in Venezuela als komplex bezeichnet. Handelt es sich aus Ihrer Sicht bei der Gefangennahme von Maduro und seiner Frau nicht eindeutig um einen Bruch des Völkerrechts?
Sprecher 7: Aus meiner Sicht gibt es da wenig Komplexität in der völkerrechtlichen Einordnung. Das ist klar völkerrechtswidrig und gegen die UN-Tate. Es verletzt die Souveränität des Landes. Venezuela militärisch dort einzugreifen und den Staatschef festzunehmen, auch wenn er nicht demokratisch legitimiert war und von uns auch nicht anerkannt wurde. Was die politische Einordnung eingeht, kann man vielleicht von Komplexität sprechen, aber nicht, was die Fall der Rechtliche angeht.
Sprecher 6: Das heißt, die Bundesregierung müsste sich eigentlich viel stärker für die Achtung der Charta der Vereinten Nationen in diesem Fall aussprechen und nicht darüber einfach hinweggehen.
Sprecher 7: Aus meiner Sicht ja, denn wir berufen uns ja auch immer wieder auf die regelbasierte Ordnung und das Völkerrecht, wenn wir beispielsweise Russlands Vorgehen in der Ukraine zu Recht kritisieren. Das trägt halt nicht zur europäischen Glaubwürdigkeit bei, wenn wir jetzt in diesem Fall so tun, als sei es kompliziert oder nicht eindeutig. Dass hier die Souveränität eines Landes verletzt wurde.
Sprecher 2: Interessant ist ja, dass Donald Trump, der sich eigentlich immer gegen das Nation Building und auch gegen Regime Change, ausgesprochen hatte. Und es gibt ja nun auch etliche Beispiele, wo dieses amerikanische Vorgehen gescheitert ist. Siehe Afghanistan. Dass der Mann, der seinen Anhängern der Magerbewegung versprochen hat, dass sich Amerika nun um sich selbst kümmert und nicht Weltpolizist spielt, dass gerade dieser Mann nun losgeht und Venezuela angreift bzw. Den Staatschef gefangen nimmt, da stellt sich jetzt die Frage, absolut berechtigte Frage in meinen Augen, was steckt dahinter? Wahrscheinlich nicht das Bedürfnis, Weltpolizei zu sein, sondern die Ölreserven Venezuelas, die größten dieser Welt.
Sprecher 3: Flo, ich habe aus meinem Exil berichtet. Wo hast du denn eigentlich die letzten 24 Stunden verbracht? Du bist ja als Wannsee-Bewohner auch betroffen von dem Stromausfall.
Sprecher 8: Ja, ich bin Gott sei Dank in Steglitz untergekommen bei einem Kumpel, der mich abholen musste, weil ja die S-Bahn auch nicht mehr gefahren ist und mein Auto in der Garage steht mit elektrischem Tor. Also auch da bin ich nicht dran gekommen und war ein bisschen aufgeschmissen. Man hat es dann doch irgendwie geschafft und deswegen hier an der Stelle erstmal nochmal. Einen ganz, ganz großen Dank an alle, die dafür sorgen, dass diese Ausnahmesituation zumindest halbwegs geordnet abgeht.
Sprecher 3: Ja, zum Beispiel die Freiwilligen, die im Bahnhof Mexiko Platz da eine warme Suppe ausgeteilt haben oder mit Powerbanks und Strom für die Betroffenen aus den Gegenden da aufwarten. Also da hat irgendwie jeder, der irgendwie gerade noch Strom hatte, seine zwei, drei Meter nach links sich bewegt und in denjenigen Bereichen, wo es keinen Strom mehr gab, kräftig mitgeholfen.
Sprecher 8: Ja, teilweise werden ja auch einfach Mitfahrgelegenheiten organisiert zwischen Zehlendorf, also dem letzten angebundenen Teil des Berliner Südwestens und dann eben den abgeschnittenen Regionen. Also das zeigt auch einfach, wenn es hart auf hart kommt, dann wachsen die Berliner doch über sich hinaus und entwickeln sowas wie Freundlichkeit.
Sprecher 3: Ja, muss man sagen. Und die Nachbarschafts-Chats, die irgendwelche Gaskocher und Notstromaggregate anbieten oder eben Übernachtungsplätze, das funktioniert alles. Aber natürlich auch die Helfer, man muss das sagen, die Einsatzkräfte, die in langen Schlangen in den Straßen stehen und irgendwie so eine Art Spontanhelfer. Man kann nur hoffen, dass sie jeden erreichen, auch in den Hochhaussiedlungen, die es hier im Südwesten natürlich genauso gibt. Deswegen ist das, was diese linksextremistische Gruppe da erzählt, ja auch völliger Quatsch. Hier ist eine ziemlich durchgemischte Gruppe, durchaus auch zu Hause. Und gerade diejenigen in ihren Wohnungen da oben in der vierten, fünften Etage, die haben es natürlich jetzt nicht leicht, weil sie weder einen Kamin haben und noch irgendwelche Gärten, in denen sie vielleicht was grillen können. Also ohne Strom, ohne Heizung im fünften Stock, auch nicht leicht.
Sprecher 8: Auf jeden Fall. Am Ende zeigt sich die Solidargemeinschaft. Sie funktioniert, sie hält zusammen. Und das, finde ich, ist trotz des ganzen Chaos doch echt schön zu sehen.
Sprecher 3: In diesem Sinne, wir treffen uns hier am Dienstag wieder, wenn Sie mögen und wir Strom haben, den 6. Januar bei Table Today. Bis dahin, schönen Start in die Woche.
Sprecher 8: Tschüss.
Sprecher 9: We all have sorrow. We are wise. We know that. Always tomorrow. Lean on me when you're not strong. And I'll be your friend. I'll help you carry on. It won't be long till I'm gonna need. Somebody to lean on You just call on me, brother When you need a hand We all need somebody to lean on I just might have a problem That you'll understand We all need somebody to lean on. If there is a load you have to bear that you can't carry, I'm... Right up the road I'll share you If you just call me. If you need a friend, call me.