Versinken wir im Drogensumpf, Herr Streeck?
Dauer: 21:23

Versinken wir im Drogensumpf, Herr Streeck?

Alkohol verursacht jährlich über 21.000 direkte Todesfälle und bleibt die am meisten unterschätzte Droge. Streeck macht klar, dass durchgreifende gesetzliche Regelungen zum Alkohol kaum durchsetzbar sind. Das begleitete Trinken für Minderjährige in der Gastronomie soll allerdings verboten werden. In Deutschland dürfen Minderjährige ab 14 Jahren in Begleitung der Eltern Bier, Wein und Sekt auch in Kneipen und Restaurants trinken. „Alkohol wird nicht besser, wenn die Eltern daneben sitzen“, sagt Streeck. Aber das geplante Verbot sei „natürlich auch ein bisschen Symbolpolitik“.

Jedes Jahr sterben zweieinhalbtausend Menschen durch illegale Substanzen. Synthetische Opioide gehören inzwischen zu den gefährlichsten Drogen. Sie sind bis zu 500-mal so stark wie Heroin. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung sagt aber auch: „Wir haben in Deutschland bisher nicht so eine Opioid-Krise wie in den USA.“


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Transkript

Sprecher 1: 2025 liegt in den letzten Zügen nur noch einen Tag und dann haben sie es geschafft mit diesem so aufregenden Jahr. Dann geht es Richtung 2026. Aber wir wollten heute an diesem 30.12. In unserem Podcast nochmal auf ein Thema blicken, das aus unserer Sicht zu kurz gekommen ist in den vergangenen Monaten, auch in der medialen Berichterstattung und den ein oder anderen gerade über die Weihnachtsfeiertage vielleicht auch persönlich betroffen hat, nämlich der übermäßige Konsum von... Dingen, die gar nicht so gesund für jemanden sind. Ich spreche natürlich über Alkohol, aber es geht auch um Tabak, es geht um Drogen. Wir sprechen heute mit dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Professor Hendrik Streeck. Den meisten von Ihnen vor allem natürlich aus der Corona-Pandemie bekannt. Da war der Virologe aus Bonn einer der streitbarsten Stimmen in der Öffentlichkeit. Inzwischen ist der Bundestagsabgeordneter für die CDU und Drogenbeauftragter. Herzlich willkommen, Hendrik Streeck.

Sprecher 2: Schönen guten Morgen, Herr Rüpp-Broeker.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 1: Herr Strick, blicken wir doch mal einmal zurück auf das Jahr aus der Sicht des Drogenbeauftragten. Wie drogensüchtig ist Deutschland?

Sprecher 4: Wir haben ja zwei unterschiedliche Entwicklungen. Auf der einen Seite sehen wir bei Jugendlichen, dass eigentlich weniger konsumiert wird. Weniger Alkohol, es wird weniger geraucht, aber gleichzeitig sehen wir eine Entwicklung, die mir auch ein bisschen Sorge macht. Wir haben immer mehr, wird konsumiert in einigen Gruppierungen, auch bei Jüngeren. Das scheint ein Widerspruch zu sein, aber wir haben eben so eine Gruppe an, ja, wir nennen die auch Psychonauten, also... Risikofreudigen jüngeren Menschen, die alles Mögliche probieren. Und dadurch steigen auch die Todeszahlen. Wir sehen neue Substanzen, immer potentere auf dem Markt und eben auch Substanzen, die wir vorher noch nicht einschätzen konnten.

Sprecher 1: Wir reden von ungefähr zweieinhalbtausend Toten im Jahr, pro Jahr, in den letzten Jahren immer wieder, die in irgendeiner Form von... Illegalen Substanzen oder an den Folgen dieser Nutzung der illegalen Substanzen gestorben sind. Darunter ist immer noch der Haupttodespunkt Heroin. Aber über eine Droge, über die gerade alle reden, vor allen Dingen in den USA, aber die zusehends auch in Europa erscheint, ist sehr Fentanyl. Können Sie uns mal eine Einschätzung geben, Herr Strick, wie groß das Problem ist, dass von dieser extrem süchtig machenden Droge, die ja 50 Mal stärker ist als Heroin, auch hier bei uns ausgeht?

Sprecher 4: Ja, also synthetische Opioide gibt es eigentlich. Eigentlich schon lange, aber wir haben erst in den letzten Jahren so richtig diese Entwicklung, dass synthetische Opioide nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland immer mehr auf den Markt kommen. Das ist nicht nur Fentanyl, sondern auch Nitazene oder Orphine, die zum Teil eine 500-fache Potenz, also 500-fach so stark wie das reguläre. Heroin sind. Wir haben in Deutschland bisher nicht so eine Opioid-Krise wie in den USA. Ich habe ja neun Jahre in den USA gelebt, das ist ja zum Teil wirklich furchtbar zu sehen. Letztes Jahr sind 81.000 Menschen an Opioid verstorben, eine unglaubliche Zahl. Es gibt wahnsinnig viele Abhängige. Wir haben ein sehr strenges Betäubungsmittelgesetz. Wir haben sehr restriktive Ärzte und da bin ich auch wirklich dankbar, die sehr zurückhaltend mit der Verschreibung von Opioiden sind. Und deswegen haben wir so eine Krise bisher noch nicht. Aber wir haben eine ähnliche Entwicklung im Moment in... Deutschland oder in Europa wie in den USA, dass eben diese Substanzen immer mehr auch beigemengt werden zum normalen Heroin, zum Teil auch in Tabletten vorhanden sind. Und da müssen wir genau hinschauen, dass wir eben genau so eine Entwicklung wie in den USA nicht bekommen.

Sprecher 1: Zumal wir ja nicht so richtig wahrscheinlich verhindern können, dass diese Substanz überhaupt illegal in Europa eingeführt wird, auf natürlich kriminellen Wege. Was wissen Sie darüber, wie groß die organisierte Kriminalität hinterher ist? dieser Substanz auch ist.

Sprecher 4: Ja, also was eigentlich recht spannend ist, dass wir, also das nehmen wir an, in Afghanistan haben die Taliban den Schlafmondanbau verboten und die Schlafmondfelder zerstört. Nehmen wir an, dass dadurch ein Markt entstanden ist für synthetische Opioide und diese Beinwängung. Wir kriegen sporadisch Meldungen darüber, wodurch diese synthetischen Opioide auf den Markt kommen. Aber man hat das Problem, dass das nicht mehr so große Pakete sind, die nach Europa kommen, sondern dass wirklich... Ganz kleine Mengen sind, die ja ausreichen, um unheimlich viele Menschen zu versorgen, die das nehmen wollen oder auch in den Beinmengungen, sodass das sehr schwer nachzuvollziehen ist, woher das eigentlich kommt. Deswegen ist für uns enorm wichtig, einmal, dass wir europäisch zusammenarbeiten. Ich war vor ein paar Wochen in Lissabon beim Executive. Ich bin ja im Executive Board der European Drug Agency und wir sehen ja europaweit diese Entwicklung. Und auf der anderen Seite müssen wir hier in Deutschland ein gutes Monitoring- und Frühwarnsystem etablieren, was wir gerade im Pilotprojekt im Übrigen laufen haben, dass wir schnell verstehen, was auf der Straße unterwegs ist, damit wir... Nicht nur wissen, was da ist, eine gute Datenlage haben, aber auch warnen können. Die Suchthilfen, die Rettungskräfte, die Ordnungskräfte, aber auch die Konsumierenden selber, dass sie wissen, hier gibt es zum Beispiel Verunreinigungen. Das rettet am Ende Leben.

Sprecher 1: Es gibt laut Europäischer Drogenagentur im Jahr 2023 in Deutschland 70 Todesfälle. Haben Sie eine aktuelle Zahl für dieses Jahr?

Sprecher 4: Die 70 Todesfälle, die kenne ich auch. Es gibt auch europaweit rund 153 Todesfälle, die zurückzuführen sind auf synthetische Opioide. Man muss dazu sagen, wir haben insgesamt schlechte Daten darüber. Wir kriegen nur Daten über wirklich die gesicherten Todesfälle, die auf solche Substanzen zurückzuführen sind, wenn toxikologische Gutachten nach einer Obduktion durchgeführt werden. Und das wird in vielen Fällen einfach nicht gemacht. Und da müssen wir einfach besser in den Daten werden, dass wir auch besser sagen können, was hier in Europa passiert.

Sprecher 1: Was in den USA passiert, ist tatsächlich erschreckend. Laut amerikanischen Regierungsangaben ist eine Überdosis von Fentanyl die häufigste Todesursache bei Amerikanern zwischen 18 und 40 Jahren. Schon wenige Milligramm können tödlich sein. Und der US-Präsident hat vor wenigen Wochen gesagt, das ist eine Massenvernichtungswaffe, auch um damit auch strafrechtlich, polizeilich stärker gegen den Handel vorzugehen. Müssen wir vielleicht das Thema hier stärker fahren? Müssen wir uns auch überlegen, die Strafen bei der Verbreitung dieser Substanzen stärker in den Blick zu nehmen?

Sprecher 4: Also es geht ja nicht nur um Strafen, sondern es geht ja auch darum für uns, die Nachfrage zu reduzieren. haben leider diese Entwicklung, dass es eine Gruppierung von jungen Menschen sehr viel gerne ausprobiert im Moment. Und durch die Digitalisierung und das Darknet, aber auch zum Teil im Clearnet, kommt man unheimlich leicht an Drogen. Und da werden dann Tabletten angeboten, die zum Teil verunreinigt sind. Es wurden... Letztes Jahr zum Beispiel 1000 Oxycodon-Tabletten sichergestellt, die eigentlich synthetische Opioide, also Nita-10, enthalten haben, die eine wahnsinnige Potenz haben. Und da müssen wir reingehen, dass wir eine Prävention, Aufklärung auf Augenhöhe machen, dass wir Jugendliche erstmal davor befahren, überhaupt solche Dinge auszuprobieren. Denn häufig ist die Ersteinahme tödlich oder die Kombination, also der Mischkonsum von vielen unterschiedlichen Drogen ist da schon bei der ersten Anwendung tödlich. Und das ist eben das, was so extrem gefährlich für uns ist. Und darum müssen wir hier nächstes Jahr stark sein in der Aufklärung. Prävention. Der Bundeshaushalt gibt das ja auch her, dass das BIOG hier eine Stärkung für die Sucht- und Drogenprävention bekommen hat. Und gleichzeitig müssen wir natürlich europäisch schauen, wie wir die Schmuggelrouten reduzieren. Da sind mehrere jetzt in der EU-Strategie Dinge angestoßen worden, also wo Frontex gestärkt wird, wo eine stärkere Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Zoll. in den Fokus genommen wurde, wo auch mehr geforscht wird und insgesamt versucht wird, hier gegen den Drogenschmuggel und Drogenhandel stärker und EU-weit koordiniert vorzugehen.

Sprecher 1: Können Sie als Drogenbeauftragter eigentlich politisch, gesetzgeberisch was tun oder ist das am Ende Fördermittel für Suchtprävention, Aufklärungskampagnen und am Ende sind Sie doch ein bisschen machtlos?

Sprecher 4: Ja, also meine Hauptaufgabe ist die Koordination. Es gibt kaum ein Themenfeld, was so ressortübergreifend unterwegs ist, wie die Frage von Sucht und Drogen. Ich arbeite sehr eng mit dem Familienministerium zusammen in den Fragen von Jugendschutz. Ich arbeite mit Alexander Dobrindt, BMI zusammen und dem BKA zu Fragen von... Organisierter Kriminalität, auch in Fragen zum Beispiel beim Glücksspielbereich. Wir haben mit dem Justizministerium, Gesundheitsministerium, vielen anderen Akteuren extrem viel zu tun, um auf verschiedenen Ebenen nicht nur aufzuklären, aber gerade so in Fragen von synthetischen und Opioiden, Ressortabstimmungen zu machen, wie wir gemeinsam vorangehen in der Arbeit gegen synthetische Drogen. Denn es sind wirklich ressortübergreifende Themen. Das Gleiche versuchen wir auch auf Bund, Ländern und Kommunen, dass wir möglichst deutschlandweit koordiniert, abgestimmt hier vorgehen und auch den Erfahrungsaustausch. Also es geht nicht nur um Öffentlichkeitsarbeit, sondern vor allem auch eine Koordination und Abstimmung der Vorgehensweise gegen unterschiedliche Drogen, angefangen von synthetischen Opioiden, Kokain, Crack und vielen anderen.

Sprecher 1: Fentanyl ist vielleicht gerade die gefährlichste Droge, aber die Volksdroge Nummer 1 in Deutschland ist natürlich immer noch der Alkohol. Mehr als ein Fünftel der erwachsenen Menschen in Deutschland trinken Suchtkrankalkohol, also übermaß zu gefährlich. Jedes Jahr sterben 50.000 Menschen, meist Männer. Und trotzdem, wenn man in den Koalitionsvertrag schaut, dieser schwarz-roten Koalition, ist das kein größeres Thema. Weder gibt es da neue Werbebeschränkungen oder eine höhere Steueridee, weil das nicht notwendig ist oder weil die Volksdroge Alkohol eigentlich verharmlost wird.

Sprecher 4: Ja, also Alkohol bleibt in der Tat eine der gesundheitlich vermeidbarsten und unterschätztesten Drogen. Wir hatten letztes Jahr zum Beispiel im Vergleich 21.000 Todesfälle, die direkt auf den Einfluss von Alkohol zurückzuführen sind, von Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Ähnliches, die durch den Alkohol verursacht wurden. Wir haben die positive Entwicklung, das hatte ich ganz am Anfang vorausgestellt, dass bei Jüngeren der... Der Konsum rückläufig ist, da auch ein Trend entsteht zu Niedrigalkohol oder gar keinen Alkoholprodukten. Das typische alkoholfreie Bier wird mehr konsumiert, ist auch ein wirklicher Wirtschaftszweig geworden. Aber ja. Wir haben bei Alkohol einen Umgang, der eigentlich dieser Droge nicht gerecht wird, wenn man das sich nüchtern anschaut.

Sprecher 1: Wo würden Sie ansetzen? Wo wird es problematisch? Wobei Sie sind ja gerade auch kurz nach der Amtsanführung sehr auf den Schwerpunkt junge Menschen gegangen. Man darf im Grunde ja schon seinem 14- oder 15-jährigen Sohn ein Gläschen Wein hinstellen, wenn man daneben sitzt. Wo würden Sie sagen, es... Geht es zu früh schon los für junge Leute?

Sprecher 4: Ja, also da haben Sie vollkommen recht. Für mich geht es darum, bei Jugendlichen anzusetzen. Weil wenn man wirklich langfristig was verändern will in dem Konsum von bestimmten Drogen, muss man bei jüngeren Menschen ansetzen, weil da beginnt... Eigentlich die Suchtentwicklung, da beginnt die Gewöhnung an bestimmte Stoffe. Und da kann man am besten noch durch Resilienzsteigerung, Aufklärung, Prävention, frühe Intervention reingehen und versuchen hier Änderungen zu erreichen. Was entschieden ist, ist ja, dass wir das begleitete Trinken abschaffen wollen. Also das Trinken im Restaurant im Alter von 14 bis 16 im Beisein der Eltern. Alkohol wird nicht besser, wenn die Eltern daneben sitzen. Aber man muss dazu sagen, das ist natürlich auch ein bisschen Symbolpolitik. So häufig kommt das nicht vor. Es ist etwas, wo man deutlich machen kann, hier Alkohol trinken ist gefährlich, es ist ein Zellgift und wir wollen hier auch gegen vorgehen. Sie haben wahrscheinlich mitgekriegt, Ich hatte in den Sommermonaten so ein bisschen gestichelt und auch gesagt, naja, die Quengelzone an der Kasse, also dort, wo man wartet zum Bezahlen und dann an der Seite der Cognac-Stick, ist jetzt nicht für trockene Alkoholiker wirklich ein angenehmer Ort, die die gerade aus dem Alkohol... Konsum von der Sucht so weggekommen sind. Dass sie dann dauernd erinnert werden an Alkohol, aber da ging ja schon ein großer Aufschrei rum, dass das doch so wichtig wäre. Und ich glaube, man muss hier schon einmal kommunikativ gegenhalten, aber auch schauen, wo man hier die Mehrheiten findet. Und das ist gerade beim Alkohol etwas schwieriger, aber ich versuche hier schon irgendwie unter den Abgeordneten, in den Fraktionen zu schauen, ob man hier vielleicht das eine oder andere auch Mehrheiten findet.

Sprecher 1: Macht es Sinn, dass man zwischen 16- und 18-Jährigen so strikt trennt, was in vielen anderen europäischen Ländern ja gar nicht der Fall ist? Also Bier und Wein, die vermeintlich harmlose Alkoholiker, darf man schon als Jugendlicher, alles andere erst ab 18?

Sprecher 4: Ja, das ist bei uns wirklich tief in unserer Kultur verankert. Wenn man sich überlegt, schützenfeste Vereine, Karneval. Weinkönig, Weinkönigin, das sind Dinge, die ein Teil unserer Kultur sind. Auch die ganzen Brauereien, Winzereien sind Teil unserer Kultur. Und da dagegen zu halten, das ist insgesamt sehr schwer. Sodass man hier, glaube ich, wirklich... besser über Aufklärung und Prävention arbeitet und schaut, ob man für diese kleinen Schritte, diese kleinen Nadelstiche, dass man da versucht, mehr erhalten zu finden.

Sprecher 1: Gibt es denn irgendwo überhaupt Gesetzgebungsbedarf, zum Beispiel bei jungen Fahranfängern oder auch beim Verkauf oder der Präsentation von Alkohol, wie Sie es gerade angesprochen, wo Sie sagen würden, da möchte ich in den nächsten Monaten rangehen?

Sprecher 4: Es fällt mir leichter, da auf Anipien Dinge zum Tabak- und Nikotinkonsum zu sagen, weil da gibt es, glaube ich, mehr Baustellen im Moment. Beim Alkohol, glaube ich, müssen wir mal darüber reden, dass wir beim hochprozentigen Alkohol nie über eine wirklich Alkoholsteuererhöhung gesprochen haben. Und sowas aber nicht als eine Alkoholsteuer, aber zum Beispiel als eine Abgabe. Ins Gesundheitssystem, um diesen gesamtgesundheitswirtschaftlichen Schaden und volkswirtschaftlichen Schaden auch etwas gegenzusetzen. Das ist etwas, worüber wir reden sollten. Dem Gesundheitssystem geht es extrem schlecht finanziell. Was Alkohol- und Tabakkonsum dafür einen Schaden einrichtet, das ist vielen überhaupt nicht bewusst.

Sprecher 1: Ja, beim Tabak ist es ja so, dass die Koalition, aber auch diese, auch die vorherigen, immer wieder diesen sanften Aufwuchsfahrt bei der Erhöhung der Tabaksteuer umgesetzt hat, sodass man denken könnte, bitte raucht weiter, damit die Einnahmen steigen, aber einen richtig prohibitiven Steuersatz machen wir dann doch nicht.

Sprecher 4: Wenn Sie mich als Arzt fragen, Ich würde sofort mit einer Tabaksteuer und Alkoholsteuer reingehen. Beides ist enorm schädlich. Wir hatten letztes Jahr 131.000 Tote alleine durch den Tabakkonsum. Wir haben einen Schaden von 30 Milliarden direkt im Gesundheitswesen durch den Tabakkonsum pro Jahr und wahrscheinlich indirekt rund 60 Milliarden noch obendrauf volkswirtschaftlicher Schaden. Das sind Dinge, die wir... In meinen Augen unbedingt zurückdrehen müssen. Hinzu kommt das ganze Leid von Krebserkrankungen und Todesfällen, die natürlich eigentlich der Hauptgrund sein sollten. Wir haben eigentlich eine positive Entwicklung, dass Jugendliche weniger rauchen, weniger zu den Zigaretten greifen, aber wir haben im Moment... Eine gegenläufige Entwicklung durch die Vapes, also diese Verdampfer, E-Zigaretten und auch zum Teil durch Nikotinbeutel.

Sprecher 1: Sind die eigentlich wirklich so viel weniger schlimm?

Sprecher 4: Und das ist es genau. Vapes sind darauf angesetzt, dass Jugendliche, zum Teil sogar Kinder, die benutzen. Sie sind klein, billig, poppig und haben Aromen, die eigentlich nur für Kinder und Jugendliche interessant sind. Also auch von denen konsumiert sind. Coca-Cola, Strawberry, Kiwi, Salted Caramel und sowas. Und das klassische Rauchen geht zurück, aber Vapes gehen nach oben. Ich denke, wir müssen da ähnlich... Verfahren wie andere Länder, wie zum Beispiel Dänemark oder Holland, die bestimmte Aromen einfach verbieten, weil es hier wirklich um Produkte geht, die für Jugendliche gemacht sind und der Einstieg in eine Nikotinsucht und damit auch eine Tabakzucht sind. Die Auswirkung von diesen Aromen im Übrigen auf die Lunge ist gar nicht so gut untersucht. Geschmacksstoffe, aber inhalativ ist die Lunge ja natürlich ein enorm sensibles Organ und da sowas zu inhalieren, also da glaube ich, da müssen wir deutlich gegenhalten. Und ähnlich verhält es sich für mich mit Nikotinbeuteln. Nikotinbeutel sind in Deutschland eigentlich verboten, aber es entwickelt sich zu einem Trend auch bei Jugendlichen derzeit, die auch nach Cola oder Erdbeer schmecken oder ähnliches und genauso süchtig machen.

Sprecher 1: Lieber Herr Strick, aber dann muss ich doch mal den Arzt in Ihnen nochmal vorholen. Also ich habe meine Eltern neulich im Krankenhaus besucht und egal wo ich... In medizinischen Einrichtungen bin, also die Plätze vor diesen Krankenhäusern und Kliniken sind immer besetzt mit vielen Rauchern im weißen Kittel. Warum ist das eigentlich so verbreitet bei ausgerechnet denjenigen, die wissen, wie schädlich es ist?

Sprecher 4: Ehrlich gesagt, ich ärgere mich da auch jedes Mal drüber, das zu sehen.

Sprecher 1: Haben Sie nie geraucht, Herr Strick?

Sprecher 4: Nein, also ich habe es mal ausprobiert, aber es war nie etwas für mich.

Sprecher 1: I didn't inhale, sagen Sie jetzt nicht, I didn't inhale.

Sprecher 4: I didn't inhale. Nein, aber es war nie etwas für mich. Und ich rauche auch nicht. Aber es ärgert mich, dass auch in den Gesundheitsberufen viel geraucht wird. Diese Nikotinprodukte, das ist natürlich auch immer etwas Aufputschendes. Darum kommen ja auch gerade diese Nikotinbeutel so gut an, die man sich ja unter die Zunge legt. Dadurch oder in die Backe und dadurch so etwas Aufputschendes hat. Aber es ist, und es gibt eben auch einen Moment durch das Rauchen, dass man draußen steht und dann nochmal zur Ruhe kommt und dann ins Plaudern kommt, also gemeinsam eine Pause macht. Das hat natürlich auch so einen sozialen Faktor. Ich glaube, wir müssen da bei beiden deutlich dagegen halten. Ist es extrem schädlich, ist es tödlich und ist es etwas, was einfach auch wahnsinnige Kosten im Gesundheitswesen verursacht.

Sprecher 1: Dann zum Abschluss nach diesen weinintensiven Feiertagen, wie es wahrscheinlich viele erlebt haben, ich jedenfalls, die Frage an Sie, Herr Strieg, ist diese berühmte Volksmundweisheit, ein Glas Wein am Tag, das schützt eigentlich das Herz und ist gar nicht so schlimm. Fake News oder ist da was dran?

Sprecher 4: Das Bundesinstitut für Ernährung sagt eigentlich, dass es so nicht richtig ist. Es gibt ja diese Frage nach der mediterranen Ernährung. Italiener zum Beispiel haben ja eine höhere Lebenserwartung und da glaubt man, dass das an der mediterranen Ernährung und auch dem... Glas Rotwein.

Sprecher 1: Ich glaube eher, das ist eine... Deren Gelassenheit der Süd- und Nordlicht.

Sprecher 4: Ja, genau, darauf wollte ich gerade hinaus. Das Wichtige ist, was wir sagen, dass man erstmal sein Limit kennt, wie viel man überhaupt trinken kann. Und das Beste ist, so wenig zu trinken wie möglich oder gar nicht zu trinken, weil all das, was... In meinem Bereich, in dem ich arbeite, konsumiert wird, ob von Alkohol, Tabak, Cannabis und illegale Drogen. Das sind alles Dinge, die am Ende wirklich gesundheitsschädlich sind. Und Gesundheit ist eigentlich das Wichtigste, was wir haben.

Sprecher 1: Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken, hat Johann Wolfgang von Goethe gesagt. Aber das Leben wird deutlich kürzer, wenn man zu viel Wein trinkt. Da sind wir uns auch einig. Lieber Herr Strick, vielen Dank für dieses Gespräch und ich wünsche Ihnen einen schönen Jahreswechsel und einen guten Start ins neue Jahr.

Sprecher 4: Das wünsche ich Ihnen auch.

Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.