War Ihre Wahl eine Niederlage für Merz, Frau Kramp-Karrenbauer?
Die neue Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Annegret Kramp-Karrenbauer, sieht kein Problem darin, dass sie sich in einer Kampfkandidatur durchgesetzt hat – gegen den Wunschkandidaten des Bundeskanzlers.
Sie unterstützt grundsätzlich den Kurs des Kanzlers in der Außenpolitik. AKK fordert aber deutlich mehr Härte gegenüber Moskau. Sie ist dafür, eingefrorene russische Vermögen zu nutzen, um weiteren Druck auf Wladimir Putin auszuüben.
Im Interview mit Alexander Wiedmann diskutiert Taxfix-CEO Martin Ott die Standortbedingungen für deutsche Start-ups. Er kritisiert, dass die digitalen Prozesse zu langsam seien, und fordert einen „One-Stop-Shop“ für Unternehmensgründungen nach internationalem Vorbild. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Ott, privates Kapital in Europa zu mobilisieren. Mit dem „richtigen Mut“ lasse sich in Deutschland noch viel erreichen.
Hier geht es zur Anmeldung für den Space.Table
Table Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/testen
Hier geht es zu unseren Werbepartnern
Impressum: https://table.media/impressum
Datenschutz: https://table.media/datenschutzerklaerung
Bei Interesse an Audio-Werbung in diesem Podcast melden Sie sich gerne bei Laurence Donath: laurence.donath@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Herzlich willkommen bei Table Today an diesem zweiten Tag im neuen Jahr. Es ist der 2. Januar und wir legen gleich mit zwei Gesprächen los hier in unserer Podcast-Jahr. Heute haben wir erstmalig Frau Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrem neuen Amt zu Gast. Die ehemalige Verteidigungsministerin, ehemalige CDU-Chefin ist neuerdings Konrad Adenauer Stiftungsvorsitzende und hat sich in einer Kampfkandidatur gegen Günther Krings durchgesetzt, den NRW-Landesgruppenchef im Bundestag, der der Favorit von Friedrich Merz war. Also erneut ein Sieg von Annegret Kramp-Karrenbauer gegen Friedrich Merz, wenn man so will. Sie hatte ihn ja schon 2018 beim Wettbewerb um den Parteivorsitz geschlagen. Was hat sie vor mit der Adenauer Stiftung, die immerhin in mehr als 80 Ländern über 100 Büros unterhält und tausende Mitarbeiter vor allem im Ausland führt? Wie will sie die Adenauer Stiftung positionieren? Was sind ihre Themen und wie sieht sie die Lage in der Ukraine? Dazu gleich bei uns mehr. Außerdem sprechen wir wieder einmal mit einem spannenden CEO aus der deutschen Start-up-Szene. Und es ist Martin Ott. Der Mann ist Chef von Taxfix, einem Start-up, das sich um immerhin 8 Millionen Steuererklärungen in Deutschland inzwischen kümmert. Das Unternehmen beschäftigt etwa 400 Mitarbeiter und hat Büros in England, Italien, Spanien und Estland. Martin Ott, das sollten Sie wissen, hat sogar einmal mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zusammen. gearbeitet und ist Mitglied im Bundesverband der deutschen Startups. Mein Kollege Alex Wiedmann hat mit ihm gesprochen, das hören Sie gleich. Wir legen allerdings jetzt erstmal los mit Annegret Kramp-Karrenbauer, die ehemalige CDU-Chefin, in ihrem ersten Interview als neue Kass-Chefin. Schön, dass Sie heute bei uns sind. Guten Tag, Frau Kramp-Karrenbauer.
Sprecher 2: Hallo Herr Brücker.
Sprecher 1: Herzlichen Glückwunsch erstmal zu Ihrem neuen Job. Wir reden heute am 2. Januar. Das heißt, Sie sind zwei Tage schon Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung. Glückwunsch.
Sprecher 2: Herzlichen Dank, wobei die offizielle Amtsübergabe, die wird erst Ende Januar stattfinden.
Sprecher 1: Also, haben Sie sich schon ungefähr eine Vorstellung gemacht, in was für einen riesigen Laden Sie da kommen? 100 Büros hat die Adenauer Stiftung in mehr als 80 Ländern. Wahrscheinlich hat noch nie ein Präsident die alle mal bereist, oder?
Sprecher 2: Also das weiß ich nicht, das muss ich mal recherchieren. Aber das stimmt, die Adenauer Stiftung ist sehr groß international, aber auch national. Ist sehr komplex, hat viele Möglichkeiten und deswegen freue ich mich auch sehr auf die neue Aufgabe und gehe voller Elan dran, mich so schnell wie möglich da auch einzuarbeiten.
Sprecher 1: Ist es für Sie eher ein Think Tank, der die CDU und die Politik beraten soll oder ist es auch eine Art geopolitische Friedensmission, die Sie da anführen? Wo sehen Sie die Kasse?
Sprecher 2: Also das eine schließt das andere nicht aus. Die Adenauer Stiftung ist eine Denkfabrik oder die Denkfabrik für bürgerliche Politik. Sie steht insbesondere auf der Grundlage, der Werte der Strukturentscheidung insbesondere des ersten Bundeskanzlers von Konrad Adenauer, also Westbindung, europäische Einigung, soziale Marktwirtschaft, liberale Demokratie. Und natürlich arbeiten wir daran, wie wir diese Position in Deutschland selbst mehrheitsfähig halten und wir arbeiten daran, wie wir international möglichst viele Gleichgesinnte finden, die diese Vorstellung von Rechtsstaatlichkeit, von Demokratie, von anderen Fragen mit uns teilen und mit denen wir eben dann auch international zusammenarbeiten.
Sprecher 1: Als Sie aus der Politik ausgestiegen sind, Frau Kamp-Karrenbauer, hatte ich immer das Gefühl, wenn ich mit Ihnen gesprochen habe, also Ihnen macht das nichts, dieses schwarze Loch, von dem da manche reden, wenn das Amt plötzlich weg ist und man nicht mehr im Zentrum der politischen Debatten ist. Bei Ihnen schien das Entspannung vorzurufen. Jetzt sind Sie doch wieder so ein bisschen zurück auf der Bühne. Hat es doch noch gejuckt? Haben Sie die Politik vermisst?
Sprecher 2: Naja, schwarzes Loch gab es für mich glücklicherweise nicht, weil ich ja auch in ein sehr intaktes, soziales, familiäres und freundes Umfeld wieder zurückgekommen bin und viele ehrenamtliche Funktionen, die ich vorher schon hatte und neue eben auch in den letzten Jahren ausgeübt habe. Und auf der anderen Seite ist natürlich so, dass ich ein durch und durch politischer Mensch bin. Das habe ich auch nicht. abgegeben, auch nicht in dem Moment, wo ich nicht mehr aktiv in der Politik war. Und insofern ist natürlich der Vorsitz der Adenauer Stiftung auch eine wunderbare Chance, nochmal politisch zu arbeiten, inhaltlich politisch zu arbeiten, ohne dass ich wieder Verantwortung in einem politisch operativen und tagesaktuellen Geschäft übernehme. Das ist auch nicht mein Ziel.
Sprecher 1: Man wollte der CDU-Chef und Bundeskanzler ja bekanntlich einen anderen Kandidaten, Herrn Krings, lieber an der Spitze haben, obwohl sie beide doch eigentlich ein gutes Verhältnis haben. Macht Ihnen das nichts aus, dass Sie mit Ihrem Sieg jetzt auch den Kanzler beschädigt haben?
Sprecher 2: Also ich kenne diese Lesart. Ich teile die nicht, weil es ein offener demokratischer Wettbewerb war. Im Übrigen einer, den die CDU ja auch jetzt mehrmals hinter sich gebracht hat, ohne dass sie darunter gelitten hätte. Und genauso wenig tut das die Adenauer Stiftung. Auch in der Stiftung gab es in der Vergangenheit immer schon durchaus unterschiedliche Vorstellungen, wer den Vorsitz übernehmen könnte. Dieses Mal ist es halt durch eine Wahl geklärt worden. Und ich glaube, alle Beteiligten, egal an welcher Stelle sie arbeiten, wissen, wie groß die Herausforderungen sind und dass wir nicht nur zusammenarbeiten müssen, sondern auch zusammenarbeiten wollen. Insofern wird das ein gutes Team werden.
Sprecher 1: Hat man denn versucht, sie davon abzubringen von der Kandidatur?
Sprecher 2: Ich habe von Anfang an erklärt, dass ich ja auch aus der Mitgliederversammlung gefragt worden bin, zu kandidieren. Und in dem Moment, wo ich gesagt habe, ja, das kann ich mir vorstellen, stehe ich auch zu meinem Wort.
Sprecher 1: Sind Sie jetzt so eine Art Nebenaußenministerin, muss ich Herr Wadephul jetzt... Warm anziehen war Frau Kramp-Karrenbauer die Welt. die Konrad-Adenauer-Stiftungsbüros und sich in außenpolitische Debatten einmischen wird?
Sprecher 2: Nein, überhaupt gar nicht. Und das weiß Jo Waddefool auch. Aber es ist so, dass die Adenauer Stiftung mit ihren Kontakten, mit ihrem Programm, mit dem Rechtsstaatsprogramm, wirklich viele Netzwerke hat, tief. In den Ländern drin ist, über eine große Expertise verfügt, die natürlich dann auch hier in Deutschland abgerufen werden kann. Und die Stiftung hat die Aufgabe, die christdemokratischen Werte, die Grundprinzipien, die ich vorhin genannt habe, sozusagen mehrheitsfähig zu machen, mehrheitsfähig zu halten. Daran arbeiten wir, aber eben mit den Aufgaben, die eine Stiftung hat und auch in dem Rechtsrahmen. Und das ist andere Aufgaben, das ist ein anderer Rahmen, als es zum Beispiel die Partei hat oder die Fraktion hat.
Sprecher 1: Sie haben sich in der Ukraine-Frage in den vergangenen Jahren auch nach Ihrer Amtszeit als Verteidigungsministerin sehr klar engagiert. Sie haben unter anderem auch die Lieferung von Taurus-Waffen gefordert und immer wieder klargemacht, man kann mit Russland nur dann verhandeln, wenn man bis zuletzt militärische Stärke gezeigt hat. Man hat nicht immer wirklich auf Sie gehört, Frau Kramp-Karrenbauer. Wo steht Ihrer Meinung nach die Ukraine jetzt? Ist das schon der Diktatfrieden, der da am Horizont in Sicht ist?
Sprecher 2: Der Diktatfrieden ist ja glücklicherweise und auch durch das Engagement insbesondere auch der deutschen Bundesregierung, insbesondere auch von Friedrich Marz, zuerst einmal ab. verwendet worden in den letzten Wochen. Es ist ganz wichtig, dass beim letzten Gipfel beschlossen wurde, dass Geld für die Ukraine weiter zur Verfügung gestellt wird. Aber was uns bisher nicht gelungen ist, ist auf Dauer auch eigenständig als Europa einen Hebel zu finden, um Druck auf Wladimir Putin auszuüben, denn der Einzige, der am Ende diesen Krieg wirklich beenden kann, ist Wladimir Putin. Der Druck auf ihn muss steigen und da haben wir Möglichkeiten nach wie vor. Das ist das eingefrorene russische Vermögen. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, den Plan, den ja Friedrich Merz hatte, nämlich dieses Geld auch zu nutzen für die Unterstützung der Ukraine, dass das europäisch doch noch durchgesetzt werden kann. Im Moment ist es wichtig, dass diese Vermögen zuerst einmal eingefroren sind, dass niemand darauf zurückgreifen kann. Im Moment, das ist ein erster ganz wichtiger Schritt, dass Geld da ist für die Ukraine ist ein zweiter Schritt, aber diese Assets nochmal zu nutzen, auch als Hebel, als Druckmittel auf Wladimir Putin, das wäre ganz wichtig, auch im Verhältnis zwischen Europa und den USA.
Sprecher 1: Nun hat die belgische Regierung ja zu Recht wahrscheinlich aus ihrer Sicht auch immer wieder Bedenken angemeldet, weil sie eben keine Garantie dafür hat, dass Russland sie als das Gastgeberland dieser Agentur, die diese Milliarden verwaltet, irgendwann in Regress nimmt. Wie hätten Sie denn dem belgischen Premierminister diese... Bedenken genommen?
Sprecher 2: Also ich glaube, dass in den Gesprächen mit Belgien schon manches von diesen Bedenken auch ausgeräumt werden konnte, wenn auch noch nicht ganz. Es ist am Ende hinzugekommen auch nochmal verschiedene Fragen, etwa aus Frankreich. Man muss sehen, dass der französische Staatspräsident im Moment in einer schwierigen Situation ist, weil er im Grunde genommen über keine eigene konstruktive Mehrheit im französischen Parlament verfügt. Also insofern muss auch nochmal überlegt werden, auch mit Blick auf Zustimmungen von Frankreich zum Beispiel, wie muss das aufgesetzt werden, damit Zustimmung dort eben auch möglich ist. Aber wichtig war jetzt bei dem Gipfel, wenn es in einem ersten Schritt nicht gelungen ist, dass nicht per se ausgeschlossen worden ist, dieses Geld zu nutzen. Die Möglichkeit besteht nach wie vor und das ist auch wichtig als Signal nach Moskau. Aber richtig ist, da sind noch nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt und ich gehe davon aus, dass weiter hinter den Kulissen daran gearbeitet wird.
Sprecher 1: De facto verhandeln nur Trump und die Amerikaner mit Putin selbst oder mit relevanten Persönlichkeiten Putins Umfeld. Muss irgendwo am Ende dieses Prozesses auch ein europäischer Staats- und Regierungschef mal mit Putin oder seinen Leuten direkt verhandeln?
Sprecher 2: Naja, wir hatten im Laufe dieses Jahres in der Tat die Situation, wo man... hatte, hier wird vor allen Dingen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland verhandelt, über die Köpfe der Ukrainer hinweg und über die Köpfe der Europäer hinweg. Und es ist sicherlich eines der großen Verdienste des Bundeskanzlers mit dem Gipfel in Berlin, dass er die Europäer sozusagen wieder zurück... Auf die Bühne gebracht hat, in die Verhandlungen mit eingebunden hat, auch jetzt die enge Abstimmung mit Selenskyj ist ein sehr wichtiges Zeichen. Und die Frage, ob am Ende sozusagen die Europäer wirklich in einer Lösung eine gestaltende Rolle mitspielen können, hängt davon ab, wie weit sie bereit sind, ihre Mittel zu nutzen, um wirklich auch Druck insbesondere auf Russland auszuüben. Und da spielen eben diese Fragen, wie kann man Russland auch wirtschaftlich unter Druck setzen, also zum einen die Frage von Öllieferungen, aber insbesondere eben auch die Frage des eingefrorenen russischen Vermögens eine ganz, ganz große Rolle.
Sprecher 1: Müsste man jetzt auch noch bei den Waffen vielleicht sogar eine Schippe drauflegen, bis es wirklich zu den Verhandlungen kommt, Stichwort Taurus?
Sprecher 2: Also ich bin der Auffassung, dass es das erste Mal gut ist, dass die Bundesregierung erklärt hat, sie spricht nicht mehr sozusagen auf offener Bühne davon, was sie am Ende alles liefert oder nicht liefert. Da muss man sicherlich auch sozusagen... mit einer gewissen Geheimhaltung auch ein bisschen drangehen, auch gerade mit Blick auf Russland. Aber ich würde mir wünschen, dass wir sowohl was russisches Geld anbelangt, als auch was Waffenlieferungen anbelangt, in einen Modus kommen, der Putin klipp und klar sagt, wenn du weiter die so verhältst, wie das im Moment der Fall ist, also Drohnen in ukrainische Wohnhäuser lenkst und damit schlafende Familien ermordest, dann bedeutet das, dass wir zum Beispiel Taurus liefern. Dann bedeutet das, dass wir russisches Geld nutzen, um diese Waffen zu bezahlen. Wenn du damit aufhörst, dann können wir auch darüber reden, dass dieses Geld zum Beispiel für etwas anderes genutzt wird. Also diese Art von Hebel, den würde ich mir sehr wünschen. Aber dazu bedarf es eben einer abbestimmten Position der Europäer. Und ich glaube, es würde sich lohnen, daran zu arbeiten.
Sprecher 1: Das hat tatsächlich Friedrich Merz ja im Wahlkampf ähnlich formuliert und danach allerdings nie wieder, als er Kanzler wurde, ist Friedrich Merz im Kanzleramt. Aus Notwendigkeit dieser Vermittler und Moderator in der Außenpolitik, der er sein muss und gar nicht mehr der harte Ukrainer-Unterstützer aus dem Wahlkampf?
Sprecher 2: Also alle meine internationalen Netzwerke, in denen ich mich bewege, sind zuerst einmal froh, dass Deutschland mit dieser Bundesregierung, mit diesem Bundeskanzler wieder zurück ist, sozusagen auch auf der Bühne und Verantwortung übernimmt und Dinge vorantreibt. Ich habe bisher auch in den Gesprächen, die ich auch mit Friedrich Merz immer mal wieder führen konnte, ihn so erlebt, dass sich an dieser Art sozusagen, an dieser strategischen Herangehensweise nichts geändert hat. Aber er muss natürlich auch mit den Gegebenheiten arbeiten, die er vorfindet. Auch in Europa, auch in der Frage, wie kann ich Mehrheiten organisieren, daran arbeitet er. Und das tut er auch, indem er Risiko eingeht. Sicherlich wäre der Kompromiss, der jetzt beim letzten Gipfel gefunden worden ist, nicht möglich gewesen, wenn nicht die Bundesregierung auch vorher den Mut gehabt hätte und auch er persönlich zu sagen, wir gehen an das russische Geld ran. Das war ja bis dato ein Tabu. Diese Entscheidung, diese Äußerung hat auch vieles an Diskussionen ermöglicht, die vorher so nicht möglich war.
Sprecher 1: Das klingt ja fast so, als seien Sie mit dem Kanzler in der Außenpolitik sehr zufrieden.
Sprecher 2: Also ich glaube, dass er es ganz richtig auch ansieht. Also zuerst einmal muss ich sagen, ich bin nicht da, um Haltungsnoten an den Kanzler zu verteilen und auch an sonst niemanden. Aber ich wundere mich manchmal etwas über die Diskussion zwischen Außen- oder Innenkanzler. Also wenn man sich mit Konrad Adenauer befasst, dann ist eines der auffallendsten Merkmale, dass er von Anfang an sehr klar formuliert hat, dass man Außen- und Innen nicht trennen muss. dass für die Frage, wie es Deutschland geht, entscheidend ist, wie die internationale Situation ist, wie transatlantische Zusammenarbeit funktioniert, wie europäische Einigung voranschreitet. Das ist eine Konstante, an die sich insbesondere christdemokratische Kanzler immer gehalten haben und das gilt auch für Friedrich Merz.
Sprecher 1: Das Jahr 2026 wird sicherlich wieder außenpolitisch sehr relevant und damit für uns auch innenpolitisch immer wieder bedeutungsvoll. In diesem Sinne, liebe Frau Kramp-Karrenbauer, mit der Reminiszenz an Konrad Adenauer beenden wir diesen Podcast. Wir bedanken uns für dieses Gespräch und wünschen Ihnen einen erfolgreichen Start als Vorsitzende der Adenauer Stiftung.
Sprecher 2: Vielen herzlichen Dank.
Sprecher 1: Eine außenpolitische Kassvorsitzende, das ist in diesem Gespräch schon spürbar gewesen. Man ahnt, dass ihre erste Reise wahrscheinlich zum Kiew-Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung gehen wird. Wir sind gespannt, was Annegret Kramp-Karrenbauer in diesem Amt noch alles vorhat. Doch jetzt gehen wir rüber zur Wirtschaft und reden mit einem sehr spannenden Start-up-CEO, nämlich Martin Ott. Er ist seit 2021 CEO des Berliner Start-ups Taxfix. Und logischerweise macht dieses Unternehmen Steuersoftware. Immerhin bei 8 Millionen Steuererklärungen inzwischen alles digital. Möglichst ohne, dass sie viel Arbeit mit dem haben, was keiner wirklich gerne macht. Nämlich Steuererklärung. Wie funktioniert das eigentlich? Was hat er damals mit Mark Zuckerberg gemacht, als die beiden zusammengearbeitet haben? Und wie sieht er den Standort Deutschland und vor allem die Gründerszene? Das wollte Alex wie. Dietmann aus unserem CEO-Table von Martin Ott wissen. Los geht's.
Sprecher 3: Herzlich willkommen im Podcast Table Today, Martin Ott. Der Kanzler hat im Mai gesagt, wir stellen die Weichen, damit Deutschland eine Start-up-Nation wird. Hat die Regierung die richtigen Weichen gestellt, Martin?
Sprecher 4: Ich glaube ja, die Regierung ist definitiv auf dem richtigen Weg, die Weichen zu stellen. Da muss natürlich noch einiges jetzt passieren und auch umgesetzt werden, aber generell bin ich da sehr optimistisch, auch das, was ich höre. Deutschland hat zum ersten Mal überhaupt ein Digitalministerium. Das haben wir, bin ja auch Teil des Startup-Ökosystems und im Deutschen Startup-Verband seit vielen Jahren gefordert. Und wir sehen schon, dass da jetzt die Impulse kommen und das verstanden wird, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher. Und gleichzeitig sieht man schon auch heute, wegweisende Impulse in den einzelnen Bereichen, wo ich, ich sag mal so, wir sind ja jetzt gerade ins neue Jahr blickend, 2026, was mich verhalten optimistisch stimmt, sag ich mal so.
Sprecher 3: Du bist verhalten optimistisch, das ist ja sehr schön. Im Koalitionsvertrag stehen große Versprechen für Startups, mehr Wachstumskapital, weniger Bürokratie, schnelle Gründungen. Was davon siehst du denn wirklich schon im Alltag, was bei Gründern ankommt?
Sprecher 4: Also aktuell ist noch nicht viel angekommen, muss man auch ehrlich sagen, aber auch in Gesprächen letztendlich auch mit Politikern sehen wir schon, auch im Digitalministerium, dass da sehr, sehr viele richtungsweisende Sachen passieren, wie zum Beispiel, Das ist früher gesagt, das Start-up in a day. Also es kann nicht sein, in Deutschland, wenn man gründen will, dass man Wochen, manchmal Monate lang auf eine Steuernummer wartet und zu x verschiedenen Behörden hingeht. Und so in anderen Ländern, in Estland zum Beispiel, geht das wirklich innerhalb von 24 Stunden. Und da gibt es Entwicklung dahin. Dann zu schauen, wie... Wie bewegt man sich denn digital auch? Also wie verifiziere ich mich jetzt digital, damit das auch wirklich funktioniert und ich nicht zu irgendwelchen Ämtern muss und meinen Personalausweis vorzeigen muss? Bei uns bauen ja die, der Anspruch ist, die für eine KI-Finanzplattform für Steuererklärung zu bauen. Da ist es oft noch so, dass wenn man Zugang zur Schnittstelle haben will, zu Elster, dann noch wirklich ein Brief nach Hause geschickt wird und dann muss man Tage warten und dann tippt man einen Code ein. Also es ist noch nicht so digital in Deutschland und gleichzeitig... ist, ich glaube, der Weckruf angekommen und es passiert gerade ganz viel.
Sprecher 3: Der Weckruf ist angekommen, sagst du, es passiert ganz schön viel, aber ist denn jetzt Gründen oder Skalieren in Deutschland messbar einfacher geworden als vor, sag ich mal, zwei, drei Jahren?
Sprecher 4: Es ist noch nicht messbar einfacher geworden, aber die Sachen, die jetzt gerade umgesetzt werden, werden es messbar einfacher machen. Zum Teil gibt es das ja auch schon, wenn man sich anschaut, was ist wichtig für Gründungen. Gründungen sind sehr wichtig, dass man die richtige Infrastruktur hat einerseits. Das andere ist, dass man guckt, dass man Zugang zu Wachstumskapital hat. Und das dritte auch, für uns auch ganz wichtig. Entscheidend Zugang zu Talenten. Und da gibt es ja auch das Fach, wieder so ein schönes Wort, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und solche Themen. Und das sieht man schon, dass es Erleichterungen heute gibt. Das ist für uns auch eine Kernforderung, weil wir können nur wachsen mit den richtigen Leuten, mit den richtigen Ausbildungen. Und dann auch zu sagen, okay, wir sind offen dafür. Ist auch eine Riesenchance jetzt, wo in den USA eher die Schranken zugehen, zu sagen, kommt mal nach Europa, hier kann man auch tolle Sachen bauen. Und da denke ich schon, dass was passiert. Es gibt andere Sachen wie die Windinitiative und so die neues Kapital mobilisieren in den verschiedenen Unternehmensphasen. Viele Gespräche natürlich auf europäischer Ebene, wie sieht das aus, Richtungen zu einem einheitlichen Kapitalmarkt, all das Sachen, die ja Rahmenbedingungen sind, die extrem wichtig sind, sowohl für Investoren als natürlich dann auch, um Neugründungen zu finanzieren.
Sprecher 3: Aber was wäre denn jetzt der eine Game Changer? Was wäre für dich die wichtigste Maßnahme, die jetzt zum Beispiel aus dem Digitalministerium kommen sollte?
Sprecher 4: Ich glaube, dieses, wir nennen das, das ist das deutsche Wort, One-Stop-Shop. Das ist wirklich, dass man einmal einen Ansprechpartner hat, eine Schnittstelle und dann nicht zu x verschiedenen Behörden gehen muss und das alles immer wieder neu abgeben und eintippen muss. Das reduziert den administrativen Aufwand schon enorm. Ich glaube, das ist was, was einen großen Unterschied macht, gerade bei Neugründungen, bei Startups, die nicht die Ressourcen haben, jetzt wie unser Unternehmen zum Beispiel, die haben keine Rechtsabteilung und keine Finanzabteilung und so, sondern da muss das wirklich einfach gehen und diese Behörden müssen es schaffen. das digital zu machen und erstmal diese Eintrittsschwelle so gering wie möglich zu machen.
Sprecher 3: Der Koalitionsvertrag setzt sehr stark auf Instrumente wie Zukunftsfonds und Deutschlandfonds, um Finanzierungslücken zu den USA zu schließen. Reicht das aus? Oder anders gefragt, ist der Rückstand zu den USA nur durch fehlendes Kapital zu erklären?
Sprecher 4: Der Rückstand ist nicht nur durch fehlendes Kapital zu erklären, aber das ist auf alle Fälle ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sehen schon, dass es mittlerweile ja ein tolles und wachsendes Ökosystem gibt, auch in Europa und auch in der Frühphasenfinanzierung gerade. Für Startups hat sich enorm viel getan. Es gibt tolle Venture Capitalists, viele Business Angels, die investieren. Wo wir schon eine Lücke sehen, ist in späteren Phasen, wenn es wirklich darum geht, große Investments zu schreiben. In unserem Beispiel, in unserer letzten Finanzierungsrunde, über 200 Millionen Euro. Federführend TVG ist Teil der Ontario Teachers Pension Plan, also der kanadischen Pensionskasse. Und das ist ein ganz toller Investor, aber es ist schade, dass es eine kanadische Pensionskasse nur ist, die dann in so einer späten Finanzierungsphase auch wirklich große Investmentsummen auch mit investiert und dass das nicht deutsche Pensionskassen sind. Da sitzen ganz viele glückliche kanadische Rentner, die haben überdurchschnittliche Renditen und wir wissen ja, was bei uns in der Rentenlücke, wie das aussieht. Also da gibt es viel Potenzial noch.
Sprecher 3: Und deutsche Pensionskassen wollten nicht investieren, konnten nicht investieren. Was war da der Beweggrund?
Sprecher 4: Sie konnten bis heute nicht investieren, weil es ja... vielfältige Auflagen gibt, was wirklich investiert werden darf. Da gibt es ja jetzt mit der WIND-Initiative viele Bestrebungen, das, ich will nicht sagen, zu lockern und das auch zu ermöglichen, dort in Risiko, ich sage mal so behaftete Firmen, also in Venture Capital, in solche Phasen mit zu investieren. Gleichzeitig sehen wir natürlich auch, Und das ist für Investoren wichtig, dass der Kapitalmarkt, und der ist in Europa ja sehr, sehr fragmentiert, auch im Vergleich zu den USA, hier in Europa noch nicht so ist, dass viele Technologieinvestoren dann sagen, okay, wir wollen hier unsere Firmen an die Börse bringen. Also das ist natürlich auch ein großes Thema, wenn wir sehen, dass nicht nur... Große Firmen, wenn es jetzt in die Grundlagenforschung geht, wo man viele, viele Jahre investieren muss und große Investments braucht, in die USA abwandern, sondern auch gerade die, die dann hier eine Größenordnung erreicht haben, dann in den USA an die Börse gehen, weil sie dort andere Bewertungen erzielen oder weil die Investoren es vorziehen, dort Zugang zu dem Kapitalmarkt zu haben.
Sprecher 3: Was ist da der Hauptgrund? Sind es die Bewertungen in den USA? Warum europäische Unternehmen dann eher da an die Börse gehen? Ist es die Rendite der Investoren? Oder ist es auch ein Mindset-Thema?
Sprecher 4: Der Hauptgrund ist einerseits schon, dass ja auch viel Kapital auch in den Phasen kommt, kommt aus den USA, wenn man sich anguckt, viele Venture Capitalists. Und natürlich ist das in den USA auch ein Markt, wo... NZ, wo große Wetten mit langfristigen Potenzialen eine andere Bewertung erzielen als hier in Europa. Und das ist natürlich das, wo dann Investoren darauf abzielen, zu sagen, okay, wie kriegt man denn die nächste Generation von Investoren begeistert, wie groß eigentlich dieses Investment werden könnte. Und da sieht man in den USA schon ein anderes Bewusstsein und damit natürlich ganz andere Bewertungen für Technologieaktien als hier.
Sprecher 3: Du kennst dich ja in der Tech-Branche sehr gut aus. Der Kapitalmarkt in Deutschland oder in Europa ist sehr fragmentiert. In den USA ist es nicht so. Was könnte man da machen? Was wäre da der wichtigste Hebel, um zu schauen, dass der Kapitalmarkt in Europa weniger fragmentiert wird? Deine Meinung auch?
Sprecher 4: Es gibt vielfältige Gespräche auch auf europäischer Ebene hin zu einer Kapitalmarktunion. Man hat es ja heute so, dass jedes Land hat seine eigene Börse oder mehrere sogar. Und das schafft natürlich eine Fragmentierung. Und ich glaube, das wäre ein Ansatz zu schauen, okay, wie schafft man denn dort nicht nur einheitliche Standards, die es auch planbar machen für Unternehmen, aber dann auch natürlich, ich sage mal, so eine Bündelung von Kräften hin, dass das dann auch... Wieder neues Kapital mobilisiert, das dann hier in Europa bleibt.
Sprecher 3: Das ist wie am Anfang des Gesprächs. Ich höre immer von guten Gesprächen und das klingt gut, aber messbare Veränderungen sehe ich noch nicht. Wie siehst du das?
Sprecher 4: Ich bin da nicht so negativ. Ich glaube, das Verständnis ist da, auch dass wir, innerhalb von Europa auch in vielfältiger Hinsicht, auch im Technologiebereich eigenständig agieren müssen. Das heißt, nicht uns abzuschotten. Wir sind ja sehr offen und fahren damit sehr gut. Und gleichzeitig haben wir in Europa ja auch viele Stärken und die müssen wir jetzt bündeln. Unsere Diversität, die DNA, dass einfach viele Länder zusammenkommen, das ist auch was, was uns stark macht. Startups, die in Europa gebaut werden, bauen nicht einfach nur in den USA initial für einen Markt, für eine Sprache, sondern oft baut man ein Startup wohl mit der Ambition zu schauen, okay, wie kann ich es gleich so bauen, dass es in vielen Ländern funktioniert. Und da hilft natürlich ein einheitlicher Gesetz und Regulationsrahmen. Den haben wir hier in Europa, was uns manchmal noch... Wie ich sage, so auf den Füßen steht, ist, dass die Gesetze dann auch zum Teil unterschiedlich, ich will nicht sagen angewandt werden, aber dann in den einzelnen Ländern noch anders interpretiert werden.
Sprecher 3: Ist das so in Europa so ein Thema, dass Gesetze in Deutschland, sage ich mal, anders ausgelegt werden, vielleicht sogar strenger als in Italien, Spanien? Du bist ja auch in Europa aktiv, ihr habt auch in Madrid einen Sitz.
Sprecher 4: Genau, ich würde jetzt gar nicht unbedingt sagen, in Deutschland ist es strenger oder weniger streng. Das entteilen sich ja nicht dabei. Das liegt auch in unserem Naturell. Und gleichzeitig ist es, ich nenne mal das Beispiel, die KI-Regulierung. Also es gibt ein AI-Regulierung. ACT nennt sich das in Europa. Das ist ein einheitlicher Rahmen, der sehr gut ist. Und ich finde es auch wichtig, dass wir auch in Europa zu unseren Werten stehen und diese auch vertreten und dort einen guten Rechtsrahmen schaffen. Das haben wir in der Vergangenheit schon gezeigt, dass uns das stark macht, weil dann kann man auch seine Dienste von einem Land einfach in einem anderen anbieten, was nicht immer der Fall ist. Und gleichzeitig... Kommt es dann schon auf das Land drauf an, wie die jetzt umgesetzt und interpretiert werden, wenn man, ich will nicht sagen, auch da keinen One-Stop-Shop hat. Wir kamen vorhin darum, dass es gut ist, wenn man einen Ansprechpartner hat und eine Klarheit. Und das ist natürlich in der Fragmentierung nicht der Fall, wenn man in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Rechtsformen hat, unterschiedliche Arbeitsrechte, unterschiedliche Gesetze und dann auch eine europäische KI-Regulierung, die dann aber je nach Land anders ausgelegt wird. Das macht es auch nicht so einfach jetzt im täglichen bei uns, bei TaxFix. Wir arbeiten ja sehr stark. Natürlich auch an dem Thema KI, weil das für uns sehr, sehr zentral ist und sehen aber schon, dass es da Fragen gibt. Welches Tool dürfen denn die Kollegen hier in Berlin benutzen? Welches die in Tallinn? Welches die in London oder die in Madrid? Das ist schon eine Komplexität. Die uns beschäftigt, die wir vielleicht in unserer Größe schon abbilden können, aber ein kleines Startup ist damit komplett überfordernd.
Sprecher 3: Ja, wenn du heute nochmal gründen würdest, würdest du in den USA gründen oder nochmal in Deutschland?
Sprecher 4: Ich würde definitiv nochmal in Deutschland gründen. Ich glaube, wir haben, erstmal ich liebe das Land, ich glaube, wir haben ganz, ganz viel auch und deshalb bin ich da, will ich auch eine Lanze brechen. Es gibt ja viele, die sagen, okay, ich wandere aus, ich gründe woanders, ich gehe weg. Ich glaube, wir haben hier ganz, ganz viel, wo wir dankbar sein können, was uns auch heute... Zu dem Land macht, was wir sind. Nicht nur von den Werten her, von der Bildung, von einem tollen Sozialsystem. Ich habe auch im Ausland gelebt und gesehen, wie dort das Krankensystem funktioniert und so. Und ich glaube, da sind wir manchmal zu negativ, wenn wir auf uns selbst blicken. Und gleichzeitig denke ich, wir haben eigentlich alles, was es braucht. Wir haben tolle Universitäten, tolle Talente. Wir haben einen riesigen Markt. Europa ist ein Riesenmarkt. Wir haben eine Gesetzgebung, die es eigentlich ermöglicht, in diesem Markt auch zu agieren. Und ja, und dann natürlich ganz tolle Talente auch, die nicht nur hier aus den Unis kommen, sondern auch aus dem Ausland gerne mit dran arbeiten wollen. Von daher denke ich, mit dem richtigen Mut und der Unterstützung auch von der Politik kann man hier ganz viel Tolles noch bauen.
Sprecher 3: Siehst du denn schon, dass Talente verstärkt von den USA nach Europa, Deutschland kommen?
Sprecher 4: Wir hatten wirklich jetzt eine erhöhte Bewerberzahl aus den USA, die bewusst sagten, okay, wir wollen uns jetzt nach Europa orientieren. Das ist jetzt nicht nur für Amerikaner, die sagen, wir wollen irgendwie in Europa arbeiten. Die haben aber auch andere, die... aus Indien zum Beispiel in der Vergangenheit vielleicht als erste Anlaufstelle in die USA gegangen werden, die jetzt nach Europa gucken. Und das ist aber auch wichtig, dann hier zu sagen, wir rollen den roten Teppich aus und gucken, dass wir verstehen, dass auch unser Wohlstand natürlich davon abhängt, wie wir kluge Talente anziehen, die hier uns helfen, auch die Wirtschaft und den Wohlstand der Zukunft zu bauen. Und da gibt es schon manchmal Gespräche, wenn wir auch mit, keine Ahnung, Ingenieuren reden aus Indien, die dann fragen, ist es hier sicher, werden wir wirklich gut aufgenommen, was ist mit meiner Familie? Das sind Fragen, die bewegen und das andere ist dann, okay, wie lange dauert es denn, bis ich mein Visum habe? Aber wenn die dort den Job kündigen und warten dann monatelang, und das war bei uns zum Beispiel der Fall bei indischen Entwicklern, die dann fünf Monate in der Warteschleife hingen und nicht wussten, dürfen sie jetzt kommen, dürfen sie nicht kommen, das hilft natürlich nicht, dann gehen sie ganz schnell woanders hin.
Sprecher 3: Ist denn dann Visum so das drängendste Problem, um ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu bringen?
Sprecher 4: Das ist definitiv auch eins. Also es gibt ja jetzt die Möglichkeiten, dass mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, dass dort auch die Abschlüsse anerkannt werden. Und das wird schon einfacher gemacht. Aber die Prozesse sind noch nicht komplett digital. Also es ist manchmal, man fängt digital an und dann wird es ausgedruckt, dann wird es verschickt und dann wartet man wieder. Und das muss einfach schneller gehen. Da müssen wir besser werden. Aber das ist ja auch nur wieder ein Beispiel für, wie wir uns selbst noch ein bisschen auf den Füßen... stehen, auch mit der digitalen Infrastruktur, Digitalisierung, der Bürokratie. Da müssen wir einfach besser werden und schneller werden.
Sprecher 3: Da müssen wir besser werden. Lass uns noch ein bisschen über Taxfix sprechen. Euer Thema ist ja Steuern. Im Koalitionsvertrag verspricht die Regierung steuerliche Entlastung, mehr Anreiz für Arbeit und Investition. Glaubst du, dass das ein echter Kurswechsel in der Steuer... Politik ist oder eher so eine Feinjustierung?
Sprecher 4: Ich glaube schon, wenn man gerade sieht, was dort passiert, auch hin zu Unternehmensanreizen und auch hier neue Anreize zu schaffen, um auch im Land zu investieren. Das finde ich wichtig und es auch wettbewerbsfähig zu machen. Anderen Ländern auch, um Deutschland als Standort interessanter zu machen. Wo wir uns natürlich darauf fokussieren, ist eher das Thema der Einkommenssteuer, natürlich auch mittlerweile nicht nur Einkommenssteuer, sondern auch für Selbstständige im Ausland, auch für kleine und mittelständige Unternehmen. Das ist eigentlich eher unser Thema dann bei Taxfix.
Sprecher 3: Ja, euer Produkt richtet sich stark an Menschen, die ihre Steuererklärung nicht machen, weil sie das System zu kompliziert empfinden. Lebt damit Taxfix nicht zwangsläufig davon von einem ineffizienten Steuersystem?
Sprecher 4: Nicht unbedingt. Es ist natürlich so, dass schon die Forderung von unserem heutigen Bundeskanzler auch vor vier Jahren gemacht wird, die Steuerklärung muss auf den Bierdeckel passen. Wir haben uns damals gesagt, okay, es ist vielleicht nicht auf dem Bierdeckel, aber die muss in der App passen. Es muss so simpel und so einfach sein, dass jeder die... ohne Vorkenntnisse auch in der App in wenigen Minuten machen kann, um dann auch die Steuerrückerstattung und das Geld vom Staat zu kriegen, was ihnen zusteht. Und das haben wir gemacht und sehen heute, dass dieses Produkt natürlich damit Menschen erreicht, die sonst... Der Staat auch nicht erreicht heute, weil das ist einfach sehr komplex. Und wir sehen gleichzeitig auch eine starke Partnerschaft mit dem Staat, weil wir arbeiten ja auf staatlicher Infrastruktur, das sehen wir auch im Ausland. Mit den richtigen Schnittstellen können wir natürlich sehr kundenspezifische Bedürfnisse erfüllen, die einen Staat so nicht erfüllen kann, weil er eine ganz andere Breite und Komplexität abdecken muss. Da sehen wir das jetzt zum Beispiel, wir haben ein neues Produkt gebaut, den Expertenservice. Dass nicht nur Kunden uns rund ums Jahr kontaktieren können und wir ihre Dokumente vorhalten und ihnen mit Wissen und Tat und Kraft zur Seite stehen, sondern dass, wenn sie wirklich Angst haben oder es nicht selbst machen wollen, wir dann die Schnittstelle bauen zu einem Steuerberater, der ihnen dann weiterhilft.
Sprecher 3: Aber was konkret ist euer Vorteil? Ich kann mir schon vorstellen, in der Zukunft, dass ich mit einer KI auch eine Steuererklärung abgeben kann oder nicht.
Sprecher 4: Das wäre toll, wenn das so geht. Wir arbeiten natürlich heute auch mit den verschiedensten KI-Modellen und testen, was die können. Die Entwicklung ist rasant und extrem spannend und natürlich auch für uns. Und das aber eigentlich in drei Bereichen. Das eine ist für den Endkunden. Was heißt denn? Wie kann man dort neue Dienste bauen und was kann eine KI und was kann sie auch heute noch nicht? Das andere ist für die Experten, die Steuerberater, wie ändern sich die Arbeitsabläufe? Und das dritte ist, wie ändert sich unser alles Leben im Unternehmen in so einer Organisation? Und für den Endkunden, da sind wir heute schon so, dass die verschiedenen Modelle, die sind noch nicht die Besten am Rechnen. Man will ja auch nicht in der Steuererklärung Halluzination haben oder Halluzinierung. Und gleichzeitig braucht es schon eine Vertrauensbasis und auch Schnittstellen zur staatlichen Infrastruktur, um sicherzustellen, dass dann auch wirklich das Richtige ankommt. Wo die KI gut drin ist und so nutzen wir sie auch und da aber verschiedenste Modelle, nicht nur eine, um dann wirklich... Wesentlich personalisierter und persönlicher auf deine eigenen Bedürfnisse einzugehen.
Sprecher 3: Ja, also du hast gesagt, die KI ist noch nicht so gut im Rechnen, aber in zwei, drei Jahren würde ich schon vermuten, dass die KI das auch leisten kann. Machst du dir da nicht manchmal ein bisschen Sorgen?
Sprecher 4: Ganz im Gegenteil, ich sehe es im Gegenteil als eine große Chance. Also du wirst jetzt nicht an einem Tag... Alle deine Daten des Jahres in Chat-GPT schmeißen und sagen, bitte druck mir doch mal meine Steuererklärung aus und dann druckst du sie aus und packst sie in einen Umschlag und schickst die los. Die Zeiten sind vorbei. Aber was natürlich wichtig ist, ist zu schauen, okay, welche Daten sind denn wirklich wichtig? Was ist relevant? Was weiß man zum Beispiel aus dem letzten Jahr? Welche Optimierung gibt es denn, wenn man sich das anguckt, wie du an der Steuerrückerstattung im nächsten Jahr kriegen kannst? könntest, sodass du alles kriegst, was dir auch wirklich zusteht. Und da hilft einer KI natürlich, das zu personalisieren. Da arbeiten wir auch heute dran, dass, ich sag mal so, es nicht so ist, dass in der App dir identische Fragen gestellt würden wie mir, weil wir einfach andere Sachen über dich wissen und damit hast du eine personalisierte Erfahrung und Empfehlung auch. Und gleichzeitig ermöglicht das natürlich auch wieder dann wesentlich einfacher auch deine Sachen zu machen. Wenn du über das ganze Jahr hinweg schon weißt, über Schnittstellen zu deiner Bank oder zum Finanzamt oder welche Spenden du gemacht hast oder du hast über das Jahr Foto gemacht von deinen einzelnen Rechnungen, dann kannst du am Jahresende und daran bauen wir dann einfach sagen, okay, hallo, deine Steuererklärung ist fertig, du musst dich gar nicht mehr kümmern. Guck doch mal, das sind die Sachen, gibt es vielleicht noch ein, zwei Sachen, die du vergessen hast. Hier würden wir dir noch raten, eine besondere Optimierung zu machen. Und da schlagen wir auch die Brücke dann zum Steuerberater, weil Steuerberater haben heute das Problem, Auch wieder Nachwuchsprobleme, kriegen nicht genügend Leute rein, die Steuerberater werden wollen. Und gleichzeitig in der Vergangenheit war es ja so, dass es viel geht, Papier einscannen, Sachen abtippen in einem PC, Sachen ausrechnen und so. Und das sind alles Sachen, wo eine KI natürlich heute eine ganz andere Effizienzsteigerung macht. Wir haben, seitdem wir diesen Expertenservice eingeführt haben, die Bearbeitungszeit, die vorbereitende Bearbeitungszeit für unsere Steuerberaterpartner um über die Hälfte reduziert. Es waren früher irgendwie drei Stunden, jetzt sind wir irgendwie knapp um die Stunde und so. Und da hilft natürlich eine KI bei der Datenauswertung, bei der Bildverarbeitung, bei der Kommunikation und so natürlich, um das Leben der Steuerberater auch einfacher zu machen.
Sprecher 3: Du hast öffentlich gesagt bei euch im Unternehmen, jeder Mitarbeiter soll einen ganzen Arbeitstag für KI nutzen. Das hat viel Aufmerksamkeit bekommen. Mal als Hand aufs Herz, was hat sich dadurch konkret im Arbeitsalltag verändert? Seht ihr da schon reale Produktivitätsgewinne?
Sprecher 4: Definitiv. Also es geht ja erstmal darum zu sagen, wie schafft man, und das ist nicht nur in der Produktentwicklung für Softwareingenieure, sondern über alle Funktionsbereiche hinweg zu schauen, wie verändert sich unsere Arbeitswelt. Und da gibt es zunächst von vielen erstmal Ängste zu sagen, okay, was heißt denn das für mich und meine Arbeit? Und gleichzeitig, wenn man die Mitarbeiter ranführt, neue... Tools zu testen, neue Software auszuprobieren, selbst mal was zu schreiben und zu gucken, dass man die Arbeitsabläufe komplett neu denken kann. Und das sehen wir in allen Bereichen. Das ist klar natürlich in der Produktentwicklung der Fall, wo wir neue Produkte bauen, aber auch im... Keine Ahnung, im Marketing. Im Marketing bei uns werden heute über 90 Prozent der Werbemittel von KI erstellt. Das war vor einem Jahr noch komplett undenkbar. Das ist in der Personalabteilung, die einfach ganze Arbeitsabläufe heute automatisieren, sei es Ansprache von neuen Mitarbeitern, sei es innerhalb des Unternehmens. Das ist in der Finanzabteilung, das ist in allen Bereichen. Ich bin immer wieder überrascht, wie dieser KI-Tag, wo... nicht nur jeder neue Tools ausprobiert, sondern auch gemeinsam lernt, Sachen teilt, was funktioniert dann, die Arbeitsabläufe und eigentlich seine Rollenbeschreibung neu nochmal definiert. Und das wird von den Mitarbeitern toll angenommen, weil das, ich sage mal so, sie natürlich auch befähigt für die Zukunft, weil das wird in Zukunft auch nicht mehr wegzudenken sein.
Sprecher 3: Ja, ihr habt 8 Millionen Steuererklärungen wurden über Taxfix abgegeben, 40 Millionen Steuerpflichtige gibt es in Deutschland. Was ist euer Ziel? Wo wollt ihr hinkommen? Ist mehr Steuererklärungen, ist das euer nächster Step oder gibt es andere Ideen?
Sprecher 4: Wir wollen natürlich immer mehr Menschen helfen, das einfach zu machen und zu simplifizieren und dabei den Steuerberatern neue Tools zur Verfügung zu stellen, zu helfen und wachsen darüber auch neue Segmente und gleichzeitig auch hin in den selbstständigen Bereich, KMUs, wir wachsen weiter im Ausland. Es gibt noch ganz, ganz viel Potenzial, weil halt auch gerade in dem Bereich noch nicht alles digitalisiert ist und weil man natürlich mit der KI und so einer Software aus Deutschland auch heraus, und das ist unser Anspruch, einen europäischen Tech-Champion bauen kann mit den richtigen Rahmenbedingungen. Und ich glaube, da sind wir auf dem richtigen Weg, bin ich da sehr, sehr guter Dinge, dass wir es schaffen.
Sprecher 3: Also europäischer Tech-Champion ist das langfristige Ziel, kann man das so sagen?
Sprecher 4: Genau.
Sprecher 3: Herr Ott, vielen Dank fürs Gespräch.
Sprecher 4: Dankeschön.